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 Ein Nachschlagewerk für Sie zum Sammeln

Vorwort
War Jesus, waren die Urchristen Vegetarier?
Warum beließ Hieronymus Aussagen im Text der Bibel, die den Stuhl Petri als antichristlich entlarven?
Auch wer ein großer Sünder war, wird heiliggesprochen, wenn er dem Stuhl Petri entsprechend Nutzen brachte
Kirchenaustritt – wie?
Vorrechte der Priester – von Machthabern grausam durchgesetzt
Die Umformulierung des 5. Gebotes in „Du sollst nicht morden“ läßt Raum für Rechtfertigungen von Töten
Das Meßopfer – der kraß und in mystischer Überhöhung praktizierte heidnische Blutopfergedanke
„Blutopfer“ auch im Krieg? Soldaten sollen sich hingeben, opfern für das Vaterland. „Die Kanonen des Krieges“ als „Sprachrohre der rufenden Gnade Gottes“?
Die Scheinheiligkeit der katholische Kirche nimmt extreme Formen an. Päpste verkünden öffentlich: Lob der Inquisition; Völkermord bei der Eroberung Südamerikas sei „eine glückliche Schuld“ u.a.m.
Auswüchse des institutionalisierten Aberglaubens: Schabmadonna, Schluckbildchen – „Mittel zum Heil“? Ablaßrutschen – von Sünden frei werden?
Lehraussagen des Stuhles Petri: Sinnwidrigkeiten, Unglaublichkeiten, Absurditäten. Wer’s nicht glaubt, ist „ausgeschlossen“, verflucht, verdammt
Müßte nicht der „Stellvertreter Gottes“, der „Lenker des Erdkreises“ den Elementen gebieten können? Jesus von Nazareth konnte es
Wir Menschen brauchen weder eine katholische noch eine evangelische Kirche. Wir brauchen Jesus, den Christus. Der mächtige Geist der Liebe wohnt in jedem Menschen
Die ersten Sendungen unserer Reihe „Für gute Analytiker – Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ haben bei unseren Hörerinnen und Hörern ein lebhaftes Echo hervorgerufen. Inzwischen haben uns schon zahlreiche Zuschriften erreicht, in denen viele Fragen aufgeworfen wurden: zu den kultischen Handlungen, zu den Dogmen, zu den Verbrechen der katholischen Priesterkaste, zu dem Milliardenvermögen, zu den heidnischen Wurzeln und zu vielem mehr. Einige dieser Fragen und weitere, die sich daran anschließen, wollen wir heute beantworten.
Eine Hörerin aus Deutschland hat uns folgende Frage geschrieben:
„Ich bin Vegetarierin. Aber wenn ich mit meinen Freunden darüber rede, sagen sie immer, in der Bibel stehe nichts darüber, daß Jesus kein Fleisch gegessen habe. Wie kommt das? In Ihrer Sendung wurde ebenfalls gesagt, daß Gott die Tieropfer, die im Alten Testament beschrieben werden, gar nicht wollte, und auch, daß Jesus nicht wollte, daß die Menschen Tiere töten. Können Sie mir mehr darüber sagen? Gibt es Schriften dazu?“
Antwort: Man geht davon aus, daß Hieronymus wohl alle damals noch vorhandenen Schriften über die Lehren Jesu zur Verfügung standen. Er stellte ja im Auftrag des Papstes Damasus die Vulgata, also die erste Bibel, zusammen. Jedenfalls wußte Hieronymus sehr wohl, daß Jesus kein Fleisch aß und daß Er lehrte, auch die Tiere zu lieben und nicht zu töten. Denn in einem Brief an Juvenian machte Hieronymus eine bemerkenswerte Aussage zu diesem Thema. Er schrieb: „Der Genuß des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt, aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft ... Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so daß es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.“ (Adversus Jovinianum) Aus diesem Text geht hervor, daß Jesus offensichtlich gebot, kein Fleisch zu essen, was einige antike Evangelien außerhalb der Bibel auch bezeugen. Trotzdem hat Hieronymus diesen wichtigen Aspekt der Lehre Jesu bei der Zusammenstellung der Vulgata – der heutigen Bibel – unterschlagen bzw. bereits gefälschte Vorlagen übernommen. Jeden Tag müssen Millionen Tiere diese Fälschung der Lehre Jesu mit dem Leben bezahlen. Unzählige Milliarden Tiere wurden seither in dunklen Ställen dem Siechtum überlassen und getötet. Besonders die christlichen Völker sind zu Fleischfressern mutiert. Die Folgen dieser Unterschlagung für Natur, Tiere und auch für die Menschen sind unvorstellbar. Daß Jesus und die Apostel Vegetarier waren, wird in vielen apokryphen Schriften bestätigt. Literatur dazu können Sie beim Verlag DAS WORT beziehen, z.B. die Broschüre „Die verheimlichte Tierliebe Jesu“ und die Broschüre „Die Bibel ist gefälscht. Hieronymus, der kirchliche Bibelfälscher“.
Frage:
„Ihr habt in der ersten Sendung auch eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes zitiert, in der die Menschen offenbar regelrecht zum Austritt aus der Kirche aufgefordert werden. Wenn das so ist, weshalb ist diese Stelle in der Bibel gelassen worden, wo doch die Kirchen so viel daran herummanipuliert haben? Und wie kann man eigentlich aus der Kirche austreten? Wie geht das?“
Antwort: Die Stelle, die hier erwähnt ist, steht in der Offenbarung des Johannes, 18, 4, wo es heißt: „Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht mitschuldig werdet an ihren Sünden und nicht teilhaftig werdet an ihren Plagen.“ Man könnte also schon sagen: eine Aufforderung, die „Hure Babylon“ zu verlassen. Die in dieser Offenbarung, die auch als „Apokalypse“ bekannt ist, genannte „Hure Babylon“ ist durch viele Jahrhunderte interpretiert worden als die Kirche, die sich ja an die Stelle des frühen Christentums gesetzt hat. Jetzt stellt sich tatsächlich die Frage: Wie kann es sein, daß diese sehr bemerkenswerte Stelle in der Bibel geblieben ist? Wir kommen hier wieder auf Hieronymus zu sprechen. Gerade haben wir gehört: Er hat einige Aussagen in den Evangelientexten unterschlagen – hat auf der anderen Seite aber auch einiges dem Stuhl Petri Mißliebige drin gelassen. Hieronymus war eine schillernde Persönlichkeit, wie viele Theologen es sind. Er erhielt damals, im 4. Jahrhundert, vom Papst Damasus den Auftrag, aus den vielen vorhandenen Texten einen einheitlichen Text zusammenzustellen, und Hieronymus erkannte damals schon, wie schwierig die Aufgabe war, denn er schrieb einmal in einem Brief an den Papst: „Wird sich auch nur einer finden ..., der mich nicht, sobald er diesen Band in die Hand nimmt, lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?“ (J.P. Migne, Patrologiae cursus completus, series Graeca – MPG – 29, Sp. 525 ff.) Hieronymus war sich also durchaus darüber im Klaren, daß er sehr eigenwillige bzw. eigenmächtige Entscheidungen zu treffen hatte. Dazu muß man wissen: Hieronymus wollte in der Kirche noch Karriere machen; er wollte Papst werden. Deshalb hat er diesen Auftrag übernommen, obwohl er im Grunde seiner Seele wußte, daß in der Bibel bereits einiges nicht stimmte. Er war in seiner frühen Zeit ein Anhänger des Origenes gewesen, der das ursprüngliche Christentum wieder zum Leben erwecken wollte, der auch die Fälschung der Bibel schon durchschaut hatte. Origenes hat im 3. Jahrhundert gelebt, also vor Hieronymus, der im 4. Jahr-hundert lebte. Hieronymus war sich bewußt, daß er, als Anhänger des Origenes, Gefahr lief, als Ketzer bezeichnet und ausgegrenzt zu werden. Deshalb hat er einen Mittelweg eingeschlagen: Er hat einiges weggelassen, wie z.B. die Aussagen des Jesus, des Christus, über die Tiere. Andererseits hat er aber trotzdem anderes drin gelassen, was sehr bemerkenswert ist und was Menschen späterer Zeiten dazu brachte, beim Lesen festzustellen: Hier stimmt etwas nicht; hier stimmen die Lehre und das Leben der Kirche nicht mit dem überein, was in der Bibel steht – zum Beispiel, daß es überhaupt Priester gibt. Jesus sagte ja: „Laßt euch nicht Rabbi nennen.“ (Mt 23, 8) Oder daß die Kirche Kriege rechtfertigt, denn Jesus lehrte: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26, 52) Diese Aussagen und auch die bereits erwähnte Stelle aus der Johannes-Offenbarung sind also in der Bibel geblieben.
Hier schließt sich die Frage an:
Wurde Hieronymus von der Kirche eventuell deshalb heilig gesprochen, weil er die Bibel gefälscht hat? Weil er sich der Kirche unterworfen hat?
Antwort: Das kann man durchaus annehmen. Er hat eine sehr wichtige Aufgabe für die Kirche erfüllt, denn damals gab es sehr viele Texte. Es gab die sogenannten apokryphen Schriften, in denen sehr viel z.B. über die Tierliebe des Jesus von Nazareth steht. Damals sagte noch keiner: „Der eine Text ist wichtiger als der andere.“ Jeder suchte sich diejenigen Texte, die er für wahr hielt, die er selbst mit dem Herzen prüfen konnte. Hieronymus hat das dann eingegrenzt, einen kirchlicherseits gültigen Kanon geschaffen.
Aus alledem wäre zu schlußfolgern: Wer von der katholischen Kirche heiliggesprochen wurde oder wird, der muß der katholischen Kirche untertan sein. Ob er ein Sünder ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle?
Antwort: Das stimmt. Denn Hieronymus erfüllte die Aufgabe, die ihm die Kirche gestellt hatte. Und das führte zu seiner Heiligsprechung. Man kann alle „Heiligen“ unter diese Rubrik einordnen: Ob du Sünder bist oder nicht, spielt keine Rolle. Wichtig ist, du dienst der Kirche. Wie ein Heiliger wird auch Kaiser Konstantin verehrt, auf den wir in einer späteren Sendung noch eingehen werden. Konstantin war ein brutaler und gewalttätiger Mensch, der seine eigenen Verwandten, seine Frau, seinen Sohn hat ermorden lassen. Auch seine unmittelbaren Verbündeten ließ er grausam zu Tode bringen. Die Kirche ehrt Konstantin, weil er ihr die vielen Vorrechte, die vielen Privilegien, verschafft hatte. So steht es auch mit vielen Heiligen.
Ein Aspekt der ersten Frage war noch offen, nämlich: Wie kann man eigentlich aus der Kirche austreten? Wie geht das?
Antwort: Das ist wahrscheinlich in den verschiedenen Ländern der Erde unter-schiedlich. Im Folgenden als Beispiel, wie es in Deutschland abläuft: Hier geht man einfach mit dem Personalausweis auf das zuständige Standesamt oder das Amtsgericht, zahlt dort eine Austrittsgebühr, dann ist der Austritt wirksam. Es ist also im Grunde ganz einfach. Bemerkenswert dabei ist allerdings, daß man nicht bei der Kirche austritt, sondern beim Staat den Austritt vollziehen muß. Das zeigt die Kumpanei zwischen Kirche und Staat. Doch die zu entrichtende, geringe Austrittsgebühr steht in keinem Verhältnis zu dem, was man spart. Es hat einmal jemand ausgerechnet, daß ein normaler Kirchensteuerzahler im ganzen Leben so viel Kirchensteuer zahlt, daß er sich davon leicht eine gute Altersversorgung oder vielleicht sogar ein kleines Eigenheim leisten könnte, wenn er das verzinst. Das wäre also der Weg, wie man sich in Deutschland aus dieser Organisation befreien kann. In anderen Ländern gibt es andere Möglichkeiten. Wenn Sie dazu Fragen haben – Sie dürfen uns gerne schreiben, und wir werden Ihnen den Weg aufzeigen.
Und wohlgemerkt: Man nimmt nicht von der Lehre des Jesus, des Christus, Abstand, wenn man keine Kirchensteuer mehr bezahlt, sondern vom Götzenkult bzw. vom Heidentum, das die Kirche ja verkörpert, auch wenn sie sich das Mäntelchen „Christus“ umhängt.
Dazu paßt auch eine weitere Frage, die uns erreichte:
„Ihr habt erwähnt, daß in das Alte Testament möglicherweise auch Elemente aus dem babylonischen Heidentum eingeflossen sind. Gibt es dafür Anhaltspunkte auch in der Bibel, oder worauf gründet ihr das?“
Antwort: Die Israeliten waren ja mehrere Generationen lang in Babylon in der Gefangenschaft . In dieser Zeit eroberte Kyros, König der Perser, Babylon. Die Geschichte der Rückkehr der Israeliten nach Palästina ist in der Bibel enthalten.* Wir lesen im Buch Esra im 6. Kapitel in einer Art Rückblende, wie die Rückkehr der Israeliten eingeleitet wurde: „Im ersten Jahr des Königs Cyros hat König Cyros einen Befehl erlassen, der das Gotteshaus in Jerusalem betrifft. Das Haus soll wieder aufgebaut werden als Ort, an dem man Opfer darbringt.“ (Esra 6, 3) Die Rückkehr war verbunden mit dem Auftrag, den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Im gleichen Atemzug werden bereits die Tieropfer erwähnt, die im Alten Testament beschrieben sind. An anderer Stelle ist ja auch im Alten Testament enthalten, daß die großen Propheten des Alten Bundes sich klar gegen diese Tieropfer aussprachen. Wer zwischen den Zeilen und mit offenen Augen liest, dem fällt einiges auf. Und wie reagierten die Israeliten darauf? Das finden wir z.B. in Kapitel 3 – dort heißt es: „Viele betagte Priester, Leviten und Familienoberhäupter hatten noch den ersten Tempel gesehen. Als nun vor ihren Augen das Fundament für den neuen Tempel gelegt wurde, weinten sie laut. Viele andere aber schrien vor Jubel und Freude.“ (Esra 3, 12) Hier ist doch ein Gegensatz: Die einen schreien vor Jubel, die anderen weinen. Weinen sie vor Freude? Oder weinen sie vielleicht, weil sie spüren: Hier wird etwas hineingebracht oder im Verhalten der Priesterkaste verstärkt, das mit dem Willen Gottes nichts zu tun hat? – Was passierte mit denen, die sich widersetzten? Auch das ist interessant. Gleich der Anfangsbefehl des Königs Kyros lautete: „Jedem, der diesen Erlaß mißachtet“ – Vorsicht, jetzt wird’s grausam –, „reiße man einen Balken aus seinem Haus und pfähle ihn auf diesen Balken. Sein Haus soll wegen seines Vergehens zu einem Trümmerhaufen gemacht werden.“ (Esra 6, 11). Hier erhebt sich doch die Frage: Wenn es wirklich der Wille Gottes war, daß die Israeliten zurückgehen und den Tempel in der von Kyros vorgesehenen Weise wieder aufbauen – weshalb hat sich überhaupt jemand widersetzt? Und weshalb mußte man so grausame Strafen androhen? Könnte es nicht sein, daß durch diesen Befehl des Kyros diejenigen, die noch wußten, daß der Wille Gottes war, z.B. keine Tieropfer darzubringen, dadurch bereits vor ihrer Rückkehr auf diese grausame Weise ausgerottet werden sollten? Lesen wir dann weiter, so stoßen wir auf den Priester Esra; er wurde beauftragt, die Fundamente zu legen und auch die Schrift zu überarbeiten. In Esra 7,6 heißt es: „Dieser Esra kam von Babel herauf, er war ein Schriftgelehrter, kundig im Gesetz des Mose, das der Herr, der Gott Israels, gegeben hatte. Weil die Hand des Herrn, seines Gottes, über ihm war, gewährte der König ihm alles, was er wünschte.“ Es fragt sich nur: Stimmt das wirklich so? Oder hat ihm der König alles gewährt, weil Esra den Willen des Königs erfüllte? Liest man weiter, so ist gleich die Rede von Geld, das Esra sammeln sollte: „... sollst du dann gewissenhaft Stiere, Widder und Lämmer sowie die dazugehörenden Speiseopfer und Brandopfer kaufen und sie auf dem Altar des Hauses eures Gottes in Jerusalem darbringen.“ Und unmittelbar darauf steht geschrieben: „Auch wird euch folgendes bekannt gemacht: Niemand ist befugt, irgendeinem Priester, Leviten, Sänger, Torwächter, Tempeldiener oder Arbeiter dieses Gotteshauses Steuern, Abgaben oder Zölle aufzuerlegen.“ (Esra 7, 24) Sofort kommt also die Steuerbefreiung zum Tragen, die Vorrechte der Priester, die die Priester ja selbst in das Alte Testament hineingeschmuggelt haben.
Nun müßte man fragen: Wenn das alles Gott befohlen haben soll – was hat das dann mit den Zehn Geboten zu tun, zum Beispiel „Du sollst nicht töten“? Hier gibt angeblich Gott den Auftrag, zu töten, und in Seinen Geboten sagt Er: „Du sollst nicht töten.“ Ist Gott ein Gott, der sich widerspricht, oder ist Gott der Absolute? Entweder sind die Gebote Gottes falsch oder diese Anordnungen.
Die Kirche hat ja immer das Recht für sich beansprucht, die Gottesgebote „richtig“ auszulegen, und in diesem Fall lautet die kirchliche Auslegung: Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt nur für Privatpersonen, aber nicht für Obrigkeiten. Letztere dürfen z.B. die Todesstrafe verhängen, dürfen auch den Befehl zum Krieg erteilen. – Von den kirchlichen Obrigkeiten wird das Gebot so ausgelegt, wie es ihnen genehm ist.
Einen Versuch, diesen Widerspruch noch mehr zu verbrämen, stellt ja auch die neueste Bibelfälschung dar: Das 5. Gebot wurde umgeändert von „Du sollst nicht töten“ in „Du sollst nicht morden“. Betrachtet man das einmal von der juristischen Seite, ist es folgendermaßen: Für Mord gibt es keine Rechtfertigung, weil es eine besonders verwerfliche Art des Tötens ist. Für „Töten“ hat auch das staatliche Recht viele Rechtfertigungen gefunden, u.a. was die Obrigkeit betrifft. Deshalb hat man wahrscheinlich das Wort „töten“ aus dem Gottesgebot herausgenommen, um dann bei Bedarf eine Rechtfertigung hineininterpretieren zu können.
Eine Frage zu den heidnischen Einschüben, die in der Bibel enthalten sind, die dann vom Kirchenchristentum übernommen wurden:
„In der zweiten Sendung habt ihr den Opferglauben des Heidentums beleuchtet. Ist aber die Meßfeier der Kirche nicht auch ein Meßopfer, in das heidnische Vorstellungen hineingeschmuggelt wurden?“
Antwort: Hier geht es sogar um die zentrale und schlimmste Verfälschung der Lehre des Jesus von Nazareth. In dem sogenannten „Meßopfer“ sieht die Kirche den symbolischen, – wie sie sagt unblutigen – Nachvollzug des Blutopfers Jesu am Kreuz. In jeder Messe wird dieses Blutopfer erneut thematisiert und symbolisiert. Es handelt sich um den Opfergedanken urheidnischer Herkunft: Ursprünglich waren es Menschenopfer, dann wurden es Tieropfer, und dann wurde es wieder ein Menschenopfer, hier nun das Opfer des Sohnes Gottes. Er sei auf die Erde gekommen, um als „Opferlamm“ zu sterben, um die Menschheit "mit Gott zu versöhnen". So verkündete es Paulus, so wurde es von der Kirche durch die Jahrhunderte übernommen, und so glaubt es deshalb, im Grunde genommen, auch jeder normale Katholik heute noch. Fragt man „Warum kam Jesus auf die Erde?“, so würden die meisten zur Antwort geben: „Um für uns zu sterben, denn nur dadurch konnte Er uns erlösen.“ Jesus von Nazareth kam aber gar nicht auf die Erde, um zu sterben, wie wir wissen, sondern um das Friedensreich zu gründen, das Reich Gottes auf Erden; Er kam, um den Menschen die Frohe Botschaft zu bringen, die Lehre, die den Menschen in ein Leben im Geiste Gottes, in den Frieden, in die große Einheit des Lebens und, vor allem, zu Gott in seinem Inneren führt. Wir wissen dies aus der göttlichen Offenbarung durch Gabriele für die heutige Zeit. Wir wissen es zum Teil auch noch aus manchen Passagen des Evangeliums, vor allem aber auch aus den apokryphen Schriften. Dieser Blutopfergedanke, diese „Blut-Mystik“, könnte man sagen, kam durch Paulus in das sogenannte Christentum. Wer an diesen Opfergedanken glaubt, der vertritt nicht die Lehre Jesu; er vertritt auch keine christliche Lehre, sondern eine paulinische Lehre. Hierbei handelt es sich um die schlimmste Verfälschung der Lehre Jesu überhaupt. Denn hier wird so getan, als gäbe es einen zornigen Gott, der so brutal und grausam ist, daß er Seinen eigenen Sohn als Sühneopfer verlangt und Ihn deshalb auf die Erde schickt. Schlimmer und brutaler geht es eigentlich nicht mehr.
A propos „Blutopfer-Gedanke“. In den Geboten steht: „Du sollst nicht töten.“ Dieses Gebot wurde seit etlichen Jahren umgeändert in „Du sollst nicht morden“. Gehen wir aus von der Tatsache, daß die katholische Kirche und auch die Lutherkirche für Kriege sind, und sei es für die sogenannten Verteidigungskriege. Kann man das Erschießen von Mitmenschen, das Umbringen anderer mit Waffen, dann als Menschenopfer sehen, das vollzogen wird, um einen Staat zu erlösen, zu befreien? Dies entspräche der Behauptung: Du darfst töten, aber nicht morden. Kurzgefaßt also die Frage: Handelt es sich im Krieg auch um den Blutopfergedanken?
Es gibt sicherlich viele Feldgeistliche, die diesen Gedanken im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg den Soldaten nahegebracht haben: Sie sollen sich hingeben, sie sollen sich opfern für das Vaterland. – Kardinal Faulhaber, der später zu einem angeblichen Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich hochstilisiert wurde, sagte im Ersten Weltkrieg als Feldgeistlicher: „Die Kanonen des Krieges“ sind „Sprachrohre der rufenden Gnade“ Gottes. (Karlheinz Deschner, „Ein Jahrhundert Heilsgeschichte“, Band I, S. 253) Darin steckt der Gedanke, der Krieg sei eine Läuterung, die moralischen Verfehlungen des Volkes würden im Krieg reingewaschen, der Soldat solle sich also hingeben und opfern für ein höheres Ziel. Das Makabre daran ist natürlich, daß auf allen Seiten der Front solche Feldgeistlichen standen und allen Soldaten, die sich dann gegenseitig hinmetzelten, das Gleiche sagten. Somit ist also der Blutopfergedanke immer noch aktuell – aber nichtsdestoweniger total heidnisch. Denn, was sagte Jesus, als Petrus das Schwert zückte? Er sagte: „Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26, 52) In diesen Worten Jesu erging eine ganz klare Warnung an uns Menschen: Wenden wir Gewalt an, so ist das nicht im Sinne Gottes, sondern wir selbst müssen diese Saat dann ernten. Bemerkenswerterweise hat Jesus das sogar in einer sogenannten Verteidigungssituation gesagt. Obwohl also sein Leben bedroht wurde, gebot er dennoch: „Stecke dein Schwert zurück.“ (Mt 26, 52) Die Kirche würde sagen: „Hau drein! Schlag zu! Denn du darfst dich und deine Freunde verteidigen; du darfst einen gerechten Krieg führen.“ Die ganze Lehre vom „gerechten Krieg“ wird durch diese Passage der Bibel, durch diese Worte des Jesus von Nazareth, als unchristlich entlarvt. Allerdings ist die Kirche natürlich raffiniert. Sie sagt nicht einfach: „Wir sind für den Verteidigungskrieg“, sondern: „Krieg nur als allerletztes Mittel – nur dann, wenn alles andere nicht funktioniert.“ Doch hier ist gleich ein großes Fragezeichen anzufügen. Man sagt zwar, „wenn kein anderes Mittel mehr besteht, dann darf man zu den Waffen greifen“, aber die Geschichte lehrt, daß diese "anderen Mittel" keineswegs immer ausgeschöpft wurden. Die Scheinheiligkeit in der katholischen Kirche kennt keine Grenzen.
Aus dem, was gerade erörtert wurde, ist zu ersehen, wie die Tatsachen verschleiert und vernebelt werden. Deshalb fällt einem die Scheinheiligkeit der Kirche manchmal gar nicht auf. Aber was ist es denn anderes als Scheinheiligkeit, was wir zur Zeit erleben, wenn der derzeitige Papst sich gegen die Embryonenforschung ausspricht mit der Behauptung, er wolle „das Leben schützen“. Es ist derselbe Papst, der unter Umständen wenig später dafür sorgt, daß diejenigen, die er geschützt hat, dann im Krieg, den er befürwortet, wieder umgebracht werden – von Soldaten, die zuvor von den Militärgeistlichen im Auftrag des Papstes gesegnet wurden.
Die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche äußert sich auch darin, daß der jetzige Papst so bewußt an Benedikt XV., einen seiner Vorgänger, anknüpfen will, der so sehr für den Frieden in Europa eingetreten sei. Dieser Papst, der während des Ersten Weltkriegs seiner Kirche vorstand, hat immer wieder öffentlich getrauert über das Unheil des Krieges, durch das Europa zerstört wurde. Aber was hat er getan? Er hat dafür gesorgt, daß auf beiden Seiten, in Frankreich und in Deutschland, bei allen kriegführenden Staaten die Militärgeistlichkeit besonders verstärkt wurde. Warum hat er denn niemanden von den Staatsmännern exkommuniziert, die sich an dem Krieg beteiligt haben? Die Kirche ist doch sonst so gerne bereit, Leute auszuschließen, die nicht ihrer Lehre folgen.
Papst Benedikt XVI. hat in anderer Weise ebenfalls die Scheinheiligkeit und die Schizophrenie auf die Spitze getrieben. Er war es nämlich, der die Inquisition verteidigt hat. Wenige Wochen vor seiner Wahl zum Papst hat er in der Sendung ARD Kontraste am 3.3.2005 ein abenteuerliches Interview gegeben. Dabei hat er quasi erklärt: „Wir stehen in Kontinuität zur Inquisition.“ Man kann es kaum glauben, daß er dies so gelassen ausgesprochen hat. Aber es wird noch unglaublicher; der zweite Satz hatte nämlich sinngemäß folgenden Inhalt: „Es ist ja nicht zu leugnen, daß die Inquisition gewisse Fortschritte brachte, die darin bestanden, daß die Angeklagten vorher angehört und vernommen wurden.“ Im Grunde genommen handelt es sich um blanken Zynismus, wenn man sich das vergegenwärtigt. Denn die „Vernehmungen“ durch die Inquisition waren mit Foltern schlimmster Art verbunden, an denen viele dieser „Verhörten“ gestorben sind. Es ist schon eine Zumutung für die Öffentlichkeit, wenn ein Kardinal, der ja der Nachfolger der Inquisition ist – damals war er es noch als Vorsitzender der Römischen Glaubenskongregation –, so ungeniert in der Öffentlichkeit die Inquisition als Fortschritt preisen darf. Was würde wohl jemand anderem passieren, wenn er die Brutalität etwa eines Diktators in Chile oder vielleicht auch der Nazis im Dritten Reich deshalb als fortschrittlich bezeichnen würde, weil in den Folterkellern Pinochets oder Hitlers die Menschen vor dem Erschießen auch noch kurz vernommen wurden? Unsere Sendereihe steht ja unter dem Titel: „Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ Solche Verlautbarungen wie die des Papstes geben doch sehr zu denken ...
Und dieser Kardinal, der das alles mehr oder weniger befürwortet, ist nun Papst und ist gleichzeitig der sogenannte „heilige Vater“. Also heißt es seitens der Kirche doch wieder: Befürworte das Töten, befürworte das Hinmetzeln, aber diene der Kirche – dann bist du „heilig“.
Das kann man an vielen Beispielen sehen. Auch der Vorgänger des jetzigen Papstes, Johannes Paul II., für den jetzt viele ein Heiligsprechungsverfahren anstreben, hat anläßlich der 500-Jahr-Feier der Evangelisierung von Südamerika gesagt: Die Eroberung Lateinamerikas durch die katholischen spanischen Eroberer weise zwar gewaltsame Züge auf und sei insofern zu verurteilen. Weil aber wirklich „die bewundernswerte Evangelisierung“ zu einer „Ausweitung der Heilsgeschichte“ beigetragen habe, handle es sich letztlich um eine „glückliche Schuld“ (Spiegel spezial 3/2005, S. 91) – Welch ein Zynismus liegt zugrunde, wenn man - angesichts der vielen Grausamkeiten, die verübt wurden, und der unzähligen Menschen, die die Eroberung Südamerikas das Leben kostete - unverfroren von einer "glücklichen Schuld" spricht?
Frage:
„Im Internet wurden bei einer Versteigerung eine Schabmadonna aus Altötting und ein Bogen Schluckbildchen angeboten. Um was handelt es sich dabei?“
Antwort: Wir könnten gleich weiterfragen: Wenn man aus diesen sogenannten Schluckbildchen einige Teilchen herausnimmt und zu sich nimmt – hat man dann auch die Möglichkeit, selig oder heilig zu werden? Und: Wenn man eine sogenannte ‚Schabmadonna’ kauft und täglich an ihrem Leib herumnagt, indem man von ihrem Körper einige Partikel abschabt – kommt man dann auch in den seligen und heiligen Zustand? Doch zuerst: Was ist eine „Schabmadonna“? Und um was handelt es sich bei diesen „Schluckbildchen“? Den Brauch der Schabmadonna gab es bis ins 20. Jahrhundert. Mag einer denken, das sei doch „Mittelalter“ – nein, sie sind offenbar auch heute noch von Interesse, wie der Frage zu entnehmen ist. Wir haben im Internet nachgeschaut und prompt eine Antwort gefunden: Im Internetportal der katholischen Kirche Schweiz www.kath.ch war von einer Schabmadonna aus dem Kloster Einsiedeln zu lesen: „Von ihr wurden kleinste Partikel abgeschabt und verzehrt.“ genauer informiert Dr. Edmund Müller in „Mittel zum Heil“ auf Seite 43: „Eine sehr augenfällige Möglichkeit, sich im Bedarfsfall eine heilkräftige Substanz gleich einer Arznei einzuverleiben, war das Abschaben von Ton an einer Schabmadonna. Solche verkleinerte Kopien des Gnadenbildes konnten einst an verschiedenen Wallfahrtsorten erworben werden. Sehr bekannt waren bis ins 20. Jahrhundert die geschwärzten Schabmadonnen aus dem bayerischen Altötting und die beim Volk auch »Laicheibli« genannten Gnadenkopien aus Einsiedeln. Letztere galten deshalb als wundertätig und heilkräftig, weil dem Ton angeblich Erde und Mörtel aus der Gnadenkapelle und außerdem Reliquienpartikel beigemischt waren. Dies galt indes nur für jene Schabmadonnen, welche das Kloster selber verkaufte und die rückseitig die Meinradsraben als Herkunftsnachweis trugen.“ - gleichsam als Siegel. Man kann nur hoffen, daß es sich bei diesen Reliquienbeigaben nicht um menschliche Leichenteile gehandelt hat.
Was die sogenannten „Schluckbildchen“ betrifft, so ist auf dem gleichen Internetportal der katholischen Kirche der Schweiz zu lesen, daß es sich um Heiligenbildchen handelte, die man tatsächlich aß. Bei Dr. Müller, „Mittel zum Heil“, S. 44/45 lesen wir ausführlicher dazu: „An vielen Wallfahrtsorten konnten früher Schluckbildchen bogenweise erworben werden. Der Käufer war darauf bedacht, daß der Bogen von einem Geistlichen geweiht worden und nach Möglichkeit auch mit dem am Kaufort verehrten Gnadenbild in Berührung gekommen war.“ Es gab damals nämlich die Reliquien, es gab aber auch die "Berührungsreliquien". Als z.B. in Bamberg ein Nagel vom Kreuz Christi angeblich gefunden wurde bzw. aufgetaucht ist, hat man viele tausend Nägel nachgeschmiedet und hat sie kurz mit diesem Nagel berührt. Das waren dann Berührungsreliquien, und diese hatten natürlich einen doppelten Wert. Alles stieg im Wert um über das Doppelte, wenn es mit einer Reliquie in Berührung gekommen war. Deshalb waren also die Käufer erpicht darauf, solche Berührungsreliquien auch bei diesen Schluckbildchen zu erwerben. „In Gefahr und Not wurden die einzelnen, oft nur briefmarkengroßen Bildchen verschluckt oder auch dem kranken Vieh gegeben. Die zu den Sakramentalien zählenden Schluckbildchen wurden als eine Art Medizin angesehen, denen durch den priesterlichen Segen große Kraft innewohnt.“ (Dr. Edmund Müller, „Mittel zum Heil“, S. 45) Als „Sakramentalien“ bezeichnet die Kirche nach Dr. Müller offiziell „Geweihte und gesegnete Gegenstände, die dem gläubigen Menschen Schutz und Segen verheißen und ihn vor Unheil bewahren und auf Heilung hoffen lassen. Dazu gehören Öl, Salz, Palmzweige, Kreuze, Wallfahrtsmedaillen“ und eben sogenannte Schluckbildchen; die Schabmadonna gehört auch dazu. „Noch im Jahre 1903 billigte die römische Ritenkongregation die Verwendung der Schluckbildchen ... Den Heilbrauch, Eßzettel zu schlucken, kannte schon die Antike“, schreibt Dr. Müller. Folglich ist das Schlucken von Heiligenbildchen ein heidnischer Brauch. Übrigens kommt in der deutschen Sprache der bekannte Begriff „Freßzettel“ von diesem Brauch.
Würde eine andere Gemeinschaft sich so etwas leisten, dann würde man doch sehr ernsthaft an ihrem Geisteszustand zweifeln. Ohne sich dabei über irgendeine Konfession lustig machen zu wollen, ist diese Feststellung einem denkenden Bürger wohl erlaubt. Wenn man im 20. Jahrhundert im Internet empfiehlt und anbietet, eine Schabmadonna zu kaufen und Partikel von ihr zu verspeisen, weil dies irgendwelche Heilungsprozesse fördern würde, dann würde bei jeder anderen Gemeinschaft die Gesundheitsbehörde einschreiten und würde sagen: „Ihr haltet die Leute vom Gang zum Arzt ab!“ Und was hier geschieht, ist eigentlich auch gefährlich. Es ist nicht nur eine verrückte Magie, sondern es ist auch eine Gefahr für die Gesundheit, für die Volksgesundheit.
Zu derlei seltsamen Bräuchen erhielten wir noch eine weitere Frage:
„Woher kommt eigentlich der Brauch des Ablaßrutschens – also auf den Knien herumrutschen wie in Altötting oder auf den Stufen in Rom.“
Antwort: Der Brauch des Ablaßrutschens hat etwas zu tun mit Bußübungen. Man glaubt, indem der Mensch bestimmte auferlegte Bußen vollzieht – äußere Anstrengungen, die möglichst auch noch wehtun sollen –, würde er seine Sünden loswerden. Beim Ablaß wurden dann angeblich die Sündenstrafen erlassen. Solche Praktiken gab es auch schon im Heidentum. Das hängt zusammen mit der sogenannten Beichte, die es ebenfalls schon im Jainismus gab, im Kult der Anaitis in den samothrakischen Kabiren-Mysterien oder bei Isis – so zu lesen in Karl Heinz Deschners „Der gefälschte Glaube“, S. 144: „... wo die reuigen Sünder unter den Drohungen der Priester sich auf den Tempelboden warfen, die heilige Tür mit dem Kopf rammten, die Reinen mit Küssen anflehten und Wallfahrten machten, während man im Bereich der Primitivreligion“ – denn das andere nennt man „hoch“, sagt Deschner – „nach dem Bekenntnis Holzsplitter und Strohhalme in die Luft schleuderte und frohlockte: ‚Alle Sünden sind fortgegangen mit dem Wind.’“ In einigen Mysterienkulten bekannte man dem Priester als dem Stellvertreter der Gottheit seine Schuld, um so von den Folgen wieder frei zu werden. In der Isis-Religion, schreibt Deschner, „wo man selbst für Abfall Erlaß fand“ – also für den Abfall vom Glauben –, „gab es schon eine komplette Ablaßpraxis, wie später im Katholizismus.“ (S. 115)
Wir haben schon davon gesprochen, daß man nach den Vorschriften der katholischen Kirche bestimmte Dinge, die die Kirche lehrt, glauben muß. Wenn man sie nicht glaubt, ist man „auf ewig verdammt“. Jetzt stellt ein Zuhörer die Frage:
„Im ‚Neuner-Roos’“ – das ist ein fundamentales Werk über den Glauben der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung – „hieß es früher ‚ewig verdammt’; heute heißt es ‚ausgeschlossen’. Heißt das, daß man heute nicht mehr verdammt ist, wenn man an der katholischen Lehre zweifelt?“
Antwort: Das heißt es nicht, denn „ausgeschlossen“ bedeutet „ewig verdammt“. Früher hat man das eben unverblümt ausgedrückt, und jetzt, in unserer Zeit, ist es dem Zeitgeist angepaßt, etwas moderater, scheinbar harmloser formuliert. Aber die Bedeutung ist dieselbe. Auch „ausgeschlossen“ besagt: „vom Heile ausgeschlossen“ und damit „ewig verdammt“. Im lateinischen Originaltext heißt es: „anathema sit“ – das bedeutet eben auch: „Der sei verflucht“ bzw. „verdammt“.
Hier schließt sich die Frage an: Könnte es sein, daß man diese Veränderung auch im Hinblick auf die anderen Religionen vorgenommen hat? Heute, da man ein wenig auf Ökumene macht und die anderen damit einzuwickeln versucht, war vielleicht dieses Wort etwas zu kraß. Ist es nicht so, daß die Anhänger aller anderen Konfessionen nach der katholischen Lehre „ewig verdammt“ sind?
Wir lesen wieder bei „Neuner-Roos“ (Nr. 381): „Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet, glaubt fest, bekennt und verkündet, daß niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr, der Kirche, anschließt.“
Fragen wir an dieser Stelle einmal: Was ist der „Neuner-Roos“ eigentlich für ein Buch? Dazu können wir einfach einmal den Klappentext dieses Buches durchlesen, wo es heißt: „Das Buch enthält die wichtigsten Urkunden über den katholischen Glauben seit den Zeiten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses bis zu unseren Tagen. Doch geht es hier nicht darum, die Wahrheiten des Glaubens durch die zwei Jahrtausende der kirchlichen Geschichte zu begleiten und alle dogmatischen Kämpfe und Entscheidungen darzustellen, sondern diejenigen kirchlichen Lehrurkunden in deutscher Wiedergabe vorzulegen, die für die kirchliche Formung der göttlichen Offenbarung von besonderer Bedeutung wurden ..." Der Text endet mit dem Satz: „Gerade heute ist es Recht und Pflicht des Gläubigen zu wissen, was die Kirche selbst in den Urkunden der Lehrverkündigung über ihren Glauben gesagt hat und sagt.“ Das heißt: Man findet in diesem Buch „die kirchliche Formung der göttlichen Offenbarung“ – müßte man hier nicht eher von einer „Ver-Formung“ sprechen, angesichts dessen, was die Kirche daraus gemacht hat?
Liebe Hörer, liebe Leser, vielleicht neigen Sie dazu zu sagen: „Da wird viel erzählt – wer kann das beweisen?“ Wenn Sie wollen, können Sie einmal in einen Buchladen gehen und selbst im „Neuner-Roos: Der Glaube der Kirche in der Lehrverkündigung“ nachlesen. Sie finden die eben zitierten Aussagen unter Rd.-Nr. 381 und 417 – und noch manches mehr. In der Tat ist dieses Buch eine außerordentlich aufschlußreiche Lektüre. Bitte, machen Sie sich selbst ein Bild. Wenn Sie, wie gesagt, weiterlesen, werden Sie Erstaunliches entdecken, und vielleicht wird auch das Ihre Entscheidung bestärken, der Empfehlung aus der Apokalypse zu folgen, aus dieser Kongregation auszutreten.
Mit diesen ganzen unglaublichen Seltsamkeiten und auch mit den Grausamkeiten befassen wir uns nicht deswegen, weil es irgendeine Institution oder irgendein Clan für seine Mitglieder oder seine Abhängigen so vorschreibt. Jeder kann ja – auch in unserem Staat – nach seiner Fasson glücklich werden. Warum wir uns damit befassen? Weil all diesen Seltsamkeiten, diesen Unglaublichkeiten – ja, man muß sagen: diesen Perversitäten – das Etikett angeheftet wird, das sei christlich und habe mit Jesus von Nazareth etwas zu tun. Und da sind Urchristen aufgerufen, das richtigzustellen. Denn es ist genug, daß Jesus, der Christus, 2000 Jahre lang von der Priesterkaste verleumdet, verhöhnt, verspottet und mißbraucht wurde. Die Zeit, diesem Mißbrauch ein Ende zu bereiten, ist jetzt gekommen. Urchristen sind angetreten, das zu tun, und Sie, liebe Hörer, liebe Leser, bitten wir, das, was Sie hören, als kluge Analytiker zu analysieren und sich zu fragen: Wer sitzt eigentlich auf dem Stuhl Petri? Hat das wirklich irgend etwas mit Jesus, dem Christus, zu tun? Oder deutet nicht alles, was wir heute gehört haben, darauf hin, daß es gerade das Gegenteil von dem ist, was der, der darauf sitzt, vorgibt?
Es erreichte uns eine Frage, die folgendermaßen lautet:
„Über Radio Vatikan wurde im Juni 2005 berichtet, daß angesichts der Dürrekatastrophe in weiten Teilen Australiens ein Sonntag zum Tag des Gebets für Regen erklärt wurde. Wenn ich Gott um Regen bitte, dann heißt das doch, daß Gott dafür verantwortlich ist, ob es regnet oder nicht? Woher kommt dieser Glaube? Kommt er nicht auch aus dem Heidentum?“
Und eine weitere Frage: „Beten die Urchristen auch um Regen?“
Antwort: Zum ersten Teil der Frage: Im Heidentum, also in der Vielgötterei, im Götzenkult, war es üblich, daß ein Gott oder auch mehrere Götter für das Wetter und speziell für den Regen verantwortlich waren. Bei den Germanen war es der Gott Donar, bei den Ägyptern war es der Gott Seth, der später zum Gott Baal wurde, bei den Griechen war Zeus der Wettergott, und bei den mesopotamischen Göttern waren es die Götter Anu und Enlil, um nur einmal einige Beispiele zu nennen. Die Menschen glaubten damals, daß die Götter für das Wetter verantwortlich waren, und dementsprechend mußten diesen Göttern auch Opfer gebracht werden, um damit das Wetter positiv zu beeinflussen. Wenn nun die katholische Kirche dazu aufruft, Gott um Regen zu bitten, steht sie also in direktem Zusammenhang mit der heidnischen Tradition. In dieser heidnischen Tradition war es auch üblich, daß sich einzelne Menschen als Stellvertreter der Götter ausgaben, man denke hier nur an die Pharaonen in Ägypten. Auch das gibt es im Katholizismus: Der Papst ist der „Stellvertreter Christi“. Im Neuner-Roos lesen wir über den Papst unter der Rand-Nummer 434, daß „der römische Bischof den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat“, und im Krönungsritual, durch das bis ins 20. Jahrhundert die Päpste in ihr Amt eingeführt wurden, heißt es: „Wisse, daß du bist der Vater aller Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises“.
Fragen wir hier doch weiter: Wenn der Papst Lenker des Erdkreises ist – was lenkt er eigentlich? Wenn man die heutige Welt anschaut, was lenkt der Papst? – L e n k t er dann Seuchen, lenkt er Nöte, lenkt er die Erdkatastrophen, die Flutkatastrophen, die wir erlebten? Ist er der Lenker all des Unheils, das auf die Menschen, die Natur und die Tiere zukommt?
Entsprechend dieser logischen Schlußfolgerung würde es heißen: Er lenkt das Unheil den Menschen zu. Aber er wird ja auch als „Heiliger“ verehrt. – Dann müßte er doch den Regen bestimmen können, die Flutkatastrophen, die Krankheiten, die Erdbeben – zum Beispiel den Tsunami. Er müßte dann den Elementen gebieten können usw. Das müßte ihm von daher ein Leichtes sein. Er läßt sich hier als „Stellvertreter Gottes“ verehren und apostrophieren. Wenn die Wirkungen seiner Stellvertretertätigkeit aber so aussehen, wie wir gerade hörten, dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder er tut nur so, als sei er der Stellvertreter Gottes, und hat gar keine Macht, Einfluß zu nehmen – er kann ja nicht einmal eine eigene Krankheit heilen –, oder das, was auf der Erde geschieht, geschieht wirklich mit seinem Zutun. Dann ist er aber nicht der Stellvertreter des Gottes der Liebe, des Vaters aller Menschen, sondern dann kann er nur der Stellvertreter des Gottes der Unterwelt sein. Da stellt sich wiederum die Frage: Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?
In der Bibel steht: „Macht euch die Erde untertan.“ (1. Mose/Gen 1,28) – was soll das heißen? Wir stellen fest: Wenn der Papst der Lenker des Erdkreises ist, müßte er der Erde gebieten können – den Fluten und so weiter. Jesus konnte den Elementen gebieten. Denken wir an die Begebenheit, von der die Bibel berichtet: Die Jünger sitzen im Boot und haben Angst vor dem Sturm, und Jesus gebietet dem Sturm und dem Wind. – Jesus also konnte es, aber der „Stellvertreter Gottes“ kann es nicht.
Er kann es nur in einer Richtung. Das haben wir heute schon vielfach gehört: alles zerstören. Wir haben von dem Töten gesprochen, von Mißbrauchen, vom Ausnutzen, vom Zerstören. Angesichts der Vergangenheit und Gegenwart der Taten des Stuhls Petri heißt für ihn „Macht euch die Erde untertan“ alles in allem: Zerstört die Erde. Denn so wurde es von der katholischen Kirche und von dem Repräsentanten dieser Geisteshaltung immer gehandhabt.
Die Zuschrift beinhaltete noch die Frage: Beten die Urchristen um Regen?
Die Urchristen beten nicht für Regen. Wir wissen, daß Gott uns einen wunderbaren Planeten gegeben hat. Und es ist unsere Aufgabe, in Einklang mit der Natur und der Tierwelt zu leben. Hätte man den Satz „Macht euch die Erde untertan“ richtig verstanden, dann wäre sie auch heute noch ein wunderschöner Planet, denn die Menschen hätten in der Einheit mit der Natur und der Tierwelt gelebt. Aber das ist leider nicht der Fall. Die Umwelt wird immer mehr zerstört. Das führt auch zu Klimaveränderungen, und all das ist nicht Gottes Schuld, sondern das haben wir Menschen selbst verursacht und teilweise sogar willentlich herbeigeführt. Wenn wir Urchristen beten, dann nicht dafür, daß es regnet oder schneit oder schönes Wetter gibt, sondern Jesus lehrte uns, so zu beten, daß der Wille Gottes geschehen kann. Konkret heißt das: Wenn wir für die leidende Natur beten, dann kann das Gebet auch nur dann wirksam werden, wenn wir auch bestrebt sind, es in die Tat umzusetzen, wenn wir uns also fragen: Was können wir dazu beitragen, um der leidenden Natur zu helfen? – und wenn wir das dann auch tun.
Jesus, der Christus, brachte das auf einen Nenner. Er lehrte uns: „Was du willst, daß dir andere tun, das tue du ihnen zuerst.“ (Mt 7, 12) Dieser Satz ist allgemein als die „Goldene Regel“ bekannt. Anders gesprochen: Was du nicht willst, daß man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu. – Würden das weltweit alle Menschen beachten, so würde kein Mensch das Heil in der katholischen Kirche suchen, die das Heidentum praktiziert - auch in der Lutherkirche nicht, die nur das Anhängsel der katholischen Kirche ist. Wir Menschen brauchen Jesus, den Christus! Und Jesus lehrte uns sinngemäß, in ein stilles Kämmerlein zu gehen und mit Gott, unserem Vater, Zwiesprache zu halten. Denn Gott ist Geist der Liebe. Gott ist Geist des Friedens. Gott ist Geist der Einheit. Der mächtige Geist der Liebe wohnt in jedem Menschen, denn jeder Mensch ist der Tempel des ewigen Geistes, des Geistes unseres ewigen Vaters. Im stillen Kämmerlein, wenn wir zur Ruhe finden, nach innen beten und unsere Gebete erfüllen, leben wir auch Schritt für Schritt in den Geboten Gottes und in den Lehren des Jesus, des Christus. Dann verändern wir uns zum Positiven, zum Guten, und der große, mächtige Geist unseres Vaters kann durch uns wirken. Das ist, allgemein gesprochen, die Lehre der Urchristen. Wir gehen in das stille Kämmerlein, so, wie es uns Jesus lehrte, und beten zu Gott, unserem Vater, und zu Christus, unserem Erlöser. Wir kommen aber auch in einfachen Räumen zusammen, Gemeinschaften, die miteinander beten, die miteinander singen, denen aber bewußt ist: Der Gott der Liebe ist allgegenwärtig in jedem Menschen, in jedem Tierlein, in jeder Pflanze, in der Mutter Erde. Jesus, der Christus, lehrte: „Was du willst, daß dir andere tun, das tue du ihnen zuerst“ oder, anders gesprochen: Was du nicht willst, daß man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu – weder Mensch, noch Tier, noch Pflanze. Wer die Lehre des Jesus, des Christus, erfüllt, der läßt die Mutter Erde und alles, was in ihr, auf ihr und über ihr ist, leben, weil Leben Gott ist. Wer Leben mutwillig zerstört und tötet, handelt gegen die Liebe Gottes.
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Die Texte der 1. bis 5. Gesprächsrunde sind im ersten Band der Reihe »Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?« nachzulesen.
Dieses Buch können Sie bestellen beim Verlag DAS WORT.
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