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  Wurde das Kirchenvolk kirchlich indoktriniert und gleichgeschaltet?

Ein kritischer Zeitgenosse: Ist es möglich, daß sich ein Mensch, der sich zum Kirchenvolk zählt, von den Institutionen Kirche indoktrinieren läßt? Der Verstand des heutigen abendländischen Menschen wird doch von Geburt an geschult.
Auch Politiker, die dem Volk vorstehen und gewählt wurden, es in eine bessere Zukunft zu führen, sind kirchlich organisierte Christen. Somit sind Politiker und Kirchenchristen kirchlich gleichgesinnt. Kann man sie, als Ganzes gesehen, als kirchlich indoktriniert bezeichnen?
Der Prophet: Ich will nicht urteilen, sondern jedem nur vor Augen führen, was jeder sehen kann.
Deine Frage eröffnet ein weites Feld. Ich nehme zunächst deine sinngemäße Aussage: Politiker sind Kirchenchristen. Sie wurden vom Volk gewählt, um dieses in eine bessere Zukunft zu führen.
Sowohl die politischen Führer als auch die Kirchenfunktionäre, die man die "Seelenhirten" nennt, werden von ihren Schafen bzw. vom Kirchenvolk als Vorbild genommen. Man schaut auf sie, hört auf sie und schaut ihnen manches ab.
Doch was hat die heutige Politik mit Christsein zu tun? Sind nicht gerade die sogenannten christlichen Politiker und die Kirchenoberen jahrzehntelang im Rampenlicht eines sogenannten Wirtschaftswunders gestanden und haben vor lauter Brillieren und Sich-selbst-Darstellen übersehen und überhört, was sich schon längst anbahnte: eine unchristliche Welt - Menschen also, die immer mehr den christlichen Geist verdrängen und ebenso wie ihre Politiker und kirchlichen Oberen nach Macht, Ansehen und Reichtum streben und ihre Pfründe durch Schaffung von Grundbesitz und anderen Werten absichern. Gekonnt setzen sie sich mit Ellbogen durch, einerlei, ob Schwächere darunter leiden oder gar zertreten werden. Ein großer Teil des Volkes, der seine Führer gewählt hat, macht es ihnen so weit nach, wie es ihm gemäß seinen Möglichkeiten offensteht.
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Was ist unter dem christlichen Volk ausgebrochen? Der Virus Gleichgültigkeit gegenüber den Lehren des Jesus von Nazareth, der schon lange im Volk grassierte, da kirchliche Amtsträger ihren Amtsschimmel, der vielfach zu ihrem Wohl trabte und trabt, Hunderte von Jahren mit ein und demselben Brimborium fütterten und füttern. Durch den Schimmel des Brimboriums - Tag für Tag, Jahr für Jahr immer die gleichen kirchlichen Abläufe und immer dieselben hochgestochenen, entsprechend gewandeten kirchlichen Pharisäer und Schriftgelehrten, die, wie zu Jesu Zeiten, schöne Reden führen und doch sind "gleich den übertünchten Gräbern" - ist das Volk ungläubig und kulturlos geworden, weil es von den kirchlichen Obrigkeiten nicht durch ihr Vorbild zu einer höheren Ethik und Moral angeleitet wurde, die eine Gesellschaft gesund werden läßt und gesund erhält.
Der kritische Zeitgenosse: Ich hätte zwei Fragen: Was verstehst du unter Indoktrination? Wie kann es geschehen, daß sich Menschen freiwillig der Indoktrination unterziehen?
Der Prophet: Der Duden bezeichnet Indoktrination als eine "massive psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von einzelnen oder ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Meinung oder Einstellung".
Ganz entgegen der Lehre Jesu, die besagt: "Lehret, und dann taufet", werden Säuglinge, die sich bekanntlich nicht wehren können, mit der Wassertaufe versehen und damit gleichsam in eine kirchliche Institution hineingetauft. Sobald das Kind zu denken und zu verstehen vermag, wird es mit all dem kirchlichen Zeremoniell und Gepränge, also mit Dogmen, Riten, Kulten, Religionsunterricht, Beichte, Kommunion, Abendmahl, Firmung, später dann kirchlicher Trauung indoktriniert, also das Gehirn, der Verstand mit dem Informations- und Kommunikationsmaterial des Programmpakets "Zugehörigkeit zur kirchlichen Institution und ihrem Lehrgebäude" gefüttert. Die kirchlicherseits eingepflanzten Denk- und Verhaltensprogramme laufen dann an jedem Tag, an jedem Festtag wie ein Videoband ab und zeigen dem Menschen auf, wie er sich heute und morgen sowie zu allen Fest- und Feiertagen zu verhalten hat.
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Der Säugling wird also in das Lehr-Kultgebäude gleichsam "eingeweicht". Das ist das Brandsiegel der Zugehörigkei" institutionell katholisch oder evangelisch". Jesus aber lehrte uns die Freiheit der Glaubensannahme: Lehret, und dann taufet Könnte sich ein freier Mensch - dann, wenn er die Unterscheidungsgabe erlangt hat bezüglich dessen, was er annehmen und nicht annehmen möchte - für eine Glaubenslehre frei entscheiden, dann hätte er auch den Bezug dazu, um eventuell danach zu leben. Wer jedoch vom Säuglingsalter an in die Schleuse der kirchlichen Indoktrination hineingepreßt wurde, dessen Gehirn wird damit schon in jungen Jahren vollgestopft und verstopft, so daß so mancher auf der Lehr- und Kultschiene bleibt, weil er nicht gelernt hat, über die ursprüngliche Lehre des Jesus, des Christus, nachzudenken.
Erhält ein Mensch von Kindheit an die immer gleiche Milch mit immer demselben Geschmack, so ist er davon im Erwachsenenalter durchdrungen, also indoktriniert. Wer sein selbständiges Denkvermögen noch bewahrt hat, der bricht unter Umständen aus dem Stall kirchlich-institutioneller Fütterung aus, um sich anderweitig umzusehen. Wer sich jedoch beflissentlich weiterhin mit der gleichen Nahrung kirchlich institutionellen Glaubens füttern läßt und sich damit begnügt, der betrachtet all die Verbrechen und Gewalttätigkeiten, die sich in unserer Welt ausgebreitet haben, als das "Schicksal dieser Welt" oder als ein "Geheimnis Gottes" und weist damit letztlich Gott die Schuld an den Übeln dieser Welt zu. Letztendlich wird er dann selbst gewalttätig, und sei es in seinen Gedanken und Worten. Das schaute und schaut er in so manchen Fällen bei denen ab, die ihm darin "Vorbild" sind, bei Theologen, die sich im Stand der Kirchenfunktionäre Exzellenzen, Eminenzen, Bischöfe, Oberkirchenräte, Priester und Pfarrer nennen lassen und beispielsweise nicht einschreiten, wenn in Nord-Irland Protestanten und Katholiken mit Mord und Totschlag aufeinander losgehen.
Blicken wir gemeinsam unsere "heile" Welt an, von der ein großer Teil christlich sein soll.
Unsere Welt ist mehr und mehr von Gewalt geprägt. Die kriegerischen Auseinandersetzungen scheinen für manchen, auch wenn er sich katholisch oder evangelisch nennt, ganz normal zu sein, denn viele - gerade viele der kirchlich Getauften, die unter diesem Siegel stehen und auch stehenbleiben -, sind der Ansicht, durch Krieg könne man Frieden schaffen. Sie schreckten nicht einmal davor zurück, die Bereitstellung von Atomwaffen zu rechtfertigen. Millionen von Menschen werden auf grausamste Art und Weise unterdrückt, natürlich auch von sogenannten Christen. An alten und jungen Menschen wird Gewalt verübt. Der Haß führt zur Brutalität, die Brutalität wieder zu Krieg und der Krieg zu Zerstörung. Die Zerstörung führt zwar u.a. zum Wiederaufbau eines zerstörten Landes. Doch ist damit Frieden geschaffen in den Herzen der Menschen?
Wer sich für sein Glaubensheil nicht selbst entscheiden konnte, der wird mit der Zeit gleichgültig, oder er spricht im blinden Glauben, der ihm vom Säuglingsalter an eingeflößt wurde. Ob Gewalt, Brutalität, Haß, Krieg, Neid oder Feindschaft - wichtig ist für ihn, daß er rechtzeitig auf dem Totenbett seine Sünden bereut und von einem Geistlichen die Lossprechung bekommt, damit ihm nach kirchlicher Lehre alles vergeben wird, wenn er rechtzeitig bereut. Oder er findet sich mit der ewigen Verdammnis ab in dem Bewußtsein: "Ich bin zwar ‘katholisch’ oder ‘evangelisch’, glaube aber nicht daran."
Die Indoktrination vollzieht sich also für den, der sich darein schickt und das eigene Denken der Kirchenräson opfert, buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre. Von Freiwilligkeit allerdings kann keine Rede sein.
Der kritische Zeitgenosse: Du sprichst gegen die institutionelle Religion.
Was ist Religion?
Bisher dachte ich, Religion sei das, was ich glauben muß, und so ich es glaube, ohne zu fragen, ob der Glaube der Wahrheit entspricht oder nicht, bin ich gerettet, weil kirchliche Amtsträger mich, den kirchlich Gläubigen, vor Gott vertreten.
Was ist für dich Religion?
Der Prophet: Ich lehne nicht die Menschen in der institutionellen Religion ab. Jeder hat den freien Willen, zu glauben, was er möchte. Für mich ist jedoch institutionelle Religion Unfreiheit. Da aber Gott die Freiheit ist, kann ich nicht für die Unfreiheit sein.
Meiner Antwort auf deine Frage, was Religion ist, möchte ich vorausschicken: Jeder Mensch ist für sein Denken, Reden und Tun selbst verantwortlich. Ein Religionsführer, ob er sich kirchliche Exzellenz oder Eminenz nennt, kann weder einen Menschen vor Gott vertreten, noch ihn von seinen Sünden lossprechen, auch dann nicht, wenn der Gläubige auf dem Totenbett liegt. Jesus lehrte uns die Befreiung von unseren Sünden, nicht die Lossprechung durch einen Pfarrer. Vergeben kann uns nur jeweils der Mensch, gegen den wir uns versündigt haben. Dann erst wird uns auch Gott davon befreien, so, wie die Christen es auch im Vaterunser beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. - Alles andere ist ein erdachtes kirchliches Lossprechungsgebäude, das aber niemals lösen kann, sondern immer nur an die Institution Kirche bindet. Jesus lehrte nicht: Der Kirchenfunktionär vergibt dir deine Schuld.
Nun zu deiner Frage: Was ist Religion?
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Die Innere Religion bezieht sich immer auf das Leben im Geiste Gottes, das uns durch die Zehn Gebote Gottes und durch die Bergpredigt Jesu vom Geist der Wahrheit nahegebracht wurde und wird. Die Innere Religion hat zwischen Glauben und Wahrheit keine Mittler, also keine kirchlichen Amtsträger, sondern einzig die Wahrheit selbst, die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu. Der Hirte der Inneren Religion ist nicht eine kirchliche Amtsperson, sondern Jesus, der Christus, der die Menschen in Seine Nachfolge rief. Jesus lehrte uns, nach dem Reich Gottes zu trachten, das inwendig in jedem Menschen ist. Wer danach strebt, der befolgt schrittweise die Zehn Gebote Gottes und die Bergpredigt.
Menschen, die Jesus, dem Christus, nachfolgen, bilden als Gemeinschaft die Innere Religion. Diese hat keine Riten, keine Dogmen, keine Priester und Pfarrer und auch keine Mitgliedschaft. Es gibt also keine Einverleibung des Säuglings durch Wassertaufe in ein Stammgebäude - die kirchliche Institution. Die Innere Religion basiert auf der Freiheit, und Freiheit heißt, Gottes Liebe anzunehmen und Gottes Liebe zu lernen, um den Nächsten zu verstehen und ihn als Sohn oder Tochter Gottes zu achten.
Wer in seinem Leben die Gesetze Gottes Schritt für Schritt anwendet, der gehört der Inneren Religion an, ob er sich einer Gemeinschaft der Inneren Religion zuordnet oder nicht. Wer also das Reich Gottes in sich selbst erschließt, der erlangt die Geisttaufe. Es ist die Taufe der Selbsterkenntnis, in der die Bereinigung des Sündhaften liegt. Wer dies so hält, der ist der Erwachte im Geiste Gottes und hat die geistige Taufe erlangt. Das ist Innere Religion.
Die äußere Religion des Kirchenchristentums basiert auf Unfreiheit, auf Kirchenbesitz und Machtanspruch und dem Schlimmsten von allem: auf der ewigen Verdammnis.
Die Innere Religion hingegen lehrt das Teilen, woraus sich die Gleichheit ergibt. Jeder ist vor Gottes Angesicht gleich. Keiner sollte also mehr Wert und Ansehen besitzen als der andere.
Die äußere Religion trennt, wie z.B. die katholische Konfession sich herausnimmt, zu behaupten, nur sie sei die alleinseligmachende Kirche, was bedeutet, daß alle "außerkirchliche Gnade" letztlich auch "Gnade der Kirche" sei ("Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung", Neuner-Roos, 1983, 11. Aufl.). Das ist Vereinnahmung und Trennung, die nicht teilen läßt.
In den Begriff "Religion" ist das Wort "religiös" einbezogen. Was beinhaltet "religiös"? Den Glauben an eine höhere Macht. Spüren wir tiefer in diesen Gedanken hinein: Wer oder was ist die höhere Macht?
Religiöse Menschen sagen: Die höhere Macht ist Gott. So könnten wir weiter fragen: Wer oder was ist Gott? Ist Gott ein Gott der Rache, der Zerstörung, des Krieges, des Hasses, ein Gott der Zwangsrekrutierung in eine äußere Religionsform, der Indoktrination - oder was ist Gott? Wer sich von der Meinung einer äußeren Religion nicht abhängig macht, der sagt: Gott ist nichts von alledem, was die Welt prägt - Gott ist Liebe, Gott ist Friede, Barmherzigkeit und Güte. Doch da die Welt nicht der Ausdruck von Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und Güte ist, ergibt sich die weitere Frage: Wer oder was ist es, der die Welt prägt? Die Antwort ist einfach: Der Mensch! Wer ist der Mensch? Angehörige einer äußeren Religion, des Kirchenchristentums, werden sagen: Der Mensch ist Gottes Ebenbild. Die Schlußfolgerung daraus könnte lauten: Wenn der Mensch - der Gewalttäter, der Zerstörer, der Zwangsrekrutierte, der Gehässige, der Friedlose - Gottes Ebenbild ist, dann müßte Gott so sein, wie ein Großteil der Menschheit ist.
Ist das so?
Eine äußere Religion, ob sie sich katholisch, protestantisch oder orthodox oder anders nennt, kann uns darauf letztlich keine Antwort geben. Schließen sich jedoch Menschen in dem Bewußtsein zusammen, daß Gott Liebe ist und daß Sein Geist der Liebe, des Friedens, der Barmherzigkeit und Güte in jedem Menschen wohnt, in jedem Tier, in jeder Pflanze, in jedem Stein, ja in jedem Atom, in jedem Molekül, in jedem Wassertropfen, dann nennen die Angehörigen der äußeren christlichen Religionen solche Menschen "Sektierer". Als Gruppe, als Gemeinschaft zusammen gesehen, sind diese für sie eine "Sekte".
Eine Sekte ist aber eine Gruppe, die einen Führer hat und auf einen Führer baut. Wenn hingegen Menschen zusammenfinden, die keinen Amtsführer haben, sondern ausschließlich Gott in Christus, und Diesem, ihrem Erlöser, nachfolgen, wenn sie alle in dieser Bewußtheit leben, daß sie selbst - jeder einzelne Mensch - die Kirche Gottes sind, gleich der Tempel Gottes, und daß Gott in jedem Menschen wohnt, daß also jeder Mensch durch die Anleitung des Jesus, des Christus, mit sich selbst ins Reine kommen kann und letztlich eins werden soll mit den Gesetzen Gottes - dann k a n n diese Gemeinschaft keine Sekte sein. Doch die amtsgeprägten Führer der äußeren Religionen nennen alle Glaubensgruppierungen außer der ihren "Sekten". Warum? Weil ihre jahrhundertelangen Verfolgungsprogramme nichts zulassen, was anders ist als ihre Amtslehre.
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Institutionen - einerlei, in welchen religiösen Mantel sie sich gekleidet haben - besitzen niemals die allein seligmachende Gnade und auch nicht die alleinige Wahrheit, denn sie teilen nicht, sondern trennen. Die Wahrheit kann, soweit sie mit Worten vermittelbar ist, von einem religiösen Lehrer gelehrt werden, doch dieser kann dem einzelnen die Wahrnehmung der Wahrheit nicht enthüllen; das kann jeder nur selbst tun durch die Verwirklichung der Gebote Gottes. Während der Mensch in sich Schritt für Schritt das wahre Selbst entdeckt, nimmt er allmählich Abstand von Angst und Sorge, denn er fühlt sich immer mehr behütet von dem Geist der Wahrheit.
Die Innere Religion ist das Leben in Gott, Der alle Menschen in Seiner Einheit und Liebe verbindet. Die äußeren religiösen Gemeinschaften hingegen binden durch Wassertaufe, Mitgliedschaft, Dogmen und Riten und im "christlichen Abendland" durch die Angst vor der ewigen Verdammnis.
Jeder von uns muß zur inneren Festigkeit finden, indem er den Bezug zu Gott in seinem Herzen aufbaut. Dann wird er sich immer weniger von äußeren Ereignissen, kriegerischen Zerwürfnissen, Gewalt, Angst, Sorgen und dergleichen berühren lassen. Das ist ausschließlich dann möglich, wenn er sich in sich selbst stärken läßt von Dem, der die Stärke ist: Gott in Christus.
Der kritische Zeitgenosse: Zur inneren Festigkeit möchte wohl jeder Mensch finden. Doch wie komme ich dahin?
Der Prophet: Um zu der inneren Festigkeit zu gelangen, müssen wir uns die erste und wesentliche Frage stellen: Wodurch können wir in Frieden mit uns selbst und in Frieden mit unserem Nächsten kommen?
Fragen wir uns: Geben wir den Frieden und die Gottes- und Nächstenliebe in unser Gehirn ein, oder was speichern wir? In dem Augenblick, da wir reden, denken und fühlen und damit etwas Bestimmtes bezwecken wollen, speichern wir unser Gehirn und auch unser Unterbewußtsein und auch unsere Seele. Wir speichern die Inhalte unserer Worte, Gedanken und Gefühle. Nicht die Schale - das Wort und der Gedanke als solche - ist ausschlaggebend, sondern unsere Motive und unsere Unterkommunikationen, die sich vielfach nicht direkt im Wort oder im Gedanken formulieren. Wir können diese unsere verschleierten Vorhaben unsere Geheimnisse nennen.
Erst wenn wir unsere fünf Sinne zu Beobachtern schulen, indem wir lernen, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu tasten, ohne etwas bezwecken zu wollen und ohne unsere Verschleierungstaktik zu gebrauchen, speichern wir nicht mehr. Wir haben dann uns selbst, unser egozentrisch aufgeblasenes Ich, weitgehend überwunden; das, was immer verlangt und will, ist abgebaut. Dann wirkt das Ich Bin, die mächtige Kraft, die höchste Intelligenz, Gott, in und durch uns. Sie verlangt nicht, sie will nicht. Sie i s t.
Ein Mensch, der sein egoistisches Wollen erkannt und aufgearbeitet hat, ist in Gott verwurzelt. Er ist eingekehrt in das Reich Gottes des Inneren und weiß sich von dort geführt. Wer sich im Königreich des Inneren angesiedelt hat, der ist friedfertig; er kämpft nicht um eine äußere Angelegenheit. Er ist sich bewußt: Was er für sein irdisches Leben braucht, das wird er auch durch die innere Führung empfangen, nicht, indem er die Hände in den Schoß legt, sondern indem er im Alltag, im Beruf, in Gesprächen, in allem Tun die höchste Intelligenz durch sich walten läßt.
Solange wir jedoch wollen und wünschen, funktionieren und arbeiten die Programme unseres Gehirns in den gewohnten, alten Bahnen. Immer dann, wenn wir etwas betrachten oder wenn wir etwas hören, läuft im Gehirn die gleiche Melodie ab, also das, was wir intellektuell gespeichert, also praktisch in unserem Gehirn haben. Wir können hinschauen und hinhören, wohin wir wollen - es laufen immer unsere Speicherungen, unsere Programme ab, wie auf einer Filmrolle. Nur das dort Verzeichnete können wir wahrnehmen. Das einzige, was unser Intellekt im Ober- und Unterbewußtsein noch zu tun vermag, ist, die Speicherungen, die Programminhalte zu kombinieren, um Bestimmtes zu erreichen.
Das, was wir bezwecken wollen, liegt immer in den Speicherungen, in den Programmen. Sie kommen aus unseren Motiven und Unterkommunikationen, also aus dem, was wir schon eingegeben haben. Das ist der Projektor, unser Gehirn, den wir auf andere richten und damit das in sie hineinprojizieren wollen, was in unserer Absicht liegt.
[...]
Wir speichern unser Gehirn, unser Ober- und Unterbewußtsein und somit unsere allzumenschlich schillernde Persönlichkeit mit massivem Wollen und Zukunftseingaben etwa bis zum 45. Lebensjahr. Dann ist unser Gehirn so weit geprägt, daß es gleich einer Ton- und Filmspule immer nur das wiedergibt, was wir eingegeben haben, allerdings in den verschiedensten Kombinationen. Ab diesem Zeitpunkt fällt uns das Dazulernen immer schwerer.
Im umgekehrten Fall ist es ähnlich: Ab etwa dem 45. Lebensjahr wird es immer schwerer, unsere Eingaben, unsere Gehirnaufzeichnungen zu löschen, um Neues eingeben zu können, weil die vielen Programme miteinander verwoben, gleich verwurzelt sind. Wer jedoch seine Film- und Tonaufzeichnungen mit immer wiederkehrenden gleichen und ähnlichen Gedanken-, Wort- und Handlungsinhalten auf- und ausbaut, der läßt auch zu, daß ein Programm oder einige solcher Programme - dann, wenn das Maß voll ist - über ihn hereinbrechen. Schicksalsschläge, Krankheiten und weiteres können die Folge sein.
Eine alte Programmierung zu löschen und uns ein neues Programm einzugeben ist nur möglich, wenn wir sehr achtsam sind, uns also selbst beobachten, immer in der Frage: Was liegt hinter meinen Worten, meinem Denken, Fühlen und Wollen? Was also dahintersteht, was im Wort, im Gedanken, im Wollen oder in der Handlung schwingt - unser Geheimnis, unser eigentlicher Charakter -, das sollen wir erfassen und bearbeiten, so daß wir ganz allmählich die negativen Aufzeichnungen in unserem Gehirn, unsere sündhaften Muster, die Friedlosigkeit, das Kriegerische, Haß, Neid, Feindschaft, aber auch Angst und Sorgen löschen, um frei zu werden von dem, was die Menschen aller Völker prägt: Angst, Haß, Neid, Feindschaft, Friedlosigkeit, Gewalt und Kriege. Um das zu erreichen, müssen wir sehr ernsthaft sein und immer mit dem Herzen wägen.
Wir können z.B. mit dem Sehorgan beginnen. Wir schauen uns dies und jenes an, betrachten es aufs genaueste und hinterfragen uns: Haben wir von dem, was wir sehen, einen gewissen Abstand, oder sind wir involviert, läuft also sogleich die Welt unseres Schauens, laufen unsere Film- gleich Tonbandaufzeichnungen ab? Bewegt uns das, was wir sehen, dann speichern wir. Die Bewegung wirkt sich in unserem Nervensystem aus. Wir merken es an der Reaktion unseres Körpers. Unsere Verhaltensweisen ändern sich. Der Körper nimmt eine straffe oder entspannte Haltung an. An den verschiedenen Körperregungen, auch an unserer Mimik, können wir erfahren, ob wir speichern oder nur registrieren.
Löscht man die Film- gleich Tonbandaufzeichnungen im Gehirn, z.B. Programme der Angst, der Gewalt, der Sorge, des Wollens, des Drängens, des Auf- und Abwertens des Nächsten, dann vollzieht sich ähnliches in unserer Seele: Negativenergien wandeln sich in Positives. Wir sehen dann die Welt durch die Perspektive des Überwunden-Habens; dann erst erlebt man die Welt im Abstand. Das allzumenschliche, das zwanghafte Drängen, Wünschen und Wollen ist gewichen; wir speichern nicht mehr.
Jeder ist selbst seine Welt: die Welt des Äußeren, der Speicherungen - oder die Welt des Inneren, der Eingebung. Es kommt darauf an, welche Welt wir uns erschließen. Aus der Distanz zur äußeren Welt des Drängens, des Wollens, Besitzens und Habens lassen sich auch leichter die immer noch wiederkehrenden persönlichen Probleme lösen. Steigern wir uns nicht in die Problematik hinein, sondern distanzieren wir uns erst einmal von unserem Problem - wir könnten sagen: wir nehmen uns zurück -, um genauer zu beobachten, wie sich dessen Bilder aufbauen, und blicken wir in die Problembilder hinein, um zu ergründen, was sie uns sagen möchten, dann finden wir darin die Lösung. Lösen wir die Ursache, die Wurzel des einen Problems, so gewinnen wir eine größere Distanz zu eventuell weiteren Problemen. Was schließlich noch an Restproblemenbeständen vorhanden ist, löst sich wie von selbst auf.
Um unser wahres Selbst zu finden, das die Einheit in Gefühlen, Empfindungen, Gedanken, Worten und Handlungen darstellt, müssen wir unser Gespaltensein zwischen "Du" und "Ich", zwischen "mein" und "dein", zwischen "gut" und "böse" auflösen und in die Einheit des Ich Bin, des wahren Selbst, bringen. Das Gespaltensein - aufgrund des Unbereinigten, der Problemprogramme, unserer Egoismen - läßt kein Teilen zu. Es ist immer auf Trennung bedacht. Deshalb sollten wir mit Disziplin und Ausdauer unsere Sinneseindrücke kontrollieren, das heißt, beobachten, was hinter diesen abläuft, um das, was dort verborgen ist, mit dem Geist der Wahrheit zu beheben.
Je freier unser Gehirn, das Ober- und Unterbewußtsein und auch unsere Seele wird, desto freier werden wir uns fühlen. Gebundenheiten, gleich Bindungen, weichen der Verbundenheit mit Aspekten des Göttlichen, die uns die innere Festigkeit bringt.
Der kritische Zeitgenosse: Was nennst du Disziplin? Könnte man "Disziplin" den selbstauferlegten Zwang nennen, ein neues, besseres Verhalten einzuüben und sich somit anzueignen, weil man sich dazu entschieden hat?
Der Prophet: Du fragst nach der Disziplin.
Unserer Seele ist nicht die Möglichkeit der Inkarnation gewährt worden, damit sie als Mensch das Leben in vollen Zügen genießt und es sich gutgehen läßt, eventuell ohne Rücksicht auf den Nächsten. Jeder von uns ist in der Erdenschule, um zu lernen, um seine Negativspeicherungen - Negativprogramme, Sündhaftes - zu erkennen, zu bearbeiten und aufzulösen. Dazu bedarf es der Selbstkontrolle und Disziplin.
Bevor wir ausführlicher über Disziplin sprechen, möchte ich das Wort Disziplin auffächern, damit es gemäß seinen Inhalten richtig verstanden werden kann.
Falsch verstandene Disziplin heißt z.B., das Verhalten und die Lebensweise anderer nachzuahmen oder sich ein scheinheiliges individuelles Verhaltensmuster aufzuerlegen, also im Äußeren seinen persönlichen Wert, seinen Nimbus, sichtbar werden lassen, um andere zu beeindrucken, um etwas Bestimmtes zu erreichen. In der falsch verstandenen "Disziplin" liegen auch Verdrängung des persönlichen Standes, das Verdrängen von niedrigen Instinkten oder das Verdrängen persönlicher Wünsche, um sich ein besonderes Wertgefühl aufzusetzen.
Rechte Disziplin bedeutet, sich ungeschminkt, ohne Selbstentschuldigung, in seinem Verhalten, also in den Gefühlen, Empfindungen, Gedanken, Worten und Handlungen zu betrachten, zu ergründen, was im persönlichen Verhalten steckt, ob wir so reden, wie wir denken, ob wir so denken, wie wir fühlen.
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Das bedeutet, zu lernen und uns selbst zu erkennen, uns also selbst zu erfahren in unseren Speicherungen des Ober- und Unterbewußtseins, die sich unermüdlich selbst offenbaren, dann, wenn wir denken, reden und handeln. Jeder Mensch kann nur fühlen, denken, reden und handeln, was er sich selbst schon in das Gehirn eingegeben hat. Es sind also immer wir, die fühlen, denken, sprechen und handeln. Das gilt es zu hinterfragen, das gilt es aufzufächern und hineinzublicken, um zu erfassen, was die Wurzel unserer Verhaltensweisen ist. Das ist nur möglich, wenn wir uns in den Gesprächen, in Situationen, in persönlichen Problemen zurücknehmen und uns selbst den Befehl geben: Halte inne mit deinem Denken und Reden, und hinterfrage dich! Was denkst du - und was empfindest du dabei? Was sagst du, und was denkst du, wie handelst du - und was denkst und fühlst du dabei?
Das sind die Schritte hin zum Lernen und zur rechten Disziplin. Wer diese Arbeit an sich selbst eine Zeitlang durchhält, der wird merken, daß sich große positive Änderungen in ihm vollziehen und das weitere Disziplinieren im Hinterfragen und Sich-Ändern keine Arbeit mehr ist. Es geht dann wie von selbst, weil dann der Geist Gottes die Herrschaft über das Fleisch, den Menschen, gewinnt.
Der kritische Zeitgenosse: Wie ist es, wenn etwas Unbekanntes, mir Fremdes auf mich zukommt, z.B. eine Arbeit, die ich noch nie getan habe, oder sachfremde Fragen, die ich beantworten soll?
Der Prophet: Immer dann, wenn etwas Unbekanntes auf uns zukommt, stehen wir dem Neuen ratlos gegenüber. Wir können es in unsere Programmwelt nicht einordnen, außer wir greifen zu einer Scheinlösung der sich stellenden Aufgabe aus unseren Vorstellungen und Meinungen heraus, die das Unterbewußtsein hervorbringt, indem es aus den schon vorhandenen Programmen diese Meinung und jene Vorstellung zusammensetzt, die wir selbst dann in Worte kleiden. Vielfach merken wir dann, daß wir das Unbekannte nicht erfaßt, sondern nur eine Ausrede gebraucht haben.
Um das Unbekannte zu erforschen, müssen wir lernen: Wir müssen fragen, was gemeint ist. Wir müssen nachlesen, was es bedeutet. Wir müssen also Schritt für Schritt vorgehen, um es uns bekannt zu machen. Auf diese Weise erschließt sich uns das Unbekannte. Das geschieht nur durch das Lernen, durch unsere Bemühung, das Unbekannte zu entschlüsseln. Das gleiche gilt beim Erlernen eines Berufes. Wir müssen diesen Beruf Schritt für Schritt lernen, indem der Meister uns lehrt und es uns zeigt. Dann machen wir uns den Beruf allmählich zu eigen, das heißt, wir speichern damit unser Gehirn und machen es zu unserem Wissen. Aus diesem Potential können wir dann wieder geben - darüber hinaus, also in das Unbekannte hinein, nichts.
Wir sind es also immer selbst, die denken, die reden, die handeln. Unser ganzes Verhalten sind wir selbst. Schon vom Kindheitsalter an beginnt das Lernen und das Speichern von Positivem und Negativem. Das setzt sich fort, bis wir in ein Lebensalter kommen, das uns nur noch rückblicken läßt, um unsere Vergangenheit, unsere unlauteren Speicherungen, aufzuarbeiten.
Der kritische Zeitgenosse: Du behauptest, daß äußere Religionen trennen, da jeder institutionelle Glaube von sich sagt, daß speziell er die Wahrheit hätte. Wenn man den einzelnen Menschen in den verschiedenen institutionellen Glaubensrichtungen sagen würde: "Deine institutionelle Glaubensansicht entspricht nicht der Wahrheit", würde jeder entgegnen: "Das glaube ich nicht" oder "Beweise es mir". Kann man den Glauben beweisen?
Der Prophet: Kein Mensch kann seinen Glauben beweisen, weil der Glaube an Gott eine innere Erfahrung ist, die einem anderen nicht als wahr übermittelt werden kann. Der "Glaube" - in Form von bestimmten Glaubenssätzen - kann wohl einem Menschen übergestülpt werden - dann, wenn dieser als in sein institutionelles Glaubensgebäude Hineingetaufter nicht darüber nachdenkt.
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Wo Trennung ist, ist Bindung. Das Teilen geschieht in dem Bewußtsein, daß wir alle vor Gottes Angesicht gleich sind. Äußere Religion trennt in Mitglieder, Dazugehörige, Angehörige, in Nationalitäten wie Engländer, Deutsche, Juden, Amerikaner, in Moslem oder Hindu. Wer sich nicht bewußt macht, daß alle Menschen und die Naturreiche eine Einheit in dem einen großen Geist, Gott sind, der trennt.
Trennung erfolgt durch unser falsches Denken.
Der kritische Zeitgenosse: Du sagtest: Trennung ist Bindung. Trennung erfolgt durch falsches Denken. Wer denkt falsch? Was ist falsches, trennendes Denken?
Der Prophet: Machen wir uns bewußt: Wir sind es, jeder einzelne von uns.
Unsere fünf Sinne sind abhängig von unseren Aufzeichnungen im Gehirn und unsere Aufzeichnungen im Gehirn wieder abhängig von unseren fünf Sinnen. Also sind wir Abhängige und keine Freien - abhängig von uns selbst und letztlich auch abhängig von Menschen, die wir beurteilen und verurteilen gemäß unseren eigenen Gehirnaufzeichnungen. Da hört man Worte wie "Dieser Wahnsinnige läuft immer noch frei herum. Man sollte ihn in Gewahrsam nehmen." Blicken wir auf uns selbst. Warum maßen wir uns an, andere ohne Beweisgründe als "Wahnsinnige" abzuqualifizieren? Jeder Mensch ist ein Teil von dem, was wir mit dem Wort "Wahnsinniger" abtun. Wir sagen auch z.B.: "Wie kann man den Tieren Leid zufügen? Wer ist so brutal, die Tiere mutwillig zu töten oder für Versuchszwecke zu mißbrauchen oder an ihnen Genmanipulationen oder Organverpflanzungen vorzunehmen!" Wie verhalten sich die meisten Menschen? So mancher trägt mit seinen gehässigen, neidischen, brutalen und herzlosen Gedanken dazu bei, daß unter Umständen ein Wissenschaftler, der in sich die Anlagen zur Veränderung der Eigenschaften der Tiere, zum Quälen und dergleichen trägt, sich bewogen fühlt, immer mehr Tiere in ihrem Wesen zu verändern und zu quälen. So könnten wir sagen, wir trugen mit dazu bei, daß Tiere leiden. Wer ist hier der Wahnsinnige? Es besteht also kein Grund, über den Nächsten zu urteilen oder ihn zu verurteilen - also diese trennenden Gedanken und Worte zwischen uns und ihn zu setzen.
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Werden wir Zeuge einer Handlung eines Menschen gegen einen anderen, dann schreien wir auf: "Hier geschieht Unrecht! Das ist Gewalt. Das wird Folgen haben." Unsere wutgeladenen, "vernichtenden" Gedanken, die wir eventuell wenig später einem unserer Nächsten - dem Kollegen, dem Chef, dem Partner gar, der uns nicht das gab oder entgegenbrachte, was wir von ihm erwarteten - zusenden, sind unter Umständen von gleicher Qualität. Wir verbergen sie wohlweislich unter einer gleichmütigen Miene oder gar hinter einem Lächeln; sie sind unser "Geheimnis". Dennoch sind es Energien, die wir einem Wehrlosen - denn er weiß nicht davon - entgegenschleudern. Sie treffen ihn - und regen ihn, sofern Ähnliches in ihm vorhanden ist, zu entsprechendem Fühlen, Denken, Reden und Handeln an -, und nach dem "Bumerangeffekt" des Gesetzes von Saat und Ernte kommt dieses Energiepotential wieder auf uns zurück.
Die Gefühle und Gedanken, die wir verhehlen, bilden das Speicherpotential unseres Gehirns, des Ober- und Unterbewußtseins. Sie bewirken unser inneres Gespalten- sein, die Trennung in uns durch unsere "Geheimnisse". Warum haben wir Geheimnisse? Weil das, was wir verbergen, eben nicht gut ist. Wir wollen etwas für uns, und sei es "nur" die Aufmerksamkeit, die Anerkennung unseres Mitmenschen, die Bestätigung durch ihn - seine Energie. Das ist unser Geheimnis, das uns bindet. Wir wollen haben, also nehmen, statt zu geben. Wir täuschen vor, dem Nächsten etwas entgegenzubringen - die Absicht, die dahintersteht, ist unser Wollen für uns, das er uns erfüllen soll. Das macht uns unfrei.
Diktatoren glauben, sich jener Menschen entledigen zu können, die z.B. eine äußere Revolution angezettelt, die gemordet und getötet haben oder morden und töten ließen. So mancher ist der Ansicht, wenn er solche Menschen vom Diesseits ins Jenseits befördern, also töten läßt, dann hätte er sich ihrer entledigt. Glauben wir der Wissenschaft, die uns lehrt, daß keine Energie verlorengeht, so gehen auch jene Energien nicht verloren, die von einem Menschen ausgingen, der töten oder morden ließ, oder von einem Menschen, der selbst getötet hat. Wir können uns also nicht von etwas befreien, das als Energie vorhanden ist und jederzeit abgerufen werden kann, sofern gleiche oder ähnliche Anlagen vorliegen. Das alles hat zum einen mit christlicher Nächstenliebe nichts gemeinsam, zum anderen zeigen diese Vorgänge die geistige Unwissenheit der meisten Menschen. Wäre das Gesetz von Ursache und Wirkung, von Saat und Ernte, bekannt, hätte die Menschheit Kenntnis vom Leben nach dem Tod und von der Reinkarnation, so würde sicherlich weniger geraubt, gefoltert, getötet und gemordet werden.
Viele Menschen sind der Ansicht, sie müßten die Welt verändern, indem sie alles daransetzen, daß sich andere ändern, so, wie sie diese gerne sehen und haben möchten. Doch eine bessere Welt kann nur geschaffen werden, wenn jeder sich selbst zum Besseren, zum Guten verändert und nicht darauf bedacht ist, daß sich der andere ändert.
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Die wenigsten Menschen haben gelernt, ihr Denken, Reden und Handeln zu hinterfragen, also sich selbst zu untersuchen. Viele sind Nachahmer durch die Indoktrination seitens kirchlicher Funktionäre. Wäre es anders, so würden immer mehr Menschen ihr Reden, Denken und Tun in Frage stellen, um zu verstehen, was es heißt, zu leben. Dann würde die kosmische Gesetzmäßigkeit beachtet werden: Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Solange man jedoch andere für seine Situation verantwortlich macht, kennt man seinen Anteil nicht und kennt sich selbst nicht. Erst wenn der Mensch gelernt hat, mit sich selbst ernsthaft zu sein und seinen Mitmenschen gegenüber gewissenhaft, wird er sein Tun, auch sein Denken und Reden hinterfragen in dem Bewußtsein: Was will ich eigentlich mit dem, was ich denke, rede und tue? Kann ich mit dem, was auf dem Speicherband meines Gehirns aufgezeichnet ist, bestehen? Bin ich der, der redet? Bin ich der, der denkt? Bin ich der, der handelt? Oder bin ich gesteuert - von meinen wahren, hintergründigen Absichten, dem Sein- und Habenwollen, das der Beweggrund meines Denkens, Redens und Handelns ist?
Es gilt, unser eigenes Gespaltensein, unsere Unfreiheit zu erkennen und zu überwinden, um in die innere Einheit mit unserem ewigen Selbst, mit Gott, zu gelangen. Dann gehören wir der Inneren Religion an.
Der kritische Zeitgenosse: Was du sagst, leuchtet mir durchaus ein. Aber wenn ich mich ständig hinterfragen soll, um mir selbst auf die Schliche zu kommen, dann bin ich ja ständig mit mir selbst beschäftigt. Wie kann ich da noch meine Arbeit tun oder mich an Gesprächen beteiligen! Wird das Leben dann nicht ziemlich öde und freudlos?
Der Prophet: Um sich selbst zu verstehen, ist Ernsthaftigkeit gefragt.
Was ist ein Gespräch? Es sollte ein Austausch sein, wahrhaftige Mitteilung von Mensch zu Mensch. Können wir an einem Gespräch teilnehmen, wenn wir nur reden und letztlich nicht wissen, was hinter unserer Rede steht, was wir eigentlich wollen und ob das, was wir wollen, unserer Ganzheit, Seele und Mensch, zuträglich ist? Fragen wir uns selbst: Während wir arbeiten - wo sind unsere Gedanken? Sind sie bei der Arbeit oder fern von uns? Bauen wir, während wir arbeiten, unsere Wunschwelt auf, oder machen wir Urlaubspläne, oder sind wir bei den Streitigkeiten, die gestern geführt wurden, oder sind wir bei dem bevorstehenden Wochenende? Solche Gedanken sind "Ausreißer", die uns nicht ernsthaft und konzentriert arbeiten lassen und nicht zu einem fruchtbaren Gespräch beitragen können. Wer nicht bei der Sache ist, der tut, was ihm andere vormachen, und wird zum Jasager, zum Konformisten und Nachahmer.
Die Menschen auf allen Kontinenten dieser Erde bilden "die Welt", und jeder Mensch hat andere Probleme. Immer wieder hört man, daß sich der einzelne von seinen Problemen nicht zu distanzieren vermag, weil er eben tagtäglich in der Welt lebt, die voller Probleme ist. Wir können uns von dieser Welt nicht lösen, denn sie umgibt uns, doch jeder von uns kann seine Konflikte und seine Probleme lösen, so daß er nicht mehr mit der problembeladenen Welt lebt, sondern in dieser steht, mit der inneren Stärke ausgestattet, die er erlangt, wenn er kein Nachahmer mehr ist, sondern sich selbst höhere Ziele steckt, die höhere Werte und eine höhere Moral bringen.
[...]
Wer zu sich selbst ernsthaft ist, um sich selbst zu erkennen, der hat gelernt, anderen zuzuhören. Er hat auch gelernt, Gespräche und Handlungen abzuwägen und zu prüfen. Er ist ein guter Beobachter geworden, der alles in sich mit seinem Herzen wägt und nur das mitmacht, was ihm von seinem Weg, von seinem Kurs, nicht abbringt.
Der ernsthafte Mensch hat gelernt, den Dingen auf den Grund zu gehen, also alles zu hinterfragen. Dadurch ist er höchst empfindsam geworden für die Regungen und Neigungen anderer oder für die subtile Beeinflussung, die unter Umständen von Freunden, Arbeitskollegen oder gar von Familienangehörigen ausgeht. Das wache geistige Bewußtsein eines Ernsthaften ist ständig dabei, dem Gespräch zuzuhören, im Gespräch nach der rechten Lösung zu forschen, alles, was ihm hingetragen wird, zu hinterfragen, um eine rechte, das heißt gerechte Antwort zu geben oder gemäß dem wahren Gemeinwohl zu handeln.
Der ernsthafte Mensch, der alles erforscht, gleichsam hinterfragt, macht durch den wachen Geist in ihm seine eigenen Entdeckungen, weil sein Herz einfühlsam geworden ist. Menschen in diesem Geiste haben einen feinen Spürsinn, denn die Ganzheit - Seele und Mensch - ist sich ihrer Wesenhaftigkeit in Gott bewußt.
Jeder von uns kann, so er möchte, herausspüren, ob seine Seele und sein Körper empfindsam sind für die feinsten Regungen und Nuancen, die von Gesprächen, Handlungen und Verhaltensweisen seiner Mitmenschen ausgehen. Der Einfühlsame vermag aus jeder Geste seines Nächsten herauszulesen, was dieser verbirgt, auch aus dessen Gewohnheiten.
Um diese Empfindsamkeit, gleich Einfühlsamkeit zu lernen, muß man sich zuerst selbst ernsthaft und gewissenhaft beobachten und seine allzumenschlichen Regungen und Neigungen, seine Gedanken, Worte und Handlungsweisen mit dem Geist der Wahrheit bereinigen und nicht mehr tun. Daraus ergibt sich eine andere Verhaltensweise. Das Allzumenschliche hebt sich auf. Der Mensch hat gelernt, zuzuhören, nachzuempfinden, um Lösungen zu finden und die Wurzel dessen zu entdecken, was vor ihm liegt und ihm begegnet.
Zu dieser Selbsterziehung gehört auch das Maß in allen Dingen, auch im Essen und Trinken.
Ein solcher Mensch hat Kommunikation mit vielem und mit vielen. Er ist nicht einsam. Sein Leben ist nicht öde, sondern abwechslungs- und inhaltsreich. Er ist reich an Werten und wendet sie an. Er vermag seinen Mitmenschen manches zu geben, in Rat und Tat. Seine Tage, die Tagwerke, sind erfüllt, so wie er erfüllt ist. Das führt zur inneren Freude, die eine Frucht der Ernsthaftigkeit ist.
Der kritische Zeitgenosse: Willst du vielleicht auch noch sagen, daß man fasten soll, um das Maß in allen Dingen zu finden?
Es ist nicht einfach, sich selbst zu erziehen. Die meisten Menschen sind meiner Erfahrung nach nachlässig mit sich selbst. Wenn ich durch die Straßen der Großstädte gehe, dann sehe ich selten ein aufgehelltes Gesicht. Die meisten sind in ihrem Gemüt dumpf und lassen sich treiben. Auch ich mache es hin und wieder so, dann, wenn mir alles egal ist. In solchen Phasen werde ich auch in meiner Kleidung nachlässig. Dann fühle ich mich einfach in die Masse der Menschen aufgenommen, von der die meisten so sind, wie ich in der Zeit meiner Trägheit bin.
Der Prophet: Was du schilderst, zeichnet genau das Bild unserer heutigen Gesellschaft, die zweifellos aus einer äußeren Religion hervorgeht, in der nur auf Dogmen, Zeremonien und Riten geachtet werden soll. Selten jedoch wird dem Religiösen der äußeren Religion nahegebracht, daß Jesus, der Christus, ein ethisch hochstehender Mensch war, der uns in der Bergpredigt eine einmalige Sitten- und Morallehre gab, die uns nicht in die Armut, in die Ausweglosigkeit, in Krieg und Zerstörung führt, sondern in den inneren Reichtum, der sich dann auch im Äußeren zeigen würde, wenn man täte, was Jesus uns gelehrt hat.
Womit beschäftigt sich denn der nach außen Gekehrte, auch der, der einfach in eine äußere Religion hineingetauft wurde und sich als Erwachsener damit zufriedengibt? Er beschäftigt sich mit Geldverdienen, mit dem, was ein anderer gesagt oder nicht gesagt hat, was ihm angenehm oder unangenehm war. Er verbringt viel Zeit damit, sich auszumalen, welche Abenteuer ihn im Urlaub erwarten könnten und wer wohl vor Neid erblassen würde, so er später davon erzählt. Er denkt Stunden und Tage über seine Alltagssorgen nach, was er sich erwerben oder nicht erwerben könnte; ob er sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen oder verkaufen solle; ob er heiraten oder nicht heiraten solle; was der andere besitzt, das er nicht hat und dergleichen mehr. Da fast jeder mit sich selbst unzufrieden ist, kämpft er auch mit seinen Mitmenschen und kämpft letztlich um sein Überleben. Wenn du genau hinschaust, mußt du mir recht geben, daß das unsere heutige Gesellschaft ist.
Vor lauter Brüten über sich selbst sehen die Menschen ihre Mitmenschen nicht mehr. Sie werden in ihrer Kleidung nachlässig, und ihr Körper wird durch zuviel Trinken und Essen schwer. Jeder stopft die Nahrung in sich hinein und trinkt, was ihm gerade in den Sinn kommt, ohne zu fragen, ob das sein Körper braucht oder dies überhaupt verlangt. Das schlechteste Vorbild sind auch hier wieder mal die kirchlichen Amtsträger, die selbst in diesem Dilemma, dem Kampf ums Dasein, stehen und nicht wissen, wie sie ihre kirchlichen Pfründen aufrechterhalten können, da ihnen immer mehr mit Wasser Getaufte weglaufen. Kirchlich-"christliche" Amtsträger, die immer nur aus dem Vollen schöpften und sich ihre Pfründen bewahrten, haben das Teilen nicht gelernt. Wie soll dann der kirchlich Gebundene teilen und mit seinem Nächsten in Frieden leben, wenn die hochgestochenen Hochwürden Gehälter beziehen, von denen der Arbeitslose nur träumen kann? Teilen heißt Maß halten in allen Dingen, im Wohnen, im Essen, im Trinken, aber auch mit den Pfründen.
[...]
Die Seele im Menschen ist in diese Welt gekommen, um frei zu werden von all den Belastungen und subtilen, allzumenschlichen Vergnügungen bis hin zur übertriebenen Sexualität.
Der kritische Zeitgenosse: Aus deinen Antworten habe ich herausgehört, daß du nicht für die kirchlichen Amtsträger bist, nicht für eine äußere Religion und auch nicht für die Wassertaufe. Jeder sagt, er hätte den rechten Glauben. Was glaubst du?
Der Prophet: Deine Feststellung trifft zu. Gerne gebe ich dir Antwort.
Ich halte nichts von kirchlichen Amtsträgern, die sich anmaßen, zu behaupten, Gottes Wort studiert zu haben, und dem Volk weismachen wollen, daß sie Geweihte Gottes seien. Jesus sprach niemals von kirchlichen Amts-, gleich Würdenträgern. Es steht geschrieben: Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen. Einer ist euer Meister, Christus; ihr alle aber seid Brüder. - Die kirchlichen "würdigen" Amtsträger stellen sich über das Volk und maßen sich an, Exzellenzen, Eminenzen, Priester und Pfarrer zu sein. Es heißt aber: Ihr alle seid Brüder. Er, der Sohn Gottes, zeigte sich uns als Bruder. Er teilte das schlichte Leben seiner Mitmenschen. Er gab sich als Bruder. Er kleidete sich wie alle Brüder, lobte Seinen Vater im Himmel, aber nicht sich selbst.
Ich bin nicht gegen meine Nächsten, die in kirchlichen Amtsroben stecken oder sich aneignen, Funktionäre des Glaubens zu sein. Ich bin gegen das, was sie sich übergestülpt haben und überstülpen: kirchliche Amtsroben und kirchliches Funktionärstums des Glaubens.
Von einer äußeren Religion halte ich ebenfalls nichts, auch wenn kirchliche Amtsträger den Anspruch erheben, ihre Institution hätte den rechten Glauben. So mancher institutionell Blindgehaltene ist sehend geworden und weiß, daß dieser "rechte Glaube" ein unechter Glaube ist, denn durch den institutionellen Glauben hat sich die Welt nicht geändert, auch haben sich die Menschen nicht gebessert. Ganz im Gegenteil: Sie sind um vieles kriegerischer, herrschsüchtiger, triebsüchtiger und zerstörerischer geworden. Ich bin also gegen jede konfessionelle Religion, denn sie hat nicht nur viel Unheil über die Menschen gebracht, sondern weiß auch immer noch nicht, was sie tut. Dabei denke ich an den derzeitigen Religionskrieg in Irland. Denken wir an die zurückliegenden schrecklichen Religionskriege, in der jede Konfession behauptet hat, sie hätte den rechten Glauben und dadurch den Anspruch zu überleben. Das ist Trennung zwischen den Religionen, was beweist, daß äußere Religionen nicht verbinden. Wo Trennung ist, da ist auch kein Teilen unter den Gläubigen, sondern nur Bindung, gleich Trennung.
Weil Jesus, der Christus, solches nicht lehrte, gehöre ich auch keiner äußeren Religion an. Ich bin eine freie religiöse Christin, die dem Jesus von Nazareth nachfolgt, der die Innere Religion lehrte, in der das Teilen, die Gleichheit, ein wesentlicher Faktor des Lebens ist.
Ich bin nicht nur gegen die Säuglingstaufe, sondern ich behaupte, daß diese eine bewußte Mißachtung der Lehre Jesu ist. Es ist ein hinterlistiges Verhalten, denn Jesus lehrte ausdrücklich: Lehret, und dann taufet. Der einige Wochen alte Säugling hat sicher noch keine Lehren erhalten und kann auch nicht wissen, in welche Zwangsjacke des Denkens und Verhaltens er gesteckt wird. Hier geht es doch nicht um die Lehre Jesu, sondern um ein rekrutiertes Kirchenschaf, das von Kindheit an indoktriniert wird, damit es später, wenn es erwachsen ist, ohne zu denken - denn das Unterbewußtsein ist schon vollgestopft mit Dogmen, Zeremonien und Riten - seine Kirchensteuer bezahlt, damit die kirchlichen Pfründen nicht nur bleiben, sondern wachsen.
Der kritische Zeitgenosse: Klare Worte - und keins zuviel. Ich finde auch nichts, was man dagegen einwenden könnte. Für mich ist es eine überraschende Sichtweise. Du betrachtest die Problematik von einem ganz neuen Blickwinkel aus. Ich hatte bis jetzt offenbar die Froschperspektive. Ich muß das alles noch ein wenig in mir nachwirken lassen.
Kannst du bitte noch auf die Innere Religion eingehen, an die du glaubst und die du als Ziel nennst?
Der Prophet: Die Innere Religion hat keine äußeren Führer. Echte religiöse Christen bemühen sich, nach den Lehren Jesu zu leben. Sie trachten danach, dem Reich des Inneren ganz allmählich näherzukommen; denn Jesus sagte sinngemäß: Das Reich Gottes ist inwendig in euch. Die Schritte dorthin erhielten wir von Gott durch Mose in den Zehn Geboten und von Jesus in Seiner Bergpredigt. Die Innere Religion ist also das Innere Christentum, das die Gemeinsamkeit in dem Einen, in Gott, zum Ziel hat. Es strebt die Selbsterkenntnis und Selbstbesinnung an, die Gottes- und die Nächstenliebe und daß einer für den anderen da sein sollte, ihn fördern, ihm helfen und beistehen sollte. Das ist das "Teilen", von dem ich sprach.
Das Innere Christentum stellt das Leben, Gott, das die Einheit und die Liebe ist, über alles. Es ist für das gerechte Denken und für das Tun, das Jesus am Schluß Seiner Bergpredigt lehrte: Wer diese Meine Lehre hört und sie tut, ist ein kluger Mann.
[...]
Das Innere Christentum versucht, den Menschen das Gute i m Menschen nahezubringen, das Licht und das Heil in der Seele, weil in jeder Seele und somit in jedem Menschen der Christus-Gottes-Funke ist und wir als reine Wesen in Gott sind, Der in uns ist. Das Innere Christentum weist auch auf den Inneren Weg hin, auf die Höherentwicklung und auf das Wort des Herzens, das die Gottesoffenbarung ist, die aus unzähligen Mündern spricht, aus dem lauteren Herzen des Menschen, aus den Naturreichen, aus der ganzen Unendlichkeit.
Das äußere Christentum führt die Menschen nach außen in den Zustand des geistigen Schlafes, während das Innere Christentum den Weg nach Innen weist zur Gottes- und Nächstenliebe und den stufenweisen Weg aufzeigt, damit der Mensch aus dem Dämmerschlaf des Egos herausfindet, also im Geiste der Freiheit erwacht.
Das äußere Christentum stellt immer wieder äußere Reformen auf und spricht von sozialem Verhalten, doch nicht, daß sich der Mensch ändern und einzig auf Gott ausrichten soll, und nicht wie. Denn würde das äußere Christentum das "Wie" erklären - wie der Mensch zum Königreich des Inneren gelangt -, so würden bald äußere Kirchen mit ihren Riten, Zeremonien und verkleideten Priestern und Pfarrern, mit ihren Hochgestellten wie Exzellenzen und Eminenzen überflüssig sein. Dann gäbe es einzig Brüder und Schwestern im Geiste des Herrn, die eine innere Gemeinschaft bilden, in der die christlichen Prinzipien Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit die Schritte zu höheren Werten, zur höheren Ethik und Moral, vorzeichnen.
Das Innere Christentum ist die innere Reform, die Selbsterneuerung durch den Geist des Christus Gottes. Dadurch wendet sich das irdische Leben des einzelnen zum Positiven. Es verändert den Menschen, indem er gut und lauter wird und sich auf diese Weise mit dem Geist des Inneren verbindet, in dem Bewußtsein, daß er und somit jeder Mensch der Tempel Gottes ist.
Menschen der Inneren Religion, des Inneren Christentums, versuchen, sich nach innen zu wenden, auf ihr Inneres zu hören und aus dem Inneren zu leben. Das geschieht, indem sie die erkannten Sünden bereuen, bereinigen und nicht mehr tun und Schritt um Schritt den Willen Gottes tun. Das sind die Menschen, die von außen nach innen wandern zum zentralen Licht, von dem Jesus sprach: Das Reich Gottes ist inwendig in euch. Das Innere Christentum lehrt uns, daß der Mensch in einer Erdenschule lebt, um sich wieder als Kind Gottes und als Erbe des Reiches Gottes zu erkennen. Das Innere Christentum lehrt, daß das Erwachen zum Reich Gottes nicht kollektiv zu sehen ist und nicht auf irgendeinen Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte bezogen, sondern daß das Reich Gottes jeder Mensch in sich selbst erschließen soll, also hineinreifen soll durch die Taten der Liebe, die uns Jesus lehrte. Taten der Liebe beinhalten auch das Teilen.
Das Innere Christentum lehrt uns, auf dem Weg zu Gott nicht ste-henzubleiben in der Meinung, daß da und dort das ewige Zuhause wäre.
Der kritische Zeitgenosse: Sehe ich es richtig? Du bist gegen alles Autoritäre, das dem Volk diktiert und es am Gängelband hält, also gegen alles, was sich über das Volk stellt. Dann bist du also, wie du schon angedeutet hast, ein Mensch, der für die Gleichheit ist, der die enormen Unterschiede zwischen Hoch und Nieder, zwischen Reich und Arm nicht befürworten kann.
Der Prophet: Ja, ich bin gegen alles, was sich autoritär über das Volk stellt und sich anmaßt, auf diese Weise das Volk führen zu können, wie z.B. "elitäre" Autoritäten, die anderen ihre Meinungen und Vorstellungen aufdrängen wollen, die das Volk aussaugen und sich selbst das Beste gönnen, die in Prunk und Reichtum leben - viele des Volkes jedoch in Armut. Das ist gegen den Willen Gottes.
"Elitäre" Autoritäten sind immer autoritär. Sie diktieren den anderen und zwingen diese, das zu tun, was sie wollen.
Der kritische Zeitgenosse: Dann bist du also ein geistiger Revolutionär?
Der Prophet: Du magst es so nennen.
Ich bin ein geistiger Mensch. Ein geistiger Mensch strebt die innere Erneuerung an, zuerst einmal in sich selbst, um ein Mensch mit höheren Werten zu werden. Er strebt also nach der inneren Weisheit, nach der inneren Intelligenz, die Gott ist. Soweit wir zurückblicken können, steuern "elitäre" Autoritäten die Völker immer in die Enge, in die Verzweiflung. Daraus erwuchsen Haß, Neid, Feindschaft, Gewalt, kriegerische Auseinandersetzungen - letztlich Trennung in vielfacher Hinsicht.
Die heutige Gesellschaft, die auf "elitäre" Autoritäten blickt, begnügt sich mit der allzumenschlichen Begrenzung, die sich immer wieder auf den Intellekt bezieht, der letztlich nur sich selbst kennt, da er dahingehend beschaffen ist, sich selbst zu bestätigen und selbst aufzuwerten. Unsere Völker brauchen jedoch intelligente Menschen, das heißt, Menschen mit Weisheit und Größe, die für das Volk sind, die das Volk aus der eigenen inneren Größe heraus zur Eigenverantwortung und Freiheit führen können, die einzig in der höchsten Intelligenz, in Gott, gegründet ist. Jeder Mensch hat vom Schöpfer einen Verstand mitbekommen, um verstehen zu lernen - zuerst natürlich sich selbst, bevor er sich anmaßt, andere verstehen zu können. Doch wird der Verstand gekrümmt, ihm also Wissen über Wissen einsuggeriert, gleichsam einprogrammiert, dann wird der flexible Verstand intellektuell und zum Nichtverstehen und somit zur Ausgrenzung anderer umgepolt. Dann glaubt der Intellektuelle, alles besser zu wissen, und wird letztlich herrschsüchtig, autoritär. Das hat aber nichts mit Weisheit, gleich Intelligenz zu tun.
[...]
Wer also den Verstand gebraucht, um sich selbst kennenzulernen, um dann auch wieder andere zu verstehen, der beginnt allmählich, mit dem Herzen, mit dem göttlichen Bewußtsein, zu arbeiten und fühlt, wie ihn die einzige Autorität, die einzige Intelligenz, führt, Gott. Ein solcher Mensch wird von innen her frei. Das ist die wahre Freiheit, nach der sich letztlich jeder sehnt. Wer sich selbst verstehen gelernt hat, der wird auch anderen die Freiheit lassen und auf diese Weise zu einer besseren Welt, gleich einer besseren Gesellschaft, beitragen. Auch hier heißt es, zu lernen, um die "elitären" Autoritäten zu durchschauen.
Der kritische Zeitgenosse: Das ist wahrhaftig nicht der Zeitgeist, der so spricht, sondern der geistige Revolutionär, der die Willigen durch das Leben geistig höherer ethisch-moralischer Werte zur Eigenverantwortlichkeit und zum geistigen Verhalten anregen und in jedem einzelnen Menschen das Gute fördern möchte.
Mir scheint, daß du mit all dem, was du hier ausgeführt hast, auch ein großer Freiheitsdenker bist. Du bist der Ansicht, daß jeder Mensch in sich die Intelligenz, Gott, entwickeln könnte. Darüber möchte ich gern mehr hören.
Antwort des Propheten: Freiheit entspringt einzig dem Inneren Leben - Gott.
Gott ist die Intelligenz, die Wahrheit und Weisheit, die gebende Liebe und das Gesetz des Alls, die in allem waltet, die das ewige Sein ist und ewig Bestand hat.
Würde sich die Christenheit auf die Zehn Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu besinnen und sich durch Verwirklichung schrittweise der Erfüllung dieser hohen göttlichen Weisungen nähern, dann könnte das Gute im Menschen, die Intelligenz GOTT, wirksam werden, und der Mensch würde frei von Vorstellungen, Meinungen, Ängsten und nicht zuletzt von der kirchlich gelehrten ewigen Verdammnis, die nichts anderes ist als eine kirchlich-psychologische Waffe gegen das Kirchenvolk, um dieses gefügig zu halten, damit auch jedes unfreiwillig getaufte "Schaf" seinen Obulus entrichtet, auf daß die kirchlichen Pfründen und die kirchliche Macht weiter wachsen. Die einzige und freie Autorität, die Intelligenz Gott, hat keinen Ort der ewigen Verdammnis. Das muß wohl ein geschaffener Kirchen-"Hort" sein, den die Kirche selbst kreiert hat. Wer an die ewige Verdammnis glaubt, der glaubt an die Kirche, aber nicht an Gott.
Viele Menschen sind Konformisten, die alles ungeprüft annehmen, was man ihnen vorsetzt. Finden sie z.B. in einer kirchlichen Institution einige Lehraspekte, die ihnen gefallen, dann ahmen sie diese nach; sie imitieren also, anstatt diese Aspekte an sich selbst zu erproben, um zu erfahren, ob dies für sie das richtige ist. Auf diese Weise entstanden die Konfessionen, gleich äußere Religionen.
[...]
Konfessionelle Nachfolge macht blind und unfrei. Sie läßt den freien Geist nicht handlungsfähig werden und blockiert jede Initiative des nach Wahrhaftigkeit und lebendiger innerer Entfaltung strebenden Menschen. Wer frei werden möchte, der muß sich mit der Lehre Jesu auseinandersetzen, aber auch mit den Glaubensinhalten seiner kirchlichen Institution. Wer die Lehren Jesu annimmt, indem er tut, was uns Jesus lehrte, der findet zur inneren Freiheit und wird kein Nachfolger von Menschen. Die Lehre Jesu schreibt jedoch nicht die blinde Annahme von Glaubenssätzen vor, sondern sie beinhaltet für jeden Menschen die aktive Auseinandersetzung mit seinem eigenen Denken und Leben und die Erfahrung der Kraft des Christus in der Überwindung des Sündhaften sowie in der Erschließung und Anwendung des Göttlichen.
Ich habe die Lehre Jesu und die Zehn Gebote Mose an mir selbst erprobt. Dadurch bin ich zu der inneren Gewißheit gelangt, daß wir keine kirchlichen Autoritäten mit ihren Institutionen benötigen. Wir brauchen also keine Theologen, die nur von Gott reden und nicht wissen, wer, was oder wo Gott ist.
Wer sich dem freien Geist, GOTT, hingibt, der einzigen Intelligenz, wer also die Zehn Gebote Gottes durch Mose und die Lehren Jesu in der Bergpredigt erprobt, der erfährt sehr bald, daß er von innen her frei wird. Ein solcher Mensch hat gelernt, seine Gedanken und Ausführungen zu hinterfragen, um sich selbst zu erkennen. Dieses erwachte Bewußtsein, der geistig geschulte Verstand, läßt sich dann nichts mehr vorsetzen; er kontrolliert und hinterfragt.
Die meisten Menschen sind keine freien, mündigen, eigenständig denkenden Wesen, sondern verhalten sich als Teil der Masse. Sie denken und denken und stellen sich selbst nicht in Frage. Dadurch werden sie zu Nachahmern und Nachläufern. Sie übernehmen äußere Muster, Lebensstile und vielfach politische Verhaltensweisen, ohne zu fragen, ob sie damit den Geist, die innere Autorität, frei werden lassen oder binden. Solche Nachahmer finden sich unter anderem immer dann in Massen zusammen, wenn eine weltliche oder kirchliche Autorität auftritt und in der wiegenden und zustimmenden euphorischen Masse ihr intellektuelles Bad zur Anhebung ihres Energiepegels nimmt. Jeder Mensch, der sich von Meinungen und Vorstellungen anderer abhängig macht - damit meine ich nicht von der Befolgung unseres irdischen Gesetzes - und schlichtweg einen Menschen nachahmt, hochstilisiert und ihm zu Munde redet, der ist ein Nachahmer, der andere für sich denken läßt und nicht gewohnt ist, selbst zu denken, also das zu hinterfragen, was man ihm vorsetzt. So mancher dieser Applaudisten, der z.B. einem kirchlichen oder weltlichen Idol huldigt, leistet diesem gute Arbeit und führt dadurch ein angenehmes "Leben". Die Nachahmung ist jedoch nicht das Leben, sondern das übergestülpte Dasein eines anderen.
So bezieht der Nachgeahmte Energie vom Nachahmer und umgekehrt - ein jahrtausendelang praktiziertes Tauschgeschäft. Beide sind aneinander gebunden und somit unfrei. Der eine ist des anderen Krücke - sinkt der eine, so fällt auch der andere. Und sie werden fallen, weil auf der allzumenschlichen Ebene die geliehenen Energien immer zurückverlangt werden, denn man gibt nur, um mehr zurückzubekommen.
Eigenes Stehvermögen, innere Freiheit und das wahre, erfüllte Leben kommen einzig aus der Quelle, Gott. Diese in uns zu erschließen, dahin wollte uns Jesus von Nazareth und will uns der Christus Gottes heute führen - auf dem Weg der Bergpredigt, dem Inneren Weg.
Der kritische Zeitgenosse: Du sprichst hier Dinge an, die mich neugierig machen. In deinen Darlegungen fällt zwischendurch immer wieder mal ein Wort, das mich aufhorchen läßt. Z.B. die "ewige Verdammnis". Ich bin ein Kirchenchrist und habe bislang die "ewige Verdammnis" als etwas ganz Normales angesehen. Strafe muß nun mal sein - oder?
Der Prophet: Solange es in unserer Welt die unterschiedlichen konfessionellen Religionsströme gibt, ist die Trennung vorprogrammiert durch Zersplitterungen, Dogmen, Glaubenssätze, Riten, Kulte und vieles mehr. Doch jetzt ist die Zeit gekommen, da viele dem kirchlichen Lehr-Nimbus keinen Glauben mehr schenken. Wer zu ahnen beginnt, daß dieses ganze Lehrsyndikat mit der Liebe und Güte Gottes, Seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Treue nichts zu tun hat, der braucht nur seinen Verstand einzusetzen, um eine Masche aus dem Lehrgebäude zu lösen - und das ganze intellektuell ausgeklügelte Lehrsyndikat, = Lehrsündikat, fällt auseinander.
Mit der "ewigen Verdammnis" üben die kirchlichen Institutionen, wie gesagt, Druck auf das Volk aus. Sie machen den Menschen Angst und halten sie auf diese Weise als zahlende Christen in ihren Institutionen. Haben wir uns schon einmal vorgestellt, was es heißt, ewig verdammt zu sein? Vielleicht denken wir uns kurz in die Welt solchen Denkens hinein: Ewig verdammt zu sein heißt, keine Chance mehr zu haben, weder durch Erkenntnis noch durch Bitte um Vergebung, noch durch Vergebung. Es nützt auch keine Reue bezüglich der Vergehen. Bist du in der sogenannten ewigen Verdammnis, dann wirst du dort ewiglich bleiben, mit ewigen Höllenqualen. Wenn du auch an diesem angeblichen Ort tausende Male bereust - es ist umsonst. Auch wenn du deinen Herrn und Gott anflehst und Ihn um Beistand und um Hilfe bittest, Er möge Seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an dir walten lassen - umsonst, du bist ewig verdammt!
[...]
Wer sich unter dieses kirchliche Joch, unter diesen kirchlichen Druck stellt, von dem kann man nur sagen, er ist selbst schuld. Jeden Menschen, der seine Mitmenschen zwingt, zu glauben, was er für richtig hält, bezeichne ich als Unmenschen, weil er den anderen die Freiheit nimmt, die das höchste Lebensgesetz in dem Allgesetz Gott, der Liebe und Freiheit, ist. Ich halte die Amtsträger der kirchlich "christlichen" Institutionen, die so etwas lehren, für unmenschlich, denn sie machen aus Gott einen Gott der unversöhnlichen Rache. Das ist für mich die absurdeste und unlogischste Lehre.
Der kritische Zeitgenosse: Hier kommt mir der Ausspruch von Augustinus in den Sinn, der gesagt haben soll: "Credo quia absurdum", was heißt: "Ich glaube, weil es absurd ist."
Der Prophet: Ob er das wirklich gesagt hat? Vielleicht hat es die unlogische Kirche ihm nur angedichtet, um ihre unlogische Lehre als Gottes Wahrheit den Nicht-Denkern unterzuschieben. Wer, wie einige Urchristen, fast täglich erlebt, wie gewisse kirchliche Amtsträger Unwahrheiten verbreiten, der muß alle Aussagen, die von kirchlichen Autoritäten gemacht werden, in Frage stellen, auch die Worte "Ich glaube, weil es absurd ist".
Blicken wir in das äußere Christentum, in das kirchlich "elitäre" Autoritätsgebäude, dann mußten und müssen wir die bittere Erfahrung machen, daß aus ihm vielfach Pharisäer und Schriftgelehrte hervorgingen und hervorgehen, die den Weg zum Inneren Licht nicht sehen und ihn deshalb auch nicht lehren können, die vielfach die Sucher nach der Wahrheit, nach dem Inneren Licht hindern, den Weg zum Reich Gottes im Inneren der Seele des Menschen zu gehen. Nur wer sich die Mühe macht, den Unterschied zwischen dem äußeren und Inneren Christentum herauszuarbeiten, sich diesen also bewußt zu machen, der beginnt allmählich zu denken. Er wird sich von der sogenannten alleinseligmachenden Kirche, die angeblich die alleinige Wahrheit besitzt, abseilen und sich dem Inneren Christentum zuwenden, das sich nicht in kirchlichen Satzungen verstrickt, sondern das schlicht und einfach die Verwirklichung der Gebote Gottes und der Bergpredigt Jesu anstrebt, so daß die Worte des Jesus in Erfüllung gehen: "Wer diese Meine Rede hört und sie tut, der ist ein kluger Mann."
Der kritische Zeitgenosse: Wir Menschen denken wirklich zu wenig über grundlegende Aussagen nach, wie ich merke. Wir stutzen zwar so manches Mal, doch die gewohnten Denkbahnen können wir wohl nur verlassen, wenn wir weiter forschen und unseren gesunden Menschenverstand nicht außer acht lassen.
Wie oft habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, daß z.B. in den östlichen Religionen die ewige Verdammnis nicht vorkommt, sondern die Lehre zur Befreiung aus dem Rad der Wiederverkörperungen. Ich habe dann diese meine eigenen Fragen mit meiner eigenen Antwort vom Tisch gewischt, die hieß: Sie haben das Karmagesetz, und das ist auch nicht viel besser. - Ich halte dieses nämlich für nicht glaubhaft. - Du sagst, wir müßten gerade solche Aussagen, wie "ewige Verdammnis" - und dann wohl auch "Karmagesetz" - öfter hinterfragen, um zu erspüren, was es heißt: ewig verdammt zu sein, oder was Wiederverkörperung bedeutet. Was du von der ewigen Verdammnis hältst, weiß ich nun. Du glaubst aber an die Wiederverkörperung, also an die Reinkarnation. Ich bin neugierig, was du mir dazu sagen wirst ...
Der Prophet: Erlaube mir, daß ich den Kern der Reinkarnationslehre knapp in einen Satz fasse, den ich im folgenden weiter erläutern werde: Die Lehre der Wiederverkörperung ist im Gesetz von Saat und Ernte das hilftreichste Gnadengesetz Gottes für Seine sündhaften Menschenkinder.
Wer seine Fehler, gleich Sünden, nicht bereut, der bereinigt sie auch nicht und wird sie dadurch auch immer wieder tun, so daß sich sein Sündhaftes mehr und mehr verstärkt und zu einem Komplex oder zu Komplexen heranreifen kann, die irgendwann zur Auswirkung kommen, entweder in der entsprechenden Brutalität oder durch Totschlag oder Mord, durch Erpressung oder Diebstahl, durch Kindsmißhandlung oder Kinderverführung, durch Handel mit Rauschgift oder indem Kinder oder Frauen zur Prostitution gezwungen werden. Das sind sehr schwere Delikte, die von unserem Staat auch entsprechend bestraft werden. Doch keine Strafe, die der Staat verhängt, entspricht einer ewigen Verdammnis, auch nicht die Todesstrafe, die manche Staaten in ihrer Gesetzgebung haben - die ich allerdings nicht befürworte, denn keiner ist befugt, dem anderen das Leben zu nehmen.
Das Karmagesetz besagt:
[...]
Jeder Mensch hat seinen Tag. Auf jeden von uns kommt jeden Tag anderes zu in Situationen, Begebenheiten, Gesprächen, aber auch in Schicksalsschlägen. Hinterfragen wir diese Tagesereignisse, dann wissen wir, was bei uns persönlich zur Bereinigung ansteht, dann, wenn wir das Hinterfragte an den Zehn Geboten Gottes und den Lehren Jesu messen. Wir gehen also nicht blind durch das Leben und auch nicht dem Schicksal ausgeliefert, außer, wir lassen uns von kirchlichen Amtsträgern blind halten. Dann glauben wir, was diese sagen und in vielen Fällen selbst nicht glauben. Dann fallen wir mit ihnen in die Grube. Die Reinkarnation ist also ein Gnadengesetz für die Seele und den Menschen. Wir alle, alle Seelen und Menschen, kommen durch das Läuterungsrad, das Rad der Wiedergeburt, wieder zurück ins Vaterhaus. Das hat auch Jesus in folgendem Gleichnis verheißen: "Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, läßt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte?" Christus führt also nicht 99 in den Himmel und läßt das eine zurück, eventuell in der ewigen Verdammnis. Er geht dem einen, scheinbar verlorenen nach, und sei es über viele Inkarnationen, um es dann zurückzuführen, wenn es nach seinem Erlöser ruft.
Kein Kirchenmann, der ebenso ein Sünder ist wie alle anderen Menschen auch, kann, wie gesagt, einen anderen von den Sünden lossprechen, auch nicht auf dem Totenbett. Den Weg der Reue und Vergebung beten wir Christen im Vaterunser, wo es heißt: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Vergibt derjenige, an dem wir uns versündigt haben, uns nicht, dann kann uns auch kein Pfarrer davon lossprechen.
Eventuell kann es für dich eine Hilfe sein, dir einmal vorzustellen, was wäre, wenn es die Wiederverkörperung, also die Gnade der wiederholten Erdenleben, nicht gäbe. Wir würden unendlich lange unsere Schuld in den Seelenreichen abtragen, unter Umständen mit großer Pein. So verstehst du jetzt wohl den Satz: Die Lehre der Wiederverkörperung ist das hilfreichste Gnadengesetz Gottes für Seine sündhaften Menschenkinder.
Der kritische Zeitgenosse: Deine Worte stimmen mich immer nachdenklicher. Was ich für nicht glaubhaft hielt, bekommt Sinn, wenn du es so ausleuchtest. Du öffnest mir buchstäblich die Augen. Ich beginne zu begreifen, daß man leicht in Gefahr ist, etwas eventuell sogar als "Unsinn" abzutun, was man nicht versteht. Entweder fehlen einem die Informationen, oder man hat auf eigenes Denken verzichtet und übernimmt unbesehen das Urteil jener, denen man das Vorrecht einräumt, daß sie es "besser wissen".
In mir gerät bei deinen Ausführungen, die so direkt, klar und schlüssig sind, vieles in Bewegung. Dies ist keines der Gespräche, wie ich sie oft mit Freunden hatte, wo man letztlich um Unbekanntes herumdiskutiert. Ich muß bekennen, daß ich jetzt nachdenke, ob es der Prophetische Geist ist, der durch dich so machtvoll spricht. Könntest du die Menschen aus den kirchlichen Traditionen herausführen in die göttliche Freiheit? Mir kommt der Gedanke, daß du ein Lehrer der göttlichen Weisheit bist, der zum Teil ähnlich redet, wie vermutlich Jesus von Nazareth gesprochen hat.
Der Prophet: Die althergebrachten Traditionen, welche die religiösen Amtsträger bewahren und die schon den Säuglingen eingepflanzt und Jahr für Jahr wiederholt werden, sei es im Religionsunterricht oder in den Predigten der traditionellen Autoritäten, sitzen als Programme fest in den Köpfen der Gläubigen, wodurch kirchlich traditionelle Generationen hervorgingen bis in die heutige Zeit.
Jedes himmlische Wesen hat von Gott als eine große, ewige Gesetzmäßigkeit der Unendlichkeit die Freiheit als Erbe empfangen. Auch in uns Menschen liegt das Erbe der Freiheit, was auch besagt, daß wir für unser Denken, Reden und Handeln selbst verantwortlich sind. Wer frei ist, ist auch selbst verantwortlich für das, was er tut oder nicht tut. Jeder kann sich frei entscheiden, z.B. für die Bindung an kirchliche Traditionen oder für ein diszipliniertes Leben, um daraus zu lernen, was Freiheit bedeutet. Auch aus Freude und Leid können wir lernen, Christus zu finden, der als unser Erlöser uns den Weg zum Vater weist. Wir können aber auch weiter sündigen, was bedeutet, daß wir dafür selbst verantwortlich sind und uns unter unser persönliches Jochgesetz stellen, das heißt: Was ich an Negativem säe, werde ich auch an Negativem ernten, außer ich nütze den Tag, diszipliniere mich, um mein Verhalten zu hinterfragen, das Sündhafte zu bereinigen und nicht mehr zu tun. Dann säe ich eine gute Saat und werde auch eine gute und lichte Ernte, die Freiheit, mein göttliches Erbe, erlangen.
Aus der Gebundenheit an religiöse Traditionen kann man Menschen nur dann herausführen, wenn sie wollen. Das ist nur möglich, wenn sie bereit sind, an sich selbst die Disziplin anzuwenden, um zu lernen, sich selbst zu erkennen, wie sie wirklich sind, und sich nicht damit begnügen, so zu bleiben, wie sie sich geben. Die echte Disziplin heißt, unser Denken, Reden und Verhalten zu hinterfragen, die Wurzel zu finden, aus der unsere persönlichen, egoistischen Gedanken, Leidenschaften, die ichbezogenen Wünsche, unsere "geheimen" Hintergedanken, unsere Erwartungen an unsere Nächsten, unser Neid, unsere Vorwürfe und vieles Sündhafte mehr kommen. Erst wenn die Wurzel behoben wird, kann der Mensch frei werden, dann, wenn er sich höhere Werte vorgibt, die aus den Geboten Gottes und der Bergpredigt Jesu ersichtlich sind, und sich bemüht, sie in seinem Leben umzusetzen.
Wer sich selbst keiner Disziplin unterzieht, der kann auch nicht lernen und kann auch nicht aus seiner gebundenen Vergangenheit herausgeführt werden. Er bleibt ein Nachläufer und ein Nachahmer, dem man alles diktieren kann, das er dann, vielfach ohne viel nachzudenken, tut.
Ich möchte hier nicht sagen, daß ich Menschen aus ihren dogmatischen Bindungen herausführen kann. Eins weiß ich jedoch, ich hätte hierfür das Rüstzeug, das ich mir durch Selbstdisziplin, Lernen und Verwirklichung der Gebote Gottes und der Bergpredigt Jesu angeeignet habe.
Kirchliche Traditionen, die einem Volk übergestülpt wurden, machen niemals frei, denn sie sind auf äußere Führer ausgerichtet, die ausschließlich ihre Vorstellungen und ihre Gedankenkonstruktionen anderen übertragen möchten.
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Ein intelligent-gesellschaftsfähiger Mensch schöpft aus der inneren Quelle der Freiheit und nicht aus dem Nachahmungspfuhl, aus dem so viele trinken. Menschen mit Intelligenzwerten - womit ich die geistig-göttlichen Werte meine - sind mit allem, was sie sich angeeignet und was sie gelernt haben, überdurchschnittlich, was besagt, sie suchen nicht die Angebote von Anbietern, um damit ihren Lebensunterhalt - in der Abhängigkeit der Tauschgeschäfte mit gegenseitigen Vorteilen - so recht und schlecht zu fristen. Menschen, die aus der Quelle der Intelligenz schöpfen, haben ihre Qualitäten so weit erschlossen und überdurchschnittlich gefördert, daß sie sich selbst anbieten können. Sie sind also das Angebot und müssen nicht erst auf ein Angebot warten. Sie agieren, statt auf bloßes Reagieren angewiesen zu sein.
Solche Menschen haben sich von allgemeinen Denkmustern und vom Trieb der Nachahmung befreit. Die ethischen Grundwerte, die auf den Zehn Geboten und der Bergpredigt basieren, machen also den Menschen frei und lassen die innere Autorität, die innere Intelligenz, den Geist, wirksam werden.
Unser Bewußtsein kann so lange nicht mehr klar denken, solange das Gehirn vollgestopft ist mit jahre-, jahrzehntelangen Wiederholungen, die aus Traditionen und weiteren Eingaben unserer Welt kommen, die wir dann zu unseren Meinungen und Vorstellungen machen. So lange hat nichts Neues, nichts Konstruktives Platz, solange wir das Alte, das Bindende, unsere Vorstellungen und Meinungen erhalten und immer wieder erneuern. So lange laufen unsere Eingaben wie ein Videoband durch unser Gehirn. Als Nachahmer lassen wir uns dann von Menschen führen, deren "rechte Hand nicht weiß, was ihre linke tut" - womit ich hier die Doppelbödigkeit des Menschen meine -, und wissen bald selbst nicht mehr, wer wir sind. Auf diese Weise können wir den Tag, die Gegenwart, nicht nützen, weil der Verstand von unserer Vergangenheit, von dem Videoband, vernebelt ist.
Der kritische Zeitgenosse: Immer wieder erwähnst du die Freiheit und sprichst, daß die Freiheit von Gott kommt. Zu Gott, der die Freiheit ist, muß man erst finden. Du sagst, man muß erst selbst fündig werden. Für die Selbstfindung nennst du die rechte Disziplin, die das Lernen beinhaltet. Meines Erachtens wollen jedoch Menschen, die die Mitte ihres Lebens erreicht haben, nicht mehr lernen, sondern suchen den Gewinn aus ihrem Gelernten.
Der Prophet: Wer den Gewinn aus seinem Gelernten sucht, der ist gerade der Nachahmer, von dem ich sprach, der die Angebote des Anbieters sucht, um zu finden, ob sie zu seinem Gelernten passen. Hat er für sich ein Angebot gefunden, dann muß er sich anpassen und anbiedern und bleibt so anpaßlerisch, weil er wenig Eigeninitiative entwickelt hat, sondern nur den Intellekt, den er bis zu einem bestimmten Grad getrimmt hat. Darüber hinaus kann er nichts anbieten, sondern sucht die Angebote, die auf seine Begrenzung zugeschnitten sind. Er bestimmt meist nicht seinen "Preis", gleich seinen Wert, sondern läßt sich diesen von anderen zuschreiben.
Menschen jedoch, die nicht in die Dumpfheit der Anpassung fallen wollen, suchen nach Freiheit, weil sie sich selbst achten. Haben sie die Freiheit und den Halt in sich gefunden, so sind sie die Aktiven, die Tatmenschen, die innere Werte aufgebaut und innere Festigkeit erlangt haben. Sie können geben, weil sie haben. Sie sind frei zu handeln, sind anderen Stütze, weil sie Stärke besitzen. Ihre innere Haltung ist die Souveränität. Sie kommen nicht ins Wanken und sind nicht zu beirren, denn sie sind in sich selbst, in ihrem Inneren, verwurzelt; sie wissen nicht nur ihren Weg, sondern können auch anderen helfen, den ihren zu finden.
[...]
Wahre Freiheit beinhaltet sowohl die Selbstachtung als auch die Achtung des Nächsten. Freiheit bedeutet also auch, frei zu sein von dem Denken gegen andere oder von dem Denken, daß andere dies oder jenes für uns tun sollen, das wir selbst tun könnten. Frei sein heißt, auf die einzige Autorität bezogen zu sein, auf die Intelligenz Gott, um zu lernen, was Gottes Wille ist. Wollen wir Gottes Willen tun, um der einzigen Autorität, der einzigen Intelligenz, näherzukommen, aus der wir dann zu schöpfen und zu geben vermögen, die uns wahrhaft intelligent macht, die uns den Umblick und den Einblick verleiht, die uns ein guter Beobachter sein läßt; die uns lehrt, zu erkennen, zu wägen und zu messen, die sich nicht nach unseren eigenen Vorstellungen und Wünschen richtet - dann müssen wir auch lernen, zu erkennen, was Gott will.
Nutzen wir unsere Freiheit im Willen Gottes, so dienen wir wahrhaft Gott und den Menschen. Das nennt man auch Demut. Demut ist die Freiheit, im Willen Gottes zu handeln.
Frei werden heißt auch, zu lernen, sich nicht zu überschätzen und dann, wenn wir die Mitte des Lebens erreicht haben, nicht der Genügsamkeit zu verfallen - daß die von uns angeeigneten Lernprogramme genügen und uns damit begnügen, daß unsere aufgepfropften Lernprogramme den Gewinn bringen. Der wahre Gewinn ist nicht der Intellekt und sein Mammon, sondern die Intelligenz, welche die Reife bringt und die Frucht der Reife: die Freiheit.
Wollen wir in jedem Abschnitt unseres Lebens noch lernen, dann kommen wir nicht umhin, uns in der rechten Disziplin zu üben. Dazu sollten wir unseren Tag gut planen, unsere Gedanken, Worte und Handlungen im Zügel haben, um uns auf die Arbeit, auf die Gespräche, auf Menschen konzentrieren zu können.
Wir erlangen keine wahre Freiheit ohne Disziplin. Disziplin und Lernen sind ein Ganzes. Wer diese Ganzheit anwendet - Disziplin und Lernen -, der wird frei. Nur der geistig Lernfähige erschließt höhere Werte. Damit nimmt er auch positiven Einfluß auf seine fünf Sinne, indem er sie kontrolliert, welche Gedanken und Wünsche sie abrufen, die er dann hinterfragt und das Gegensätzliche mit der Hilfe des Geistes Gottes bereinigt und nicht mehr tut, um so der einzigen Autorität, Gott, näherzukommen. Dadurch wenden sich die nach außen gekehrten Sinne, die bisher nur die Oberfläche des Lebens wahrgenommen haben und auf Vorstellung und Meinung anderer ausgerichtet und angewiesen waren, nach innen, um schließlich aus der einzigen Quelle zu schöpfen, die Gott ist. So lernen die fünf Sinne, tiefer wahrzunehmen, und der Mensch lernt die Umsicht, um zu sehen, was die äußere Welt nicht sieht, um zu hören, was die Schale des Wortes nicht spricht. Auch der Geruchs- und Geschmackssinn verfeinert sich und lernt, die Signale des Körpers wahrzunehmen. Durch diszipliniertes Verhalten wird der Mensch ausgewogen, wir würden sagen, harmonisch; er wird z.B. nicht alles betasten, was er sieht. Er hat gelernt, zu hinterfragen, was hinter allem steht oder hinter allem steckt.
Nur auf diese Weise wird der Mensch von anderen Menschen unabhängig und kommt aus dem Nachahmertum heraus als der freie Mensch, der zu wägen und zu messen versteht. Der freie Mensch hat gelernt, nicht auf andere zu blicken, sondern auf sich selbst, auf sein wahres Selbst, das die Intelligenz, Gott, ist.
Der kritische Zeitgenosse: Derartiges habe ich noch nicht über die Freiheit gehört oder gelesen. Das sind in der Tat Lehren, die Anforderungen stellen. Das Ziel, in diesem Sinne frei zu werden, hast du mit deinen Worten in mein Bewußtsein geschrieben. In mir dämmert der Wunsch, diese Freiheit zu erproben. Meines Erachtens ist für mich und sicher für so manchen Leser auch interessant, etwas mehr über die Unfreiheit und ihre Wurzel zu hören, denn wie du sagtest, setzen wir Freiheit oftmals mit dem Nicht-Tun dessen gleich, was andere tun.
Der Prophet: Die Wurzel jeglicher Unfreiheit ist die selbstbezogene Liebe. Viele Menschen sind auf sich selbst bezogen, das heißt körperbezogen und intellektuell geprägt. Jeder von ihnen ist mehr oder weniger individuell, also auf sich selbst, das Individuum, ausgerichtet. Deshalb ist das Individuum meist allein. Auch wenn es scheint, viele Freunde zu haben, so ist es doch immer wieder auf seine Meinung, auf seine Vorstellung, auf seinen Neid, auf seinen Haß, auf seine Angst bezogen. Die egoistische Liebe trägt immer Sorge um sich selbst und hat letztlich auch Angst, das, was sie, die selbstbezogene, die Ego-Liebe, verlangt, nicht zu bekommen.
Dadurch ist das Individuum vielfach allein. Auch in der intimsten Beziehung, die dem Menschen kurze Zeit weismacht, daß er liebt und geliebt wird, ist er letztlich doch allein, weil in der intimen Beziehung jeder wieder nach seinem eigenen Vergnügen strebt; jeder verfolgt sein individuelles Ziel, um seine Wünsche zu erfüllen. Das ist seine, die egoistische Liebe, die Wurzel von jeglicher Angst, von Streit, Frustration, Haß und Neid.
Egoistische Liebe ist also Unfreiheit. Die Unfreiheit beinhaltet Abhängigkeit. Abhängigkeit führt immer zu Angst, zu Sorge und zu Leid, zu dem, was das Individuum immer mehr unfrei macht.
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Solange wir uns dem Nicht-Wissen unterordnen, glauben wir, daß viele Gefahren auf uns lauern, denn das Nicht-Wissen um gesetzmäßige Abläufe, die uns durch unser falsches, unkontrolliertes Verhalten steuern, machen uns gegenüber den Gefahren der Welt blind und taub. Blind und taub sein gegenüber dem, was um uns ist oder was auf uns zukommen könnte, macht uns verwirrt. Die Verwirrtheit deutet wieder auf die Unfreiheit hin, die aus Angst, Zwängen, Abhängigkeit, Meinungen, Glauben und vielem mehr geboren wird. Solange unser Verstand abhängig ist - sei es von Menschen, von kirchlichen Institutionen und dergleichen -, bleiben wir verwirrt und anpaßlerisch.
Du wirst sagen, der Intellekt sei doch nicht anpaßlerisch. Durch viele Erfahrungen in geistigen Schulungen weiß ich, daß der Intellekt mehr anpaßlerisch ist als der geistig geschulte Verstand. Gerade der Intellektuelle rechtet und streitet - um vieles mehr als der, der seinen Verstand geschult und ihn auf höhere Werte ausgerichtet hat. Immer dann, wenn der Mensch seine Meinung durchsetzen möchte, ist dies ein Zeichen von Unfreiheit. In der wahren Freiheit liegt die Gottes- und Nächstenliebe, welche Einsicht, Einblick und Umblick ist, welche versteht und wägt und in allem die Freiheit erkennt und an Unfreiheit nur dann vorübergeht, wenn der Mensch, der unfrei ist, auch unfrei bleiben möchte.
Alle Konflikte, Bitternis, Hader, Feindschaft, Feindseligkeit, Neid, Haß gegen den Nächsten bedeuten Unfreiheit. Wir haben uns angewöhnt, mit unserem Nächsten, mit dem wir uneins sind, in Gedanken oder mit Worten zu kämpfen. In Wirklichkeit ist jeder Kampf gegen unseren Nächsten ein Kampf gegen uns selbst. Im Kampf gegen uns selbst werden wir immer die Verlierer sein, denn wir bauen weiter an dem Staudamm unseres Egos und bleiben unfrei.
Wir Menschen erfreuen uns an der Natur. Wenige jedoch haben gelernt, die Natur in der Ausstrahlung und Einheit mit dem großen Geist zu betrachten. Die Pflanzen und Tierarten fragen nicht, was Leben ist - sie leben. Die Sonne bringt auf der Erde die Schönheit der Farben und der Düfte hervor. Blumen, Sträucher, Bäume bewegen sich im Wind. Sie bleiben an ihrem Ort stehen, ob es stürmt, regnet oder ob die Sonne sie bescheint. Wären wir geistig nicht stumm und taub, so könnten wir die Sprache der Naturreiche vernehmen. Einerlei, was wir in der Natur betrachten - keine Blume und kein Strauch und auch kein Tier trägt den Wunsch des Menschen, der lautet: "Betrachte mich, erfreue dich an mir, sieh meine Schönheit und meinen Glanz!" Oder "Ich, die Blume, bin schöner als die anderen." Die Rose spricht nicht zum Veilchen: "Ach, du kleines Ding, wie winzig du bist gegenüber mir!" Der mächtige Baum streckt und plustert sich nicht auf und spricht zum Nachkömmling: "Schau mich an, wie mächtig und wie groß ich bin!"
Alle Blumen, Pflanzen, Bäume, Sträucher leben, und ihr Dasein ist Liebe. Gerade die Natur lehrt uns auch das Teilen. Im Frühsommer, im Spätsommer und im Herbst schenkt sie uns das, was sie zu geben vermag. Es ist die gebende Liebe, die nicht fragt "Was bekomme ich dafür?" Doch wir Menschen fragen sofort, entweder hörbar oder verhohlen, also in der Unterkommunikation: "Was bekomme ich für dieses oder jenes? Ich gebe dir das - was gibst du mir?" Die Natur, die in der unendlichen Liebe des Alls zu Hause ist, gibt, ohne zu fragen, was sie dafür bekommt. Das ist Freiheit. Das ist aber auch wahres Teilen, das ist Kommunikation und Kooperation. Die Natur zeigt uns, was es heißt, die positiven Kräfte zur Einheit zu führen und über die Einheit zur Liebe, denn Liebe gibt, und Liebe ist Einheit.
[...]
Jedes Tier lebt in seinem Rhythmus und in seinem Zyklus, der ihm von der großen All-Liebe, Gott, zugeordnet ist. Es fragt nicht, ob es so rechtens ist, ob dies das Leben ist - jedes Tier lebt, und es lebt gemäß seinem Entwicklungsstand. Greifen wir mit unserer Unfreiheit, mit unserer egoistischen Liebe in die Tierwelt ein, dann machen wir die Tiere abhängig, so, wie auch wir abhängig geworden sind.
Solange wir also mit geistiger Blindheit und Taubheit geschlagen sind, werden wir auch andere schlagen, andere beschimpfen und sie dessen bezichtigen, was wir letztlich selbst sind und was wir nicht sehen und hören wollen.
Der kritische Zeitgenosse: Ich war mit der Absicht gekommen, an dir Kritik zu üben. Jetzt halte ich mich nicht mehr für fähig, Kritik üben zu können, denn dazu muß man das, was man kritisiert, kennen und begreifen. Ich bin sicher, daß ich nicht einmal ein Zehntel von dem aufgenommen habe, was du, Gabriele, in Worten gesagt hast. In dieser geistigen Lehrstunde habe ich begriffen, daß ich zuerst mich selbst kritisch beobachten und mich mit all meinen Fragen in Frage stellen sollte. Ich habe nun gelernt und kann es auch annehmen, daß nur der seinen Nächsten verstehen kann, der sich zunächst selbst hinterfragt, um sich selbst zu verstehen und zu erkennen.
Mir ist klar geworden, wenn ich mich selbst erkenne, so wie ich jetzt bin, dann scheue ich mich, andere zu kritisieren. Als du zu mir gesprochen hast, habe ich genau zugehört und begonnen, mich zu hinterfragen. Dabei ist mir bewußt geworden, daß ich unfrei bin, also meine Freiheit verloren habe, weil ich immer der Meinung war, der andere sei geringer als ich mit meinem geschulten Intellekt. Ich fühle, daß ich vor dir entblößt dastehe, merke aber auch, daß du mich nicht abwertest, daß du mich annimmst, so wie ich bin, und mich liebst; das sagen mir deine Augen und dein Lächeln.
Entschuldige, wenn ich jetzt einen Gedanken ausspreche, von dem ich hoffe, daß er dich nicht erschreckt: Du bist in unserer Zeit eine einmalige Lehrerin der ewigen Weisheit, aber auch eine Riesengefahr für die kirchlichen Institutionen. In den zurückliegenden Jahrhunderten hat es sich immer gezeigt, daß kirchliche Institutionen solche Menschen und ihre Anhänger ausmerzten, sie schlichtweg vernichteten. Ich fühle, daß du ein freier Mensch bist. Doch erlaube mir die Frage: Hast du keine Angst?
Der Prophet: Angst ist Schwäche. Sie baut auf Menschen. Die Stärke ist Gott. Darauf baue ich. Sie können mich, den Menschen, vernichten, aber nicht den Geist auslöschen, Der durch mich spricht.
Der kritische Zeitgenosse: In deinen Schriften, von denen ich einige gelesen habe, berichtest du immer wieder, daß es keine Zufälle gibt. Dann ist es auch kein Zufall, daß ich vor einigen Tagen auf ein Lied von Reinhard Mey stieß. Ein Teil des Textes paßt zum Thema unseres Gesprächs. Darf ich ihn zitieren?
Der Prophet: Du bist frei. Wenn du möchtest, zitiere.
Der kritische Zeitgenosse:
"Sei wachsam.
Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen - sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen, die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen, die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen ...
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen! Sie nennen es ‘das Volk’, aber sie meinen Untertanen. All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen. Wenn du lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen! Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt’ du sie dumm - ich halt’ sie arm!
Sei wachsam, präg’ dir die Worte ein! Sei wachsam, und fall’ nicht auf sie rein! Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt; die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt! Sei wachsam, merk’ dir die Gesichter gut! Sei wachsam, bewahr dir deinen Mut. Sei wachsam, und sei auf der Hut!
Du machst das Fernsehen an - sie jammern nach guten, alten Werten. Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten. Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln, sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln: der Medienmogul und der Zeitungszar - die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar! Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten ...
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote, ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote. Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht - so viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht! ... Es ist ‘ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger, für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger, ‘ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher, Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher. Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt, und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt. Man packt den Hühnerdieb - den Waffenschieber läßt man laufen, kein Pfeifchen Gras, aber ‘ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen ...
Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren. Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren ...
Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen, die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen. Und verschon’ mich mit den falschen Ehrlichen, die falschen Ehrlichen - die wahren Gefährlichen! Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit, nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit. Doch sag’ die Wahrheit, und du hast bald nichts mehr zu lachen ... Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen, dann sag’ sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt: Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd. Sei wachsam, präg’ dir die Worte ein! Sei wachsam, fall’ nicht auf sie rein!
Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt, die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam, merk’ dir die Gesichter gut! Sei wachsam, bewahr dir deinen Mut. Sei wachsam, und sei auf der Hut!"
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