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»Der Prophet«
 > »Der Prophet« Nr. 12

Der Unbekannte der, sich selbst fremd ist
- Brauchen wir "Heilige" als Fürbitter?




A U S Z Ü G E:

 

Der kritische Zeitgenosse:
Wieder klopfe ich bei dir mit Fragen an. Vieles, was du, Gabriele, mir gesagt hast, wirkt in mir nach und läßt mir keine Ruhe. Vor einiger Zeit unterhielten wir uns über die Kraft der Gedanken. Als du zunächst erklärtest, mit welcher Macht negative Gedanken auf uns einwirken können - dann, wenn wir Gleiches und Ähnliches immer wieder denken -, dachte ich so bei mir selbst: "Eigentlich bin ich gar nicht so schlecht, denn meine Gedanken sind generell nicht so abwegig, daß ich sagen müßte, sie seien schicksalsträchtig."

Als ich von dir jedoch hörte, daß immer die Inhalte unserer Gedanken, Worte und Handlungen und auch unsere Gefühle und Empfindungen ausschlaggebend sind, begann ich, mehr und mehr mein ganzes Verhalten in Frage zu stellen, also jeweils in der Situation zu hinterfragen, ob meine Gedanken und Worte tatsächlich meinen Gefühlen und Empfindungen entsprechen. Das Ergebnis meiner Selbsterforschung war ebenso erfolgreich wie niederschmetternd.

Ich erschrak, welch eine Skulptur sich durch die Aspekte der Selbsterkenntnis herauskristallisierte. Ich konnte selbst kaum glauben, letztlich ein solches Charakterbild gezeichnet zu haben. Es stellte sich heraus, daß viele meiner Verhaltensweisen trügerisch sind, ich mich also in meiner Selbsteinschätzung bisher selbst betrogen hatte, weil ich mich nicht kannte. Wenn ich in einem Gespräch bin, kommt mir jetzt immer wieder der Gedanke: "Und was lege ich jetzt in meine Worte hinein?" Dieses Hinterfragen ist zwar interessant, doch ich habe mich schon öfter dabei ertappt, daß ich dachte: "Ach, ich möchte gar nicht wissen, wer ich wirklich bin." Es war letztlich die Neugierde, die mich immer wieder drängte, mich weiter selbst zu hinterfragen, um zu erfahren, was ich in meine Worte und in meine Gedanken hineingelegt hatte.

Bei meiner Selbstanalyse entstanden weitere Fragen, von denen ich dir gern einige unterbreiten möchte, wenn ich darf.

 

Der Prophet:
Wer nie fragt, wird nie eine Antwort bekommen. Fragen und Forschen zeigen das wache Bewußtsein an. Der Selbstgenügsame fragt nicht; er vegetiert mehr oder weniger träge, stumpf und dumpf dahin. Das Wechselspiel Fragen-Antworten ist Bewegung, Dynamik; daraus können sich geistiges Wachstum und geistige Evolution ergeben.

Also frage!

 

Der kritische Zeitgenosse:
In einem unserer vielen Gespräche hast du die menschlichen Worte und Begriffe mit Schalen verglichen und gesagt, daß jeder Mensch in die Schale, in das Wort, sein Persönliches hineinlegt, seine individuellen Gefühle und Empfindungen, die aus seinem augenblicklichen Bewußtseinsstand hervorgehen. Der einzelne, so sagtest du sinngemäß, spricht nur aus seinem Bewußtseinsstand, den er in die Schale, in das Wort, legt. Gemäß seinen persönlichen Eingaben in sein Wort, in die Schale, versteht er auch das Wort des anderen.

Diesbezüglich habe ich mich erforscht und mit einem guten Freund eine Übung gemacht. Beide betrachteten wir das Bildnis einer Frau, und wir äußerten beide die Überzeugung: "Das Bildnis, diese Frau, ist schön." Früher war ich fest der Meinung, daß wir beide, mein Freund und ich, oftmals der gleichen Ansicht sind und auch das gleiche meinen. Da ich aber von dir gehört hatte, daß Worte nur Schalen sind und jeder von uns etwas anderes in das Wort hineinlegt, stellte ich meinem Freund die Frage, was er mit seiner Aussage ausdrücken wollte. Ich hörte genau zu und mußte feststellen: Obwohl wir beide Gleiches ausgesprochen hatten - "eine schöne Frau" -, hatte mein Freund doch in seine Aussage etwas ganz anderes hineingelegt als ich. Als wir uns darüber austauschten, waren wir nicht nur verwundert, sondern wir waren uns sogar uneins, denn wir begannen, über Details dieses Bildnisses zu streiten. Jeder von uns hatte plötzlich eine ganz andere Ansicht über diese schöne Frau. Gabriele, ich erinnerte mich an unser Gespräch, als du sagtest, es hätte keinen Sinn, über die einzelnen Wertigkeiten unserer Aussagen zu streiten. Ich versuchte also einzulenken und gab meinem Freund recht, um dem Gespräch, das immer hitziger wurde, ein Ende zu setzen. War das richtig?

 

Der Prophet:
Solange wir auf das Wort blicken, also auf die Schale, die mit unseren Bewußtseinsinhalten gefärbt ist, verstehen wir uns selten. Es war nicht ganz richtig, deinem Freund zu Munde zu sprechen, indem du ihm recht gabst, um das Gespräch zu beenden. Es wäre besser gewesen, z.B. zu sagen: "Siehst du, das ist deine Ansicht; bei mir treten wieder ganz andere Assoziationen auf, die ich in die Worte ‘eine schöne Frau’ hineingelegt habe. Ich habe also eine ganze andere Bildvorstellung als du. Jeder hat eben seine Meinung. Aber lassen wir das zunächst so stehen, bis wir uns diesbezüglich einmal emotionslos unterhalten können."

Du warst ursprünglich der Auffassung, daß das, was du in dein Wort hineingelegt hattest, auch aus der gleichlautenden Aussage deines Freundes herauszuhören war. Du erkennst also, welcher Täuschung wir unterliegen und daß wir uns so lange selbst fremd sind, bis wir uns erforschen, indem wir unser Verhalten hinterfragen. Doch die Lernwilligkeit, dich selbst zu erforschen, um dich selbst zu erkennen, hilft dir auch, deinen Nächsten allmählich zu verstehen.

Wenn uns einmal bewußt wird, daß unser Nächster ganz andere Wortinhalte hat als wir, dann lernen wir auch, aufmerksamer zuzuhören. Haben wir uns des öfteren selbst hinterfragt und erfahren, was sich alles hinter unserer Wortfassade verbirgt, so werden wir uns nicht mehr wundern, wenn wir erleben müssen, daß ein anderer unser Wort ganz anders versteht, eben entsprechend seinen eigenen Wortinhalten. Wir werden aufgrund dieser Erfahrungen nicht mehr so oft werten und urteilen, sondern Verständnis erlangen, das zum Verstehen führt.


 

[...]

Wer sich über sich selbst nicht mehr täuscht, den kann auch bald ein anderer nicht mehr täuschen. Dann haben wir eine gewisse innere Stärke erlangt, so daß wir unseren Nächsten aufgrund dessen, wie dieser spricht und wie er sich verhält, nicht mehr abwerten. Durch unser Selbst-Hinterfragen und durch das Bereinigen der dabei erkannten Fehler haben wir erfahren, wie schwer es ist, uns selbst zu bemeistern und mit Christus die Meisterschaft über uns zu erlangen. Auf diese Weise gewinnen wir nicht nur Einblick in unseren Nächsten, sondern auch in Probleme und Situationen. Es ist notwendig, daß wir uns selbst kennenlernen, um die Schritte tun zu können, die zu der inneren Stärke und Klarheit führen, die uns befähigen, im Augenblick, in der Situation, das Wesentliche zu erfassen, das Rechte zu tun und für andere eine wirkliche Hilfe zu sein.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Ich habe nun gelernt: Wir reden - und verstehen uns nicht.

 

Der Prophet:
Solange wir unser Unterbewußtsein, das die Inhalte unserer Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Worte und Handlungen speichert, in seinen einzelnen Aspekten nicht erkannt, bereinigt und somit behoben haben, unterliegen wir der Täuschung; wir befinden uns im Gefängnis unserer Meinungen und Anschauungen und wähnen, der andere würde uns verstehen, weil er dieselben Worte wählt wie wir. Das führt oftmals zu Anlehnung und infolgedessen zu Bindung. Der Halt, den wir glauben, gefunden zu haben, wird aber hinfällig, sobald sich herausstellt, daß die Worte unseres Nächsten mit anderen Programmen, Bildern und Vorstellungen gefüllt waren als die unseren.

Der Sinn unseres irdischen Daseins besteht jedoch darin,


 

[...]

Die meisten Menschen begnügen sich mit dem, was sie sagen und glauben selbst, das gesagt zu haben, was sie auch meinen. Was sie selbst sprechen und in ihre Worte hineinlegen, das hören sie auch aus den Worten ihres Nächsten heraus; weiter reicht ihr Bewußtsein nicht. In unser "Gefängnis", in die kleine, enge Welt unserer Meinungen und Vorstellungen, hat der Nächste keinen Zugang, nur der Gefangene, also wir selbst. Wenige wissen, daß sie in ihrem eigenen Gefängnis sitzen, sich selbst sprechen, sich selbst hören und sich auch nur selbst verstehen.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Ist nicht auch unser Intellekt unser Gefängnis? Ich erinnere mich, daß du zwischen Intellekt und Intelligenz unterscheidest. Bisher war für mich der Intellekt das Angelernte. Den Begriff "Intelligenz" verband ich mit der Vorstellung eines klugen Menschen, der bestimmte außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Ist das die Intelligenz, von der du sprichst?

 

Der Prophet:
Diese Art von "Intelligenz" ist nichts anderes als die Brillianz des menschlichen Intellekts, der sich auf bestimmten Sachgebieten hervortut, um in Diskussionen möglichst vielen Argumenten anderer begegnen zu können, diese also zu übertrumpfen. Diese "außergewöhnlichen" Fähigkeiten werden dann oftmals ungewöhnlich, wenn man sie näher betrachtet. Der Intellektuelle kann wohl klug sein, jedoch nicht weise. Es liegt immer ein Stückwerk vor.

Die kosmische Intelligenz - es ist der Geist Gottes - ist kein Stückwerk, sondern immer das Ganze. Der Intellekt, der sich so gerne sachlich gibt, ist im Grunde emotional, insbesonders dann, wenn er glaubt, intelligent zu sein, was immer auf das Ego bezogen ist. Der sogenannte "Intellektuelle" spricht auch nur von sich selbst, und so mancher ist ein Schwärmer, obwohl er es weit von sich weisen würde, wenn dies einer behauptete.

Der intellektuelle Schwärmer schwelgt in ausgeklügelten Argumenten und Theorien, in Vorstellungen und Meinungen, die er für Realität und letztlich für Wahrheit ausgibt, wenn er der Ansicht ist, er sei die personifizierte Brillianz aller Dinge. Die Denkweise dieser Intellektuellen bezieht sich lediglich auf die Oberfläche der Dinge, auf das materiell und intellektuell Erfaßbare. Er hält sich auf seine "Klugheit" viel zugute und verwechselt Erkenntnisreichtum, gleich Einblick und Weisheit, mit viel Wissen. Er schwärmt letztlich von sich selbst und stellt sich dar. Die Wahrheit ist das nicht. Derjenige, der den aus menschlicher Sicht "Klugen", den Intellektuellen, anbetet, ihm also zu Munde spricht und ihn als das "Höchste" schätzt, wird nicht erkennen, daß die Schwärmerei bald zum Schwarm wird, der wegfliegt.

Die wahre Intelligenz hingegen ist


 

[...]

Der kritische Zeitgenosse:
Also trägt unser Intellekt, unser verstandesmäßiges Wissen und unsere menschliche Klugheit, für sich genommen, weder zur Selbsterkenntnis noch zu tieferem Erfassen der Wahrheit bei.

Wie ist es, wenn wir den menschlichen Körper ablegen? Sind wir nach dem Tod dieselben?

 

Der Prophet:
Ja - und doch nein.

Wer sich im Diesseits nicht kennt, der kennt sich auch im Jenseits nicht, denn dort wird er der sein, der er hier war und der sich hier - also im Zeitlichen als Mensch - nicht erkannt hat, weil er sich nicht hinterfragte, um sein Allzumenschliches zu erkennen, das in seinem Verhalten liegt.

Die meisten Menschen sind der Ansicht, daß das, was sie sagen, denken und tun, sie, die Person, sind. Viele schätzen sich also um vieles besser ein, als sie in Wirklichkeit sind, weil sie nicht gelernt haben, sich selbst zu kontrollieren, zu hinterfragen, indem sie das, was sie denken, reden und tun - auch z.B. ihr Mitgefühl - in Frage stellen, um zu ergründen, was sie in Worte hineinlegen und doch nicht aussprechen, ihre Gedanken, die anders sind als ihre Worte. Das gilt auch für unsere Gefühle, Empfindungen und Handlungen. Die Motive, die unserem Verhalten zugrunde liegen, z.B. in unseren Gefühlen, Empfindungen, Gedanken, Worten und Handlungen, d a s sind wir - und das sind wir auch nach dem Hinscheiden unseres irdischen Leibes.

Es kommt also darauf an, ob wir uns im Diesseits erforscht, uns also selbst in unseren Verhaltensweisen gefunden haben. Die Motive in der Kette unseres Fühlens, Empfindens, Denkens, Sprechens und Handelns, in all unseren Leidenschaften und Wünschen prägen unser Unterbewußtsein. Das, was sich im Unterbewußtsein angesammelt und aufgebaut hat, geht auch in unsere Seele. Das sind wir dann nach dem Leibestode.

Viele Menschen haben Angst vor dem Tod, weil


 

[...]

In einem Lied heißt es: "... Tod, wo sind nun deine Schrecken?" Ich glaube, so manche Seele wird erschrecken, wenn sie ihren Körper, ihren Menschen, für immer verlassen hat. So manche Seele kann nicht glauben, daß sie das ist, wie sie sich im Jenseits gibt oder wo sie sich im Jenseits aufhält, denn im Zeitlichen verhielt sie sich anders - allerdings war es nicht wahrhaftig.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Wir Menschen sind sehr oft über viele unserer Mitmenschen enttäuscht, zum einen, weil sie sich nicht so verhalten, wie wir es gerne hätten, zum anderen wollen wir sie anders sehen, als sie sind. Auch ihre Lebensweise und ihr Lebensstil paßt uns vielfach nicht. Darüber denken und reden wir negativ. Wir sind auf mancherlei Weise mit unseren Mitmenschen beschäftigt: wie diese sind, was sie tun oder was sie unseres Erachtens unterlassen oder was sie zu unterlassen hätten. Selten hingegen machen wir uns über uns selbst Gedanken, wie wir wohl sind. Die Enttäuschung über uns selbst wird also im Jenseits um vieles größer sein als hier und jetzt das Enttäuscht-Sein über unsere Mitmenschen.

 

Der Prophet:
Als Seele werden uns die Augen nicht auf einmal für unsere gesamten sündhaften Bewußtseinslagen aufgehen. Nicht von heute auf morgen werden wir das Bewußtsein erlangen, wer wir noch alles sind. Es wird uns auch im Jenseits erst allmählich offenbar werden, wie unsere Verhaltensweisen als Mensch tatsächlich waren.

Unsere Seele ist nach dem Leibestode umhüllt mit all ihren Eingaben, die auch noch aus den verschiedenen Zeitepochen sein können, in welchen die Seele als Mensch lebte. Diese verschiedenen Eingaben sind Schwingungen, gleichsam Frequenzen, die ihre Farben, Formen und Tonlagen haben. Diese unterschiedlichen Hüllen bezeichnet der Mystiker auch als Kleider der Seele, die nach und nach abgelegt werden müssen, damit der geistige Leib, das reine Sein, das dem Himmel angehört, wieder zum Vorschein kommt. Diejenige Hülle bzw. das Kleid, das im Jenseits aktiv ist, macht der Seele bewußt, daß dies augenblicklich ihr Bewußtseinsstand ist, der den Eingaben entspricht, die sie als Mensch machte, und daß diese nun bewußten, aktiven Eingaben die Inhalte der Verhaltensweisen als Mensch in einer bestimmten Zeitepoche waren. Ist diese Hülle, dieses Seelenkleid, im Seelenreich durch Abtragung, die in der Erkenntnis des Fehlverhaltens liegt, umgewandelt, also abgelegt, dann wird ein weiteres Seelenkleid aktiv sein, eine weitere Seelenhülle, die unter Umständen eine andere Zeitepoche ihrer Erdentage aufzeigt, in der die Seele von ihrem damaligen Menschen das angenommen hat, was dieser seinerzeit in seine Verhaltensweisen legte.

Geht eine Seele erneut zur Inkarnation, dann vollziehen sich ähnliche Abläufe wie im Jenseits. Eine Seelenhülle, die unter Umständen gleiche und ähnliche Frequenzen aus anderen Seelenhüllen mitbringt, zeichnet dann den Menschen auch in seinem Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln, in seinen Wünschen, Leidenschaften und Begierden. Sowohl das Positive als auch das Gegensätzliche des in der Seelenhülle Gespeicherten kommt im Lauf des Erdenlebens zum Ausbruch und drückt sich in der Verhaltensweise des Menschen aus.

Nun stellt sich die Frage: Was macht der einzelne aus seinem irdischen Dasein? Baut er sein Gegensätzliches auf und aus - oder hinterfragt er seine Verhaltensweisen, um mit der Hilfe des Geistes in ihm sein Sündhaftes zu bereuen, zu bereinigen und nicht mehr zu tun? Dann baut er das Positive, das Göttliche, auf, das sich in der Seele und somit in allen Seelenkleidern bemerkbar macht. Dadurch wird die Seele dieses Menschen lichter, der Mensch feiner, die Grundzüge seines Lebens sind mehr und mehr geistig-ethisch und moralisch hochstehend. Er findet Zugang zu seinen Nächsten und hält von Herzen her die Verbindung mit seinen Mitmenschen. Er urteilt und verurteilt immer weniger und bemüht sich, mit seinen Mitmenschen in Frieden zu leben. Nach dem Leibestode geht die Seele mit ihren lichteren Kleidern in höhere Regionen des Lebens. Sie nimmt immer mehr Abstand von dieser Welt, da in dieser Welt nur noch ein geringer Magnetismus vorhanden ist, also Gene, die nicht mehr die Wertigkeit tragen, diese lichter gewordene Seele anzuziehen.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Das ist sehr interessant, aber für mich neu. Ich kann das nicht einfach bejahen; darüber muß ich nachdenken.

Doch eine Frage liegt mir am Herzen: Sind solche Seelen dann heilige Wesen, solche also, die z.B. vom Katholizismus "selig-" oder "heilig"-gesprochen werden? Wenn das die seligen oder die heiligen Wesen sind, warum gibt es dann nicht in allen Religionen die sogenannten "Heiligen"?

Ich habe mich mit verschiedenen Religionen befaßt, habe mich über ihre Erscheinungsformen und Inhalte informiert und sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede gefunden. Die eine Religion hat diverse jenseitige Ansprechpartner, ihre "Heiligen", die andere spricht nicht von solchen. Die katholische Religion hat die "Gottesgebärerin", die "heilige" Maria, und eine ganze Reihe von "Heiligen", andere Religionen sprechen weder von Maria noch von irgendwelchen "Heiligen". Die eine Religion hat diesen Glauben, die andere einen anderen. Was ist jeweils davon zu halten? Wie kann ich mich da entscheiden? Wo finde ich die Wahrheit?

 

Der Prophet:
Es ist sicher ratsam, nicht alles anzunehmen, was gesagt wird. Es ist aber auch nicht gut, alles, was für uns neu ist, abzulehnen und zu verneinen. Wir Menschen haben unterschiedliche   Bewußtseinsaufassungen. Der eine kann dieses oder jenes schneller akzeptieren, der andere nicht. Wir sollten also nicht einfach kategorisch nein sagen, wenn wir etwas nicht gleich verstehen oder noch nicht annehmen können.

Du sagtest, du mußt das, was für dich neu ist, erst überdenken. Das finde ich richtig. Du nimmst es einfach einmal als Information an, nimmst es also zur Kenntnis, machst es jedoch noch nicht zu deiner Sache. Erst wenn du es überdacht hast, wirst du abwägen, was du annehmen, also glauben kannst und was für dich noch im Dunkeln liegt, was du also noch nicht zu verstehen vermagst.

Du fragst, wo du die Wahrheit findest. Ich kann dir nur sagen:...


 

[...]

Um sich als christlicher Mensch in Christus selbst zu finden, bedarf es keiner äußeren Religionen, denn die Suche nach dem Funken oder dem Fünkchen der Wahrheit ist viel zu mühsam. Mache dir bewußt, daß du ein Sohn Gottes bist und dein göttliches Erbe das himmlische Reich ist, das inwendig in dir ist. Das göttliche Reich, das unsere ewige Heimat ist, hat seine himmlischen, ewigen Gesetze der Liebe und Weisheit, der Ordnung, des Willens, des Ernstes, der Güte und der Sanftmut. Aus diesem ur-ewigen Gesetz haben wir Auszüge empfangen. Gott gab uns durch Mose die Zehn Gebote, und Jesus, der Christus, baute auf den Zehn Geboten auf. Seine Lehren gründen also in den Zehn Geboten, die Er - auch in Seiner Bergpredigt - ausbaute.

Wenn du täglich Inhalte deiner Verhaltensweisen an den Zehn Geboten und an den Lehren des Jesus von Nazareth mißt, die von dir erkannten Sünden - deine Sünden - bereust, bereinigst und nicht mehr tust und Schritt für Schritt die Lehren des Jesus, des Christus, befolgst, dann erschließt du das Reich des Inneren, dein göttliches Erbe, und findest so zur ewigen Wahrheit. Dazu bedarf es keiner äußeren Religion, sondern einzig des aktiven Glaubens, der das Tun der Lehre des Jesus, des Christus, beinhaltet. Dann weißt du aber auch, daß es im ewigen Sein keine "Heiligen" gibt, sondern einzig die reinen Wesen, die in dem Einen Heiligen leben, der Gott, unser ewiger Vater, ist.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Für mich heißt das, mich nun möglichst konsequent selbst zu hinterfragen und alles das zu hinterfragen, was ich höre oder lese. Neulich stieß ich auf etwas, das mir zu denken gab: Die Katholiken singen bekanntlich das Lied aus der Schubert-Messe "Heilig, heilig, heilig ist der Herr. Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er." Auch mir gefällt dieses Lied; ich habe es mir des öfteren angehört und auch selbst in einem Chor gesungen. Nun war mir ja inzwischen bewußt geworden, daß wir alles hinterfragen sollen. Das kam mir auch in den Sinn, als ich neulich miterlebte, daß wieder der Choral in einem Gottesdienst gesungen wurde. Ich stutzte plötzlich und hielt inne. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Mir wurde bewußt, daß die Katholiken soeben den Heiligen, Gott, den Ewigen, verhöhnten, denn der katholisch Gläubige singt zwar "heilig ist nur Er", doch anschließend betet er wieder zu "Heiligen".

Die Katholiken rufen für alle möglichen Zwecke "Heilige" an. Diesbezüglich habe ich mich mit einer Bekannten unterhalten, die ich als "Stammkatholikin" bezeichnen möchte, und von ihr gehört, daß "Heilige" sogar besondere Zuständigkeitsbereiche hätten. Zum Beispiel gibt es einen, der zuständig ist für Bettler, Soldaten und Reiter. Es ist der "Heilige Martin". Die "Heilige Veronika" soll die Patronin speziell für Pfarrhaushälterinnen sein. Den "Heiligen Pankratius" heißt man den Nothelfer gegen Meineid und falsches Zeugnis, die "Heilige Susanne" die Nothelferin gegen Regen, Verleumdungen und Unglück.

Ich konnte meine Bekannte, die "Stammkatholikin", kaum stoppen; sie kannte sich mit den "Sparten" der Nothelfer und deren Aufgabenbereichen bestens aus. Sie sprudelte weiter: Der "Heilige Antonius" soll dazu ausersehen sein, beim Wiederfinden verlorener Gegenstände zu helfen. Der "Heilige Christophorus", bekannt als Hüne, der mit dem Kind auf den Schultern den Fluß durchschreitet, soll der "Heilige" der Fuhrleute und der Autofahrer sein. Plötzlich hielt sie inne und meinte: Ja, mit diesem "Heiligen Christophorus" sei es so eine Sache. Eines Tages sei bekannt geworden, daß man über sein Leben nichts weiß und daß der "Heilige Christophorus" nur eine Legende sei.

Nun begann ich zu analysieren und zu hinterfragen und stellte der "Stammkatholikin" die Frage: Warum gibt es in der katholischen Kirche die "Heiligen" und nicht auch in der lutherischen Kirche? Zu meinem Erstaunen merkte ich, daß sie sich ähnlich verhielt, wie ich mich jahrzehntelang verhalten hatte. Sie hob einfach die Schultern und sagte: "Das ist nun mal eben so."

Mir wurde klar: So darf man das doch nicht stehenlassen! Hier verhöhnt man Gott, den Einen Heiligen: Muß man sich nicht letztlich entscheiden - für sogenannte katholische "Heilige" oder für den Einen Heiligen? Die katholische Kirche hat in dem Liedtext nur einen Heiligen, von dem es heißt: " ... heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er." - und so finde ich es richtig. Doch wenn nur Er der Heilige ist, warum müssen es dann so viele "Heilige" sein, Fürbitter, die zwischen dem Einen Heiligen und dem Menschen stehen? Also hinterfragte ich mich selbst, wieder in dem Bewußtsein: Warum kann ich nicht selbst meinen Vater im Himmel bitten? Weshalb brauche ich "Heilige", also Fürbitter? Mir wurde es heiß. Unzählige Male hatte ich dieses Lied gesungen - ohne daß sich mein Gewissen regte, denn damals hinterfragte ich noch nichts. Mir gefiel das Lied einfach. Ich hörte und sang es ehrfürchtig, genoß die positive Bewegung in meinem Gemüt und dachte mir nicht viel dabei.

Viele Jahre lang habe ich mir auch nichts dabei gedacht, wenn ich den sogenannten "Heiligen Vater", den Papst, im Fernsehen sah, um dessen Person ein unvorstellbarer Aufwand, gleichsam ein Brimborium, gemacht wurde und wird. Ich habe es ähnlich hingenommen wie die "Stammkatholikin", obwohl ich mich mit den verschiedenen Religionen beschäftigt und mein Gesichtskreis sich schon um einiges geweitet hatte.

Offenbar sind wir Menschen sehr oberflächlich. Ich begreife immer mehr: Solange wir uns selbst nicht in Frage stellen, stellen wir auch alles andere nicht in Frage. Die vielen Gespräche mit dir haben mir in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet. So habe ich unter anderem des öfteren über das Leben Jesu nachgedacht und dieses mit den Lehren der verschiedenen Religionen verglichen und auch mit dem Luxus und Aufwand der katholischen Kirche, mit dem Leben der Priester, Bischöfe, Kardinäle und Päpste. Ich kam zu der Überzeugung: Da stimmt etwas nicht; das kann nicht die Wahrheit sein!

 

Der Prophet:
Es bringt Gewinn für das eigene Leben, sich immer wieder mit dem Leben Jesu zu beschäftigen und auch mit Seiner Lehre. Jesus lehrte die Bescheidenheit und Demut. Er war Zimmermann, und Sein Gewand war aus Leinen. Seine Lehre war einfach und Sein Leben eine einzige Hingabe an Gott, Seinen, unseren ewigen Vater. Seine Worte "Folget Mir nach!" sollten uns öfter in den Sinn kommen und sich unter anderem zur Frage formulieren, ob das, was wir in den sogenannten christlichen Religionen sehen und hören, die Nachfolge Jesu ist. Wir sollten uns öfter hinterfragen: Wem folge ich nach?

 

Der kritische Zeitgenosse:
Bei deinen Worten merke ich, wie "gedankenlos" ich dahingelebt habe und noch dahinlebe - gerade im Bereich der Religion, der auch aufzeigt, wie ich mich in anderen Lebensbereichen verhalte. Und wenn ich mich umschaue - ich bin damit beileibe nicht allein. Was ich schon erkannt habe, schärft - obwohl ich noch gar nicht so sehr viel geändert habe - meinen Blick für mein Verhalten und für das meiner Mitmenschen.

Ich sehe es klarer als je zuvor: Wir Menschen kennen uns oft nicht. Wir machen einfach mit und hinterfragen uns nicht. Wir sind gleichsam "Stammgläubige", die einfach glauben und sich selbst nicht fragen, was sie glauben. Letztlich war ich träge im Geiste. Obwohl ich Jesus nachfolgen wollte, war ich darin doch nicht konsequent, denn ich orientierte mich in meiner Lebensführung nicht an dem, was Jesus gelehrt hat. Ich hörte wohl hin und wieder, daß der Geist Gottes in mir ist, doch ich blieb blind, ohne eigenes Wertmaß.

Ermutigt durch einige anfängliche Erfahrungen mit mir selbst, bin ich heute der Ansicht, wenn wir durch unser eigenes Hinterfragen zu uns selbst finden, dann würden wir uns von den vielen Vorstellungen der äußeren Religionen befreien.

Früher schon war mir die ganze Kette der Fürbitter sonderbar vorgekommen. Doch damals habe ich über alles, was den Glauben betrifft, nicht so tief nachgedacht. So wie mir geht es sicherlich vielen unserer Mitmenschen. Man interessiert sich mehr für eine gute Anstellung, für Freizeit, Sport, Reisen, Urlaub und vieles mehr. Die Fürbitter sollen sicherlich bei Gott für uns Menschen eintreten. Es stellt sich die Frage: Ist Gott so grausam, daß wir Fürbitter brauchen? Warum kann der Mensch, der doch Sein Kind sein soll, im Gebet nicht unmittelbar zu Gott gehen, da doch der Geist Gottes in uns ist und jedem ganz nah?

 

Der Prophet:
Wie können hingeschiedene Menschen, gleich Seelen - ob sie selig sind oder nicht - plötzlich "Heilige" sein, wenn es doch nur einen Heiligen gibt, Gott, unseren ewigen Vater? Wir brauchen keine Fürbitter, die Gott besänftigen, denn Er ist kein strafender Gott und kein Rachegott. Er, das große Gesetz der Liebe, liebt Seine Kinder, ob sie Selige oder Sünder sind. Wozu dann die "heiligen" Fürbitter und Fürbitterinnen? Jesus gab uns das große Gebet des Kindes an Seinen Vater, das Vaterunser, das in seiner Essenz den Weg zu Gott beinhaltet, doch Er setzte keine "Zwischenträger" ein und gab uns keine "Heiligen-Litaneien".

Betrachtet man all die Gebetsformen des Katholizismus, dann muß man leider erkennen, daß die Katholiken dazu angehalten werden, mehr zu den "Heiligen" zu beten als zu Gott, unserem ewigen Vater. Häufig werden die "Heiligen" also bevorzugt. Warum? Das Vaterunser ist oft nur noch eine Leier; das Gefühl, das Herz bleibt unbeteiligt. Und so mancher sogenannte Fürbitter ist dem Menschen näher als Gott. Warum? Weil der Katholik das Grundelement der Wahrheit nicht weiß oder auch nicht erfaßt: daß Gott, die große Liebe, im Zentrum der Seele wohnt, also im Zentrum des Menschen. Jesus, der Christus, lehrte uns nicht, daß Fürbitter bei Gott für uns Menschen ein gutes Wort einlegen sollen, um Ihn uns wohlgesonnen zu stimmen. Gott, unser Vater, bleibt eingestimmt auf uns, denn Er liebt uns.

Es ist ein trauriges Bild der Kinder Gottes, die sich Fürbitter und Fürbitterinnen geschaffen haben, wo doch der Geist der ewigen Liebe, der Geist unseres Vaters, in jedem von uns wohnt. Er ist uns näher als Arme und Beine, näher als jeder noch so vertraute Mitmensch, näher als jeder sogenannte Fürbitter.

Hat je einer der kirchlichen Autoritäten oder ein Katholik die sogenannten "Heiligen" gefragt, ob sie "heilig" genannt werden wollen? Hat sie einer gefragt, ob sie damit einverstanden sind, daß zu ihnen gebetet werden soll oder ob sie Fürsprecher bei Gott sein wollen? Oder ob ein Teil des Leichnams ihres irdischen Leibes - der Gebeine - als Reliquien durch die Straßen getragen werden soll? Oder ob ihre Namen, die die Kirche zu "Heiligennamen" gemacht hat, zu Rummelveranstaltungen benützt werden sollen? Würden wir wollen, daß in dieser oder ähnlicher Weise über uns bestimmt wird?

So mancher spätere sogenannte "Heilige" ging durch die Hölle der Verleumdung, der Diskriminierung und der Drangsal seitens der katholischen Kirche. Später, als er dann gestorben war, sprach ihn seine sogenannte "Mutter", die "heilige katholische Kirche", heilig.

Uns sollte öfter bewußt werden, daß wir das, was wir nicht wollen, auch keinem anderen zufügen sollen. Viele derer, die man nach ihrem Tod "Heilige" nannte, waren bestimmt gläubige Menschen, die sich bemühten, Gottes Gebote zu erfüllen. Viele von ihnen sind sicherlich selige Seelen, die in den jenseitigen Welten der Vollkommenheit zustreben. Möglicherweise sind einige dieser Seelen schon wieder im ewigen Sein als göttliche Wesen, als Ebenbilder unseres himmlischen Vaters, entsprechend dem Gebot Jesu, vollkommen, also zu Ebenbildern des Vaters zu werden. Doch "heilig" sind sie nicht.

Jesus sprach nicht von "Heiligen". Der Christus Gottes spricht von ...


 

[...]

Jesus sprach auch nicht, daß wir zu "Heiligen" beten sollen. Jesus, der Christus, der Erlöser aller Menschen und Seelen, brachte uns immer wieder Seinen ewigen Vater näher, der auch unser Vater ist, der Einzig Heilige. Ihn sollen wir anbeten, Ihn sollen wir loben und preisen, Ihm sollen wir uns in unserem Herzen zuwenden, mit Ihm bewußt durch unsere Erdentage gehen und Ihn anrufen in jeder Lebenslage. Jesus betete zu keinen "Heiligen", sondern ausschließlich zu Seinem Vater im Himmel, von Dem Er wußte, daß Sein Geist in Ihm wohnt. Jesus lehrte uns einzig das Vaterunser, und das ist ganz und gar auf unseren Vater im Himmel ausgerichtet und auf keine "Heiligen". Jesus lehrte uns, Ihm nachzufolgen, was besagt, daß wir Seine Lehre an- und aufnehmen und im Alltag verwirklichen sollen.

Woher also nahm die katholische Kirche den Heiligenbrauch?

 

Der kritische Zeitgenosse:
Aus meinem Vergleich der Religionen weiß ich, daß aus den früheren Kulturen des Heidentums und aus dem "Götterhimmel" der Griechen und Römer Wesen bekannt sind, die, sozusagen "verklärt" und unberührt von Schicksalen, über den Lebenssituationen der leidgeprüften Menschen stehen. Haben eventuell diese mythischen Gestalten bei der späteren "Schaffung" der "Heiligen" Pate gestanden?

Da fällt mir gerade noch etwas ein, was die "Stammkatholikin", mit der ich mich unterhielt, ins Gespräch brachte: Maria, die Mutter Jesu. Sie sprach davon, daß diese die Mutter Gottes sei und leiblich aufgefahren sei in den Himmel. Wieder begann ich, das Ganze zu hinterfragen, und sagte mir selbst: Was tun Fleisch und Bein im Himmelreich, wenn doch der Geist Gottes, das strömende Leben, das Gesetz der Himmel ist, das spricht: ICH BIN der ICH BIN?

Und ich dachte weiter: Damals, zu Jesu Zeiten, war vieles so mysteriös. Heute erlebt man solches nicht mehr. Hat sich hier der Mensch so weit von Gott abgekehrt oder Gott von den Menschen?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß ein physischer Leib in den Himmel eingehen kann, wo doch dort alles feinstofflich, also geistig ist. Wie soll dann dort ein materieller Körper existieren können? Das wäre, soweit mir bekannt ist, der einzige.

 

Der Prophet:
Wer seinen Verstand gebraucht, der müßte sich tatsächlich die Frage stellen: Wie kann ein irdischer Naturkörper, der der Materie angehört, in das ewige Sein aufgenommen werden? Das ist völlig unlogisch und nach dem Gesetz Gottes unmöglich. Könnte ein materieller Leib sich in das reine Sein eingliedern, so hätte der Ewige Sein Naturgesetz, das eine Schöpfungsgabe des Schöpfers für das Leben auf dieser Erde ist, umgestoßen. Wenn uns die katholische Kirche glauben machen möchte, daß auch der physische Leib Jesu in den Himmel aufgefahren ist, so ist das ebenfalls katholisch, aber nicht die Lehre des Schöpfers, der uns Menschen das Naturgesetz gab, auch bezüglich unseres physischen Leibes. Dieser gehört der Erde, der Natur, an, aus der er ist. Die Seele, so sie wieder rein-geistiger Leib geworden ist, gehört dem ewigen Sein an, dem Himmel, aus dem der rein-geistige Leib ist.

Nicht einmal die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu erfolgte in Seinem materiellen Körper. Sein physischer Leib wurde nach dem Naturgesetz rascher umgewandelt, also wieder in geistige Natursubstanz, in den entsprechenden Aggregatzustand, erhoben, weil Sein irdischer Körper vom ewigen Licht, Gott, der auch Schöpfer ist, vollkommen durchstrahlt war.

Was mit dem physischen Leib des Jesus, des Christus, geschah, wird einst im ganzen Fallgeschehen erfolgen: Das Grobstoffliche wird allmählich in die Assimilation gebracht und schrittweise wieder dem ewigen Sein zugeordnet.

Alle Vorgänge, sowohl im Himmel als auch in der Materie, folgen konkreten göttlichen Gesetzmäßigkeiten. Unnatürliches, gleich Widersinniges, wäre Gesetzwidriges, und das gibt es in Gottes Schöpfung nicht. Für viele Menschen sieht manches wie ein Wunder oder auch wie Zufall aus, weil sie von Gottes Gesetzen und oftmals von den fundamentalen geistigen Gegebenheiten nichts wissen. Das ist geistige Blindheit. Doch Jesus von Nazareth kam, um Blinde sehend zu machen. Er kam auch in unsere Zeit - in Seinem lebendigen Wort.

Jesus sprach von vielem nicht, worüber die Kirchen sprechen, auch nicht davon, daß Er von Josef nicht gezeugt worden wäre, auch nicht davon, daß Maria Ihn vom Heiligen Geist empfangen habe, und ebenso nicht, daß Maria, Seine leibliche Mutter, unbefleckt von ihrer Mutter empfangen worden sei. Jesus sagte auch nicht, daß Seine leibliche Mutter die "Mutter Gottes" sei. Er sprach schlichtweg von Seiner Mutter.

Jesus machte uns wiederholt darauf aufmerksam, daß wir - jeder Mensch - der Tempel Gottes sind und der Geist Gottes inwendig in jedem von uns wohnt. Jesus, der Christus, setzte keine Priester ein, auch keine kirchliche Hierarchie.

Er wies gerade die Rabbis darauf hin, sich nicht besonders ehren, also nicht Rabbi nennen zu lassen. "Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder."

Jesus lehrte uns auch nicht, eine sogenannte "christliche" katholische oder "christliche" lutherische Kirche zu gründen. Jesus sprach immer wieder von dem Tempel, welcher der Mensch ist, in dem Gott wohnt, und vom stillen Kämmerlein, in das wir einkehren sollen, um mit Gott, unserem ewigen Vater, Zwiesprache zu halten - also mit unserem ewigen Vater, und mit keinen "Heiligen".

Die Kirche hat diese unmittelbare Verbindung zu Gott nicht nur nicht erweckt, nicht lebendig erhalten und nicht gefördert, sondern sie - anscheinend systematisch - unterbunden. Zwischen den einzelnen Menschen und Gott, seinen Vater, seine Lebensquelle - und letztlich zwischen den Menschen und sein eigenes Leben, das im Innersten der Seele pocht, das Seele und Mensch ganz durchdringen und durchglühen möchte -, hat die Institution Kirche sich selbst gestellt: ihre Glaubenssätze, Dogmen, Riten, ihre angeblich heilsnotwendigen Sakramente, ihre angeblichen Mittler, die Pfarrer, Priester et cetera und als "Krönung" den angeblichen Stellvertreter Christi auf Erden.

Schon allein das falsche Gottesbild vom strafenden Gott, der von fern Seine Kinder beobachtet, um jede ihrer sündhaften Regungen mit einer Strafe zu beantworten, der sie in die ewige Verdammnis schickt, verhindert eine unmittelbare Kommunikation. Da infolgedessen der Halt im eigenen Inneren nicht mehr erfahrbar und greifbar ist, erfaßt der Mensch den Strohhalm, der sich ihm im Äußeren als Rettungsanker anbietet: Er glaubt den Heilsversprechungen derer, die den Namen "Christus" im Munde führen und vorgeben, Gott und den Menschen zu dienen.

Du sagst richtig: Die Kirchengläubigen denken zu wenig über die Lehre Jesu nach und setzen die Kirchenlehre mit der Lehre Jesu gleich. Wer Vergleiche anstellt zwischen der Lehre Jesu und der Kirchenlehre, der merkt sehr bald, daß die Lehre der Kirchen sehr wenig mit der Lehre Jesu, der christlichen Lehre, zu tun hat. Die institutionelle Lehre hat Fragmente der Lehre Jesu und ist daher der Ansicht, sich "christlich" nennen zu können.

Wie lange braucht der Mensch, bis er endlich begreift, was Jesus wollte! 2000 Jahre ringt Jesus, der Christus, darum, daß die Menschen endlich in ihrem Herzen erfassen, daß es weder der äußeren Tempel noch der Kirchen aus Stein bedarf, sondern einzig der Reinigung des eigenen Tempels, des Menschen, von Sündhaftem, so daß das Reich Gottes, das inwendig im Menschen ist, im Äußeren sichtbar werden kann, im Frieden und in der Gottes- und Nächstenliebe.

Die wahren Gottespropheten waren und sind Volkspropheten. Sie kamen und kommen meist von außen, also nicht aus den Reihen der Schriftgelehrten. Gott, der Ewige, sandte sie immer zum Volk, einerlei, welchen Glauben dieses hatte, denn für Gott existieren die vielen Glaubensanschauungen nicht. Er möchte, daß alle Seine Kinder Seinen Willen tun, der in den Zehn Geboten zu finden ist und in den Lehren Jesu.

Würde die Menschheit nach dem Königreich des Inneren streben, so wäre diese Welt lichter, die Erde gesund und die Menschen friedvoll. Alle Menschen wären dann untereinander Brüder und Schwestern, geeint in dem König, der im Reich des Inneren wohnt. Ihr Leben wäre dann das Leben der Bergpredigt, und die Gesetze des Inneren Reiches wären auch die Gesetze des Menschengeschlechtes in Gott: Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Mir scheint, die Gestalter der katholischen Kirche gingen folgendermaßen vor. Statt den Menschen die praktische Lehre der Bergpredigt nahezubringen, deren Umsetzung ihnen für ihr inneres und äußeres Leben eine unschätzbare Hilfe gewesen wäre, errichteten sie gleichsam ein kultisches Bildnis. Sie überhöhten die Gestalt Mariens und versahen sie mit einem Glorienschein, den die "echte" Maria, die einfache Frau, die vor 2000 Jahren in Palästina lebte, gewiß nicht befürwortet hätte. Maria schrieb man allerlei Wundersames zu und dichtete ihr dies und das an. Das so entstandene Kultbild wurde von den Gläubigen dann auch offenbar bereitwillig angenommen.

Daher ging ich der Frage nach, welche mythischen Wurzeln dem Marienkult zugrundeliegen. Von einem Religionswissenschaftler erfuhr ich einiges. Er erklärte mir sinngemäß: Die Verehrung der Maria als "Gottesmutter" kommt aus dem Isis-Kult. Auf dem Konzil von Ephesus (431) wurde an die Stelle von Diana und Artemis nun Maria gesetzt. Viele Titel der alten Muttergottheiten gingen auf Maria - genauer auf die "Kult-Maria" - über: "Himmelskönigin", "Gnadenspenderin", "Unbefleckte", "Gottesmutter" und "Gottesgebärerin". Das Konzil von Ephesus erklärte die leibliche Mutter Jesu zur "Gottesmutter" und machte dies zu einem Dogma. Wird nicht mit diesem Begriff die Vorstellung erweckt bzw. bewußt in Kauf genommen, daß Maria sozusagen über Gott stehe? Sie wäre demzufolge die Mutter Gottes und Gott ihr Kind.

 

Antwort des Propheten:
Die Mutter Maria kann nicht die "Mutter Gottes" sein.

Gott war und ist ewiglich. Gott ist das große Gesetz der allgegenwärtigen Liebe, das in allem wirksam ist. Gott ist also allgegenwärtiges Sein. Gott ist alles in allem. Ob es die Gestirne sind oder die Naturreiche, ob es die Geistwesen, die Seelen oder die Menschen sind - Gott ist die allgegenwärtige Kraft, das Leben ewiglich. Gott, die unendliche Liebe, war in Jesus als Kraft und Licht und ist in jedem von uns gegenwärtig. Der Ewige, Eine Heilige, der ewige Vater der Himmel, ist die Manifestation aus Seinem allgegenwärtigen Gesetz der Liebe. Er ist das komprimierte Gesetz der Liebe, des Friedens und der Harmonie. Weil der einzig Heilige Ewige, unser aller himmlischer Vater, die Manifestation aus Seinem heiligen Gesetz der Unendlichkeit, GOTT, ist, wird der ewige Vater auch Gott-Vater genannt. Jesus, in dem Christus der Sohn des Allerhöchsten, der Mitregent der Himmel, einverleibt war, erfüllte die Gottes- und Nächstenliebe, so daß der Heilige Geist, Gott, das ewige Gesetz, Ihn ganz und gar zu durchdringen, gleich zu durchströmen vermochte.

Die Mutter Jesu kann also nicht die Mutter Gottes sein, weil...


 

[...]

Wäre Maria tatsächlich die "Mutter Gottes", dann gäbe es für Gott einen Anfang, und wo ein Anfang ist, ist auch ein Ende. Aber Gott ist ewiges Sein ewiglich, ewig während. Er hat keinen Anfang, ist also von der "Mutter Gottes" nicht geboren - das ist unmöglich. Die "Mutter Gottes" kann aber auch nicht die Mutter Gott-Vaters sein, denn der ewige Vater hat nicht sich selbst in Jesus einverleibt, sondern Sein Gesetz der Liebe, das allgegenwärtige Leben, hat Jesus ganz und gar durchstrahlt. Jesus gab Sich nicht als Gott, der Ewige, aus, sondern Er sprach: "Mein Vater ist größer als Ich." Also kündete Er, daß Er Gottes Sohn ist und nicht Gott-Vater selbst. Er sprach auch niemals, daß Seine leibliche Mutter Maria die "Mutter Gottes" sei oder gar die Mutter des ewigen Vaters. Wie kann die Mutter Jesu die "Mutter Gottes" sein, da Jesus der Sohn Gottes ist? Wie kann Maria heilig sein, wenn es ausschließlich einen Heiligen gibt, Gott, unseren ewigen Vater?

 

Der kritische Zeitgenosse:
Maria gilt in der katholischen Kirche auch deshalb als "heilig", weil sie angeblich - wie Jesus von Nazareth - nicht von der Erbsünde befleckt war. Alle anderen Menschen, auch alle weiteren sogenannten "Heiligen" seien mit dieser Befleckung zur Welt gekommen.

 

Der Prophet:
Die sogenannte Erbsünde darf nicht als Befleckung der Seele aus eigener Schuld angesehen werden. Die Erbsünde möchte ich als eine Art "globalen Sündenfall" bezeichnen, der vom Fallgeschehen ausgeht. Jedes göttliche Wesen, Geistwesen, das vom ewigen Sein zur Erde und zur Einverleibung geht, läßt einen Teil seines mächtigen Lichtpotentials im ewigen Sein zurück, das der göttliche Weg, der göttliche Magnet der Seele ist, um wieder in das ewige Sein, in ihr Vaterhaus, zurückzukehren. Auf dem Weg zur Erde, zur Einverleibung, nimmt die Seele auch einen Teil des Sündenfalles mit, der durch das Fallgeschehen entstand. Dieser Teil, den jede Seele mitnimmt, wird "die Erbsünde" genannt.

Es ist ein Dogma, daß der Geistleib der Mitträgerin der Barmherzigkeit, als Mensch Maria genannt, und der geistige Leib des Mitregenten der Himmel, als Mensch Jesus genannt, ohne diesen Teil der sogenannten Erbsünde in das Zeitliche kamen. Ein Dogma ist kirchlich institutionell und hat mit der ewigen Wahrheit nichts gemeinsam. Dieses Dogma steht im Widerspruch zu dem Prinzip der göttlichen Gleichheit all Seiner Kinder.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Entschuldige, Gabriele, daß ich dich unterbreche. Was du hier darlegst, ist mir vollständig neu; noch nie habe ich irgendwo dergleichen gehört oder gelesen. Vergeblich habe ich schon in der Kindheit nach einer Erklärung zur "Erbsünde" gesucht - nun gibst du die Erläuterung. Dafür danke ich dir. Ich freue mich, daß endlich Licht in dieses Dunkel fällt. Ich spürte bei deinen Worten sofort: "Ja, das ist die Wahrheit. So ist es!" - aber ich muß dir gestehen, daß ich dennoch nicht "durchblicke", also die Zusammenhänge noch nicht verstehe.

Bei dem Begriff "Erbsünde" fielen mir bisher meist sehr bald Zeugung und Empfängnis ein. Immer wieder klang schon im Religionsunterricht durch, daß diese Vorgänge mit der Befleckung der Seele in Zusammenhang stehen.

 

Der Prophet:
Zeugung und Empfängnis - Vorgänge, die nach irdischen, gottgegebenen Naturgesetzen notwendig sind, um Seelen ein Erdenleben zu ermöglichen - werden durch die Worte "unbefleckte Empfängnis" von der institutionellen Kirche als sündhaft hingestellt. Wollen wir jedoch die unbefleckte Empfängnis auf die Zeugung beziehen, dann ist das so eine Sache. Was ist diesbezüglich der Wille Gottes? Gott möchte, daß Sein Liebegebot in den Ehen zwischen Mann und Frau in dieser Welt gelebt wird. Geschieht dies im rechten Sinne, so ergibt sich dadurch auch der Wunsch nach Kindern, und es werden Kinder gezeugt. Ist also in beiden Ehepartnern ein Kinderwunsch vorhanden, so bedeutet dieser Vorgang keine Befleckung, gleich Belastung der Seele oder des Körpers.

Woher rührt die Herabwürdigung dieses naturgegebenen Vorgangs?...


 

[...]

Wenn das ausgeklammert werden soll, was doch dem Naturgesetz und somit dem Willen Gottes entspricht, dann kann das nur aus einem Zölibat-Patriarchat kommen, das eine Ehe für sich ablehnt, also die Ehelosigkeit als sakrale Lebensweise vorgibt, angeblich, um so zu leben, wie Jesus, der Christus, lebte. Die Gedanken vieler kirchlicher Amtsträger und ihre heimlichen Ausführungen sind jedoch alles andere als sakral. Sie wissen, daß dies Sünde ist; infolgedessen muß alles Sünde sein, auch das, was ganz natürlich ist: daß Körper Körper zeugen. Das entspricht dem Naturgesetz, sofern sich der einzelne daran hält. Das haben auch Maria und Josef befolgt.

Wer die körperliche Verbindung nicht zur ausschweifenden Sexualität werden läßt, durch welche er seine Lüste pflegt und die Nerven entspannt, der weiß, daß jedes gewollte Kind der Wille Gottes ist. Wozu bedarf es dann der Hochstilisierung von Maria, die wie alle Menschen einen ganz normalen Naturkörper hatte, der von ihrem leiblichen Vater gezeugt und von ihrer leiblichen Mutter geboren wurde? Wer, wie z.B. bei der Zeugung Jesu, einen Naturkörper sexuell nicht mißbraucht, der handelt nach dem Willen Gottes. Ein solches Kind ist eine Gabe der Liebe Gottes, des Heiligen Geistes.

Der Sündenfall, das Fallgeschehen, muß von allen Menschen und Seelen wieder behoben werden, indem wir Gott in unserem Herzen nicht nur anerkennen, sondern aufnehmen und mehr und mehr die Werke der selbstlosen Liebe tun, um so Sein Gesetz der Liebe zu erfüllen. Dann wandelt sich auch die Erbsünde um in das Gesetz der Liebe, und das Wesen der Liebe, das wieder zur Vollkommenheit geworden ist, geht ein in die Vollkommenheit, in Gottes Liebe, in das ewige Reich. Von diesem kündete Jesus und wies uns darauf hin, daß in jedem von uns das Reich Gottes ist, also inwendig in uns.

Gott macht bei keinem Geistwesen und auch bei keiner Seele, die zur Inkarnation geht, eine Ausnahme, und Er machte auch keine bei Maria. Der Sohn Gottes ließ ebenfalls einen Teil Seines heiligen Lichtes im ewigen Sein zurück, als Er sich anschickte, Mensch zu werden. Das machtvolle Licht muß abgedeckt werden, wenn ein solches, hohes und reines Wesen zur Einverleibung geht. Das höchste Licht, das Ur-Licht, ist komprimiert und als Ganzes gesehen, der Seelengrund in jedem Menschen. Der reine Geistleib als Licht und Strahlung läßt jedoch einen Teil seines Strahlungspotentials zurück.

Gerade Maria, die Mutter Jesu, sollten wir sehr schätzen, denn sie hat viel um Jesus, ihren Sohn, gelitten. Wir Menschen sollten unsere himmlische Schwester Maria achten, sie lieben und ihr danken für ihr Durchhalten, für das Große, das sie als Mensch geleistet hat, für den großen Glauben und das Vertrauen in Gott, unseren ewigen Vater, und in den Verkündigungsengel, aber auch für das Vertrauen, das sie in Josef setzte, der sie zur Frau nahm und ihren Körper achtete. Wir können Maria dadurch danken, indem wir das befolgen und tun, was Jesus, ihr leiblicher Sohn, lehrte. Dann werden wir auch mit der Zeit das erfüllen, was uns Maria vorlebte: die Reinheit ihres Gemüts und ihres Herzens, den großen, tiefen Glauben und das Vertrauen in Gott, unseren ewigen Vater, und in die Gebote Gottes und auch in die Lehren Jesu. Dann bräuchten wir nicht die dogmatische Lehre, die Maria hochstilisiert; dann hätten wir die tiefe, innige Verbindung zu Jesus, dem Christus, unseren Erlöser, und durch unseren Erlöser zu Gott, unseren Vater.

Als Mensch konnte Maria sicher manches nicht verstehen, was Jesus sprach oder tat, da Er oft in Gleichnissen und Bildern sprach. Obwohl sie nicht alles verstand, was Jesus, ihr leiblicher Sohn, lehrte, so hat sie dennoch zu Ihm gestanden, Ihm und Gott die Treue gehalten. Sie mußte miterleben, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten Ihn dem römischen Staat auslieferten. Sie hat Ihn in Seiner schwersten Stunde nicht verlassen, als fast alle Seine Freunde aus Angst von Seiner Seite gewichen waren und sich in abgelegene Zufluchtsorte zurückgezogen hatten.

In einzelnen Aussagen, die auch noch in der Bibel überliefert sind, erkennt man, daß Jesus, der Christus, nicht immer einverstanden war mit dem, was Maria von Ihm verlangte. In einer Seiner Aussagen heißt es z.B.: "Was geht’s dich an, Frau, was Ich tue?" An einer anderen Stelle der Bibel - die die katholische Kirche ja wortwörtlich nimmt -, steht von den wahren Verwandten Jesu: "Als Er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen Seine Mutter und Seine Brüder draußen, die wollten mit Ihm reden. Da sprach einer zu Ihm: Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wollen mit Dir reden. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es Ihm ansagte: Wer ist Meine Mutter, und wer sind Meine Brüder? Und Er streckte die Hand aus über Seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist Meine Mutter, und das sind Meine Brüder! Denn wer den Willen tut Meines Vaters im Himmel, der ist Mir Bruder und Schwester und Mutter."

Die Liebe blieb im Herzen Mariens, die Liebe zu Gott, der Glaube und das Vertrauen in Gott und die Liebe zu ihrem leiblichen Sohn. Die Pharisäer und Schriftgelehrten zeigten, wie wenig ihnen an göttlich-geistigen Werten gelegen war und wie wenig ihnen das Innere Leben und das Reich des Inneren bedeuteten, denn ihre Angst um das Reich ihrer äußeren Religion und um ihr Ansehen überwog. Somit überantworteten sie Jesus, den Christus, dem römischen Staat.

Wie groß muß das Leid Mariens gewesen sein, als Jesus den bitteren, schmerzhaften Kreuzesweg gehen mußte! Sie, die Jesus unter ihrem Herzen getragen hatte und weiterhin in ihrem Herzen trug, mußte mit ansehen, wie ihr geliebter Sohn gekreuzigt wurde, ein Geschehen, das ausgelöst wurde von den Pharisäern und Schriftgelehrten, die das Volk aufwiegelten, das zuerst Jesus huldigte und Hosianna rief. Aus ihrem religiösen Machtmonopol heraus hetzten die Kirchenführer das Volk auf, das wenig später rief: "Kreuzige Ihn!" und "Gib Barabbas die Freiheit!" Er, der schuldlos war, mußte ans Kreuz, weil es die Schriftgelehrten und Pharisäer so wollten und weil der römische Staat deren listigen Argumenten Folge leistete, weil sie den Römern vorheuchelten, Jesus, der Christus, wolle ein äußeres Reich, Sein Königreich, und Er wolle sich zum König machen. Die, welche die Macht im römischen Staat trugen, bekamen ebenso Angst wie die heuchlerischen Pharisäer und Schriftgelehrten. So mußte Der ans Kreuz, von Dem sie fürchteten, daß Er ihnen ihr Machtmonopol, das Volk zu unterdrücken, hätte nehmen wollen.

Doch Jesus, der Christus, wollte nie ein äußeres Reich und wollte nie ein äußerer König sein. Jesus wollte in den Herzen der Menschen das Innere Reich errichten, so daß das Innere, das Königreich des Inneren, das Liebe, Friede und Harmonie ist, im Äußeren wachsen kann. Der König dieses Reiches ist der ewige Geist, ist Gott in Christus, der wiederum die Liebe und der Friede ist. Wer in sich selbst jedoch nicht den Frieden hat, sondern Haß, Neid und Egoismus, der hat Angst, daß ihm die Machtkompetenz gegenüber dem Volk streitig gemacht werden könnte.

Unvorstellbare Schmerzen muß Maria erlitten und erduldet haben, als sie ihren Sohn gekreuzigt sah, der mit gepreßter Stimme zu ihr sprach: "Frau, siehe, dein Sohn!" Und zu Johannes: "Siehe, deine Mutter!" Damit bat Jesus, der Christus, Johannes, dieser möge für Maria, die leibliche Mutter Jesu, Sorge tragen.

Nach 2000 Jahren muß Er traditionell immer noch am Kreuz hängen, weil es die heutigen Pharisäer und Schriftgelehrten so wollen, da es ihre "Tradition" ist. Warum wohl?

Haben sich im Laufe der 2000 Jahre die Pharisäer und Schriftgelehrten geändert, oder sind sie nur scheinheiliger geworden, weil sie nun ein Mäntelchen haben, das "christlich" heißt, doch die Tradition halten sie aufrecht: Damals "Kreuzigt Ihn!" und heute "Laßt Ihn gekreuzigt!" - weil es Tradition ist?...


 

[...]

Die heutigen Pharisäer und Schriftgelehrten maßen sich an zu behaupten, daß ihre Religion christlich wäre. Sie ist aber nicht christlich, sondern eben  i h r e  Vorstellungsreligion, und die hat mit der Lehre des Jesus, des Christus, kaum etwas gemeinsam. Sie nehmen den Namen des Jesus, des Christus, um damit ihre Fassade aufzubauen. Diese ist aber gleich den übertünchten Gräbern; inwendig ist alles hohl und morsch und voll von geistig Toten. Damals lieferten sie Jesus an das Kreuz, heute behaupten sie, Jesus wäre über Petrus der Erbauer und Träger der Romkirche. Damals fügten sie der Mutter Jesu unendliches Leid zu, heute wird sie hochstilisiert und in das Dogma eingebunden, das unter anderem besagt, sie wäre leiblich in den Himmel aufgenommen worden.

Nähme man die leibliche Aufnahme in den Himmel wahrlich als Realität, so müßte man fast annehmen, daß naturgemäßes Sterben eine Sünde wäre. Aus der göttlichen Offenbarung des Christus Gottes wissen wir, daß der Geistleib Mariens der Seraph der Barmherzigkeit vor Gottes Thron ist. Der geistige, reine Leib, das Geistwesen, ist das Ebenbild des ewigen Vaters, aber niemals das Bildnis, das die "heilige" katholische Kirche von Maria gezeichnet und in den Himmel projiziert hat.

Die katholische Kirche ist nun mal katholisch. Sie hat nur Fragmente der Lehre des Jesus, des Christus, und kann daher nicht als in der Nachfolge Jesu stehende christliche Lehre gelten.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Die katholische Kirche nennt ihr Oberhaupt, den Papst, den "heiligen Vater". Das Dogma von der "unbefleckten Empfängnis", wonach Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis im Schoß ihrer Mutter Anna von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt geblieben sei, wurde von Papst Pius IX. im Jahr 1854 verkündet.

 

Der Prophet:
Wer seinen Verstand gebraucht, der müßte sich fragen: Warum hat Gott nahezu 1900 Jahre gebraucht, um es dann Papst Pius IX. zu offenbaren? Braucht Gott 1900 Jahre, bis Sein Wort bei uns ankommt, und das bei Papst Pius IX.? Warum hat Gott das nicht schon Anna, der Mutter Mariens, verkündet? Und, so Er es Papst Pius IX. offenbart hat, warum also erst so viele Jahre später? Und warum hätte Er in diesem Falle die katholische Kirche bevorzugt und die evangelische Kirche nicht beachtet? Ist Gott einseitig?...


 

[...]

Im Bertelsmann-Lexikon lese ich unter dem Begriff "Dogma" folgendes: "Dogma - verbindlich formulierte Lehrmeinung, religiöse Glaubenslehre; nach katholischer Lehre ein Satz, den die Kirche als eine von Gott offenbarte Wahrheit erkennt und verkündet, der daher in seiner positiven Aussage unveränderlich ist und absolut zum Glauben verpflichtet ..."

Nach evangelischer Lehre ist ein Dogma "ein Satz, der einen Offenbarungsinhalt, wie er in der Bibel enthalten ist, wiedergibt, der als menschlich bedingte Aussage aber freilich dem Gegenstand nicht angemessen sein kann und darum grundsätzlich veränderlich und überholbar ist."

Die katholische Kirche lehrt, die Offenbarungen Gottes seien mit Jesus abgeschlossen. Wie verträgt es sich damit, daß noch nach nahezu 2000 Jahren plötzlich zusätzliche Offenbarungsinhalte verkündet werden wie die Dogmen von der "unbefleckten Empfängnis" und
- hundert Jahre später - von der "leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel"? Da kann es sich doch bloß um kirchlich-theologische Aussagen handeln, um "menschlich bedingte Aussagen", wie die evangelische Kirche sagt.

Durch die Drohung mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft mit Gott haben sich die Menschen des "christlichen Abendlandes" jahrtausendelang abgewöhnt, zu denken und ihren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Sonst hätten sie sich klargemacht, daß sowohl für Jesus als auch für Maria in bezug auf ihre leibliche Existenz dieselben Bedingungen wie für jeden anderen Menschen gelten. Gottes Gesetz ist weder verworren und widersprüchlich noch nebulös und unbegreiflich. Gott ist Klarheit, Vollkommenheit, höchste Intelligenz. Daher ist Sein Gesetz klar und logisch.

Der Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche steht im krassen Widerspruch zu den Geboten Gottes. Die Dogmen zwingen den Katholiken, zu glauben. Im Dogma liegt: "du mußt glauben, sonst wirst du aus der Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen". Die Zehn Gebote hingegen sprechen von der Freiheit. Da heißt es: "Du sollst." Also kann die katholische Kirche nicht christlich sein; sie ist eben katholisch.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Maria ist eine Frau. Hat diese Tatsache eventuell eine besondere Bedeutung?

 

Der Prophet:
Es stellt sich die Frage, ob nicht die Verherrlichung einer Frau die Kompensation für die Unterdrückung aller anderen Frauen ist, wie sie z.B. in der katholischen Kirche praktiziert wird? - unter Berufung auf Paulus, der in einem seiner Briefe schreibt: "Wie in allen Gemeinden der Heiligen, sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung." Jesus, der Christus, sprach weder von "Heiligen" noch von Frauen, die schweigen sollen. Ganz im Gegenteil, Er war für die Gleichheit und praktizierte sie auch, denn in Seinem Gefolge waren auch Jüngerinnen. Im römischen Reich herrschte das Patriarchat, und Paulus war ein Römer. Das sagt vieles.

Würde sich die katholische Kirche nur katholisch nennen, aber nicht zusätzlich noch christlich, oder würden sich die kirchlichen Obrigkeiten als die Nachfolger des Paulus bezeichnen, dann wäre das konsequent. Mit Jesus von Nazareth hat die Männergesellschaft der katholischen kirchlichen Obrigkeiten jedenfalls wenig zu tun. Das katholische Patriarchat hält sich für besser als die Familienväter, von denen so mancher in Achtung vor dem Leben ein Kind zeugt, Mutter und Kind beschützt und so der Familie eine gute Stütze ist.

Es ist sicher auch kein Zufall, daß eine Kirche, in der die Frauen keine gleichberechtigten Glieder sind und deren Priester zum Zölibat verpflichtet sind, den Namen "Mutter Kirche" erhielt und als solche mit absoluter Strenge ihre "Kinder" lenkt und führt. Wo das männliche Prinzip das weibliche verdrängt, ist die Dualität der Seele gestört.

Ist das Verhältnis zwischen Frau und Mann gestört, wie z.B. durch Zölibat und Mutter Kirche, dann kann keine Zeugung, gleich Vermehrung der Kinder der Kirche möglich sein. Die Unfruchtbarkeit der Mutter Kirche erkennt man an der Zahl der Kirchenaustritte und an der Frucht der heutigen Welt. Es steht geschrieben: "Geht hinaus aus ihr, Mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

Es dauerte 2000 Jahre, bis viele Kinder der Mutter Kirche dies allmählich erkannt haben.

 

Der kritische Zeitgenosse:
Diese Zusammenhänge machen mir einiges deutlich: Das männliche Prinzip stagniert im Stadium eines Sohnes, der bei der "Mutter" Halt sucht, anstatt das Vater-Mutter-Prinzip in sich selbst zu entwickeln. Die "Mutter Kirche" ist somit ein Stück Matriarchat und ein Abkömmling der "großen Mutter", einer mythischen Gestalt aus der Frühgeschichte der Menschheit. Die Kirche selbst sieht sich als "Mutter", weil sie durch Predigt und Taufe Kinder gebiert, die sie vom Heiligen Geist empfangen habe, wie es in einer päpstlichen Verkündigung heißt.

Wie kann der Heilige Geist im Spiel sein, der ein Geist der Freiheit ist, wenn die Kirche ihre "Kinder" durch die Zwangstaufe von Säuglingen bekommt und wenn die Androhung ewiger Höllenstrafe gepredigt wird für den Fall, daß die Kinder die kirchlichen Dogmen nicht glauben? Außerdem hat Gott durch Jesus gelehrt: Lehret, und dann taufet. Und nicht: Taufet, und dann lehret.

Mir wird jetzt vieles bewußt. Als ich mich mit den verschiedenen Religionen befaßte, dachte ich oft über die Dogmen nach, doch zog keine Schlüsse. Früher endete die Bekanntmachung eines Dogmas mit dem Satz: "Wer nicht bekennt ..., der sei verflucht", das heißt mit dem Kirchenbann belegt und als ewig Verdammter gebrandmarkt. Heute wird es etwas zurückhaltender mit "der sei ausgeschlossen" formuliert oder mit Worten wie: "Wenn daher, was Gott verhüte, jemand diese Wahrheit, die von uns definiert worden ist, zu leugnen oder bewußt in Zweifel zu ziehen wagt, so soll er wissen, daß er vollständig vom göttlichen und katholischen Glauben abgefallen ist." Weg von dieser Gemeinschaft bedeutet im Sinne der Kirchenlehre: Weg von der Gemeinschaft mit Gott - gleich Hölle.

 

Der Prophet:
Wer das alles etwas länger überdenkt, dem wird bewußt, daß diese Lehre grausam ist und mit der Lehre Jesu, des Christus, nichts gemeinsam hat. Wer eine solche Lieblosigkeit lehrt, ist fern von der Lehre Jesu, fern von der göttlichen Liebe und befangen in seinen menschlichen Vorstellungen. Bei Dostojewski spricht der Großinquisitor zu Jesus: "... Wir aber werden zu ihnen reden, daß wir Dir gehorchen und in Deinem Namen herrschen. Wir werden sie [damit meinte er die Menschen] abermals betrügen, denn Dich werden wir nun nicht mehr zu uns einlassen. In diesem Betrug wird auch unser Leiden liegen, denn wir werden zur Lüge gezwungen sein."

Ich frage mich: Wie können sich so lange so viele Widersprüche zwischen der Lehre Jesu und der Kirchenlehre halten? Doch nur deshalb, weil Menschen nicht nachdenken, sondern sich blind von blinden Führern führen lassen. Man könnte so manches anführen und sich immer wieder die Frage stellen: Warum konnte man dies alles nur so lange glauben? Jesus sprach nicht von Dogmen, auch nicht von einem Muß, zu glauben. Gott sprach durch Mose in den Zehn Geboten "du sollst", und Jesus lehrte die Gesetzmäßigkeiten Gottes nicht im "muß", sondern im "du sollst". Oder: "Wer Meine Lehre hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann ..." Auch vom vollständigen Abfall vom Göttlichen sprach Jesus nicht, denn Er, die große, gnadenbringende und erbarmende Liebe, brachte jeder Seele und jedem Menschen, uns allen, den Erlöserfunken, der uns die Heimkehr in das Reich des Friedens und der Liebe, in die himmlische Heimat, sichert.

Die lutherische Kirche spricht z.B., daß der Glaube an Jesus, den Christus, zum Heil genüge, daß der einzelne sich nicht anzustrengen brauche, um seine Sünden zu erkennen und zu bereinigen; alles Wesentliche mache Christus durch den Glauben an Ihn. Damit hebt die lutherische Kirche den Sinn der Gebote Gottes auf, die der Ewige durch Mose den Menschen gab. Wer nämlich die Gebote ernst nimmt, der muß auch etwas tun, da Gott durch Mose zu uns Menschen sprach "du sollst". Erfüllt der Mensch, was Gottes Wille ist, dann muß er aktiv werden, nämlich sich anstrengen, daß er die Gebote erfüllen kann. Mit der Aussage der lutherischen Kirche, der Glaube allein genüge zum Heil, ist diese auch gegen das Wort des Jesus, des Christus, der sprach: "Wer diese Meine Lehre hört und sie tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute ... Und wer diese Meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute."

Jesus, der Christus, zeigt das Für und Wider und die Folgen auf, worin auch die Freiheit begründet liegt, sich für das Wider zu entscheiden und Erfahrungen damit zu machen. Wer sein Haus auf Sand baut, muß aber nicht in alle Ewigkeit darunter leiden, wenn es zusammenfällt. Er kann umkehren und das nächste Haus auf Fels bauen. Er kann, wenn er will - er muß nicht.

So mancher, der längere Zeit über diese lieblose, gleich eiskalte Lehre des "Muß" und der ewigen Verdammnis nachgedacht und sich auch die Worte Jesu bewußt gemacht hat, die lauten "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen" oder gar die Worte aus der Johannesoffenbarung "Gehet hinaus aus ihr, Mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen" und diese religiösen Machtstrukturen verlassen hat, spricht immer wieder, daß er froh ist, einer solchen Kirche nicht mehr anzugehören. Und so mancher sagt z.B.: Ich habe begonnen, mein Leben Gott, unserem ewigen Vater, und Christus, unserem Erlöser, zu weihen und mich öfter am Tage in das stille Kämmerlein zurückzuziehen, um dort zu beten und mit Gott, meinem Vater, Zwiesprache zu halten, so, wie es uns Jesus gebot. Wieder ein anderer stellt fest: Ob mich die "Mutter Kirche" verflucht oder nicht, ist mir einerlei, denn ich weiß, daß Gott alle Seine Kinder liebt, auch mich. Und wieder ein anderer fragt: Wer hat das Recht, einen anderen zu verfluchen, wenn Gott alle Seine Kinder im Herzen trägt und liebt?...


 

[...]

Inzwischen ist Sein göttliches Werk, das Er für uns Menschen das Universelle Leben nennt, weltweit. Da keine Energie verlorengeht, baut sich um den Erdball eine geistige Atmosphäre auf; es ist der Strom der Wahrheit, das Wort, das in Ton und Schrift zu allen Völkern dieser Erde geht. Auf der ganzen Erde gibt es viele Millionen Urchristen, die den Christus Gottes durch Prophetenmund hören, Der unter anderem die Zehn Gebote Gottes und Seine Bergpredigt als Jesus von Nazareth auslegt und aufzeigt, wie diese im Alltag des einzelnen angewendet werden können. Millionen Urchristen gehen den Inneren Weg, den Weg der Selbsterkenntnis, der sie frei werden läßt und der in ein aktives Leben nach dem Gesetz Gottes führt.

Die zentrale Lehre des sich in der heutigen Zeit durch Prophetenmund im Universellen Leben offenbarenden Christus Gottes ist die Reinigung und die Ordnung des Tempels, welcher der Mensch ist, die erfolgt, indem der einzelne täglich jenen Teil seines Sündhaften erkennt, den ihm der Tag zuspiegelt, den er dann aus der Tiefe seines Herzens bereut, bereinigt und nicht mehr tut.

Die zentrale Lehre weist auch auf die Einkehr in das Innerste des Menschen hin, in die innere Stille. Seine Lehre besagt auch, sich nicht auf religiöse Führer auszurichten, auch nicht auf kirchliche Amtsträger, sondern einzig auf Ihn, den Christus Gottes, der das Licht der Seele und des Menschen ist.

Viele Millionen Menschen, die der Christus-Gottes-Geist im Herzen erreicht, beginnen allmählich, sich Urchristen zu nennen, weil sie keiner äußeren Kirche mehr angehören wollen und auch nicht mehr angehören, da sie sich nach den Worten richten: "Geht hinaus aus ihr, Mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

Urchristen sind also freie Christen, für die kein "Muß" gilt, sondern das "du sollst". Die Urchristen im Universellen Leben bilden keine Institution, sondern die Innere Religion, welche jene eint, die Christus in ihrem Inneren anbeten und Schritt für Schritt Seinen heiligen Willen tun, also Ihm nachfolgen.

"Wer die Lehre des Jesus, des Christus, tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen baute." Wer also klug ist, der folgt Jesus, dem Christus, nach, so, wie auch wir Urchristen es halten. Wir haben keine Kirchen aus Stein, weil wir wissen, daß jeder Mensch der Tempel Gottes ist. Wir haben nur Versammlungsräume, wo wir uns zu bestimmten Zeiten treffen, um miteinander zu beten, zu singen und über die Gesetze Inneren Lebens zu sprechen. Es ist eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die alle den wahren Gott suchenden Menschen aufnehmen, die erfahren wollen, was Innere Religion, was also Freiheit im Geiste Jesu, des Christus, ist. Woche für Woche kommen immer mehr Gottsucher zu den Urchristen und fühlen sich bei ihnen zu Hause, weil diese von ihnen weder etwas erwarten noch etwas verlangen, sie als Brüder und Schwestern ansprechen, in dem Bewußtsein, daß wir alle Kinder Gottes sind, Söhne und Töchter des ewigen Vaters. Wer wahrhaft sucht und schrittweise die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu erfüllt, der fühlt sich bei den Urchristen geistig zu Hause.

 

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