
  Brief an den Zentralrat der Muslime

Brief des Universellen Lebens an den Zentralrat der Muslime in Deutschland bezüglich der Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Thema Islam und Christentum:
Herrn Dr. Ayyub Axel Köhler Zentralrat der Muslime in Deutschland Steinfelder Gasse 32 50670 Köln
20.9.06
Sehr geehrter Herr Dr. Köhler,
wir wenden uns heute an Sie aufgrund der aktuellen Debatte über die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Thema Islam und Christentum.
Wir sind Urchristen, die sich der ursprünglichen Lehre des Jesus von Nazareth verpflichtet fühlen, der jegliche Gewalt ablehnte. Als solche empfinden wir es als einen Skandal, dass der Vorsitzende der Vatikankirche sich anmaßt, im Namen des Jesus von Nazareth über andere Religionen ein Urteil zu sprechen. Wir distanzieren uns daher als Urchristen vom Vatikan.
Ausgerechnet der Vatikan macht solche Aussagen. Es geht nicht allein darum, dass Papst Ratzinger einen byzantinischen Kaiser zitiert hat, ohne sich im selben Atemzug von dessen ausschließlich negativem Urteil über den Islam zu distanzieren. Dieses Versäumnis hat er ja inzwischen immerhin bedauert.
Es ist aus unserer Sicht auch genauso wenig hinnehmbar, dass der Papst den Eindruck erweckt, seine Religion habe sozusagen die Gewaltlosigkeit gepachtet. Das trifft weder für die oströmische Kirche zu, deren Kaiser vielfach Eroberer waren und urchristliche Minderheiten wie z.B. die Bogumilen auf dem Balkan blutig unterdrückten. Es trifft vor allem auf die Vatikankirche selbst nicht zu, deren äußerst blutige Vergangenheit Herr Ratzinger mit keinem Wort erwähnte. Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennungen, die Eroberung Amerikas ... Krieg und Terror im Namen Gottes haben die Vertreter der römischen Kirche schon vor Jahrhunderten in die Welt gebracht. Und selbst im 20. Jahrhundert hatten sie dabei ihre Hände im Spiel, sei es beim Völkermord an den orthodoxen Serben im katholischen Kroatien (1941-43), beim Völkermord in Ruanda (1994) oder bei den blutigen Säuberungen in Argentinien (1976-83). Außerdem hat sich die Vatikankirche in ihrem Katechismus bis heute nicht vom „gerechten Krieg“ verabschiedet.
Ebenso schönrednerisch, ja heuchlerisch ist es, wenn der oberste Vertreter des Vatikans für seine Kirche in Anspruch nimmt, eine Religion der Vernunft zu predigen. In der Antike hat die Romkirche die griechisch-antike Philosophie als „heidnisch“ bekämpft und viele ihrer Vertreter umgebracht. Die Dogmen der katholischen Kirche strotzen nur so von irrationalen Elementen. Wir Urchristen glauben auch, dass Gottes Gesetze nicht der Vernunft widersprechen. Doch gerade deshalb können wir z.B. das Dogma der Dreifaltigkeit, wonach Gott-Vater, Christus und der Heilige Geist ein und dieselbe „Person“ sein sollen, nicht für wahr halten.
Die Vatikankirche hat in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Tod fast alles, was Er hinterlassen hat, in das genaue Gegenteil verkehrt. Jesus gründete keine kirchliche Institution und setzte keine Priester ein. Die Romkirche jedoch etablierte sich als hierarchische Machtkirche mit einem einzigen Oberhaupt an der Spitze, das sich mit heidnischen Titeln und Insignien schmückt. „Pontifex maximus“ etwa ist der Titel des obersten römischen Heidenpriesters. All das ist kein Zufall.
Wir Urchristen halten uns an die Zehn Gebote und an die ursprüngliche Lehre des Nazareners, vor allem an die Bergpredigt. Christlich wäre deshalb: Wer andere Religionen kritisieren will, sollte zunächst seine eigenen Fehler analysieren.
Vor allem wollen wir festhalten: Papst Joseph Ratzinger kann zwar für die Vatikankirche sprechen, nicht aber für das Christentum oder für Christus. Denn dessen Lehre hat seine Kirche schon vor 1800 Jahren verraten und verkauft.
Näheres zu diesem Thema finden Sie in einem Buch, in dem wir vor kurzem der Frage nachgegangen sind: „Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ Wir haben Ihnen ein Exemplar des ersten Bandes beigelegt.
Mit freundlichen Grüßen
Brief in englischer Übersetzung an: Mr. Muhammad Abdul Bari, The Muslim Council of Britain, Boardman House, 64 Broadway, Stratford, London E15 1NT
In englischer Übersetzung auch an das Amt für religiöse Angelegenheiten der Türkei: Mr. Ali Bardakoğlu, Diyanet İşleri Başkanlığı, Eskişehir Yolu 9. km., Çankaya-ANKARA-TURKEI
Brief in französischer Übersetzung an: M. Le Président Dalil Boubakeur, C.F.C.M. (Conseil Francais du Culte Musulman), 270, rue Lecourbe, F-75015 Paris
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