 |
|
 |

  Das erste Gebot

In der uns vorliegenden Bibel nach der Übersetzung von Luther (Lutherbibel: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers; Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984) heißt das erste Gebot:
»Ich Bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir. Du sollst dir kein Bildnis, noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf der Erde, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.«
Was möchte uns Urchristen im Universellen Leben das erste Gebot sagen? Wie halten wir Urchristen uns an das erste Gebot? Wie verwirklichen wir es im Alltag?
Die erste Aussage zu Beginn des ersten Gebotes lautet: »Ich Bin der Herr, dein Gott.« Diese Aussage ist für uns Urchristen von fundamentaler Bedeutung, denn Gott ist alles, was ist; Er ist der Geist des Lebens und unser aller Vater. Darin ist auch das Woher und das Wohin des Menschen begründet.
Im ersten Gebot heißt es weiter: »Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.« Wir Urchristen verstehen unter »anderen Göttern« nicht nur Macht, Geld, die hochgezüchtete Technik, die Vergnügungssucht, Rauschgift und dergleichen. Wir sehen es so:
Alles das, was nicht dem göttlichen Gesetz, dem ewigen Wort Gottes, entspricht, sind »andere Götter«, also Götzen. Dazu gehören auch übertriebene Wünsche, Leidenschaften und Begierden, alles, wonach Menschen über ein gesundes Maß hinaus streben.
Nähren wir diese drängenden, extremen Wünsche, Begierden, Leidenschaften und Süchte, indem wir sie in Gefühlen, Empfindungen und Gedanken lange Zeit bewegen oder ihnen gar in der Tat folgen, dann beten wir gleichsam diese Götzen an und leisten ihnen Tribut. Zu den »anderen Göttern« zählen auch Menschen, die wir hochstellen, die wir verehren und ehren, statt sie schlicht als unsere Nächsten zu achten.
Im ersten Gebot heißt es weiter: »Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf der Erde, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.« Wie halten es die Urchristen? Wir Urchristen wissen, daß der Geist Gottes in jedem Menschen wohnt. Um uns an Gott, unseren Vater, und an Christus, unseren Erlöser, zu wenden, brauchen wir kein Bildnis im Äußeren, vor dem wir knien und das wir anbeten, sondern wir gehen in unser Inneres und beten dort zu Gott. Wir brauchen keine Statuen, keine Schreine, kein Bild des Gekreuzigten oder sonstige Dinge, denn wir wissen, daß der Geist Gottes in uns lebendig ist. An Ihn wenden wir uns. Er ist uns Stütze und Halt.
Jedes sogenannte Heiligenbild, das verehrt wird, ist letztlich »der andere Gott«, denn jede Figur, die im Äußeren verehrt wird, führt vom wahren Gott, von Gott in unserem Innersten, weg.
Christus offenbarte uns sinngemäß: Verehren wir Bildnisse oder Statuen wie zum Beispiel die vielen Heiligenbilder, dann machen wir uns von Gott, von den Engeln oder gar vom Himmel, der oftmals leuchtend und strahlend, doch ganz entsprechend den irdischen Gegebenheiten dargestellt wird, ein Bild. Dieses Bild prägt sich in unsere Seele ein. Kommt dann die Stunde des Hinscheidens, und wir gehen als Seele in die jenseitigen Reiche, dann haben wir unter Umständen an diesen Bildnissen zu leiden, denn sie sind Programme, die wir in unsere Seele eingegeben haben.
Mit unserem Denken können wir uns den ewigen Himmel nicht vorstellen. Wir können uns von den reingeistigen Welten kein Bild machen, auch nicht von den Engeln, den Geistwesen, und schon gar nicht von Gott-Vater, dem Vater-Mutter-Gott, und von Christus, dem Mitregenten der Himmel. Bilder und Statuen sind also nur Vorstellungen. Gehen wir als Seele mit solchen Vorstellungen ins Jenseits, so müssen wir diese erst einmal ablegen, bis wir im Laufe des Reinigungsprozesses unserer Seele an das wahre Bild kommen, an die Realität des Seins; bis wir eintauchen in den Himmel, den wir uns als Mensch nicht vorstellen können; bis wir Gott, unseren Vater, von Angesicht zu Angesicht schauen und auch Christus, unseren Bruder und Erlöser, und unsere Brüder und Schwestern, die göttlichen Wesen der Himmel. — So lehrte uns Christus, der sich offenbarende Geist.
Wir Urchristen im Universellen Leben haben auch kein Kreuz mit Corpus. Für uns ist Christus auferstanden. Wir sind uns bewußt, daß wir die Erlösertat des Herrn in unseren Seelen, in unseren Herzen tragen. Sie wird symbolisiert durch das freie Kreuz. Für uns ist das Auferstehungskreuz gleichzeitig der Wegweiser hin in das ewige Sein.
Der Corpus wird unterschiedlich dargestellt. Glauben wir von dem Corpus, dem Bildnis, daß das einst Jesus gewesen wäre, so haben wir diesen Corpus als Bild in unserer Seele. Gehen wir nach unserem Leibestode als Seele in das Jenseits ein, wird das Bild, der Corpus, erscheinen. Wir werden es dann schwer haben, dieses Bildhafte, das wir immer wieder angebetet haben, aus unserer Seele zu entfernen.
Es ist dann unter Umständen ein langer Weg, bis uns bewußt wird, daß der Auferstandene ein leuchtendes Wesen des ewigen Seins ist und nicht der Corpus am Kreuz.
Im ersten Gebot heißt es auch, daß wir uns von dem, was unten auf der Erde, und von dem, was im Wasser unter der Erde ist, kein Bildnis machen sollen. Dies verstehen wir, wenn wir wissen, daß alles, was wir auf Erden sehen, nicht die wahre Realität ist. Unsere physischen Augen blicken auf die Hülle, die in sich das Leben, den Geist, birgt.
Die Tiere, die Pflanzen, die Steine, das, was auf und in der Erde ist, was wir im Wasser sehen und was im Meeresgrunde ist, sind Aspekte Gottes, die aufgrund der Verfestigung in der Materie eine andere Form haben als im ewigen Sein. Wir sollen unsere Übernächsten, die Tiere, im Herzen wahrnehmen; die ganze Natur sollen wir als das große Schöpfungslicht Gottes bejahen und im Herzen tragen. Es wäre jedoch verfehlt, anzunehmen, daß die irdische Lebensform — z.B. die Erscheinungsform einer Blume, eines Tieres —der Schöpfungskraft Gottes im Himmel entspricht. I n der Blume, i m Tier ist die Essenz des Lebens, ist Gott — die äußere Form ist die materielle Hülle.
Die Naturreiche sind formgewordene Aspekte Gottes. Das, was wir auf der Erde sehen, ist also nicht die ursprüngliche Schöpfung, sondern nur ein Abglanz dessen, wie es Gott in der reinen Schöpfung geschaffen hat. Deshalb sollten wir uns davon kein Bildnis machen und denken, im Himmel wäre diese Form gleich.
In der Bibel »Die Gute Nachricht« (Bibeltext: Bibel in heutigem Deutsch. Stuttgart 1982. Gemeinsame Bibelübersetzung im Auftrag und in der Verantwortung der katholischen und evangelischen Kirche der deutschsprachigen Länder.) lautet das erste Gebot etwas anders: »Ich Bin der Herr, dein Gott. Neben Mir gibt es für dich keine anderen Götter. Fertige dir kein Gottesbild an. Mach dir auch kein Abbild von irgend etwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer.«
Nicht der Buchstabe ist also die Wahrheit, sondern der Sinn. Deshalb ist es für uns Urchristen von Bedeutung, durch die tägliche Erfüllung der Gebote und der Bergpredigt den Sinn zu erfassen.
weiter zu "Das zweite Gebot" / zurück zum "Vorwort"
Die Zehn Gebote GOTTES
»Der Buchstabe wird erst dann lebendig, wenn der Mensch die Gebote zu erfüllen beginnt. Dadurch reift er ganz allmählich in das allumfassende Gesetz der Liebe und des Lebens hinein. Nur wer mit dem Herzen und im Geiste der Liebe die Gebote erfüllt, der wird das allumfassende Gesetz erkennen und so zur Wahrheit finden, die inwendig in der Seele des Menschen ist.« aus dem Buch »Das ist Mein Wort«
Dieser Text ist auch als Buch »Die Zehn Gebote Gottes« erhältlich beim Verlag DAS WORT.
|
 |