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Demonstration in Nürnberg



Strahlender Sonnenschein begrüßte die 300 Tierfreunde aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien, Frankreich und Polen, die sich am Samstag, dem 25.08.2007, in Nürnberg versammelten, um den Tieren eine Stimme zu geben – es war die 14. Demonstration, unter dem Motto:

»Menschen, esst kein Fleisch!
Weg mit den Tierghetto-Wärtern!
Nieder mit den Schlachthöfen!«

Der Treffpunkt am Kornmarkt - mit seinem Torbogen für die Menschenrechte - machte die Teilnehmer der Demonstration gleich auf die besondere Rolle der Stadt Nürnberg für den Frieden und die Menschenrechte aufmerksam. Pünktlich um 13.00 Uhr setzte sich dann auch unter dem Vorzeichen einer friedlichen Demonstration der lange und bunte Demonstrationszug in Bewegung; denn wer für die Rechte der Tiere eintritt, achtet auch die Rechte der Menschen.

Die Tierrechtsdemonstration führte die Teilnehmer – auch an diesem Tag wieder mit Plakaten und Transparenten bestückt, um den Tieren eine Stimme zu geben – durch die Nürnberger Altstadt. Beginnend am Hallplatz ging es über die Theatergasse, Peter-Vischer-Straße, Heubrücke, Spitalbrücke, Spitalgasse, Museumsbrücke, Kaiserstraße, Färberstraße und Karolinenstraße bis zum Platz vor der Lorenzkirche, auf dem die Abschlusskundgebung stattfand.

Während des Demozuges, auf dem wie auch bei vorangegangenen Demonstrationen das grauenhafte Brüllen eines Rindes vor der Tötung und die Schlachtgeräusche zu hören waren, verbunden mit dem Aufruf „Menschen, esst kein Fleisch!“, erinnerten die Teilnehmer die Nürnberger Bürger und Bürgerinnen auch immer wieder daran, dass die Zeit gekommen ist, in der wir nicht nur für die Rechte der Menschen eintreten können, sondern auch für die Rechte der Tiere eintreten sollten, z.B. mit dem Zitat des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln, der sagte: »Ich bin für Tierrechte ebenso wie für Menschenrechte. Das ist es, was einen vollkommenen Menschen ausmacht.«

Während des Demonstrationszuges wurden die Passanten auch auf das Leid der Tiere aufmerksam gemacht, das sie erdulden müssen, bevor ihre Leichenteile z.B. als „Nürnberger Bratwurst“ in den Mägen der Menschen landen.

Es wurde auch die Frage aufgeworfen, woher die Menschen das Recht nehmen, Tiere – vor allem Tierbabys, denn das sind die meisten „Schlachttiere“ eigentlich – zu ermorden, nur wegen eines kurzen Gaumengenusses.

Neben vielen weiteren Themen wurde insbesondere die Auswirkung des Fleischverzehrs auf den Klimawandel, den Welthunger und die weltweite Wasserknappheit aufgezeigt.

Die Passanten wurden immer wieder eingeladen, sich dem Demonstrationszug anzuschließen und die Abschlusskundgebung auf dem Platz vor der Lorenzkirche mitzuverfolgen.

Auf dem stark frequentieren Platz der Abschlusskundgebung traten wieder verschiedene Redner und Rednerinnen für die Rechte der Tiere ein.

Ina Lautenschläger, von Beruf Tierärztin, schilderte z.B. den grausamen Umgang mit den Tieren in der Massentierhaltung und bei der Schlachtung, bei der die Tiere oftmals noch bei Bewusstsein sind. Sie räumte auch mit dem Argument auf, dass Tiere nicht fühlen würden, denn mittlerweile haben auch Wissenschaftler herausgefunden, dass auch Fische ein Schmerzempfinden haben.

Der Arzt und Leiter der HG Naturklinik, Dr. Arno Schneider, erläuterte nicht nur, dass Fleischessen krank macht, sondern zeigte auch den globalen Zusammenhang zwischen dem Fleischverzehr, dem Klimawandel, dem Hunger in der Welt und den immer knapper werdenden Wasserreserven auf, was einige Teilnehmer der Demonstration wie folgt kommentierten:

»Da bei Demos immer wieder der Vorwurf kommt: “Warum setzt ihr euch für die Tiere ein, tut lieber was für die Menschen, bei dem Leid überall auf der Welt!“ fanden wir den Beitrag sehr gut: Wer kein Herz für Tiere hat, der hat auch kein Herz für die Menschen, wer nichts für die Tiere tut, der tut auch nichts für die Menschen – einhergehend mit der Aufklärung, wie sich die Massentierhaltung auf das Klima, den saueren Regen und die Abholzung der Regenwälder auswirkt und somit auch auf die Menschen, die letztlich darunter leiden werden und schon leiden. Und noch direkter: die Auswirkungen der Unmengen Futtermittel sowie der Wasserverbrauch für die Massentierhaltung, die jetzt schon viel Hunger und Mangel an sauberem Wasser verursachen.«

Stefan Bernhard Eck, als Vertreter der „Allianz für Tierrechte“, ließ es sich nicht nehmen, in der Stadt der Menschenrechte für die Rechte der Tiere einzutreten. Er sprach von dem in fast allen großen Weltreligionen geführten Argument: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Und sagte u.a.: „Wir wollen nicht getötet und gefressen werden – deshalb sollten wir auch andere Lebewesen nicht töten und essen.“ Den ganzen Redebeitrag können Sie hier lesen.

Daniel Zopfi, als Vertreter der Gabriele-Stiftung, sprach von der hoffnungsvollen Alternative, von dem Land des Friedens, das im Entstehen ist, auf dem Mensch, Natur und Tiere mehr und mehr in Einheit miteinander leben. Dort finden vor dem Schlachtermesser gerettete Tiere eine neue Heimat und auch so manches Tier, das aus „Hobbyhaltung“ gerettet wurde, was für die Tiere oftmals eine ähnlich große Qual bedeutet wie die Massentierhaltung. Die Tiere, die dort in größtmöglicher Freiheit leben können, werden nach der Goldenen Regel der Bergpredigt betreut, die für die Mitarbeiter der Gabriele-Stiftung auch gegenüber den Tieren gilt. Sie lautet: „Was du willst, dass andere dir tun, das tue du ihnen zuerst.“ So erhalten die Tiere schöne Weiden, Unterstände, genügend Nahrung und frisches Wasser und bei Bedarf auch eine gute medizinische Versorgung. So fassen die Tiere nach und nach wieder Vertrauen zu den Menschen und entwickeln auch einen ihrer Art entsprechenden eigenen Charakter, denn jedes Tier ist eine Persönlichkeit.

Gegen Ende der Abschlusskundgebung sprach der Journalist Matthias Holzbauer und zeigte den Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Tierrechten auf. Er sagte u.a.: „Nicht nur die Menschenrechte verdienen unsere Aufmerksamkeit, sondern auch die Tierrechte. Menschen- und Tierrechte gehören zusammen, weil der Mensch ein Teil der Natur ist, und weil Tiere ebenso leiden wie wir, die Menschen. Wem das Schicksal unserer Übernächsten, der Tiere, gleichgültig ist, der ist auch in Gefahr, gefühlsmäßig abzustumpfen und sich für Gewaltparolen zu öffnen.“ Sie können hier den vollen Wortlaut des Redebeitrages von Matthias Holzbauer nachlesen.

Am Ende wurden die Teilnehmer der Demonstration und vor allem auch die zahlreichen interessierten Passanten eingeladen, die vegetarische Alternative zu Fleisch und Wurst zu probieren und sich am Informationsstand über die angesprochenen Themen weiteres Informationsmaterial mitzunehmen. Viele unterstützten bereitwillig die Forderungen der Tierfreunde auch durch ihre Unterschrift.

Die Demonstration in Nürnberg wurde wieder mit der herzlichen Bitte an alle Tierfreunde beendet, die lautete:

Helfen Sie mit, den mutwilligen Mord an Tieren zu beenden!
Helfen Sie mit, den Krieg in Wald und Flur, in den Schlachthäusern und Laboratorien zu beenden!
Schaffen Sie Frieden mit den Tieren, der Natur und der Erde!
Und das alles beginnt mit dem Aufruf: Esst nicht das Fleisch eurer Mitgeschöpfe!“

Nach dieser gelungenen Demonstration freuten sich viele über die Ankündigung der nächsten Demonstration, die am 27.10.2007 in Tübingen stattfinden wird!

Redebeitrag: Stefan Bernhard Eck, Allianz für Tierrechte

Meine Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Nürnberg, liebe Freundinnen und Freunde,

ob Sie an einen Gott und an göttliche Gesetze glauben oder nicht glauben, ob Sie Christ, Jude, Moslem, Buddhist, Hinduist oder Atheist sind - Sie spüren ganz intuitiv, dass es nicht richtig ist, dass es unmoralisch ist, zu töten, einem Lebewesen das höchste Gut zu rauben, das es besitzt, nämlich sein Leben!

Das ist das wichtigste Gebot, das von allen großen Religionsgemeinschaften dieser Welt gefordert wird. Dieses Gebot des Nicht-Tötens sollten wir nicht nur auf Menschen anwenden, sondern auch auf Tiere. Die Menschen sollten also aufhören, Fleisch zu essen!

Ein weiteres Argument: Es ist unsportlich, unfair, ja, es ist unmoralisch, und es ist ein Zeichen von Würdelosigkeit, den Schwächeren zu unterdrücken und auszubeuten. Und die schlimmste Art der Ausbeutung ist es, einem Lebewesen sein Leben zu nehmen. Das tun wir, wenn wir Fleisch essen!

Und noch ein Argument, das wir auch ganz intuitiv fühlen, ein Argument, das auch in fast allen großen Welt-Religionen niedergeschrieben wurde, das von großen Philosophen gefordert wurde, das wir alle kennen. Es lautet: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu!

Wir wollen nicht getötet und gefressen werden – deshalb sollten wir auch andere Lebewesen nicht töten und essen.

Und heute gibt es noch ein zusätzliches Argument: Alle reden von Klima-Katastrophe und Klima-Schutz. Fast 20% der klimaschädlichen Gase entstehen durch die Massentierhaltung. Das ist mehr, als der ganze Individualverkehr weltweit verursacht. Wenn wir das Klima und Mutter Erde schützen wollen, sollten wir aufhören, Fleisch zu essen.

Entweder wir hören endlich damit auf, oder wir richten die Erde zugrunde – und damit uns selbst.

Wenn wir das nicht beherzigen, wenn wir weiterhin Fleisch essen, wenn der Fleischkonsum, so wie prognostiziert, in den nächsten 30 Jahren sich verdoppeln wird, dann lasst uns ein Apfelbäumchen pflanzen, denn es ist bald soweit – dann wird es zu einer Katastrophe kommen, die unseren Planeten an den Rand des Abgrundes führen wird.

Wir schulden es den kommenden Generationen, jetzt zu handeln.

Also, Schluss mit der „Fraßkultur“ - hören wir auf, Fleisch zu essen!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 

Redebeitrag: Matthias Holzbauer, Journalist

Liebe Kundgebungsteilnehmer, liebe Freunde,

wir befinden uns heute in Nürnberg – in der Stadt des Friedens und der Menschenrechte.

Die Menschen dieser Stadt haben sich aufgrund einer teilweise sehr dunklen Vergangenheit sehr intensiv mit dem Thema der Menschenrechte auseinandergesetzt und daraus Schlüsse für die Gegenwart und für die Zukunft gezogen. Es gibt hier in Nürnberg, hier ganz in der Nähe, eine Straße der Menschenrechte. Es gibt eine „runden Tisch“ zum Thema Menschenrechte, es gibt einen Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis, der hier verliehen wird ebenso wie der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis, es gibt ein Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte. Hier in Nürnberg ist ein Bündnis „fair toys“ für die Herstellung von Spielzeug unter fairen Bedingungen gegründet worden, der Nürnberger Oberbürgermeister ist einer der „Mayors for peace“, also der Bürgermeister für den Frieden, einer Bewegung, die von Hiroshima ausging. Und Nürnberg erhielt im Jahr 2000 den UNESCO-Preis für Menschenrechtserziehung. Außerdem wird hier in der Stadt in regelmäßigen Abständen das Nürnberger Friedensmahl durchgeführt, das auf ein großes Festmahl bei der Beendigung des 30-jährigen Krieges zurückgeht.

Das sind alles sehr wichtige und lobenswertre Initiativen, die zur öffentlichen Bewusstseinsbildung beitragen.

Doch nach dem, was wir heute gesehen und gehört haben, liebe Freunde, dürfen wir dabei nicht stehen bleiben. Ein weiterer Schritt ist angesagt, und er ist überfällig: Nicht nur die Menschenrechte verdienen unsere Aufmerksamkeit, sondern auch die Tierrechte.

Menschen- und Tierrechte gehören zusammen, weil der Mensch ein Teil der Natur ist, und weil Tiere ebenso leiden wie wir, die Menschen. Wem das Schicksal unserer Übernächsten, der Tiere, gleichgültig ist, der ist auch in Gefahr, gefühlsmäßig abzustumpfen und sich für Gewaltparolen zu öffnen.

Der jüdische Theologe Pinchas Lapide hat dies zum Ausdruck gebracht, als er sagte: „Es ist bekannt, dass die Überwindung der Schallmauer des Blutvergießens von Warmblütern auch zur brutalen Tötung von Menschen führen kann. Man denke etwa an KZ-Henkersgehilfen mit Schlachthauserfahrung.“ Oder, wie es der russische Dichter Leo Tolstoj formulierte: „Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein kleiner Schritt.“

Wir leben im Zeitalter eines bedrohlichen Klimawandels. Wissenschaftler sagen bereits voraus, dass es immer mehr kriegerische Verteilungskämpfe geben wird um Ressourcen wie z.B. Wasser. Wenn alles so weitergeht, wie von den Wissenschaftlern vorhergesagt, wird auch die Nahrungsmittelproduktion in Gefahr geraten. Angesichts dieser Bedrohungen wird es immer klarer: Frieden, wirklichen Frieden kann und wird es auf dieser Erde nur geben, wenn der Mensch endlich Frieden schließt mit der Natur und mit seinen Übernächsten, den Tieren. Es geht letztlich um unser eigenes Überleben.

Von Mahatma Gandhi stammt der Satz: „Die Größe und den Fortschritt einer Nation kann man daran bemessen, wie sie die Tiere behandelt.“ Und diese Größe, diesen Fortschritt wünsche ich mir für unser Land und auch für diese Stadt, die gezeigt hat, dass sie für wichtige Fragen wie die Menschenrechte sensibel ist.

Ich wünsche mir daher ein Bündnis der Bürgermeister für die Tiere. Ich wünsche mir einen UNESCO-Preis für Tierrechtserziehung. Ein Bündnis „Fair food“ für die Erzeugung fairer Lebensmittel, bei denen kein Tier mehr leiden muss. Einen runden Tisch für Tierrechtsfragen. Einen Internationalen Nürnberger Tierrechtspreis und ein Filmfestival der Tierrechte. Und ein Friedensmahl, bei dem keine Tiere mehr verspeist werden. Vielen Dank!

 

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