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»Der Prophet«
 > »Der Prophet« Nr. 15

Paulus kippte das lebendige Urchristentum,
verfälschte die Lehre Jesu
und legte das Fundament
für eine Staatsreligion
und veräußerlichte Kultkirche.



Zurück zu Paulus:
    Es wurde immer deutlicher, daß Paulus die Lehre des Jesus von Nazareth verfälschte, denn die Unterschiede zwischen Paulus einerseits und den Aposteln und Jesus von Nazareth andererseits wurden immer größer. Die Apostel waren von Jesus direkt belehrt und geschult worden, Saulus, der jetzt angebliche Paulus jedoch kannte Jesus nicht. Paulus hatte also kaum eine innere Beziehung zum wahren Urchristentum. Anstatt sich über Jesus berichten zu lassen und sich so weit als möglich an Ihm als Vorbild zu orientieren, erklärte Paulus sein Defizit hinsichtlich der Weisungen Jesu an Seine Apostel einfach für unwesentlich. Er glaubte, er wäre bereits im Inneren mit Christus vereint (Gal 2, 20), und schreibt selbstbewußt zur Situation der Urchristen seiner Zeit: Auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch (auf die anderen Apostel bezogen), so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr (2 Kor 5, 16). Saulus, der sich zum Paulus kürte, programmierte durch seinen intellektuellen römischen Kultstand die Lehre Jesu um. Zum Beispiel meinte Paulus, daß das Blut, das Jesus bei Seiner Hinrichtung vergossen hatte, bei Gott ein für allemal sühnende Wirkung hätte (Röm 3, 25; 6, 10), so daß es keiner Tieropfer mehr bedarf. Jesus also sei gleichsam das „Opfertier" gewesen. Im Römerbrief sagt Paulus: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (5, 8) Die Worte als wir noch Sünder waren zeigen, daß das Erlösungsopfer Christi für Paulus den Charakter der Sühne ein für allemal hatte.
    So weit der Theologe.

    Jesus hingegen verkündete eine vollkommen andere Lehre. Er wollte keinerlei „Sühneopfer", sondern wünschte, daß alle Menschen die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu erfüllen, um so für ihre Nächsten dazusein. Paulus meinte u.a. auch, daß durch den bloßen Glauben an den Tod Jesu als Heilsenergie „ohne Verdienst" der Mensch zum wahren Leben erhoben ist. Das ist natürlich eine angenehme Botschaft für Menschen, die andere für sich denken lassen, die sich mit Worten begnügen, diesen jedoch keine Taten folgen lassen.
    Ein Großteil der Lehre des Paulus ist ein Sammelsurium seiner Vorstellungen, die mit den Lehren des Jesus, des Christus, nichts zu tun haben. Jesus lehrte das Einhalten der Gebote Gottes und der Bergpredigt, denn die Menschen sollen das Reich Gottes in sich selbst erschließen. Wer das tut, findet durch das Befolgen der Lehre des Jesus, des Christus, zu Gott im Urgrund seiner Seele, ohne Priester, also geistlich Höhergestellte; er benötigt keine Mittler.

    Aus welchen Gründen auch immer, Paulus überfiel die Anwandlung, die Verantwortung in den Urgemeinden zu übernehmen. Er brachte in die Gemeinschaft von Fischern, Zimmerleuten und Aposteln seine intellektuellen Vorstellungen hinein. Die einfach Gläubigen, die sich an Jesus, dem Christus, orientierten, waren anscheinend ungeübt im Diskutieren und konnten dem aufgeblasenen Schriftgelehrten „Paulus" nicht standhalten. Der in rhetorischen Künsten bewanderte Paulus schöpfte aus seinem israelitischen theologischen Wissen und veränderte dadurch unmerklich die christliche Lehre, die Lehre des Jesus von Nazareth. Er unterwanderte sie.
    Weil sich Paulus über die urchristlichen Gemeinden stellte und seine Vorstellungen einbrachte, die mit römischen Kulthandlungen durchzogen waren, legte er das Fundament für die Staats- und Volksreligion des Römischen Weltreiches, in der die zentrale Lehre des Jesus von Nazareth, die Zehn Gebote und die Bergpredigt, keine Rolle mehr spielte.

    Paulus kippte also das lebendige Urchristentum, in dem der Prophetische Geist wirkte. Er legte den Grundstein für eine Kultkirche mit Bischöfen und Priestern, die den alten Ritus aufleben ließen, die Riten, Zeremonien, Talare, Kanzeln und Altäre, ganz nach gewohnter Art so, wie es die Menschen in ihren bisherigen Religionen gewöhnt waren. Der Heidenkult baute immer mehr eine äußere Religion auf, in welcher der einzelne nicht mehr darauf bedacht war, seinen Tempel, die Seele und den Körper, zu reinigen, sondern sich in Kulthandlungen zu ergehen und auf die zu hören, die sich als Hirten der Kultkirche verehren und feiern ließen.
    Die Kultkirche, das Veräußerlichte, feierte Triumphe - die Verinnerlichung blieb auf der Strecke. In die Fundamente der Kultkirche baute Paulus eine Staatslehre ein, indem er mit intellektuell gekonnter Rede den „Christen" weismachte, daß sie der Obrigkeit dieser Welt gehorchen müßten, da diese von Gott eingesetzt und angeordnet sei, die als „Gottes Dienerin" mit dem Schwert das gerechte „Strafgericht" vollziehe. (Röm 13)
    In den folgenden fast 2000 Jahren hatte und hat die Lehre des Saulus, „Paulus", eine verheerende Wirkung. Mit Jesus von Nazareth und dem lebendigen Urchristentum hat das nichts mehr zu tun.
    Jesus und die Apostel lehrten Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Mt 22, 21), aber auch: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apg 5, 29)

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