Bruno, der Bär, ist tot. Erschossen von einem staatlich beauftragten Sicherheitsteam des Landratsamtes Miesbach auf Anordnung der Bayerischen Staatsregierung. Die Empörung über die bayerischen Politiker, Ministerpräsident Stoiber und seinen Minister Schnappauf, ist weltweit. Das Wort von den Barbaren macht die Runde (WELT am Sonntag, 2.7.2006), manche nennen den Abschuß der Tiere Mord (TAZ vom 29.6.2006).
Der Präsident des WWF Italien, Fulco Tratesi, sprach von einem „Akt der Barbarei“, und der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, meinte: „In anderen Ländern leben Bär und Mensch friedlich zusammen, ‚nur in Deutschland wird er liquidiert’.“ (TZ, 27.6.2006)
Der Chef des Münchner Tierparks, Hennig Wiesner, betonte: „Dieser Bär war nie aggressiv, er hat nie Menschen angegriffen. Dieser Abschuß ist eine unglaubliche Tat. Eine Blamage für Bayern. Ein Schlag ins Gesicht für den bayerischen Tierschutz“ (TZ, 27.6.2006).
Die Frankenpost stellte fest: Den Bären „zu töten ist ein Verbrechen wider den Natur- und Tierschutz; offenbar wußte eine Handvoll schießwütiger Jäger, die vom Landratsamt beauftragt wurden, sehr genau, wo sie den Bären finden würden“ (27.6.2006).
Der italienische Umweltminister Pecorario Scanio verlangt die Auslieferung des toten Tieres mit der Begründung, ein Bär, der in Bayern „hingerichtet“ worden sei, solle dort nicht zur touristischen Attraktion werden.
Und von Gästen bayerischer Ferienorte war zu hören: „Bei Mördern wollen wir keinen Urlaub machen. Wir reisen ab – und kommen nie wieder!“ (Der Standard, Österreich).
Im MAIN ECHO vom 5.7.2006 stellte ein Leser fest: „Als Reaktion auf die kriminelle Exekution des Bären keine 5 Stunden nach der Freigabe zum Abschuß haben zwei meiner Freunde und ich unsere CSU-Mitgliedschaft beendet. Wir setzen damit ein Zeichen gegen das ungehinderte Agieren dieser unsäglichen Mischung aus Unfähigkeit, Inkompetenz, Hysterie und Mißachtung des Volkswillens, verkörpert durch den Skandalminister Schnappauf. Über 70% der Bevölkerung haben teilweise regelrecht darum gebettelt, den Bären zu verschonen.“
Der Schreiber macht klar, wer verantwortlich für den Tod von Bruno ist. Auf Anweisung von Stoibers Minister Schnappauf rückt die Polizei aus und bringt ein unschuldiges Tier, das ja noch ein Kind war, heimtückisch um. Unwillkürlich kommen einem die Worte Leo Tolstois in den Sinn, der sagte: „Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt.“
Drohen uns wieder Zeiten wie vor 200 Jahren, als die Bären bei uns ausgerottet wurden und ein Menschenleben nicht viel galt? Von diesem Rückfall in die Vergangenheit sprach auch der leitende WWF-Veterinär Alessandro de Goelme, als er sagte: „Deutschland und Österreich scheinen zurück ins Mittelalter zu wollen und künftig Kopfgelder auf alle Bären auszusetzen.“
Droht uns ein neues Mittelalter? Die Haltung Stoibers läßt Schlimmes befürchten. Als Katholik und Anhänger Ratzingers glaubt Stoiber, daß Tiere keine Seele haben. Nur so ist der brutale Umgang mit Tieren und das Vorgehen gegen Bruno zu erklären. Es ist das Verdienst Brunos, daß er Ministerpräsident Stoiber und Minister Schnappauf als Befürworter einer Behördenjagd mit mittelalterlichen Zügen entlarvt hat.
Doch Bruno ist kein Einzelfall. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere, 4-6.000 Hunde und ca. 40.000 Katzen sowie über 40 Menschen den Mordinstrumenten der Jäger zum Opfer. Der Opfertod Brunos erinnert an das Leiden und die Qual dieser Tiere. Und nicht zu vergessen die Millionen Tiere in den gefängnisartigen Ställen und Schlachthäusern und die Millionen Tiere in den Versuchslaboratorien. Ihr Leiden und ihre Qual muß endlich ein Ende haben!
Vorsicht! Auch dies geschieht in der Behördenjagd von Edmund Stoiber!