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  Die Fragwürdigkeit kirchlicher Lehrsätze. Wer schützt uns davor, daß sie befolgt werden?

Viele Richter fühlen sich, wie gesagt, nicht nur dem Staat verpflichtet, sondern Staat und Kirche. In den Gerichtssälen sprechen sie mitunter nach katholischer Weisung vorwiegend denen das Recht zu, die – wie sie – kirchliche Konformisten sind.
So zu handeln ist im Katechismus der katholischen Kirche, in der offiziell gültigen Zusammenstellung kirchlicher Lehrsätze, empfohlen. Lesen wir noch einmal daraus die schon zitierten Passagen:
„Einzig die göttlich geoffenbarte Religion hat in Gott, dem Schöpfer und Erlöser, klar den Ursprung und das Ziel des Menschen erkannt. Die Kirche lädt die politischen Verantwortungsträger ein, sich in ihren Urteilen und Entscheidungen nach dieser geoffenbarten Wahrheit über Gott und den Menschen zu richten.“ „Der Bürger hat die Gewissenspflicht, die Vorschriften der staatlichen Autoritäten nicht zu befolgen, wenn diese Anordnungen den Forderungen der sittlichen Ordnung, den Grundrechten des Menschen oder den Weisungen des Evangeliums widersprechen.“
Zum „Evangelium“ im Sinne des Katechismus gehört nach dem Lehrsatz Nr. 121 auch das Alte Testament: „Das Alte Testament ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.“ Die Kirche weist also in ihrer offiziellen Lehre ausdrücklich, ja nachdrücklich darauf hin, daß das im Alten Testament Geschriebene auch heute gilt. Dort heißt es im 5. Buch Mose u.a.: „Wenn eine Sache vor Gericht dir zu schwer sein wird ... so sollst du dich aufmachen und hinaufgehen ... zu den levitischen Priestern und zu dem Richter, der zu der Zeit sein wird, und sie befragen. Die sollen dir das Urteil sagen. Und du sollst tun nach dem, was sie dir sagen in der Stätte, die der Herr erwählen wird, und sollst es halten, daß du tust nach allem, was sie dich lehren werden. An die Weisung, die sie dir geben, und an das Urteil, das sie dir sagen, sollst du dich halten ... Und wenn jemand vermessen handeln würde, daß der dem Priester nicht gehorcht, der dort im Dienst des Herrn, deines Gottes, steht, oder dem Richter, der soll sterben ...“ Wenn wir diese Aussage mit der des großen Lehrers Jesus, des Christus, des Erlösers, vergleichen, dann erkennen wir die Widersprüche. Jesus lehrte uns: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“
Jesus sprach gegen die Priesterkaste, die heute die gleiche ist wie damals. Das Alte Testament, das laut kirchlicher Lehrmeinung Gottes Wort sein soll, gibt, z.B. in den Büchern Mose, konkrete Weisungen für das öffentliche wie auch für das private Leben des Menschen.
Als Gott Seinem Volk die Gebote gab, geschah dies in der gleichsam unpersönlichen Form „du sollst“, einer schlichten Angabe der Gesetzmäßigkeit, die dem Menschen die Entscheidung läßt, danach zu handeln oder nicht. Was bei Nichtbeachtung dieser Lebensanweisungen an Folgen auf den Menschen zukommen würde, bedurfte keiner Erwähnung, da das Gesetz von Ursache und Wirkung dies, individuell auf das Feinste und bis ins Detail gerecht abgestimmt, selbsttätig regelt.
Das Kausalgesetz war den Menschen des Alten Testamentes bekannt. Durch Lichtboten der Himmel hatte Gott seit Bestehen der Menschheit das geistige Wissen – vom Woher und Wohin des Menschen, vom Sinn und Zweck des Erdenlebens u.a.m. – wachgehalten. Der Ewige hat Seine Kinder nie in die Irre gehen oder sie in Unwissenheit und Veräußerlichung versinken lassen, ohne sie zu mahnen, aufzuklären und zu warnen.
Liebe Freunde, wenn Sie möchten, denken Sie mit! In den Geboten Gottes heißt es immer: „Du sollst ...“. Damit legte Er die Umsetzung Seiner Gebote in unseren freien Willen. Tun wir nicht das, was Gott uns sagt, so ist das unsere persönliche Angelegenheit, und wir werden die Konsequenz daraus, die Wirkung, zu tragen haben nach dem Gesetz von Saat und Ernte. Nicht ein anderer bestraft uns also, sondern wir selbst „bestrafen“ uns nach dem Kausalgesetz, in dem die Freiheit und die Gerechtigkeit Gottes wirksam sind.
Lesen wir nun im Alten Testament, daß auf Zuwiderhandlungen – z.B. Diebstahl, Ehebruch, Ungehorsam gegenüber Eltern oder Priestern, Totschlag – bestimmte Strafen erfolgen sollen, wie Hand-Abschlagen, Getötetwerden, Steinigung etc., so stimmt das nicht mit dem „Du sollst ...“ der Gottesgebote überein. Denn würde Gott z.B. gebieten: „Dem Dieb soll die Hand abgehackt werden“ – wer würde denn diese Strafe vollziehen? Immer wäre es wiederum ein Mensch, der unter Umständen ein größerer Sünder bzw. Verbrecher sein kann als der, der gestohlen hat.
Wären die im Alten Testament Gott untergeschobenen Aussagen, daß dieses und jenes Vergehen diese und jene Bestrafung nach sich ziehen soll, die Wahrheit, also Gottes Wort, so hätte Er konsequenterweise auch Seine Zehn Gebote anders formulieren müssen. Er hätte vorgeben müssen: „Du darfst nicht töten, darfst nicht stehlen, darfst nicht ehebrechen“, in dem Sinne: „Wenn du stiehlst, dann wird dir die Hand abgeschlagen.“ „Wenn du tötest, dann wirst du getötet werden“ und anderes mehr. In diesen Aussagen gibt es weder Gnade noch Barmherzigkeit.
Gott ist aber Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Gott ist Freiheit. Gott ist Friede. Gott ist Gerechtigkeit. Lesen oder hören wir also, „der Herr“ habe geboten: „..., der soll getötet werden“, „..., der soll gesteinigt werden“ oder „..., dieses widerspenstige Volk, das sich nicht unterwerfen will, soll ausgemerzt werden“, so hätte Er ja letztlich den Brudermord geboten. Da Gott aber spricht: „Du sollst ...“, können anderslautende Aussagen, wie sie in großer Zahl im Alten Testament zu finden sind, niemals von Gott, dem All-Einen, der Liebe, der Gnade und Barmherzigkeit, der Freiheit und Gerechtigkeit, stammen.
Gott ist nicht der Zeitgeist. Gottes Gesetz ist klar und eindeutig; es ist weder wandelbar, noch kennt es Konzessionen, wie sie im Zeitgeist Gang und Gäbe sind. Gottes Gesetz ist vollkommen. Gott ist Sein Gesetz selbst, und das ist absolut.
Mose, der Prophet, ein gerechter Mann Gottes, übermittelte dem Volk die Zehn Gebote, die Auszüge aus dem ewigen Gesetz der Himmel sind. Sie sind klar und eindeutig.
Das 6. Gebot z.B., „Du sollst nicht ehebrechen“, gibt klar vor, wie wir uns nach dem Willen Gottes verhalten sollen. Lesen wir jedoch im Alten Testament, was denen widerfährt, die Ehebruch begehen, dann wäre in der Regierung heute so mancher Posten unbesetzt. Es ist aber gerade umgekehrt. Wer einige Ehescheidungen hinter sich hat, der wird vom „Heiligen Vater“ in Rom empfangen, um ihm die Hand zu schütteln. Für welche „gute Tat“?
Und wie sieht es in den Parteien CDU und CSU aus? Es müßte besonders für die Politiker der beiden Parteien, die in ihren Parteinamen das verpflichtende „Christlich“ tragen, doch selbstverständlich sein, sich an die Bibel zu halten! Sie müssen diese vollständig als Wort Gottes anerkennen, denn der Parteiname sagt aus, daß diese Politiker der Institution Kirche angehören. Wie halten sie es dann z.B. mit folgender Anweisung, die bei Mose zu lesen ist und der durch die einleitenden Worte „Der Herr sprach zu Mose“ zusätzlich Gewicht verliehen wurde?: „Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin.“
Würde dieser alttestamentlich festgeschriebenen und institutionell anerkannten Forderung nachgekommen, dann wäre die SPD so ausgedünnt, daß sie nicht mehr regierungsfähig wäre, und die Reihen der CDU und CSU hätten sich auch gelichtet. Im zweiten Buch Mose, Exodus, lesen wir weiteres von der Bestrafung durch den Tod. „Gott“ soll gesagt haben: „Wer einen Menschen so schlägt, daß er stirbt, wird mit dem Tod bestraft.“ Und: „Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, wird mit dem Tod bestraft.“ Und: „Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft.“ Und: „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ Auch: „Darum haltet den Sabbat; denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entweiht, soll mit dem Tod bestraft werden. Denn jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, soll aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden. Sechs Tage soll man arbeiten; der siebte Tag ist Sabbat, Ruhetag, heilig für den Herrn. Jeder, der am Sabbat arbeitet, soll mit dem Tod bestraft werden.“
Wer schützt uns davor, daß sich die Kirche nicht plötzlich danach richtet? Denn für sie ist das Alte Testament die absolute Wahrheit.
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