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»Der Prophet«
 > »Der Prophet« Nr. 9

Der Einheimische und der Prophet




A U S Z Ü G E:

 

Der Einheimische:
Du, Prophet, wo ich dich schon einmal seh' - ich beobachte euch Urchristen schon lange. Wenn man mit euch spricht, seid ihr ganz kommode Leut' und auch sehr offen, nur so arg gläubig. In der Zwischenzeit denk' ich mir, daß das Gerede von manchen Kirchenoberen nicht stimmt, denn ich hab' oft mit euch zu tun. Ab und zu kaufe ich auch im Einkaufsland ein, und ab und zu besuche ich eure Kirche, wo ihr ”Innere Geist= Christus-Kirche” dazu sagt, und wollte sehen, was anders ist bei euch, anders als bei uns Evangelischen oder Katholischen. Vieles, was da gesprochen wird, bring' ich nicht ganz unter, aber manches leuchtet mir ein. Was mir in eurer Kirche gefällt, ist, daß alles so leger ist, und wie ihr miteinander umgeht. Daß bei euch in eurer Inneren Geist=Christus-Kirche auch gelacht werden darf, daß man aber auch alles fragen kann, gefällt mir besonders. Nicht immer komme ich mit eurer Ausdrucksweise klar, aber jeder hat nun mal seinen ”Dialekt”. Ich denk' mir, vielleicht ist das auch ein Dialekt, was anders ist an euch Urchristen.

Prophet, schon lange möchte ich was fragen: Seid ihr alle so heilig, daß ihr in kein Wirtshaus geht? Dürft ihr kein Glas Bier oder ein Gläsle Wein trinken? Warum eßt ihr keine Wurst und kein Fleisch?

 

Antwort des Propheten:
Mich freut, daß du mich ansprichst, und das so offen, ungezwungen und ohne Vorbehalte. Wir Urchristen - zu denen auch ich mich zähle, denn ein Prophet, so wie auch du mich nennst, ist nichts Besonderes - sind bemüht, die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu ernst zu nehmen und sie im Alltag schrittweise umzusetzen. Dem einen gelingt es mehr, dem anderen weniger, doch das Bemühen ist bei vielen da, und das ist ein wesentlicher Faktor in unserem Leben - in unser aller Leben. Wer täglich bestrebt ist, sein Denken und Verhalten an den Geboten Gottes und an der Bergpredigt zu messen, der wird irgendwann die Meisterschaft über sein Allzumenschliches, also über die gröbsten Sünden, erlangen und so Gott wohlgefälliger werden, weil er dann auch immer mehr das tut, was Gott will.

Es wäre gut, wenn mancher, der uns beobachtet, einfach wie du ungezwungen mit denen spräche, die er beobachtet. Dann würde er bald erfahren, daß viele, wie du sagst, ”kommode Leut” sind, die ihren Glauben ernst nehmen.

Ist nicht das ganze irdische Leben ein Bemühen, dies oder jenes zu erreichen, das man für erstrebenswert erachtet? Viele von uns Urchristen wollen in die Nähe Gottes finden - und ganz so ohne weiteres geht dies natürlich nicht; man muß mit sich selbst konsequent sein. Aber wenn wir es wollen und uns entsprechend Mühe geben, können wir viele Schritte hin zu Dem tun, der unser aller Vater ist. Weil wir eben bemüht sind, die Schritte zu Gott hin zu tun, scheint es dir, daß wir - wie du sagst - so ”arg gläubig” wären.

Ich weiß nicht, ob du protestantisch oder katholisch bist; das ist auch unwesentlich. Wir Urchristen sehen alle Mitmenschen als unsere Brüder und Schwestern an, weil wir alle e i n e n Gott, einen Vater haben, dessen Kinder wir sind. Wir Urchristen glauben an die Wahrheit, die teilweise auch in der Bibel zu finden ist. Man kann aus der Bibel die Wahrheit nur dann herausfinden, wenn man sich täglich bemüht, Gott näherzukommen durch die schrittweise Erfüllung der Gebote Gottes. Dadurch erweitert sich der geistige Horizont, und man wird sensitiver für Wahrheit und Unwahrheit.

Wenn du von einem ”Dialekt” sprichst, der dir, wie du sagst, gerade in der Inneren Geist=Christus-Kirche auffällt, beim Treffen aller Gottsucher, so meinst du sicherlich nicht die unterschiedlichen Färbungen in der Aussprache, die daher rühren, daß wir Urchristen aus Orten von überall im deutschsprachigen Raum und aus sehr vielen anderen Ländern dieser Erde hierher gekommen sind.

Was uns vielleicht von vielen - nicht von allen - institutionellen Christen unterscheidet, ist, daß wir glauben, daß alles, was wir an Gedanken, Worten und Handlungen aussenden, auch wieder auf uns zurückkommt und daß wir dadurch unsere Freude und unser Leid selbst schaffen. Deshalb reagieren wir ganz anders auf alles, was uns widerfährt, und sprechen auch anders als so mancher Protestant oder Katholik - aber nicht, weil wir andere sind.

Ob du katholisch oder protestantisch bist, in eurer Bibel steht doch auch: Gott läßt Seiner nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Vielleicht haben wir deshalb eine andere Ausdrucksweise, weil wir an diese alt-urchristliche Lehre glauben.

Es freut mich, daß du nachdenkst - was viele nicht tun -, dir also Gedanken über sogenannte Kirchenobere machst und an deren Gerede nicht ohne zu prüfen glaubst. Es war schon immer so, daß die Amtskirchen alle und alles als Sekte bezeichneten und auch heute noch bezeichnen, die sich nicht auf Menschen, auf Menschenwerk und dessen Satzungen ausrichten, sondern danach streben, in den Fußspuren Jesu zu gehen, also das Gesetz Gottes zu erfüllen. Dazu braucht man natürlich keine äußere Kirche, keine Riten, Zeremonien und Dogmen; denn Jesus hat solches nicht gelehrt. Zu den sogenannten Sektenbeauftragten gesellen sich auch wieder weitere einseitig institutionell Orientierte und auch so mancher Pfarrer, der Angst hat, seine Schafe würden zu den Urchristen überlaufen, wodurch er und sein Amt überflüssig würden.

Jeder denkt - und wer seine eigenen Gedanken überprüft, der erspürt allmählich, was andere in ihren Worten verbergen. Dann gelangt er zur Erkenntnis, daß alle, die einseitig institutionell orientiert sind und von dieser Seite auch bezahlt werden, andere abwerten müssen, um sich bei ihren Vorgesetzten lieb Kind zu machen.

Auch Kleingeister, die sich aufplustern, um in der Öffentlichkeit groß dazustehen, treten in die Fußspuren sogenannter Sektenbeauftragter oder Pfarrer. Die Aufwertung durch ”Obere” ist dann ihr ”Lohn”. Auf dem Pfad, andere schlechtzumachen, geht so mancher, vielfach auch deshalb, damit man seine eigene Niedrigkeit nicht sieht. Die Institutionen Kirche müssen ebenfalls von sich ablenken, damit man ihre Machenschaften nicht erkennen soll. Deshalb leuchten sie mit ihrem Schein - ihrer Scheinheiligkeit, die schon erheblich an ”Glanz” eingebüßt hat - auf andere.

Du sagst, daß du hin und wieder die Innere Geist=Christus-Kirche besuchst und daß wir dort auch mal herzhaft lachen. Warum denn nicht? Gott ist auch ein Gott der Freude. Gott ist nicht der Gott der Theologie, die Ihn in ein Schema pressen will, das Sakrament, Ritus und Glaubenssatz heißt, dessen Inhalt und somit Gehalt eine Mixtur menschlich-intellektueller Vorstellungen ist, eigenmächtig Erdachtes, um Macht über die Gottsuchenden zu gewinnen, diese zu binden und gebunden zu halten - doch nicht das Gesetz Gottes, Sein heiliger Wille, dem das Wasser des Lebens entspringt.

Das Düstere, Drohende, Strafende, Unbarmherzige haben Menschen Gott, dem Ewigen, zugeschrieben, doch ist dies nichts anderes als eine Projektion der eigenen Lieblosigkeit. Die Verdunkelung des Gottesbildes vollzog sich, als man das Wissen um das Gesetz von Saat und Ernte, das Jesus noch gelehrt hatte, dem Menschen nahm, so daß dieser nicht mehr in der Lage war zu erkennen, daß alles, was ihm widerfährt, die Folge des eigenen Denkens und Tuns ist. Das für ihn Unerklärliche seines Schicksals schrieb der Mensch sodann einem unberechenbaren, unbarmherzigen Gott zu und suchte sein Heil bei denen, die behaupteten, dieses allein in den Händen zu halten. Von der Liebe Gottes wurde und wird zwar noch gesprochen - doch welcher hoffnungslos in Elend und Bedrängnis Befindliche konnte und kann wirklich daran glauben?

Die Erlösertat des Jesus, des Christus, die Frohbotschaft, blieb ebenfalls ein nebelhaftes Gebilde, da keiner so recht weiß, worüber er sich freuen soll, denn Sonntag für Sonntag hat er den ans Kreuz genagelten Jesus vor Augen, der elendiglich geschunden und gequält am Kreuz hing und noch hängt. Ein Bild des Jammers und der Ohnmacht. Man singt zwar ”Jesus lebt, mit Ihm auch ich”, doch ob und auf welche Weise, blieb und bleibt letztlich im Nebel. Es ist dem göttlichen Kern unseres Wesens, der Christus-Erlöser-Kraft, in unserem Herzen zu verdanken, daß der Hoffnungsfunke im Menschen nicht erlöschen konnte.

 

Der Einheimische:
Prophet, gedenken die Urchristen am Karfreitag des Leidens und Sterbens von Jesus, und feiern sie auch zu Ostern Seine Auferstehung?

 

Der Prophet:
Du hast eine besondere Gabe, heikle Themen anzusprechen. Jetzt, lieber Bruder, habe ich einmal eine Rätselfrage an dich:

Alle Jahre wieder runter und rauf, runter und rauf - rauf und runter, rauf und runter. Was ist das?

 

Der Einheimische:
Ich weiß nicht, was du damit meinst. Denkst du vielleicht an die katholische Kirche, an das immer wieder Hinknien und Aufstehen während der Messe? Oder auch an das Aufstehen und Hinsetzen im Gottesdienst der Evangelischen? Wenn du das meinst, dann muß ich dir sagen, das gehört doch einfach zu unserer Tradition.

 

Der Prophet:


 

[...]

Der Einheimische:
Ich sehe das zum Teil auch so. Doch was soll man machen mit dem Weihnachts- und Osterfest. Ich finde keine Lösung.

 

Der Prophet:
Nimm ein Lösungsmittel, das heißt: Löse dich vom traditionellen Denken und Tun, denn solches hat uns Jesus nicht geboten. Lebe Schritt für Schritt so, wie es Jesus uns gelehrt hat, dann brauchst du auch nicht die Hochwürden der Tradition, sondern wirst Dem die Ehre geben, Dem alle Ehre gebührt.

 

Der Einheimische:
Das ist aber schwer, wenn ich an meine Familie und an meine Verwandtschaft denke, die alle in der Tradition eingebunden sind.

 

Der Prophet:
Wenn ein Vulkan so denken würde wie du, dann dürfte er nie ausbrechen, weil seine Lava viel Land überdeckt, um es später fruchtbar werden zu lassen. Wenn du dich nur von deinen Gedanken aufwühlen läßt, äußerlich aber immer schön stillhältst, um mit deiner Verwandtschaft gleichgeschaltet zu bleiben, dann erstickst du deine innere Entwicklung im Keim und wirst auch in deinen Mitmenschen niemals fruchtbares Leben anregen. Sie bleiben blind und an die hochehrwürdigen Traditionellen gebunden, um der Tradition treu zu bleiben, die mit der aktiven Lehre des Jesus, des Christus, nichts gemeinsam hat.

Wäre Gott so, wie Er in den Institutionen Kirche dargestellt wird, dann hätten wir alle freilich nichts zu lachen. Doch Gott ist die Liebe, die Freude, der Friede. Gott ist mit uns und für uns alle, weil wir Seine Kinder sind. Gott ist nicht in einer Kirche aus Stein, in welcher weder gesprochen noch gelacht werden darf, wo die Strenge des Sakraments waltet und das Kruzifix mit Corpus jedem, der es näher betrachtet, ein schlechtes Gewissen einflößt.

Jesus, der Christus, ist auferstanden. Das soll uns Freude sein, denn durch Seine große Tat der Erlösung dürfen auch wir auferstehen, wenn wir uns dem Auferstandenen zuwenden und nicht immer dem toten Mann am Kreuz, der uns anscheinend Schuldgefühle einflößen soll, damit wir den Amtskirchen - die dem toten Mann mehr Gewicht geben als dem auferstandenen Christus - die Ehre erweisen. Aufgrund des schlechten Gewissens der Kirchgänger, zu dem uns der Mann am Kreuz immer wieder anregen soll, zahlt so mancher sein Scherflein, in der Hoffnung, Gott werde ihm, dem armen Sünder, seine Sünden vergeben.

Doch Gott läßt Sich nicht bezahlen für das, was Er für uns tut. Er liebt uns, und so, wie wir uns Ihm zuwenden im innigen Gebet und in der Wachsamkeit gegenüber uns selbst, kommen wir Gott in unserem Herzen näher. Es gilt also, wachsam zu sein, ob wir den Tag nützen, ob wir mit unserem Nächsten Frieden schließen und Frieden halten. Es gilt, darüber zu wachen, was wir über unsere Mitmenschen denken, reden, wie wir ihnen gegenüber handeln, und ob wir uns bessern, indem wir unsere erkannten Sünden mit der Hilfe unseres Erlösers bereuen, um Vergebung bitten, unserem Nächsten vergeben und diese Sünden nicht mehr tun. Wir müssen also Gott nicht bezahlen, sondern sollten uns Ihm weihen, indem wir allmählich tun, was Jesus uns geboten hat: Liebet einander so, wie Ich - damit ist Jesus gemeint - euch geliebt habe, und so wie Er uns letztlich ewig liebt.

Einer, der gutgläubig des Sonntags in die Kirche geht, fragt selten, ob es Christus wirklich so will, wie es die kirchlichen Autoritäten ihren Gläubigen weismachen, die ihnen ein Brimborium und ein theologisch-intellektuelles Lehrgebäude vorsetzen, das Jesus nie wollte.

Die Apostel und Jünger Jesu waren sicherlich ungezwungene Menschen. Sie haben - wie man nachlesen kann - mit Jesus von Du zu Du gesprochen wie mit ihresgleichen. Warum sollen wir mit Christus heute nicht auch so sprechen können? Er hört und versteht uns, weil Sein Geist in uns lebt. Weil wir Urchristen im Gebet und durch die schrittweise Verwirklichung der Gebote Gottes und der Bergpredigt mit Christus sprechen - und auch weil wir danach streben, mit unseren Mitmenschen zu sein und nicht gegen sie -, haben wir, so wie du meinst, sicherlich einen anderen Wortausdruck, aber keinen speziellen urchristlichen "Dialekt". Weil Gott ein Gott der Liebe, Freiheit und Freude ist und weil der lebendige Christus Gottes uns von den Schatten unserer Vergangenheit befreit, die sich in den Situationen unseres Alltags zeigen, können wir auch lachen, auch in unserer Inneren Geist=Christus-Kirche, beim Treffen aller Gottsucher.

Übrigens haben wir Urchristen die Innere Geist=Christus-Kirche umbenannt, da viele Gottsucher sich an dem Wort "Kirche" stoßen, weil sie dieses in Verbindung mit der institutionellen Kirche bringen. "Innere Geist=Christus-Kirche" soll jedoch heißen: Die Kirche des Inneren, was besagt, daß wir der Tempel Gottes sind und der Christusgeist in uns wohnt. Da wir die Aussage "Innere Geist= Christus-Kirche" nicht immer dem Sinn nach erläutern können, sind die Urchristen der Bitte vieler Gottsucher in aller Welt nachgekommen und haben den Sinngehalt der Worte "Innere Geist=Christus-Kirche" in neuer Bezeichnung wieder zum Ausdruck gebracht: Orte urchristlicher Begegnung - Treffen aller Gottsucher. Kosmische Lebensschule. Christus, der Schlüssel zum Tor des Lebens.

Gott möchte, daß wir vom Herzen her freudige Menschenkinder sind und nicht beständig mit Schuldgefühlen beladen. Sind wir letzteres dennoch, so gehen wir nicht den Weg, den Jesus uns wies, und nehmen Seine Erlösung nicht an.

Lieber Einheimischer, darf ich dich als Bruder ansprechen? Wir sind wohl gläubige Menschen, jedoch keine Heiligen. Wir glauben nicht an den sogenannten "Heiligen Vater", den Papst, und feiern auch nicht Allerheiligen, weil wir an den Einen Heiligen glauben, an Gott, der unser aller Vater ist, und an Christus, unser aller Erlöser. Ob du es glauben magst oder nicht, wir gehen auch hin und wieder in Wirtshäuser und trinken gern ein oder zwei Glas Bier oder ein Gläschen Wein; wir betrinken uns jedoch nicht. Das hat mit "angeheitert" nichts zu tun, das ist hin und wieder auch mancher Urchrist. Wer soll uns dies verbieten? Christus nicht - und ich schon gar nicht, denn ich bestimme nicht, wenn auch kirchliche Beauftragte solches von mir behaupten, die ein Bild von mir gezeichnet haben und zeichnen, das mit der Wirklichkeit nichts gemeinsam hat.

Es stimmt, wir essen weder Wurst noch Fleisch. Wir sehen in den Tieren das Leben des Schöpfers und wissen - letztlich aus eigener Erfahrung, und das kannst du mir sicher bestätigen -, daß Tiere vielfach feinere Empfindungen haben als wir Menschen. Jesus sagte sinngemäß: Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu. Oder: Was du willst, daß dir andere tun, das tue du ihnen zuerst. Die "anderen" sind für uns nicht nur unsere Mitmenschen, sondern auch die Tiere, unsere Übernächsten. Was wir diesen antun, auch dann, wenn wir sie für unsere Zwecke töten, ist Gewalttätigkeit und wird uns einst selbst widerfahren. Das gilt auch für das Jagen und Abschießen der Tiere in Wald und Flur. Wer nicht so behandelt werden möchte, wie es vielfach den Tieren geschieht, der sollte an diesen Geschöpfen so handeln, wie er behandelt werden möchte.

 

Der Einheimische:
So ist das also. Mir scheint, ihr seid wohl besser als wir. Ich bin evangelisch ...

 

Der Prophet:
Halt, lieber Bruder! Wir sind nicht besser als du. Wir sind alle untereinander Brüder und Schwestern und vor Gottes Angesicht gleich, auch wenn du evangelisch bist. Wir bitten dich, mach keine Unterschiede zwischen Protestanten und Urchristen. Wir haben alle denselben Gott, denn es gibt ausschließlich den Einen Ewigen. Wir alle sind Seine Kinder. Wir unterscheiden uns lediglich darin von Kirchenchristen, daß wir an das äußere Gehabe, das die beiden kirchlichen Institutionen evangelisch und katholisch vorschreiben, und an ihre Lehrsätze nicht glauben. Auch glauben wir nicht, daß allein der Glaube an die Erlösung durch Christus genüge, um Vergebung aller Sünden zu bekommen, wie es die lutherische Lehre sagt. Wäre das so, dann müßte sich derjenige als Tor bezeichnen, der sein Leben an den Zehn Geboten und der Bergpredigt mißt. Wozu bräuchten wir dann die Gebote und die Bergpredigt, wenn der bloße Glaube allein genügte? Hätte dies Jesus gesagt, dann würde die Aussage Martin Luthers stimmen: "Sündige tapfer, doch glaube noch tapferer", was bedeuten würde, daß es nicht darauf ankommt, ob ein Mensch Unrecht tut, wenn er nur den rechten Glauben hat, denn es wird ihm ja alles dank Christus wieder vergeben. Entspräche das, was Luther predigte - "Sündige tapfer, doch glaube noch tapferer" - dem Willen Gottes, wozu hätte uns Gott dann in den Zehn Geboten und Jesus in der Bergpredigt erklärt, wie wir uns verhalten können?

Jesus sprach vom Tun Seiner Lehre, daß der, der Seine Lehre tut, einem klugen Mann gleicht, der sein Haus auf Felsen baut. Er lehrte uns auch, daß der, der Seine Lehre hört und sie nicht tut, einem törichten Mann gleicht, der sein Haus auf Sand baut. Wir Urchristen bemühen uns, die Lehre Jesu zu befolgen und entsprechend zu handeln.

 

Der Einheimische:
Das sehe ich ein, daß es keine rechte Art wäre, anders zu reden und zu tun, als man denkt und als man weiß, wie es gut wäre. Ich begreife langsam, ihr Urchristen seid nicht anders, so gesehen, als wir auch.

Wo ich schon mal dran bin am Fragen: Wie macht es ihr Urchristen, wenn einer von euch, also ein Urchrist, stirbt? Beerdigt ihr ihn selbst, oder wie ist das?

 

Antwort des Propheten:


 

[...]

Der Einheimische:
Prophet, ich finde, du hast keine Pietät, keine Achtung vor dem Tod.

 

Antwort des Propheten:
Wenn du glaubst, ich sei pietätlos und hätte keine Achtung vor dem Tod, dann ist das eben deine Meinung. Ich werde mich nicht rechtfertigen. Ich werde dir nur meine Gesinnung über den Tod sagen. Ob du es glaubst oder nicht - das überlasse ich dir.

Das Wort "Tod" bedeutet das "Aus" für den irdischen Leib, der nichts ist als eine vergängliche Hülle. Sie zerfällt, sobald das Leben, das der Seele innewohnt, entweicht. Ich kann doch vor etwas, das aufgehört hat zu existieren, keine "Achtung" haben. Ich habe Achtung vor dem Wesen, das im Menschen war und beim Tod diesen verlassen hat. Was zurückbleibt, ist eine leere Hülle, der man in Achtung das letzte Geleit gibt, weil man Achtung vor dem Wesen hat, das die Hülle verließ. In dem Wesen, das die Hülle verlassen hat, ist das Leben, Gott; diesem gegenüber habe ich nicht nur Achtung, sondern auch Ehrfurcht. Doch selbst einen toten Körper sehe ich nicht als ein Abfallprodukt an, sondern als einen Teil der Erde, denn der Leichnam besteht aus Wasser und Erde und geht wieder in die Erdsubstanzen zurück. Ich achte die Naturgesetze. Deshalb beachte ich auch den Leichnam, das abgelegte Kleid, das ich aber nicht vor die zu Gott wandernde Seele stelle. Die Beerdigungen konfessioneller Christen hingegen entsprechen nicht immer der Pietät - wenn z.B. anschließend ein ausgelassener Leichenschmaus gehalten und vielleicht gar schon um das Erbe gestritten wird.

Wie siehst du es, Bruder?

 

Der Einheimische:
Prophet, du sagst mir ganz schön Bescheid, wo ich vielleicht nicht richtigliege - das gefällt mir! Und wenn ich das so höre, merke ich, es ist was dran an dem, was du sagst. Das hab ich nämlich auch schon manchmal gedacht. Wenn du auch ganz deutlich sagst, wie du es siehst - trotzdem spür ich, du willst mich nicht überzeugen. Ja, das ist gut; da ist kein Zwang; ich hab die Freiheit.

Prophet, eins versteh ich nicht: Ich war doch vorhin direkt frech zu dir und hab gesagt, du hast keine Pietät und so weiter. Da hast du nichts dagegen gesagt. Ich hätte verstanden, wenn du mir eine draufgegeben hättest. Hast du aber nicht. Prophet, warum verteidigst du dich nicht?

 

Antwort des Propheten:
Warum soll ich mich verteidigen? Dabei prallen doch nur Meinungen auf Meinungen. Es treten immer mehr Mißverständnisse auf, und zuletzt geht man uneins oder gar im Streit auseinander. Jeder glaubt dann, er habe recht. Ich stütze mich nicht auf das Recht und die Rechthaberei, sondern auf die Gerechtigkeit, und die ist Gott. Nach dem Gesetz: Was der Mensch sät, wird er ernten, oder, wie der Volksmund sagt: Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher. So kommt eines Tages alles an das Licht, wenn nicht mehr in diesem Erdenleben, dann in einem anderen Dasein, und sei es als Seele in den Stätten der Reinigung, in denen sich die Seelen befinden. Wir Urchristen haben den Grundsatz, nicht über den religiösen Glauben zu streiten. Wir sagen schlicht, wie wir es halten, und stellen richtig. Der Nächste kann es annehmen oder auch nicht.

 

Der Einheimische:
Aha, jetzt willst du mir beibringen, daß was dran ist an der Reinkarnation, daß wir immer wieder als Menschen in diese Welt kommen. Das ist doch aber nicht christlich, sondern östlich.

 

Antwort des Propheten:
Ich will dir gar nichts beibringen, denn ich missioniere nicht, auch nicht bezüglich der Reinkarnation. Ich glaube an Wiederverkörperungen der Seele; das ist auch die einzige Erklärung für vieles, was ich ohne dieses Wissen nie verstanden habe: warum es dem einen Menschen, der z.B. ein Ausbeuter oder Menschenverächter ist, ein Dieb oder ein Mörder oder, oder, oder ... gut geht; ein anderer hingegen, der von Kindesbeinen an nach seinem Gewissen gehandelt und ein bescheidenes Leben geführt hat, muß eventuell sein ganzes Leben lang viel Leid und Schmerz erdulden. Letzterer könnte sich, so man ihn fragte, nicht erinnern, in diesem Leben das "gesät", also verursacht zu haben, was diese leidvolle "Ernte" hätte hervorbringen können. Die Ernte ist spürbar da: Krankheit, Not, Schmerz, Leid. Da er somit erntet, muß er gesät haben. Nur der, der weiß, daß er bereits vor diesem Erdenleben als Mensch gelebt hat, kann sich ein solches Schicksal erklären. Er wird dann auch nicht mehr dem "Schicksal" oder Gott oder bestimmten Mitmenschen die Schuld an dem geben, was über ihn hereingebrochen ist. Und wer heute sündigt und in diesem Erdenleben die entsprechende Wirkung noch nicht erfährt, kann gewiß sein, diese in weiteren Existenzen erleben zu müssen, dann, wenn er sich der Gnade Gottes nicht bewußt ist, die ständig das Gewissen schlagen läßt, die erkannten Sünden, die sich im Denken, Reden und Handeln zeigen, auf dem von Jesus gelehrten Weg zu bereinigen: Bereue deine erkannten Sünden, bitte den Geschädigten um Vergebung, vergib dem, der gegen dich gesündigt hat, mache gut, was noch gutzumachen ist, und tue diese Sünde nicht mehr.

Das Wissen um die Reinkarnation hebt auch die panische Angst der institutionellen Christen vor der ewigen Verdammnis und dem Fegefeuer, also vor den Höllenstrafen, auf. Ist es nicht vielfach eine Angstpsychose, in der die konfessionellen Christen leben? Es ist richtig, daß die Reinkarnation nicht evangelische oder katholische Lehre ist. Nichtsdestoweniger ist sie eine Wahrheit, die nicht nur in den östlichen Lehren zu finden ist, sondern sie war auch Bestandteil der Lehre und des Glaubens der ersten Urchristen vor ungefähr 2000 Jahren, der Alt-Urchristen, wie apokryphe Schriften beweisen. Jesus war weder katholisch noch lutherisch. Deshalb lehren die beiden Institutionen die Reinkarnation nicht. Sie lehren nun mal nur katholisch und lutherisch, aber nicht die Lehre des Jesus von Nazareth.

 

Der Einheimische:
Das ist mir alles neu. Kannst du beweisen, daß es die Reinkarnation gibt?

 

Der Prophet:
Den Glauben und die Reinkarnation kann man nicht beweisen. Deshalb missionieren wir auch nicht, wir wollen nicht überzeugen. Wir lehren unseren Glauben z.B. in urchristlichen Veranstaltungen - zu denen kommen kann, wer möchte -, doch wir zwingen niemanden, unseren Glauben anzunehmen. Der religiöse Glaube beweist sich am besten dadurch, daß die Gläubigen tun, woran sie glauben. Unsere urchristliche Devise heißt: Rede nicht nur von deinem christlichen Glauben, sondern tue das, woran du glaubst. Das ist überzeugender als vieles Reden. Bei den Urchristen gibt es also das Missionieren nicht.

 

Der Einheimische:
Was du sagst, kommt mir ganz plausibel vor. Das ist ja richtig spannend! Der Gedanke, daß ich eventuell schon mal gelebt habe und noch weitere Leben vor mir habe, macht mich immer neugieriger. Prophet, erzähle mir doch bitte mehr über Reinkarnation! Warum sollen wir immer wiederkommen? Was hat das für einen Sinn?

Im übrigen muß ich dir sagen: Du bist vielleicht ein Original! Du gefällst mir immer besser.

 

Der Prophet:


 

[...]

Der Einheimische:
Prophet, darf ich dich unterbrechen? Ich hab verstanden, daß die Reinkarnation einen Sinn hat. Du sagst, die zentrale Lehre des Jesus, des Christus, ist das Bereuen der Sünden, die Bitte um Vergebung, die Vergebung, die Wiedergutmachung und das Nicht-mehr-Tun von dem, was wir vorher falsch gemacht und anderen damit geschadet haben. Sehe ich das richtig? Und wenn es stimmt, daß jeder nur das erntet, was er irgendwann selbst gesät hat, dann wären nach der Lehre der Reinkarnation alle, denen das Leben Übles bringt, an diesem Übel selber schuld. Wo aber ordnest du die Gnade ein? Wie ist es mit der Gnade vereinbar, daß gerade in unserer Zeit unzählige Menschen zu leiden haben: durch Hunger, durch Krankheit, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und noch viel mehr. Und dann denke ich an die immense Kriminalität. Täglich wird es mehr und schlimmer. So viele brutale, grausame und gemeine, ja teuflische Verbrechen gab es doch noch nie. Wo bleibt da die Gnade Gottes?

 

Antwort des Propheten:
Lieber Bruder, willst du behaupten, daß Gott an der ganzen Misere schuld sei? Betrachten wir unsere Gerichtsbarkeit, die immer dem Urheber die Schuld zuweist und den Urheber bestraft. Wäre Gott an all dem schuld, was in dieser Welt geschieht, dann wäre Er ja letztlich der Urheber all dieser Missetaten und somit ein Wesen, das nicht nur Verachtung verdiente, sondern auch die Bekämpfung. Dann müßte eigentlich unsere Rechtsprechung den Ur-Urheber bestrafen und nicht ausschließlich den Urheber, den Menschen.

Zum besseren Verständnis will ich dir ein Bild geben, das in unsere Welt paßt und von dem wir auch das Verhalten Gottes uns gegenüber ableiten können.

Ein Grundbesitzer hat drei Söhne und zwei Töchter und ein großes Vermögen. Seine fünf Kinder sind reife Menschen, die er, der Vater, schätzt und liebt. Eines Tages spricht er zu seinen Kindern: "Mein Vermögen ist unendlich groß. Ich will es euch Fünfen vererben. Jedem von euch gehört alles, doch jeder einzelne hat entsprechend seinen Fähigkeiten seinen Bereich, den er bearbeiten und vermehren soll. Das große Vermögen will ich nicht aufteilen und Parzellen schaffen, sondern, wie schon erwähnt, jedem von euch gleichermaßen zukommen lassen. Da aber jeder von euch andere Fähigkeiten besitzt, so soll jeder entsprechend seinen Fähigkeiten den Bereich bewirtschaften und vermehren, der seinen schöpferischen Anlagen entspricht. Ich möchte nichts für mich besitzen, fühle mich jedoch eingebunden in das große Vermögen."

Lieber Bruder, du glaubst doch an die Worte der Bibel. Das Gleichnis von der Erbschaft ist in der Bibel in dem Bild der Talente bzw. dem Gleichnis vom anvertrauten Geld wiedergegeben.

Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.

Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

Die Bibel erzählt auch, was geschah, als der Mann von seiner Reise zurückkam: Die beiden ersten Diener haben sich richtig verhalten, der dritte Diener hat das ihm anvertraute Talent nicht genutzt, weil er Angst hatte, Fehler zu machen.

Der Vater in unserem Bild gab also seinen Kindern das ganze Vermögen. Sie sind alle Erben des Ganzen und somit auch verantwortlich für ihr Handeln. Was würden die Erben sagen, wenn nun der Vater, der ihnen alles vermacht hat, in ihre Handlungsweise eingreifen und seine Kinder bestimmen würde, zu tun, was er, der Vater, will? Die Auflehnung der Kinder wäre die Folge. Würden sie dann doch tun, was der Vater bestimmt, dann blieben sie Unmündige. Sie könnten ihre Fähigkeiten nicht entfalten. Die Folge wäre, daß sie ihr Erbe gar nicht verwalten würden und mit der Zeit auch nicht mehr verwalten könnten, weil der Vater ihnen die Freiheit zur schöpferischen Entfaltung genommen hätte. Wer keine Fehler macht oder keine Fehler machen darf, der kann aus seinen Fehlern nicht lernen, kann auch sein Erbe nicht weise bestellen und es auch nicht vermehren.

Wie verhält es sich mit Gott, unserem ewigen Vater?

Vergegenwärtigen wir uns, daß wir vor dem Sündenfall reine, himmlische Wesen waren und durch Christus, unseren Erlöser, wieder in unsere Heimat zurückfinden als reine Wesen, als Söhne und Töchter Gottes. Der ewige himmlische Vater gab Seinen reinen Kindern - auch uns, die wir einst reine Wesen waren - die ganze Unendlichkeit, die Himmel mit all ihren Wesensformen und Kräften als Erbe. Unser reiner Geistleib ist die Essenz des göttlichen Erbes, das wiederum das Gesetz Gottes, das Gesetz der Liebe, Güte und Freiheit, ist.

Alle reinen Wesen sind also Erben des Reinen in der ganzen Unendlichkeit. Alle göttlichen Kräfte des Seins sind Gesetzmäßigkeiten Gottes, der Liebe, der Güte, der Freiheit und der Einheit. Jedes reine Wesen bringt in diesem großen, gesetzmäßigen Schöpfungslauf seine göttliche Mentalität, in der verschiedene Fähigkeiten wirksam sind, zum Ausdruck. Weil Gott den reinen Wesen die ganze Unendlichkeit als göttliches Erbe schenkte und Er als Strom und Lebenskraft die unermeßliche Schöpfungsquelle weiteren Gebens ist, ist auch Er eingebunden in das unendliche Erbe, das Er in Zyklen vermehrt, indem Er weitere Urkräfte hineinströmen läßt, welche die reinen Wesen als weiteres Erbe empfangen.

Gott gab also Seinen reinen Kindern die ganze Unendlichkeit als Erbe und somit auch den freien Willen, zu schöpfen und zu gestalten. Da sie eins sind mit dem urewigen Erbe - das auch in den göttlichen Formen wie Mineralien, Pflanzen, Tieren und reinen Wesen das allwaltende Gesetz ist -, sind sie absolut freie Wesen und somit uneingeschränkt in ihren Handlungen, mündige Söhne und Töchter Gottes, die im Einklang mit dem ewigen Vater und Seiner großen schöpferischen Kraft gestalten und wirken.

Gott ist, und was Gott Seinen reinen Wesen gegeben hat, das wird Er ihnen auch nicht nehmen - auch dann nicht, wenn sich ein Teil Seiner Geschöpfe von Ihm abgekehrt und gegen Ihn gehandelt hat und handelt. Er ist immer derselbe, immer der Geber, der in den Lauf des Geschehens nicht eingreift, weil Seine Kinder die Erben der Unendlichkeit sind.

Lieber Bruder, ob du es nun glauben magst oder nicht - Gott, unser ewiger Vater, sieht uns Menschen, die wir unserem göttlichen Erbe zuwiderhandeln, nicht nur als die Sünder und nicht als Unmündige, denn Er greift nicht in die unendlichen Gaben ein, in unser göttliches Erbe. Er sieht in uns Menschen immer die Erben der Unendlichkeit, Seine Söhne und Töchter der Himmel, auch dann, wenn wir gegen unser göttliches Erbe, gegen das Gesetz der Liebe, Güte und des Friedens handeln. Gott greift nicht in unser Sündhaftes ein, sonst würde Er uns zu unmündigen Menschen machen, die dann auch in den ewigen Himmeln unmündige Wesen wären. Gott gab uns die Essenz aus unserem göttlichen Erbe. Es sind die Zehn Gebote und die Bergpredigt Jesu. Richten wir uns danach, dann treten wir auch wieder bewußt unser göttliches Erbe an, weil wir dann tun, was dem Gesetz Gottes entspricht, das Liebe ist, Güte, Freiheit, Einheit, Gerechtigkeit, und, und, und.

Gerade uns Christen ist also geboten, uns an der Lehre Jesu zu orientieren, damit uns Jesus, der Christus, ins Vaterhaus zurückzuführen vermag. Erfüllen wir die Gesetzmäßigkeiten, die Zehn Gebote und die Bergpredigt, die letztlich unser göttliches Erbe sind, dann erleben wir die große Gnade Gottes, die uns durch Christus, unseren Erlöser, die Hand reicht und uns heim führt aus dem Rad der Wiederverkörperungen, hin zu unserem göttlichen Erbe und in das Vaterhaus, wo unsere Wohnungen von Urewigkeit her sind.

Die Gnade Gottes, die für uns die Hilfe ist, unsere Sünden zu erkennen und sie nicht mehr zu tun, kann uns doch nur dann zuteil werden, wenn wir das auch wollen, also gleichsam bereit sind, die Schrittchen oder Schritte hin zu unserem göttlichen Erbe, hin zu Gott, unserem Vater, zu tun.

Hier möchte ich das Gleichnis vom verlorenen Sohn anführen, der in die Fremde ging und von Seinem Vater erst dann aufgenommen wurde, als er reumütig zurückkehrte. Von der Welt, in der er bis zu seiner Heimkehr gelebt hatte, brachte er nichts mit; er brachte sich selbst dem Vater, was besagt: sein Herz war geläutert, und seine Kinderliebe, das reine Herz, fand Einlaß in das Haus des Vaters. Ähnlich ist es mit uns Menschen. Lassen wir die Welt der Sünde, reinigen wir unsere Seele mit der Hilfe unseres Erlösers, dann werden wir auch das reine Herz mitbringen in das Vaterhaus, und das ist wieder unser göttliches Erbe, das Reine, das Edle, das Feine, die Liebe, die Güte, die Sanftmut, die Freiheit und die Einheit. Uns bleibt also auch in der Gottferne die Freiheit, die wir aus dem ewigen Sein empfangen haben, und somit der freie Wille, entweder zu tun, was Gott will und was letztlich unser göttliches Erbe ist - oder uns von unserem göttlichen Erbe abzukehren und unser sündhaftes Erbe zu schaffen, das - aufgrund des Gesetzes von Saat und Ernte - mit der Zeit Krankheit, Not, Leid, Schicksal und vieles mehr bringt. Es ist das, was wir in den verschiedenen Erdenleben geschaffen und nicht mit der Hilfe des Christus Gottes bereinigt haben. Es ist unser sündhaftes Erbe, das wieder auf uns zukommt, ebenso wie unser göttliches Erbe auf uns zukommt, sofern wir das tun, was uns Gott in den Zehn Geboten geboten hat und Jesus in der Bergpredigt.

Lieber Bruder, überlege: Gott hat uns nicht befohlen - nur geboten, und uns damit gesagt: Du hast Freiheit aus Mir und den freien Willen, dein göttliches Erbe anzutreten und frei zu sein oder dein sündhaftes Erbe zu schaffen, das wieder auf dich zukommt.

Also kann gesagt werden: Was uns widerfährt, das ist ein Teil unseres sündhaften Erbes; es ist das, was wir selbst geschaffen haben.

Und stellen wir einmal die Frage: Wer trägt die Hauptschuld - ich betone bewußt: die Hauptschuld - an dem Zustand dieser Welt? Die sogenannten christlichen Amtskirchen! Sie lehren ihr Brimborium mit ihren Riten, Kulten und Zeremonien. Die einfache Lehre des Jesus von Nazareth wird nur nebenbei erwähnt und teilweise für unerfüllbar erklärt. Sie ist aber das Wesentliche für das Leben eines jeden Christen: Erkenne deine Sünden, bereue sie von ganzem Herzen und bereinige sie; das heißt: Bitte um Vergebung, vergib, mache wieder gut, was noch gutzumachen ist, und tue diese Sünden nicht mehr. Die zentrale Lehre des Jesus, des Christus, kann auch folgendermaßen ausgedrückt werden: Was du nicht willst, daß man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu. Oder: Was du willst, daß man dir tu’, das tue du den anderen zuerst.

Würden alle, die sich Christen nennen, sich an dieser zentralen Lehre Jesu orientieren, in dem Bewußtsein, daß das, was der Mensch sät, er auch wieder ernten wird - außer, er nützt die Chance der Gnade, indem er seine Sünden im Tagesgeschehen erkennt und den Weg der Reue und Bereinigung seines Sündhaften geht -, dann gäbe es in dieser Welt viel weniger Opfer und Täter. Menschen würden in dem Aufgewühltsein ihrer Gefühle und Empfindungen, in ihren negativen Gedanken und Wünschen, die sie zu Handlungen treiben könnten, rechtzeitig ihr Sündigen-Wollen erkennen und es auf dem Weg der Lehre Jesu, der Reue und Bereinigung, aufgeben. Dann bräuchten wir keine Amtskirchen, keinen Papst mit seinem Schaugepränge, keine Kardinäle, Bischöfe, Priester, Pfarrer und Pastoren. Dann wäre Jesus, der Christus, unser zentraler Lehrer, Dem wir nachfolgen, so, wie Er es uns geboten hat: Folget Mir nach.

Den Christen ist geboten, die Lehre Jesu in die ganze Welt zu tragen, also das Evangelium der Liebe, des Friedens und der Einheit, womit natürlich nicht das bloße Wort, der Buchstabe, also das Wissen gemeint ist, sondern die gelebte Botschaft, das durchlebte Wort, in dem die Kraft Gottes zum Tragen kommt - die Tat in Seinem Geiste. Blicken wir in die Vergangenheit, so sah es anders aus. Die Christen kamen mit Schwertern und Stangen - siehe Kreuzzüge -, Holz und Fackeln, um Scheiterhaufen aufzurichten, sie zu entzünden, um ihren Wahnvorstellungen, ihre Mitmenschen seien des Teufels, Ausdruck zu verleihen.

Man sollte es sich einmal klar machen, was die Vertreter der Kirche, die solches anordneten und durchführen ließen, ihren Kirchenschafen für ein Beispiel gaben und was die angeblichen Seelenhirten in den Seelen und Menschen, die ihnen zumeist blind zu folgen gewohnt waren, anrichteten. Sie stifteten an zur Abwertung der Nächsten bis hin zur Denunziation. Mit dem grausamen Schauspiel der Verbrennung von Menschen z.B., die sie als "Ketzer und Hexen" bezeichneten - die eventuell nichts anderes waren als gewissenstreue, standhafte Gottsucher -, regten sie die niedrigsten und verwerflichsten Instinke in jenen Menschen an, die sich zu der schaulustigen, sensationshungrigen Masse zusammenfanden.

Dies alles geschah im Zeichen des Kreuzes und unter dem Namen "Christus", begleitet von der Anrufung Gottes. Die so handelten, die folterten, peinigten, aburteilten, mordeten, nannten sich "Christen". Welch Hohn und Spott auf Christus! Und wahrlich keine Anregung, mit der Lehre des Nazareners ernst zu machen: Erkenne dich selbst in deinen Gemütsaufwallungen, und bereinige den Balken in deinem eigenen Auge; was du nicht willst, daß man dir tu’, das füg' auch keinem anderen zu.

Sünde macht blind, das heißt: Durch fortgesetztes Handeln gegen die Gebote Gottes stumpft das Gewissen ab und verstummt schließlich. Unser Gewissen aber ist der Mahner im Gesetz von Saat und Ernte. Die Reinkarnation gibt jedem die Chance, auch schwere Sünden zu bereinigen. Nicht jede Seele, die erneut Mensch wird, nimmt diese Chance wahr.

Heute gibt es keine Scheiterhaufen mehr. Der schaulustige und sensationshungrige Christ holt sich seinen Nervenkitzel vor dem Fernsehapparat, mit Video-Spielen, als Surfer im Internet und, und, und ... Die Vertreter der Kirchen verbrennen auch keine "Ketzer" mehr auf Scheiterhaufen. Statt des Begriffs "Ketzer" heißt es heute "Sekte". Und auch die Inquisition gibt es nicht mehr unter diesem Namen.

Heute, in dieser Welt, sind es die sogenannten Sektenbeauftragten, die wieder jene verfolgen, die nicht der jahrhundertelang bestehenden Allianz zur Verfolgung von Mitmenschen angehören, sondern die es vielfach mit der Lehre Jesu ernst nahmen und ernst nehmen. Die Vertreter der Amtskirchen und die ihnen Hörigen haben versagt. Diese Welt ist so, wie sie sind.

Der auferstandene Jesus, der Christus, lebt durch jene Menschen, die Jesus, dem Christus, die Ehre geben, und nicht einer zerstörerischen Macht.

 

Der Einheimische:
Was du hier gesagt hast, darüber muß ich nachdenken.

 

Der Prophet:


 

[...]

Der Einheimische:
Also sind alle Menschen verschieden. Und nach dem, was du vorher erklärt hast, muß auch das Schicksal jedes Menschen verschieden sein. A propos Schicksal: Wenn ich daran denke, wird mir schon ganz anders.

Prophet, erkläre mir doch bitte noch einmal die Gnade Gottes.

 

Antwort des Propheten:
Gern! Gnade heißt: Du empfängst rechtzeitig die Gnade als Hilfe, bevor eine deiner vielen Ursachen wirksam wird, bevor dir also deine Saat eine bestimmte Ernte in Gestalt eines Schicksals beschert. Die Gnade ist die Kraft, um deine Sünden zu bereuen und zu bereinigen - natürlich nur dann, wenn du dies möchtest. Ausschlaggebend ist, daß d u es möchtest. Hierzu sprach Jesus sinngemäß: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Bitten wir nicht um Beistand und um Hilfe, unser Sündhaftes zu erkennen und zu beheben, so wollen wir weiter sündigen. Wer soll uns die Sünden nehmen, wenn wir sündigen wollen? Soll uns die Gnade zwingen, nicht mehr zu sündigen? Es liegt also an uns, ob die Gnade Gottes wirksam werden kann oder nicht. Würdest du für eine Sache Energie aufwenden, wenn du weißt, daß dein Nächster keine Hilfe möchte, wenn er weiter so handeln will, wie er handelt? Unser Schicksal liegt in unserer Hand.

 

Der Einheimische:
Prophet, das kann ich nicht so ohne weiteres schlucken. Was du sagst, will ich nicht glauben, wenn auch vieles mir logisch vorkommt. Ich kenne mich plötzlich gar nicht mehr aus. Was du von Gott sagst - das ist doch nicht der Gott, den ich von der Schule und vom Konfirmandenunterricht her kenne! Es kann doch nur eine Art von Gott geben! Welcher ist der richtige? Was soll man da noch glauben?

 

Antwort des Propheten:


 

[...]

Der Einheimische:
Wie? Hast du ein Rezept?

 

Der Prophet:
Ein Rezept habe ich nicht, aber ich kann dir schildern, wie ich Gott erleben durfte und darf.

Vor etwa 25 Jahren war ich noch kein Werkzeug des Geistes Gottes, doch ich begann nach einem schweren Schicksalsschlag, Fragen zum institutionellen katholischen Gott zu stellen, von Dem ich - wie viele Katholiken - annahm, daß Er weit über den Wolken im Himmel sei und Güte, Liebe und Strafe austeile. Meine Fragen lauteten ungefähr folgendermaßen: Existiert Gott überhaupt? Wenn ja, wo ist Er? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wenn ja, so überlegte ich, dann muß es ein übergeordnetes Wesen geben, das das Leben ist, auch das der sogenannten Toten. Wo sind unsere verstorbenen Angehörigen, wenn es ein Jenseits geben soll? Wo sind z.B. "die armen Seelen"? Wo werde ich sein, wenn ich gestorben bin?

Weiter stellte ich - zunächst ins Blaue hinein - Fragen an Gott, die sinngemäß lauteten: Kannst Du mich hören? Kannst Du mich verstehen? Nimmst du Dich überhaupt der Sünder an? Nützt es, zu beten, wenn Du doch weit entfernt bist? Kannst oder willst Du überhaupt die Gebete der Menschen hören, oder hast Du keine Zeit, weil Du damit beschäftigt bist, das Für und Wider des einzelnen Menschen in Deine Buchhaltung einzuschreiben? Warum bestrafst Du Unschuldige und holst Kinder und Menschen in der Blüte ihres Lebens von der Erde? Warum läßt Du so viel Leid zu, auch an den Tieren? Vielleicht existierst Du gar nicht! Warum verbirgst Du Dich vor uns Menschen? Warum sagt man von Dir, dem Gott, Du wärst der Vater aller Menschen. Ein guter Vater nimmt sich seiner Kinder an, doch Du läßt viele Menschen verkommen und tötest sie in jungen Jahren. Ich habe Sehnsucht nach einem gerechten Gott, der mein Vater sein soll. Zum einen will ich glauben, daß Du existierst, doch wenn ich das Leid der Menschen sehe, kann ich es nicht glauben. Müssen Dir alle Menschen ein solches Brimborium bringen wie die katholischen Priester, um Dich gnädig zu stimmen? Dafür habe ich keine Ader; dann muß ich Dich eben lassen.

Plötzlich kam ein Gedanke: Ich werde es ausprobieren, ob es einen Gott gibt, der mir auch dann gnädig ist, wenn ich das Brimborium nicht mitmache. - Wenig später reichte mir jemand ein Buch und sagte: Du suchst Gott. Vielleicht findest du hierin einige Anhaltspunkte. - Der Inhalt dieses Buches erschien mir logisch. Der nächste Schritt war, daß ich eine Bibel aufschlug, und siehe da, ich fand bei Matthäus die Bergpredigt. Ich las sie und dachte: Das also will mir Jesus sagen! Ich nahm immer wieder einige Aussagen aus Seiner Bergpredigt und dachte in Abständen darüber nach. Sonderbar - in mir wurde es stiller. Die aufgebrachten Gedanken gegen Gott ebbten ab, und die Aussagen aus der Bergpredigt erschienen mir immer logischer. Wie aus heiterem Himmel kam wieder ein Gedanke: Vielleicht sollte ich doch beten. Ich begann zu beten, doch es ging nicht so recht. Immer wieder stieg in mir das Bild auf von dem Gott, der irgendwo thront. Immer wieder kamen mir jedoch auch Gedanken über die Aussagen der Bergpredigt. Ich hörte mit dem Stammeln meiner Gebete auf und dachte: Diese Gebete kann Gott sicher nicht vernehmen! Es war ein Dahergeplappere.

Wieder beschäftigten mich die Gedanken über Gott. Plötzlich dachte ich: Er kann so fern nicht sein! Wenn Er der Vater aller Menschen ist, dann ist Er auch m e i n Vater. Ein weiser Gott kann nicht so fern sein, also muß Er meine Gebete hören. Ich suchte im Wohnhaus eine stille Ecke und versuchte nun, konzentriert zu beten. Plötzlich merkte ich, daß ich durch das Gebet ruhiger und gelassener wurde. Es war, als hätte ich Antwort von Gott erhalten. Diese Ruhe und diese Gelassenheit taten meinem wunden und suchenden Herzen gut, das von weiteren Schicksalsschlägen aufgepeitscht war.

Immer wieder suchte ich das Gebet. Plötzlich erkannte ich, daß sich meine Gebete total veränderten. Ich sprach keine Erwartungen mehr aus, sondern ich begann im Gebet frei zu Gott zu sprechen, wie z.B.: Wenn Du mein Vater bist, dann will ich vertrauensvoll zu Dir kommen und Dir sagen: Mich schmerzt mein Herz, weil ich einen liebgewordenen Menschen verloren habe. Ich bitte Dich, bewahre die Seele in Deiner Güte, Liebe und Barmherzigkeit. - Plötzlich fuhr ich auf - wie kann ich so beten? Woher kommt das? Wer sagt mir solche Gebete ein? Ich kannte bisher nur die vorgesprochenen Gebete von Priestern oder die Gebete im Gesangbuch.

Immer mehr zog es mich in die Ecke zum Beten, und stets war ich nach dem Gebet gestärkt, froh, freudig, zuversichtlich. Ich dachte: Das könnte die Antwort Gottes sein. Ich wurde immer mutiger und sprach Gott als meinen Vater an. Als Kind kam ich im Gebet zu Ihm, legte Ihm alles hin, was mich bedrückte, sagte Ihm aber auch, was mich erfreute oder was mich erregte und ärgerte. Nach dem Gebet hatte ich das Gefühl, ich sollte mich nicht ärgern, ich sollte keine gegensätzlichen Gedanken haben, ich sollte mich Gott anvertrauen. Und ich ging wieder ins Gebet und sagte: Herr, ich soll mich Dir anvertrauen. Es ist so, so schwer! Plötzlich merkte ich, schwer ist es eigentlich nur, weil ich Ihm nicht vertraue, weil ich Gott mein Vertrauen nicht schenke, sondern Ihn, Gott, prüfen wollte, ob Er existiert.

Nun dachte ich mir: Diese allzumenschlichen Gedanken des Zweifels, der Sorge, des Kummers, Gedanken gegen den Nächsten, lege ich Gott hin. Das tat ich im Gebet - und spürte Kraft. Nach dem Gebet waren diese Gedanken wie hinweggewischt. Ich fühlte Stärke in mir und ahnte, was Vertrauen ist, was es heißt, als Kind zu Gott zu kommen, zum ewigen Vater, Ihm alles hinzulegen. Immer und immer wieder tat ich dies. Das Vertrauen zu Gott, unserem ewigen Vater, wuchs, und schließlich begann ein kleines Lichtlein der Liebe zu Gott zu brennen; es war die Liebe zu einem Vater, der mich ruhig stimmte, der mir half, Ihm Vertrauen zu schenken, der mir ganz allmählich half, an Ihn zu glauben.

Plötzlich begann ich zu jauchzen, und Freude zog in mein Herz: Ich fühlte, es gibt einen Gott, der mich hört! Es gibt einen Gott, der mich versteht! Es gibt einen Gott, der mir hilft! Meine Gebete wurden zunehmend inniger und tiefer, und mein Leben verwandelte sich.

Immer wieder nahm ich die Bergpredigt zur Hand und las z.B.: Was du willst, daß dir die anderen tun, das tue du ihnen zuerst. Woraus sich ergibt: Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu. Das war schwer! Doch ich versuchte es in dem Vertrauen auf Gott. Immer dann, wenn es mir glückte, fühlte ich Freude und Dankbarkeit Gott gegenüber. Ich fühlte, wie ich freier und unbeschwerter wurde. Bald war mein ganzes Sinnen und Trachten, wieder zu Ihm zu beten, im Gebet Ihm nahe zu sein.

Lieber Bruder, so erfuhr ich, daß es einen nahen Gott gibt, einen Gott der Liebe, einen Vater, zu Dem wir alle kommen können. Er wird nicht immer das tun, was wir wollen, sondern Er handelt nach Seinem gerechten und heiligen Gesetz der Liebe.

Nach fünf Jahren brach dann das Wort Gottes durch mich hindurch, also der göttliche prophetische Geist. Seit 22 Jahren nennt mich Gott Seine Prophetin, und ich nenne mich Sein Kind. Ich liebe Gott, meinen Vater. Ich weiß, Er will nicht das Brimborium, keine sinnentleerten äußeren Formen und Glaubenssätze. Er will das vertrauensvolle Herz Seiner Kinder, daß wir zu Ihm kommen in Freud und Leid, daß wir Schritt für Schritt Seine heiligen Gebote und die Bergpredigt Jesu erfüllen.

Als also das Prophetische Wort hindurchbrach, erfuhr ich durch die Sprache des Herzens: Die Schritte hin zum Gebet und die Erfahrung in und nach dem Gebet - die Ruhe, die Gelassenheit, das wachsende Vertrauen zu Gott, die innere Freude und die Zuversicht, daß Gott ein naher Gott ist, die Hilfe heraus aus Zweifel, Sorge und Kummer, das kleine Lichtlein der Liebe, das
plötzlich für Gott brannte und vieles mehr -, das waren die ersten Gotteserfahrungen. Im weiteren Verlauf der 22 Jahre fühlte ich dann, wie meine Seele in den Strom des Lebens, der Gott ist, eintauchte und die Kommunikation mit Gott immer stärker wurde. Nach 22 Jahren stehe ich mit dem Geist Gottes im Urgrund meiner Seele in beständiger Kommunikation. Es ist die Sprache des Herzens, die zu mir und durch mich spricht. Es ist Gott, die unendliche Liebe.

Aus den schrittweisen kleinen Gotteserfahrungen wurde ein sehnsuchtsvoller Kommunikationsstrom zu Dem, der mich in den kleinsten Gotteserfahrungen gleichsam schmecken ließ, was es heißt, mit Ihm bewußt in Kommunikation zu stehen und zu erleben, was es bedeutet, wenn die Seele in den mächtigen Allstrom GOTT eingetaucht ist. Es ist ähnlich wie bei einem Fisch, der sich in seinem Lebenselement, dem Wasser, weiß und sich in diesem geborgen fühlt.

Ich erfuhr, wie viele meiner Brüder und Schwestern es auf dem Inneren Weg, der im Universellen Leben gelehrt wird, erfahren, was es für den Menschen bedeutet, aus Zweifeln, Ängsten, Nöten und Schicksalen herauszufinden, sich Dem anzuvertrauen, der allein die Gnade, die Hilfe ist, und der Einzige ist, der uns froh und glücklich machen kann und uns in den kleinsten Gotteserfahrungen schmecken läßt, was es heißt, Ihm immer näherzukommen. Das bringt es natürlich mit sich, daß man sich zuerst mit seinem irdischen Dasein auseinandersetzen muß in der Frage: Will ich so bleiben, wie ich bin? Oder will ich die höheren ethisch-moralischen Werte erlangen? Ja, will ich mir überhaupt das Ziel setzen, Gott näherzukommen? Wenn ja, dann ist zuerst Kampf mit sich selbst angesagt und die Auseinandersetzung mit dem eigenen aufgeblähten Ego, das sich über andere stellt und alles besser weiß, sogar besser als Gott.

Lieber Bruder, das Dargelegte ist kein Rezept - vielleicht eine Hilfe für dich, vielleicht aber auch eine Hilfe für viele, welche diese kleine Broschüre, "Der Prophet", lesen.

 

Der Einheimische:
Kann ich das ausprobieren? Soll ich Gott erproben?

 

Antwort des Propheten:
Du weißt, ich missioniere nicht. So du möchtest, dann kannst du es ähnlich halten, um zu erspüren, daß Gott dir und uns allen ganz nahe ist.

 

Der Einheimische:
Werde ich dann Prophet?

Der Prophet:


 

[...]

Der Einheimische:
Wie hältst du das nur alles aus?

 

Antwort des Propheten:
Wie sagte Jesus sinngemäß: Haben sie Mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. - Gerade daß ein Werk und Menschen, die Urchristen sind, einschließlich meiner Person, so verfolgt und diskriminiert werden, ist ein Zeichen, daß wir das Wort Jesu ernst nehmen, woraus folgt, daß Gott mit uns ist. Mir hat das Wissen um die Reinkarnation geholfen, denn ähnlich, wie sich die Pharisäer und Schriftgelehrten vor 2000 Jahren Jesus gegenüber verhielten und später dann Nero, der Kaiser von Rom, indem er die ersten Christen den Löwen zum Fraß vorwerfen ließ, ähnlich geschah es unter dem Deckmantel "Christus" im Mittelalter, in den Kreuzzügen und, abgeschwächt, bis zum heutigen Tag. Zur Zeit Neros hatten sie die Arena. Heute ist es das Forum des Rundfunks, des Fernsehens und der Presse. Man wird nicht mehr getötet, sondern als Aussätziger der Gesellschaft gebrandmarkt.

Im Geiste Gottes sind 2000 Jahre nicht einmal ein Tag. Was sind dann schon 2000 Jahre im Hinblick auf die Reinkarnation! Sind dieselben 10- bis 20-mal mit den gleichen Lastern wiedergekommen, dann besagt das noch lange nicht, daß sie sich beim 21. Mal gebessert hätten. Ich will nicht behaupten, doch es klingt an, daß die, die vor nahezu 2000 Jahren über Jesus, den Christus, Lügen verbreitet haben, Ihn verleumdeten und verhöhnten, die die ersten Christen verfolgten und den Löwen vorwarfen, die im Mittelalter die Brandmarkung anderer betrieben und die die Kreuzzüge befürwortet haben, heute wieder als Menschen auftreten, um ihr Werk gegen Gottes Werk und gegen jene Menschen fortzusetzen, die danach streben, die Schritte hin zu Christus zu tun.

Wäre ich z.B. Hausfrau geblieben, und hätte ich das Prophetenamt abgelehnt, also den Christus-Gottes-Geist nicht durch mich sprechen lassen, vor allem nicht in der Öffentlichkeit, dann hätte mich, die Hausfrau, kein Sektenbeauftragter verfolgt und diskriminiert, keiner hätte über mich Lügen verbreitet. Aber weil ich tat und tue, was Gott will - nämlich Sein Instrument zu sein -, geschieht mir dies alles. Betrachtest du das gesamte, auf mich gerichtete Angriffspotential der Lüge, Diskriminierung und Lächerlichmachung genau, dann kommst du zu der Überzeugung, daß hier nicht eine Frau angegriffen wird, sondern der Prophetische Geist, der die Menschen aufruft, miteinander Frieden zu schließen, Frieden zu halten und ihr negatives Denken, Reden und Tun an den Geboten zu messen, ob es der Lehre Jesu entspricht. Weil Jesus, der Christus, heute wieder gegen das kirchlich institutionelle Brimborium spricht, darf es nach kirchlicher Ansicht nicht der sich offenbarende Christus Gottes sein. Würden sie das bejahen, dann wären Papst, Kardinäle, Bischöfe, Priester und Pfarrer arbeitslos. Dann würde aber auch der Staat mit seinen Steuereinnahmen besser dastehen, denn dann würden die Subventionen an die Institutionen Kirche, die hohen staatlichen Gehälter an die Kardinäle und Bischöfe, wegfallen, und der kirchlich Gläubige, der mit der angeblichen ewigen Verdammnis geknechtete Mensch, könnte aufatmen in dem Bewußtsein: Gott ist gegenwärtig, und Seine große Liebe zu allen Menschen ist Seine Gnade, gleich Seine Hilfe. Die Furcht vor einem strafenden Gott würde fallen, und so mancher würde sich durch die schrittweise Erfüllung der Gebote Gottes und der Bergpredigt aufrichten und Jesus, dem Christus, nachfolgen, ohne Zeremoniell, einzig durch die Liebe zu Gott, unserem ewigen Vater.

Es waren nicht mein Mensch und menschliche Beweggründe, sondern es war meine Seele, die mich immer wieder aufstehen ließ, um mich erneut an den Pranger stellen zu lassen. Eines weiß ich: Ich liebe Gott, deinen, meinen und unser aller Vater von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all meinen Kräften, und daher liebe ich auch meine Nächsten. Das hat mich auch immer wieder aufgerichtet, um zu meinen Mitmenschen zu gehen und mit ihnen zu sein. Dabei waren z.B. in der Bundgemeinde Neues Jerusalem wahrlich nicht immer charakterstarke Brüder und Schwestern, die Christus die Treue hielten; es waren sogar Judasse darunter, die ihre Silberlinge nur noch nicht in den Tempel geworfen haben.

Christus kann sich also nicht auf alle verlassen, die Gott das Ja gegeben haben. Du darfst mir glauben, daß mir solche charakterschwachen Menschen das Leben unsagbar schwer gemacht haben.

Es gibt aber auch andere, die ihren Charakter stählten, indem sie ihr Sündhaftes - das gerade das Charakterlose ist - mit der Hilfe des Christus, unseres Erlösers, bereut und bereinigt haben, und da sie Gleiches nicht mehr tun, wurden sie treue Nachfolger des Jesus, des Christus. Kein Mensch ist vollkommen. Wer jedoch seinen Glauben zum Vertrauen auf Gott aufbaut, der erlangt innere Erfahrung und damit die Gewißheit, daß Gott uns allen nahe ist und uns liebt. Gerade diese göttliche Erfahrung hilft uns, vom blinden Glauben in das Vertrauen hineinzureifen und dann in das Wissen, daß Gott, die Liebe, bei uns ist, und uns geleiten möchte, so wir dies wollen. Wer seinen Charakter gestählt hat, der wird über seinen Nächsten nicht mehr Lügen verbreiten, ihn nicht mehr verleumden und diskriminieren. Er wird auch nicht zum Judas und auch nicht zum Erpresser werden.

 

Der Einheimische:
So langsam verstehe ich euch - und auch dich - immer besser. Wie verhaltet ihr Urchristen euch, wenn eure Mitmenschen, die sich Urchristen nannten, euch verlassen?

 

Der Prophet:
Die Gemeinschaft der Urchristen bindet nicht.

Wir achten die Freiheit jedes einzelnen, auch dann, wenn einige davon zu "Informanten" der kirchlichen Beauftragten zur Verleumdung von Minderheiten werden. In unserer Gemeinschaft nehmen wir keine Zwangstaufe vor. Jesus von Nazareth lehrte uns sinngemäß: Zuerst lehret, und dann taufet. Was besagt: Erfüllt der Mensch Schritt für Schritt die Gebote Gottes und die Bergpredigt, dann taucht er in den Strom des Heiligen Geistes ein und ist somit ein geistig Erwachter, also getauft mit dem Feuer des Heiligen Geistes. Die Säuglingstaufe ist die Wassertaufe. Das Wasser bleibt nun mal das Wasser der Erde, auch wenn es dreimal durch Priesterhände gesegnet ist, die ebenso befleckt sind wie die Hände jedes anderen Bürgers.

Die Urchristen lassen jedem die Freiheit. Wer zu uns ehrlichen Herzens kommt, ist willkommen. Wer wieder geht, den halten wir nicht.

 

Der Einheimische:
Die Bundgemeinde Neues Jerusalem, das sind doch Urchristen im Universellen Leben. Man hört immer wieder, daß ihr so ein eigenartiges Verhältnis zu Ehe und Partnerschaft habt. Was hat es damit auf sich? Kannst du mir auch dazu eine Antwort geben?

 

Der Prophet:


 

[...]

Der Einheimische:
Ich wundere mich. Du sagst dies alles so offen - eben so, wie es offenbar momentan i s t . Ich finde es gut, daß ihr konsequent seid. In meiner Glaubensgemeinschaft wird über solche Dinge wohl gesprochen, aber letztlich bleibt doch alles beim alten. Evangelische bleiben evangelisch, egal, ob sie drei Ehen hinter sich haben und in den Ehen nebenbei mehrere "Freundschaften", egal, ob sie es mit der Lehre Jesu ernst nehmen oder nicht. Da spielt es letztlich auch keine Rolle, ob einer ständig fremd geht, oder ob die Ehepartner trotz Streit und Zank dem anderen doch die Treue halten. Dann ist das Neueste in dieser Richtung zwar manchmal Stadtgespräch, aber ich wüßte nicht, daß es jemals Konsequenzen im Rahmen der Kirchengemeinde gegeben hätte.

 

Antwort des Propheten:
Das ist gerade das Übel. Würden die kirchlichen Obrigkeiten Vorbild der Gläubigen sein, also schrittweise Jesus, dem Christus, nachfolgen, dann könnten sie solche Mißstände ansprechen. Aus der katholischen und lutherischen Lehre würde dann die christliche Lehre werden, welche die höhere Ethik und Moral ist. Dann gäbe es in dieser Welt immer weniger Kleinkrieg in Ehe und Partnerschaft, aber auch immer weniger Brutalität, immer weniger Kriminalität und weniger Kriege.

Das heißt nicht, daß Urchristen in der Bundgemeinde Neues Jerusalem vollkommen sind. Wichtig ist, daß das Ziel der höheren Ethik und Moral, das Ziel, Jesus, dem Christus, nachzufolgen, die Tage prägt, indem der einzelne seine Schritte hin zur höheren Ethik und Moral tut, also allmählich in den Fußspuren Jesu geht. Ich spreche jene Mißstände, die in der Bundgemeinde Neues Jerusalem waren, deshalb offen und ungeschminkt an, weil wir uns vorgegeben haben, Gottes Willen, der sich in den Zehn Geboten und der Bergpredigt Jesu offenbart, Schritt für Schritt zu erfüllen. Dazu haben wir uns offen bekannt. Wir wollen als das kleine Völkchen von etwa 700 Brüdern und Schwestern wahrmachen, was wir nach außen kundtun. Die Reinigungsprozesse, die dabei ablaufen, zeigen gerade auf, daß wir es mit der Lehre Jesu ernst nehmen und nicht nur davon reden.

Bei alledem sind die Urchristen der Bundgemeinde Neues Jerusalem kein frömmelndes Volk. Die, welche es mit der Lehre Jesu ernst nehmen, kämpfen mit ihren Fehlern, mit ihren Schwächen und ihren alten negativen Verhaltensmustern; sie ringen mit sich selbst, um dem Ziel der höheren Werte und Moral näherzukommen. Somit ist vielfach die Bundgemeinde Neues Jerusalem mit einem Becken unreinen Wassers zu vergleichen. Diejenigen, welche die Schritte zu höheren Idealen und Werten tun, sind bestrebt, das Unreine zu klären, auf daß das Wasser im Becken klar wird, damit es dann denen gereicht werden kann, die ebenfalls ehrlich und aufrichtig danach streben, Gottes Willen zu tun. Daß dabei jene Brüder und Schwestern, die in das unreine Wasser hineingreifen, um den Schmutz herauszufiltern, so daß es sich klärt, vermehrt angegriffen werden, natürlich auch öffentlich in den Medien, ist eine logische Folge. Die, welche gegen den Strom schwimmen, gegen den unreinen Strom ankämpfen, sind immer die Unliebsamen.

Diese Kämpfe im Zuge des Klärungs- und Läuterungsprozesses müssen sein. Schließlich ist die Bundgemeinde Neues Jerusalem angetreten, die Bergpredigt Jesu Schritt für Schritt zu erfüllen. Der Friede, der nach der Bergpredigt geboten ist, muß also errungen werden - im Leben jedes einzelnen und im Gemeinschaftsleben der Urchristen in der Bundgemeinde. Das Ringen um das Einhalten dessen, was wir uns vorgegeben haben, zeigt, daß wir es nicht so halten, wie es unter den institutionellen Christen üblich ist: Nenne dich Christ, aber lebe so, wie du willst, und sei es unchristlich.

Auf diese Weise reinigte und reinigt sich ein kleines Völkchen, um letztlich seinem Versprechen treu zu bleiben: Jesus, dem Christus, nachzufolgen, um zu tun, was Gottes Wille ist. Die Zehn Gebote und die Bergpredigt lehren es uns und sind uns Maßstab.

Ein großer Teil der Brüder und Schwestern der Bundgemeinde Neues Jerusalem steht in dem ehrlichen Bestreben und Bemühen, das zu erfüllen, was wir in Schriften und Vorträgen darlegen: Schritt für Schritt die Lehre des Jesus, des Christus, zu verwirklichen und so in ein Leben nach dem Gesetz Gottes hineinzuwachsen. Daß dies nicht von heute auf morgen vollbracht ist, ist selbstverständlich. Doch der gute Wille bringt den Weg und führt auf den Weg zum gottgewollten Tun.

Das ist die Wahrheit, lieber Bruder. Mit dem Prozeß, in ein urchristliches Leben zu gelangen, beschäftigen sich die sogenannten Experten der Institutionen katholisch und evangelisch, nicht. Diese beschäftigen sich einzig damit, daß ehemalige Urchristen von der Bundgemeinde Neues Jerusalem gehen. Dabei werden nur diejenigen angehört, die aus dem unreinen Wasser im Becken Bundgemeinde herausgefiltert wurden und denen die Alternative angeboten wurde: entweder zu halten, was wir uns gemeinsam vorgegeben haben, das wir auch nach außen kundtun, oder, wenn sie inzwischen anders denken, die Bundgemeinde Neues Jerusalem zu verlassen. Was die Sektenbeauftragten aus den naturgemäß einseitig und persönlich gefärbten Darstellungen wiederum machen, die man als eine Art Schlamm bezeichnen könnte, ist wiederum ein Schlamm- und Morastprodukt, das sie wortgewandt denen verabreichen, die das schlucken. Sie enthalten allerlei Ungereimtes und Absonderliches, das so manchem Beauftragten zur Diskriminierung Andersdenkender näher ist als die höhere Moral und als die Werte, die Jesus, der Christus, gelehrt hat.

Wie schon gesagt, die urchristlichen Nachfolger des Jesus, des Christus, sind nicht vollkommen, doch die, die guten Willens sind, gehen voran, um zu beweisen, daß die Bergpredigt lebbar ist, wenn es auch mitunter schwer ist, da es gilt, sich nicht mehr auf den alteingefahrenen unmoralischen Geleisen zu bewegen. Daß diejenigen, die in den Geleisen allzumenschlicher Gepflogenheiten weiter rangieren möchten, von den Brüdern und Schwestern der Bundgemeinde, die sich die Erfüllung der Bergpredigt Jesu zum Ziel gesetzt haben, gebeten werden, die Bundgemeinde zu verlassen, ist selbstverständlich. Werden keine allzu großen Kompromisse eingegangen, und orientiert man sich immer wieder an dem Versprechen, Jesus, dem Christus, nachzufolgen, dann reinigt sich eine religiöse Gemeinschaft, und das ist gut.

Daß so mancher dieser sogenannten urchristlichen Aussteiger zu katholischen oder evangelischen "Experten" ging und geht, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Andersdenkende und kleine Glaubensgruppen zu diskriminieren, ist bedauerlich, doch jeder hat die Freiheit. Gerade jene, die ihre unmoralischen und unethischen Tendenzen in der Bundgemeinde Neues Jerusalem nicht ausleben konnten, sprechen dann davon, daß die Urchristen der Bundgemeinde Neues Jerusalem zu absonderlichem Verhalten in Ehe und Partnerschaft angehalten würden.

Lieber Bruder, wir alle sind Menschen wie du. Jedoch der Kampf mit uns selbst, um mit dem Nächsten Frieden zu halten, beginnt bereits in Ehe und Partnerschaft. Ist dort Friede, und findet man in ein gedeihliches Miteinander, so kann man auch mit den weiteren Mitmenschen Frieden schließen und seinen Wirkungskreis des Füreinanders erweitern.

So mancher betrachtet das Streben nach höheren ethischen und moralischen Werten, Grundsätzen und Idealen aus seiner eigenen Perspektive, die so geprägt ist, wie er es in dieser Hinsicht in seinem Denken und seiner Lebensweise hält.

Wir sind nicht gegen Ehe und Partnerschaft, wir sind nur gegen solche Ehen und Partnerschaften, die ich oben geschildert habe und die in unserer Gesellschaft vielfach üblich sind. Wir wollen die Treue, den Frieden und das Miteinander, auch in Ehe und Partnerschaft, die Verbindung - und nicht die Beziehungssüchte, bei denen beide nur auf ihren Körpervorteil blicken. Wir sind auch nicht gegen die Körperlichkeit - viele sagen dazu Sexualität -, sondern gegen die Beziehungssüchte, gegen Untreue, Unfrieden und den Wechsel in körperbezogenen Freundschaften.

Viele Urchristen der Bundgemeinde Neues Jerusalem haben sich ein Idealbild im Sinne der höheren Ethik und Moral vorgegeben und sich zur Aufgabe gemacht, sich zu veredeln, die Schritte in Ehe und Partnerschaft zu tun, ebenso in den Wohngemeinschaften, in denen Familien miteinander leben, die Paare sich jedoch die Treue halten, um zur Einheit zu finden, zur Großfamilie. Denn, wie schon gesagt, auf Erden soll es ähnlich werden wie in den Himmeln, gemäß unserem Beten im Vaterunser "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, so wie im Himmel, so auch auf Erden."

 

Der Einheimische:
Eigentlich, so scheint mir, muß es ein gutes Gefühl sein, ein lohnendes Ziel zu haben, auch wenn es hoch gesteckt ist und Mühe kostet. Man weiß ja dann, wofür man lebt und sich anstrengt.

Prophet, entschuldige, mir kam noch eine Frage: Wie sieht unter euch ein Streit aus? Wie verhaltet ihr euch?

 

Der Prophet:
Mit dem einen oder anderen können schon mal die Emotionen durchgehen, aber spätestens wenn sich die Gemütswogen etwas beruhigt haben, fällt dem Urchristen auf dem Inneren Weg ein: "Halt! Ganz gleich, ob mein Bruder, meine Schwester in der Situation falsch gehandelt hat - ich suche zuerst
m e i n e n Anteil, den Balken in meinem Auge, und bereinige diesen. Wenn ich mich über den Nächsten aufrege, zeigt das, daß ich denselben Fehler auch noch an und in mir habe." - Dann ist es nicht mehr allzu schwer, mit sich selbst und mit dem Nächsten ins Reine zu kommen und Frieden zu schließen. Beide sind um eine Erkenntnis reicher.

In der Bundgemeinde Neues Jerusalem wird von denen, die sich anstrengen, Christus treu zu werden, Klartext gesprochen, auch heute noch, um das, was wir uns vorgegeben haben, auch nach und nach einzuhalten. In einem Streitfall blicken wir nicht nur auf den, der Recht haben möchte, sondern wir streben nach der Gerechtigkeit, die besagt: In einer Auseinandersetzung trägt nicht nur einer Schuld, sondern beide. Ebenfalls beide haben aus dem Vorfall und der zugrundeliegenden Problematik zu lernen. Hier abzuwägen und unseren willigen Brüdern und Schwestern zu helfen, haben wir uns alle zur Aufgabe gemacht. Doch wer nicht will, was wir anstreben, edler und feinerer Gesinnung zu werden, der Treue und der Liebe zur Krönung zu verhelfen, das Miteinander und das Füreinander zu erlangen, der wird sich auf Dauer nicht unter uns wohlfühlen und wird früher oder später die Bundgemeinde Neues Jerusalem verlassen.

 

Der Einheimische:
Ihr macht es euch nicht einfach, das muß man euch lassen!

 

Der Prophet:
Vor dem Sieg steht immer der Kampf, auch ganz besonders in den kleinen Situationen des Alltags. Christus ist unser Vorbild, und Er steht uns mit Seiner Kraft bei, wenn wir auf Ihn ausgerichtet bleiben. Gott ist nun mal nicht über den Wolken, sondern jedem von uns ganz nah. Wenn wir Seine Gebote befolgen, wendet sich in und um uns so manches zum Guten.

 

Der Einheimische:
Ich fühle, daß das, was du sagst, wahr ist. Ich glaube es also, und ich werde mich weiter damit befassen und sehen, was ich für Erfahrungen mache.

Euer Beispiel spricht zwar für sich, aber noch ist es damit für mich selbst nicht bewiesen. Weißt du, was ich meine?

 

Antwort des Propheten:
Ich verstehe, was du sagen willst. Was in der Bibel steht, soll der Gläubige schlichtweg glauben und damit basta. Doch auch hier ist es so wie in unserem ganzen Leben: Die Wahrheit findet man nur dann - auch in der Bibel nur -, wenn man das anstrebt und tut, was Jesus, der Christus, lehrte und uns vorlebte. Wenn du möchtest, nimm deine Bibel zur Hand und vertiefe dich in die Zehn Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu, und miß dein Denken, Reden, ja dein ganzes Verhalten daran, auch deine Ehe oder Partnerschaft. Erkennst du, was gegen diese Gesetzmäßigkeiten Gottes steht, dann bereue und bereinige dies auf dem Weg der Bitte um Vergebung, der Vergebung und der Wiedergutmachung, soweit dies noch möglich ist. Und so du diese von dir erkannten Fehler und Lieblosigkeiten, also deine Sünden, nicht mehr tust, findest du allmählich zu dir selbst und erlangst immer mehr die Unterscheidungsgabe zwischen dem, was wahr und was unwahr ist. Dann brauchst du nicht mehr so oft zu rätseln und zu fragen - es wird dir vom Herzen her gegeben, weil Gott die gebende Liebe ist.

 

Der Einheimische:
Werde ich dann Urchrist?

 

Der Prophet:
Das muß nicht sein. Ein wahrer Christ zu werden - das ist entscheidend; das ist das Ziel all derer, die an Christus nicht nur glauben, sondern ihren Glauben lebendig werden lassen durch gottgewollte Taten, durch gottgewollte Werke, die aber vom Herzen des Menschen kommen sollen, nicht vom Verstand.

 

Der Einheimische:
Muß ich dann nicht doch Urchrist werden?

 

Antwort des Propheten:
Du mußt gar nichts - außer irgendwann deinen Körper ablegen, was wir als Tod bezeichnen. Sei Christ, oder werde Christ, dann werden wir uns unter dem einen Himmelszelt vereinen, das heißt: Gott ist die Liebe, und wir alle sind Seine Kinder, Brüder und Schwestern in Seinem Geiste.

 

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