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Das Erdendasein gibt uns,
analytisch betrachtet,
Hinweise auf die Existenz
des unbegrenzten Lebens



Den Beweis, daß Gott existiert und daß wir in uns einen feineren Stoff, die Seele, tragen, die ewig lebt, müßten wir selbst antreten. Kein anderer kann das für uns tun. Wenn Sie möchten, beginnen Sie mit folgenden Fragen, die Sie analytisch durchdenken: Was ist der Mensch? Warum bin ich Mensch? Ist das Erdendasein mein Leben? Was ist Leben?

Was also ist der Mensch als solcher, dann, wenn wir ihn einzig als Gebilde aus Knochen und Fleisch betrachten? Er ist, für sich genommen, ein hinfälliges Wesen, das immer auf der Hut sein muß, daß seinem physischen Körper nichts widerfährt. Wenn wir bedenken, daß schon schädliche Bazillen und Bakterien unserem Körper schweren Schaden zufügen können oder daß ein unvorhergesehenes Schicksal unsere Existenzgrundlage in Frage stellt, dann wäre doch die Selbstanalyse angebracht, indem wir uns die Frage bzw. die weiteren Fragen stellen: Warum bin ich Mensch? Daß ich mich Tag für Tag um meinen Körper sorge – was bringt mir das? Soll das alles sein? Ist das der Sinn und Zweck meiner Existenz, die ich als mein „Leben“ bezeichne?

Wenn wir diese Fragen näher beleuchten, dann kommen wir zu der Erkenntnis, daß das Erdendasein, die körperliche Existenz als solche, niemals alles sein kann; daß man Angst und Sorge um den Körper und um das Morgen nicht als „Leben“ bezeichnen kann. Aus dieser Erkenntnis ergäbe sich eine weitere Frage, die sich der Analyse stellt: „Woher komme ich, und wohin werde ich gehen?“ Die gründliche, ehrliche und unvoreingenommene analytische Selbsterforschung und die analytische Betrachtung dessen, was an Lebensvorgängen um uns herum abläuft, führt so manchen zu dem Schluß: Der physische Leib ist offensichtlich nur ein Gefäß, in dem etwas anderes vorhanden sein muß, etwas, das wir nicht sehen, das eventuell feinerstofflicher Art ist und das man unter Umständen als „Lebensträger“ oder „Leben“ bezeichnen kann.

Wer analytisch zu denken vermag, der wird nicht einfach behaupten, mit diesem Erdendasein sei alles aus – weiß er doch, daß keine Energie verlorengeht und daß formgewordene Energie nicht einfach im „Nichts“ verschwindet. Formgewordene Strahlung löst sich auch nicht einfach in diffuse strömende Energie auf.

 

Doch nicht nur per Analyse über unseren Verstand kann uns das Leben Hinweise auf seine Existenz geben. Jeder Mensch hat auch ein „Herz“, womit ich hier nicht den sich rhythmisch zusammenziehenden Muskel des physischen Körpers meine.

Wir begegnen z.B. einem Kind. Wir schauen uns an, und plötzlich lächelt es. Da kann es geschehen, daß mit einem Mal ein sonderbares, positives Empfinden durch unser Herz zieht; ein lichtes, freudig-freundliches Gefühl erhellt unser Gemüt. – Was war das nur? Das Kind ist längst unserem Gesichtskreis entschwunden – eine flüchtige Begegnung also. Und doch hat uns etwas berührt, das nicht in die Kategorie des Materiellen einzuordnen, aber nichtsdestoweniger eine reale, fühlbare Erfahrung ist, die in uns nachschwingt und -klingt. Wenn wir im Laufe des Tages wieder daran denken, spüren wir es erneut. Der Eindruck wird dann mit der Zeit schwächer, doch das will noch nichts besagen. Unser geistiges Herz wurde berührt.

Ähnliches kann z.B. geschehen, wenn ein Tier uns in die Augen blickt und anderes mehr. Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem nicht vergleichbare Begebenheiten widerfahren, die ihn eindrücklich darüber belehren, daß es „mehr zwischen Himmel und Erde“ gibt, als unser Verstand zu erfassen vermag.

Ich wiederhole: Was wir nicht sehen, muß nicht ein Rätsel bleiben. Ziehen Sie Ihren analytischen Verstand und Ihr gottnahes Herz, Ihr feines Gefühl zurate, dann werden Sie folgende Aussage nicht einfach als Mysterium oder als unbeweisbar abtun.

Unsere Seele ist feinerstofflich, ist höher schwingende Energie. Energie ist Leben – sie geht nicht verloren. Die Natur zerstört sich nicht, sondern sie wandelt sich um. Keine Vernichtung also, sondern Metamorphose. Die Schlußfolgerung daraus ist, daß sie Leben beinhaltet.

Ziehen wir weiter Verstand und Herz zurate. Unser Körper ist einem Fahrzeug vergleichbar. Der Lenker möchte der ewige Geist sein, Gott, der in einem feinerstofflichen Leib wirkt, den wir als Seele bezeichnen. Die „Stimme“ des Geistes im feinerstofflichen Leib, der Seele, möchte sich in unserem Körper, im Menschen, als Gefühl, Empfindung und vor allem als Gewissen offenbaren.

Wie oft erleben wir eine Aufwallung unserer Gefühle, unseres Gemüts, oder wir haben ein schales oder aber gutes Gewissen. In der Tiefe dieser Bewegungen ist stets eine Botschaft für uns, den Menschen, enthalten. Meist ist es eine Mahnung – „Fall nicht wieder in diesen alten Fehler hinein“ oder „Werte deinen Mitmenschen nicht ab. Warum stellst du dich jetzt über ihn?“ –, auch eine Warnung – „Laß dich in dieser Situation nicht verführen; du hast schon schlechte Erfahrungen damit gemacht!“ –, auch eine Erinnerung an gute Vorsätze – „Hattest du dir nicht vorgenommen, deinem Gesprächspartner voll aufmerksam zuzuhören und ihn nicht zu unterbrechen? Was drängt dich, ihm ins Wort zu fallen?“ – und ähnliches mehr.

Oft sagen wir, wir haben ein „schlechtes Gewissen“. Doch wir sollten dankbar sein und uns freuen, wenn unser Gewissen wach und aktiv ist. Denn bei Licht besehen ist die Stimme unseres geistig intakten Gewissens unser guter Freund, der für uns das Beste möchte und ständig darauf bedacht ist, uns vor Schaden zu bewahren.

Wer ist der Geist, der uns die Botschaften unseres Gewissens übermittelt? Der Geist ist nicht der Verstand des Menschen, auch nicht unsere geistreichen Redewendungen sind der Geist. Der Geist in unserer Seele, der uns Botschaften sendet, ist die ewige Kraft, das Licht, die Güte und Freundlichkeit, die Weisheit und Allmacht, die ewig kosmische Liebe – das unumstößliche, ewige Gesetz der Unendlichkeit.

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