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Das fünfte Gebot



In den meisten Bibeln ist der Wortlaut des fünften Gebotes schlicht und klar: »Du sollst nicht töten.«

So auch in der »Scofield Bibel«, (Die Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers, Herausgeber C.I. Scofield, Vierte deutsche Auflage 1982)in der jedoch eine Fußnote folgendermaßen lautet: »Die hebräische Sprache gebraucht verschiedene Worte, um den Begriff 'töten' auszudrücken. Das Tätigkeitswort, das hier gebraucht wird, ist ein besonderes Wort, das nur Mord bedeuten kann und immer vorsätzliches Töten anzeigt.«

In der Einheitsübersetzung der evangelischen und katholischen Kirche ist es bereits »amtlich«. Dort heißt es nun: »Du sollst nicht morden.«

Das wirft Fragen auf. Was ist nun richtig? Heißt es jetzt: »Du sollst nicht töten« oder »Du sollst nicht morden«? Wie sollen wir uns als Christ verhalten?

Die oben genannte Fußnote in der Scofield Bibel besagt, daß wir nicht vorsätzlich töten sollen. Im Hinblick auf die Tierwelt hätte das Gebot des nicht vorsätzlichen Tötens einen Sinn, denn wo auch immer wir Menschen den Fuß hinsetzen, sind unter unseren Füßen viele — zum Teil winzige — Tiere. Wir zertreten einige der Tiere, tun dies aber nicht vorsätzlich. Lehnen wir uns an einen Baum an, so töten wir dabei eventuell ebenfalls einige kleine Tiere; wir sehen sie nicht, also tun wir das nicht vorsätzlich. Doch wenn wir einen Menschen töten wollen, dann werden wir das vorsätzlich tun. Und das ist nach allgemeinem Sprachgebrauch nichts anderes als Mord. Also ist Töten, genau genommen, dasselbe wie Morden.

Blicken wir in den Sachverhalt näher hinein, so erkennen wir: Wenn ein Mensch einen Menschen tötet, hat er vorher bestimmte Gedanken, und Gedanken sind Kräfte. Zwar sehen wir die Gedanken nicht, doch sie sind Energien, Realitäten, und wirken. Z.B. haben wir im Krieg Gedanken der Angst: Der Feind — so bezeichnen wir unseren Bruder — könnte uns töten. Also töten wir ihn zuerst. Ist einer Soldat, muß er sich die Gedanken machen, daß er töten wird; denn ein Soldat lernt und übt das Töten, um es sodann zu tun.

Befürwortet eine Institution, wie zum Beispiel die Institution katholisch oder die Institution evangelisch, den Krieg, dann ist es nicht verwunderlich, daß ihr eine Fußnote wie die in der Scofield Bibel gelegen kommt.

Ob Töten oder Morden — jeder weiß: Wer in den Krieg zieht, der wird unter Umständen seinen Bruder töten. Da Jesus von Nazareth uns verkündet hat, daß wir alle Brüder und Schwestern sind, Kinder e i n e s Vaters, so ist das schlichtweg Brudermord — ob Töten oder Morden.

Eine Frage an Sie, lieber Leser: Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie getötet oder ermordet werden? Vermutlich nicht, denn tot ist tot.

Sind wir wahre Christen, dann müssen wir uns die Frage stellen: Was würde Jesus dazu sagen? Er sprach zu Petrus, als dieser einem Soldaten ein Ohr abschlug: »Stecke dein Schwert in die Scheide«, und Jesus heilte das Ohr. Warum? »Tut niemandem Gewalt oder Unrecht.«

Jesus sagte sinngemäß: »Wer das Schwert nimmt, wird ebenso durch das Schwert umkommen.« Folglich gilt: Wer die Pistole nimmt und seinen Bruder tötet, wird ebenso durch die Pistole, durch den Schuß, getötet werden — außer er strebt nach der Gnade Gottes, läßt sein Gewissen schlagen und bereinigt seine Schuld von ganzem Herzen. Sagen wir allerdings von vornherein: »Ich töte heute meinen Bruder, der mein Feind ist — morgen kann ich es ja bereinigen«, so wird uns das nicht helfen.

Gewalt erzeugt immer wieder Gewalt. Wir erkennen die Sinnlosigkeit der Kriege. Da heißt es: Soldaten werden in den Krieg geschickt, damit Friede wird. — Doch kann man durch Waffen, durch Kanonen, durch Töten unserer Nächsten den Frieden herstellen?

Wir wissen, daß alles Sündhafte, das von uns ausgeht, wieder auf uns zurückfällt. Die Angst unseres Nächsten, der den Schuß im Herzen spürt und der empfindet, daß er sterben muß, seine Pein, seine vielen Gedanken, sein Haß, sein Wunsch nach Rache — das alles sind Energien, die sich nicht in Nichts auflösen. Sie haben irgendwo ihren Niederschlag; zum Teil in dem, der hinscheidet, denn er war auch Soldat. Er nimmt diesen Teil der Negativenergien als Belastung mit in die Seelenreiche und zumeist in ein weiteres Erdenleben. Die Gefühle und Gedanken des Hinscheidenden fallen auch auf den Täter zurück. Der Täter hat vorsätzlich getötet, denn er wußte vorher, daß er als Soldat töten würde.

Was in diesem Leben nicht gesühnt wird, führt uns in weiteren Erdenleben in ähnliche Situationen. Wir werden z.B. in ein Land hineingeboren, in dem Krieg herrscht. Durch das Rad der Wiedergeburt finden Täter und Opfer immer wieder zusammen. Immer wieder sind sie Täter und Opfer, Feinde — bis sie sich irgendwann einmal die Hände reichen und miteinander den Frieden schließen. Die Schuld, die beide aneinander bindet, gleichsam aneinanderkettet, wird nur bereinigt und gelöst durch das gegenseitige Um-Vergebung-Bitten und das Vergeben.

Das Rad der Wiederverkörperung, die Tatsache der Reinkarnation, wird an vielen Begebenheiten unserer heutigen Zeit deutlich sichtbar. Alles ist Energie, und keine Energie geht verloren. In Kriegen z.B. wird eine gewaltige Woge geballter aggressiver Negativenergien wirksam, nicht bereinigtes Sündenpotential vieler Menschen, das sich — eventuell über Jahrhunderte — angesammelt und aufgebaut hat.

In der Bibel steht: »Was der Mensch sät, das wird er ernten«. Säen wir also den Tod, indem wir unseren Nächsten vorsätzlich töten, dann werden wir ebenfalls auf diese Weise den Tod ernten, sofern wir unsere Ursachen nicht rechtzeitig erkennen, mit der Hilfe der Gnade Gottes bereinigen und nicht mehr tun. So hat es uns Jesus gelehrt.

Das Rad der Wiederverkörperung dreht sich und bringt immer wieder jene Seelen ins Fleisch, die Schuld auf sich geladen und diese noch nicht getilgt haben. Verfolgen wir die verschiedensten Kriege in dieser Welt zurück, so erkennen wir, daß ähnliche Kriege in gleichen Ländern oder in Nachbarländern immer wieder aufflammen. Warum? Weil die Ursachen nicht bereinigt sind; sie kommen zur Wirkung.

Gott gab durch Mose das Gebot: »Du sollst nicht töten.« Warum wurde also diese Bibelstelle neuerdings gefälscht in die Worte »Du sollst nicht morden«? Blicken wir dahinter. Folgende Erklärung liegt nahe:

Die beiden Kirchen, die jene Fälschung vollzogen haben, befürworten den Krieg. Mit der Umformulierung des fünften Gebotes haben sie nun dafür eine biblische Rechtfertigung, denn ihrer Ansicht nach ist das Umbringen eines Menschen im Krieg »nur« Töten und nicht Morden. Da Töten nun neuerdings erlaubt sein soll, dürften demnach ohne Bedenken Kriege geführt und Menschen im Krieg umgebracht werden.

Blicken wir tiefer in die Zusammenhänge hinein, dann erkennen wir auch hier wieder das Rad der Wiederverkörperung, die Reinkarnation. In zurückliegenden Zeitepochen ließ die katholische Kirche in den »heiligen« Krieg ziehen, um Andersgläubige entweder zu zwangschristianisieren oder umzubringen. So geschehen z.B. an den Juden im Rheintal und den christlichen Ungarn und den Sarazenen durch das fränkische Heer im ersten Kreuzzug. So geschehen auch in der Entdeckungszeit von Südamerika an Hunderttausenden von Indianern. So geschehen im 20. Jahrhundert, als die Balkanstaaten nur von »Christen« bevölkert sein sollten. Man tötete und raubte aus — und das angeblich im Namen Christi.

In den Seelen jener damaligen Täter ist, sofern diese nicht umgekehrt sind, dieses massive Negativpotential weiterhin vorhanden. Also haben es viele der heutigen kirchlichen Obrigkeiten, die unter Umständen in der damaligen Zeit verkörpert und an jenem sogenannten heiligen Krieg beteiligt waren, noch in ihrer Seele. Weil es noch in der Seele ist, wird das Wort »Töten« vielleicht in so manchem sogenannten Kirchenfürsten angeregt. Gedanken und Gefühle kommen ihm. Doch statt seine Gedanken und Gefühle zu erkennen und mit Christus zu bereinigen, schlägt er vor, daß Töten im Krieg erlaubt ist, weil es ja auch im »heiligen« Krieg erlaubt war.

Das Morden, also das sogenannte bewußte Töten, das Hinmetzeln, unterstand auch damals schon dem Gebot »Du sollst nicht töten«. Was geschah wirklich? Wie wurden Andersgläubige zu Tode gebracht?

Wie erging es den Germanen?: Entweder getauft — oder geköpft! Und wie erging es den Indianern?: Entweder »mit uns, den Christen« — oder in die »Hölle«! Und wie erging es den Häretikern?: Entweder mit der Kirche — oder in den Tod! Verspottet, verstümmelt, hingemetzelt, verbrannt zu Hunderttausenden, zu Millionen — von wem?

Das Rad der Reinkarnation dreht sich. Dieselben Seelen kommen in anderen Menschenleibern wieder. Wohin? Dorthin, wohin ihre Seelenbelastung sie zieht.

Stellen wir uns noch einmal die Frage: War das nun Töten oder Morden? Und: Was hätten wir lieber: getötet oder ermordet zu werden?

Beides heißt: tot. Das Leben wurde bewußt genommen.

Das fünfte Gebot gilt auch für unser Verhältnis zu den Tieren. Beide Institutionen, katholisch und evangelisch, befürworten die Tierversuche.

Auch Tiere empfinden! Die Tiere in den Schlachthäusern schreien, weil sie spüren, daß ihnen in wenigen Minuten das Leben genommen wird. Sie spüren, daß sie nicht nach den Naturgesetzen hinscheiden dürfen, sondern daß der Schuß ihrem Leben ein Ende macht.

Es geht noch weiter. Fragen wir: Warum sind so viele Tiere traurig? Weil sie bewußt gelitten haben oder weil sie spüren, daß sie unsäglich leiden werden, eventuell durch Tierversuche. Die Erfahrungen, das Leid und die Leiden von Jahrhunderten, Jahrtausenden tragen die Teilseelen vieler Tiere. Das macht viele Tiere traurig, andere aggressiv. Wer ist schuld?

Daß sie zu Millionen und Milliarden mutwillig getötet, also bewußt hingemetzelt und zu Versuchen verwendet werden — was ist das? »Es ist nur ein Tier«, sagt der Mensch, doch auch das Tier fühlt. Ein Tier, das geschlagen wird, empfindet; es weint, es klagt. Schreit man ein Tier an — wie es zusammenzuckt und Abstand von uns nimmt! Wir sehen, es empfindet, es fühlt. Es fühlt um vieles feiner als ein Mensch, und es weiß, wenn es auf die Schlachtbank kommt; es weiß, wenn es für Tierversuche verwendet wird.

Könnte unter Umständen aus dem Wortlaut »Morde nicht« gar eine Rechtfertigung für die Stierkämpfe, für die Hahnenkämpfe, abgeleitet werden — all jene Gelegenheiten, wo Menschen aus Lust am Kampf, am Vernichten des »Gegners« oder zum Vergnügen das Töten zulassen? Es ist ja nicht »Morden«.

Der Mensch ist grausam. Warum also darf getötet, aber nicht gemordet werden? Über dieses Warum sollten wir Christen nachdenken.



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Die Zehn Gebote GOTTES

»Der Buchstabe wird erst dann lebendig, wenn der Mensch die Gebote zu erfüllen beginnt. Dadurch reift er ganz allmählich in das allumfassende Gesetz der Liebe und des Lebens hinein. Nur wer mit dem Herzen und im Geiste der Liebe die Gebote erfüllt, der wird das allumfassende Gesetz erkennen und so zur Wahrheit finden, die inwendig in der Seele des Menschen ist.«
aus dem Buch »Das ist Mein Wort«

Dieser Text ist auch als Buch »Die Zehn Gebote Gottes« erhältlich beim Verlag DAS WORT.

 

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