 |
|
  |
 
 Heidnischer Opferkult

Im Folgenden die Wiedergabe des Inhalts des zweiten Teils der Reihe: „Für gute Analytiker – Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ Die Medienkampagne, die der Stuhl Petri Anfang 2005 weltweit veranstaltet hat, ist Anlaß für diese Gesprächsrunde der Urchristen. Wir wollen der Frage nachgehen: Was steckt eigentlich hinter dem Stuhl Petri? Wie hat sich der Stuhl Petri in der Vergangenheit präsentiert? Was sind seine Absichten, und was haben wir noch von ihm zu erwarten?
Im Folgenden gehen wir noch einmal den Wurzeln der heutigen Priesterkaste in Rom mit ihren Riten und Zeremonien, mit ihrem Prunk, mit ihren Prunkgewändern, mit ihrem Reichtum bis in die Zeit des Alten Testamentes nach. Fragen wir noch einmal: Gab es schon zur Zeit Abrahams eine solche Priesterkaste?
Abraham stammte aus Ur in Chaldea im heutigen Irak. Die Menschen dort glaubten an viele Götter. Es gab viele Priester, unterschiedliche Kulte. Die Familie, in der Abraham aufwuchs, hat also – wie alle Familien der damaligen Zeit – die Vielgötterei gelebt, das Heidentum. Und das Heidentum hatte die entsprechenden Priester. Die Zeit, in der Abraham lebte – etwa in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends vor Christus – war in Mesopotamien die Zeit der Sumerer. Es war Babylon, in dem sich die Götterwelt der Sumerer entwickelte. Es gab einen Sonnengott, es gab verschiedene Stadtgötter, es gab eine Liebesgöttin namens Ischtar, und es gab eine hierarchisch gegliederte Priesterkaste, die sich als Vermittler zwischen Gott und den Menschen verstand. Die Priesterkaste hatte auch die Herrschaft im Staat inne. Der König war zugleich der Priesterkönig und mußte den Gott oder die Götter beruhigen und besänftigen, um die Kommunikation zwischen den Menschen und diesen Gottheiten herzustellen. Der „Gott“ verlangte nach damaliger Vorstellung selbstverständlich Opfer, Tieropfer, aber auch Menschenopfer. Bei den Menschenopfern mußten nicht selten die erstgeborenen Kinder der Gottheit geopfert werden, um den Gott, an den die damaligen Menschen glaubten, zufriedenzustellen.
Isaak war Abrahams erster Sohn, und Abraham liebte ihn über alles. Es war für Abraham ein Herzensgefühl, einen Sohn zu haben, den er als seinen Erben einsetzte, den er vor alle anderen Kinder stellte. Und zu Abraham sagte Gott: „Opfere Mir diesen Erstgeborenen, deinen Sohn Isaak.“ Damit meinte Er die Bindung Abrahams an seinen Sohn und nicht, den Sohn selber zu opfern. Abraham rang mit Gott wegen Gottes Verlangen „Opfere Mir deinen Sohn Isaak, deinen Lieblingssohn.“ Aber das Wort „Opfer“ war bei ihm so im Bewußtsein verankert, daß er sich sagte: „Tieropfer, Menschenopfer – es ist ganz normal, dem Gott einen Sohn zu opfern“, und dabei dachte er selbstverständlich an einen Gott aus dem Heidentum, aus der Vielgötterei, denn in diesem Bewußtsein war er aufgewachsen. Für Abraham war klar: Er muß jetzt ein Menschenopfer bringen, seinen geliebten Sohn. Es handelt sich also um ein Mißverständnis von seiten Abrahams. Gott wollte, daß Abraham seinen Sohn nicht, wie wir heute sagen würden, vergöttert, seinen Sohn also nicht mehr liebt als Gott, sondern Gott an erste Stelle stellt. Abraham aber glaubte, dieses „Opfern“ bedeute, den Sohn umzubringen. Es ist also nicht so, daß Gott Abraham hätte versuchen wollen, denn wir wissen ja, daß dann der Engel eingegriffen hat, sondern Abraham war noch geprägt von den Glaubensvorstellungen aus der Umwelt, aus der er kam.
Daß der Engel dazwischenging und Abraham zurückhielt und sagte: „Opfere nicht deinen Sohn, Gott will das nicht!“, war ein Symbol. Gott wollte nichts anderes, als daß Abraham seinen Sohn an die Hand nimmt und beide zu Ihm, zu dem einen Gott der Liebe, kommen, daß Abraham nicht Isaak den Vorrang gibt, sondern immer Gott. Und das hat Abraham zunächst mißverstanden. Er wollte gehorsam sein und Isaak töten, um damit das „Opfer“ zu bringen. Wir wissen: Abraham opferte schließlich ein Schaf. Doch durch die Propheten, die Gott gesandt hatte, sprach Er auch gegen ein solches Opfer. Hier dringt ebenfalls noch das alte heidnische Kultdenken durch: Wenn ich schon nicht meinen Sohn darbringe, dann wenigstens ein Tier! - Man sieht, daß ein Ringen in den Menschen, hier in Abraham, stattfindet. Die Bewußtwerdung vom Gottesgeist, dem einzig-einen Gott, konnte sich erst allmählich gegen die alten Priesterkulte durchsetzen. Es dauerte Jahrhunderte, in denen immer wieder die wahren Propheten auftraten und mit den heidnischen Priesterkulten um das wahre Opfer rangen, das nicht in Menschen oder Tieren besteht, sondern in der Hingabe an Gott.
In der Vielgötterei lag auch die Angst vor den Göttern, Angst davor, daß diese über den Menschen hereinbrechen und ihm, dem Menschen, Tiere oder das Land wegnehmen würden, ihn töten, ihn quälen und dergleichen. Denn im Alten Testament heißt es ja immer wieder: Gott muß man besänftigen. Also versuchte auch Abraham durch das Opfern des Schafes, Gott zu besänftigen, in der Hoffnung: „Sei mir bitte nicht böse, wenn ich jetzt meinen Sohn nicht opfere. Tu mir bitte nichts an, und tu auch vor allem Isaak nichts an! Deshalb opfere ich dir das Lamm, um dich zu besänftigen.“ Obwohl Abraham schon von Gott, dem All-Einen, wußte, dachte er an einen grausamen Gott aus der Vielgötterei, weil dieses Gedankengut noch in ihm nachwirkte
Die heidnische Vorstellung, die von der Priesterkaste gepflegt wurde, daß Gott ein grausamer Gott sei, findet sich auch in den weiteren Büchern Mose wieder, z.B. in Berichten über die Zeit, nachdem Mose das Volk aus Ägypten weggeführt hatte. Mose, der große Prophet, empfing von Gott auf dem Berg Sinai die Gebote; als er vom Berg Sinai herunterstieg, hatten die Israeliten inzwischen einen Opferaltar mit einem Kalb aus Gold aufgebaut und opferten diesem. Hier war wieder der Einfluß des heidnischen Priestertums am Werk, denn die Israeliten kamen ja aus Ägypten, und auch in Ägypten gab es das heidnische Priestertum mit den Opfern. Dort haben es die Israeliten auch kennengelernt. Sie haben sich vieles von der dortigen Religion und dem Volk der Ägypter zu eigen gemacht, hatten also noch nicht das Vertrauen zu dem barmherzigen, gütigen Gott.
Der Einfluß, den die heidnischen Priesterreligionen zur Zeit des Mose auf das Volk Israel hatten, ist verständlich, denn das jüdische Volk war schließlich einige hundert Jahre bei den Ägyptern in Gefangenschaft, erlebte also dort, wie die Priesterkaste gekleidet war, was sie tat und welche Macht sie hatte. Ganz offensichtlich wurde sehr viel davon übernommen, angefangen von der pompösen Bekleidung. Man kennt aus der Geschichte die prunkvolle Kleidung des Pharao und seiner Priesterkaste. Da liegt es auf der Hand, daß die Israeliten das abgeschaut haben.
Warum und von wem wird von den Büchern Mose als den „Priesterbüchern“ gesprochen? An den Hochschulen lehrt man die Pfarrer, die Theologen, daß die Mose-Bücher zu einem großen Teil von Priestern geschrieben worden sind. Es sind in den Büchern Mose mehrere Schriften zusammengefaßt worden; eine davon ist die sogenannte Priesterschrift. Diese Priesterschrift ist im 6. Jahrhundert vor Christus entstanden. Geschrieben wurde sie von den israelischen Priestern, die im Exil in Babylon waren; sie haben ihren Kult und ihren priesterlichen Glauben praktisch in die Zeit des Mose zurückprojiziert. Es ist naheliegend, daß auch Einflüsse aus dem alten Babylon in diesen Texten vorhanden sind, wo ja ebenfalls ein Vielgötterglaube herrschte und eine Priesterkaste mit speziellen Gewändern und mit Opfern. Die Bücher Mose wurden also nicht zu Lebzeiten des Mose verfaßt, sondern fast tausend Jahre später. Vorher gab es einzelne Überlieferungen. Z.B. gehen die ersten Aufzeichnungen über Mose in die Zeit von David und Salomo zurück. Die Details über die Priesterkulte wurden erst später ergänzt, eben im 6. Jahrhundert. Genau genommen haben die Priester den Mose dazu benützt, um ihre Vorstellungen, ihre Wünsche, ihre Positionen in das sogenannte Alte Testament einzuschleusen. Letzten Endes ist es das Testament der Priester und nicht des Mose.
Auch von den Theologen der Kirche wird es so gesehen, wenngleich man dort natürlich sagt, in den früheren Schriften sei eben das Priesterliche nicht so wichtig gewesen, man habe es erst später in seiner Wichtigkeit erkannt
Der gute Analytiker sucht zu ergründen, warum gerade das „Priesterliche“ so wichtig sein soll. Das Priesterliche ist für die Priester wichtig, weil sie sich durch das „Priesterliche“ zwischen Gott und den Menschen stellen können, weil sie zu den Menschen sinngemäß sagen können: „Ihr braucht den Priester, um euer Heil zu erlangen. Ihr braucht den Priester, um Gott zu besänftigen. Ihr braucht den Priester, um all das auszuführen, was vorgeschrieben ist, damit ihr gute Anhänger des Kultes seid.“ Und der Priester läßt sich dafür bezahlen. Heute ist es ganz ähnlich. Der Priester ist wichtig, der zwischen Gott und den Menschen steht. Und wie ist das bei Jesus? Jesus hat nicht von Priestern gesprochen, sondern Er hat gelehrt: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Lk 17, 21) Entsprechend dieser Lehre wird jeder Priester, jede Priesterkaste und jede priesterliche Institution überflüssig. Es gibt auch namhafte katholische Theologen, z.B. Rupert Lay und Herbert Haag, die sagen, daß Jesus keine Priester eingesetzt hat. (Rupert Lay, "Nachkirchliches Christentum - der lebende Jesus und die sterbende Kirche", Düsseldorf 1995; Herbert Haag, "Worauf es ankommt - wollte Jesus eine Zwei-Stände-Kirche?", Freiburg 1997) Er hat weder eine Kirche gegründet noch Priester eingesetzt. Wenn nun die Propheten keine Priester wollen und schon gar nicht Jesus, der Christus – warum will denn das Volk Priester? – Es ist eben viel bequemer, zu einem Priester zu gehen und zu beichten, und dieser nimmt dann alle Sünden hinweg, als wenn ich selber zu meinem Bruder gehen soll, um mit ihm ins Reine zu kommen. Der Priester nimmt mir quasi meine Arbeit ab, und ich komme sozusagen gratis in den Himmel. Das ist der Aberglaube, der heute noch kirchlicherseits gelehrt wird. Das Volk braucht offenbar die ranghohen Persönlichkeiten. Das allzumenschliche Ich möchte ein Bild vor sich haben, das Gott repräsentiert. Doch war diese Vorstellung von Anbeginn vorhanden, oder hat man dies dem Volk nicht erst beigebracht? Und wer? Natürlich diejenigen, die davon profitieren, nämlich die Priester. Wenn Jesus von Nazareth lehrte: „Gott ist inwendig in euch“, dann war das doch eine Botschaft, die die Menschen sehr bewegte. Wieso kam das Volk dann auf die Idee, Beichtstühle zu benötigen, Ablässe bezahlen zu müssen und Opfer erbringen zu müssen? Nur deshalb, weil es priesterliche Götzendiener gab, die diesen Zwang ausübten, verbunden mit geistigen Strafandrohungen: „Wenn ihr uns nicht folgt, dann kommt ihr in die Hölle. Wenn ihr das nicht tut, was wir angeordnet haben, dann kommt ihr nicht zu Gott.“ Hier wiederholt sich das, was schon in den sogenannten Priesterschriften enthalten ist, nämlich eine bestimmte Rechtsordnung, die ganz konkrete Vorschriften für das Verhalten der Menschen enthält und die Menschen massiv bedroht, für den Fall, daß sie diese Vorschriften nicht erfüllen. Wenn die Priesterschrift fast tausend Jahre nach der Zeit geschrieben wurde, in der Mose lebte, dann kann man sich gut vorstellen – auch in Anbetracht dessen, wer das geschrieben hat –, daß das, was in den Büchern heute steht, mit der Realität wenig zu tun hat. Es wurde geschickt so gefärbt, wie man es tausend Jahre später haben wollte.
Man muß also diese Bücher mit äußerster Vorsicht lesen und sich immer vor Augen halten: Über den Propheten Mose schreibt hier die Priesterkaste, der Feind des Propheten – wie es Walter Nigg in seinem Buch „Prophetische Denker. Löschet den Geist nicht aus“, S. 124 f., darstellt. Fragen wir immer: „Hat Gott das wirklich durch Mose gesagt?“, so merken wir, wie unwahrscheinlich es ist, daß Gott durch Mose z.B. folgendes gesagt haben soll: Wir lesen in Exodus (2 Mose 28, 1-4): „Laß aus der Mitte der Israeliten deinen Bruder Aaron und mit ihm auch seine Söhne zu dir kommen, damit sie mir als Priester dienen, Aaron mit Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar, den Söhnen Aarons. Laß für deinen Bruder Aaron heilige Gewänder anfertigen, die ihm zur Ehre und zum Schmuck gereichen. Rede mit allen Sachverständigen, die ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe; sie sollen Aarons Gewänder anfertigen, damit er geheiligt sei und mir als Priester dient." Weiter in 2 Mose 28, 6-14): „Das sind die Gewänder, die sie anfertigen sollen: Lostasche, Efod, Obergewand, Leibrock aus gewirktem Stoff, Turban und Gürtel. Sie sollen also für deinen Bruder Aaron und für seine Söhne heilige Gewänder anfertigen, damit er mir als Priester dient. Sie sollen dazu Gold, violetten und roten Purpur, Karmesin und Byssus verwenden. Das Efod sollen sie als Kunstwebearbeit herstellen, aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus. Es soll zwei miteinander verbundene Schulterstücke haben, und zwar an seinen beiden Enden sollen sie miteinander verbunden sein. Die Schärpe am Efod soll von derselben Machart sein und mit ihm ein einziges Stück bilden, aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus. Nimm die beiden Karneolsteine, und schneide die Namen der Söhne Israels ein: sechs von den Namen in den einen Stein und die übrigen sechs Namen in den andern Stein, in der Reihenfolge, wie sie geboren wurden. In Steinschneidearbeit wie Siegelgravierung sollst du in die beiden Steine die Namen der Söhne Israels schneiden, in Goldfassungen eingesetzt sollst du sie herstellen. Befestige die beiden Steine an den Schulterstücken des Efod als Steine, die den Herrn an die Israeliten erinnern. Aaron soll ihre Namen auf beiden Schulterstücken vor dem Herrn zur Erinnerung tragen. Du sollst also die Fassung aus Gold und zwei Kettchen aus purem Gold machen; dreh sie wie eine Schnur, und befestige die schnurartigen Kettchen an den Fassungen!“
Wir überspringen einige Verse und lesen weiter in Exodus 28, 31: „Verfertige den Efodmantel ganz aus violettem Purpur; in seiner Mitte soll sich eine Öffnung für den Kopf befinden; an seiner Öffnung ringsum soll wie bei der Öffnung eines Panzerhemds ein gewebter, unzerreißbarer Rand angebracht sein. An seinem unteren Saum mach Granatäpfel aus violettem und rotem Purpur und aus Karmesin, an seinem Saum ringsum, und dazwischen goldene Glöckchen ringsum: ein Goldglöckchen und ein Granatapfel abwechselnd ringsum am Saum des Mantels. Aaron soll ihn beim Dienst tragen; sein Ton soll zu hören sein, wenn er in das Heiligtum vor den Herrn hintritt und wenn er wieder herauskommt; sonst muß er sterben.“ Dem guten Analytiker kommen erhebliche Zweifel, ob Gott das gesagt hat. Man kann sich nicht vorstellen, daß Gott diese prunkvolle Verehrung nötig hat. Vor allem kann man sich nicht vorstellen, daß ein Mensch sterben soll, nur deshalb, weil er sich nicht an solche Vorschriften hält. „Sonst muß er sterben“, hieß es im Buch Mose; also soll er getötet werden. Und Gott, der Ewige, sprach doch durch Mose in den Zehn Geboten: „Du sollst nicht töten.“ – Diesen Widerspruch findet man an vielen Stellen im Alten Testament, wo Gott angeblich immer wieder dazu aufruft, jene Menschen zu töten, die bestimmte Vorschriften nicht befolgen. Das zieht sich durch die ganze Priesterschrift. Diese Anordnungen traf mit Sicherheit nicht Gott.
Die Kleidung der derzeitigen Priesterkaste ist der Ausstattung der Priester im Alten Testament sehr ähnlich, entstammt also dem Heidentum. In Exodus 28, 36-38 heißt es: „Mach eine Rosette aus purem Gold, und bring darauf nach Art der Siegelgravierung die Inschrift an: ‚Heilig dem Herrn’. Befestige die Rosette an einer Schnur aus violettem Purpur, und bring sie am Turban an; sie soll an der Vorderseite des Turbans angebracht werden. Sie soll auf Aarons Stirn sein, denn Aaron ist verantwortlich für die Verfehlungen an den Weihegaben, die die Israeliten weihen, für alle heiligen Abgaben; sie soll ständig auf Aarons Stirn sein, damit sie dem Herrn genehm sind.“
Interessant ist auch die Verwendung von Salböl; sie erinnert an die heutigen Salbungen. Z.B. lesen wir darüber: „Vom Salböl goß er etwas auf das Haupt Aarons und salbte ihn, um ihn zu weihen.“ (3 Mose 8, 12) Oder: „Mit dem Öl spritzte er siebenmal gegen den Altar, salbte ihn und alle seine Geräte, das Becken und sein Gestell, um sie zu weihen.“(3 Mose 8, 11) Wem fallen dabei nicht sofort die heutigen Rituale ein: wenn eine Kirche geweiht wird, wenn ein Bischof, ein Priester, ein Diakon geweiht wird. Immer gibt es solche genauen Vorschriften, wie das präzise abzulaufen hat. Im Grunde ist es auch so aufwendig und ihr Sinn so unverständlich, wie es im Zitat beschrieben ist. Und was sagte Jesus, der Christus, zu dem ganzen Kult? Er sagte sinngemäß zum Menschen: Du bist der Tempel des Heiligen Geistes. Schmücke deine Seele mit der Zierde der Tugend, mit guten, gottgewollten Gedanken. Lebe nach den Zehn Geboten Gottes und nach dem Wort des Lebens, das Ich, Jesus, den Menschen brachte, z.B. die Bergpredigt. – Jesus hat nie von Kulthandlungen gesprochen, geschweige denn vom Einsetzen eines Priesters. Daß da etwas nicht stimmen kann, fiel auch schon dem Propheten Jeremia auf, denn bei ihm im Alten Testament lesen wir in Jer 8, 8: „Wie könnt ihr sagen, ‚weise sind wir, und das Gesetz des Herrn ist bei uns’. Ja, aber der Lügengriffel der Schreiber hat es zur Lüge gemacht.“ Ein großer Prophet also, Jeremia, sagt: Hier stimmt etwas nicht. Hier ist die Schrift, das Wort, bereits verfälscht worden - durch die Priester. Die Kleidungsvorschrift erinnert so manchen auch an das, was Jesus über jene Menschen, die so bekleidet sind, gesagt hat, nachzulesen im Matthäus-Evangelium: „Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi (Meister) nennen.“ (Mt 23, 5-7) Und dann kommt der bekannte Satz: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“ (Mt 23, 8) – sinngemäß gilt das natürlich für Brüder und Schwestern. Jedenfalls lehrte Jesus die Gleichheit und nicht die Hierarchie von Priestern und Amtsträgern. Und Jesus lehrte auch Seine Nachfolge in den Worten: „Folget Mir nach!“ (Mt 4, 19) Das bedeutet: Tut, was Ich euch gelehrt habe, und letzten Endes auch, was in den Geboten Gottes steht, denn die Weisungen Jesu stehen in Einklang mit dem Gebot Gottes.
Was sprach Jesus eigentlich zu den Tieropfern? Es gibt ein Zitat von Jesus, das steht in einer apokryphen Schrift. Von dieser sind nur noch wenige Papierschnipsel erhalten, aber interessanterweise ist dieser eine Teil erhalten. In Museen kann man es nachlesen: „Ich bin gekommen, die Opfer abzuschaffen“. (Ebonäerevangelium Nr. 6, zit. bei Epiphanius Contra Haereses 30,4 f.) Man liest es ja auch im Neuen Testament, wie Jesus in der Wüste war und mit den sogenannten wilden Tieren in Frieden gelebt hat, oder wie Er im Tempel die Tiere befreite, die von den Händlern als Opfertiere verkauft werden sollten. Es gibt viele Beispiele dafür, daß Jesus sich für die Tiere eingesetzt hat. Manches steht in der Bibel, das meiste allerdings in Schriften außerhalb der Bibel. Eine deutliche Aussage ist auch noch im Markus-Evangelium, 11, 7, zu finden. Dort heißt es: „Steht nicht geschrieben, mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.“ Jesus spricht von „Mördergrube“. Wer wurde ermordet? – Tiere. Was sagen im Gegensatz dazu die Priesterschriften des Alten Testamentes? – Sie berichten: Der Herr rief Mose, redete ihn vom Offenbarungszelt an und legte dar: Brandopfer sind Tieropfer, bei denen das ganze Tier auf dem Altar verbrannt wird, im Unterschied zu anderen Opfern, bei denen nur ein Teil verbrannt, der andere Teil aber den Priestern übergeben oder von der Gemeinschaft, die das Opfer stiftet, beim Opfermahl verzehrt wird (sinngemäß zusammengefaßt aus 3 Mose). In Levitikus 1, 3-9, lesen wir detaillierte Anweisungen: „Ist seine Opfergabe ein Brandopfer vom Rind, so bringe er ein männliches Tier ohne Fehler dar; er soll es an den Eingang des Offenbarungszeltes bringen, damit es vor dem Herrn Annahme findet. Er lege seine Hand auf den Kopf des Opfertiers, damit es für ihn angenommen werde, um ihn zu entsühnen. Er soll dann den Stier vor dem Herrn schlachten, und die Söhne Aarons, die Priester, sollen das Blut darbringen. Sie sollen es ringsum an den Altar sprengen, der am Eingang des Offenbarungszeltes steht. Dann soll er das Opfer abhäuten und es in Stücke zerlegen. Die Söhne Aarons, die Priester, sollen Feuer auf den Altar bringen und Holz darauf schichten. Hierauf sollen die Söhne Aarons, die Priester, die Stücke sowie den Kopf und das Fett auf das Holz über dem Altarfeuer legen. Der Priester soll dann die Eingeweide und die Beine mit Wasser waschen und das Ganze auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. Ein Brandopfer ist es, ein Feueropfer zum beruhigenden Duft für den Herrn.“ Diese Worte – „zum beruhigenden Duft für den Herrn“ – klingen doch ganz nach Heidentum: Opfer darbringen, um die vielen Götter zu besänftigen. Das Buch Levitikus ist voll von Opfervorschriften, also von Vorschriften, wie Tiere umgebracht werden sollen. Und dort, im Kapitel 8, 13-18, wird sogar behauptet, daß Mose die Priester folgendermaßen geweiht haben soll: „Dann ließ Mose die Söhne Aarons nähertreten, bekleidete sie mit Gewändern und legte ihnen den Gürtel an; er setzte ihnen den Kopfbund auf, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte. Dann ließ er den Sündopferstier heranbringen. Auf seinen Kopf legten Aaron und seine Söhne ihre Hände, und Mose schlachtete ihn. Dann nahm Mose das Blut und tat etwas davon mit seinem Finger ringsum auf die Hörner des Altars, um ihn zu entsündigen. Nachher goß er das Blut am Sockel des Altars aus und weihte ihn; so entsühnte er ihn. Danach nahm er das ganze Fett, das die Eingeweide bedeckt, die Fettmasse über der Leber, die beiden Nieren und ihr Fett und ließ diese Stücke auf dem Altar in Rauch aufgehen. Was vom Stier noch übrig war, sein Fell und Fleisch sowie seinen Mageninhalt verbrannte er außerhalb des Lagers, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte. Dann ließ er den Widder für das Brandopfer herbeibringen ...“ Das geht so fort und fort mit unglaublich üblen Anweisungen. Und der „Bericht“ endet jeweils mit dem Satz: „Es war ein Brandopfer zum beruhigenden Duft, ein Feueropfer für den Herrn, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte.“ (3 Mose 8, 21) An anderer Stelle wird beschrieben, wie eine Taube geopfert werden soll: „Der Priester soll sie zum Altar bringen, ihren Kopf abtrennen und ihn auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. Ihr Blut soll gegen die Altarwand ausgepreßt werden.“ (3 Mose 1, 15) Diese grausamen rituellen Handlungen sind im Buch Levitikus aufgezeichnet. Es ist Teil jener Bücher Mose, die, zumindest überwiegend, von den Priestern im Nachhinein geschrieben wurden. Es widerspricht ja auch vollkommen dem 1. Buch Mose, wo Gott gesprochen hat: „Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ (1 Mose 1, 29-31) Es widerspricht auch vielen anderen Stellen, die wir zitiert haben. Es widerspricht schon der Tatsache, daß Mose gerade kurz zuvor die Zehn Gebote erhalten hatte, in denen Gott ausdrücklich gesagt hat: „Du sollst nicht töten.“ Zur Abrundung des Bildes noch eine Aussage, wie der Priester angeblich zur Ehre Gottes am Altar verfahren soll. Wir haben gehört, wie die Tauben behandelt werden. Die Anweisung an den Priester endet so: „Dann soll er ihren Kropf mit den Federn entfernen und ihn an der Ostseite des Altars auf den Platz der Fettasche werfen. Darauf soll der Priester den Vogel an den Flügeln einreißen, ohne ihn dabei zu teilen, und ihn auf dem Altar, auf dem Holz über dem Feuer in Rauch aufgehen lassen. Ein Brandopfer ist es, ein Feueropfer zum beruhigenden Duft für den Herrn.“ (3 Mose 1, 16-17) Wir sehen: Hier wird der grausame Gott beschrieben: „Zum beruhigenden Duft für den Herrn.“ Jesus, der Christus, lehrte uns den Gott der Liebe, den Gott des Friedens, den Gott der Einheit, den Gott, der mit der Natur ist, für die Natur ist, für die Mutter Erde. Hieronymus, der aus der Fülle der damals noch vorhandenen Schriften eine Auswahl traf und die erste Bibel (Vulgata) zusammenstellte, fügte den verwendeten Texten einiges hinzu, änderte und „verbesserte“. Eine klare Aussage des Hieronymus, der die ursprünglichen Schriften noch vor sich hatte, lautet jedoch: „Der Genuß des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt. Aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft.“ Er sagt nicht: „Gott hat es angewiesen“, er sagt: „Man hat uns ...“ Dann fährt er fort: „Jesus, der Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so daß es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.“ (Hieronymus Adversus Jovinianum, Lib, 1.30; zitiert nach Robert Springer, ENKARPA, Culturgeschichte der Menschheit im Lichte der pyhtagoräischen Lehre, Verlag Schmorl & von Seefeld, Hannover 1884, S. 307-308, und Hieronymus, Gegen Jovinian (Adversus Jovinianum) I, 18; Carl Anders Skriver; Die vergessenen Anfänge der Schöpfung und des Christentums, 1977, S. 123)
Man kann sich jetzt vorstellen, warum Gott, unser ewiger Vater, Seinen Sohn, Jesus, den Christus, zu uns sandte: Um all diesen Kulthandlungen, dem ganzen Heidentum, Einhalt zu gebieten. Und Jesus, der Christus, hat auch diesen Einhalt gelehrt. Er war und ist auch heute gegen die Priesterkaste, die Gott als Mittel zum Zweck benützt. So mancher wird nun einwenden: „Das war! Es ist aber doch schon längst vergangen.“ Die heutige Priesterkaste hingegen sagt: „Das Alte Testament soll sich im Neuen erhellen.“ Bedeutet das nicht, daß irgendwann diese schrecklichen Szenarien des Alten Testamentes wieder in das Neue einfließen werden? Dies hat letztendlich die katholische Kirche tatsächlich in ihrem Katechismus festgelegt, in dem wir bei Randbemerkung 140 lesen: „Das Alte Testament bereitet das Neue vor, während dieses das Alte vollendet. Beide erhellen einander“, und weiter heißt es: „beide sind wahres Wort Gottes.“ Was wir in den Büchern Mose nachlesen können, soll also das wahre Wort Gottes sein! Z.B. erfährt man in Levitikus, daß „jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, mit dem Tod bestraft wird“. (3 Mose 20, 9) Oder daß „ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht", mit dem Tod bestraft wird – „der Ehebrecher samt der Ehebrecherin“. (3 Mose 20, 10) Ebenso liest man: „Wenn einer mit einem Mann wie mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft.“ (3 Mose 20, 13) Oder auch: „Ein Mann, der einem Tier beiwohnt, wird mit dem Tod bestraft. Auch das Tier sollt ihr töten.“ (3 Mose 20, 15) Und das, obwohl das Tier doch gar nichts dafür kann. Es heißt dort auch, daß „eine Frau, die sich einem Tier nähert, um sich mit ihm zu begatten“, eine Greueltat begangen hat und der Tod auf sie wartet. (3 Mose 20, 16) Interessant ist auch eine Aussage aus dem Buch Deuteronomium: „Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen, und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen. Und zu den Ältesten der Stadt sagen: ‚Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker.’ Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen, und er soll sterben.“ (5 Mose 21, 18-21) Dies sind nur um einige Beispiele aus einer ganzen Fülle von grausamen Vorschriften, die in diesem Buch enthalten sind. Unter anderem steht darin auch sinngemäß: Wer den Priestern nicht Folge leistet, ist des Todes (5 Mose 17, 12). Man kann ebenfalls darin lesen, daß Gott angeblich dazu aufgefordert habe, alle Feinde zu vernichten und alles niederzumachen, was gegen die eigene Auffassung steht. Manche versuchen, die blutigen Passagen dieses Buches dadurch zu verharmlosen, daß sie sagen, es handle sich nur um Mythen oder eben um Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten. Das ist allerdings nach der gültigen kirchlichen Lehrmeinung ein grundlegender Irrtum. Noch im Jahre 1965, auf dem so viel gerühmten Zweiten Vatikanischen Konzil, auf dem die Kirche angeblich eine Wendung in die moderne Zeit vollzogen haben soll, wurde beschlossen: „Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden. Denn auf Grund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testaments in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch.“ (Neuner-Roos, Rd.-Nr. 150)
Man hält es kaum für möglich, daß die Kirche Derartiges lehrt, denn der Inhalt dieser Lehre lautet: Alles, was an Grausamkeiten in diesem sogenannten Alten Testament enthalten ist, sei ein Produkt des Heiligen Geistes! Jesus hat uns ganz anderes geboten.
Warum haben wir heute noch eine Priesterkaste, die ähnlich verfährt wie das Alte Testament? Hat Gott, unser ewiger Vater, Jesus, Seinen Sohn, der unser Erlöser wurde, umsonst gesandt? Denn die heutige Priesterkaste handelt wieder gegen Jesus, gegen Seine Lehre, und nimmt dennoch das Wort „Jesus“ und „Christus“ in den Mund, ähnlich, wie es in den Priesterschriften geschah. Sie nannten den Namen „Mose“ zitierten und zitieren ihn immer wieder. Es waren aber die Priester, die diesen, man möchte fast sagen „Unsinn“ erfunden haben. Gott will es anders, und das tat Er über die Propheten des Alten Testamentes kund und ganz besonders über Jesus, Seinen Sohn. Jesus lehrte auch etwas anderes als das, was heute die Priester unserer Zeit tun. Es ist doch ein riesiger Unterschied: Der sogenannte „Gott“ des Alten Testamentes sowie die heutige Priesterkaste – und Jesus, der den Menschen den liebenden Vater nahebrachte. Was Jesus uns Menschen gelehrt hat, können wir z.B. nachlesen in der Bergpredigt bei Matthäus 5. Dort heißt es: „Selig sind, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden. Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Mt 5, 3-9)
Über das Beten sagte Jesus: „Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gerne in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen. Das sage Ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest und schließ die Tür zu, dann bete zu deinem Vater, Der im Verborgenen ist. Dein Vater, Der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6, 5-6) Dazu paßt, was Jesus auch an anderer Stelle sprach: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ (Mt 23, 12) Und wie äußerte sich Jesus über die Priesterkaste? Wir lesen es, wie oben gesagt, in Matthäus 23, 8 – 9: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn nur Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur Einer ist euer Vater, der im Himmel.“ Es heißt dann weiter: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler. Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen. Und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst. Weh euch, ihr seid blinde Führer.“ (Mt 23, 15-16) Und bei Matthäus 23, 13 spricht Jesus: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein, aber ihr laßt auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“ Ganz offenkundig wird hier ein ganz krasser Gegensatz deutlich zwischen dem, was Jesus von Nazareth lehrte, und dem, was in den Priesterschriften des sogenannten Alten Testaments enthalten ist. Der gute Analytiker möge sich noch einmal bewußt machen: Dieser krasse Gegensatz wird von der Kirche, die sich auf Jesus von Nazareth beruft, noch dadurch verschärft, daß sie sich anmaßt, zu lehren, das Alte Testament mit den gegensätzlichen Texten der Priester, gegen die sich Jesus von Nazareth ausdrücklich gewandt hat, sei eine Offenbarung Gottes, die heute noch Gültigkeit besitze und die das Neue Testament, in dem die Lehren des Jesus von Nazareth enthalten sind, erhellen solle.
Wie kann man eigentlich das Alte Testament im Neuen – in den wunderbaren Lehren der Liebe, des Friedens und der Einheit – erhellen? Eigentlich nur dann, wenn man sich selbst als „Neues Testament“ bezeichnet. Denn erhellt hat sich das, was wir von den Priesterschriften gelesen haben, in der heutigen Priesterkaste, aber nicht im Neuen Testament. Wenn wir also diese Aussage einmal genau durchleuchten, dann heißt das nichts anderes als: Das Alte Testament soll wieder zum Durchbruch kommen. – Und dazu benutzt man Jesus, den Christus – den Namen „Jesus“, der ja für die Liebe steht, für den Frieden, für die Einheit, für die Natur, für die Mutter Erde, für jedes Tier!
Wer war eigentlich Jesus? Woher kam Er? Jesus wurde geboren von Maria und war der Sohn von Maria und Josef. Er wuchs unter einfachen Verhältnissen auf. Man weiß, daß Jesus aus dem Geschlechte David abstammte und zum Stamme Juda gehörte. Das ist eine interessante Tatsache, denn aus dieser kann man bereits ablesen, daß Jesus kein Priester war und auch nie einer hätte werden können, denn die Priester waren alle aus dem Stamme Levi und mußten zudem Aaron, also den Bruder des Mose, zum Vorfahren haben. Beides traf aber auf Jesus nicht zu; somit hätte er nie Priester sein können. Jesus war also ein Mann des Volkes. Als Mann des Volkes lehrte Er auch das großartige und wunderbare Gesetz des Lebens, das in Gott ist und das gegeben ist für alle Menschen, die Jesus, den Christus, lieben, indem sie Ihm nachfolgen.
Wir Urchristen sehen es als unsere Aufgabe, dies allen Menschen wieder nahezubringen, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, Institutionen, die mit dem, was Jesus, der Christus, lehrte, nichts gemein haben, wären Vertreter Seiner Lehre, nur weil sie sich das Mäntelchen „christlich“ umhängen.
weiter / zurück zur Übersicht
Die Texte der 1. bis 5. Gesprächsrunde sind im ersten Band der Reihe »Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?« nachzulesen.
Dieses Buch können Sie bestellen beim Verlag DAS WORT.
|
  |