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»Der Prophet«
 > »Der Prophet« Nr. 15

Konstantin:
Zusammenarbeit von Kirche und Staat.
Weiterer Abfall von der Lehre Jesu -
die Staatskirche,
äußere Machtreligion.



    Der Theologe skizziert nun die weitere Entwicklung des Christentums bis Konstantin: In den ersten drei Jahrhunderten kam es oft zur Verfolgung von Christen, doch in Anlehnung an Paulus reagierten viele verstärkt mit Anpassung und Unterordnung unter den Staat, um den Nachweis zu erbringen, daß ihnen Unrecht geschieht. Für die Leitung der Gemeinden waren zunächst Älteste, Propheten und ein „Engel" verantwortlich, der durch ein kompromißloses Leben in der Nachfolge Jesu die Verbindung zu Gott aufrecht erhielt (vgl. Off 2 und 3: Sendschreiben an die „Engel" der Gemeinden). Doch Engel und Propheten konnten sich nur wenige Jahre halten. Paulus erwähnte zwar „Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn", lenkte aber die Aufmerksamkeit verstärkt auch auf seine Person und stellte sich drohend möglichen Offenbarungen entgegen, die seine Lehre in Frage stellen könnten: Wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. (Gal 1,8)
    Paulus (oder ein Schüler, der seinen Namen verwendete) ermächtigte schließlich die Paulusanhänger Timotheus und Titus, einen Bischof neben den Ältesten als Leiter der Gemeinde einzusetzen. So heißt es im 1. Timotheusbrief in der Bibel: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. (3, 1)
    Bereits Anfang des 2. Jahrhunderts entwickelte sich aus diesen Maßnahmen eine feste hierarchische Institution mit dem Bischof an der Spitze, eine Stufe darunter die Ältesten, eine weitere Stufe darunter die Diakone, und die Bischöfe leiteten die Gemeinden bald wie Könige, man spricht vom „monarchischen Episkopat". Den Bischöfen folgten bald die für größere Regionen zuständigen Metropolitanbischöfe bzw. „Patriarchen", und aus dem Bischof der Hauptstadt Rom wurde der „Papst".
    Immer mehr bemühten sich Amtsträger offenbar um das Ansehen und die Gesellschaftsfähigkeit der Gemeinden, wohl auch, um eventuellen Verfolgungen vorzubeugen. Urchristliche Prinzipien traten noch weiter in den Hintergrund oder wurden aufgegeben. Schon Paulus billigte z.B. die Sklaverei, und auch in den Gemeinden gab es Sklavenhalter. Als Konsequenz dieses Obrigkeitsdenkens befürworteten immer mehr Gemeindeglieder auch den Kriegsdienst für Christen.
    Wie es weiterging, faßt ein Leser der Bücher von Karlheinz Deschner zusammen:
    Diese Entwicklung kam Kaiser Konstantin, geboren um 285, gerade recht. Er verbündete sich sehr bald mit der Kirche. Diese Symbiose von Staat und Kirche, eine klassische Kumpanei - nach dem Prinzip: eine Hand wäscht die andere; eine Krähe hackt der anderen das Auge nicht aus -, erwies sich als außerordentlich wirksamer und langlebiger Zweckverband zur Beherrschung und Manipulation von Untertanen. Die Macht, die „Gewalt" des Staates liierte sich mit der Autorität „Gottes" - ein unschlagbares Druck- und Zuchtmittel, um praktisch alles im Volk durchzusetzen, was man wollte.
    Bei Karlheinz Deschner in der Kriminalgeschichte des Christentums finden wir darüber ein ausführliches Kapitel (Band 1, S. 213 ff): Konstantin wurde um 285 im heutigen Bulgarien geboren. Sein Vater war Militärtribun und ab 305 Kaiser (oberster Herrscher) im westlichen Teil des römischen Reiches, das damals durch Diokletian zur besseren Regierbarkeit in vier Teile geteilt worden war.
    Konstantin war wie sein Vater sehr kriegerisch und außerdem grausam. Er führte ständig Krieg gegen verschiedene germanische Stämme. Besiegte Gegner ließ er in großer Zahl den Bestien im Zirkus vorwerfen, zwei besiegte Fürsten von Bären zerfleischen.
    Sodann brachte Konstantin in einem zehnjährigen Bürgerkrieg die drei anderen Mitkaiser unter seine Herrschaft, wobei er sich zeitweise mit einem von ihnen, Licinius, verband und diesem dann, nachdem Licinius den Mitkaiser Maximin aus dem Weg geräumt hatte, selbst in den Rücken fiel. Zuvor hatte sich Konstantin als erstes des Konkurrenten Maxentius entledigt - in der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke (312), wo er angeblich den Traum empfangen hatte: „In diesem Zeichen wirst du siegen."
    Die Anhänger und Familien der jeweils im Kampf unterlegenen Gegner wurden erbarmungslos ausgerottet. Dem zuletzt besiegten Licinius hatte Konstantin Schonung geschworen - doch ein Jahr später ließ er ihn ebenfalls erwürgen.
    Konstantins Grausamkeit machte auch vor der eigenen Familie nicht Halt. Der britische Historiker Shelly schreibt dazu: „Dieser kaltblütige und scheinheilige Rohling durchschnitt seinem Sohn die Kehle, erdrosselte seine Frau, ermordete seinen Schwiegervater und seinen Schwager ...", wobei dies nicht eigenhändig zu verstehen ist. Seine Frau ließ er töten, weil ihr ein (unbewiesener) Ehebruch nachgesagt wurde - er selbst allerdings war ein notorischer Ehebrecher.
    Konstantin ließ sich einen prächtigen Palast bauen, kleidete sich in höchstem Pomp und Luxus, ließ sich als „Stellvertreter Gottes" ansprechen, als „unsere Gottheit" (nostrum numen), und von Klerikern als „Heiland" und „Erlöser" feiern.
    Damit sind wir bei dem gegenseitigen Nutzen: Konstantin privilegierte die Kirche, diese rechtfertigte im Gegenzug seine maßlose Macht.
    Konstantin war zeit seines Lebens, bis unmittelbar vor seinem Tod (337), kein offizieller Christ. Erst ganz zuletzt ließ er sich taufen, und das nicht einmal katholisch, sondern „ketzerisch", nämlich arianisch. In den Anfangsjahren seiner Herrschaft, als er noch in Gallien regierte, förderte Konstantin das Heidentum - auch später legte er sich nicht eindeutig fest, ließ z.B. Münzen mit dem Bildnis des Sonnengottes prägen.
    Eine innere Überzeugung kann es also nicht gewesen sein, die Konstantin sich mit der Kirche verbünden ließ.
    Entscheidend war: In Gallien gab es wenig Christen. Doch dann machte sich Konstantin daran, Italien zu erobern, wo es schon viele gab. In Kleinasien, das er zuletzt eroberte, stellten die Christen in manchen Regionen die Hälfte der Einwohner. Da war die Hilfe der Kirche willkommen.
    Deschner schreibt: Konstantin, von früh an viel gereist, war gut informiert, auch religionspolitisch, zumal über die straffen, fast militärisch disziplinierten, das ganze Imperium umfassenden Kader der Catholica, die geschlossenste Organisation der spätantiken Welt. Und in dieser Kirche sah er wohl so etwas wie das Modell seines eignen Reiches präfiguriert. (S. 242).
    Die Zusammenarbeit Konstantins mit der paulinisch geprägten Kirche klappte von Anfang an bestens. Die Kirche entfesselte eine Hetzkampagne gegen seinen ersten Gegner Maxentius. Dieser gilt bis heute als blutrünstiger Christenverfolger und als Ausbund an Schlechtigkeit und Tyrannei. In Wirklichkeit war Maxentius ein fähiger und maßvoller Herrscher, allerdings wenig kriegerisch - und dem Christentum gegenüber tolerant. Nur: Er ließ zwei römische Bischöfe verbannen, weil es nach deren Wahl großen Streit unter den „Christen" gegeben hatte. Maxentius besteuerte alle gleichermaßen, auch die Reichen - und die Kirche stand schon damals nicht auf der Seite der Armen und der weniger kriegsbegabten, also weniger mächtigen Politiker.
    Kaum hatte sich Konstantin nach seinem Sieg über Maxentius in Rom eingerichtet, so zeigte er sich erkenntlich: Die Kirche erhielt große Schenkungen an Ländereien, erhielt Kirchenbesitz wieder zurück; allein die Kirche Roms nahm „über eine Tonne Gold und fast zehn Tonnen Silber" (S. 236) in Empfang. Aus der Staatskasse, die er durch Ausbeutung seiner Untertanen füllte, finanzierte Konstantin riesige und prachtvolle Kirchenbauten überall im Reich. Aber nicht nur das: Er befreite die Kleriker von den Abgaben, gab ihnen das Recht, als Erbe eingesetzt werden zu können, also die Erbfähigkeit (die vorher die heidnischen Kulte nur in Ausnahmefällen hatten), gab der Kirche sogar gerichtliche Kompetenzen - gegen den Rechtsspruch eines Bischofs gab es keine Einspruchsmöglichkeiten.
    Deschner: Nicht wenige Bischöfe konnten an ihren Amtssitzen schon das Gepräge und Zeremoniell des kaiserlichen Hofs nachahmen. Sie haben Anspruch auf besondere Titel, auf Weihrauch, werden kniefällig begrüßt und sitzen auf einem Thron, der Abbild des göttlichen Thrones ist. Andern predigen sie Demut! (S. 238)
    Binnen kurzem war die Kirche so reich und privilegiert, daß Konstantin gegensteuern mußte: Er beschränkte z.B. die Möglichkeit, daß Reiche Kleriker werden konnten - weil sie sich so der Steuerpflicht entziehen wollten! Unter Konstantins Nachfolgern wurde auch die Erbfähigkeit der Kirche wieder eingeschränkt - allerdings nicht auf Dauer.

    Eine Hand wäscht die andere: Schon 314 beschloß die Kirche, daß ab sofort vom Kriegsdienst desertierende Christen auszuschließen seien - eine Kehrtwendung um genau 180 Grad, denn vorher wurde ausgeschlossen, wer in den Kriegsdienst trat.
    Die Rollen war klar verteilt: Der Kaiser hatte das Sagen, auch in religiösen Dingen - er berief z.B. 325 das Konzil von Nicäa ein und diktierte das von da an gültige Glaubensbekenntnis. Der Kaiser war oberster, gottgleicher Herrscher - die kirchlichen Würdenträger kamen gleich nach ihm, lebten oft in demselben Prunk. Und sie bedankten sich ihrerseits, indem sie die Macht des Kaisers und seine Kriege rechtfertigten, seine Untaten zudeckten und ihm ständig mit Schmeicheleien ohnegleichen um den Bart gingen.
    Konstantin - das Urbild der Symbiose zwischen Kirche und Staat. Deschner schreibt dazu: Konstantins Vorgänger hatten das Christentum gefürchtet, teilweise bekämpft. Er spannte es durch die Fülle seiner Gunsterweise und Vorrechte für sich ein ... Tatsächlich nahm er den Klerus in Dienst und zwang ihm seinen Willen auf ... Die Kirche wurde zwar mächtig, verlor aber jede Freiheit ... Er und sie [Konstantin und die Bischöfe] machten die Kirche zur Staatskirche ... (S. 242 f)
    Konstantin, obwohl selbst kein überzeugter Katholik, ließ der Kirche freie Hand bei der beginnenden Verfolgung Andersdenkender, etwa bei der Zerstörung heidnischer Tempel durch „christlichen" Mob. Offenbar unter klerikalem Einfluß erließ er antijüdische Gesetze - so wurde z.B. der Übertritt eines Christen zum Judentum mit dem Tod bestraft. Konstantin verfolgte auch zeitweilig - aus politischer Taktik heraus, aber bezeichnenderweise nicht ständig - die ketzerischen Bewegungen der Donatisten in Nordafrika und der Markioniten. Die Donatisten in Nordafrika waren gegen ein Bündnis von Thron und Altar und verbündeten sich mit aufständischen Landarbeitern gegen die Großgrundbesitzer. Das war natürlich nicht im Sinne der Kirche und des Staates!
    Unter Konstantins Herrschaft taucht - auch kein Zufall - zum ersten Mal das Wort „katholisch" auf als Bezeichnung zur Abgrenzung von sogenannten „Ketzereien".
    So weit dieser historische Rückblick.

 

    Wer Ohren hat zu hören, der höre; und wer ein Herz für Christus hat, der befolge, was in der Johannes-Offenbarung steht: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen. (Off 18, 4)
   Die heidnische Kultkirche baute sich durch Paulus auf, der die Lehren Jesu fehlinterpretierte, sie also in die heidnische Tradition der Römer einbaute und sie mit all deren herrschsüchtigen und kämpferischen Machtstrukturen versah.
    Paulus wertete die Frauen als Abglanz des Mannes ab, der Mann hingegen ist bei Paulus der Abglanz Gottes. Dadurch entstand die kirchliche „christliche" Männerwirtschaft, die bis in die heutige Zeit währt. Jesus hingegen lehrte die Gleichheit zwischen Mann und Frau. Er machte keine Unterschiede; Er erhob nicht den Mann zum Abglanz Gottes und erniedrigte die Frau nicht zum Abglanz des Mannes. Das ist wieder einmal Saulus, gleich Paulus, aber nicht Jesus, der Christus.
    Konstantin machte aus der heidnischen Kultkirche eine Staatskirche, gleich Staatsreligion, die bis heute mit ihren blutigen und grausamen Wurzeln immer noch mit dem Heidenkult verwoben ist. Die blutigen, grausamen und barbarischen religiösen Kulte entwickelten sich schon nach Mose und setzten sich im ehemaligen römischen Reich fort. Die heutigen Staatskirchen - es entstanden Abspaltungen von der einen römischen Kultmachtkirche - sind äußere Machtreligionen, die mit Jesus, dem Christus, wenig gemeinsam haben. Sie gebrauchen, gleich mißbrauchen, den Namen des Jesus, des Christus. Der Sog aus dem Alten Testament und von der brutalen und überheblichen Anmaßung des Konstantins blieb.

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