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Die spitzfindigen Definitionen
von „Töten“ und „Morden“ -
was ist im Endeffekt der Unterschied?
Der Niedergang der ethisch-moralischen Werte
zeigt sich auch darin,
dass neuerdings Jäger ohne Beschönigung



Zu allen Zeiten hat die Priesterkaste den Krieg befürwortet. Die heutige Priesterschaft befürwortet, wie schon gesagt, den sogenannten Verteidigungskrieg, der in der „Notwehr“ das Töten zuläßt. Auch im Krieg gegen die Tiere ist das Töten erlaubt. Hinsichtlich der unzähligen Schlachttiere ist das Töten erlaubt. Ebenso ist das Töten der vielen leidenden Tiere in den Versuchslaboratorien erlaubt. Wir sehen also, mit dem Wort „töten“ kann man vieles befürworten.

Im Bertelsmann Handlexikon steht unter „Totschlag“: „Die vorsätzliche Tötung eines Menschen ohne die Merkmale eines Mordes.“

Unter „Tötung“ steht: „Tötung, die Verursachung des Todes eines Menschen, auch durch Unterlassung einer rechtl. gebotenen, den Tod abwendenden Handlung (Unterlassungsdelikte). Die Tötung ist bei vorsätzl. Begehung Mord, Totschlag, Kindesmord oder Tötung auf Verlangen des Getöteten, sonst fahrlässige Tötung.“
Bei „Mord“ lesen wir im Bertelsmann Handlexikon: „Mord, vorsätzl. Tötung eines Menschen unter bes. schweren Umständen; im dt. Strafrecht nach § 211 StGB die Tötung aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs (Lustmord), aus Habgier (meist Raubmord) oder sonst aus niedrigen Beweggründen, auf heimtückische (Meuchelmord) oder grausame Weise oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.“

 

Es ist bemerkenswert, wie man mit dem Wort „tot“ jonglieren kann. Die Definitionen sind derart spitzfindig, daß man als juristischer Laie kaum herauszufinden vermag, was im Endeffekt der Unterschied von „Töten“ und „Morden“ ist.

Töten ist nun mal das gewaltsame Vorgehen gegen das Leben. Auch im Tier ist das Leben. Doch Tiere grausam und brutal zu quälen und zu töten ist nach kirchlicher „Lehrmeinung“ erlaubt. Der Lusttöter, der Tiere hinmetzelt und hinmordet, ist somit gedeckt. In besonderen Fällen – man muß nur geschickt argumentieren – kann das Wort „töten“ dem Wort „morden“ untergeschoben werden.

„Du sollst nicht morden“ bezieht sich ausschließlich auf Menschen. Im übrigen erweist sich die Formulierung des Gebotes „Du sollst nicht morden“ nach unserer Rechtsprechung als unvollständig. Es müßte heißen: „Morden ist verboten; das Töten ist in besonderen Fällen erlaubt, wie z.B. im Verteidigungskrieg oder in Wäldern, in und auf den Feldern, bei der Schlachtviehhaltung, in Schlachthöfen und für wissenschaftliche Versuche.“

Die Rechtlosen, die Tiere, haben nun mal keine Rechte. Die Staatskirche spricht diese den Tieren ab, und der Staat und seine Richter werfen über die unschuldige Kreatur das Los: Tod. Wie, das spielt keine Rolle.

Wie rasch seit der Verfälschung des 5. Gebotes durch die Kirche von „Du sollst nicht töten“ in „Du sollst nicht morden“ der Niedergang der ethisch moralischen Werte fortschreitet, zeigt sich u.a. in der folgenden jüngsten Zeiterscheinung:

Hatten bisher die Jäger ihr mörderisches Tun stets gerechtfertigt mit scheinheiligen Argumenten, so treten einige von ihnen jetzt gleichsam heraus aus dem schützenden Dickicht, das aus fadenscheinigen Beteuerungen bestand, und geben ohne Beschönigung unumwunden zu, daß sie Lusttöter sind. Das ist offenbar nicht mehr ehrenrührig, denn sie schreiben z.B., so zu lesen in der Jägerzeitschrift PIRSCH 19/2003:

„Warum also jagen wir eigentlich? ... Wir sollten uns davor hüten, uns selbst und anderen Märchen über die Beweggründe für unser Tun aufzutischen. Wenn wir versuchen würden, uns als die selbstlosen Retter der Natur zu verkaufen, denen das Töten von Tieren eigentlich zutiefst zuwider ist, die es jedoch um der Sache willen auf sich nehmen, dann ginge dieser Schuß mit Sicherheit nach hinten los. Die Mehrheit würde uns dies ohnehin nicht glauben, und der gutgläubige Rest würde früher oder später dahinter kommen, dass dem nicht so ist. Die Folge: Die Jägerschaft hätte auch bei dieser Gruppe den letzten Rest an Sympathie verspielt. Vergessen Sie also die Märchen vom ‚guten Heger, der nur alte und kranke Tiere schießt’ oder dem ‚großen Regulator’ ...“

Und in der Jägerzeitschrift WILD UND HUND 19/2003 heißt es: „Jagd ist eine höchst beglückende Tätigkeit des Menschen ...“

Die Zeitschrift „Freiheit für Tiere“ bringt in ihrer 2. Ausgabe 2004 einen Artikel unter der Überschrift „Jäger geben es zu: Ja, wir haben Lust am Töten!“, worin u.a. Zitate aus Veröffentlichungen von Jägern zu lesen sind. Z.B.:

„Beim Erlegen des Wildes erleben Jäger einen Kick, und zu dem sollten sie sich bekennen.“ „Stehen wir zu unserer Freude am Beutemachen!“ „Lobenswert dann das mutige Bekenntnis: ‚Ja ich töte!’“

An der Tatsache, daß solches ganz freimütig und selbstbewußt öffentlich bekundet werden kann, läßt sich ablesen, wo unsere Welt, wo die Menschheit heute steht, wie es um ihren Bewußtseinsstand und ihr Gewissen bestellt ist.

Ob jedoch die offensiven Verlautbarungen jener Jäger, die soeben zitiert wurden, repräsentativ sind für das Fühlen und Denken aller Jäger und für ihre Einstellung zu ihrem Tun, darf bezweifelt werden. Die meisten von ihnen rechtfertigen weiterhin ihr blutiges Handwerk mit den Worten, die im Werk aus „Dichtung und Wahrheit“, dem Alten Testament, niedergeschrieben sind und „Gott“ zugeschrieben werden: „... füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise." Nur jene, die vom Wesen des wahren Gottes, der Liebe, Freiheit und Einheit, nichts wissen oder nichts wissen wollen, die selbst das Herrschenwollen in ihrer menschlichen Un-Natur tragen, können das Bibelwort zum Anlaß nehmen, zu töten, zu morden, Leben zu vernichten. Lesen sie denn nicht, daß schon im übernächsten Satz deutlich geschrieben steht: „Fürwahr, ich weise euch zu alles samentragende Kraut auf Erden und alle Bäume, die samenhaltige Früchte tragen, daß sie euch zur Nahrung dienen“? Oder lesen Sie einfach so lange weiter, bis andere Bibelstellen ihr Tun rechtfertigen? So heißt es wenig später: „Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben. Allein esset das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist.“

Die Widersprüche in der Bibel nehmen kein Ende; sie ziehen sich durch das ganze Werk Bibel. Wer aufgrund der besagten Bibelaussage für das Töten der Tiere ist, weil der Katechismus der katholischen Kirche bescheinigt, alle Teile des alten Testamentes seien Gottes absolutes Wort, der müßte sich auch an alle anderen Aussagen der Bibel halten. Verflucht einer seinen Vater oder seine Mutter, müßte er folglich getötet werden. Ehebruch hätte dann ebenfalls den Tod zur Folge. Wer den „Sabbat“ nicht hält, wer also an Sonn- und Feiertagen etwa arbeitet oder nicht den „Gottesdienst“ besucht, müßte um sein Leben fürchten.

 

Der Jäger, dem das Töten der Tiere ein Anliegen ist, „um den Willen ‚Gottes’ zu erfüllen“, müßte demnach auch in all diesen Fällen ebenso konsequent handeln. Und auch im folgenden Fall, von dem im 5. Buch Mose zu lesen ist, müßte entsprechend verfahren werden:

„Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seine Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen, und er soll sterben.“

Wer seine Lebensführung mit Aussagen der Bibel rechtfertigt, müßte nun wissen, wie vorzugehen ist – z.B. eben die Jäger.

 

Im zweiten Buch Mose steht: „Wer einen Menschen so schlägt, daß er stirbt, wird mit dem Tod bestraft.“ Bei Jesaja finden wir aber die Textstelle: „Wer einen Ochsen erschlägt, ist eben als einer, der einen Menschen erschlüge ...“ Zählen wir hier 2 und 2 zusammen, wenden also die einfachsten Regeln der Logik an, so ergibt sich klar der Schluß: Wer einen Ochsen schlachtet, wird mit dem Tod bestraft.

Sinngemäß ist daraus abzuleiten: Wer ein Schaf, ein Huhn, einen Hund, eine Katze umbringt, wird selbst umgebracht werden. Und: Wer einen Hasen, ein Wildschwein, ein Reh, einen Fasan umbringt, wird selbst umgebracht werden.

Im übrigen, liebe Leser, besagt dies nicht nur die Katechismus- und Bibel-Logik, sondern auch das Kausalgesetz, das Gesetz von Saat und Ernte, von Ursache und Wirkung, das walten wird, solange es Menschen auf dieser Erde geben wird. Ob man daran glaubt oder nicht, ist nicht von Belang – es ist, wie es nun mal ist.

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