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Göttliche Gerechtigkeit - menschliches Recht



Wer das göttliche Prinzip, die Gerechtigkeit, zu verstehen bemüht ist, wird erkennen, daß die Menschen auch daraus einen Verhaltensstoff machten, der einer Schmierseife gleicht. Es ist das Recht, mit dem man sich die Hand in Unschuld waschen kann, wenn der Gerechtigkeit zuwider geurteilt und verurteilt wird. Z.B. dann, wenn der Richter einen unliebsamen Kläger mit dem Rechtsspruch – der sinngemäß lauten könnte: „Ihnen widerfuhr kein Unrecht; es handelte sich lediglich um eine statthafte Meinungsäußerung“ – vorerst einmal aus dem Gerichtssaal hinauskomplimentieren kann.

Der Ewige hat in Seinem Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe nicht das Recht, den sogenannten Rechtsspruch. Recht ist immer einseitig. Recht hat den Geschmack des Unrechts an sich. Auf der ganzen Welt gibt es keinen Menschen, der in einer Sache, die vor dem weltlichen Gericht geoutet wird, nur Recht oder nur Unrecht hat. Jesus sagte zu der einseitigen Beurteilung: „Vom Richten: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr meßt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

Die weltliche Rechtsprechung hat wohl die Waage, die das Symbol für Ausgleich sein soll. Selten wird sie gemäß dem göttlichen Prinzip der Gerechtigkeit angewendet. In vielen Fällen schlängelt sich das Gericht an der Waage vorbei, z.B. mit der berühmten, gleich berüchtigten „Meinungsäußerung“.

Das Gericht, in dem Fall die Richter, messen in so manchen Fällen nach ihrem persönlichen Gutdünken, wobei es auf den Kläger ankommt, aus welchem „Stall“ er kommt und wie ihn die Richter einschätzen, also apostrophieren, um ihn in die entsprechende Kategorie einzureihen. Geht es z.B. um Glaubensgemeinschaften, die der katholischen oder lutherischen Kirche nicht genehm sind, so werden sie meist in die Kategorie „Sekte“ eingeordnet. Der Stempel lautet dann „Unrecht“ oder „Meinungsäußerung“, wobei meist den Kirchen das Recht zugesprochen wird. Das kann letzten Endes gar nicht anders sein, denn die dem katholischen oder lutherischen Glauben angehörenden Richter müssen nach dem Katechismus der Kirche handeln, der auf den Seiten 51 bis 53 hierzu zitiert wurde.

Dort lasen wir z.B.:

„Das Alte Testament ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.“ Im Alten Testament aber heißt es im 5. Buch Mose bekanntlich: „Wenn eine Sache vor Gericht dir zu schwer sein wird ... so sollst du dich aufmachen und hinaufgehen ... zu den levitischen Priestern und zu dem Richter, der zu der Zeit sein wird, und sie befragen. Die sollen dir das Urteil sagen. Und du sollst tun nach dem, was sie dir sagen in der Stätte, die der Herr erwählen wird, und sollst es halten, daß du tust nach allem, was sie dich lehren werden. An die Weisung, die sie dir geben, und an das Urteil, das sie dir sagen, sollst du dich halten ... Und wenn jemand vermessen handeln würde, daß er dem Priester nicht gehorcht, der dort im Dienst des Herrn, deines Gottes, steht, oder dem Richter, der soll sterben ...“

Daß das Recht einseitig ist und dem göttlichen Prinzip der Gerechtigkeit entgegensteht, erfahren wir immer wieder, dann, wenn wir die Nachrichten in den Medien nicht nur hören, sondern das Gesagte mit den christlichen Lebensregeln, den fünf Prinzipien, vergleichen.

Zwei Beispiele von unzähligen, die die Medien beherrschen, möchte ich herausgreifen: Einige Länder haben einem Land Kriegsmaterial und Kampfstoffe wie chemische und biologische Waffen geliefert. Das Kriegs-, gleich Kampfmaterial wurde vom Empfängerland dem Produktionsland, dem Versender, bezahlt. Wofür erwirbt ein Land Kriegsgerät und Waffen, auch chemischer und biologischer Art? Um diese in einem Schrein aufzubewahren oder um sie einzufrieren – oder gegebenenfalls gegen ein feindliches Land einzusetzen, wobei beim Kauf von „wann“ und „wo“ nicht die Rede war? Letztlich war es ein Waffengeschäft, von dem beide Seiten profitierten.

Wie verhält es sich nun nach dem Prinzip der Gerechtigkeit? Zum einen sollten nach den göttlichen Prinzipien überhaupt keine Waffen, kein Kriegsmaterial hergestellt werden, denn Waffen, einerlei welcher Art, sind immer Boten des Krieges. Zum anderen stellt sich die Frage: Wer ist im Fall eines Krieges der Schuldige – das Land, das die Waffen geliefert hat? Oder ist es jenes Land, das die Waffen empfangen hat? Oder sind beide Länder schuldig? Wie schon gesagt sind Waffen nun mal Boten des Krieges – ob sie heute, morgen oder erst in ferner Zukunft eingesetzt werden.

Droht nun das Land mit Sanktionen und Krieg dem anderen Land, dem es Waffen geliefert hat, dieses zu vernichten, und hat das Empfängerland bis dato die Waffen, die es von dem Land, das nun Drohgebärden aufbaute, erworben und bezahlt – wie ist es hier mit dem Rechtsspruch? Wer hat recht? Und wie würde wohl die Waage der Gerechtigkeit wägen?

Ein anderes Beispiel. Zwei Menschen bekämpfen sich viele Jahre. Der eine unterwirft den anderen seiner Willkür, wobei der Unterworfene finanziellen und gesundheitlichen Schaden erleidet und bis zu seinem Hinscheiden Arges erdulden muß. Der Geschädigte muß unter Umständen bis zuletzt mit ansehen, wie der andere, der ihn bekämpft hat, sein Vermögen, von dem beispielsweise ein Drittel dem Geschröpften gehören würde, vermehrt und sein Wohlergehen pflegt. Zwischen beiden Kontrahenten gibt es keine Versöhnung und somit auch keine Wiedergutmachung. Einer bleibt dem anderen feind. Gilt diese Feindschaft nur bis zum Tod oder über den Tod hinaus?

Christen bejahen die Unsterblichkeit der Seele, also lebt die Seele über den physischen Tod hinaus weiter. Keine Energie geht verloren – sei es positive oder negative Energie, Energie der Versöhnung, der Gottes- und Nächstenliebe, oder aber Energie des Hasses und der Vergeltung. Nach dem Prinzip der göttlichen Gerechtigkeit ist von den beiden nicht nur einer schuldig, sondern beide.

Es gibt im Erdendasein, das wir Menschen unser „Leben“ nennen, keine Zufälle. Nach dem Prinzip der Kausalität und der Wiedergutmachung werden beide wieder zusammengeführt, entweder als Seelen in jenseitigen Bereichen oder in einer neuen Menschwerdung, um das zu bereinigen, was aus Vorexistenzen in beiden Seelen noch vorhanden ist; denn entsprechend dem Gesetz des Ausgleichs zieht Gleiches immer wieder Gleiches an. Unter Umständen war in diesem Erdendasein der heute Unterlegene damals der Dominierende. Das Blatt hat sich nun gewendet. Der Schuldkomplex, der in beiden Seelen als Gravur besteht, war und ist nicht behoben, ganz im Gegenteil: Er hat sich sogar durch weitere aggressive Gedanken, Worte, durch Haß und Neid vergrößert. Aufgrund dieser beiderseitigen Neuverschuldung bleiben beide Schuldner, der eine mehr, der andere weniger. Die Gerechtigkeit lotet alles wahrheitsgetreu aus.

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