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Verantwortung übernehmen?


Auf das Treffen der irischen Bischöfe im Vatikan am 16./17.02.2010 mit Papst Ratzinger, reagierten die Betroffenenvertreter in Irland unzufrieden und enttäuscht. In der Abschlusserklärung des Vatikans fehlte insbesondere die Anerkennung der Verschleierungen oder eine formelle Entschuldigung für den Missbrauch von Kindern durch katholische Priestermänner. Opfer klerikalen Missbrauchs bezichtigten den Papst, er „wasche seine Hände“ sauber von den Skandalen.

Wir fragen: Kann es denn sein, dass er nichts davon gewusst hat? Gegen eine solche Schutzbehauptung bestünden berechtigte Zweifel. Indizien sprechen mehr als dafür, dass der jetzige Papst schon seit Jahrzehnten um die Vorfälle in Irland und der ganzen Welt wissen musste, ohne jedoch geeignete Schritte zu ihrer Aufklärung getan zu haben.

Die Fakten: Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst seit dem 25.11.1981 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Die Kongregation für die Glaubenslehre hat die Aufgabe, „die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen“. Es war also seit 1981 seine Aufgabe, dem Sittenverfall in der Kirche durch geeignete Maßnahmen zu begegnen. Kindsmissbrauch war schon immer ein schweres Verbrechen.

Seit 1987 bestehen in Irland Versicherungsverträge zwischen der Erzdiözese Dublin und der Versicherungsgesellschaft „Church & General“, die die Diözese gegen Ansprüche - die aus sexuellem Missbrauch von Seiten ihrer Priester entstehen - absichern sollen. Die Frage: Warum bereits seit 1987? Wusste man nicht schon zu diesem Zeitpunkt, dass es zahlreiche Missbrauchsfälle gab und dass Forderungen gegen die Kirche entstehen würden?

Am 18.05.2001 schrieb Joseph Kardinal Ratzinger, als Präfekt der Glaubenskongregation, einen Brief an die Bischöfe der ganzen katholischen Kirche, in dem es heißt: „Wenn ein Bischof auch nur vage Kenntnis von einer derartigen Straftat (Sexueller Missbrauch an Minderjährigen) hat, muss er sie nach abgeschlossener Voruntersuchung an die Glaubenskongregation weitermelden.“ – Also, an ihn!

Bis zu diesem Zeitpunkt galt in der katholischen Kirche die 1962 von der Glaubenskongregation herausgegebene Instruktion Crimen sollicitationis, nach der das kirchliche Vorgehen bei Kindsmissbrauch durch Priester geregelt war. Seit 1981 also war Papst Ratzinger, damals als Kurienkardinal, für diese Verbrechen innerhalb der Kirche verantwortlich. In Zivilprozessen wegen sexueller Übergriffe durch katholische Priester in den Vereinigten Staaten von Amerika wurde von Anwälten der Kläger argumentiert, dass Crimen sollicitationis ein Beweis für Justizbehinderung durch die katholische Kirche sei. Kardinal Ratzinger war als Präfekt der Glaubenskongregation dafür verantwortlich!

Der Dominikaner Thomas Doyle, Berater und Sachverständiger für kirchliche Missbrauchsfälle in den USA, Kanada, Irland, Israel und dem Vereinigten Königreich, sagte 2006 in einem Interview mit der britischen BBC: Das Dokument sei „eine explizite schriftliche Richtlinie zur Vertuschung sexuellen Missbrauchs an Kindern durch Geistliche, um diejenigen zu strafen, die Aufmerksamkeit auf diese Verbrechen der Kirchenmänner lenken wollten.“ Dafür war Kardinal Ratzinger verantwortlich.

Am 11.12.2009 schrieb „Die Tagespost.de/Zenit.org“: „Die Kommission des Murphy Reports hat keinen Zweifel daran, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern von der Erzdiözese Dublin und anderen kirchlichen Stellen verheimlicht wurde. ... Die Strukturen und Regeln der katholischen Kirche haben die Verheimlichung erleichtert.“

Wie andere Organisationen - im Gegensatz zur Kirche - mit der Übernahme von Verantwortung umgehen, zeigt ein jüngst beim DFB aufgetretener Sex-Skandal. Der Schiri-Sprecher Manfred Amerell trat mit sofortiger Wirkung von allen seinen Ämtern zurück, nachdem Gerüchte laut wurden - die er im übrigen klar bestreitet -, er habe einen anderen erwachsenen jungen Mann sexuell belästigt. Rechtlich liegt gegen Amarell laut Staatsanwaltschaft Augsburg nichts vor. Was hier gerüchteweise kolportiert wurde, spielte sich möglicherweise unter erwachsenen Männern ab. Aber dem DFB reichte das bereits aus, den Rücktritt Amarells anzunehmen, mit dem der Mann einer Enthebung von seinen Ämtern zuvor gekommen ist. Wenn schon ein Sportverband so entschlossen handelt, wieso treten nicht Priester, Bischöfe und der Papst selbst von ihren Ämtern zurück, wenn offensichtlich nicht nur rufschädigende Gerüchte, sondern erwiesene kriminelle Vorwürfe auf dem Tisch liegen?

Ähnlich verhält es sich in der Politik. Der deutsche Bundesminister Jung trat Anfang 2010 von seinem Ministeramt zurück, nachdem bekannt wurde, dass er ihm bekannte Informationen vor der Öffentlichkeit zurückgehalten hatte und behauptete, er wisse nichts davon. Wie verhält sich das zum Vorgehen der Bischöfe, Kurienkardinäle und dem Papst selbst, die nicht nur von allen Sexentgleisungen ihrer Priester gewusst haben müssen, sondern ein innerkirchliches Schweigegebot durchsetzten, das als Justizbehinderung bewertet wird, um die betroffenen Priester vor einer Strafverfolgung und die eigene Kirche vor Rufschädigung zu schützen? Warum treten die Verantwortlichen der Kirche nicht zurück?
Wie verhielt sich der ehemalige deutsche Bundeskanzler Willy Brand, nachdem bekannt wurde, dass man ihm einen Spion ins Kanzleramt eingeschleust hatte? Obwohl daran sicher völlig schuldlos, übernahm er die Verantwortung dafür und trat zurück.

Nun räumt der Papst selbst ein, einige seiner Angestellten, die kinderschändenden Priester, hätten schwer gefehlt und das nicht nur einmal, sondern in tausenden von Fällen weltweit. Übernimmt er die Verantwortung dafür, die ihm als Chef der Institution zufällt? Er tut es nicht, stattdessen beklagt er: Die schmerzliche Lage werde sich nicht rasch bessern. Soll das heißen, dass erst mal alles so weiter geht wie bisher? Nirgendwo wäre ein ähnliches Verhalten denkbar und es würde auch nirgendwo sonst akzeptiert. Deshalb forderte die irische Sängerin Sinead O`Connor bei Veröffentlichung des Murphy Reports 2009: „Der Papst solle zurück treten“.

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