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Die Zehn Gebote für Kinder



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»Die Zehn Gebote
für Kinder«

Dieser Text ist auch als Buch »Die Zehn Gebote für Kinder« erhältlich beim Gabriele-Verlag Das Wort.

Liebe Kinder, manch eines von euch kennt das Lied von den »Zehn kleinen Negerlein«. So heißt das Lied nun mal, und kein Kind in Deutschland hat wohl je eine Abwertung damit verbunden. Menschen dunkler Hautfarbe empfinden das Wort »Negerlein« aber entwürdigend. Deshalb möchten wir nun in diesem Buch von »Afrikanerkindern« sprechen.

Ihr erinnert euch sicher:

Am Anfang sind es zehn kleine Afrikanerkinder. Das eine tut etwas, was es nicht tun sollte - das hat zur Folge, daß es dann nur noch neun kleine Afrikanerkinder sind. Darauf kommt ein weiteres Afrikanerkind zu Fall, das heißt es muß erleiden, was es verursacht hat. »Dann waren es nur noch acht.«

So geht es fort: Ein Fehlverhalten, eine Ursache, zieht die Wirkung nach sich. Ein Afrikanerkind nach dem anderen erntet, was es gesät hat, und fehlt sodann in der Runde. So werden es immer weniger, bis schließlich nur noch eines übrigbleibt, das am Ende ebenfalls irgendeine Sünde begeht, an deren Folge es, wie die anderen, zunächst einmal von der Bildfläche des Lebens verschwindet.

Eine traurige Geschichte, so sollte man meinen. Doch alle Kinder singen das Lied mit Freude, denn nach jeder Strophe wird der Refrain gesungen, in dem sich die Reihe der zehn kleinen Afrikanerkinder wieder aufbaut, von eins angefangen bis zehn, so daß am Schluß wieder alle vereint sind.

Liebe Kinder, die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, handelt auch von zehn kleinen Afrikanerkindern. Ob diese eventuell mit dem besagten Lied etwas zu tun haben? Am Ende, wenn ihr die Geschichte gelesen oder gehört habt, werdet ihr euch diese Frage selbst beantworten können. Meine Antwort lautet: Es ist schon möglich. Denn alles, was wir hören und sehen, alles, was wir erleben, hat einen tiefen Sinn.

Wir Menschen sollten ganz allmählich lernen, die Dinge des Lebens von verschiedenen Seiten zu betrachten; sie nehmen dann oftmals an Wert und an Bedeutung zu. So steckt auch in dem Kinderlied von den "Zehn kleinen Negerlein" Wahrheit, tiefe geistige Bedeutung. Dies und vieles mehr kommt in unserer Erzählung zum Ausdruck.

In unserer Erzählung beginnt es mit einem Afrikanerkind - so, wie im Refrain des Liedes.

 

Was unsere Geschichte erzählt, könnte überall stattfinden, doch wegen der »Afrikanerkinder« nehmen wir einmal an, sie führt uns nach Afrika. Dort wohnen Menschen, die eine dunkle Hautfarbe haben. Das ist notwendig und gut wegen der starken Sonneneinstrahlung. Wärest Du, liebes Kind, in Afrika geboren worden, dann hättest auch Du diese schöne braune Hautfarbe. - Du wärst ein Afrikanerkind. Und weil das Lied nun mal von »kleinen Afrikanerkindern« erzählt, wollen auch wir in dieser Geschichte von »kleinen Afrikanerkindern« oder einfach »Afrikanerkindern« sprechen.

Kleine Afrikanerkinder, das sind Kinder. Und wenn wir in diese Worte tief - mit dem Herzen - hineinblicken, dann spüren wir, daß in dem Kleinen, dem Kind oder Kindlein, ebenfalls die Größe, die Kraft und Stärke liegt. Und wenn es statt »Afrikaner« hier »Afrikanerkinder« heißt, so empfinden wir, daß sich darin eine liebevolle Bejahung ausdrückt, daß etwas Liebes, Feines darin liegt.

Alle Kinder dieser Erde, ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben, welche Sprache sie sprechen, welche Namen sie tragen, ob sie klein sind oder groß, gehören zu dem großen Schöpfergott und sind auch Seine Kinder. In diesem Bewußtsein treten wir nun ein in die Geschichte von den zehn kleinen Afrikanerkindern.

 

Eines der vielen Afrikanerkinder nannte sich Bamba. Bamba war ein Afrikanerjunge, der gern auf Wanderschaft ging. Es hielt ihn nicht lange an einem Ort. Nach kurzem Aufenthalt zog er schon weiter. Bamba hatte noch kein bestimmtes Ziel. Fragte man ihn, was er suchte, so vermochte er es nicht zu sagen. Er ging einmal hier- und einmal dorthin und wußte noch nicht, daß es seine Seele war, die ihn trieb.

Eines Morgens hatte Bamba wieder einmal die Straßen und Wege eines Dorfes hinter sich gelassen und wanderte in einen frischen, klaren Tag hinein. Worte von Dorfbewohnern, die er im Vorübergehen aufgefangen hatte, Grußworte und dergleichen, hingen noch in seinem Sinn und klangen nach.

Als Bamba so ruhig dahinschritt, der aufgehenden Sonne entgegen, deren Licht mit Macht am Horizont hervorbrach, als er hörte, wie der vielstimmige Gesang und die Laute der Vögel wie eine Symphonie immer voller ertönten, als er sah, wie die feinen Blüten der Blumen sich für den neuen Tag öffneten, und als er fühlte, wie die zarte Morgenluft über sein Gesicht strich, da spürte Bamba, daß sich sein Herz auf wunderbare Weise weitete. Ein Wort, das vom Morgen im Dorf noch in ihm nachschwang, formte sich in seinem Inneren, und er sprach es aus: GOTT.

Bamba blieb stehen und setzte sich auf einen Baumstamm. Noch einmal sprach er andächtig und ehrfürchtig den mächtigen Namen aus: Gott. Der Klang erfüllte sein Herz; es öffnete sich seine Seele, und er erkannte mit einem Mal, was er wirklich wollte, wohin es ihn zog. In dieser Lichtstunde seines Menschenlebens verstand und erfaßte er, was er zuvor nicht zu verstehen und zu erfassen vermocht hatte. Er wußte nun, daß er, der Afrikanerjunge Bamba, auf der Suche war nach dem einzigen, ewigen Leben, Gott.

In Bamba, dem Afrikanerkind, wohnte eine große und reife Seele. Berührt und angeregt durch die Kräfte der Natur und die Lichtenergien des jungen Tages, machte seine Seele sich nun im Menschen Bamba bemerkbar. Bambas geistiges Bewußtsein tat sich auf und ließ ihn klarer erkennen, tiefer empfinden und lebendiger verspüren, was in ihm und um ihn lebte.

Mit einem Mal empfand er eine große Liebe, die ihm bisher ganz fremd gewesen war. »O ja!«, sprach Bamba. »Tief in meinem Herzen spüre ich eine feine und zarte Liebe. Es ist die Liebe zu Gott.« Er war eine Weile ganz still. »Ja, es ist so«, sagte er, »ich spüre in meinem Herzen, daß ich Gott liebe. Und weil ich Ihn liebe, drängt es mich, für Ihn dazusein. Ja, ich möchte Ihm mein Leben weihen.«

Bamba erinnerte sich an seine Eltern, und ihm fiel ein: »Meine Eltern haben mich gelehrt, mindestens zweimal täglich zu beten.« Er schüttelte sein Haupt und sprach zu sich selbst: »Beten ist gut. Doch allein das Beten genügt mir nicht mehr. Mein Herz beginnt, zu lieben. Da kann ich nicht untätig bleiben. Ich will etwas für Gott tun. Doch was? Was kann ich, das kleine Afrikanerkind, für diesen großen Schöpfergott tun?«

Bamba blickte sich um. In dieser Morgenstunde berührte ihn die Herrlichkeit Gottes. Er schaute sie in allem, was ihn umgab, und Lobpreis drang aus ihm hervor. Diesem großen, mächtigen Geist, der das Leben, die Herrlichkeit in allem ist, wollte er näherkommen. Doch wie konnte das geschehen?

Tief in Bambas Herzen weitete sich mehr und mehr die große Liebe zu Gott. Er ließ die Ströme des Herzens in seine Empfindungs- und Gemütswelt strömen. Er fühlte nun ganz deutlich, daß es gar nicht möglich sein würde, allein zu Gott zu kommen. Er wußte plötzlich - und dieses Wissen war für ihn Wahrheit: Zu Gott zu finden heißt, über seinen Nächsten Gott zu finden. Er wußte: Alle Menschen sind Kinder Gottes, und Er ist ihr ewiger Vater.

Bamba erhob sich und setzte langsam seinen Weg fort. Er lernte sehr rasch, auf die Stimme seines Herzens zu achten und auf sie allein zu hören. Die Stimme seines Herzens waren seine feinen inneren Gefühle und Herzensempfindungen, die sich immer klarer zu Gedanken formten. Bamba empfand und empfand und dachte und dachte und spürte die Weisheit Gottes in sich.

Die Mittagshitze setzte ein; Bamba wurde müde und suchte ein schattiges Plätzchen auf. Nachdem er ein wenig Nahrung zu sich genommen und aus einer Quelle getrunken hatte, schlief er ein.

Als er erwachte, war ihm sogleich bewußt, daß er geträumt hatte. Er erinnerte sich so klar und deutlich, was er geträumt hatte, daß er sicher war: Gott, die ewige Kraft, wollte ihm auch über diesen Traum etwas sagen. Er zeigte ihm, daß die große Gemeinschaft die Einheit in Gott ist. Bamba erfaßte: Erst wenn sich alle Menschen eins sind, in und für Gott zu leben, dann erst lohnt sich das Erdenleben. Er erkannte im Traum: Eine große Einheit kann Gott mehr helfen als der einzelne. Er träumte von einer Reise durch Afrika, auf der er neun weitere Afrikanerkinder treffen würde. Er sah im Traum, daß sie gemeinsam stark waren. Seine Traumbilder zeigten ihm auch, daß sie eine Gemeinsamkeit hatten, eine gemeinsame Aufgabe, die sie hieß, durch die Welt zu ziehen, um jenen Menschen zu begegnen, die in ihrem Inneren ebenfalls auf der Suche nach Gott, dem ewigen Leben, waren und bereit waren, ein Leben nach Seinen Geboten zu beginnen.

Langsam verblichen die Traumbilder, doch die Erkenntnisse blieben. Es war nun für Bamba eine Gewißheit, was ihn immer wieder auf die Wanderschaft trieb. Es war seine Seele, die den Weg zu Gott gehen wollte.

Er dachte: »Was kann einer allein schon tun? Ich will den Kontinent, auf dem ich lebe, durchwandern. Sicher finden sich noch weitere Afrikanerkinder, weitere Afrikanerkinder, die denselben Wunsch verspüren wie ich, Gott näherzukommen und Gott zu dienen.«

Im Inneren gestärkt und mit der Kraft der Entschiedenheit machte sich Bamba wieder auf den Weg, voll Vertrauen auf Gott, der alle Dinge lenkt.

Bamba betete viel, und er achtete weiterhin auf die feinen Gefühle und Empfindungen in seinem Inneren. Er sprach zu den Tieren, den Pflanzen und auch zu den Steinen; er lobte und pries den Schöpfergott, das Licht, in allem und erkannte vieles. Er erkannte vor allem, daß Gott, das Leben, immer gibt. Er faßte es in die Worte: Leben ist Geben. Er spürte, daß dieses gebende Leben die Liebe war, die sein Herz erfüllte, und daß diese Liebe Gott ist.

Solange Bamba sich in der Natur, unter Pflanzen, Tieren und Steinen aufhielt, mit ihnen verbunden war, solange er auch im Erdreich, im Wasser, in der Luft, im weiten Firmament, in der Sonne, im Mond und in den Gestirnen Gott, das Licht, die gebende Liebe, schaute, war alles gut. Bamba fühlte sich in der Einheit mit all diesen Schöpfungsformen.

Es war ein schönes Leben, leicht, frei und ohne große Probleme. Bamba war zufrieden, ausgeglichen und freute sich schon am Abend auf den kommenden neuen Tag. Er hatte nun eine ganz innige Beziehung zu Gott, dessen Geist in allem ist. Er erkannte sich immer mehr als Kind, als Sohn dieses mächtigen Schöpfergottes.

Doch Bambas Weg führte ihn auch wieder zu den Menschen, und dort war manches anders. Die Menschen dachten viel und waren nie zufrieden mit dem, was sie hatten. Immer wollten sie mehr. Sie wollten alles nur für sich, um reicher, stärker, besser, klüger und mächtiger zu sein als ihr Nächster. Deshalb sprachen sie auch oftmals nicht das aus, was sie wirklich dachten. Sie logen, um den Nächsten zu hintergehen, um für sich einen Vorteil zu haben.

Bamba erlebte Neid, Habgier, Mißgunst, Feindschaft, Rachsucht und vieles mehr. Er merkte, daß Menschen oftmals nicht füreinander, sondern gegeneinander waren. Der eine drängte den anderen, damit dieser tun sollte, was er, der eine, wollte. Viele waren auf Nehmen und nicht auf Geben ausgerichtet; jeder dachte: »Für mich! Für mich! Für mich!« und: »Ich, ich. Ich, nur ich!« Wie es dem Mitmenschen dabei erging, war vielen einerlei.

Bamba erkannte, daß dies alles gegen den Gott der Liebe gerichtet war, daß der Mensch sein Ich, sein Negatives, zum Götzen machte und diesem in seinem Denken und Tun diente, statt Gott, dem Ewigen.

Bamba entschied, daß er s o nicht denken und leben wollte. Doch sobald er unter Menschen war, mit ihnen sprach, mit ihnen arbeitete und lebte, mußte er feststellen, daß er selbst auch noch nicht frei von Neid, von Verstellung, von Habgier und anderem mehr war.

Bamba, der sich entschieden hatte, Gott, der selbstlos gebenden Liebe, zu dienen und von Ihm zu künden, erschrak, als er so vieles Negative, Menschliche, auch an sich bemerkte. Er vertraute sich immer wieder im Gebet Gott, seinem ewigen Vater, an, bat Ihn um Vergebung und bemühte sich, seine Fehler abzulegen und nicht mehr zu tun.

Das erste Gebot

Aus all seinen Erfahrungen - mit sich selbst und mit anderen - formte sich immer klarer heraus, was Bamba in seinem Erdenleben besonders am Herzen lag: seine Aufgabe. Bamba, das erste Afrikanerkind, machte sich auf, um als Bote Gottes das erste Gebot zu leben und zu lehren, das sinngemäß lautet: "Ich Bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben."

Unter anderen Göttern verstand Bamba die drängende Wunschwelt, das Wollen der Menschen. Zum Beispiel der Wunsch und das Bestreben, Macht über andere zu erlangen,

Reichtum und Ansehen zu erwerben, um andere bestimmen zu können; der Wunsch, Menschen als Sklaven zu halten und sie zu unterdrücken. Es dient ebenfalls dem Ich-Götzen, durch die Lüge Ansehen zu erwerben, indem Menschen über andere schlecht reden, um sich selbst in ein schönes Licht zu stellen. Das und vieles mehr ist gegen das erste Gebot, denn das alles sind die Götter des menschlichen Ichs, das Sein- und Habenwollen, um das sich so viele Gedanken drehen.

Gedanken sind Kräfte. Niedere Gedanken, die gegen die gebende, göttliche Liebe und somit gegen den Nächsten gerichtet sind, sind negative Kräfte, es sind Energien, die sich aufbauen und zu Formen verdichten. Sie ballen sich zusammen und werden wie unsichtbare Gestalten, gleichsam gedankliche Wesenheiten, die sich über den großen Gott der Liebe stellen.

Bamba sagte sich: »Man kann nicht zwei Herren dienen. Entweder man dient dem wahren Gott, oder man dient seinen Götzen. Wer dem wahren Gott dienen möchte, der geht den Weg der Selbsterkenntnis und Verwirklichung der Gebote Gottes, um in die Erfüllung des Gebotes des Lebens zu finden, des Hauptgebotes der Liebe. Alle anderen Wege führen ins Äußere, ins Menschliche, und lassen den Menschen stranden. Sie führen ihn in ein Labyrinth, aus dem der einzelne nur schwer wieder herausfindet.«

Bamba empfand ganz deutlich: Nur durch Selbsterkenntnis und Verwirklichung findet der Mensch zu sich selbst, in sein Inneres, wo das Göttliche wohnt. So ist der Weg zum Herzen Gottes zugleich der Weg in das eigene Innere. Ihn muß jeder selbst finden und gehen, doch der, welcher ihn gefunden hat, kann seinen Nächsten auf dem Weg beistehen.

Bamba zog weiter. Er wußte, daß er Tag für Tag, Stunde um Stunde, Minute um Minute noch vieles lernen und an sich selbst erkennen und bereinigen mußte, um ein weiser Lehrer zu werden. Er sagte zu sich selbst: »Bamba, bevor du einem anderen geistige Belehrungen gibst, mußt du das, was du weitergibst, selbst erst verwirklicht haben. Das ist der echte und wahre Lehrer, und das ist auch die rechte Lehre und der rechte Weg.«

Das gab sich Bamba vor, und daran hielt er sich.

 

Auf seiner Wanderschaft sprach Bamba zu den Tieren und zu den Blumen. Er lernte gleichsam die Sprache der Tiere und der Pflanzen, indem er sich in sie hineinspürte, sich mit seinen feinen Empfindungen auf die Ebene ihrer feinen, zarten Empfindungen begab. So lebte er in Frieden und in Freundschaft mit den Tieren, mit den Blumen, den Steinen, mit dem Wasser, der Erde, der Sonne, dem Mond und den Sternen. Auf diese Weise war er nie allein und einsam.

Das, was Bamba bei sich selbst erkannte, überdachte er oder sprach es laut aus. Er trug es im tiefen Gebet und in vielen kleinen Gebetsworten während des Tages Gott, seinem und unserem Vater, vor. Er wandte sich in allen Dingen an Ihn. Auf wunderbare Weise half ihm der himmlische Vater zur rechten Erkenntnis. Bamba lernte, klare Entscheidungen zu treffen und seiner inneren Erkenntnis zu folgen. Er erkannte auch, daß der wahre Gott den Menschenkindern den freien Willen läßt.

Gott, der ewige Wahre, wendet sich von keinem Menschen ab. Nur die Götter wenden sich sehr schnell von denen ab, die ihnen nicht huldigen. Die Götter, gleich Götzen, erkennt man daran, daß sie sich Abbilder schaffen, Rituale und Dogmen einsetzen und sich auch an Sitten und Bräuchen festhalten. Gott ist jedoch die Freiheit. Er hat solches nicht in das Herz der Menschen gegeben. Er möchte, daß Ihn alle Menschen im eigenen Herzen finden, tief im Seelengrund.

Bamba dachte und sprach es für sich selbst laut aus: »Wichtig für uns alle ist, daß es neben dem wahren Gott keinen Platz für Götter gibt.« Das alles und weit mehr erkannte Bamba; danach strebte er Tag für Tag, und daran hielt er sich auch. Diese Lebenseinstellung machte ihn glücklich und froh.

Wenn Bamba zu Menschen kam, um einige Tage mit ihnen zu leben, um mit seiner Hände Arbeit sein Brot zu verdienen und ein paar Dinge des täglichen Gebrauchs zu erstehen, zeigte es sich, ob er seinen Erkenntnissen und seinen guten Vorsätzen treu war. Denn dann kamen mancherlei Versuchungen auf ihn zu. Was er in seinem Inneren erkannt und für gut und richtig befunden hatte, was zu tun und zu halten er sich entschieden hatte, das alles wurde nun auf die Probe gestellt.

Immer wieder mußte Bamba sich entscheiden, so, wie jeder Mensch, der die Aufgaben seiner Erdentage ernst nimmt, sich immer wieder entscheiden muß. Nicht immer traf er gleich die richtige Entscheidung, doch er fühlte dann in sich ein dumpfes Gefühl, und sein Gewissen schlug. Er konnte dann erst wieder so recht von innen her froh werden, wenn er seine Fehler bereinigt hatte und sich wieder auf seine Prinzipien besann, auf die göttlichen Gebote und seine Aufgabe. Die Liebe zu Gott half ihm, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

Der erste Bote Gottes zog weiter durch das Land.

Auf seiner Wanderschaft übte er sich fleißig in der Erkenntnis, im Überwinden des negativen Menschlichen und in der Verwirklichung der Gottesgebote. So erlangte er innere Weisheit. Er gab sich ganz Gott hin und marschierte in dem Bewußtsein weiter, daß er weitere Afrikanerkinder finden würde, die ähnlich wie er empfanden und dachten. Er würde ihnen zur rechten Zeit begegnen.

 

Eines Tages begegnete ihm ein zweites Afrikanerkind. Es sprach Bamba freudig an und meinte: »Wohin gehst du so allein? Wenn du nichts dagegen hast, darf ich dich ein Stück Wegs begleiten?«

Bamba, der im Herzen erfüllt war von Gott, antwortete ihm und stellte seinerseits eine Reihe von Fragen: »Warum bist du auf Wanderschaft?« »Was suchst du?« »Welches Ziel hast du?« Der andere antwortete bereitwillig, und sie waren erst eine kurze Wegstrecke miteinander gewandert, da wurde schon das eine entscheidende Wort ausgesprochen, der heilige Name, GOTT.

Es stellte sich rasch heraus, daß der neue Weggefährte - auf ganz anderem Wege - ebenfalls zu Gott gefunden hatte. Die beiden fühlten sogleich eine innige Verbindung. Der eine wußte sofort, wovon der andere sprach - wir könnten sagen, sie sprachen dieselbe Sprache. Die entscheidende Frage »Bist du für Gott?« beantwortete sich von allein. So konnte Bamba gleich auf weitere wesentliche Punkte zu sprechen kommen: »Sage mir, welches Gebot sprichst du? Welche Ansicht vertrittst du?«

Das zweite Gebot

Die Augen des zweiten Afrikanerkindes leuchteten, und es sprach: »Mein Name ist Bruswalin, ein Bote Gottes. Ich spreche  das zweite Gebot, das sinngemäß lautet: "Allein Gott die Ehre! Wenn du von Gott, deinem Herrn, sprichst, dann sprich in Ehrfurcht und mit Ehrerbietung von dem All-Heiligen, denn Gott ist allmächtig, ewiges Leben, das allen Lebensformen dient."

Der Ewige ist Geber. Er gibt und gibt und nimmt nichts von Seinen Kindern.Dieser Ewige ist unser himmlischer Vater.
 

Weil Er die unendliche, ewige Liebe ist, die mein Herz erfaßt hat, bin ich als Bote Gottes auf der Wanderschaft, um meine Mitmenschen zu lehren, damit sie endlich aufhören, den heiligen Namen mit Schimpfwörtern zu beschmutzen und Ihn zu lästern. Damit sie aufhören, den heiligen Namen dadurch zu mißbrauchen, daß sie dem niederen Ich die Ehre geben. Gott allein gebühren Ehre, Lob und Preis. Das trage ich in die Welt.«

Bamba sprach: »Bruswalin, Du bist mein Bruder nach Gottes Ebenbild. Wenn du möchtest, ziehe mit mir, und du wirst noch vieles erleben, denn ich bin der Bote Gottes für das erste Gebot.«

Die beiden Afrikanerkinder, auch Afrikanerkinder genannt, schauten einander an, reichten sich die Hand und verneigten sich vor dem ewigen All-Einen, der ihr Herz erfaßt hatte und Dem sie dienten.

Gemeinsam zogen sie weiter. Sie ließen sich von dem Inneren Licht führen, dem sie gehorchten. Tag für Tag verwirklichten sie, was ihnen der Tag aufzeigte.

Da die beiden das gleiche Ziel hatten, dieselbe Aufgabe und denselben Weg, verstanden sie einander gut. Sie tauschten sich über ihre Erkenntnisse und Erfahrungen aus. Sie teilten miteinander sowohl die Nahrung als auch die Freude und das Leid. Sie hatten auch ähnliche innere Kämpfe zu bestehen, wenn die menschlichen Fehler wieder einmal zutage traten.

Auf dem Weg zu Gott, so erkannten sie, kommt man viel rascher voran, wenn man nicht allein wandert. Im Zusammenleben mit anderen erkennt man die eigenen menschlichen Schwächen besser und findet Hilfe beim Überwinden dieser Schwächen und Fehler.

Die beiden Freunde erkannten viel und lösten manche Schwierigkeit miteinander. Wenn sie einmal aneinander etwas auszusetzen hatten und einer sich über den anderen erregte, so wußten sie: Es lag bei beiden derselbe Fehler vor. Also bereinigte jeder das Seine und nahm sich vor, sich zu ändern. Dann bestärkten sie sich wieder im Positiven und halfen einander bei der Verwirklichung.

Je mehr sie an Menschlichem ablegten, um so öfter trafen sie Menschen, denen sie die Botschaft des Lebens mitgeben konnten, das erste und das zweite Gebot.

 

Liebe Kinder, unsere Geschichte würde sehr lang werden, wenn wir von dem Leben der beiden und auch von dem Leben der weiteren Afrikanerkinder im einzelnen berichten würden. Ihr müßt wissen: Die Erdentage werden erst so richtig interessant, lebendig und spannend, wenn man sich bemüht, in der Tat Gott näherzukommen, das heißt, die erkannten Gebote Gottes in die Tat umzusetzen. Daher brauchten sich auch Bamba und Bruswalin nicht über Langeweile zu beklagen.

Für diejenigen unter euch, die sich das alles nicht so recht vorstellen können, habe ich einen Vorschlag: Probiert es doch einfach selbst aus!

 

Die Wanderschaft ging über Felder, durch Wälder und Dörfer. In ihren Herzen wußten Bamba und Bruswalin, daß ihnen der dritte Bote Gottes begegnen würde. Und so geschah es auch.

Eines Tages trafen sie das dritte Afrikanerkind. Auch dieses war vom Schöpfergott berührt und stellte die Frage, ob es mit Bamba und Bruswalin mitgehen durfte.

Bamba stellte wieder die entscheidenden Fragen nach dem Ziel und nach Gott. Dann fragte er: »Sage mir, welches Gebot vertrittst du?«

 

Das dritte Gebot

Ohne zu überlegen, sprach das Afrikanerkind: »Ich nenne mich Blumlin und vertrete das dritte Gebot: "Du sollst den Sabbat, den Feiertag, heiligen." Das dritte Gebot besagt, daß alle Menschen an den sechs Arbeitstagen das Gesetz "Bete und arbeite" erfüllen sollen. Am siebten Tag sollen sie ausruhen, um neue Kräfte, neue Energien zu schöpfen und um in die Stille zu gehen, denn Gott wohnt in der Stille. Dort sollen sie Ihn anbeten, Ihn loben, ehren und preisen.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche kommt also der siebte Tag, der Tag der Ruhe und der Stille. Außerdem lehre ich, Gott in allem zu achten, auch in den Naturreichen. Deshalb ist gerade auch der siebte Tag für Spaziergänge in der Natur gedacht, um das Leben als Ganzes zu ergründen. Gott ist in allem, und Er ist allgegenwärtig.«

Liebe Kinder, wir nennen den Ruhetag den Sonntag. In anderen Religionen, zum Beispiel im Islam, ist es der Sabbat, der Samstag. Einerlei, welchen Tag wir nehmen - die Woche soll immer einen Tag der Stille haben. Jeder Mensch soll jeden Tag aus Gottes Allmacht und Liebe schöpfen, doch der eine Ruhetag, der Tag der Stille, ist der Tag der Verinnerlichung. An diesem Tag soll der Mensch sich immer mehr bewußt machen, daß er der Tempel Gottes ist und daß Gott in ihm wohnt. So bereitet er sich wieder auf eine weitere Arbeitswoche vor.

Blumlin sprach weiter: »Auch die innere Ruhe und Stille zu achten, in den Tempel des Inneren einzukehren, ist meine Lehre im dritten Gebot.«

Bamba und Bruswalin hörten Blumlin sehr aufmerksam zu und sprachen dann aus voller Überzeugung: »Wenn du möchtest, komm mit uns.«

Das vierte Gebot

So geschah es. Blumlin ging mit ihnen, und gemeinsam zogen drei Afrikanerkinder durch das Land. Bald kam das vierte Afrikanerkind auf sie zu. Wieder stellte Bamba seine Fragen. Die Antworten zeigten, daß auch dieses Afrikanerkind vorbereitet war und Gottes Führung in seinem Leben erfahren hatte. Das vierte Afrikanerkind stellte sich mit dem Namen Braswa vor und sagte:  »Ich vertrete das vierte Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren."«

Bruswalin fragte: »Wie lehrst du dieses Gebot?«
 

»Ich lehre wie folgt«, sagte Braswa. »Es gibt keine Zufälle im Leben. Erkenne: Gott hat jedem Kind seine irdischen Eltern gegeben, damit sie für ihr Kind Sorge tragen; der himmlische Vater hat es in ihre Obhut gegeben, damit sie es behüten und ihm Vorbild sind, denn es soll als guter, gottbewußter Mensch sein Erdenleben meistern. Die Eltern sind die großen Geschwister des Kindes, die schon länger auf der Erde Erfahrungen gesammelt haben und deshalb dem heranwachsenden Kind zur Seite stehen und beistehen können.

Es ist auch möglich, daß Eltern und Kind zusammengeführt werden, um auf der Erde einen Auftrag für Gott zu erfüllen.«

Braswa sprach weiter: »Außerdem lehre ich die Kinder, daß in ihren irdischen Eltern - ebenso wie in ihnen - Gott wohnt und daß sie alle im ewigen Himmel Brüder und Schwestern sind, Kinder eines ewigen himmlischen Vaters.

Oftmals haben die Seelen der Eltern und Kinder schon in einem anderen Erdenleben als Menschen miteinander zu tun gehabt. Ist aus jenen vergangenen Erdentagen noch Schuld zwischen ihnen, dann sollten sie es in diesem Erdenleben miteinander bereinigen.
Ich lehre auch, daß Menschen nicht durch Zufall zusammengeführt werden, sondern durch die unsichtbaren Bande, die sie verbinden, denn Gott führt und leitet jeden Menschen und jede Seele so, wie es gut ist für Seele und Mensch. In erster Linie jedoch gedenkt der Ewige der Seele, in zweiter Linie erst des Menschen, denn die Seele trägt das ewige Leben. Tief im Seelengrund ist das Reine, ist Gott und das Wesen in Gott.

Ich lehre also Kinder und auch Erwachsene, sich gegenseitig zu achten und selbstlos zu lieben. Kinder sollten ihre Eltern - wie auch alle ihre Mitmenschen - achten und schätzen.«

Mit leuchtenden Augen fuhr Braswa fort: »Durch gute Eltern, die die Gebote des Ewigen halten, wirkt Gott. Ohne Gott würde nichts bestehen, denn Gott ist alles in allem. Er ist in unserer Seele und in jeder Zelle unseres Leibes. Gott ist also in jedem von uns. Er ist für jedes Geistwesen, für jede Seele, also auch für jeden Menschen, sowohl Vater als auch Mutter. Er ist der Vater-Muttergott.«

»Hurra!«, riefen die drei kleinen Afrikanerkinder. »Wenn du möchtest, bleibe bei uns und ziehe mit uns weiter in die Welt.«

Und Braswa ging mit ihnen. Sie spürten die Kraft, die darauf beruhte, daß mehrere - nun schon vier - Menschen mit dem gleichen Ziel und der gleichen Aufgabe den gleichen Weg gingen.

Miteinander waren sie stark, und der Geist Gottes, unseres ewigen Vaters, war mit ihnen. Sie dienten Gott, dem ewigen Gesetz der Liebe, und Gott, das ewige Gesetz der Liebe, bereitete ihnen den Weg. Sein Licht erfüllte sie und strahlte durch sie und leuchtete ihnen auf ihrem Weg.

Je mehr jeder von ihnen an Licht und Kraft zunahm durch Selbsterkenntnis, Verwirklichung und Erfüllung der göttlichen Gesetze, desto besser konnte Gott durch sie wirken. Sie wanderten über Stock und Stein, und jeder Tag gab ihnen neue Aufgaben, die sie erfüllten.

Das fünfte Gebot

Bald trafen sie auf das fünfte Afrikanerkind. Bamba sprach wieder seine Losungsworte. Das fünfte Afrikanerkind nickte, blickte die vier Brüder mit leuchtenden Augen an und sprach: »Ich habe schon auf euch gewartet. Ich bin Balwin und vertrete das fünfte Gebot Gottes: "Du sollst nicht töten." Ich lehre wie folgt: Menschen, groß und klein, achtet das Leben, gleich, in welcher Lebensform es sich euch zeigt! In den Menschen, den Tieren, den Pflanzen und Steinen - in allem ist Gott; alles lebt durch Gott, denn Gott ist das Leben, und das Leben ist allgegenwärtig.

Alles, was ist, alles, was lebt, lebt einzig durch Gott. Im Kleinsten ist das Größte, der mächtige Schöpfergeist, und im Größten ist das Kleinste enthalten, wiederum der mächtige Schöpfergeist.

Bemühe dich, o Mensch, in allem das Leben, Gott, zu schauen, dann wirst du mehr und mehr staunen und dieser mächtigen, ewigen Macht dienen, die alles in ihren gütigen Händen hält, die alles liebt, weil die höchste Macht, Gott, die Liebe ist.«

Balwin schöpfte weiter aus dem fünften Gebot und sprach: »Lösche niemals mutwillig ein Leben aus! Wer mutwillig Tiere tötet, der belastet seine Seele und tötet auch einen Teil seines eigenen irdischen Lebens. Wer Pflanzen mutwillig zertritt und ausreißt, der zertritt einen Teil seines Lebens. Wer Menschen tötet, der tötet gleichsam einen Teil seines irdischen Lebens.

Die Zeit kommt, da die Wirkungen auf jene Menschen zukommen, die den Willen Gottes nicht achten, die auch das fünfte Gebot, - Du sollst nicht töten - mit Füßen treten. Der Mensch erntet, was er gesät hat. Wer die Waffe - das Schwert oder auch die Faust - gegen seinen Mitmenschen erhebt, der wird durch die Waffe umkommen.

Ich lehre auch: Wer anderen auch nur den Tod wünscht, der hat schon gegen das fünfte Gebot verstoßen. Das und weiteres ist meine Lehre, die ich vertrete.«

Bamba, Bruswalin, Blumlin und Braswa sprachen zu Balwin: »Willst du mit uns ziehen? Denn jeder von uns vertritt ein Gebot, das erste, zweite, dritte und vierte.«

Und Balwin sprach: »Ich weiß, ich gehöre zu euch«, und machte sich mit den vier Afrikanerkindern auf den Weg - und so waren es fünf.

Als die fünf Afrikanerkinder einträchtig weiterzogen, sprachen sie noch lange über das fünfte Gebot. Sie sprachen auch davon, daß viele Tiere die Programme des Jagens und Tötens von den Menschen übernommen haben und nun andere Tiere jagen und verspeisen.

Sie sprachen auch davon, daß der Weg, der zum Töten führt, mit kleinen negativen Gedanken beginnt, mit Gedanken des Neides, der Abwertung, der Habgier. Sie sprachen davon, wie negative Gedanken auch negative Worte zur Folge haben und schließlich die böse Tat. Sie sprachen davon, daß alles Böse rechtzeitig erkannt und bereinigt werden muß.

Die fünf Boten Gottes sprachen vom Weg der Bereinigung, der mit der Erkenntnis des Sündhaften und der tiefen Reue beginnt. Dann erfolgt die Bitte um Vergebung, das Vergeben und das Wiedergutmachen, so weit es noch möglich ist. Das Wichtigste aber ist, das erkannte Negative nicht mehr zu tun und künftig statt dessen gut und gesetzmäßig zu handeln.

Jeder der fünf Brüder achtete nun ganz besonders auf seine Gedanken. Erkannte er darin Neid oder Mißgunst oder gar Feindschaft, bereinigte er rasch, denn sie alle wollten ihre Seele reinigen, um Gott, der großen Liebe, näherzukommen und um ein wahrer, selbstloser Lehrer und Bote Gottes zu werden.

Bruswalin bemerkte: »Jetzt sind wir schon fünf. Ich spüre in meiner Seele, wir werden immer stärker, weil wir eine Einheit bilden.«

 

Sie zogen weiter, und es dauerte nicht lange, da kam das sechste Afrikanerkind mit Namen Dalwen auf sie zu. Bamba, der Älteste, ergründete mit seinen Fragen, ob Dalwen der gesuchte Gefährte war. Dann nannte Dalwen das Gebot, für das er die Verantwortung trug.

Das sechste Gebot

Er sprach: »Ich bin der Bote Gottes für  das sechste Gebot:  "Du sollst nicht ehebrechen."«

»Wie lehrst du?«, fragte Braswa.

Und Dalwen erläuterte: »Ich lehre wie folgt. Ihr Menschen, achtet euch untereinander, denn auch in jedem von euch ist Gott! Zu den Lebenspartnern spreche ich: Wenn ihr einander wahrlich liebt, dann habt ihr mit Gott den Bund geschlossen, denn wahre Liebe beinhaltet die Treue. Gott ist die Treue.
 

Blicke, o Mensch, nicht nur auf die Fehler, die wir Menschen alle haben - empfinde immer mehr in deinem Herzen, daß Gott in jedem von euch wohnt, in deinem Partner und in deiner Partnerin. Achte und schätze deinen Nächsten, und lasse ihm die Freiheit, damit er sich so entfalten kann, wie er es möchte. Entwickle du dich auf Gott zu, erschließe und entfalte dein reines, inneres Wesen, und lebe ein erfülltes Leben. Dann bist du deinem Nächsten Vorbild.

Jeder Mensch sollte erkennen, daß er ein Kind Gottes ist, daß vor Gott alle gleich sind und daß Gott uns alle gleich liebt. Sind wir auch unterschiedlich belastet und auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen - wir alle sind auf dem Weg zurück in die Göttlichkeit, in unsere ewige Heimat. Gott, der große Geist, schaut uns vollkommen - so, wie Er uns auch geschaffen hat.

Erkenne: Gott, unser Vater, hat uns als freie Wesen geschaffen und uns die Freiheit der Entscheidung auf ewig geschenkt. Eine Gesetzmäßigkeit lautet: Was du nicht willst, daß man dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu. - Wer diese Gesetzmäßigkeit achtet, der wird auch mit seinen Mitmenschen Frieden halten. Laß also deinem Partner, deiner Partnerin den freien Willen.

Wisse: Fehler und Schwächen hat jeder - auch du. Lerne, Gott in deinem Nächsten zu finden; dann wirst du auch deine Mitmenschen achten, schätzen und lieben. Ihr seid zusammengeführt, um miteinander eine Aufgabe zu lösen.

Dies und auch weiteres ist dir und allen für euer irdisches Leben mitgegeben. Denke darüber nach, und erfülle, was dir die Tage aufzeigen, denn dann erst lebst du wirklich.
Und frage nicht, warum du diesen Partner oder diese Partnerin hast - Gott allein weiß, warum Er dir diesen Menschen zugeführt hat. Gott allein weiß, was zwischen euch zur Bereinigung vorliegt. Würdige also Gott in deinem Nächsten, und werde ihm Bruder und Schwester. Verletze ihn nicht durch üble Nachrede und Verleumdung; dann wirst auch du nicht verletzt werden.«

Die fünf Afrikanerkinder sprachen: »Dalwen, du bist einer von uns. Willst du mit uns ziehen?«

Und Dalwen sagte: »Ich werde mit euch gehen, denn ich weiß um meine Aufgabe.«

Immer dann, wenn ein weiterer Bote Gottes zu der kleinen Schar stieß, war die Freude groß. Doch es ergaben sich daraus auch neue Aufgaben für sie alle. Denn so, wie die Weggefährten den neuen Bruder in ihre Reihe aufnahmen, so nahmen sie auch das an, was er mitbrachte: seine Lehre. Sie nahmen sich jedesmal vor, die wesentlichen Gesetzmäßigkeiten in ihrem gemeinsamen Leben zu beachten und zu befolgen.

So hatten sie immer Aufgaben, um deren Erfüllung sie sich täglich bemühten. Wenn einer von ihnen einmal vergaß, was sie sich gemeinsam vorgenommen hatten, dann erinnerten die anderen ihn daran. Sie halfen ihm, daß er erfüllen konnte, was er sich und Gott und seinen Gefährten versprochen hatte.

 

Als ein Beispiel möchte ich euch erzählen: Braswa, der Bote für das vierte Gottesgebot, hatte gesprochen: »Kinder und Erwachsene sollten sich gegenseitig achten und selbstlos lieben und alle Mitmenschen achten und schätzen.« Darauf besprachen die vier Afrikanerkinder miteinander, was dies für sie bedeutete.

Schließlich sprach Bamba: »So, wie Gott, der große Geist, alle Seine Kinder liebt, so will auch ich mit Ihm Seine Kinder, meine Brüder und Schwestern, lieben. Ich will also allen Menschen Achtung und Wertschätzung entgegenbringen, ganz gleich, wie sie sich mir gegenüber verhalten.«

Bruswalin und Blümlin sahen darin für sich die Hauptaufgabe, daß sie Vorbild sein sollten für viele Mitmenschen. »Das will auch ich mir immer wieder bewußt machen, wenn ich mal wieder nachlässig werde«, sagte Braswa.

An den folgen Tagen und auch weiterhin hatten alle vier häufig Gelegenheit, dies zu üben. Am Abend saßen sie oft noch zusammen und tauschten sich darüber aus, wie es ihnen mit den Aufgaben und Übungen ergangen war. Dabei wurde auch viel gelacht, weil die Situationen des Tages so ganz anders verliefen, als sie es sich so schön vorgenommen hatten. »Es macht nichts, wenn man mal auf die Nase fällt«, pflegten sie zu sagen. »Die Hauptsache ist, man steht wieder auf und besinnt sich eines Besseren.«

Als nun Dalwen von der Gesetzmäßigkeit sprach, die lautet »Was du nicht willst, daß man dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu«, da erkannten alle sofort, wie wichtig dieser Satz war. »Das ist so einfach!«, sagten sie zueinander. »Laßt uns von nun an diese Regel beherzigen, damit der Friede Gottes unter uns sein kann und wir den Frieden zu unseren Brüdern und Schwestern bringen können.«

Und es gab täglich viele, viele Gelegenheiten, diese einfache Regel des Miteinanders anzuwenden.

Auch in eurem Leben, liebe Kinder, gibt es solche Anlässe. Ihr werdet sie erkennen, wenn ihr wach und aufmerksam seid.

Das siebte Gebot

Die sechs Afrikanerkinder zogen weiter, in der Gewißheit, daß das siebte Afrikanerkind bald folgen würde. Und so geschah es auch. Eines Tages trafen sie auf das siebte Afrikanerkind, es nannte sich Duschlar. Bamba sprach wieder die Eröffnungsworte, und das siebte Afrikanerkind antwortete: »Ich bin ein Bote des siebten Gottesgebotes: "Du sollst nicht stehlen." Ich lehre wie folgt: Eignet euch keine Dinge an, die euch nicht gehören. Schielt nicht nach den Wertsachen und Gegenständen eurer Mitmenschen, denn dann werdet ihr neidisch, und der Neid beinhaltet den Wunsch, das zu entwenden, was euch nicht gehört.

Das siebte Gebot beinhaltet jedoch noch mehr: Stiehl auch deinem Nächsten die Zeit nicht, indem du ihn in Gespräche verwickelst, die sinnlos und langatmig sind, also keine guten Früchte bringen.

Achte das Hab und Gut deines Nächsten, dann wirst auch du das erhalten, was du für dein Leben benötigst; dann wirst du auch nicht zum Hehler und zum Stehler.

Jedem Menschen wird das an irdischen Gütern gegeben, was für seine Seele gut ist. Jeder erhält also das, was ihm zusteht, was er sich in Vorexistenzen und auch in diesem Leben auf ehrliche Art und Weise erarbeitet hat.

Jedem wird nach seinem Bewußtseinsstand gegeben. Wer sich täglich in der Offenheit, Ehrlichkeit und Anständigkeit übt, der wird ein guter Mensch und Gott wohlgefällig sein. Dann wird er auch niemals darben. Nur der, welcher im Inneren arm ist, der ist neidisch und kann zum Dieb werden.«

Duschlar sprach weiter: »Ich lehre auch, daß es im Leben keine Zufälle gibt. Wer in diesem Leben gute Lebensbedingungen geschaffen hat durch ehrliche und redliche Arbeit und wer Gott, das Leben, an erste Stelle stellt, der wird auch ein sicheres Dach über dem Kopf haben und alles besitzen, was er braucht. Wer sich Gott selbstlos hingibt, der wird auch von Gott empfangen. Gott an die erste Stelle zu stellen heißt: Die Gebote des Lebens beachten, also das erste, zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste und siebte Gebot zu schätzen, zu lieben und danach zu streben und zu leben.

Stehlen ist gegen das Gesetz des Lebens, welches das Geben beinhaltet. Weiter heißt es: So, wie du gibst, wird dir gegeben. Wer von seinem Nächsten dies und jenes nimmt, also etwas entwendet, der stiehlt. Und eines Tages muß er dies mit Zins und Zinseszinsen wieder zurückgeben. Menschen, welche das siebte Gebot halten, werden in ihrem Leben teilen. Sie werden ihrem Nächsten so viel geben, wie es für seine Seele gut ist, denn wer alle Gebote erfüllt, der erkennt seine Mitmenschen und weiß, wen er vor sich hat.

Ich mahne auch in meinen Lehren und stelle Fragen, wie zum Beispiel: Warum haben viele Menschen die Anlage, Wertsachen anderer zu entwenden? Meine Antwort lautet sodann: Höchstwahrscheinlich, weil sie im Inneren kaum Werte haben. Oftmals sind die gestohlenen Wertsachen gar keine Bereicherung für den, der sie gestohlen hat - er weiß mit ihnen nichts anzufangen, weil sie nicht zu seinem Bewußtseinsstand, das heißt zu seiner geistigen Entwicklung, passen.

Ihr Menschen, was habt ihr davon, wenn ihr euch wie ein Dieb verhaltet und euch mit Dingen schmückt, die nicht zu euch gehören? Ihr leuchtet vor euren Nächsten nur für eine kurze Zeit auf, wie z.B. ein Streichholz aufflackert, das dann auch sehr rasch wieder erlischt. Ihr Menschen, lernt Gott in allem zu gefallen und Seinen Willen zu tun, so daß ihr in jeder Situation gerecht bleibt.«

Die sechs Afrikanerkinder nickten Duschlar freundlich zu, und Duschlar stellte sich zu ihnen und sagte: »Ich gehöre zu euch.«

So zogen Bamba, Bruswalin, Blumlin, Braswa, Balwin, Dalwen und Duschlar weiter. Es dauerte nicht lange, dann trafen sie das achte Afrikanerkind.

Das achte Gebot

Das achte Afrikanerkind schaute in die leuchtenden Augen der sieben geistigen Geschwister und wußte sogleich, daß es eines von ihnen war. Bamba legte ihm die Fragen vor, die wir schon kennen, und Diviana - so hieß das achte Afrikanerkind - sprach: »Ich bin ein Bote Gottes und vertrete das achte Gebot: "Du sollst nicht falsches Zeugnis wider deinen Nächsten reden." Ich lehre wie folgt: Warum wollt ihr euren Mitmenschen Schaden zufügen, indem ihr lügt, also Unwahrheiten über sie verbreitet? Fragt euch, bevor ihr solches redet: Was hat euch euer Nächster getan? Seid ihr besser als jene, über die ihr Unwahrheiten verbreitet?   

Erkenne, o Mensch: Sieh zuerst den Balken in deinem eigenen Auge, bevor du über den Splitter im Auge deines Bruders berichtest. Achte auf deine Worte, auf daß sie dir nicht zum Verhängnis werden. Denn nicht nur Taten, sondern auch Gedanken und Worte sind Kräfte. Worte können viel Böses anrichten. Dein böses Wort geht aber auch in deine eigene Seele ein, und du wirst einst darunter zu leiden haben.

Lerne, dich in den Geboten des Lebens zu erkennen. Stelle dein Verhalten dem ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten, siebten und achten Gebot gegenüber. Dann erkennst du, daß alle Menschen Brüder und Schwestern sind. Wenn du gegen deinen Bruder oder gegen deine Schwester bist, dann bist du auch gegen Gott. Wie willst du in den Himmel kommen, wenn Gott, der Ewige, der Himmel ist? Du kannst nur m i t deinem Bruder, m i t deiner Schwester in den Himmel kommen, doch niemals, wenn du gegen sie bist.

Jeder möge erkennen, was er in den Acker seines Lebens, in seine Seele, sät - das wird er auch wieder ernten. Jeder Gedanke drängt zur Verwirklichung. Was vom Menschen ausgeht, fällt wieder auf ihn zurück.«

Diviana sprach weiter: »Ich weiß, ich gehöre zu euch und werde mit euch ziehen.«

Alle sieben freuten sich - und so waren sie acht.

Bamba meinte: »Es fehlen nur noch zwei Afrikanerkinder, es fehlen noch zwei Gebote.«

Das neunte Gebot

Die Freude war groß, als sie auf das neunte Afrikanerkind trafen - Driwi, so stellte sich das neunte Afrikanerkind vor, indem es sprach: »Ich bin ein Bote Gottes des neunten Gebotes: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut."

Ich lehre wie folgt: Erkennt, o Menschen, nichts ist euer Eigentum - alles ist euch nur geliehen, so auch eure Häuser, eure Wohnungen, eure Einrichtungen, euer Geld und Gut. Wer seinem Nächsten das neidet, was dieser nur verwaltet, der will nur für sich besitzen. Und wer sein Eigentum nicht verwaltet und nur für sich besitzen möchte, der wird es verlieren.

Wir alle sind Wanderer durch dieses Erdendasein. Wir sollen unser Leben nicht hingeben, um Geld und Gut nachzujagen, um es zu besitzen. Wir sollen unser Leben achten, indem wir die Gebote halten; dann sind wir nur Verwalter dessen, was uns Gott zur Verwaltung gegeben hat.

Was kannst du, o Mensch, mit in die anderen Reiche nehmen? Wenn du heute stirbst - kannst du dein Haus, dein Auto, dein Geld und dein Gut mitnehmen? Du mußt alles zurücklassen. Das soll dich zur Erkenntnis führen, daß du nur Verwalter dessen bist, was du scheinbar besitzt.

Wer sich von dem Wollen löst, von dem Sein-, Besitzen- und Habenwollen, der wird mehr und mehr den Willen des ewigen Gottes erfüllen. Jeder einzelne von uns erhält das, was ihm zur Erkenntnis gereicht, um seine Seele zu Höherem zu entfalten. Was der Mensch heute nicht erkennt, das wird er morgen oder erst in den Seelenreichen erkennen müssen.

Uns allen ist geboten, das Haus, die Wohnung, die Einrichtung, Geld und Gut des anderen zu schätzen und jeden Menschen als ein Kind Gottes zu sehen, dem dies nur geliehen ist, um zu teilen. Denken wir weise über folgendes nach: Jeder einzelne erhält das, was für seine Seele gut ist, um zur Erkenntnis zu gelangen.

Wer sich in der Gerechtigkeit übt, der wird nicht mehr rechthaberisch sein. Wer nicht rechthaberisch ist, der weiß, daß er nur Verwalter dessen ist, was ihm gegeben wurde. Er wird dann auch teilen.

Wer nach Gerechtigkeit strebt, erlangt höhere Werte. Er klammert sich nicht mehr an den Materialismus, sondern schätzt das Wohl aller. Er tritt dann auch in das Gemeinwohl ein, das lautet: Einer für alle, und alle für Einen. So lehre ich«, sprach Driwi. »Kann ich mit euch ziehen? Denn ich spüre, daß ihr es seid, die ich gesucht habe.«

Alle acht Afrikanerkinder nickten und nahmen voller Freude Driwi in ihre Schar auf.

Es war eine große und innige Verbundenheit unter den Afrikanerkindern. Jedes von ihnen vertrat ein anderes Gesetz oder Gebot Gottes, und dennoch waren diese Gebote nur Aspekte des einen großen Gebotes der Liebe. Dieses Hauptgebot »Liebe Gott, deinen Vater, von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit all deinen Kräften, und deinen Nächsten wie dich selbst!« war ihnen allen ins Herz geschrieben.

Das Herz dieser Boten Gottes war groß, denn sie hatten es für Gott, den ewigen Geist, geöffnet und dienten Ihm, indem sie ihren Mitmenschen, ihren Brüdern und Schwestern, dienten. Waren sie auch die "kleinen Afrikanerkinder" - ihre Herzen wie auch ihre Seelen leuchteten, denn die tägliche Verwirklichung füllte sie mit dem Licht und der Kraft Gottes.

Jedes von ihnen hatte auch eine andere Wesensart und andere Fähigkeiten. Das war gut so, denn so konnte jeder andere Qualitäten in die Gemeinschaft einbringen. Jeder wirkte auf seine Weise im Miteinander und Füreinander. So halfen und stützten und ergänzten sie sich untereinander. Sie machten einander Mut, bejahten und bestärkten einander im Positiven und waren so eine kraftvolle Gemeinschaft.

Die neun Afrikanerkinder wußten, daß in ihrer Runde noch ein Gottesbote fehlte, und so baten sie Gott, ihren Vater, ihnen diesen bald zuzuführen. Das geschah nach wenigen Tagen.

Das zehnte Gebot

Das zehnte Afrikanerkind blickte in die leuchtenden Augen der neun Geschwister und sagte: »Ich bin ein Teil von euch. Mein Name ist Dubswa. Ich bin ein Bote Gottes. Ich vertrete  das zehnte Gebot:  "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch seinen Ochsen, noch seinen Esel und alles das, was dein Nächster hat."

Dieses Gebot ist eng mit dem neunten Gebot verwandt, denn das neunte Gebot spricht sinngemäß: "Neide deinem Nächsten nicht das, was er besitzt." Ich lehre wie folgt: Jeder Mensch empfängt das, was ihm gebührt. Alles, was er darüber hinaus besitzt, hat er seinen Mitmenschen entwendet.

Das Wort "begehren" besagt "gelüsten nach". Jede Lust führt zur Unlust und Verdrießlichkeit. Deshalb, o Menschen, laßt euch nicht gelüsten nach dem Weibe oder nach dem Manne, nach dem Knecht, nach der Magd, nach dem Ochsen und dem Esel. Erkennt und wisset: Die Lust führt nicht zum Gewinn, sondern zur Armut. Du verlierst, was du glaubst, gewonnen zu haben durch deine Lust, durch dein Verlangen, durch deine Begehrlichkeit.

Wenn sich Menschen einander anvertrauen, dann sollten sie auch füreinander Verantwortung tragen und in rechter Weise zusammenstehen.

Erkennet, o Menschen: Das zehnte Gebot beinhaltet auch das Verantwortungsbewußtsein und die Treue - Treue gegenüber Gott, gegenüber den Mitmenschen und auch gegenüber den Tieren, welche die Übernächsten des Menschen sind. Wenn Menschen Tiere zu sich nehmen, dann tragen sie für diese die Verantwortung. Achtet also die Tiere, die in eurem Haus, in eurem Hof sind. Und so Knecht und Magd auf deinem Hof leben und dienen, diene du ihnen zuerst.

Sei ein Verwalter dessen, was dir anvertraut ist. Lebe nicht über deine Verhältnisse, nicht über den Stand deines Bewußtseins, sonst wirst du auch das verlieren, was dir jetzt anvertraut wurde.

O ihr Menschen, erkennt: "Wir alle sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu." Ruhelos und mit Beschwerden wanderst du nur dann, wenn du deinen Nächsten deine Bürde auferlegst. Wenn du willst, daß man dir dient, und du dich bedienen läßt, wenn andere dir dienen und somit dich bedienen, so geben sie dir ihre Energien. Eines Tages wirst du sie wieder zurückgeben müssen und die Bürde tragen, die du anderen aufgebürdet hast.

Laß ab von deinen Gelüsten, sonst wirst du einst gelästert werden.

Uns Menschen ist geboten, unseren Nächsten zu dienen, so auch den Tieren, Pflanzen und Mineralien. Gerade Tiere, Pflanzen und Mineralien wollen auch uns dienen. Wer den ersten Schritt des selbstlosen Dienens tut, der wird auch von Gott gemäß dem Stand seines Bewußtseins empfangen.

Ihr Menschen, lernt, in allem Gottes Willen und Sein Wirken zu erkennen! Wer Gottes Gebote hält, der wird erkennen, daß Gott von Seiner Schöpfung nicht getrennt ist; es gibt nichts Unzusammenhängendes - alles ist ein Fluß, weil in allem Gott ist. Alles hat einen tiefen Sinn. Das sollt ihr lernen, liebe Mitmenschen.«

Dubswa sprach zu seinen Geschwistern: »Kann ich mit euch ziehen?« Alle neun nickten und waren froh, daß sie nun alle zusammengefunden hatten.

 

Sie sind jetzt zehn. Zehn kleine Afrikanerkinder bringen die Zehn Gebote und wollen den Kindern und den Erwachsenen dienen. Sie zeigen damit auf: Ob der Mensch schwarz, weiß oder rot ist - alle sind wir Kinder Gottes, und alle werden geliebt von dem einen Vater im Himmel.

 

Es war ein großer und feierlicher Augenblick, als alle zehn Boten Gottes auf der Lichtung eines Waldes zusammenstanden. Der Tag neigte sich, die Sonne sandte letzte, silberfarbene Strahlen durch die hohen Bäume, welche die Lichtung umgaben. Am tiefblauen Himmel war schon der Mond zu sehen, und einige Sterne blinkten bereits am Firmament.

Die zehn Afrikanerkinder nahmen die tiefe Stille des Waldes auf und vernahmen, wie der Wind in den Kronen der Bäume sang und in den Gräsern spielte wie auf den Saiten einer Harfe.

Auch in den Herzen der zehn kleinen Afrikanerkinder sang und klang es. Ihre Dankesempfindungen an Gott, den mächtigen, allweisen und allgütigen Geist, schwangen hinaus in die klare Luft, die durchsichtiger, klarer und tiefer zu sein schien als je zuvor.

Lange standen sie in ehrfürchtigem Schweigen. Dann ergriff Bamba das Wort und sprach: »Liebe Geschwister, ihr lieben Afrikanerkinder, wir sind von Gott zusammengeführt worden. Wir verkörpern Seine Zehn Gebote. Laßt uns zusammen durch die Welt ziehen und sie unseren Mitbrüdern und Mitschwestern näherbringen.

Ob rot, schwarz oder weiß, ob groß oder klein, ob blond, braun oder schwarz, ob jung an Jahren oder alt - wir alle müssen früher oder später erkennen, daß wir auf Erden sind, um Gott näherzukommen. Wir haben gelernt und erfahren, daß es kein Mensch allein schafft, zu Gott zu kommen, weil Gott die Einheit ist und gleichsam die Gemeinschaft aller gerechten Menschen. Nur in der Gemeinschaft ist es möglich, Gott näherzukommen, weil Gott die Einheit, gleich die Gemeinschaft, ist. Die wesentlichen Gesetzmäßigkeiten der Gemeinschaft in Gott sind: Einer soll dem anderen dienen in Gleichheit, Freiheit, Einheit und Brüderlichkeit, woraus sich die Gerechtigkeit ergibt.

Brüder, laßt uns zusammenhalten und den Weg des Herrn gemeinsam gehen! Der mächtige Schöpfergott, unser ewiger Vater, ist an unserer Seite. Er ist der Lenker, der Leiter und das Licht in jedem von uns. Wir wollen Ihn in allem, was wir denken, reden und tun, loben, ehren, preisen und rühmen und uns als Seine Kinder erweisen, indem wir unseren ewigen Vater von Herzen lieben.

Ja, wir lieben Gott, unseren allmächtigen, ewigen Vater im Himmel, und Seinen Sohn, Christus, der unser Erlöser ist.«

Alle zehn wandten das leuchtende Antlitz einander zu, bildeten einen Kreis, knieten nieder und sprachen ein tiefes Dankgebet:

 

»Hab Dank!
Hab Dank, o Herr,
allmächtiger Geist unseres Vaters!
Hab Dank, Du ewiges Licht,
allweiser Führer aller Menschen heim ins Vaterhaus!
Hab Dank, o Herr, für alles,
was Du auf dieser Erde möglich machst.

Du, o gütiger Vater, hast uns zusammengeführt,
und Du wirst uns die Wege in die Welt führen,
um unseren Menschengeschwistern, Deinen Kindern,
zu zeigen, daß wir alle Deine Kinder sind,
Du alliebender Vater!

Gütiger, ewiger Vater,
wir lieben Dich!
Und weil wir Dich von Herzen lieben,
sind wir täglich bestrebt,
Deinen heiligen Willen zu erfüllen.
Dein Wille, o Vater, geschehe -
in uns und durch uns
für die vielen, deren Herz sich nach Dir sehnt.

Heilig, heilig, bist Du,
großer, mächtiger Vater.
Dein Geist ist in unseren Herzen.
Du leuchtest in uns.
Du leuchtest durch uns.
Unsere Herzen leuchten für unsere Nächsten.«

 

Die zehn Afrikanerkinder erhoben sich und verbeugten sich vor dem großen Geist, der in jedem von ihnen wohnt. Als zehn Brüder, zehn Boten Gottes für die Menschen dieser Erde, zogen sie weiter, in dem festen Glauben und Vertrauen: Gott, das Innere Licht, war mit ihnen und würde mit ihnen sein, solange sie mit Ihm waren.

Gott, die Kraft und das Leben in allem, sorgte für sie und würde immer für sie sorgen. Er sorgte auch dafür, daß sie Arbeit bekamen, so daß sie auch das Gebot »Bete und arbeite« erfüllten. So empfingen sie alles, was sie benötigten: Obdach, Nahrung und Kleidung. Gott bereitete ihnen die Wege, und Seine Engel führten ihnen jene Menschengeschwister zu, die Seinen Willen erfüllen und in Sein heiliges Gesetz hineinwandern wollten.

Liebes Kind, das ist die Erzählung von den zehn kleinen Afrikanerkindern. Du hast es sicher bemerkt: Sie enthält viel Wahrheit.

Bevor du nun auf die Suche gehst, um die zehn kleinen Afrikanerkinder zu finden, die Afrika durchstreifen, um den Menschen die Gebote Gottes zu bringen, laß dir sagen:

Auf unserer Erde ereignet sich in unserer Zeit noch Größeres. Viele Menschen haben sich weltweit aufgemacht, den Weg zu Gott zu gehen. Viele Menschen leben nach den Zehn Geboten Gottes und auch nach der Bergpredigt Jesu  und sind so strahlendes Licht für viele.

Haben dich, liebes Kind, die zehn kleinen Afrikanerkinder berührt? Was hat dich besonders angesprochen? Und was hat es dir gesagt? Wenn du magst, sprich mit deinen Freunden oder mit deiner Mutter oder mit deinem Vater oder mit deinen Betreuern darüber.

Eventuell regt dich die Geschichte der zehn kleinen Afrikanerkinder auch an, es selbst einmal mit den Zehn Geboten zu versuchen? Erwäge es in dir selbst und entscheide es, denn du bist frei.

 

»Die Zehn Gebote
für Kinder«

Dieser Text ist auch als Buch »Die Zehn Gebote für Kinder« erhältlich beim Gabriele-Verlag Das Wort.

 

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