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 "Heilig, heilig" – was ist der Kirche heilig? Dem Stuhl Petri von Nutzen – posthum ein "Heiliger"

Vorwort
Gott allein ist heilig! Warum werden Tote heiliggesprochen, nicht die Lebenden? Fortsetzung des Totenkultes alter heidnischer Kulte
Die Götter des Heidentums wurden katholisiert und, unter neuen Namen, zu „Heiligen“ – mit den verschiedensten Zuständigkeitsbereichen
Mörder, Gewaltverbrecher – nun angeblich Heilige, die im Himmel „zusammen mit Christus“ regieren? Gefährliche Namenspatrone
Großinquisitoren auf dem Papstthron. „Heilige“ Inquisition – Hohn und Spott auf Christus
Krimineller Unfug, Totalitarismus, Faschismus religiöser Art – warum ließ sich die Menschheit so lange an der Nase herumführen?
Der Papst, der weiß, wessen Stellvertreter er ist, maßt sich an, sein Leiden mit dem von Jesus am Kreuz in direkte Beziehung zu setzen
Heiligsprechungen, Reliquien, Orden, Adelstitel – lukrative Einnahmequellen für den Stuhl Petri
In den vergangenen Sendungen „Für gute Analytiker: Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ haben wir dokumentiert, wie sich die katholische Kirche und ihr Anhängsel Lutherisch aus dem Heidentum zu einer heidnischen Kult-Macht-Religion entwickelt hat, die zur Täuschung der Menschen den Namen des Jesus, des Christus, mißbraucht. Wir haben gesehen, daß der katholische Kult, ganz in der Tradition des Heidentums, das Gegenteil dessen ist, was Jesus, der Christus, lehrte und lehrt. Gehen wir einmal der Frage nach: Was steht hinter dem Begriff „heilig“? Der gutgläubige Durchschnittsbürger verbindet den Begriff „heilig“ mit positiven Eigenschaften wie rein, edel, selbstlos – vielleicht denkt er dabei sogar an Gott, denn nach der Lehre des Jesus, des Christus, gibt es nur einen Heiligen, und das ist Gott, der himmlische Vater. Zur Zeit erlebt das Wort „heilig“ im katholischen Kult geradezu eine Inflation. Dort werden Menschen zu Heiligen befördert, wenn sie tot sind. Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, daß Menschen „heilig“ im Sinne der heidnischen Kultreligion Katholisch werden? Wie müssen Menschen beschaffen sein, die „heilig“ gesprochen werden? Und was charakterisiert Menschen, die an „Heilige“ glauben? Dies sind nur einige Aspekte, über die heute Urchristen in ihrer Gesprächsrunde im Zusammenhang mit dem Wort „heilig“ informieren wollen.
Kommen wir noch einmal zum Ausgangspunkt zurück: Nach der Lehre des Jesus, des Christus, gibt es nur einen Heiligen, den himmlischen Vater. Wenn also der Stuhl Petri ständig neue „Heilige“ produziert oder auch den Inhaber des Stuhles Petri als „heilig“ bezeichnet, verspottet, diffamiert und verhöhnt er damit nicht öffentlich und unverhohlen den großen Geist, den himmlischen Vater, Gott? – Die Antwort darauf ist einfach: Da die dem Stuhl Petri Zugehörigen der Schriften kundig sind, kann man davon ausgehen, daß der Stuhl Petri auf diese Weise bewußt Gott lästert. Die Propheten des Alten Testamentes wußten um die Heiligkeit Gottes, des All-Einen. Der Seher von Patmos, der Verfasser des letzten Buches der Bibel, der „Offenbarung des Johannes“, gibt Worte des großen Propheten Mose wieder, in dem „ Lied des Mose“. Darin heißt es: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott ... Denn du allein bist heilig, ja alle Völker werden kommen und anbeten vor dir.“ (Off 15, 3 und 4) So haben es die Propheten immer gelehrt, und so lehrte es auch Jesus: Gott allein ist heilig. Der Stuhl Petri hingegen leugnet das, indem er Menschen zu „Heiligen“ erklärt. Es mutet seltsam an, wenn man heute im katholischen Gottesdienst hört, wie im Glaubensbekenntnis die „Gemeinschaft der Heiligen“ gepriesen wird und man sieht an jeder Ecke im Kircheninnenraum eine heilige Figur stehen. Andererseits heißt es in einem Lied, das Teil der Deutschen Messe von Schubert ist: „Heilig, heilig, heilig – heilig ist nur Er.“ Das Jesuswort in Matth 23, 9 sagt es klar: „Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ Die Kirche jedoch erklärt, der Papst sei der „heilige Vater“. Folglich verleumdet der Stuhl Petri Jesus, den Christus. Er tut dies besonders nachdrücklich dadurch, daß er seinen Gläubigen sogar vorschreibt, an sogenannte „Heilige“ zu glauben, die von der Kirche ernannt werden. In den Dokumenten der Kirche ist ausdrücklich festgelegt: Wer an diese Heiligen nicht glaubt und ihre Reliquien nicht verehrt, „der sei ausgeschlossen“. Im Lehrbuch der katholischen Kirche von Neuner-Roos „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“ heißt es im Lehrsatz Nr. 474: „Gottlos aber denken, die leugnen, daß man die Heiligen in der ewigen Seligkeit des Himmels anrufen soll ...“ Das ist nicht nur das Gegenteil dessen, was Jesus von Nazareth lehrte, es ist auch das Gegenteil dessen, was die ersten Christen taten, wie sie lebten. Sie verehrten keine Heiligen; sie kannten das gar nicht. Sie wußten ja, daß jeder Mensch ein Tempel des Heiligen Geistes ist, daß jeder Mensch dazu berufen ist, der Vollkommenheit zuzustreben, und daß Gott auf diesem Weg nach Innen jedem Menschen beisteht, der Ihn um Hilfe anruft. Man braucht also keine Vermittlung von Priestern, auch nicht von „Heiligen“, sondern man kann sich direkt mit Gott, mit Christus im Inneren des Menschen selbst, verbinden. Das war die Lehre der ersten Christen und auch ihr Leben: Der Mensch ist der Tempel Gottes, und Gott wohnt im Menschen, tief in dessen Seelengrund.
Eines gibt zu denken: Warum werden Tote heiliggesprochen und nicht die Lebenden? Warum muß der Körper erst sterben, bevor der Mensch dann heiliggesprochen wird? – Soll vielleicht das Volk nicht merken, daß der Betreffende eventuell gar nicht so heilig war? Denn über einen Toten kann man ja alles mögliche verbreiten, allerlei Legenden, die den Menschen vorgaukeln, daß er „heiligmäßig“ gelebt haben soll. Durch den Umgang mit dem lebenden Menschen könnte sich unter Umständen sehr rasch ein anderes Bild ergeben. Außerdem kann die Verherrlichung von Verstorbenen auch darin begründet sein, daß man ja in vielen heidnischen Kulten, z.B. im alten Ägypten, den Totenkult gepflegt hat. Im Grunde ist der Heiligenkult eine Fortsetzung dieses Totenkultes.
Man findet in der katholischen Kirche auch Parallelen zu den religiösen Vorstellungen aus Babylon. Die Babylonier hatten etwa 5000 Götter und Göttinnen, und so, wie die Katholiken von ihren Heiligen, so glaubten die Babylonier von ihren Göttern, daß diese einst lebende Helden auf der Erde waren, die sich jetzt jedoch auf einer höheren Seinsebene befinden. Jeder Monat und jeder Tag des Monats stand unter dem Schutz einer besonderen Gottheit. Für jedes Problem gab es einen Gott, für jeden Beruf und für jede Lebenslage. Genauso finden wir das im Katholizismus. Man nennt sie jetzt einfach „Heilige“ und nicht „Götter“, aber im Grunde ist es der gleiche Götzendienst; vielleicht könnte man sogar sagen: Spiritismus – weil man ja Tote anruft und verehrt (im weitesten Sinne kann man durchaus von „anbeten“ sprechen). Die Parallelen zum katholischen Glauben sind also augenfällig. Hier hat ebenfalls jede Berufsgruppe einen Heiligen für sich. Es gibt Heilige für die Anstreicher, für die Anwälte, für die Apotheker, für die Beichtväter, für die Bergleute, für die Branntweinbrenner, für die Buchhändler, für Büchsenmacher, sogar für die Gefängniswärter, die Geldwechsler, die Gemüsegärtner, Gerichtsdiener, Gipser, Pfarrer, und nicht zu vergessen: für die Pfarrhaushälterinnen. Sogar für die amerikanischen Piloten im Krieg, für die Schatzgräber und Soldaten sind besondere Heilige zuständig. Ebenso kann man für alle möglichen Widerfahrnisse – für eine Ameisenplage etwa, oder wenn man ein aussichtsloses Anliegen hat – einen Heiligen anrufen. Es gibt auch Heilige, die einem helfen sollen, mit seinem Gewissen und mit seinem freien Geist umzugehen. Da gibt es z.B. Heilige gegen Freigeister. Es gibt einen Heiligen gegen Gewissensbisse; wenn also jemand ein Gewissen hat, dann kann er zu diesem Heiligen beten, und der tötet das dann wieder ab. Interessanterweise ist das Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, der unter anderem sagte: „Um in allen Dingen der Wahrheit zu dienen, müssen wir glauben, daß das, was ich für weiß halte, statt dessen schwarz ist, wenn es die hierarchische Kirche so bestimmt.“ (Hans-Jürgen Wolf, „Sünden der Kirche“, Erlensee 1995, S. 564) Auch gegen die Tanzwut, für die Lotterie oder wenn jemand Glücksspiele sucht, gibt es Heilige, für Telefon und auch fürs Internet – für all das kann man „Heilige“ anrufen. Gehen wir doch einmal der Frage nach: Haben all diese sogenannten Heiligen in ihrem Erdenleben Wunder vollbracht, woraufhin sie heiliggesprochen werden konnten? Was sind denn die Voraussetzungen dafür, „Heiliger“ zu werden? Es gibt zwei Aspekte, die gegeben sein müssen: Zum einen muß der Ruf der Heiligkeit und eines vorbildlichen Lebens, zum anderen der Ruf der Wundertätigkeit einer solchen Heiligsprechung vorausgehen. Hier als Beispiel der Heilige als Patron der Huf- und Goldschmiede, der Wagner und der Tierärzte, der Bischof Eligius von Noyon, mit folgender – im wahrsten Sinne des Wortes „sagenhafter“ – Vorgeschichte: Im 7. Jahrhundert war Eligius Schmied. Es wird erzählt, er habe einem widerspenstigen Pferd einfach das Bein abgeschnitten und nach dem Beschlagen wieder angesetzt. Er habe das Bein also mit in die Werkstatt genommen, das Hufeisen darauf befestigt und dann draußen das Bein beim Pferd dorthin zurückgesetzt, wohin es gehörte. So lautet die Legende. Deshalb wird Eligius jetzt als Patron der Hufschmiede verehrt. (Vgl. hierzu: „Ora pro nobis“, Haus zum Dolder, Beromünster 2001, Heft 3) Solche Legenden sind oft ausgesprochen lachhaft. Die katholische Enzyklopädie sagt auch ganz ehrlich, daß diese Legenden nicht christlich sind, sondern christianisiert, und auf das Heidentum zurückgreifen. Es sind zum Teil ganz dümmliche und unglaubhafte Geschichten. Doch was viel schwerwiegender ist: Es sind viele kriminelle Menschen heiliggesprochen worden, und hier wird es eigentlich erst richtig makaber. Ein Grund, weshalb jemand bei seiner Heiligsprechung bereits tot sein muß, könnte ebenfalls darin liegen, daß diesem Menschen das möglicherweise gar nicht recht wäre. Denn man fragt die „Heiligen“ ja selber nicht, ob sie Heilige werden wollen. So mancher würde dann vielleicht sagen: „Ich kann gegen eine Ameisenplage gar nicht helfen“, „ich kann den Hufschmieden“ bzw. „den Piloten im Krieg gar nicht helfen“. Oder aber er hätte vielleicht Angst, daß seine Verbrechen ans Tageslicht kommen. Er wäre also möglicherweise gar nicht damit einverstanden, heiliggesprochen zu werden. Es ist durchaus denkbar, daß man auch deshalb die Heiligsprechung erst nach dem Tod des Betreffenden durchführt. Das Ganze ist somit Totenkult und letztlich Spiritismus: Anrufung von Toten. Und was sagt die Kirche zum Spiritismus? – Den Spiritismus verbietet die Kirche nur, soweit sich andere damit beschäftigen. Sie selbst praktiziert ihn bis heute, z.B. in Form der Teufelsaustreibungen. In Rom gibt es Lehrgänge darüber, wie man Teufel aus Menschen austreiben soll, und es sind schon etliche Menschen bei solchen Teufelsaustreibungen gestorben. Fragen wir an dieser Stelle: Wie haben es die Heiden gehalten? Pflegten sie auch Formen von Spiritismus? Hielten sie es auch mit dem Totenkult? – Man weiß z.B., daß beim Mithraskult die Heroen eine ähnliche Funktion hatten wie im Katholizismus die „Heiligen“. Das waren Tote, die es bei Lebzeiten zu Ansehen gebracht und ein großes Vermögen hinterlassen hatten. An den Orten ihres Wirkens baute man kleine Tempel, Gedenkstätten, zu denen die Menschen pilgerten. Darin könnte man ein Vorbild für die Heiligenverehrung in der heutigen Zeit sehen. Schauen wir genauer hin in der Frage, warum zu den „Heiligen“ gebetet wird, so erkennen wir das alte Grundmuster: Man glaubt, man bräuchte jemanden, der den wütenden „Gott“ besänftigt und ihn milde und gnädig stimmt. Wir stoßen also immer wieder auf die ursprüngliche heidnische Einstellung, daß Gott ein zürnender Rachegott sei; wenn der Mensch bei Ihm Gehör finden möchte, dann sei ein Mittler notwendig, der diesen Gott besänftigt – sei es durch jene brutalen Opfer, von denen wir schon hörten, sei es durch Tote, die man zu „Heiligen“ erhebt, die bei „Gott“ ein gutes Wort für ihn einlegen. In diesem Zusammenhang ist eine Lehraussage der katholische Kirche interessant, die besagt: Die Seelen der Verstorbenen ruhen im Grab bis zum letzten Tag, der auch der Jüngste Tag genannt wird, also bis zur Auferstehung. Da fragt man sich: Sind die „Heiligen“ nicht auch Seelen? Ruhen sie nicht im Grab bis zum letzten Tag, bis zur Auferstehung – oder wie verhält es sich damit? Hier macht man offenbar eine Ausnahme. Jedenfalls hat das Konzil von Trient folgendes festgelegt: „Die Heiligen, die zusammen mit Christus regieren“ – wir sehen, sie befinden sich demzufolge nicht mehr in der Grabesruhe, sondern „regieren“, zusammen mit Christus –, „bringen ihre eigenen Gebete für die Menschen vor Gott dar. Es ist gut und nützlich, sie flehentlich anzurufen, um durch ihre Gebete von ihnen Unterstützung, Hilfe und Schutz zu erfahren, um darüber hinaus Gottes Gunst zu bekommen.“ (Zit. nach „The Catholic Encyclopedia“, Bd. 8, S. 70, Art. „Intercession“) Daraus ist zu schließen: Offensichtlich ruhen diese „Heiligen“ nicht im Grab, sondern kommen gleich nach dem Tod des Körpers in den Himmel.
Grundsätzlich ist noch eine weitere Frage zu stellen: Warum braucht man überhaupt die Fürbitter bei Gott, wenn doch der Papst selber der „Lenker des Erdkreises“ ist? Damit müßte er doch die Macht besitzen, alles zu steuern, eben als Lenker des Erdkreises. Warum braucht man dann diese sogenannten Fürbitter, die Heiligen? Und noch eine Frage: Wenn es so viele Heilige gibt, warum gibt es dann so viel Elend auf der Erde? Was sind denn das für Menschen gewesen, die heiliggesprochen wurden? Zum Teil waren es ja Verbrecher, also können sie doch gar nicht mit Christus im Himmel regieren und können die Erde nicht verbessern. Was soll z.B. Gutes dabei herauskommen, wenn man zu einem Konstantin betet oder zu einem Karl dem Großen, der ein Massenmörder war?
Johannes Paul II. hat beispielsweise, kurz nachdem er in Israel um Sympathie für die Juden geworben hatte, Pius IX. seliggesprochen – einen Papst, der ein jüdisches Kind entführen, dieses zwangsweise zum Katholiken und schließlich zum Priester erziehen ließ. Er war ein Papst, der in seinem Kirchenstaat ein jüdisches Ghetto wieder einrichtete, in dem die jüdischen Mitbürger unter erbärmlichsten Verhältnissen leben mußten. Dies nur als Beispiel aus jüngster Zeit dafür, was die katholische Kirche unter „selig“ oder „heilig“ versteht. Pius IX. wurde jedoch nicht wegen dieser Verbrechen seliggesprochen, sondern weil er die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet hat. Das zählt für die Kirche. Er erhob den Anspruch: Der Papst ist in Lehraussagen unfehlbar, und er hat den Jurisdiktionsprimat, das heißt, die oberste Rechtssprechung über alle Herrscher der Erde. Das verkündete Pius IX. im Jahre 1870 als Dogma, und diese Tatsache ist für die Kirche entscheidend: Jemand, der die Macht der Kirche in dieser Weise stärkt, wird entsprechend belohnt werden. Daß er außerdem vieles andere verübte, was letztlich als Verbrechen zu bezeichnen ist, bleibt unter dem Teppich.
Und wie steht es mit Kaiser Konstantin, der für zahlreiche Verbrechen verantwortlich war? Wurde auch er von der Kirche heiliggesprochen? Konstantin war wirklich ein Verbrecher. Das Ziel seiner Handlungen war durchweg, seine Macht auszubauen. Im Jahr 310 ließ er seinen Schwiegervater, Kaiser Maximianus, erhängen; seinen Schwager Licinius ließ er erwürgen; dessen Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn totschlagen. Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er ermorden, weil er die beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Es steht also außer Frage, daß Konstantin ein Verbrecher war. (Vgl. hierzu: Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des Christentums“, Bd. 1, S. 213 ) Im katholischen Namenskalender ist Konstantin wie ein Heiliger aufgeführt; seine Verehrung wird also von der katholischen Kirche zugelassen. De facto heiliggesprochen wurde er zwar nicht – was aber nicht an seiner verbrecherischen Laufbahn lag, sondern nur daran, daß er von einem Anhänger des Arianismus getauft worden war, von Eusebius, der später als Ketzer verfemt wurde. Daher fehlt die förmliche Anerkennung Konstantins als Heiliger – nicht wegen seines Lebenswandels, sondern wegen einer katholischen Formalität. Als Heiligen verehren darf man ihn. Die Kirche sagt auch, wer in diesem Namenskalender steht, sei ein Namenspatron. Wird ein Kind so genannt, dann ist ihm automatisch die Fürbitte dieses Patrons sicher. Konstantin sichert also jedem, der heute Konstantin heißt, seine Fürbitte zu – so die Lehre der katholischen Kirche. Aus diesem Sachverhalt könnte der wache Analytiker Schlußfolgerungen ziehen und die Frage stellen: Gibt es deshalb so viele Verbrechen in unserer Welt? Die logische Antwort könnte lauten: Vielleicht ist dies einer der Gründe, denn viele der sogenannten Heiligen, die ja eine Brücke zu Gott bilden sollen, sind selbst Verbrecher gewesen, wie am Beispiel Konstantins deutlich wird. Ein weiteres Beispiel wäre Karl der Große. Er wurde auch nicht in einem formellen Verfahren heiliggesprochen, wird aber vielfach als Heiliger verehrt – obwohl er ein Massenmörder war, der 44 Jahre hindurch Kriege geführt, Menschen massakriert und gemordet hat. Gleichwohl gilt er als eine der großen, heiligmäßigen Gestalten der katholischen Kirche. Später wird dieses Verbrechertum, das heiliggesprochen wird, auf einige Päpste angewandt. Es gab Päpste, die als Inquisitoren für die Ermordung vieler ihrer Mitmenschen verantwortlich waren und später heiliggesprochen wurden. Man müßte sich einmal klarmachen, was das für den einzelnen Gläubigen unter Umständen zur Folge hat. Betet der arglose, fromme Mensch jetzt zu einem Massenmörder – könnte es dann sein, daß der Betende von dessen Werken inspiriert wird? – Nach der bekannten Regel, daß Gleiches immer Gleiches anzieht und beeinflußt, ist das durchaus möglich. Deshalb ist es ja auch so äußerst bedenklich, daß z.B. alle zwei Jahre in Aachen der sogenannte „Karlspreis“ verliehen wird. Die europäischen Politiker pilgern nach Aachen, um sich einen Preis verleihen zu lassen, der nach Karl dem Großen benannt ist, der eine ganze Reihe von Verbrechen verübte, heute jedoch als der „große Vater Europas“ gilt. Der hartnäckige Analytiker fragt weiter: Könnte es sein, daß dieser Preis ein Mörderpreis ist, der bestimmten Menschen übertragen wird, die z.B. ähnliche Anlagen haben wie Karl der Große? – Wenn man weiß, daß alles Energie ist – und das ist heute naturwissenschaftlich unbestritten –, dann trägt auch dieser Preis die Energie seines Namenspatrons. Der Inhalt dieser ganzen Preisverleihung und alles dessen, was dahintersteht, ist ein bestimmtes Energiefeld. Ob man sich dessen bewußt ist oder nicht – man bewegt sich als Preisträger in diesem Energievolumen. Auf diese Art wirkt der Geist des Karls des Großen dann möglicherweise mehr oder weniger auch im Preisträger fort. Zu fragen wäre noch: Wenn Karl der Große als „Heiliger“ gilt – was waren seine Wunder? Der Mord? – Seine „Wunder“ waren Kriegszüge, in denen er seine Feinde vernichtete. Sein „Wunder“ bestand des weiteren darin, daß er durch Mord und Totschlag ein Reich zusammenraubte, aus dem schließlich Europa hervorging. Deshalb spricht man von Karl dem Großen als dem Gründer Europas. Vergegenwärtigen wir uns: Eine seiner für die Kirche bedeutendsten Taten war auch, daß er alle Völker, die er unterwarf, zwangs-katholisierte bzw. jene, die sich nicht bekehren lassen wollten, kurzerhand ausrottete. Karl der Große führte 30 Jahre hindurch Krieg gegen die Sachsen, die damals Heiden waren. Und er ließ in Verden an der Aller 4500 gefangene Sachsen hinrichten, weil diese Sachsen eben in seinen Augen so halsstarrig waren. Er hat dann sogenannte „Blutgesetze“ gegen die Sachsen erlassen, die besagten: Wenn jemand die Fastengesetze nicht einhält, wird er hingerichtet. Wenn jemand sich nicht taufen läßt, wird er hingerichtet. Wenn jemand eine Kirche bestiehlt, wird er hingerichtet. (Vgl. Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des Christentums“, Bd. 4, S. 478) – Bezüglich der Fastengesetze ist zu sagen, daß Karl der Große selber nicht gern fastete. Es heißt in der Literatur: „Das war seinem Körper zuwider“. (Karlheinz Deschner, a.a.O., S. 479) Es ist häufig festzustellen, daß die Herrschenden Gesetze, die sie selber erließen, nicht einhielten. Karl der Große ließ also mit Waffengewalt den katholischen Glauben verbreiten. Was des weiteren für die Kirche bedeutsam war: Karl der Große trieb – ebenfalls mit Waffengewalt – den Kirchenzehnt ein. Das war sehr wichtig für den Stuhl Petri. Ein Drittes noch: Als erster Herrscher im damaligen germanischen Reich ließ er sich vom Papst, es war Papst Leo, krönen. Das heißt, er führte die Verbindung von Thron und Altar herbei, die dann viele Jahrhunderte anhielt und zu blutigen Bürgerkriegen im deutschen Reich führte. Das Bündnis, das Karl der Große mit der Kirche einging, hatte für beide Seiten Vorteile: Der Papst konnte seine Position stärken, seinen Nimbus erweitern, weil er den Kaiser gekrönt hatte; Kaiser Karl andererseits konnte dadurch seine Dynastie, eine Thronräuberdynastie – sein Großvater kam durch Thronraub an die Macht –, legitimieren. Genau genommen darf man Karl den Großen also deshalb als Heiligen verehren – weil er für die Kirche gemordet hat. Es ist bis heute so, daß in der Geschichtsschreibung derjenige, der große Ländereien zusammenraubte, als ein „Großer“ bezeichnet wird. Es waren seine Untaten, die Karl den Beinamen „der Große“ eintrugen. Auf der anderen Seite wird ein Mensch, der seine Nachbarn umbringt und deren Häuser plündert, gemeinhin als Raubmörder angesehen. Bis heute ist in der Geschichte diese Schizophrenie zu verzeichnen. Im Dom von Aachen liegt ein kleines Buch aus, das für Kinder geschrieben ist, in dem es heißt: „Karl der Große zog durch ganz Europa, um die Grenzen seines Reiches zu verteidigen.“ (Annette Fusenig, „Wie kommt der Zacken in die Krone? Ein Krönungs-ABC für junge Leser ab 10 Jahren“, Aachen 2000, S. 37) Vielleicht schreibt man in tausend Jahren einmal über Adolf Hitler: „Er zog durch ganz Europa, um in Stalingrad und Moskau die Grenzen des Deutschen Reiches zu verteidigen.“ Das wäre ungefähr die gleiche Logik. Bei konsequent logischer Betrachtung wäre sogar die Frage zu erwägen: Könnte es nicht sein, daß auch Hitler irgendwann einmal zum Heiligen ernannt wird? – Das wird wohl kaum eintreten. Warum nicht? Hitler mordete für sich und sein Reich, nicht zum Nutzen und zur „Ehre“ der römisch-katholischen Kirche. Ziehen wir von Karl dem Großen den Bogen etwas weiter, so ist festzustellen: Viele andere, die für die Kirche mordeten – z.B. in den Kreuzzügen –, sind dafür ebenfalls mit dem Status des „Heiligen“ belohnt worden. Ein Beispiel dafür wäre Papst Leo I. Auch er verfolgte unbarmherzig Andersgläubige, die Manichäer, fast schon mit der Blutrünstigkeit eines Inquisitors. Auch er verhalf letztlich der Kirche dazu, weitere Macht zu erlangen, und wurde heiliggesprochen – nach Mord an Andersgläubigen. Papst Leo I. ist nicht nur heiliggesprochen, sondern als einer von zwei Päpsten überdies zum Kirchenlehrer ernannt worden. Leo verbot den Katholiken jeden Umgang mit Nichtkatholiken und forderte zu deren Verachtung auf. Er befahl, die Nicht-Katholiken zu fliehen „wie todbringendes Gift! Verabscheut sie, weicht ihnen aus und vermeidet es, mit ihnen zu sprechen.“ „Keine Gemeinschaft mit denen, die Feinde des katholischen Glaubens und nur dem Namen nach Christen sind!“ (Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des Christentums“, Bd. 2, S. 258) – Das ist „Originalton“ Leo der Große, eines „Heiligen“ der katholischen Kirche. Angesichts dieser Ausführungen wäre es eine Bemäntelung der Tatsachen, die Dinge nicht klar beim Namen zu nennen: Was hier geschieht – und das unter dem Namen „christlich“ –, ist wahrhaft teuflisch. Denn Jesus, der Christus, hat so etwas nie und nimmer gelehrt. Er war ein Mann des Friedens, ein Mann der Einheit, ein Mann der Liebe, der unseren ewigen Vater als den Vater der Liebe brachte und auch verkörperte. Er sprach: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.“ (Mt. 26, 52) Er war und ist der Friedefürst. – Wen repräsentiert der, der zu Ausgrenzung, Mißachtung, Feindschaft aufruft? Und was ist die Kirche, die ja Mord und Totschlag befürwortet? Wenn man sich das alles vor Augen führt, ist es schon erstaunlich, wie viele Menschen in dieser Welt aus ihrem beschränkten Gesichtskreis nicht sehen und erkennen bzw. nicht sehen und erkennen wollen, was doch so offensichtlich ist. Sonst müßten doch die Menschen aufschreien, wenn z.B. Persönlichkeiten wie Karl der Große dermaßen verehrt werden, wie dies in Europa geschieht. Sie hätten auch aufschreien müssen, als Papst Johannes Paul II. diesen blutbehafteten Karlspreis allzugern entgegennahm. Hier ist der Energieaustausch vom 9. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert gegeben. Der Kaiser mordete und stärkte dadurch die Macht der Kirche; infolgedessen läßt die Kirche ihn als Heiligen verehren. Tausend Jahre später nimmt ihr höchster Vertreter einen Preis entgegen, der nach diesem Verbrecher benannt ist. Wie sollte ein Papst, der eine solche „Auszeichnung“ entgegennimmt, sich gleichzeitig ehrlich für die Verbrechen seiner Vorgänger entschuldigen? – Jedoch das tat er ja auch gar nicht. Er streute lediglich mit ein paar nichtssagenden Worten gutgläubigen und blauäugigen Zeitgenossen ein wenig Sand in die Augen. Johannes Paul sagte nur sinngemäß, einige verirrte Christen hätten die Kreuzzüge inszeniert, einige verirrte Christen hätten die Morde in Südamerika begangen. Und er beschönigte, ja pries auch noch die Greueltaten bei der Eroberung Südamerikas als „glückliche Schuld“ (Näheres dazu in „Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“, Band 1, S. 105).
Wenn es sinngemäß hieß, „einige verirrte Christen“ hätten dies getan, fällt so manchem das ein, was der heutige Papst zur Inquisition sagt. Ratzinger, damals noch Kardinal, bekannte sich unlängst dazu in einem Interview in der Sendung ARD Kontraste, die am 3.3.2005 ausgestrahlt wurde: „Großinquisitor ist eine historische Einordnung; irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heute, das, was nach damaligen Methoden – zum Teil kritisierbar – gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewußtsein zu machen. Aber man muß doch sagen, daß Inquisition der Fortschritt war, daß nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, daß Untersuchungen stattfinden mußten.“ Da erhebt sich die Frage, ob der heutige Papst nicht ebenfalls in die Reihe der verirrten Christen der damaligen Zeit gehört. – Würde er sonst wohl jetzt, wenige Wochen nach dem Hinscheiden seines Vorgängers, diesen bereits seligsprechen wollen, um ihn möglichst schnell auch zum Heiligen zu machen? Er knüpft an die unheilvolle und blutige Tradition seiner Kirche an. Er knüpft an die Inquisition an, die heute nicht mehr so um sich schlagen kann wie vor Hunderten von Jahren, die aber im Grunde genommen noch dieselbe Intoleranz in sich trägt wie eh und je.
Es gab drei Großinquisitoren, die später zu Päpsten wurden, zwei davon hießen Benedikt, wie der heutige Papst. Da ist im 14. Jahrhundert Benedikt XII., der als Jacques Fournier Bischof in Pamiers am Fuße der Pyrenäen war und dort die blutige Verfolgung und Ausrottung der letzten noch verbliebenen Katharer besorgte, der zum Teil selbst die Verhöre führte und die Scheiterhaufen anzünden ließ. Im 18. Jahrhundert kam dann Benedikt XIV., der u.a. die Todesstrafe für Hostienmißbrauch zu magischen Zwecken schon bei Ersttätern vorschrieb.
Es gibt nur zwei Päpste, die nach 1400 heiliggesprochen wurden. Einer davon war Pius V., der im 16. Jahrhundert lebte und als Großinquisitor tätig gewesen war. Auch als Papst setzte Pius V. diese Praxis fort. Josef Bernhard schreibt in dem Buch „Der Vatikan als Weltmacht“ über Pius V.: „Zeitlebens blieb er der wahre Bettelmönch ... Aber der große, gefährliche Gedanke, ein Werkzeug der Vorsehung zu sein, nahm Besitz von ihm. Der Eifer, der ihn verzehrte, sollte auch andere verzehren. Scharf bis zur Härte dringt er auf Kirchenzucht, hart bis zur Grausamkeit vollstreckt er den Willen, der ihm als Wille Gottes erscheint ... Nach seinem Willen soll das Glaubensgericht nicht nur die sprechenden und die schweigenden Häretiker ermitteln, auch solche, die nicht wissen, daß sie es sind. Als Anhänger der Glaubenserneuerung wird Pietro Carnesecchi, ehedem der einflußreiche Sekretär Klemens VII., unter ihm enthauptet und verbrannt; selbst eines der Häupter des Konzils, sein frommer, großgesinnter Ordensbruder Carranza, Erzbischof von Toledo, verfällt dem Kerker in Rom. Gegen Elisabeth von England, wo die Neuerung [die Reformation] kräftig fortgeht, schleudert er das Anathem [also die Verfluchung], erklärt sie für abgesetzt, die Untertanen des Treueides entbunden, und stiftet solcherweise das Unheil der Verfolgung aller Papisten als staatsgefährlicher Sekte.“ (Josef Bernhard, „Der Vatikan als Weltmacht“, München 1951, S. 250 f) Also ein extremer Fanatiker auf dem Papstthron – aber heiliggesprochen. Was war sein „Verdienst“? Pius V. hat Hunderte von Ketzern bei lebendigem Leibe verbrennen lassen. Er war auch verantwortlich für die Verfolgung der Juden zur damaligen Zeit, die er zu Leibeigenen und Sklaven machen ließ. Er war verantwortlich für Mord, Totschlag und Kriege unter dem Motto: „Gegen die Feinde Gottes keine Schonung!“ (Uli Weyland, „Strafsache Vatikan. Jesus klagt an“) Und heute sitzt wieder ein Großinquisitor auf dem Papstthron, denn der jetzige Papst Benedikt XVI. war als Kardinal der Leiter der „Kongregation für Glaubensfragen“, der Nachfolge-Organisation der „Heiligen Inquisition“. Der heutige Papst weiß natürlich, daß manches (auch aus seiner Sicht) nicht richtig gelaufen ist, und er war ja auch maßgeblich verantwortlich für die Abfassung des Katechismus, in dem es scheinheilig heißt, daß Mord, Gewalt und dergleichen „die Strahlkraft der Heiligkeit der Kirche“ behindern. Aber gleichzeitig habe eben die Kirche „die Gewalt, ihre Söhne und Töchter von der Sündenschuld wieder zu befreien“. Das heißt, bei Licht besehen: Man kann das, was offensichtlich nicht in Ordnung ist, einfach hinwegnehmen – und dann ist ein solcher Mensch eben trotzdem heilig und strahlt und repräsentiert die Strahlkraft der Kirche. – Da fragt man sich doch: Warum lassen sich die Menschen eigentlich eine derartige Scheinheiligkeit gefallen? Schon hinter der Tatsache, daß man von der „heiligen“ Inquisition spricht, steht doch Hohn und Spott. Was soll an Mord und Totschlag heilig sein? Auch die „Heiligkeit der Kirche“ wird bezeichnenderweise sehr oft im Zusammenhang mit Mord und Totschlag genannt. Könnte es sein, daß „heilig“ im Sinne der heidnischen, katholischen Kultreligion einen ganz anderen Inhalt hat, als z.B. wahre Christen diesem Begriff beimessen? Heißt „Heiligkeit“ vielleicht soviel wie: „Nützlichkeit für uns, die katholische Kirche, für unsere Vorhaben“? Daß dies nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Zitat von Benedikt XIV., also dem Papst, auf den der heutige Papst sich namentlich beruft. Dieser „vertrat die Ansicht, daß die Ansprüche eines Papstes auf Heiligkeit »an seinem Einsatz für die Erhaltung und Verbreitung des katholischen Glaubens, für die Einhaltung und Wiederherstellung kirchlicher Disziplin und die Verteidigung der Rechte des Heiligen Stuhls« gemessen werden sollten“. (Kenneth L. Woodward, „Die Helfer Gottes. Wie die katholische Kirche ihre Heiligen macht“, S. 362) Hier ist es also klar und unzweideutig ausgesprochen. Demnach gilt: Wer den Machtbereich der Kirche am meisten ausbaut, wird heiliggesprochen. Der gute Analytiker kann sich des Gedankens nicht erwehren: Ist das, was der Stuhl Petri als „Kirche Christi“ bezeichnet, nicht viel eher ein teuflisches Werk?
Es ist im Grunde genommen religiöser Faschismus, der hier praktiziert wird. Und es ist schon sehr verwunderlich, daß in einer Welt, die sich nach demokratischen Verhältnissen sehnt, dieser Totalitarismus und Faschismus religiöser Art so selbstverständlich hingenommen wird. Das führt wieder zu der Frage: Wie läßt sich das Phänomen erklären, daß die Menschheit sich von diesem kriminellen und im höchsten Maße gefährlichen Unfug so lange hat an der Nase herumführen lassen? Wenn man etwas nachforscht, stellt man fest, daß es immer wieder Menschen gab, die auf die Übelstände im Bereich der katholischen Kirche hingewiesen haben. Z.B. sagte Helvétius, ein französischer Philosoph aus dem 18. Jahrhundert: „Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern.“ – Es gibt auch viele andere Zitate, die Ähnliches aussagen. In den Büchern von Karlheinz Deschner z.B. wird diese Kultreligion ganz eindeutig als verbrecherisch eingeordnet. Wie ist es also möglich, daß Menschen auf diese verbrecherische Kultreligion immer noch und immer wieder hereinfallen? Ein wesentlicher Grund besteht darin, daß die Menschen allgemein viel zu wenig darüber wissen, wen alles diese Organisation namens „katholische Kirche“ heiliggesprochen hat. Die Menschen wissen nicht, wie viele Verbrecher sich darunter befanden. Die Menschen wissen des weiteren nicht, welch ein Aberglaube hinter dieser sogenannten Heiligenverehrung steckt. Besonders erstaunlich ist natürlich, daß im 21. Jahrhundert, in dem man auf die Naturwissenschaft baut, dieser Aberglaube fröhliche Urständ feiern darf. Und niemand sagt: „Das ist doch absurd“, wenn der jetzige Papst, der sich doch als besonders gebildeter Mann gibt, auf die ersten Wunder wartet, die sein Vorgänger nun wirken wird, damit er möglichst schnell selig- und heiliggesprochen werden kann. Eigentlich müßte diese Verhaltensweise des Stuhles Petri ein weltweites Gelächter auslösen. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es tatsächlich zum Lachen. Traurig ist es deshalb, weil die Kirche auf diese Weise Jesus von Nazareth erneut massiv verrät und sich dennoch verbal auf Ihn beruft.
Spielen wir doch einmal folgenden Gedanken durch: Weder ein Mensch noch ein Toter kann aus eigener Kraft einem Menschen helfen, ihn heilen, ihm dieses oder jenes Gute tun. Beten die Menschen nun zu einem sogenannten „Heiligen“, dann glauben sie doch nicht nur an den „Heiligen“, sondern vor allem an Gott. Sie glauben, daß Gott eventuell durch diesen „Heiligen“ zu wirken vermag. In Wirklichkeit beten die Menschen also zu Gott, auch wenn sie den Namen des sogenannten „Heiligen“ verehren. „Der Glaube“, so sagte sinngemäß auch Jesus, „versetzt Berge.“ Das heißt: Glauben Menschen an Gott, so vermögen der starke Glaube und die Hingabe an Gott in den Menschen „Berge zu versetzen“, das heißt: Negatives wird umgewandelt in Positives; Heilung und Hilfe kann dem Menschen zuteil werden; er kann von Gott getragen und geführt werden. Der Gläubige betet also im Grunde genommen nicht unmittelbar zu dem „Heiligen“, sondern er betet zu Gott, im Glauben an Gott. Wenn er aber einzig im Glauben an den Heiligen betet, dann kann dem Betenden das Heil nicht zuteil werden, weil der Heilige keine Berge versetzen kann. Das vermag einzig Gott und somit Christus, unser Erlöser. Der Punkt ist jedoch: Durch diese Heiligenverehrung führt die Kirche die Menschen erneut von Gott weg. Statt ihnen anzuraten, sich unmittelbar an Christus und den liebenden Vater, den allmächtigen Gott, zu wenden, werden sie veranlaßt, irgendeinen Heiligen um Hilfe anzuflehen. Auf diese Weise übergeben sie ihre Energie nicht Gott, sondern bringen ihre Bitten, ihre Hingabe diesem fragwürdigen Heiligen dar, der mitunter ein Verbrecher war. Gott ist die Macht und die Kraft der Unendlichkeit. Ihn können und sollten wir in uns finden, denn Er ist der Geist, die Kraft und Substanz in unserem Seelengrund. Unser innerstes, ewiges Wesen ist eins mit Ihm.
Hätte Jesus, unser Erlöser, der Friedefürst, Heilige befürwortet, dann hätte Jesus, der Christus, uns nicht das Vaterunser gelehrt. Gerade das Vaterunser ist der unmittelbare Kontakt zu Gott, unserem Vater: „Vater unser, Der Du bist im Himmel, geheiligt ist Dein Name, und Dein Wille geschieht“ – es ist die Anbetung des Vaters. So hat es uns Jesus gelehrt. Und wer es nicht so hält, ist gegen Jesus, den Christus, den großen Freiheitslehrer, Der uns die Liebe des ewigen Vaters brachte und sie uns auch im Vaterunser näherbrachte. Jeder gute Analytiker könnte das auch selbst beobachten und die Schlußfolgerungen daraus ziehen. Es ist denkbar, daß auch die Inhaber des Stuhles Petri sehr wohl um diese Zusammenhänge wissen. Sie wissen, daß weder ihre „Heiligen“ noch sie irgendwelche Wunder vollbringen können. Auch der jetzt zur Seligsprechung anstehende Papst Johannes Paul II., der angeblich Menschen durch ein Wunder geheilt haben soll – er wußte, daß er nicht heilen kann. Das erweist sich schon in der Tatsache, daß er selbst nicht auf seine Heilkraft vertraut hat, sondern auf die Kunst der Ärzte, bis hin zum Luftröhrenschnitt.
Verräterisch ist auch folgende Begebenheit: Auf die Frage, weshalb er nicht wegen seiner Krankheit zurücktritt, antwortete Johannes Paul II.: „Jesus ist ja auch nicht vom Kreuz gestiegen.“ Der Papst zog also die Parallele von seinem körperlichen Leiden zu dem Leiden des Jesus von Nazareth am Kreuz. Führen wir diese Argumentation logisch fort und fragen: Ist Jesus von Nazareth damals auch in eine Klinik gegangen? – Rein logische Antwort: Das konnte er natürlich nicht; Er war doch festgehalten durch die Nägel. Macht diese Gedankenkette nicht eines deutlich?: Die Aussage des Papstes ist blanker Zynismus. Ein Mensch, der zu der Gruppe derer gehört, die Jesus ans Kreuz gebracht, ja letztlich Ihn ans Kreuz geschlagen und Ihn brutal umgebracht haben, der vergleicht sich nun – quasi als „Täter“ – mit dem Opfer. Man fragt sich: Wenn der Mensch, der Johannes Paul II. war, aber die Leiden tragen wollte, ähnlich wie Jesus, der Christus – warum hat er seine Krankheit dann nicht getragen? Warum ließ er sich dann immer wieder von Ärzten helfen? Ist es nicht eine große Anmaßung, daß sich ein Mensch mit Jesus von Nazareth vergleicht und dessen Leiden am Kreuz zu den eigenen in direkte Beziehung setzt? Und es ist dann eine besondere Anmaßung, wenn dies ein Mitglied der Priesterkaste tut, sozusagen der oberste Priester jener Kaste, die für den Tod des Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren verantwortlich war. Und ist es nicht auch deshalb eine Anmaßung, weil der Papst einer Organisation vorsteht, die Jesus von Nazareth nicht allein seit 1500, ja seit 2000 Jahren verraten hat, sondern die bis in die jüngste Vergangenheit hinein den großen Friedenslehrer verrät? Das geschah z.B., als Papst Johannes Paul II. während des Jugoslawienkrieges erklärte: „Wir sind keine Pazifisten.“ (Abendzeitung, München, 18.2.1991) Damit billigte und rechtfertigte er die Bombardierung Jugoslawiens, entgegen allem, was Jesus von Nazareth lehrte. Und dieser Mann maßte sich an, sein Leiden mit dem Kreuzestod Jesu zu vergleichen. Obwohl er doch genau weiß, wessen Stellvertreter er in Wahrheit ist, hat er keine Skrupel, sich auf diese Weise mit Jesus, dem Christus, auf dieselbe Stufe zu stellen. Muß man aus der Tatsache, daß dieser Mann dann trotzdem in die Klinik ging, nicht schlußfolgern, daß der Papst – und ebenso viele andere Kirchenmänner – in Wirklichkeit gar nicht im Innersten glaubt, daß die Heiligen helfen können oder daß er selber die Kraft hat, die ihm als „Lenker des Erdkreises“ zugeschrieben wird? Ist er sich im Grunde völlig im Klaren darüber, daß das alles gar nicht stimmt? Man könnte auch fragen: Warum hat er sich nicht an die „Mutter Gottes“ gewandt, die er doch angeblich so sehr verehrte, oder sich die Hilfe von der sogenannten Schabmadonna erhofft oder von dem sogenannten Freßzettel, von dem wir schon hörten? (Näheres darüber in „Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“, Band 1, S. 108 f) Angesichts all dessen kommt man immer mehr zu der Überzeugung: Das ganze Brimborium, der ganze heidnische Kult, ist nur für die dummen Gläubigen gedacht. Diejenigen, die davon in Luxus und Prunk leben, glauben in Wirklichkeit selbst nicht daran. Goethe hat es recht prägnant ausgedrückt, als er sagte: „Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche, aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zulassen. Die hohe, reichdotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (Eckermann, 11.3.1832)
Gott spricht auch heute wieder zu allen Menschen, die Sein Wort hören wollen. Er spricht heute so, wie Er vor 2000 Jahren durch Jesus von Nazareth sprach und allezeit. Sie können es nachlesen im aktuellen Wort Gottes, das Er durch Seine Prophetin der Jetztzeit gegeben hat. Im April des Jahres 2005 sagte Gott-Vater: „Jesus lehrte, daß einzig Gott, der Ich Bin, heilig ist, und daß der Mensch keinen »Vater« auf Erden nennen soll, außer den Einen, der im Himmel ist und der Ich im Wort durch den Mund der Propheten Bin. Was an Lasterhaftem in dieser Welt geschieht, einschließlich durch die Vertreter der kirchlichen Institutionen und ihre Anhänger, wird die Erde nach und nach zudecken.“ (Sie finden diese große Gottesoffenbarung in dem Buch von Gabriele: „Für erfahrene Analytiker. Entdecken Sie die Wahrheit! Die kirchliche und staatliche Gewalt und die Gerechtigkeit Gottes“, S. 198 ff)
Und warum ist gerade im Augenblick diese Inflation an Selig- und Heiligsprechungen zu verzeichnen? Was könnte dahinterstehen? Ein Grund dafür könnte sein, daß der Vatikan recht gut an diesen Verfahren verdient, denn ein solches Verfahren kostet 250.000 Euro. Diese Kosten werden in der Regel von den Antragstellern, also von den Diözesen oder Orden, aufgebracht und sind eine wichtige Einnahmequelle für den Vatikan, nachzulesen im ökumenischen Heiligenlexikon. Was es damit auf sich hat, haben übrigens nach der Reformation auch schon die damaligen Protestanten erkannt. Es heißt im damaligen evangelischen Bekenntnis aus dem 16. Jahrhundert über die katholische Kirche und den Heiligenkult: „Das selbige“ – also den Heiligenkult – „erdichten sie nicht, daß sie damit die Heiligen ehren, sondern daß sie ihre Kretzschmerei [Geldgeschäfte] und [ihren] Jahrmarkt, welche ihnen Geld trägt, verteidigen.“ (Apologie der Konfession XXI., S. 318 f) In seinem Buch „Kirchenfürsten“ schreibt Horst Herrmann über Heiligsprechungen und Seligsprechungen: „Der Vatikan investiert keine einzige Lira in eine Heiligsprechung; er läßt sich alles bezahlen ... angefangen von den ersten Aktensammlungen bis hin zur feierlichen Papstmesse, bei der es dann soweit ist. (Mietpreis für den Petersdom 10.000 Dollar.)“ (Horst Herrmann, „Kirchenfürsten“, S. 297) – Inzwischen dürften es schon mehr sein, denn das Buch ist bereits 20 Jahre alt. In seinem Buch „Die Helfer Gottes“ beziffert Kenneth Woodward die Gesamtsumme für eine Heiligsprechung auf mindestens 250.000 Dollar, einschließlich der Reise- und Übernachtungskosten für geladene Gäste, der Zeremonien und Empfänge, Gebetbüchlein und sonstiger Geschenke sowie der obligatorischen Spenden an den Vatikan. (Kenneth Woodward, „Die Helfer Gottes“, S. 136) Doch auch diese Angaben sind schon überholt, denn Charles Panati schreibt in seinem „Populären Lexikon der religiösen Gegenstände und Gebräuche“ einen einzigen lapidaren Satz: „Ungefähre Kosten einer modernen Heiligsprechung 1 Million Dollar pro Fall.“ (Charles Panati, „Populäres Lexikon der religiösen Gegenstände und Gebräuche“, Frankfurt 1998, S. 250) Unter dem Pontifikat des vorigen Papstes gab es auffallend viele Heilig- und Seligsprechungen. Johannes Paul II. hat so viele heiliggesprochen, wie nicht einmal in den letzten 400 Jahren zusammen heiliggesprochen worden waren, nämlich 480. Insgesamt gab es vor ihm 4000 Heilige, jetzt sind es also knapp 4500. Und 1300 wurden durch ihn seliggesprochen. Das war für den Vatikan eine gute Einnahmequelle. Daher ist zu vermuten, daß Papst Johannes Paul II. unter anderem dafür heiliggesprochen wird. Es gibt weitere Einnahmequellen des Vatikans, die wenig bekannt sind. Horst Herrmann schreibt, daß der Vatikan auch einen schwunghaften Handel mit Reliquien betreibt, bis zu mehrere Hunderttausend Dollar pro Stück, und mit päpstlichen Segensurkunden, für die je 2.500 Euro zu zahlen sind. Für vatikanische Orden zahlt man bis zu 60.000 Euro und für Adelstitel – sogar die gibt es im Vatikan zu kaufen! – bis zu 150.000 Euro. (Horst Herrmann, „Kirchenfürsten“, S. 311) Wir sehen, der Stuhl Petri weiß, mit Geld umzugehen. Es stimmt schon sehr nachdenklich, wie leicht – und wie lange – sich Menschen für dumm verkaufen lassen. Da kommt einem unwillkürlich ein Lied von Reinhard Mey in den Sinn, in dem es unter anderem heißt: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, ich halt sie arm!“ Für alle, die einen guten Rat aus guter Quelle schätzen, sei der Satz aus der Offenbarung des Johannes, 18,4, zitiert: „Gehet hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen.“
In diesem Zusammenhang zur Erinnerung noch einmal der Hinweis: Wer sich einem solchen totalitären Götzenkult anschließt und sich von Goethe als Teil der „bornierten Masse“ bezeichnen lassen möchte, dem sei das unbenommen. Jeder kann ja glauben, was er möchte. Niemand wird ihm seinen Glauben streitig machen. Wogegen wir Urchristen uns wenden, ist allein die Tatsache, daß all dieser – man kann schon sagen – kriminelle Unfug, von dem wir hörten, unter dem Banner des Jesus, des Christus, vollbracht wird, daß also der Name des Gottessohnes derart eklatant mißbraucht wird. Niemand kann verlangen, daß Nachfolger des Nazareners diesem Treiben schweigend zusehen.
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Die Texte der 6. bis 11. Gesprächsrunde sind im zweiten Band der Reihe »Nur für kluge Köpfe und gute Analytiker. Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?« nachzulesen.
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