
 Droht eine Weltwirtschaftskrise?

CNA-Meldung vom 06. November 2001:
Angst geht um – vor neuen Terroranschlägen, vor einer Ausweitung des Krieges in Afghanistan und immer mehr auch vor einer globalen Wirtschaftskrise. Die Talfahrt setzte bereits vor Monaten ein: In Großbritannien verloren seit Anfang des Jahres in der Computer- und Telekommunikationsindustrie 360.000 Menschen ihre Arbeitsplätze. Die großen japanischen Hightech-Firmen schreiben in ihrer Halbjahresbilanz rote Zahlen und wollen 80.000 Arbeitsplätze streichen. Und seit dem 11. September bricht die Luftfahrtindustrie weltweit ein: Boeing entlässt 30.000 Mitarbeiter, American Airlines 20.000.
Auch in Deutschland spitzt sich die Situation dramatisch zu. Vergangene Woche stellten die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes in ihrem Herbstgutachten fest: Das Land befindet sich "am Rande einer Rezession". Der Bundeskanzler widerspricht. Der frühere Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl, einst Staatssekretär unter Kanzler Helmut Schmidt und Architekt des europäischen Wirtschaftsverbundes, wird deutlicher: "Wir stehen nicht am Rande einer Rezession, sondern wir sind schon mitten drin." Kein Zweifel: Die Arbeitslosigkeit steigt wieder und die Steuereinnahmen sinken dramatisch. Düsternis verbreiten auch die jüngsten Umfragen der deutschen Industrie- und Handelskammer: Im Gegensatz zur Bundesregierung rechnet die Wirtschaft nicht mit einem baldigen Aufschwung. Die Konjunktur lahmte auch schon vor dem 11.September. Doch durch die Terroranschläge hat sie einen weiteren Dämpfer erhalten. Für 2002 rechnet die Wirtschaft mit einem Wachstum von höchstens 0,5 % und 4 Millionen Arbeitslosen. Wie man weiter hört, beabsichtigt Siemens die Entlassung von 17.600 Mitarbeitern. Sind das Symptome eines allgemeinen Niedergangs?
Nichts ist mehr sicher, nur die Unsicherheit, was die Zukunft bringt. Der Spiegel fragt: "Erleben wir den Beginn eines 3.Weltkriegs? Nur ein langanhaltendes Gefecht mit islamistischen Fanatikern oder ist in ein paar Wochen das Gröbste bereits überstanden? Empfangen wir die ersten Signale einer Weltwirtschaftskrise mit Millionen Arbeitslosen und einer spürbaren Verarmung auch in den Industriestaaten? Oder wird sich die Weltwirtschaft nach ein paar Ruckelmonaten wieder erholen? Könnte sich die Verunsicherung zur weltweiten Krisenhysterie ausweiten?"
Niemand wagt mehr eine Prognose. Manche schauen zurück auf ähnliche Situationen: Etwa den Beginn des Korea-Krieges Anfang der 50er Jahre. Er löste einen Wirtschaftsboom aus, weil die USA ihre Rüstungsausgaben gewaltig ausweiteten. Der Boom steckte auch europäische Länder an, vor allem Deutschland, deren Exporte sich in den 50er Jahren im Bereich des Maschinenbaus verdreifachten. Und wie war es beim Golfkrieg? Steigende Ölpreise, hohe Zinsen, schwindendes Vertrauen der Verbraucher führten in Amerika zu einer Rezession. Deutschland überstand manches durch den Effekt der Wiedervereinigung.
Doch die Situation am Beginn des Golfkriegs nimmt sich im Vergleich mit dem gegenwärtigen Weltkonflikt eher harmlos aus. Heute geht es nicht um einen Krieg gegen einen Staat, sondern um die Auseinandersetzung mit einem unsichtbaren Feind, der jederzeit und überall zuschlagen kann und zur totalen Verunsicherung führte, die sich ständig steigert. Die Wirtschaft, so sagte Ludwig Erhard, der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, besteht zu 50 % aus Psychologie. Heute bedeutet das: Die Hälfte des Wirtschaftsgeschehens wird von Angst bestimmt. Die Angst regiert in den Vorstandsetagen der internationalen Großkonzerne; die Angst beschleicht ganze Heerscharen von Arbeitern und Angestellten an Fließbändern und Computern; Angst um ihren Arbeitsplatz, Angst um die Zukunft.
Noch nie war diese Zivilisation so angstgeschüttelt wie heute. Was will uns das sagen? Auf die Welt ist kein Verlass mehr. Auf wen dann? Auf Gott? Viele klagen auch Ihn an. Warum hilft Er uns nicht in der Not von Terror und Krieg? Weil Er uns die Freiheit geschenkt hat, Seine Gebote zu halten oder zu missachten. Tun wir letzteres, müssen wir nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung die Folgen tragen. Nicht Gott straft uns, sondern wir selbst. Das gilt für die Weltpolitik ebenso wie für den Alltag jedes einzelnen. Darin liegt zugleich die Chance: Wer sich nicht mehr auf die Welt verlässt, sondern sich bewusst macht, dass er ein Kind Gottes ist und danach lebt, findet Schritt für Schritt Geborgenheit, die den Sog der Angst allmählich verringert.
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