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Demobericht Siegen



Eine Demonstration für die Tiere in diesem Umfang hatte Siegen wohl noch nicht erlebt! Über 400 Demonstranten und Demonstrantinnen fanden sich am Samstag, dem 10. März 2007, ab 12.30 Uhr auf dem Siegener Bahnhofsvorplatz ein und wurden dort bereits von der AJ-Gang, der Tierrechtsband, mit rockiger Musik begrüßt.

Teilgenommen an dieser Demonstration des Universellen Lebens haben: die Mitstreiter und Mitstreiterinnen der Allianz für Tierrechte, die internationale Tierrechtsorganisation PETA, AKTE - Arbeitskreis Tierrecht und Ethik, die Initiative zur Abschaffung der Jagd mit ihrer 65. bundesweiten Anti-Jagd-Demo, Heimat für Tiere e.V., PAKT e.V. – Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa, der Arbeitskreis für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche, die Unabhängige Tierschutzunion Deutschland, die Hans Rönn-Stiftung, die Gabriele-Stiftung für Natur und Tiere, der Verein Natur ohne Jagd e.V., Stimmen der Tiere e.V., Die Tierbefreier Nordrhein-Westfalen, der Tierschutznotruf, die Tierrechtsinitiative Freiburg, Kameha, Versand für tierversuchsfreie Kosmetik, Initiative Vegan in Erkrath, der Tierschutzverein in Heppenheim und Umgebung e.V., die Tierversuchsgegner Heilbronn, die Initiative tierversuchsfreie Medizin, Vertreter und Vertreterinnen der Tierschutzpartei – Mensch – Umwelt – Tierschutz...

Aus der Schweiz kam Unterstützung vom Tierschutzbund Innerschweiz, dem Verein der Schweinefreunde - Schweiz und dem Verein gegen Tierfabriken. Aus vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien wurde diese Demonstration von Tierfreunden unterstützt.

In Siegen gelten für den Jugendschutz offensichtlich andere Gesetze als im restlichen Deutschland. Denn noch bevor die Demonstration begann, waltete bereits die Polizei ihres Amtes und konfiszierte einige Schilder der Demonstranten, welche die Realität hinter dem Fleischverzehr – tote Tiere – zeigten.

Die Auswahl der Motive erschien dabei eher willkürlich; so durfte z.B. dieses Bild nicht gezeigt werden,

dieses Transparent jedoch konnte unbeanstandet mitgeführt werden.

Der „Landrat als Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein“ orientiert sich jedenfalls nicht am 1. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, der feststellte: »Je früher unsere Jugend von sich aus jede Rohheit gegen Tiere als verwerflich anzusehen lernt..., desto klarer wird auch später ihr Unterscheidungsvermögen werden, was in der Welt der Großen recht und unrecht ist.«

Oder gingen die Siegener Behörden ganz bewusst so vor? Denn ein Hauptgrund für die Ortsauswahl der Demonstration war die dortige Schweinemastanlage Krämer und der damit verbundene Justizskandal, der von PETA angeprangert wird.

Wie das Tierschutzgesetz in Siegen mit Füßen getreten wird, lesen Sie auf dem von PETA verbreiteten Handzettel.

Bei Zwischenkundgebungen während des Demonstrationszuges vor der Staatsanwaltschaft Siegen und der Veterinärbehörde wurde von Dr. Edmund Haferbeck, dem wissenschaftlichen Berater der Tierrechtorganisation PETA, in einer ausdrucksstarken Schilderung klar gemacht, wie die Staatsanwaltschaft und das Veterinäramt des Kreises Siegen-Wittgenstein unter einer Decke stecken. Statt die Tiere zu schützen, werden die Tierhalter gedeckt - eine Vorgehensweise, die im übrigen nicht nur aus Siegen bekannt ist. Dr. Haferbeck warf demonstrativ unter den Augen der über 400 Tierfreunde die Klage von PETA bei der Staatsanwaltschaft in den Briefkasten.

Im Verlaufe des Demonstrationszuges waren - wie zuvor in Frankfurt, Stuttgart, München, Düsseldorf, Karlsruhe, Wiesbaden und weiteren Städten - aus den mitgeführten Lautsprecherwägen bzw. –handwägen die markanten Aussagen über den Fleischkonsum zu hören: »Menschen, esst kein Fleisch!«, »Weg mit den Tierghetto-Wärtern!«, »Nieder mit den Schlachthöfen!« Dass während dieser Spots auch das ohrenbetäubende Brüllen eines Rindes beim Geschlachtetwerden und weitere schreckliche Schlachtgeräusche zu hören waren, weckte die Aufmerksamkeit der Passanten. Viele wurden nachdenklich, als es darum ging, wie hoch jeweils der eigene Beitrag am Leid der Tiere u.U. ist. Denn für jeden Fleischesser sterben in Deutschland jährlich durchschnittlich 6 Tiere. Das bedeutet: Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren hat jeder Fleischesser 450 Tiere auf dem Gewissen!

Eine ungeplante Zwischenkundgebung ergab sich auf dem Rathausplatz, an dem auch die Kirche liegt, denn dort mussten die über 400 Demoteilnehmer einschließlich der Fahrzeuge wenden. Da dies einige Zeit in Anspruch nahm, wurde bei der Gelegenheit darauf hingewiesen, dass es vielen Tierrechtlern schwerfällt, auf die Kirche zuzugehen - was in diesem Moment buchstäblich unumgänglich war -, denn bekanntlich trägt die Kirche die Hauptschuld am Leid der Tiere.

Die Kirche sprach von jeher den Tieren die Seele ab, degradierte sie zur Sache und prägte in dieser Weise das Bewusstsein des abendländischen Menschen. Daher ist die scheinchristliche Kirche verantwortlich für Missbrauch und Missachtung der Tiere. Wer für die Rechte der Tiere eintritt, kann folglich nicht Kirchenmitglied sein - jedoch durchaus ein Christ! Denn Jesus, der Christus, kam nicht nur für die Menschen, sondern auch, um den Tieren zu helfen. Schließlich gilt das 5. Gebot »Du sollst nicht töten!« nicht nur hinsichtlich der Menschen, sondern ebenso in Bezug auf die Tiere. Die gerade stattfindende Fastenzeit zeigte eine weitere Absurdität der Kirchenlehre auf: Wohl sollte in dieser Zeit kein Fleisch gegessen werden, statt dessen aber wird der Verzehr von Fisch propagiert. Fische – die nun mal keine Stimme haben, um ihren Schmerzen Ausdruck zu verleihen – wurden von den Amtskirchen also kurzerhand als „Ersatzfleisch“ angeboten, statt wenigstens in diesen Wochen auf das Verursachen von Tierleid zu verzichten. Und das noch heute, obwohl bekannt ist, dass mittlerweile immer mehr Fischbestände bedroht sind.

Während des Demonstrationszuges wurde aktuell auch auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Viehzucht eingegangen. Fakten belegten: Die fatale Misere des Klimawandels wird in höherem Maße von den Emissionen durch Viehzucht verursacht als von den schädigenden Einflüssen des gesamten Transportwesens. Es ist also pure Heuchelei und Augenwischerei, das Tempo auf den Straßen zu drosseln oder die Glühbirnen herauszudrehen und durch Energiesparlampen zu ersetzen, während weiterhin hemmungslos Fleisch in Hülle und Fülle produziert und gegessen wird.

Langsam schlängelte sich der endlos erscheinende Demonstrationszug durch die Siegener Fußgängerzone bis zum Bahnhofsvorplatz, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Dort wurden die Passanten und Passantinnen eingeladen, sich die Kundgebung der anwesenden internationalen Tierrechtler anzuhören und nach Belieben die vegan-vegetarischen Hamburger zu probieren, um auch den Gaumen davon zu überzeugen, dass Fleischessen absolut nicht notwendig ist.

Die vielen Teilnehmer dieser Demonstration traten gemeinsam auf, um den Tieren – den Rechtlosen in unserer Gesellschaft - eine Stimme zu geben. Die Kundgebung stand gleich zu Beginn unter der Aussage Albert Einsteins »Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.« Durch die derzeitige Klimadiskussion hat dieser Satz enorm an Bedeutung gewonnen, denn die Wissenschaftler zeichnen bereits ein verheerendes Bild dessen, was der Klimawandel mit sich bringen wird. Immer deutlicher zeigt sich mittlerweile der immense Beitrag der Viehhaltung am Klimawandel. Doch nicht nur der Klimawandel wird hauptsächlich durch den Fleischkonsum verursacht, sondern auch der Welthunger und zahlreiche weitere ökologische Katastrophen, die für Mensch, Tier und die gesamte Erde unermessliches Leid und Leiden mit sich bringen.

Dann ergriff Dr. Edmund Haferbeck von PETA das Wort und schilderte die Vorgehensweise der Siegener Behörden im Zusammenhang mit der Schweinemastanlage Krämer. Als Höhepunkt hatten die Demonstranten und Passanten die Möglichkeit, die Undercover-Aufnahmen aus der dortigen Schweinemastanlage zu sehen, die an Grausamkeit und Ekelerregung kaum zu überbieten sind. Dieser Film ist mittlerweile auch online bei PETA zu sehen; bitte folgen Sie dazu diesem Link...

Dr. Haferbeck ließ es sich nicht nehmen, auf die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche hinzuweisen, die anderen Menschen ein sündiges Leben vorwirft, selbst aber wohl die meisten Leichen – von Menschen und Tieren – auf ihrem Konto hat. (Redetext)

Dipl.-Ing. für Lebensmitteltechnik, Christoph Michels, zeigte auf, welche weiteren Grausamkeiten hinter dem „Lebensmittel“ Fleisch stecken, denn das Leid der Tiere in der Massentierhaltung ist vielen Menschen nicht bekannt. Seine Alternative lautete: Lernen Sie vegetarisch kochen! (Redetext)

Als nächster Redner trat Dr. Arno Schneider auf die Bühne, um über die gesundheitlichen Folgen des Fleischverzehrs aufzuklären. Nicht nur wurde aus medizinischer Sicht leicht verständlich der Zusammenhang zwischen Fleischessen und einigen Krankheiten beim Menschen aufgezeigt, sondern Dr. Schneider sprach auch im Namen der Tiere und fragte uns Menschen, ob es denn ein Zufall sei, dass wir Menschen so leiden, nach all den Leiden, die wir den Tieren zufügen. (Redetext)

Stefan Eck, Sprecher von A.K.T.E-Arbeitskreis Tierrecht und Ethik und der Allianz für Tierrechte, ging auf die politischen Verhältnisse des Tierschutzes in Deutschland ein. Sein Traum ist eine Welt ohne Tierleid. (Redetext)

Anschließend überbrachten Vertreter der spanisch-, englisch-, und französischsprechenden Welt Grüße und Solidaritätserklärungen aus vielen Ländern dieser Erde, die aufzeigen, dass der Traum einer Welt ohne Tierleid Realität werden kann, denn immer mehr Menschen überall auf der Erde schließen sich engagiert …zusammen, um den Tieren eine Stimme zu geben und sich für ihre Rechte einzusetzen. (Redetexte)

Als Vertreter von PAKT e.V. – Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa, trat Prof. Dr. jur. Wolfgang Karnowsky von der Fachhochschule Dortmund auf die Bühne und machte deutlich, dass der Tierschutz nun zwar in die Verfassung aufgenommen wurde, doch noch lange nicht in guter Verfassung ist. Deshalb richtete Dr. Karnowsky seine acht rechtspolitischen Forderungen an den Gesetzgeber und die Bundes- und Landesregierung. (Redetext)

Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd, die sich mit ihrer 65. Anti-Jagd-Demo dieser Demonstration angeschlossen hatte, wies auf wissenschaftliche Studien hin, die belegen: Die Natur reguliert sich selbst. In unbejagten Gebieten stellt sich ein Gleichgewicht unter Natur und Tieren ein. Die wahre Motivation der Jäger sei die Lust am Töten. (Redetext)

Die Vertreter der Gabriele-Stiftung, Daniel Zopfi und Hermann Dürr, schilderten in ihrer Rede lebhaft ihre Begegnungen und Erfahrungen mit Tieren, die sich in einer friedvollen Umgebung und ohne Angst vor dem Tod zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln und dem Menschen zeigen, wie ein friedvolles, freundschaftliches Zusammenleben von Menschen und Tieren, in Einklang mit der gesamten Natur möglich ist. (Redetext)

Zwischen den Redebeiträgen ließ die AJ-Gang, die Tierrechtsband, mit ihren Songs die Passanten aufhorchen. „Es ist Zeit“, „Wir prangern an“, „Gammelfleisch“ „Bambi-Killer“, und „Mach die Augen auf“ waren nur einige der Titel, die während der Abschlusskundgebung zu hören waren und die mit ihren Texten und den eindringlichen Rhythmen auf dynamische Art und Weise auf die Anliegen der Demonstration eingingen: Schluss mit dem Tierleid!

Die Kundgebung wurde mit einem Aufruf an alle Teilnehmer und Passanten beendet: Helfen Sie mit, den mutwilligen Mord an Tieren zu beenden! Helfen Sie mit, den Krieg in Wald und Flur, in den Schlachthäusern und Laboratorien zu beenden! Schaffen Sie Frieden mit den Tieren, der Natur und der Erde! Und: Essen Sie nicht das Fleisch ihrer Mitschöpfe!

Und natürlich mit der Einladung zur nächsten Demonstration am 28. April 2007 in Augsburg!

Westfälische Rundschau, 11.03.2007

Tierschützer-Protest in Masken

Rund 400 Tierschützer machten am Samstagnachmittag lautstark und eindrucksvoll auf die Missstände in der Massentierhaltung aufmerksam. Sie setzen sich ebenfalls für eine fleischlose Ernährung der Menschen ein.

Aus allen Teilen Deutschlands und aus dem benachbarten Auslands rollten die Tierschützer in Siegen an. Verschiedene Organisationen wie die Tierschutzpartei, das "Universelle Leben" oder auch Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) hatten zu dieser Aufklärungskampagne und der Demonstration aufgerufen.
"Die schlimmen Misstände und hygienischen Bedingungen eines Schweinemastbetriebs in Oberschelden" seien ein Grund, weshalb sie in Siegen seien, sagten die Tierschützer. Bereits 2004 hätten heimische Tierfreunde auf die Arbeitsweise des Schweinemästers aufmerksam gemacht. Sie drehten damals - heimlich ein Video. Dieser Film wurde während der Veranstaltung in der Siegener Innenstadt gezeigt.
Die Demonstranten kritisierten heftig die Vorgehensweise der heimischen Behörden. Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater von Peta: "Die Staatsanwaltschaft und das Veterinäramt des Kreises Siegen-Wittgenstein stecken alle unter einer Decke und schützen den Tierhalter." Sein Appell an die Zuhörer: " Stürmen Sie das Kreishaus." Noch während der Kundgebung reichte Dr. Haferbeck bei der Staatsanwaltschaft Siegen eine Klage gegen den Mastbetrieb ein. "Esst kein Fleisch", "Bitte lasst mir meine Milch", "Schießt Tore - statt Tiere", war auf einigen Transparenten zu lesen, mit denen die Demonstranten auf die Straße gingen. Einige der Poster, die getötete Tieren zeigen, standen auf dem Index jugendgefährdender Schriften. Deshalb untersagte die Siegener Polizei deren Präsentation.
"450 Tiere sterben für jeden Fleischesser"
Klar in der Sprache und im rockigen Sound stimmte die Tierrecht-Band "AJ-Gang" die Zuhörer ein: "Waidmannsheil - töten find ich geil", "Bambi-Killer" und "Bruno-Bär" fanden Anklang bei der Fan-Gemeinde. Auch bei dem Lied "Gammelfleisch" stimmten die Tierschützer mit ein.
Sechs Tiere müssten pro Jahr für jeden Fleischesser sterben. 450 Tiere würden im Laufe von 75 Jahren "als Kadaver auf seinen Tellern" landen, betonten Sprecher in ihren Durchsagen. Am Rathausplatz kritisierte Petra Stickroth von der Organisation "Universelles Leben" die Haltung der Kirchen: "Sie degradieren Tiere zur Sache." Das 5. Gebot ,Du sollst nicht töten´ solle auch für Tiere gelten.
In der Massentierhaltung sahen die Teilnehmer der Demonstration einen der Gründe für die Klimakatastrophe: Durch die Viehzucht würden jährlich 115 Millionen Tonnen Methangas entstehen. Und dieses sei wesentlich schädlicher als CO2.
Dass viele Tierschützer Schuhe aus Leder trugen, stieß bei einigen Siegener Passanten übrigens auf Unverständnis.

 

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