 |
|
  |
 
 Marienkult und Reliquienverehrung: Wer nicht daran glaubt, ist von der katholischen Kirche ewig verdammt. Versucht hier eine Diktatur, eine Demokratie zu beherrschen?

Vorwort
Der katholische Kult der Maria als „Gottesmutter“ ist tief im vorchristlichen Heidentum verwurzelt
Maria, jungfräuliche und unbefleckte Gottesgebärerin – wer’s nicht glaubt, verfällt der ewigen Verdammnis. Viele, die ihre Kirchensteuer zahlen, sind sich dessen nicht bewußt.
Wer den Reliquien der Heiligen keine Hochachtung und Ehre zollt, ist von der katholischen Kirche verdammt. Ein Totenkult: Glaube und Praxis dieser Kirche sind auf Gebeinen gegründet.
Finsterer Aberglaube – noch heute: Eine Reliquie im Brustkreuz des Bischofs, eine Reliquie in jedem Altar ... Dogma: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt ...“ – der befindet sich quasi bereits in der Hölle.
Wer sitzt auf dem Stuhl Petri? Tolstoi wußte schon, wer die Kirche gegründet hat ...
Protestantische Lehre: Gott hat „vorherbestimmt“ bzw. „vorhergesehen“, wer in den Himmel, wer in die Hölle kommt.
Eine Kirche, die die Willensfreiheit des Menschen leugnet, leugnet die Grundfesten der Rechtsordnung. Die Paradoxie in der Praxis
Im Staat bestimmt die Priesterkaste – solange das Volk dies zuläßt. Eine Diktatur versucht hier, eine Demokratie zu beherrschen.
Der Programmsatz der katholischen Kirche wird im öffentlichen Leben in die Tat umgesetzt. „Was christlich ist, bestimmen wir!“
In unserer letzten Sendung haben wir aufgezeigt, wie das Urchristentum entstand und sich im Laufe der Jahrhunderte veränderte – von den friedvollen Lehren des Jesus von Nazareth hin zur aggressiven heidnischen Kultreligion mit dem Namen Katholisch. Dabei wurde deutlich, wie immer mehr römische und andere heidnische Vorstellungen – teilweise mit Gewalt – gegen die christlichen Lehren durchgesetzt wurden. Daß der Stuhl Petri fast ausschließlich auf diesen heidnischen Grundlagen gründet, wollen wir heute im einzelnen darlegen. Wir wollen die katholische Tradition beleuchten, Bräuche, Riten, Kulte, Dogmen, Insignien, Feiertage usw. Wir werden sehen, daß es sich um ein Sammelsurium heidnischer Kult-vorstellungen handelt, und zwar in einem Ausmaß, das man nicht für möglich hält.
Lehre und Struktur der katholischen Kirche entstammen also in fast allen Aspekten direkt dem heidnischen Götzenkult. Angesichts dieser Aussage liegt die Assoziation zum Marienkult nahe, der ein wesentlicher Bestandteil des katholischen Glaubens ist: der Kult der „Gottesmutter“, die nach einem Dogma, das Pius XII. verkündet hat, sogar leiblich in den Himmel aufgenommen worden sein soll. Gehen wir nun der Frage nach, wie dieser Kult entstand und welche Vorläufer er hat. Denn Jesus von Nazareth hat ja von Seiner Mutter nicht als der „Gottesmutter“ gesprochen, sondern es war Maria, eine schlichte, bescheidene, gottergebene Frau, eine Frau des Volkes. Also wäre es vielleicht zunächst interessant: Wie kam es denn zu dieser merkwürdigen Entwicklung, und vor allem: Welche Vorläufer hat dieser Kult? Wenn man zurückschaut, stellt man fest, daß der Kult einer Gottesmutter tief im vorchristlichen Heidentum verwurzelt ist.
Es ist z.B. bekannt, daß die ägyptische Göttin Isis und die griechische Göttin Artemis in ähnlicher Weise verehrt wurden, wie in der katholischen Kirche Maria bis heute verehrt wird. Zum Teil wurden sie mit den wörtlich gleichen Begriffen belegt wie „Himmelskönigin“ oder „Meerstern“ – vielleicht kennen einige das Lied „Meerstern, ich dich grüße ...“; es wird ja bis heute an Marienwallfahrtsorten gesungen. Hat wohl Jesus von Nazareth jemals Maria, Seine Mutter, mit „Meerstern“ angeredet? – „Meerstern“ war ein Titel dieser großen Muttergöttinnen in Griechenland und Ägypten. Es ist auch bezeichnend, daß das Dogma, Maria sei die Mutter Gottes – also nicht nur die Mutter Jesu, sondern die „Mutter Gottes“ – auf dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 beschlossen wurde. Ephesus war ein Zentrum des Diana-Kultes, also eine Stadt, in der besonders die Muttergöttin Diana verehrt worden ist. Hier ist also ganz klar ein Gedankengut, ein Glaubensgut aus dem Heidentum in die Kirche eingeflossen. Vielleicht ist es auch interessant zu wissen, daß die Diana eine Jagdgöttin war, Göttin der Jagd und gleichzeitig „Mutter Gottes“.
Also wurde die Mutter von Jesus zum Kultobjekt, zum heidnischen Kultobjekt. Das ging so weit, daß z.B. in Altötting, einem bayerischen Wallfahrtsort, bis ins 20. Jahrhundert die sogenannten „Schabmadonnen“ verkauft wurden. Wie schon erwähnt, ist darüber in einer Broschüre (Dr. Müller, Mittel zum Heil, S. 43) folgendes zu lesen: „Eine sehr augenfällige Möglichkeit, sich im Bedarfsfall eine heilkräftige Substanz gleich einer Arznei einzuverleiben, war das Abschaben von Ton an einer Schabmadonna. Solche verkleinerte Kopien des Gnadenbildes konnten einst an verschiedenen Wallfahrtsorten erworben werden. Sehr bekannt waren bis ins 20. Jahrhundert die geschwärzten Schabmadonnen aus dem bayerischen Altötting und die beim Volk auch »Laicheibli« genannten Gnadenkopien aus Einsiedeln. Letztere galten deshalb als wundertätig und heilkräftig, weil dem Ton angeblich Erde und Mörtel aus der Gnadenkapelle und außerdem Reliquienpartikel beigemischt waren. Dies galt indes nur für jene Schabmadonnen, welche das Kloster selber verkaufte ...“ So hat man also Reliquienpartikel, unter Umständen Teile von Leichen, dieser Madonna beigefügt. Wer dieses „religiöse Heilmittel“ erworben hatte, schabte von dem Tongemisch einiges ab, fügte das dem Essen bei – und hatte damit unter Umständen letztlich seine Vorfahren gegessen. Das wäre Kannibalismus. Es ist so heidnisch, daß man es fast nicht glauben kann. Das Kloster selber hat diese Madonnen bis ins 20. Jahrhundert verkauft. Das ist ein Beispiel dafür, wie weit ein Kult, ein heidnischer Kult, gehen kann. Die meisten Katholiken wissen das gar nicht. Wer denkt da nicht: „Das ist ja übelstes Heidentum!“ Und dem einen oder anderen wird eventuell übel, wenn er darüber nachdenkt. Es hat mit Religion, erst recht mit christlicher Religion oder gar mit der Lehre des Nazareners nicht mehr das Geringste zu tun.
Vielleicht wird mancher Kirchenobere jetzt die Ausrede suchen, daß es sich hier um einen Volksglauben handelt, der vielleicht in die Nähe des Aberglaubens gekommen sei. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, daß die Grundfesten dieses Marienkultes eben kirchlich dogmatisiert sind, bis hinein in die Darstellung Marias als „Gottesmutter“. Sie wird ja in der katholischen Kirche verehrt als die Madonna im Sternenkranz, die auf dem Halbmond steht. Es handelt sich um ein Bildnis, das dem der ägyptischen Göttin Isis gleicht, die genauso abgebildet wurde. Maria, wie sie von der römisch-katholischen Kirche übernommen und dann zur Gottesmutter hochstilisiert wurde, ist in ihrer Darstellung die unmittelbare Nachfolgerin ägyptischer Göttinnen wie der Isis und anderer Gestalten des heidnischen Mysterienkults. Sie ist, wie schon gesagt, eine Nachfolgerin der Diana oder der Artemis oder auch der Astarte; bei letzterer handelt es sich um die phönizische Gottheit der Fruchtbarkeit. Und zu diesem Dogma, zur Inthronisation Marias als einer mysteriösen Kultgöttin, kam es in Ephesus, einer Stadt, in der dieser Mutter-Gottes-Kult seit Jahrhunderten Brauch war. Bezeichnend ist, daß während des Konzils eine fanatisierte Menge durch die Stadt Ephesus zog und verlangte, daß der alte Diana-Kult nunmehr als der Kult der großen Mutter, der Gottesmutter, zum Dogma der aufstrebenden römisch-katholischen Kirche gemacht wird. Daraus ist abzuleiten: Maria, die Frau und Mutter, steht über allen Frauen und Müttern. Bedenken wir nun, daß gerade die katholischen Priester nicht heiraten dürfen, weil sie z.B. eine einfache Frau heiraten würden, so könnte man daraus den Schluß ziehen: Sie mußten sich sozusagen mit der Frau aller Frauen und der Mutter aller Mütter „verheiraten“. So ist in der Tat in der tiefsten psychologischen Wurzel der Kirchenzölibat zu erklären. Die „große Mutter“ war eine Gestalt, die Jahrtausende vor Entstehung des Christentums die Menschheit in ihrem Unterbewußtsein beherrschte. Es gab bereits Priester der „großen Mutter“; sie durften nicht heiraten, trugen weibliche Gewänder und verstanden sich als die Söhne dieser großen Mutter. In Anlehnung daran stehen die Priester, die keine Frau heiraten dürfen, im Grunde genommen im Dienst dieser „großen Mutter“, einer archetypischen Figur heidnischer Herkunft. Die weitere Frage wäre: Weshalb brauchte die Kirche die Übernahme dieses heidnischen Muttergöttin-Kultes? Vielleicht deswegen, weil sie auf der anderen Seite Gott als den grausamen, den strafenden Willkür-Gott dargestellt hat, der Seine Kinder angeblich in die ewige Verdammnis schicken kann. Zum Ausgleich dazu hat man die „Mutter Gottes“ genommen, die eben tröstend war, damit die Menschen nicht in dem Schrecken vor dem „strafenden“ Gott steckenbleiben.
Wie ist es: Wer an diesen Marienkult nicht glaubt und die sogenannte „Mutter Gottes“ nicht verehrt, sondern sie schlicht achtet und schätzt als die Mutter Jesu, die leibliche Mutter Jesu – ist der laut Kirchenlehre schon auf ewig verdammt? Die Antwort lautet: Ja, das ist er. Wir können das nachlesen in dem Buch „Der Glaube der Kirche“, Neuner-Roos, unter Randnummer 195. Dort heißt es: „Wer nicht mit den heiligen Vätern im eigentlichen und wahren Sinne die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugt, in den letzten Zeiten ohne Samen vom heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverletzt blieb ihre Jungfrauschaft auch nach der Geburt, der sei verworfen.“ Daraus ergibt sich eine weitere Frage: Da demnach alle, die sich evangelisch nennen, ewig verworfen, ewig verdammt sind – warum biedern sie sich bei dem Stuhl Petri an? Das ist eine Frage, die einem immer wieder dann kommt, wenn auf der einen Seite von Ökumene gesprochen wird, wenn die Protestanten zum Stuhl Petri pilgern oder sich in anderer Weise mit ihm versammeln, und wenn dann – wie z.B. in den vergangenen Tagen – ein hochrangiger Kardinal wie der Kardinal von Köln, Kardinal Meisner, sich diesbezüglich ausgesprochen zurückhaltend äußert. In der epd-Meldung vom 5.6.2005 hieß es: „Ökumenische Fortschritte erwartet der Kölner Erzbischof nur zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, aber nicht zwischen Katholiken und Protestanten. ‚Mit den reformatorischen Kirchen ist es ein langer, mühsamer Weg’ sagte Meisner. ‚Wir sollten uns keine Dinge vormachen, die nicht einzulösen sind.’“ Manchmal zweifelt man an den geistigen Fähigkeiten dieser Protestanten, die sich eigentlich wie geistig Umnachtete von dem Honig der katholischen Kirche immer wieder ansaugen lassen. Wenn Sie, liebe Hörer, liebe Leser, also an den Marienkult nicht glauben, dann sind Sie - laut Kirchenlehre - verworfen, im eigentlichen Sinne heißt das: ewig verdammt. Wer bleibt da noch in der katholischen Kirche, um Steuern zu zahlen? Zahlen Sie also der katholischen Kirche Ihre Steuer, die Kirchensteuer, dafür, daß sie Sie schon ewig verdammt hat? Kein vernünftig denkender Mensch sollte das tun. Zahlreiche junge Menschen tun es nicht mehr. Es ist zu hoffen, daß auch viele Ältere mit der Zeit davon Abstand nehmen.
Man ist übrigens sehr schnell verdammt: Dort, wo ich damals als Kind gezwungenermaßen in die Kirche gehen mußte, stand rechts und links vom Altar je ein Glassarg; darin lag ein Skelett, mit wunderschönen Kleidern angezogen, und ich dachte: „Was ist denn das Furchtbares?“ Es hat mich immer gegruselt. Aber erst jetzt habe ich gelesen: Wenn ein Katholik nicht glaubt, daß von diesen Skeletten das Heil ausgeht, ist er verdammt. Das Konzil von Trient ordnete die Verehrung der Leichen der Märtyrer an und verdammte außerdem diejenigen, die nicht an Reliquien glauben. Zitat: „Die heiligen Körper heiliger Märtyrer ... müssen von den Gläubigen verehrt werden, denn durch diese Körper gewährt Gott den Menschen viele Gnadenerweise, so daß diejenigen, die erklären, daß den Reliquien der Heiligen keine Hochachtung und Ehre gebühre ... gänzlich verdammt werden müssen; und so verdammt die Kirche sie nun auch.“ (Ralph Woodrow, Die Römische Kirche. Mysterien-Religion aus Babylon, zit. nach The Catholic Encyclopedia, Bd. 13, S. 454, Art. "Santa Casa die Loreto") Diese Erklärung ist zwar nicht direkt unter die Dogmen einzureihen, aber sie ist nichtsdestoweniger verpflichtend. Das heißt: Der Kirchenanhänger muß solche Sachen glauben, die wirklich allertiefstes Heidentum sind. Im alten Ägypten gab es viele Kultstätten, in denen die Überreste Verstorbener, sogenannter „Götter“, verehrt wurden und von denen eine magische Wirkung ausgehen sollte. Hören wir nun, was von den Reliquien gesagt wurde, so führt von dort zu der Schabmadonna, von der die Rede war, unmittelbar der Weg hinein in die heute noch herrschende Magie der römisch-katholischen Kirche, die mit Christentum nichts zu tun hat. Ein Aspekt dieser Gegebenheiten: Es wäre interessant, einen Arzt zu befragen, was er von der Schabmadonna hält. Welche Spuren konnten sich an dieser Schabmadonna befinden, die krankmachend sind? Der andere Gesichtspunkt ist die Frage, ob durch die Verehrung von Reliquien dieser Art nicht gegen die gesetzlichen Vorschriften über das Heilwesen verstoßen wurde. Denn es gab durchaus Katholiken, die nach Altötting wanderten, sich dort eine Genesung ihres Körpers erwarteten und auf diese Weise möglicherweise den Besuch des Arztes verdrängten und unterließen. Normalerweise wird Derartiges in Deutschland verboten. Wenn eine Religionsgemeinschaft nichtkirchlicher Art so etwas anbieten würde, dann würde man vermutlich das Gewerbeaufsichtsamt einschalten, insbesondere, wenn die Kultobjekte auch noch verkauft würden. Man würde sagen: Das ist eine Gefahr für die Volksgesundheit; das muß unterbunden werden. Vor allem kann man nicht sagen, das alles sei Volksglaube. Die Angelegenheit mit den Reliquien hat ja der Stuhl Petri selber von Anfang an in die Hand genommen: „Um das Jahr 750 kamen immerfort lange Trecks von Wagen nach Rom, die enorme Mengen Schädel und Skelette enthielten, die dann von den Päpsten sortiert, etikettiert und verkauft wurden. In der Nacht wurden Gräber geplündert, und in den Kirchen wurden die Grabmale von bewaffneten Männern bewacht! ‚Rom’, sagte Gregorovius, ‚war wie ein vermodernder Friedhof ....’“ (Ralph Woodrow, Die Römische Kirche. Mysterien-Religion aus Babylon, S.66) In der Kirche St. Prassede ist heute noch eine Marmortafel angebracht, auf der geschrieben steht, daß im Jahre 817 Papst Pascal die Leichen von 2300 Märtyrern von Friedhöfen in diese Kirche hat bringen lassen. Als Papst Bonifatius IV. um 609 das Pantheon in eine christliche Kirche umwandelte, „sollen 28 Wagenladungen heiliger Gebeine aus den Katakomben entfernt worden und in ein Becken unter dem Hochaltar gelegt worden sein.“ (Ralph Woodrow, Die Römische Kirche. Mysterien-Religion aus Babylon, zit. nach The Catholic Encyclopedia, Bd. 2, S. 661, Art. "Boniface IV", S. 66) Das Fundament dieser Kirche sind Hunderte, Aberhunderte von Skeletten, und darauf wurde der Hochaltar errichtet. Also könnte man sagen: Glaube und Praxis der katholischen Kirche sind wirklich auf Gebeinen gegründet; das ist ein Totenkult. Insofern ist die Aussage gerechtfertigt: Diese Reliquienverehrung ist eine Steigerung des heidnischen Kults. Generell ist festzustellen: Vieles in der katholischen Kirche, fast alles an deren Gebräuchen, stammt aus dem Heidentum. Hier haben wir nicht nur Wurzeln aus dem Heidentum, die wir schon erwähnt haben, sondern die katholische Kirche hat das Heidentum noch immens gesteigert. Solche Reliquienbräuche sind im Heidentum in diesem Ausmaß nicht bekannt gewesen. Vielleicht sollte man sich bei der Darlegung der Gegebenheiten zwischendurch immer wieder einmal vergegenwärtigen, ob in den Lehren des Jesus von Nazareth irgend etwas von diesen Gebräuchen und von diesen Riten und Kulten vorkommt. Man wird auch nicht einen Ansatzpunkt dafür finden! Auch der wiederholte Vergleich lohnt: Was hat Jesus, der Christus, gelehrt – und was lehrt jetzt die katholische Kirche? Jesus sagte: „Laßt die Toten ihre Toten begraben. Du aber folge Mir.“ (Mt 8, 22) In Matthäus 22, 35-40, gibt es eine Passage, da heißt es: „Ein Gesetzeslehrer wollte ihn“ – also Jesus – „auf die Probe stellen und fragte ihn: ‚Meister, welches Gebot im Gesetz ist das Wichtigste?’ Und er antwortete ihm. ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: ‚Du sollst deine Nächsten lieben, wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.’“ Also ist zu fragen: Woher kommt der ganze Rest, und wozu soll er dienen? Auch darüber ist einiges bekannt. Schon von den Propheten des Alten Bundes hörten wir, daß all das aus dem Heidenkult kommt. Jeremia z.B. sprach: „Denn die Gebräuche der Heiden sind leerer Wahn, ihre Götzen sind nur Holz, ein Werk aus der Hand des Schnitzers, verziert mit Silber und Gold. Sie sind wie Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können nicht reden, man muß sie tragen, weil sie nicht gehen können. Fürchtet euch nicht vor ihnen, denn sie können weder Schaden zufügen noch Gutes bewirken.“ (Jer. 10, 3-5) Also haben schon die Propheten gesagt: Das ist alles Brimborium, was da üblich ist. Das Gottesvolk sollte sich nicht mit solchen Statuen umgeben oder solche Gegenstände aus Holz, Silber und Gold für ihren Glauben zurechtlegen; das machen alles nur die Heiden. – Aber, wie gesagt, die katholische Kirche hat eben an diese heidnischen Kulte angeknüpft und nicht an die wahren Propheten Gottes.
So mancher arglose Mitbürger möchte diese Relikte des finsteren Aberglaubens so gern in eine längst vergangene Zeitepoche verweisen. Geradezu schockierend ist aber: Das alles ist uns weit näher, als man gemeinhin glaubt. Ein Urchrist besuchte unlängst das Museum mit dem Domschatz von Würzburg. Dort sah er dann die Insignien der heutigen Bischöfe und mußte feststellen: Es ist bis heute so!
Nehmen wir das Beispiel „Brustkreuz“. Seit dem 12. Jahrhundert muß jeder Bischof ein gewisses Brustkreuz tragen. Schon im 4. Jahrhundert gab es ein Amulett, ein Behältnis mit einer Reliquie. Und bis auf den heutigen Tag muß in diesem Brustkreuz des Bischofs ebenfalls eine Reliquie sein – das ist so vorgeschrieben. Auf diese und ähnliche Weise werden diese Rituale und diese Insignien bis in die Gegenwart so getragen und weitergegeben. Es ist also heute nicht anders – wie viele denken – , sondern es ist Gegenwart, absolute Gegenwart. Auch in jeden Altar wird eine Reliquie eingearbeitet. Ein katholischer Altar ist erst dann vollgültig geweiht, wenn er eine Reliquie enthält. Was sagt wohl der gläubige Katholik, der bisher nicht wußte, daß im Altar der Kirche, die er unter Umständen Sonntag für Sonntag besucht, irgendwelche Gebeine oder andere „hochheilige“ Leichenteile still vor sich hinmodern? Da fragt sich der denkende Zeitgenosse: Muß denn dieser Reliquienkult wirklich geglaubt werden? Wenn er von den sogenannten Gläubigen nicht angenommen wird, wenn die Menschen also daran nicht glauben – was ist dann? Es wurde schon gesagt, daß speziell an die Macht der Reliquien auch geglaubt werden muß. Ganz allgemein kann man sagen: Es gibt ein Dogma, das übergreifend klarstellt: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene und die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen.“ (Neuner-Roos, Rd.-Nr. 85, Denzinger-Schönmetzer 609) Das heißt also auch für den, der diese Überlieferung gar nicht kennt: Wer nur einen einzigen Bestandteil dieser Überlieferung nicht annimmt, nicht für wahr hält, der ist bereits verdammt – selbst wenn er es nicht weiß. Er befindet sich, laut katholischer Kirche, quasi bereits in der Hölle, ohne sich dessen bewußt zu sein. Da stellt sich die Frage: Trifft das dann nicht fast alle Katholiken? Denn es ist kaum anzunehmen, daß alle Katholiken alle Dogmen und Überlieferungen kennen. Das würde folglich bedeuten: Sie zahlen für eine Kirche, die sie längst schon verdammt hat.
Vielleicht sollte man sich einmal klar machen, was das eigentlich heißt: ewig verdammt. Man sagt es meist einfach so, empfindet es als Skandal. Aber das ganze Ausmaß dieses Skandals wird einem erst bewußt, wenn man sich klar macht, was es wirklich heißt: Ewig. Ewig, ewig im Feuer unsägliche Qualen leiden zu müssen und nie daraus erlöst zu werden. Es gibt kein Ende dieser Qual, so lehrt es die Kirche. Und dies bloß, weil man das eine oder andere Dogma nicht glaubte. Neuerdings übrigens auch dann, wenn man ohne Trauschein zusammenlebt. Erst vor wenigen Tagen hat Benedikt XVI. verkündet, daß die Ehe ohne Trauschein nicht mit der Lehre dieser Kirche vereinbar, also eine schwere Sünde sei. Und wer im Zustand dieser Sünde stirbt, verfällt nach dem Dogma von der ewigen Verdammnis dem ewigen Feuer der Hölle. Doch die Kirche geniert sich nicht, von all den vielen, die nicht jedes ihrer Dogmen glauben, weiterhin kräftig abzukassieren, obwohl sie ihnen erklärt: Ihr seid für immer verdammt, weil ihr nicht alles glaubt, was wir verkünden (laut Neuner-Roos, Rd.-Nr. 85).
Das verkündet also die Kirche. Wer glaubt, daß Gott der Kirche das befohlen hat? Wer glaubt daran? Kein normal denkender Mensch wird daran glauben, daß Jesus, der Christus, Gott, unser Vater, der Kirche einen solchen Gedanken, ein solches Mandat übertragen hat. Wenn Gott die Liebe ist, dann ist Er die Liebe. Liebe vergibt, Liebe verzeiht, Liebe trägt. Aber die Kirche verdammt! – Wer sitzt hier auf dem Stuhl Petri? Muß man es noch aussprechen, oder kann sich nicht jeder Hörer, jeder Leser jetzt selbst seinen Reim machen? Sehr deutlich sagte es ein großer russischer Dichter, nämlich Leo Tolstoi, und zwar in seiner Erzählung „Die Wiederherstellung der Hölle“. (Lew Tolstoj, Odbudowywanie piekta, abgedruckt in Wegetarianski Swiat, Mai 1998) Diese Erzählung wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht, und sein Sohn, der sie veröffentlichte, wurde deshalb wegen Gotteslästerung angeklagt, dann aber freigesprochen. In dieser Erzählung geht es – sinngemäß – darum, daß nach dem Ereignis von Golgatha, als Jesus am Kreuz gestorben war, der Teufel in den tiefsten Abgrund der Hölle verbannt wurde. Er wurde also „gefesselt“. Warum? Weil die Menschen ab dieser Zeit danach gestrebt hatten, die Lehren des Jesus von Nazareth in die Tat umzusetzen. Es gab weniger Streit, die Menschen versöhnten sich miteinander, und der Teufel hatte nichts mehr zu tun. Die Hölle war leer. Doch dann, nach langer Zeit, war plötzlich wieder ein Lärmen in der Hölle. Es kamen einige Teufel mit Fackeln herein, ganz freudig, und der Beelzebub fragte: „Leute, was ist los?“ Sie antworteten: „Das, was immer los ist.“ Sie hatten die Hölle wieder in Betrieb genommen. – „Ja, und wie habt ihr das gemacht?“ Darauf sagte der Zweitoberste der Teufel: „Ich dachte mir die Kirche aus.“ Leo Tolstoi führt dann aus, wie das abgelaufen ist: Daß durch die Gründung der Kirche wieder Streit unter die Menschen kam, daß sich wieder eine „Elite“ bildete, die andere unterdrückte und ausbeutete, daß auch der Staat die Menschen ausbeutete, daß auf diese Weise der Ansatz des Urchristentums wieder zerstört wurde und daß demzufolge nun die Verbrechen größer und zahlreicher waren als zuvor. Im Folgenden einige kurze Passagen aus dieser Erzählung Tolstois. Als der Teufel hört, „ich dachte mir die Kirche aus“, fragt er: „Ja, was ist eigentlich eine ‚Kirche’?“ Er weiß das nicht. Darauf erläutert ihm sein Stellvertreter folgendes: „Kirche, das kann man sich so vorstellen, daß, wenn die Leute lügen und spüren, daß man ihnen nicht glaubt, daß sie sich dann auf Gott berufen und sagen: ‚Weil ich Gott liebe, ist das die Wahrheit, was ich sage.’ Das ist eigentlich Kirche, nur mit der Besonderheit, daß die Menschen, die sich zu dieser Kirche bekennen, der festen Überzeugung sind, daß sie unfehlbar sind und daß sie sich später von nichts mehr lossagen können, und sei es auch von Unsinn, den sie nur ein einziges Mal gesagt haben. Eine Kirche entsteht folgendermaßen: Die Leute reden sich und anderen ein, daß ihr Lehrer, Gott, damit das durch ihn den Menschen offenbarte Gesetz nicht falsch verstanden werden kann, bestimmte Menschen auserwählt hat, und daß diejenigen, denen diese Vollmacht übertragen wurde, einzig seine Lehre wahrhaft auslegen können.“ – Das ist Kirche. Also: Auch Tolstoi war der Auffassung: Der Teufel hat die Kirche gegründet. Und daß Tolstois weitere Ausführungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen folgende Lehrsätze der katholischen Kirche, zu lesen in Neuner-Roos, Rd.-Nr. 44: „Deshalb muß auch immer jener Sinn der Glaubenswahrheiten beibehalten werden, der einmal von der heiligen Mutter Kirche dargelegt worden ist; nie darf man von diesem Sinn unter dem Schein und Namen einer höheren Erkenntnis abweichen.“ Und, wie bereits zitiert: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen.“ (Neuner-Roos, Rd.-Nr. 85) In Neuner-Roos, Rd.-Nr. 234 lesen wir: „Im Glauben müssen wir festhalten, daß außerhalb der apostolischen, römischen Kirche niemand gerettet werden kann; sie ist die einzige Arche des Heils und jeder, der nicht in sie eintritt, muß in der Flut untergehen.“ Auch daraus folgt: Alle anderen Religionen gehören nach Kirchenlehre schon der ewigen Verdammnis an. Die großen Religionen, das sind z.B.: der Hinduismus, der Buddhismus, der Islam, der Jainismus, der Konfuzianismus, das Judentum, der Taoismus. Dazu gehören auch alle Protestanten, aber auch alle anderen Konfessionen, die nicht katholisch sind. Es wird ja immer behauptet, auf dem Vatikanischen Konzil wäre diese Aussage abgeschwächt worden, aber das ist eine Lüge – sie wurde nicht abgeschwächt. Denn auf dem Vatikanischen Konzil beschloß man folgendes: „Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“ (Neuner-Roos, Rd.-Nr. 417). Jetzt muß man sich fragen: Wer von den Protestanten weltweit kennt die katholische Kirche nicht? Sie alle kennen die katholische Kirche. Das heißt: Die vorstehende Aussage trifft also alle Menschen, ausgenommen höchstens irgendwelche isolierte Volksstämme in Papua Neu-Guinea oder im Amazonasgebiet, die tatsächlich noch nichts von der Existenz einer katholischen Kirche wissen. Für alle anderen jedoch gilt: Sie fallen nach Auffassung der Kirche der Verdammnis anheim. Die Reihe der Gesprächsrunden steht ja unter dem Thema: Wer sitzt auf dem Stuhl Petri? Dazu hat der Gründer der evangelischen Kirche, Martin Luther, einiges gesagt. Er äußerte sich in der „Heerpredigt gegen die Türken“, 1529: „Ich glaube, daß der Papst ein vermummter, leibhaftiger Teufel ist, weil er der Endchrist ist.“ Oder: „Wider das Papsttum, vom Teufel gestiftet.“ Wir lesen dort auch Luthers folgende Worte: „Denn der Teufel, der ja das Papsttum gestiftet, der redet und wirket alles durch den Papst und den Römischen Stuhl. Da hast du den Papst, was er sei und wo er herkomme, nämlich ein Greuel aller Abgötterei von allen Teufeln aus dem Grund der Hölle hervorgebracht.“ Das redet der Gründer der evangelischen Kirche über den Papst. Und obwohl es nicht widerrufen wurde – trotzdem biedert sich die evangelische Kirche bei der katholischen an und versucht so, in den einen Schoß zurückzukehren. Warum? Um doch noch dem ewigen Feuer zu entgehen? – Kraß gesprochen, heißt das also: Die evangelische Kirche biedert sich bei dem Teufel an. Weshalb? Vielleicht deshalb, weil sie selber auch noch sehr viel Heidnisches in sich trägt. Den Marienkult und die Reliquien haben die Evangelischen ja nicht aufgegriffen, doch sehr viel anderes haben sie übernommen, das ebenfalls heidnisch ist. Die Altäre in den Kirchen sind z.B. heidnisches Gedanken-gut, heidnische Praxis. Die Kanzel gab es schon im Isis-Kult. Auch das Abendmahl in der katholischen und evangelischen ritualisierten Form hatten die Urchristen nicht. Sie feierten ein gemeinsames Liebesmahl, bei dem sie miteinander speisten, bei dem auch die Armen gespeist wurden. Später wurde das dann ritualisiert: Es wurde auf den Vormittag verlegt; es trat ein Pfarrer auf mit besonderen Gewändern; es gab einen Altar, und es wurde ein Meßopfer daraus gemacht, ein Opfermahl, wie es solche in den heidnischen Kulten gab. Das alles hat Luther übernommen und vieles andere auch – u.a. den Hauptbestandteil kirchlichen Lebens, den „Priester“. Er bejahte also die Anmaßung eines Menschen, sich zwischen den einzelnen Menschen und Gott zu stellen. Das zentrale Prinzip der katholischen Lehre ist, daß der Einzelne nur in den Himmel kommen kann, wenn er das glaubt, was ein anderer Mensch ihm vorgibt. Diesen Aberglauben hat sich die evangelische Kirche zu eigen gemacht: Nur der Priester kann das Heil vermitteln. Wobei die Kirchen damit auch ihrer eigenen Bibel einmal mehr widersprechen, denn dort heißt es: „Denn: Einer ist euer Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen“ – jetzt kommt’s –, nicht der Priester, sondern in der Bibel heißt es: „der Mensch Christus Jesus“. (1 Tim 2, 5) Vom Priester ist nicht einmal hier die Rede. Dabei nützt das alles ja den Protestanten nichts, daß sie so viel von der katholischen Kirche übernommen haben, was diese wiederum vom Heidentum übernommen hat. Denn, wie gesagt: Solange sie nicht die gesamten zentralen Sätze des katholischen Glaubens übernehmen, sind auch die Protestanten verdammt – das bestimmt die katholische Lehre. Das heißt, die Evangelischen können sich anbiedern – es nützt ihnen nach katholischem Glauben nichts. Aber warum sie das tun, hat natürlich auch seinen Grund darin, daß die katholische Kirche selbst ihre Lehre immer überaus geschickt zu verschleiern weiß.
Wir haben jetzt vielfach von der ewigen Verdammnis gehört, von der ewigen Hölle, von diesen Grausamkeiten. Fragt man jedoch einmal genau nach, so wird das oft sogar von Katholiken geleugnet oder verharmlost. Z.B. gibt es in der katholischen Zeitschrift „WELTBILD“ für die Katholiken eine „Sprechstunde“. Darin steht die Frage: „Wie soll man heute von der Hölle reden?“ – Die Antwort lautet: „Es gibt die These, daß die Hölle für einen Menschen bedeutet, daß er schlichtweg ganz aufhört, zu existieren. Es gibt ihn nicht mehr.“ (Weltbild 20/96, Artikel „Ewig einsam“) Man bringt hier plötzlich ganz neue Deutungen! Da erhebt sich die Frage: Was steckt denn nun wieder dahinter? Der Einzelne soll nicht mehr existieren? Dazu ist zu sagen: Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine Gotteslästerung. Einerseits erkennt sogar diese Kirche, daß der Mensch eine unsterbliche Seele in sich trägt; andererseits will sie offenbar jetzt verkünden, daß derjenige, der nicht an ihre Dogmen glaubt, vernichtet wird. Das von Gott geschaffene Leben soll also vernichtet werden, wenn man nicht an die Dogmen dieser Organisation glaubt. Im Grunde genommen ist es satanischer kaum mehr denkbar. Bei der zitierten Aussage geht es ja auch nicht nur um die Auflösung ins Nirwana, denn dabei würde ja die Energie bestehen bleiben. Aber hier heißt es: In Nichts löst er sich auf. – Was ist eigentlich „Nichts“? Gibt es überhaupt ein Nichts, wenn alles Energie ist? – Das Gesetz Gottes kennt keinen Zerfall, keine Auflösung, kein Verschwinden oder Vergehen, sondern einzig die Umwandlung, und zwar die Evolution, das Hineinreifen in höhere Seins- bzw. Lebensformen. Hinter einer Aussage wie der, daß ein Wesen aufhört zu sein, verbirgt sich entweder eine profunde geistige Unwissenheit oder aber der Wunsch, die Schöpfung Gottes zu zerstören. Die Hölle an sich ist ja ein Gedanke, von dem man sagen muß: Landet auch nur ein Mensch in der ewigen Verdammnis und bleibt dort, dann wäre das ja ein Sieg über Gott, denn Gott hat dieses Leben geschaffen. Gott ist ein Gott der Liebe, und wenn auch nur ein Mensch ewig verdammt bliebe, dann wäre Gott besiegt. Die Lehre von Hölle und ewiger Verdammnis ist demnach Gotteslästerung.
Die katholische Kirche behauptet, Gott habe ihr die Heilsnotwendigkeit zugesprochen. Was heißt also „Heilsnotwendigkeit“? Das heißt, es ist zum Heil des Menschen notwendig, in dieser Kirche zu sein. Wenn er nicht in dieser Kirche ist, dann erlangt er kein Heil. Das bedeutet: Dann ist er verdammt. Das ist festgeschrieben in einem Dogma, wiederum nachzulesen bei Neuner-Roos, Rd.-Nr. 381: „Die heilige römische Kirche durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet, glaubt fest, bekennt und verkündet, daß »niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide« noch Jude, noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt.“
Wir haben klargestellt, daß nach der katholischen Lehre z.B. Protestanten auch dem ewigen Feuer oder der ewigen Verdammnis anheimfallen. Ein Angehöriger der Luther-Kirche könnte jetzt auf den Gedanken kommen, zu sagen: „Ich glaube an das Dogma nicht. Ich glaube nicht, was in Neuner-Roos steht, denn ich bin ja Protestant. Damit bin ich aus dem Schneider.“ Vielleicht in analoger Anwendung des Satzes: „Gehet aus von ihr, mein Volk“ – wie es schon in der Bibel heißt –, „damit ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen.“ (Off 18, 4) Doch was der Protestant nicht weiß: Er kommt vom Regen in die Traufe. Denn obwohl es heute zwar nicht mehr offen gesagt wird, heißt es in der Lehre der protestantischen Kirche: Der Mensch ist vorherbestimmt; ein Teil der Menschheit ist nach dem willkürlichen Willen Gottes dem Heil versprochen, der andere Teil fällt der ewigen Verdammnis anheim, ohne daß er etwas dagegen tun könnte. Das ist eine Lehre, die eigentlich noch perverser ist als die der römisch-katholischen Kirche. Ein Ausweg aus dem Dilemma ist der Protestantismus mit Sicherheit nicht. Noch einmal deutlich gesagt: Luther lehrte also, Gott habe schon vor der Geburt eines Menschen bestimmt, daß dieser entweder in den Himmel kommt oder in die ewige Hölle, das heißt, dem Teufel verfallen ist. Doch die evangelische Kirche hat das inzwischen etwas abgeschwächt, indem sie formuliert: Gott hat es nicht vorherbestimmt, er hat es nur „vorhergesehen“ ... (z.B. Augsburger Konfession XVII in Verbindung mit Konkordienformel, EpitomeXI) Allerdings braucht man dann auch keine Kirche! Denn wenn es vorhergesehen ist und wenn es ohnehin so abläuft, dann müßte man ja von allen guten Geistern verlassen sein, wenn man den Vertretern dieser Institution auch noch sein Geld hinträgt.
Die Unsinnigkeit dieser Lehre wird besonders deutlich, wenn wir die Aussage auf den konkreten Fall anwenden: Wie ist es in einem Gerichtsverfahren? Wenn jemand ein Verbrechen begangen hat, kann er doch immer sagen: „Gott hat ja schon vor meiner Geburt beschlossen, daß ich ein böser Mensch werde oder ein schlimmes Verbrechen begehe. Da kann man mich doch jetzt nicht dafür verurteilen!“ Was sagt jetzt dazu der Richter? In dem Fall geht es dem Richter wie fast allen Protestanten: Er weiß gar nichts davon. Denn die Protestanten „glauben“, aber sie wissen meist nicht, was sie überhaupt glauben. Der Richter wird vermutlich über diesen Einwand einfach hinweggehen. Nach Ansicht der Kirche ist der Richter dann aber ebenfalls ein Kandidat des Teufels: Er verurteilt jemanden, den Gott schon vor der Geburt in die ewige Hölle geschickt hat. Ist der Richter dann auch in der ewigen Hölle? Wir sehen: Hier liegt eine Paradoxie vor, die in der Lehre der evangelisch-lutherischen Kirche vorprogrammiert ist und die jede Rechtsordnung untergräbt. Eine Kirche, die die Willensfreiheit des Menschen in ethischen Dingen leugnet, die ihm sagt: „Du kannst dich nicht aufgrund deiner Freiheit zum Guten oder zum Bösen entscheiden, sondern bist vorherbestimmt“, leugnet im Grunde genommen die Grundfesten unserer Rechtsordnung, auch unserer Verfassung, die davon ausgeht, daß jeder die Freiheit hat, sich nach seinen Entscheidungen zu entfalten, nach ethischen Maßstäben sein Leben zu gestalten. All das ist hinfällig, wenn man die Lehre Luthers ernst nimmt. Die ganze Rechtsordnung funktioniert nicht mehr, wenn man die lutherische Kirchenlehre zugrunde legt: Es dürfte niemand mehr wegen eines Verbrechens verurteilt werden, denn es fehlt ihm von vornherein die Schuld, und der Richter, der das dennoch tut, macht sich natürlich seinerseits schuldig. Der Richter landet im Grunde genommen genauso in der Hölle, weil er Unrecht getan hat. Aber vielleicht würde Luther den Richter retten und würde sagen: „Auch du bist ja völlig unfrei; du kannst ja nicht anders.“ Insofern ist es ein unsinniger Kreislauf von unfreien „Marionetten Gottes“. Obwohl Gott der Gott der Freiheit, der Gott der Liebe ist, wird hier ein Menschenbild installiert, das die Geschöpfe Gottes zu Marionetten macht, die Gott niemals so geschaffen hat.
Brauchen wir denn überhaupt eine Rechtsordnung, wenn wir alle Mario-netten sind? Die einen sind zum Bösen verurteilt, die anderen zum Guten, der eine für den Himmel, der andere für die Hölle; ja, wir können ja gar nicht anders, nach Luther. Brauchen wir dann eine Rechtsordnung? Nach dem lutherischen Prinzip könnte unser Staat überhaupt nicht funktionieren, und deshalb wird es einfach ignoriert. Wir dürfen nämlich eins nicht vergessen: Nehmen wir an, der Richter würde die Willensfreiheit des Angeklagten verneinen, so, wie es Luther tut, und seine eigene auch, dann müßte er sich selbst ja auch für unzurechnungsfähig erklären. Und damit wäre das ganze System abgeschafft. Man müßte sowohl den Angeklagten als auch den Richter in Sicherungsverwahrung nehmen. Logisch gedacht, ergäbe sich dann die Frage: Brauchen wir dann überhaupt Richter? Brauchen wir überhaupt noch eine staatliche Rechtsordnung, da doch nach evangelischer Lehre der Mensch vorherbestimmt ist und die katholische Kirchenlehre festlegt: Wenn du nicht glaubst, bist du ewig verdammt? – Ist der Mensch ohnehin ewig verdammt, wozu braucht er dann noch einen Richterspruch? Die katholischen Theologen werden hier entgegenhalten, daß die weltliche Rechtsordnung für eine gewisse Ordnung sorgen muß. In Klammern wäre hinzuzufügen: also auch für die Ordnung unter den bereits Verdammten.
Betrachtet man die katholische Lehre genau, vor allen Dingen auch die Aussagen, die in den Büchern Mose stehen, die nach katholischer Lehre „wahres Wort Gottes“ sind und sich ja im Neuen Testament „erhellen“, dann ist es so, daß man die weltliche Rechtsordnung eigentlich nicht bräuchte, denn das letzte Wort hat immer der Priester. So könnte man also sagen: Die weltliche Rechtsordnung ist nur als ein Mäntelchen vorgesehen, das man sich umhängt. In Wahrheit spricht die katholische Kirche, was gemacht werden soll, und die weltliche Ordnung soll tun, was die katholische Kirche will. So erscheint das nationale oder staatlich legitimierte Recht in der Lehre der Kirche. Man könnte auch sagen: Die Demokratie, in der vom Volk die Gewalt ausgeht, soll zum Schein erhalten werden. In Wahrheit will die Priesterkaste der herrschenden Religion, bestimmen, was gemacht wird. Denken wir nur daran: Was war mit Jesus von Nazareth? Wer hat Ihn umgebracht? Doch nicht die römische Besatzungsmacht, die damalige weltliche Macht, sondern es war die Priesterkaste. Die Frage klingt zwar etwas komisch: Brauchen wir weltliche Richter? Die Antwort könnte lauten: Nach Bibel und Kirchenlehre braucht man sie, damit die Priesterkaste ein Deckmäntelchen für ihre gewalttätigen Operationen hat. Ob Lutherkirche oder katholische Kirche, die Regierung soll in jedem Fall deren langer Arm sein; die Regierung ist der Ausführende – solange das Volk dies zuläßt. Es wird ja auch ganz ungeniert so gesagt in dem Buch Neuner-Roos (Rd.-Nr. 434): „Wir bestimmen, daß der Heilige, Apostolische Stuhl und der römische Bischof den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat.“ Müßte man dann nicht sagen: Die Demokratie wird eigentlich dem Volk nur vorgegaukelt; in Wirklichkeit steht hinter der Demokratie die Diktatur der Kirche? Wenn man berücksichtigt, daß die Kirche von ihren Gläubigen verlangt, in jeder Situation, sei es privat oder im Beruf, dafür zu sorgen, daß die christliche Lehre – und zwar verstanden nach der kirchlichen Dogmatik – sich durchsetzt (über diesen Sachverhalt lesen Sie ausführlich in "Für erfahrene Analytiker: Entdecken Sie die Wahrheit. Die kirchliche und staatliche Gewalt und die Gerechtigkeit Gottes", Verlag DAS WORT, S. 31ff), dann wird hier die Ideologie einer Organisation über die staatliche Rechtsordnung gestellt. Da es sich um eine totalitäre Ideologie handelt, die mit Demokratie nichts im Sinn hat, könnte man durchaus sagen, daß hier eine Diktatur eine Demokratie zu beherrschen versucht.
Man muß natürlich immer unterscheiden zwischen Programmsätzen und der Frage, ob diese Programmsätze in der Realität durchgesetzt werden können. Die totalitären Programmsätze, die wir von der katholischen, heidnischen Kultkirche kennen, sind in der Tat als Programmsätze schon gefährlich. So mancher wird wohl sagen: „Ja, aber in der Realität kommen sie nicht zum Tragen.“ Diesbezüglich ist interessant, daß der schon erwähnte Kardinal Meisner unter anderem vor einigen Tagen auch gefordert hat, daß die Deutsche Partei CDU das C aus ihrem Namen streicht. Nicht deswegen, weil sowohl die CDU als auch die katholische Kirche mit Christus nichts zu tun haben, sondern er sagt sinngemäß: Was christlich ist, bestimmen wir! Meisner hat deutlich werden lassen, daß die Partei nicht mit seinen streng reaktionären Vorstellungen konform geht (epd-Meldung, 5.6.2005). – Also steht doch ganz offensichtlich dieser Programmsatz der Kirche nicht nur auf dem Papier, sondern er wird in die Tat umgesetzt. Und wer daran noch zweifelt, dem ist das Buch von Gabriele zu empfehlen: „Für erfahrene Analytiker: Entdecken Sie die Wahrheit. Die kirchliche und staatliche Gewalt und die Gerechtigkeit Gottes.“ In diesem Buch wird mit einer unglaublichen Prägnanz und Klarheit dargelegt, wie diese Mechanismen funktionieren. Die Fäden im demokratischen Staat werden vielfach von der Priesterkaste gezogen. Und wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie dieses Buch. Nach all dem absurden heidnischen Kirchenglauben, von dem wir in unserer heutigen Sendung hörten, möchten wir gern einen kurzen Abschnitt aus diesem Buch vorlesen. Dort heißt es auf Seite 75: »Immer mehr Menschen sind kritisch gegenüber dem Kirchenglauben. Ursprünglich waren sie der Ansicht, Gott sei gleich Kirche. Weil sie mit der Kirche nicht mehr einverstanden sind, zweifeln viele nun auch an der Existenz Gottes. – Und welchen Gottes? Des „Gottes“, den die Kirche lehrte und lehrt? Gott ist nicht der Kirchengott! Christus ist nicht der „Christus“ der Kirchenlehre! Wäre in dieser Zeit nicht der Geist der ewigen Wahrheit in Seinem Wort gekommen, wüßten tatsächlich viele nicht, wer Gott, wer Christus ist und was von Ihm zu halten ist. Sie wüßten nicht, daß sie Ihm näherkommen und Ihn erfassen können, indem sie sich Ihm zuwenden, der in ihrem Inneren wohnt. Jesus predigte das Reich Gottes in uns. Er lehrte uns, ein stilles Kämmerlein aufzusuchen: „... Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“« (Mt 6,6)
Liebe Hörer und Hörerinnen, liebe Leser, wenn auch Sie zu den Menschen gehören, die nicht mehr an den Kirchengott und den Christus der Kirchen glauben können, dann probieren Sie das aus, was Jesus uns gelehrt hat. Wir Urchristen halten es so, daß wir uns in unserem Zuhause ein stilles Kämmerlein schaffen – es kann einfach eine kleine, schön gestaltete Ecke im Zimmer sein, in die wir uns zurückziehen können, um zu beten. Sie können aber auch in die Natur gehen, den Lauten der Natur lauschen, dabei still werden, und so zu Gott, Ihrem Vater, beten. Sie werden die Erfahrung machen: Das ist der schnellste Weg, um Gott in sich näherzukommen.
weiter / zurück zur Übersicht
Die Texte der 1. bis 5. Gesprächsrunde sind im ersten Band der Reihe »Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?« nachzulesen.
Dieses Buch können Sie bestellen beim Verlag DAS WORT.
|
  |