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  „... der soll ausgemerzt werden." Abtötung eines Gewissens. Oder: Wie man der Priestermacht hörig wird

Auch nachstehend spricht der „Gott" der „Bücher Mose" gegen die Lehren Jesu und zugleich gegen Seine eigenen Gebote. Es heißt z.B. in Levitikus:
Wenn jemand mit irgendetwas Unreinem in Berührung kommt, sei es mit etwas Unreinem von einem Menschen oder einem unreinen Tier oder irgendeiner unreinen, abscheulichen Sache, und dann vom Fleisch eines Heilsopfers ißt, das für den Herrn geopfert wird, soll er aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden. (7, 21) (7, 21)
Das Fett eines verendeten oder zerrissenen Tieres kann zu jedem Zweck verwendet werden, doch essen dürft ihr es auf keinen Fall. Jeder, der dennoch das Fett eines Tieres ißt, das man als Feueropfer für den Herrn darbringt, soll aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden. (7, 24-25) Unter „ausgemerzt" haben wir wohl die damals übliche Todesart, die Steinigung, zu verstehen. Die Steinigung war noch zu Zeiten des Jesus von Nazareth in Israel gang und gäbe. Denken wir nur an die Ehebrecherin, die Jesus in letzter Minute davor rettete, gesteinigt zu werden. Auch Jesus sollte einige Male in Anwendung „der Gesetze Gottes durch Mose" von Seinen Mitmenschen zu Tode gebracht werden. „Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg." Im 3. Buch Mose, Levitikus, 11. Kapitel, ist genau aufgeführt, welche Tiere als rein und welche als unrein zu gelten haben. Dort steht, daß der Genuß unreinen Fleisches die Unreinheit des Menschen bis zum Abend des Tages zur Folge habe. Heutzutage essen auch Menschen, die sich als Tierfreunde bezeichnen, nicht selten noch Fleisch. Sie machen sich offenbar nicht bewußt, daß z.B. das Steak, welches sie, bereits in handliche, bratfertige Stücke geschnitten, teilweise schon fertig gewürzt, beim Metzger kaufen, von einem Kälbchen stammt, das vor wenigen Tagen noch friedfertig und in Harmonie auf der Weide graste. Eventuell ließ es sich willig von den Kindern dessen, der nun im Metzgerladen Kalbsteak verlangt, streicheln; die Kinder schauten ihm in die großen, dunklen Augen mit den langen Wimpern und waren ganz entzückt. Was dieses Tierlein, das niemandem etwas angetan hatte, alles erlitten hat, bevor es in Form von Steaks, Leberwurst u.a.m. auf den Ladentisch kam - der Schrecken, die Angst, das Grauen, die Panik, das Weh, das Entsetzen -, das kommt selten jemandem in den Sinn. Die Tierfreunde, wir Menschen, halten Haustiere, die uns - besonders wenn sie anpassungsfähig, also „pflegeleicht" sind - erfreuen. Dennoch wurden z.B. 1990 zur Urlaubszeit allein in Deutschland etwa eine halbe Million Tiere, hauptsächlich Katzen und Hunde, ausgesetzt. Heute, zehn Jahre später, dürfte die Zahl kaum niedriger sein. Ist das die Liebe zum Tier? Aus der göttlichen Welt wurde uns u.a. offenbart:
Sei ... ernsthaft und geradlinig den Übernächsten gegenüber. Sie sehen dich mit ihrem reinen Empfinden als ihren großen Lichtbruder oder ihre große Lichtschwester ... Habt also Achtung vor euren Tiergeschwistern, den Übernächsten, denn sie wollen euch echte Freunde sein. Bemüht euch, sie so zu behandeln, wie ihr gerne behandelt werden möchtet. Dann werdet ihr sie sehr bald verstehen lernen, und sie werden mit euch in positiver Kommunikation sein. (Das Leben mit unseren Tiergeschwistern. Du, das Tier - Du, der Mensch. Wer hat höhere Werte? S. 114) Das Empfindungsvermögen des Menschen ist abgestumpft, sein Gewissen schlägt kaum mehr an. Doch das trifft nicht nur auf den Menschen von heute zu. Das Gewissen ist der Wächter im Menschen über Gut und Böse, Recht und Unrecht. Ist es intakt, so reagiert es, unabhängig von äußeren Rechtsvorstellungen, letztlich nach dem Maßstab der Zehn Gebote. Aber die Gewohnheiten des Menschen und die Prägung durch seine Umwelt beeinflussen und prägen auch sein Gewissen. Wenn wir hier von grausamen Tieropfern und von Steinigungen von Menschen lesen, so sollten wir nicht nur daran denken, wie den Tieren wohl zumute gewesen ist. Um uns bewußt zu machen, was in einem Menschen damals eventuell vorging, könnten wir uns folgendes vorstellen: Zwei junge Männer des Volkes hatten Hasenfleisch gegessen. Sie hatten einen Hasen gefangen und ihn für sich gebraten. Nach Kapitel 10 und 11 in Levitikus waren sie nun unrein bis zum Abend, was sie in Kauf nahmen. Als die Freunde aber - aus Leichtsinn und Übermut - den Ort betraten, wo die „heiligen" Opfergaben sich befanden, wurde einer von ihnen dabei gesehen und verurteilt, gesteinigt zu werden. Der andere blieb unentdeckt. Die Steinigung wurde vollzogen, denn in Levitikus 22 heißt es:
Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen, sie sollen sich mit den heiligen Opfergaben der Israeliten in acht nehmen, um meinen heiligen Namen nicht zu entweihen; sie müssen für mich heilig gehalten werden. Ich bin der Herr. Sag zu ihnen: Jeder aus euren Nachkommen, auch in den kommenden Generationen, der sich im Zustand der Unreinheit den heiligen Opfergaben nähert, die die Israeliten dem Herrn weihen, soll ausgemerzt und aus meiner Gegenwart weggeschafft werden. Ich bin der Herr. (22, 1-2) Versetzen wir uns in die Lage des überlebenden jungen Mannes nach der Steinigung des Freundes. Schuldgefühle quälen ihn. Er lehnt sich gegen das Urteil und die harte Strafe, die eigentlich auch ihn hätte treffen müssen, auf. Er rebelliert gegen die Priester, die den Urteilsspruch gefällt haben, und muß sich doch sagen, daß sie nur ausführen, was „Gott dem Mose befohlen hat". Also richtet sich seine Empörung nun gegen Gott, der ein solch unbarmherziges Gesetz erlassen hat. Doch als er sich bewußt macht, daß Gott als „gerecht" gilt, daß Er die höchste Instanz ist, die nicht irren kann, kommen ihm Zweifel an sich selbst. Seine Beobachtung zeigt ihm, daß alle anderen offensichtlich keine Hemmungen haben zu steinigen; daraus schließt er, daß mit seinem eigenen Gefühl und Rechtsempfinden etwas nicht stimmen kann, denn sowohl die von Gott eingesetzten Priester als auch die gläubigen Stammesbrüder fühlen und denken anders als er. Er beschließt, umzudenken, sich künftig in allen Dingen strikt an den Priestern und den Mitmenschen zu orientieren, statt selbständig zu denken und frei zu entscheiden. Er wird von nun an den Maßstab für sein Denken und Handeln nicht mehr in sich selbst suchen, sondern auch dann, wenn sein Herz anders spricht, es so halten wie alle anderen, weil „Gott es so will". Ein Prozeß der Anpassung vollzieht sich. Der Charakter dieses Menschen verändert sich. Er lebt nun gleichsam nicht mehr sich selbst. Sein Herz erkaltet, sein Gefühl wird stumpf und dumpf, sein Wesen hart. Sein Gottesbild verzerrt und verdüstert sich. Er kann diesem strafenden und zürnenden Gott nicht mehr vertrauen, geschweige denn Ihn lieben. Seine Gebete werden unwahrhaftig, und schließlich ist er froh, daß es vorformulierte Gebete gibt, die man einfach nachsprechen kann ... Nach einiger Zeit ist die Umpolung zum Konformisten, zum Vasallen, zum folgsamen Anhänger der Priester und der „Tradition" vollzogen. Dieser Mensch traut nun nicht nur seinem inneren Maßstab, seinem Gewissen, nicht mehr, sondern denkt und handelt schließlich gewohnheitsmäßig gegen die bessere Einsicht. Man kann sich nun auf ihn verlassen - auf seine Gefolgschaft, seine Loyalität, seinen Gehorsam, seine Linientreue.
So etwa könnte es damals gewesen sein. Jedenfalls prinzipiell hätte es so gewesen sein können. Es ist hingegen, praktisch gesehen, unwahrscheinlich, daß ein Mensch ins Erwachsenenalter hätte gelangen können, ohne bereits von jenen Inhalten der traditionellen Glaubensausübung, die Blutopfer von Tieren und Steinigung von Menschen mit einschließen, bereits durchtränkt und durchsetzt zu sein.
Die soeben geschilderte innere Situation eines Menschen hat sich im Verlauf der Geschichte unzählige Male in Varianten wiederholt. Kommt sie uns nicht irgendwie bekannt vor? Denken wir z.B. an das Mittelalter im europäischen Kulturkreis, wo durch die Inquisition vielfältig ähnliche Situationen und Gewissenskonflikte heraufbeschworen wurden. Die Priester schlachteten zwar die Tiere nicht mehr selbst - sie ließen und lassen schlachten. Sie zündeten nicht selbst den Holzstoß an, auf welchem geradlinige, aufrechte Menschen verbrannt wurden, die für den Einen, wahren, barmherzigen und gütigen Gott einstanden, der die Wahrheit ist, und die sich gegen die Lüge erhoben hatten. Die Priester standen „nur" mit dem erhobenen Kruzifix davor, „segneten", stimmten Loblieder zur Ehre Gottes an und gaben Sündenvergebung und Ablaß von den „Sündenstrafen" denen, die das Holz für den Scheiterhaufen zusammengetragen hatten ...
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