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 Weder "Volkskirche" noch "Volkspartei" noch "christlich"

Die Zeiten, in denen die Unionsparteien mit Hilfe bischöflicher Hirtenbriefe satte Wahlergebnisse einfuhren, sind längst vorbei. Die Kirchen wurden leerer und die Kanzelaufrufe zurückhaltender, denn das Ansehen der Kirchen war beträchtlich gesunken und ihre ungenierte politische Parteinahme eher kontraproduktiv. Einem Gemeinwesen, dessen Verfassung die Trennung von Staat und Kirche vorsieht, stand solche Zurückhaltung auch gut an.
Offenbar wollen einige das jetzt ändern: Als sich der CDU-Vorstand zu seiner Klausurtagung zum Jahresauftakt traf, fanden sich auch die Spitzen der beiden Amtskirchen ein, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann. Der kirchenfromme CDU-Generalsekretär Gröhe schwärmte: "Ob es um den Weg aus der internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise geht, um die Bewahrung der Schöpfung, um die Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme oder um Deutschlands Verantwortung in der Welt: Die beiden großen Volkskirchen und die CDU sind füreinander besonders wichtige Gesprächspartner." Und Erzbischof Zollitsch tönte, es sei wichtig, "dass die CDU als große Volkspartei sich auch in Zukunft mit dem "C" zum christlichen Menschenbild als Grundlage und Kompaß ihrer Politik bekennt." Haben wir recht gehört - "Volkskirche" und "Volkspartei"?
Nur mehr rund 60% der Deutschen sind Mitglieder einer der beiden Amtskirchen. Die wenigsten von ihnen sind noch echte Gläubige, die zum Sonntagsgottesdienst erscheinen. Wenn der neue CDU-Generalsekretär von einer "Volkskirche" spricht, muss er geträumt haben. Ähnlich erging es wohl Erzbischof Zollitsch, der die CDU "als große Volkspartei" apostrophierte, obwohl davon spätestens seit den letzten beiden Bundestagswahlen keine Rede mehr sein kann. Die Reste der einstigen Adenauerpartei zerreisst es gegenwärtig in diverse Lager – konservative, liberale, soziale und sogenannt christliche. Das "C" steht momentan mehr für Chaos als für christlich. Deshalb beschwor nun der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz das "christliche Menschenbild als Grundlage und Kompaß der Politik der CDU". Welches Menschenbild meint er? Das Bild eines Menschen, der sich als Jäger und Soldat bewährt? Das Bild eines Menschen, dem die Massentierhaltung kein schlechtes Gewissen macht, denn Fleisch sei schließlich "ein Stück Lebenskraft"? Das Bild eines Bürgers, der geduldig zuschaut, wie sein Staat jährlich Milliarden an eine Kirchenbürokratie verschwendet, der die Gläubigen davonlaufen. Auch Dr. Zollitsch steht auf der Gehaltsliste der Steuerzahler, von denen zwei Drittel mit der katholischen Kirche nichts zu tun haben. Und welches Menschenbild hat er für die "Bewahrung der Schöpfung" zu bieten, für die sich der evangelische CDU-Generalsekretär Gröhe kirchliche Ratschläge erhofft? Schließlich hat die Kirche die Anerkennung der Göttlichkeit der Schöpfung jahrhundertelang als sündhaften Pantheismus verteufelt und dadurch zur Natur- und Tierverachtung der westlichen Welt entscheidend beigetragen.
Die Bürger müssen aufpassen, welche Einflüsterungen bei solchen Treffen zwischen Kirchen- und Parteifunktionären erfolgen. Statt einer neuen Klerikalisierung der Politik steht deren Befreiung von kirchlichen Einflussnahmen an. Und nicht zu vergessen: Wer mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsame Sache macht, tut dies mit dem Vertreter eines Systems, das von Rom aus totalitär regiert wird und sich nicht christlich nennen sollte. Denn eine Priesterherrschaft, geschweige denn eine totalitäre, hat mit Jesus von Nazareth, dem Christus Gottes, nichts zu tun.
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