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»Der Prophet«
 > »Der Prophet« Nr. 8

Der sklavische Glaube
und seine Geheimnisse




A U S Z Ü G E:

Frage des Christusfreundes:
Mir ist einiges über den "Glauben" durch den Sinn gegangen. Ich habe mir die Frage gestellt: Was ist "Glaube" eigentlich? Glaube - solange es beim Nur-Glauben bleibt - ist, so scheint mir, etwas Nebulöses, Nicht-Greifbares. Man kann es glauben oder auch nicht. Mit solchem Glauben stehe ich nicht auf sicherem Boden. Er hat etwas Spekulatives, denn das, was wir nur glauben, muß nicht real sein; und doch glauben wir, daß es sein könnte, wie wir es erhoffen. Wir glauben z.B., daß etwas Gutes für uns irgendwo bereit liegt, oder wir glauben, etwas Übles könnte sich für uns ergeben. Doch i s t , gleich existiert, dieses Geglaubte - oder existiert es nicht?

Machen wir uns nicht dadurch, daß wir an etwas glauben, ohne zu wissen, ob es ist oder nicht ist, von dem abhängig, was wir glauben? "Glaube" ist nicht beweisbar. Mit dem Wort "Glaube" gehen wir, ob wir wollen oder nicht, in eine Schicksalsergebenheit, denn "Glaube" besagt: ich erhoffe es; ob es sich erfüllt, werde ich irgendwann einmal erfahren, oder auch nicht.

Sind wir nicht der Knecht, der Sklave unseres Glaubens, solange wir nur glauben und unseren Glauben an das Gute, in dem die Hoffnung liegt, nicht durch ein zielbewußtes Leben aktivieren, damit sich das, woran wir glauben, was wir erhoffen, realisiert, also für uns real und sichtbar wird und faktisch vor uns liegt? Alles andere - der Nur-"Glaube" - ist doch nur ein Herumstochern im Nebel, der uns die Sicht nimmt, wodurch wir unter Umständen in die Irre gehen, sofern unser Glaube ein passiver Glaube bleibt. Was ist Realität, wenn wir nur glauben? Was ist Wahrheit, wenn wir nur glauben? Wo können wir uns festhalten, wenn wir nur im Nebel des passiven Glaubens stehen? Wo bleibt die Sicht oder die Aussicht?

Gabriele, wäre nicht "sklavischer Glaube" die treffende Bezeichnung für einen Glauben, der uns wie ein Nebel umfängt, hinter dem Geheimnisse liegen, unsere Wunschwelt oder unsere Sorgen, das, was wir erhoffen oder nicht wünschen? Wie siehst du es?

 

Antwort des Propheten:
Du hast viele Fragen auf einmal aufgeworfen. Für mich ist jeder Glaube, der nicht bewußt aktiviert wird, um das zu erreichen und somit in die Realität zu bringen, was wir in den Glauben legen, gleichsam ein sklavischer Glaube, eine Schicksalsergebenheit, die nicht zu einem bewußten und aktiven Leben paßt. Jeder Mensch, der sich der Passivität hingibt, hat wie alle anderen auch Glaubenswünsche, Glaubensinhalte, ob er diese bejaht oder nicht; denn Gedanken sind immer vorhanden, die etwas ausdrücken und wünschen - wobei Anti-Wünsche, also Besorgtheiten, Ängste, Befürchtungen, auch eine Form von Wünschen darstellen. Jeder Bewußtseins- gleich Glaubensinhalt, jedes Wort, jeder Gedanke, jede Empfindung, jedes Gefühl ist Impuls- und Informationsgeber, sendet also und empfängt und entfaltet somit Aktivität. Es gibt folglich keinen ausschließlich inaktiven Glauben, denn durch unsere Gedankenaktionen - wie auch durch unsere Gefühle, Empfindungen und Worte - aktivieren wir unsere Vorstellungen, Wünsche, unsere Ängste, daß z.B. etwas eintreten könnte, das wir nicht wollen oder anderes mehr. All das gehört zu unseren auf unsere menschliche Existenz bezogenen Glaubensinhalten, die wir aktivieren und in eine bestimmte Richtung lenken.

Hören wir das Wort "Glaube", dann erwachen in so manchem von uns Assoziationen wie: "Ich glaube an meinen Partner, an meine Kinder, an mein Können im Beruf" oder: "Ich glaube, daß das, was in den Medien berichtet wird, wahr ist." So glauben wir z.B. auch, daß wir durch Sozialversicherung, Kranken- oder Lebensversicherung unser Leben abgesichert haben. Wir glauben an eine rosige, eine glückliche Zukunft und vieles mehr. Das Wort "Glaube" birgt also Hoffnung; wir erhoffen, was wir uns wünschen. Eine Garantie gibt uns der Glaube allein nicht. So stellt sich die Frage: Gibt es eine Garantie dafür, daß unser Leben so verläuft, wie wir es erhoffen und es diesbezüglich abgesichert haben?

Letztlich gibt uns der Glaube nicht nur keine Garantie, sondern er lenkt uns immer wieder ins Nebulöse, ins Wunschdenken, in Träume, die wie Schäume sind, in die Unsicherheit. Das, woran wir glauben, was wir dennoch indirekt oder direkt aktivieren, ist mit einem undurchsichtigen Schleier oder mit einem Nebelgebilde zu vergleichen, hinter dem die Realität, das, was wahrlich i s t , verborgen liegt. Hinter dem Schleier, hinter der Nebelwand ist also das Geheimnis, das sich im Wort "Glaube" verbirgt.

Mich persönlich macht das Wort "Glaube" unruhig, denn auf Menschen, auf Vorstellungen und Wünsche, auf gegenwärtige und kommende Ereignisse ist kein Verlaß. Wer weiß, was morgen ist - ob wir unseren Beruf noch ausüben können, ob unsere Partnerschaft hält, ob wir in Zukunft Sozialhilfeempfänger werden oder ob wir dann, wenn wir erkranken, genügend Krankengeld erhalten; ob uns im Krankheitsfall auch ein Krankenhausaufenthalt bewilligt und bezahlt wird, ob wir uns im Rentenalter mit unseren Versicherungen ausreichend versorgen können oder ob wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch leben; ob sich unsere Vorstellungen und Wünsche realisieren und, und, und ...

Der Nur-Glaube, der auf einer Annahme, einer Vorstellung basiert, ähnlich einer Hypothese, gibt uns keine Klarheit, keine Sicherheit. Er ist ein Traumgebilde, einer Seifenblase gleich, die wir betrachten, an der wir uns ergötzen können - und wissen doch nicht, ob diese nicht im nächsten Augenblick zum Nichts zerspringt. Wir hängen einer Vorstellung an, über deren Realitätsgehalt wir nichts wissen. Wir binden uns also an ein irreales Gebilde. Der Nur-Glaube macht uns nicht frei. Tun wir nicht das, was wir glauben, setzen wir es nicht in die Realität um, dann ist das der sklavische Glaube - und wir sind die Sklaven. Denn Glaube und Realität fallen gleichsam auseinander. Was wir "glauben" - unsere Vorstellungen, unsere Annahmen - ist wie eine Dunstglocke, die uns den klaren Blick für die Wirklichkeit verstellt. Dieser "Glaube" gaukelt uns Zukunftsbilder vor, Projektionen, die uns daran hindern, bewußt und gegenwärtig zu leben und somit dem Tag das zu entnehmen, was er uns bringt.

 

Der Christusfreund:
Es ist eine unsichere Sache, dieser "Glaube" und dieses Leben, wenn man fatalistisch gläubig bleibt. Diesem sklavischen Glauben leisten wir vielfach noch Vorschub durch Zahlungen, die wir monatlich als Gutgläubige denjenigen anvertrauen, die unser irdisches Leben mehr oder weniger in die Hand genommen haben, durch unsere Lebensabsicherungen und dergleichen. Unser ganzes Leben liegt also im Nebel oder in den Schleier gehüllt, der "Glaube" genannt wird. Das heißt also sklavisch glauben und Vorsorge treffen in der Hoffnung: es kann sein - es kann aber auch nicht sein.

 

Antwort des Propheten:
Warum denn so pessimistisch? Meines Erachtens trägt, wie gesagt, jeder Glaube eine gewisse Aktivität in sich, denn wir leisten durch unseren Gedanken an das, was wir glauben oder erhoffen oder nicht erhoffen, diesem Vorschub. Wir geben durch unsere Gedanken unserem Glauben Nahrung und richten ihn damit auf das Ziel aus, das wir wünschen oder nicht erwünschen oder das gar nicht in unserem Lebensbereich liegt, also eine Fata Morgana ist, die letztlich das "Geheimnis" ist.

Für mich ist der aktive Glaube an Gott, der religiöse Glaube, entscheidend, denn der wahrhaft Gläubige glaubt nicht nur, sondern begibt sich auch in die allgütigen Hände des Allmächtigen und tut Schritt für Schritt den Willen Gottes. Dadurch tritt in einem solchen Menschen die Lebenswende ein, eine gewisse Sicherheit, die er durch die vermehrte Einstrahlung des ewigen Lichtes in seine Seele und in seinen physischen Leib erlangt; und durch die weiteren Schritte hin zu Gott gewinnt er Gewißheit, daß Gott, der ewige Vater, für ihn das Beste möchte. Er glaubt dann nicht nur, sondern er weiß aus Aspekten seiner Gotteserfahrung, daß Gott sein Leben in Seinen Händen hält, es ist das Leben eines Menschen, der sich Gott anvertraut und sein Fühlen, Empfinden, Denken, Reden und Handeln auf Gott ausrichtet, auf die Zehn Gebote und die Bergpredigt, die der Geist Gottes uns Menschen als Lebensregeln gab. Dann bleibt der religiöse Glaube kein nebulöser Glaube. Ein solcher Mensch gewinnt immer mehr die Erweiterung seines Bewußtseins und dadurch Erleuchtung und Weisheit durch Gott.

Wer bewußt in Gott lebt, für den ist Leben Gegenwart, weil ihn keine Angst bezüglich der Vergangenheit und der Zukunft mehr treibt. Er plant sein Leben - das auch seine Familie bzw. seinen "Alleingang" und seinen Arbeitsplatz umfaßt - gewissenhaft und übergibt den Plan Gott in der Gewißheit, daß Gott ihn in seinem Plan führt, so, wie es gut ist für seine Seele, aber auch für seinen Menschen.

 

Der Christusfreund:
Noch einmal möchte ich auf den Glauben zurückkommen, der sich auf materielle Aspekte bezieht, auf unsere äußeren Lebensabsicherungen, und der, wie du sagst, ebenfalls ein aktiver Glaube ist, denn dafür zahlt der Mensch vielfach in der Hoffnung, davon einen Gewinn zu haben. Im Unterschied zum religiösen Glauben könnte man diesen Glauben als "materiellen Glauben" bezeichnen.

 

Antwort des Propheten:


 

[...]

Der Christusfreund:
Das ist nun mal so in unserem Leben. Was ist nicht letztlich "Lotto und Toto"? Jeder von uns aktiviert doch mehr oder weniger seinen Glauben, und jeder trifft entsprechend seinem Glauben Vorsorge für seine Zukunft.

 

Antwort des Propheten:
Es ist richtig, daß jeder seinen Glauben aktiviert, auch durch seine geheimen Gedanken. Es stellt sich jedoch die Frage: Ist das, was wir in den Glauben hineinlegen, nicht vielfach eine Fata Morgana? Wir können gemäß unserem Glauben ein Zukunftsbild erstellen und viel Geld investieren, damit es sich realisiert. Ob wir jedoch davon profitieren, bleibt im Nebel, weil wir nicht in die Zukunft blicken können und nicht wissen, was diese für uns bereithält. Wir können also noch so lange mit Wenn und Aber im Nebel herumstochern - unser Leben bleibt ein Lotteriespiel, wenn wir uns nicht in die Hände Dessen begeben, der unsere Sicherheit ist, Gott.

 

Der Christusfreund:
Auch an Gott glauben viele Menschen, viele sogar an eine Erlösung durch Christus. Dieser Glaube fordert keinen Einsatz von Mitteln ...

 

Der Prophet:
Halt ... außer man gehört einer kirchlichen Institution an. So möchte die evangelische Kirche den Menschen zwar weismachen, daß der Glaube an die Erlösung durch Christus allein zum Heil genüge. Würde dieser Glaube aber allein genügen, warum verlangt dann auch die evangelische Kirche Kirchensteuer? Es heißt oft: für die Dienste der Kirche, doch bezahlen muß auch, wer die Dienste gar nicht in Anspruch nimmt. Diese Institution läßt sich also - wie die katholische Kirche - den inaktiven Glauben bezahlen. Das heißt, daß jeder Protestant trotzdem aktiv sein muß, um also durch seine Arbeit und seinen Verdienst die Kirchensteuer, den möglicherweise inaktiven Glauben, zu bezahlen. Auch hier muß also Aktion gebracht werden, um einen inaktiven Glauben zu finanzieren. Genügt dann wirklich der bloße Glaube, oder verlangt dieser, daß das Kirchenvolk diejenigen fördert, also bezahlt, die den bloßen Glauben predigen? Diese Prediger machen letztlich den von ihnen propagierten bloßen Glauben ebenfalls dadurch aktiv, daß sie ihre Gläubigen lehren, was diese tun können. Allein durch die Lehre wird dem bloßen Glauben indirekt eine Richtung gegeben, wird dieser also aktiviert, z.B. durch ihr Glaubensbekenntnis. Im weitesten Sinne lehrt das auch die katholische Kirche, denn sie heftet dem Glauben an Gott ihre Sakramente an und lenkt somit ihre Gläubigen auf die Inanspruchnahme der Sakramente. Das Ganze beruht wiederum auf Ungewißheit. Dafür bezahlt der Kirchensteuerzahler und legt gleichsam die Hoffnung hinein, daß die kirchlichen Amtsträger - mit ihrer Lehre des mehr oder weniger inaktiven Glaubens - Gott für ihn aktiv machen würden.

 

Der Christusfreund:
Du sprichst nicht zufällig von "mehr oder weniger". Im evangelischen "Erwachsenen Katechismus" lese ich: "Das Wort ‘glauben’ ist vieldeutig." So lehrten manche Theologen den Glauben als "Unanschaulichkeit" (Pöhlmann), als "Nicht-wissen" (Barth), ja sogar als "schlechthinniges Abhängigkeitsgefühl" (Schleiermacher). Im Katechismus werden weitere Deutungen aufgezählt, wozu das "Vertrauen" gehört. Für Martin Luther war das anscheinend die wesentlichste Bedeutung. Doch ein wahres Gottvertrauen ist ja, daß man sich den Geboten Gottes anvertraut und danach lebt. Dann vertraue ich Gott, daß mich dieser Weg Schritt für Schritt zum Ziel führt. Doch wurde nicht die Lehre vom Glauben als Vertrauen vielfach so gehandhabt, daß ich im weitgehend inaktiven Glauben bleibe und darauf vertraue, daß Gott mir schon hilft, wenn ich glaube, Seiner Hilfe zu bedürfen?

 

Antwort des Propheten:


 

[...]

Der Christusfreund:
Bisher brachten der Glaube und das Vertrauen nur denen Wohlstand, die sie predigten, selten jedoch dem Kirchenvolk; viele wurden arbeitslos, obwohl sie zehntausende Mark an Kirchensteuern bezahlt hatten. Das ist meines Erachtens Ausbeutung, denn der Gläubige hat für etwas bezahlt, wofür er vielfach nichts bekam, nicht die Sicherheit, daß ihm Gott helfen würde, ja nicht einmal die Gewißheit, daß Gott existiert. Wie kann nun der Nebel aufgelöst oder der Schleier gelüftet werden, wenn es um den religiösen Glauben geht?

 

Antwort des Propheten:
Wer im inaktiven Glauben bleibt, also in dem Glauben, der allein genügen soll, der bleibt im Nebel stehen und hofft, daß er irgendwann irgendwo ein Licht sehen wird. Die Hoffnung kann zur Fata Morgana werden, wenn in den bloßen Glauben etwas hineininterpretiert, gleich hineingepredigt wird, was nicht der Wahrheit entspricht; dann sehen und übermitteln wir Nebelgebilde, aber nicht die Wahrheit. Viele Kirchengläubige wurden ein Produkt der kirchlichen Amtsträger, die den bloßen Glauben, das Vertrauen ohne das Tun, oder die Sakramente propagieren. Die Amtsträger der Institutionen Kirche haben ihre Vorstellungswelt, aus der heraus sie lehren, was der Glaube allein, das Vertrauen oder die Sakramente den Gläubigen bringen werden. Der Gläubige muß mehr oder weniger glauben, was der Amtsträger, der Pfarrer, sagt. Stellt er diesem die Frage, ob das, was er seinen Gläubigen weismacht, wahrlich Gottes Weisheit ist, und ob er das beweisen kann, was er predigt, dann spricht dieser vielfach von den "Geheimnissen Gottes". Der Komplex "inaktiver Glaube" und die daraus folgende Lehre, aber auch die Bindung an Sakramente bedeutet für mich Abhängigkeit von kirchlichen Amtsträgern, Abhängigkeit von einer kirchlichen Institution.

Der Kirchengläubige bezahlt also für etwas Kirchensteuer, auf das er nur vertrauen darf, das aber keinen Beweis beinhaltet. Dahinter steht meines Erachtens eine geschickte Verkaufspsychologie. Man macht mit dem inaktiven Glauben oder mit dem Glauben an Sakramente Geschäfte, wofür die Gläubigen bezahlen und letztlich doch nicht wissen, was sie dafür bekommen. Jeder von uns fragt letztlich nach dem Preis einer Ware. Die Ware, die er zu kaufen gedenkt, ist real. Er hat also etwas, das er wägen kann. Geht es nicht um den religiösen Glauben, so gilt der Satz: Der Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taube auf dem Dach. Geht es jedoch um den religiösen Glauben, dann wird so mancher Gläubige unlogisch und meint: Ich lasse sowohl die Taube als auch den Spatzen auf dem Dach. Er hat also nichts real Wägbares.

Die evangelische Institution, die lehrt, allein der Glaube bzw. das Vertrauen an die Erlösung durch Christus genüge, verkauft also etwas, das im Nebel liegt. Hier wird der "Käufer" zum Glaubensfatalisten. Sklavisch glaubt er, daß vielleicht der Anbieter seines Glaubens, die Vertreter dieser besagten Institution, hinter den Nebel blicken oder den Schleier lüften können. Da die kirchlichen Amtsträger hinsichtlich der Realität, auf die sich die von ihnen gelehrten Glaubensinhalte beziehen, nichts als die besagten "Geheimnisse Gottes" vorweisen können, ist also der bloße Glaube eine Lehrmeinung, muß aber nicht die Wahrheit sein; denn der, der ihn lehrt, kann seine Lehre nicht beweisen. Dafür verlangt er jedoch Geld, die Kirchensteuer - und der sklavisch Gläubige bezahlt.

 

Frage des Christusfreundes:
In der letzten Zeit häufen sich die Versuche der Amtskirchen, den Gläubigen immer wieder die angebliche Notwendigkeit dieser Zahlungen deutlich zu machen. Immer wurde dabei auf die "guten Werke" der Kirche verwiesen, welche gemäß ihrem eigenen Bekenntnis "um Gottes willen" getan werden sollen (Augsburger Konfession VI), also um Gott zu gefallen. In Wirklichkeit waren diese Werke aber größtenteils staatlich finanziert. Und außerdem schien es manchmal so, daß man um der Menschen willen immer wieder auf das eine oder andere Werk hinwies, sich gleichsam mit diesem Lorbeerkranz zeigte, um die Menschen zahlungswillig zu halten. Dabei verwies man eventuell auf das "persönliche Engagement" als einen weiteren Aspekt des so vieldeutig gedeuteten Glaubens. Auch "Engagement" in Verbindung mit "Liebe" könnte ich gemäß dem evangelischen Katechismus als "Glauben" verstehen. Da in manchen evangelischen Lehrbüchern von dieser Bedeutung nichts zu lesen ist, scheint es sich hier um eine Deutung jüngeren Datums zu handeln. Da es aber viele der Gläubigen lieber mit dem inaktiven Glauben halten statt mit dem persönlichen Engagement, gilt manchen die Steuerzahlung gleichsam als eine Art Ersatz zur Gewissensberuhigung. Zum "Engagement" habe man eventuell nicht genügend Zeit oder Motivation, doch mit der Steuer hilft man dafür den Predigern und kirchlichen Amtsträgern, daß diese davon "gute Werke" tun und gleichzeitig predigen können, zum Heil genüge schon der bloße Glaube bzw. das Vertrauen auf Christus, ohne Tun.

 

Antwort des Propheten:


 

[...]

Der Christusfreund:
Das ist also der aktive Glaube, im Unterschied zum passiven, inaktiven, sklavischen Glauben. Dazu fällt mir noch ein, wie es zu dieser Lehre der evangelischen Kirche gekommen ist, daß der Glaube allein genüge. In seinem Schwerpunkt liegt dieser Lehre eine Fälschung des Bibeltextes durch Luther zugrunde. Die entscheidende Stelle dafür im Römerbrief bei Paulus ist in der Einheitsübersetzung weitgehend wortgetreu wiedergegeben und heißt: "Denn wir sind der Überzeugung, daß der Mensch gerecht wird durch den Glauben, unabhängig von den Werken des Gesetzes." (3, 28). Diese Veränderung der ursprünglichen christlichen Lehre geht also auf Paulus zurück. Luther schließlich dreht den ersten und zweiten Teil des Satzes einfach um und fügt das Wort "allein" noch hinzu. Damit wird die Lehre des Paulus noch verstärkt: Das klingt dann so: "So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." Diese scheinbar nur kleine Veränderung wird bald zum Programm der neuen evangelischen Lehre: Sola fide - allein der Glaube. Sola gratia - allein die Gnade - allein, allein. Wie ein Hammerschlag gegen die eigene Seele tönt das von Luther hinzuerfundene Wort "allein" - gegen die leise Stimme des Gewissens und Herzens. Damit haben viele Gläubige das Innere übertönt und dem neuen Glauben zum Beispiel auch als tötende Soldaten und Henker gewaltsam Gehör verschafft. Im Vertrauen, sprich Glauben, daß dieser Glaube - der Glaube allein, die Gnade allein - richtig sei.

Der Christus-Gottes-Geist lehrte und lehrt uns im Universellen Leben den Pfad der Erleuchtung, des Erfahrens und Erfassens aller Dinge. Er lehrt uns aber auch unser göttliches Erbe, das wir dann wieder antreten, wenn wir unseren Glauben aktiv werden lassen, also den Weg nach Innen gehen, um wieder die Stimme des Herzens zu vernehmen, die uns durch die Mauer der Sünden verlorenging.

Dazu habe ich eine weitere Frage: Was kostet dieser Weg im Universellen Leben? Hat das Universelle Leben Mitglieder, die bezahlen, ähnlich wie die Angehörigen der Amtskirchen, die ihre Kirchensteuer bezahlen müssen, um dabeisein zu dürfen?

 

Antwort des Propheten:
Das Universelle Leben, die weltweite Glaubensgemeinschaft, ist nicht auf Mitgliedschaft und Mitgliedsbeiträgen aufgebaut. Entsprechend unserer staatlichen Rechtsordnung sind lediglich einige hundert Brüder und Schwestern der Tatgemeinschaft "Bundgemeinde Neues Jerusalem" Vereinsmitglieder, also Träger des Vereins Universelles Leben. Das Göttliche Prophetische Wort ist kostenlos. Gott spricht nicht "du mußt". Damit läßt Gott jedem den freien Willen, Seine Lehre anzunehmen oder nicht. Für die Freiheit verlangt Gott keinen Preis. Wäre es anders, so würde Gott Seine Kinder finanziell, also energiemäßig, an Sich binden und von Seiner Lehre abhängig machen. Der Ewige würde dann auch nicht die Freiheitslehre verkünden "du sollst", welche die Freiheit beinhaltet, ja zu sagen oder nein. Es wäre dann ein "du mußt". Dann wäre Gott nicht Der, der Er ist ewiglich.

Das Universelle Leben hat viele Millionen Anhänger, die keinerlei Pflichten haben. Frei und ungezwungen, also ohne Pflichtbeiträge, kann jeder das Wort Gottes annehmen, danach leben oder es lassen. Viele Glieder spenden freiwillig, jedoch nicht für Menschen, sondern für die Verbreitung des göttlichen Wortes. Die Bücher und Tonbandcassetten sind so kalkuliert, daß die Herstellungskosten gedeckt sind und das Wort auch in andere Sprachen übersetzt und in fernen Ländern verbreitet werden kann. Ein geringer Kostenanteil bezieht sich auf die Mitarbeiter bei der Buch- und Cassettenerstellung.

Viele Brüder und Schwestern im Universellen Leben erfahren - dann, wenn sie den Glauben an Gott, unseren Vater, und an Christus, unseren Erlöser, realisieren, wenn sie also tun, was Gott durch Mose gab, die Zehn Gebote, und was Jesus lehrte, die Bergpredigt -, daß sie Dem Schritt für Schritt näherkommen, der in jedem von uns wohnt: der Geist der Liebe und der Freiheit.

Gäbe es nichts als nur den "Glauben" an Gott, ohne die Möglichkeit, daß seine Inhalte in uns Realität gewinnen - durch unser Dazutun, durch unser Aktivwerden in der Umsetzung der Gebote Gottes und der Bergpredigt -, wir blieben Abhängige, Sklaven und Blinde.

Keine kirchliche Institution, keine der verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Glaubensgruppen und auch keine Bibelkreise können den Beweis erbringen, daß das, was sie glauben, der Wahrheit entspricht. Nur der einzelne kann sich selbst beweisen, daß Gott Realität ist - dann, wenn er seinen Glauben aktiv werden läßt und sein Tun und Lassen an den Zehn Geboten und der Bergpredigt orientiert. Sein inneres Erleben, die Kommunikation mit dem All-Einen kann er keinem Zweiten oder Dritten beweisen, deshalb sollte eine kirchliche Institution, auch Glaubensgemeinschaften und Glaubensgruppen, keine Mitgliedsbeiträgen verlangen, schon gar nicht Kirchensteuer. Freiwillige Gaben jederzeit, doch auch diese nur auf absolut freier Basis.

Es ist absurd, für etwas, das im Nebulösen liegt, eine Abgabe - Kirchensteuer - zu erheben oder Mitgliedsbeiträge zu verlangen. Würden wir ein Fahrzeug erwerben, das vom Nebel umschlossen und kaum sichtbar ist, auch dann, wenn die Scheinwerfer aufgeblendet sind, wenn wir nicht wissen, wie die Form und die Beschaffenheit des Fahrzeuges sind, wie es zu handhaben und welche Richtung zu nehmen ist, um durch die Nebelbänke zu kommen?

Im Universellen Leben heißt es: Vom Glauben zum Wissen und vom Wissen zur Weisheit, also zur Erleuchtung, um ganz allmählich wieder das zu werden, das uns Jesus mit auf unseren Lebensweg gab, Ebenbilder Gottes. Auch die Urchristen haben ihr Glaubensbekenntnis, das in "Der Prophet" Nr. 5 zu lesen ist.

Wer sich nicht in Glaubenssätzen verstrickt, sondern im Bewußtsein der einfachen Lehre lebt - die auch vom Tempel Gottes kündet, der jeder Mensch ist, da Gott in jedem Menschen wohnt, die auch von der Gottes- und Nächstenliebe kündet und vom stillen Kämmerlein, in dem jeder aktiv Glaubende das Herzensgebet pflegen und somit mit dem Ewigen in Kommunikation treten kann -, kommt Gott in seinem Inneren näher. Wer also tut, was Jesus lehrte, seine Sünden - wovon er täglich Aspekte kennenlernen darf - zu bereuen und auf dem Weg der Bitte um Vergebung, aber auch der Vergebung zu bereinigen, und wer diese nicht mehr tut, dem werden sie vom Licht des All-Einen umgewandelt, so daß die Seele des Menschen immer lichter und der Mensch immer gottbewußter wird. Dann lichtet sich die Nebelwand, der Schleier fällt, der Glaube ist dahingeschmolzen, der Mensch ist nicht nur wissend geworden, sondern hat göttliche Weisheit erlangt. Für ihn gibt es dann keine Geheimnisse mehr, weil alles ausgeleuchtet ist durch die Bereinigung der schwerwiegenden Sünden. Ein solcher Mensch wird sich bewußt, was es heißt, ganz allmählich das Ebenbild Gottes zu werden. Er lebt dann mehr und mehr in Gott; seine Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Worte und Handlungen sind geklärt, das heißt, weitgehend in Übereinstimmung mit den Zehn Geboten und der Bergpredigt.

Der Kluge baut auf Jesus, den Christus, und auf Seine Lehre, indem er Ihm nachfolgt, das heißt, Seine Lehre tut. Der wahre Nachfolger Jesu wird allmählich weise und schaut die Dinge so, wie sie sind, und nicht, wie sie schillern. Er hat den Schleier gelüftet, die Nebelwand, gleich Mauer, überwunden. Es gibt für ihn keine Geheimnisse mehr, denn sein Weg war Christus, der Erlöser aller Seelen und Menschen, der ihn zur Wahrheit, dem Leben, führte.

Um den Weg mit Christus und durch Christus zu gehen, bedarf es keiner Zeremonien, Riten, Kulte, weder Kardinäle, Bischöfe, Priester, Pfarrer oder gar eines menschlichen "Heiligen Vaters". Nur eines ist erforderlich: Die Ehrlichkeit zu sich selbst und ein Fünkchen Liebe zu Dem, der alle Seine Kinder liebt. Durch die Tat in der Gottes- und Nächstenliebe findet der Mensch zu Dem, der die Liebe, Freiheit und Einheit ist, und er findet auch zu jenen Brüdern und Schwestern, die Schritt für Schritt Gottes Willen erfüllen. Das ist die zentrale Lehre des Christus Gottes im Universellen Leben. Wer es fassen kann, der fasse es. Wer es lassen will, der lasse es.

 

Der Christusfreund:
Da fällt mir ein altbekanntes Sprichwort ein: "Das sind die Weisen, die durch den Irrtum" - sprich: über ihre Selbsterkenntnis - "zur Wahrheit reisen; die in dem Irrtum verharren, das sind die Narren."

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das aktive Bemühen darum, Gottes Willen im Alltag Schritt für Schritt zu erfüllen, bringt innere Sicherheit, die Erweiterung des Bewußtseinshorizontes, bringt Zuversicht und das gute geschwisterliche Verhältnis zu meinen Mitmenschen. Ebenfalls aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch auch, daß es immer wieder eines inneren Ruckes bedarf, um sich aus der Passivität zu lösen und den Glauben aktiv werden zu lassen. Es bedeutet, die menschliche Bequemlichkeit zu überwinden, sich nicht immer wieder in die alten, eingefahrenen Verhaltensmuster sinken zu lassen.

Wenn ich nicht selbst mein Leben in die Hand nehme und dem "Glauben", der Erkenntnis, die Konsequenz in der Tat folgen lasse, dann lasse ich mich also treiben und überlasse anderen das Ruder meines Lebensschiffes. Sich bestimmen zu lassen, statt sich selbst zu bestimmen, ist bequem - doch wohin führt es? Und wohin hat das Nicht-Tun die sogenannte Christenheit gebracht? Diese hat maßgeblich den Gang des Geschehens auf dieser Erde mitbestimmt. Das Resultat ist am Zustand der Natur und der menschlichen Gesellschaft abzulesen. Gottes Wille war und ist dies nicht. Wessen Wille ist es dann? Kann es nicht ein geschickter bewußter Schachzug gewesen sein, das Gebot des Tuns aus der Lehre des Nazareners auszuklammern? Die Bequemlichkeit des Menschen, dem z.B. Genuß, Wohlleben, Macht lieb und angenehm sind, "fuhr darauf ab" - mit den bekannten katastrophalen Folgen.

 

Der Prophet:
Bequemlichkeit ist die Beharrungstendenz der Massen.

Eine Frage: Ist Glaube nicht letzten Endes Spekulation? Ich spekuliere, was am besten zu meinem menschlichen Wohl paßt. Dies ist dann für mich der gerechte Glaube. Mein Nächster sucht sich seinen Glauben, in dem die ihm angenehmen oder nützlichen Aspekte enthalten sind. Und werden nicht oftmals die Varianten des "gerechten Glaubens" zu Schlagworten menschlicher Selbstgerechtigkeit und vielfach zur Intoleranz? Man denke nur an die sogenannten Glaubenskriege.

Doch: Über dem gerechten Glauben, den wir durch die Aktivität des Glaubens erlangen, steht unverrückbar Gottes Gerechtigkeit, Seine Wahrheit, die i s t ewiglich.

 

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