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Demobericht Düsseldorf



Am 29.07.2006 versammelten sich auf dem Graf-Adolf-Platz in Düsseldorf mehr als 300 Tierfreunde zu einer internationalen Demonstration, um für die Rechte der Tiere auf die Straße zu gehen und die Bevölkerung aufzufordern:
Menschen, esst kein Fleisch!
Weg mit den Tierghetto-Wärtern!
Nieder mit den Schlachthöfen!

Der Demonstrationszug führte über Düsseldorfs Prachtstraße, die Königsallee, durch die Elberfelder-Straße, die Heinrich-Heine-Allee und die Mühlbergstraße, bevor auf dem Burgplatz die Abschlusskundgebung stattfand.
Während des Demonstrationszuges hallten Spots durch die Straßen, die nicht nur darauf aufmerksam machten, dass Fleischessen grausam ist, krank macht, Umweltschäden und globales Leid verursacht, sondern auch diefurchtbaren Schreie der Tiere und die Geräusche beim Geschlachtetwerden waren zu hören. In weiteren Spots, in die ebenfalls die Schreie der Tiere integriert waren, wurde der Aufruf „Weg mit den Tierghetto-Wärtern!“ und „Nieder mit den Schlachthöfen!“ erklärt, denn  kaum ein Mensch weiß, dass in Deutschland mehr als 166 Millionen „Nutztiere“ leben, das sind doppelt so viele wie die Einwohnerzahl Deutschlands.

Die meisten Menschen denken, ob ein Mensch mehr oder weniger Fleisch isst, darauf kommt es nicht an. Auch diese Ausrede wurde widerlegt, denn bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren sterben für einen einzigen Kadaveresser 450 Tiere. Alle Spots endeten mit den Forderungen, für die wir auch mit dieser Demonstration in Düsseldorf eintraten:

· Verbot des mutwilligen Tier-Tötens (Schlachtung, Jagd, Fischfang, Tierversuche)
· Verbot der Nutztierhaltung und Tierausbeutung
· Verbot der Fleischwerbung und Einstufung von Fleisch als Genussmittel, wie Alkohol und Nikotin
· Anpassung der Krankenkassenbeiträge für Fleischesser
· Verbot von Gülle auf den Feldern
· Tierschutzunterricht in Schulen


Während des Demonstrationszuges waren nicht nur Spots zu hören, sondern Tierschützer traten auch mit Redebeiträgen für die Tiere ein. Ein Arzt schilderte z.B. mit drastischen Worten die gesundheitlichen Folgen des Fleischkonsums.

Auch auf Aktuelles wurde während des Zuges durch die Düsseldorfer Innenstadt Bezug genommen, denn zwei Tage vor der Demonstration wurde der 150. Geburtstag des

irischen Schriftstellers George Bernhard Shaw gefeiert, der 1925 den Nobelpreis erhielt. Von ihm stammt das berühmte Zitat: „Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht.“ Shaw prägte aber noch einen weiteren Ausspruch, der gerade in diesen Tagen wieder traurige Aktualität gewann. Shaw sagte:
„Solange die Menschen die wandelnden Gräber der von ihnen ermordeten Tiere sind, wird es Krieg geben auf dieser Erde.“

Und George Bernhard Shaw kam zu dem Ergebnis: „Die besten Reformer, die die Welt je gesehen hat, sind die, die bei sich selbst anfangen.“ Die Passanten wurden aufgefordert, diese Worte Shaws ernst zu nehmen und bei sich selbst zu beginnen. Denn der erste Schritt, den jeder einzelne als Beitrag zum Frieden in der Welt leisten kann, ist, selbst kein wandelndes Grab von ermordeten Tieren mehr zu sein, sich also vegetarisch zu ernähren.

Auch der berühmteste Sohn der Stadt Düsseldorf, Heinrich Heine, wurde erwähnt, während man durch die Heinrich-Heine-Allee zog. Denn der Abschuss des Bären Bruno bewegte in Deutschland die Gemüter, und Heinrich Heine war es, der schon 1843 einem Bären eine Stimme gab, dem Tanzbären „Atta Troll“ in seinem Werk „Ein Sommernachts-traum“. Er ließ den Bären über die Menschen folgendes sagen:

„Menschen, warum seid ihr besser / als wir andren? Aufrecht tragt ihr / zwar das Haupt, jedoch im Haupte / kriechen niedrig die Gedanken.“
Ähnliches mag Bruno wohl auch über die Menschen gedacht haben, vor allem über die Politiker aus Bayern, die aus ihm einen „Problembären“ machten, der zur Hinrichtung freigegeben wurde, wurde während des Demozuges gesagt.

 

Internationale Unterstützung erhielten die Tierfreunde auch dieses Mal. In einem Demobeitrag aus Spanien wurden Teilnehmer und Passanten auf folgendes aufmerksam gemacht: „In Spanien kämpfen wir gegen die grausamen Stierkämpfe, bei denen unschuldige Lebewesen vor den Augen der Menschen auf eine feige Art massakriert werden. Ein barbarisches Treiben, das in der ganzer Welt, auch in Deutschland, zu Recht verurteilt wird. Aber ist es wirklich für die Tiere in den Schlachthöfen viel anders? Oder fehlen im Prinzip nicht nur die Zuschauer? Und wie ist es in Wald und Flur? Wenn ich an den Bären Bruno denke, dann ist die Realität das gleiche. Ob in der Stierkampfarena, im Schlachthof, im Versuchslabor oder in der freien Natur: Es ist immer unschuldiges Leben, das qualvoll und voller Angst stirbt.“

Aus Italien wurden drei teilnehmende Tierschutzorganisationen begrüßt:
Lac, OIPA, No alla caccia. Der Abschuss des Bären Bruno beschäftigte auch die Italiener. In ihrem Redebeitrag sagten sie u.a.: „Auch die Hinrichtung von JJ1, der Bär Bruno, hat eine sehr große Empörung in Italien hervorge-rufen - und nicht nur unter den Tierschüt-zern. Die Verantwortlichen des Naturparks Adamello-Brenta – wo JJ1 geboren wurde –
fragen, warum die deutschen und österrei-chischen Behörden nicht die Experten aus Italien um Rat und um Hilfe gebeten haben, sondern sogenannte Experten aus Finnland geholt haben, die schlussendlich nicht helfen konnten. Die Experten vom Naturpark Adamello-Brenta hatten ausdrücklich ihre Hilfe und ihre Erfahrung mit den Bären angeboten. Sie distanzieren sich von der Entscheidung der deutschen Behörden...“

Polnische Demonstranten unterstützten die Demonstration und verlasen zwei Erklärungen von folgenden Tierschutzorganisationen:
The International Organisation of Vegetarians Die Viva! Stiftung, Polen: „Liebe Freunde in Deutschland! Ihr habt unsere volle Unterschützung! Tiere sind Wesen, die unserer Achtung und unserer Betreuung bedürfen. Das Töten der Tiere zum Zweck der Ernährung muss ein Ende haben. Es birgt eine große Gefahr für die Gesundheit des Menschen – sogar für unseren Planeten. Daher sollte jeder das Bewusstsein für die vegetarische Ernährung entwickeln. Auf diese Weise kann jeder sich selbst schützen, die Umwelt schützen sowie die Tiere.“

Und die Ökologische Bewegung GREEN ANGELS aus Polen sagte: „Wir unterstützen euch von ganzem Herzen! Wir in Polen tun, so wie ihr in Deutschland, unser Bestes, um die täglichen Massaker an den Tieren in den Schlachthöfen zu stoppen. Viele Tiermütter tragen ihre Babys noch im Leib, wenn sie hingerichtet werden. Dieser Hölle auf der Erde muss ein Ende bereitet werden. Gemeinsam werden wir es schaffen.“

Nach einem ca. einstündigen Zug durch Düsseldorf erreichten die Demonstranten den Burgplatz, auf dem sie bereits von der AJ-Gang erwartet wurden. Diese vegetarische Tierschutzband unterstützte die Demonstration durch einige ihrer Songs, die zwischen den einzelnen Redebeiträgen gespielt wurden.

Während des Demozuges wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass wir mit dieser Demonstration auch für ein Verbot des mutwilligen Tier-Tötens eintreten, und so begann mit diesem Thema auch die Düsseldorfer Kundgebung, denn das mutwillige Töten eines Tieres, und zwar des Braunbären Bruno, hatte in Deutschland für große Aufregung gesorgt. Mehrere Umfragen haben ergeben, dass ca. 80% der Deutschen gegen den Abschuss des Bären waren.

Folgendes wurde über diesen Fall berichtet:
Durch den Mord an Bruno ist vielen Menschen bewusst geworden, was in Deutschland in der Natur die brutale Realität ist: 1000-facher Mord an freilebenden Tieren und Tierkindern, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Und das jeden Tag, das ganze Jahr.
Der Präsident des WWF Italien sprach von einem „Akt der Barbarei“. Und der Präsident des Deutschen Naturschutzrings meinte:

„In anderen Ländern leben Bär und Mensch friedlich zusammen, nur in Deutschland wird er liquidiert.“ In der Frankenpost war zu lesen: „Den Bären zu töten ist ein Verbrechen wider den Natur- und Tierschutz. Offenbar wusste eine Handvoll schießwütiger Jäger, die vom Landratsamt beauftragt wurden, sehr genau, wo sie den Bären finden würden.“Und es soll ja anscheinend weitergehen. Die Berliner Umschau schrieb: „Bayerische Politiker gieren nach dem nächsten Bärenabschuss.“ „Die Schießwütigkeit bayerischer Behörden nimmt offenbar kein Ende. Dieselben Experten, die für den Abschuss von Braunbär Bruno verantwortlich sind, planen die Tötung seiner Mutter.“ Im Main-Echo gab es folgenden Leserbrief: „Als Reaktion auf die kriminelle Exekution des Bären keine 5 Stunden nach der Freigabe zum Abschuss haben zwei meiner Freunde und ich unsere CSU-Mitgliedschaft beendet. Wir setzen damit ein Zeichen gegen das ungehinderte Agieren dieser unsäglichen Mischung aus Unfähigkeit, Inkompetenz, Hysterie und Missachtung des Volkswillens, verkörpert durch den Skandalminister Schnappauf. Über 70% der Bevölkerung haben teilweise regelrecht darum gebettelt, den Bären zu verschonen.“Aus der Staatskanzlei von Edmund Stoiber in München kam der Befehl zum Abschuss. Deswegen gibt es seit der Exekution von Bruno jede Woche eine Mahnwache vor der Staatskanzlei in München. Dort geben viele Menschen ihre Unterschrift gegen die Jagd und gegen den Polizeijagdstaat von Edmund Stoiber.

Die Teilnehmer der Demonstration konnten ebenfalls am Informationsstand unterschreiben und hörten einige Kommentare, die weltweit zu dieser Unterschriftenaktion gegeben wurden

Was Bruno der ganzen Welt gezeigt hat, ist die unglaubliche Barbarei, mit der in Bayern die verantwortlichen Behörden Tieren gegenüber vorgehen. Die Bevölkerung hat den Abschuss abgelehnt, viele Experten haben den Abschuss abgelehnt, aber wenn der bayerische Minister-präsident Stoiber dem Staatsminister Schnapp-auf einen Exekutionsbefehl zur Hinrichtung eines Bärenbabys gibt, dann war in diesem Fall ein Exekutionskommando des Landratsamtes

Miesbach zur Stelle, um den Befehl auszu-führen. Diese Vorgehensweise im Fall Bruno ist aber in Bayern nicht einmalig. Mittlerweile ist Stoibers Behördenjagdstaat in Unterfranken auf mindestens ebenso abscheuliche Weise aktiv geworden:
Der Fall Bruno wurde von der Presse aufge-griffen, weil es seit 170 Jahren der erste Bär war, der sich wieder auf deutschen Boden getraut hat. Im Landkreis Würzburg geht es um

das Erschießen von Wildschweinen. Diese Wildschweine haben die Straftat begangen, die Waldgrenze zu verlassen und in die Felder zu gehen, um sich dort etwas zu essen zu holen.


Auch hier haben die Behörden wieder sowohl die öffentliche Meinung als auch die Natur- und Tierschutzgesetze außer Acht gelassen und ein Exekutionskommando zusammengestellt aus schießwütigen Jägern. (Genauso wie im Fall Bruno werden im Landkreis Würzburg die beteiligten Personen ebenfalls anonym gehalten.) Denn sie wurden vom Landratsamt Würzburg angewiesen, die gesetzlich vorgeschrieben Schonzeiten für Wildschweine nicht zu beachten, und ihre Vorgehensweise macht die Einhaltung der Naturschutzgesetze unmöglich. Die Felder im Landkreis werden während der Ernte von dieser Todesschwadron, bestehend aus bis zu einem Dutzend schwerbewaffneten Jägern, umstellt. Die Tiere, die aus dem Feld zu fliehen versuchen, werden abgeknallt.
Ein Jäger, der durch dieses Exekutionskommando ersetzt wurde, sagte dazu folgendes:
„Seit dieser Vorgehensweise vom Landratsamt Würzburg laufen sehr viele angeschossene und verkrüppelte Tiere herum. Man sieht Frischlinge, also Wildschweinkinder, deren Mutter erschossen wurde. Wenn diese noch zu klein sind, verhungern sie. Ich habe noch nie so viel Tierquälerei und Tierleid gesehen, wie es zur Zeit hier zu sehen ist.“
Dazu passt, was der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, sagte: „Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.“
Deswegen fordern wir: Schafft den Behördenjagdstaat von Edmund Stoiber ab: die Jagd in Wald und Flur, die Brutalität in den Ställen, Schlachthäusern und Laboratorien.

Nach diesem Beitrag über den Braunbären Bruno wurden in Düsseldorf aus ärztlicher Sicht die gesundheitlichen Gefahren des Fleisch-konsums aufgezeigt.
Anschließend wurde auf das Leid der Tiere in der Massentierhaltung und bei der Schlachtung eingegangen, denn wie eine Jenaer Unter-suchung ergab, ist Tierschutz die wichtigste Motivation für den Verzicht auf Fleisch. Auch wenn der Bestand an Rindern, Schweinen und Schafen in Deutschland sinkt, so leben immer noch 26,5 Millionen Schweine, 12,8 Millionen Rinder, sowie 2,6 Millionen Schafe in deutschen Tier-Ghettos. In Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit dem zweitgrößten Anteil am gesamten Schweinebestand, ist der Bestand wegen der Schweinepest um 5,1 % gesunken. Doch es sind immer noch 6,1 Millionen Schweine, die alleine in Nordrhein-Westfalens Tierghettos dahinvegetieren müssen!

Und wie das Leben dieser Schweine aussieht, das erfuhren die Teilnehmer bei der Kundgebung.

Wem bis dahin nicht der Appetit vergangen war, der konnte sich bei einem vegan-vegetarischen Imbiss von der Schmack-haftigkeit der fleischlosen Küche überzeugen.
Eine aktuelle Emnid-Umfrage für ZEIT Wissen vom Mai 2006 ergab, dass 72,5% der Deutschen glauben, dass Tiere ein Bewusstsein haben, ähnlich wie Menschen! Und wie sich dieses Bewusstsein der Tiere im täglichen Leben zeigt, darüber berichtete ein Mitarbeiter der Gabriele-Stiftung aus seinen vielfältigen Erfahrungen.
Den Abschluss der Kundgebung setzte die
AJ-Gang mit ihrem Song:
Mach die Augen auf
!

Verschließen wir nicht die Augen vor dem Leiden der Tiere, und sehen wir uns bei der nächsten Demo auf deutschen Boden wieder: am 23. September in Karlsruhe!

Ein weiterer Bericht über diese Demonstration ist auch unter http://fellbeisser.info/?p=4312 zu finden.

 

Unterschriftenaktion:

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