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Der Prophet

Die Stimme des Herzens,
die ewige Wahrheit, das ewige Gesetz Gottes,
gegeben von der Prophetin Gottes für unsere Zeit

April 98 erscheint unregelmäßig   [an error occurred while processing this directive] Nr. 13

Das Fundamentale in unserer Zeit zum
Nachdenken und zur Selbsterkenntnis

 

Schlagt die Bibel zu!
Der Verrat an Jesus,
dem Christus,
und an den Propheten

 

 

Der Prophet:

Es gibt noch "Wunder": Ein Fachmann der katholischen und ein Fachmann der lutherischen Theologie haben sich zur Verfügung gestellt, dem Propheten auf Fragen bezüglich kirchlicher Lehrmeinungen Antwort zu geben. Es ist hervorzuheben - und das ist an deren Antworten zu erkennen -, daß beide auf dem Weg der Nachfolge des Jesus, des Christus, sind.

Die egoistischen und nach Macht strebenden Theologen beider Amtskirchen, die das Kirchenvolk noch immer unter ihrer Knute halten, stellten sich im letzten Jahrzehnt keinem Glaubensgespräch, trotz vielfacher Einladungen seitens der Urchristen. Vielleicht ahnten sie, daß dann, wenn sie an einem Glaubensgespräch teilnehmen würden, Jesus, der Christus, der Sieger sein würde. Theologen, die in Amt und Würden stehen und ihr sicheres Gehalt und ihre gesicherte Pension von den Amts-, gleich Staatskirchen beziehen, können nicht zulassen, daß Jesus, der Christus, öffentlich der Sieger ist, denn sie wollen Jesus für ihre Anschauungen und dogmatischen Zwecke gebrauchen.

Ich habe eine Frage an den Fachmann der katholischen Theologie - ich kann dich doch so bezeichnen?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Du kannst mich so ansprechen, denn ich habe vor vielen Jahren das Theologiestudium abgeschlossen und drei Jahrzehnte lang in der Praxis anzuwenden versucht. Daß es nicht mehr als ein Versuch sein konnte, merke ich jetzt, z.B. beim Nachlesen von biblischen Zitaten. Die Worte sind noch die gleichen, aber die Basis, von der aus ich sie nun auf mich wirken lasse, ist neu. Sie ist neu geworden durch den Geist Gottes durch das Prophetische Wort, das ich durch dich vernehmen durfte und das mich hingeführt hat zu Christus.

 

Der Prophet:

Zu allen Zeiten stellten die Priester eine abgesonderte Kaste dar, denen die Kulthandlungen oblagen, die kein Laie übernehmen durfte. Ist es nicht auch heute noch so, daß man den Kirchengläubigen vor Augen führt, daß die Priester oder Pfarrer etwas Besonderes wären, weil sie angeblich die Gesetze Gottes verkünden und halten - die katholischen Theologen auch die kirchlichen Dogmen, die um jeden Preis, bis hin zur Androhung der ewigen Verdammnis, geglaubt werden müssen, einerlei, ob sie wirklich dem Willen Gottes entsprechen oder nicht, denn es genügt, daß sie von einem Papst verkündet oder einem Konzil beschlossen wurden.

Soweit mir bekannt ist, entsprechen die Zeremonien, Riten und Bräuche der sogenannten christlichen Kirchen heute diversen Kulthandlungen des Heidentums. In der heidnischen Zeit gab es den Altar, auf dem die Opferhandlungen vollzogen und Tiere Göttern dargebracht wurden. Das Blut der Tiere wurde ebenfalls auf den Altar gegossen und Weihrauch verbrannt.

Auch heute haben die sogenannten christlichen Kirchen ihre Altäre und ihre Zeremonienmeister, die sich Pfarrer und Priester nennen. Wie lassen sich die heutigen Gepflogenheiten wie Theologiestudium, Priesterweihe, Pfarrerordination, Altäre, Riten, Zeremonien, Dogmen, Weihrauch, Weihwasser, Reliquienverehrung, Glaubensbekundungen ohne die Erfüllung der Gebote Gottes mit der Lehre Jesu vereinbaren? Dasselbe gilt auch für das Spenden von Kerzen, Ablaß, Sündenvergebung durch Pfarrer und Priester, die Hostie beim Abendmahl, die Krankensalbung und auch die Marienverehrung.

 

Jesus sprach doch von alledem nicht. Er war kein Theologe, sondern ein Mann des Volkes, der sich nicht durch Titel, Mittel und Talar vom Volk abhob. Er lehrte nicht das Errichten von Opferaltären und nichts von dem, was in der katholischen Kirche zelebriert wird. Er lehrte auch nicht, daß Menschen Gott studieren sollen, um dann Pfarrer oder Priester zu sein. Er setzte keine Pfarrer und Priester ein. Jesus, der Christus, lehrte uns die Einheit, indem Er sinngemäß sprach: Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. Diese Aussage spricht für sich selbst: Jesus meinte damit die Gleichheit, nicht das Oben und Unten, eine Rangordnung zwischen "Hochwürden" und Untergebenen. Jesus setzte also keine kirchlichen Obrigkeiten als Mittler ein zwischen Gott und den Menschen.

 

Die frühere und die heutige Priesterkaste, die sogenannten Mittler zwischen Gott und den Menschen, bedienten sich schon immer der weltlichen Obrigkeit. In vielen Situationen waren sie die Hetzer gegen Andersgläubige und der Staat das ausführende Organ ihrer Hetze.

Soweit mir bekannt ist, waren in früheren Zeiten die "Richter" vielfach die politische Obrigkeit. In der heutigen Zeit sind es die Präsidenten, die Minister, Abgeordneten und dergleichen. Trat in früheren Zeiten die Priesterkaste an die Öffentlichkeit und wollte sie das Volk für ihre Zwecke gebrauchen, dann waren vielfach die Richter anwesend.

Wie ist es in unserer Zeit? Auch heute stehen weltliche und kirchliche Obrigkeiten im Vordergrund, und das Volk steht, wie in Vorzeiten, hintan. Hat Jesus das so gehalten und gelehrt? War Er für Unterschiede im Volk, für das Oben und Unten, oder war Er für Gleichheit und Einheit?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Jesus hat diese Unterschiede gesehen und auch die damaligen Führer des Volkes angesprochen. Dennoch stelle ich fest, in allen Religionen finden wir das gleiche vor: Die Priester bilden eine abgesonderte Kaste, welche den meisten Menschen weismachte und weismacht, daß Gott ein "Geheimnis" sei, etwas Geheimnisvolles, das sich nicht in Seine Karten schauen lasse. So heißt es z.B. im "Katechismus der Katholischen Kirche" zum Thema Krankheit:

"Das Volk Israel erlebt, daß die Krankheit auf geheimnisvolle Weise mit der Sünde und dem Bösen zusammenhängt." (Nr. 1502)

Oder:

"Krankheit und Leiden gehören von jeher zu den schwersten Prüfungen im Leben des Menschen." (Nr. 1500)

Oder:

"Auf dem Kreuz nahm Christus die ganze Last des Bösen auf sich. Er nahm ‘die Sünde der Welt’ hinweg, von der Krankheit eine Folge ist. Durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz hat Christus dem Leiden einen neuen Sinn gegeben: es kann uns nun ihm gleichgestalten und uns mit seinem erlösenden Leiden vereinen." (Nr. 1505)

Oder:

"Die zu erduldenden Leiden können folgenden Sinn haben: 'Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.’ (Kol 1, 24)" (Nr. 1508)

Hier wird für das Geheimnis ein noch geheimnisvolleres Zitat von Paulus genommen. Solche geheimnisvollen Sätze schaffen Distanz und machen bei vielen Kirchengläubigen den Eindruck, daß es wohl so sei. Und sie blicken auf zu jenen, die sich den Anschein geben, als verstünden sie die tieferen Zusammenhänge.

 

Oder: Wie Gott dem Mose Seinen Namen kundtat, ist im "Katechismus der katholischen Kirche" folgendermaßen erläutert: "Indem er seinen geheimnisvollen Namen JHWH - ‘Ich bin der, der ist’ oder ‘Ich bin der Ich bin’ - offenbart, sagt Gott, wer er ist und mit welchem Namen man ihn anreden soll. Dieser Gottesname ist geheimnisvoll, wie Gott selbst ein Geheimnis ist ..." (Nr. 206)

Oder:

"Obwohl Gott sich offenbart, bleibt er doch ein unaussprechliches Geheimnis: ‘Verstündest du ihn, es wäre nicht Gott’ (Augustinus)." (Nr. 230)

Oder:

"In Maria verwirklicht der Heilige Geist den gnädigen Ratschluß des Vaters. Mit und durch den Heiligen Geist empfängt und gebiert die Jungfrau Maria den Sohn Gottes. Durch die Kraft des Geistes und des Glaubens wird ihre Jungfräulichkeit einzigartig fruchtbar." (Nr. 723)

Oder:

"Um das Geheimnis der Kirche zu ergründen, müssen wir zunächst über ihren Ursprung im Ratschluß der heiligsten Dreifaltigkeit und ihre fortschreitende Verwirklichung in der Geschichte nachsinnen." (Nr. 758)

Diese und viele weitere Stellen wollen dem gläubigen Volk den Eindruck vermitteln, daß es einer Kirche und der Pfarrer bedarf, um Gott verstehen zu können.

 

Der Prophet:

Das heißt also: Gott kann uns nicht alles offenbaren, weil Er selbst Geheimnis ist und somit Seine Geheimnisse hat. Will uns die Kirchenlehre von den Geheimnissen vielleicht indirekt weismachen, daß auch wir Menschen vor Gott einiges geheimhalten können? Manche Kirchenführer scheinen jedenfalls in ihrem Handeln davon auszugehen.

Derjenige, der gern von Geheimnissen spricht, hat meist etwas zu verbergen, das nicht offenbar werden soll, weil es unter Umständen geahndet werden könnte. Daraus läßt sich die Unvollkommenheit des Menschen erkennen, der sich hinter seinen Geheimnissen verbergen möchte, um nicht der Schelte oder gar der Anklage einer Straftat ausgesetzt zu sein.

Die Priesterkaste spricht also Gott das zu, was allzumenschlich ist. Die Theologen und die ihnen ebenbürtigen Intellektuellen und "Privilegierten", die sich vom Volk abheben möchten, sind stolz auf ihre sogenannte Logik. Dem Ewigen sprechen sie jedoch die Logik ab, denn sie lassen die Aussage gelten, die dem sogenannten Kirchenvater Augustin oder auch dem Kirchenlehrer Tertullian zugeschrieben wird: "Credo quia absurdum" - "Ich glaube, weil es absurd ist."

Soweit mir bekannt ist, übergaben im Jahr 542 die Gegner des frühchristlichen geistigen Lehrers Origenes dem päpstlichen Gesandten Pelagius eine Klageschrift an den Kaiser Justinian in Konstantinopel. Damals also begann es schon, daß man den Staat um Hilfe gegen Andersdenkende anrief. Bald darauf, im Jahr 543, ließ Justinian durch den Patriarchen von Konstantinopel eine Synode einberufen und gab der Versammlung neun kaiserliche Bannflüche vor, mit denen Origenes zu verurteilen sei. Zwei davon lauteten:

"Wenn einer sagt oder meint, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie früher Geistwesen und heilige Mächte gewesen seien, es habe sie aber Überdruß ergriffen an der Schau Gottes und sie hätten sich zum Schlechten gewendet, darum sei die göttliche Liebe in ihnen erkaltet, hätten davon den Namen ‘Seelen’ bekommen und seien zur Strafe in Körper hinabgeschickt worden, der sei verflucht."

"Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Wiedereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei verflucht."

Soweit mir bekannt ist, wurde zehn Jahre später - auf dem allgemeinen Konzil von Konstantinopel - der Bannfluch wiederholt und ergänzt. Auf diese Weise beseitigte die Staatskirche zentrale Inhalte der Lehre des Jesus von Nazareth: Die Botschaft von einem liebenden Vater-Gott, der niemanden verflucht, verbannt oder verdammt, sondern alle Seelen und Menschen, die gesamte gefallene Schöpfung, in die ewige Heimat zurückholen wird, mit Hilfe der Erlösertat Jesu, auf dem Weg der Befolgung Seiner Lehren, zu denen die Präexistenz der Seele vor ihrer Einkörperung und die Möglichkeit wiederholter Einverleibungen gehören. Diese Glaubensinhalte wurden in Konstantinopel verflucht.

Damit hatte die Staatskirche eine der schärfsten Waffen in der Hand gegen alle, die ihrer Lehre nicht Folge leisten wollten. Es ist die Bedrohung mit der ewigen Verdammnis, welche die Staatskirche in den folgenden eineinhalb Jahrtausenden nachdrücklich einsetzte. Sie wurde auch zur geistigen Grundlage der Inquisition und der Kreuzzüge, die Millionen von Menschen das Leben kosteten. Durch die Leugnung der Vorexistenz der menschlichen Seele wird diese zu einem Anhängsel des menschlichen Zeugungsaktes, durch den sie angeblich erstmals entstehen soll. Ihr körperliches Schicksal wird aus dem Zusammenhang der Abfolge vieler Existenzen gerissen. Damit zerriß auch der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, von Saat und Ernte. Das im menschlichen Dasein in Erscheinung tretende Leid wird zum unerklärbaren Ärgernis. Gott gerät erneut in den Verdacht, ein willkürlicher Gott zu sein, der nach Belieben straft, besonders jene, die Ihn lieben.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Du sprichst so viele wichtige Sätze aus, daß ich einfach einmal unterbrechen möchte.

Der Satz "Gott gerät in den Verdacht, ein willkürlicher Gott zu sein, der nach Belieben straft, besonders jene, die Ihn lieben", ruft in mir viele Situationen wach, in denen ich von der theologischen Ausbildung her den Verdacht hätte widerlegen sollen, aber es nicht konnte, weil ich mir selbst nicht sicher war. Was soll ein Mensch denken und fühlen, in dessen Leben plötzlich eine unheilbare Krankheit festgestellt wird, obwohl er doch bei allen Nachbarn und Verwandten als ein guter Mensch geschätzt wird? Er muß Gott ungerecht finden, weil er durch die Priester noch nie gehört hat, daß Schicksalsschläge möglicherweise auch die Folgen eigenen Verhaltens in diesem oder in früheren Leben sind, nach dem Gesetz von Saat und Ernte, von dem auch Jesus von Nazareth sprach - was selbstverständlich niemanden dazu berechtigt, auf das Schicksal seines Nächsten mit dem moralischen Zeigefinger zu deuten oder ihm gar die nötige Hilfe zu versagen.

Auch davon, daß man mehrmals auf der Erde sein kann, hat ein solcher Mensch nie gehört und noch weniger, daß unsere Seele eine Vorexistenz hat, das heißt, daß wir im Ursprung vollkommene Wesen sind, die sich durch eigene Entscheidung von ihrem Schöpfer und Vater getrennt haben. Daß wir auf dieser Erde Gelegenheit haben, diese Fehlentscheidung zu erkennen und umzukehren, wird von den Priestern verschwiegen, ja sogar als Irrlehre verurteilt.

 

Der Prophet:

Zu allen Zeiten ging das Prophetische Wort von der Präexistenz (Vorexistenz) der Seele und ihrer mehrmaligen Einverleibung aus, die u.a. im Gesetz von Saat und Ernte begründet ist. Auch Jesus von Nazareth und Seine Jünger setzten dieses Wissen voraus. Der geistige Lehrer der frühen Christenheit, Origenes, sprach ausdrücklich von der Präexistenz der Seele, von den reinen Wesen, die wir einst waren. Die Wiedergeburt war eine logische Voraussetzung seiner Lehre von der Heimführung aller Seelen und Menschen, nach der wir als reine Wesen wieder zu unserem Ursprung zurückkehren werden, dann, wenn wir unseren Fall, gleich Abfall von Gott, mit Hilfe des Göttlichen in uns beheben und diese Sünden nicht mehr tun. Origenes sprach davon, daß jeder Abgefallene seinen Körper ebenso oft wie seinen Wohnsitz beim Abstieg vom Himmel zur Erde wechselt. Die Kirche hat diese Lehre des Origenes von der Präexistenz der Seele als Irrlehre verdammt, um ihre Stellung als "Hirte" ihrer Herde zu halten. Doch die Lehre, die Origenes den Menschen brachte, kam und kommt immer wieder, auch in der heutigen Zeit durch das Prophetische Wort, durch die Offenbarungen des Christus Gottes, weil sie Wahrheit ist.

Mit Hilfe des Staates bewirkte eine Religionsgemeinschaft, die zu Macht und Ansehen gelangt ist, die Durchsetzung der Inhalte ihres religiösen Glaubens, der nach dem Eingeständnis eines ihrer führenden Vertreter "Absurdes" beinhaltet. Der Satan hätte nicht genialer handeln können, um die Menschheit von der Frohbotschaft Jesu wieder abzubringen.

 

Zur Existenz der Seele stellt sich noch die Frage:

Wenn die Seele erst bei der Zeugung eines Kindes von Gott geschaffen wird, wer hat dann die Seele Gottes geschaffen, der angeblich durch Maria geboren wurde, denn Maria wird ja als die "Gottesgebärerin" und als die "Mutter Gottes" bezeichnet?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Logisch betrachtet müßte es ein Über-Gott sein. Klar ist: Maria ist die Mutter des Jesus von Nazareth, in dem des ewigen Vaters Sohn inkarnierte.

 

Der Prophet:

Eine weitere Frage an den Fachmann der katholischen Theologie:

Die katholische Kirche spricht von drei göttlichen Personen, von der Person "Gott Vater", der Person "Gott Sohn" und von der Person "Heiliger Geist".

Bezüglich der Zeugung Jesu heißt es: Maria wurde vom Heiligen Geist "überschattet". Soll "überschattet" in Wirklichkeit "durchlichtet" bedeuten, denn der Schatten ist weltbezogen, und der Geist ist bekanntlich Licht? Also hat Maria von der Person, dem Heiligen Geist, empfangen. Somit hätte also die Person sie befruchtet. Also bleibt die Frage bestehen: Wer hat die Seele von GOTT geschaffen, denn Maria wird, wie gesagt, als die "Gottesgebärerin" und als die "Mutter Gottes" bezeichnet?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Die Kirche spricht von drei göttlichen Personen, die e i n Gott sind. Nun wird im Zusammenhang mit Maria nur eine der Personen aktiv, zugleich aber nennt Jesus später Gott-Vater Seinen Vater. Ich muß eingestehen, daß es mich irgendwie ratlos und verlegen macht.

 

Zur anderen Frage - "Maria wurde vom Heiligen Geist überschattet" - kann ich nur feststellen, daß es bei der Ankündigung durch den Engel in den deutschsprachigen Übersetzungen der Bibel durchwegs heißt, die Kraft Gottes werde Maria "überschatten". In den Erklärungen dazu wird auf die Wolke hingewiesen, die 40 Jahre lang über der Stiftshütte lagerte und den Israeliten Zeichen für die Gegenwart Gottes war.

Aber, wie immer schauten die Menschen mehr auf den Schatten, der Schutz vor der Hitze bedeutete, als auf das Licht, das Gott für sie sein wollte. Was immer die Institutionen glauben, deine Frage, wie eine "Person Heiliger Geist" jemanden gezeugt haben soll, wird vielen die Augen öffnen, auch dafür, daß Jesus vor Seiner Geburt eine Seele hatte, allerdings nicht belastet mit eigener Schuld, und daß Er in dieser "Schwingung" auch zu d e n Eltern kam, die, in Gott stehend, weitgehend reine und selbstlose Wesen waren.

Die Vorstellung der Kirche geht sicher in Richtung "Befruchtung" oder "Zeugung" durch den Heiligen Geist; sie spricht es jedoch nicht so physisch-materiell aus. Sie sagt: "Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1, 20)

 

Der Prophet:

Jesus war nicht Gott, sondern Gottes Sohn. Er selbst sagte: "Mein Vater ist größer als Ich." Also ist Gott, Gott-Vater, größer als Jesus. Maria wird als "Gottesgebärerin" bezeichnet; dann hätte sich also Gott, gleich Gott-Vater, einverleibt.

Wenn der Heilige Geist eine Person sein soll, warum spricht dann die katholische Kirche von der Ausgießung des Heiligen Geistes, der am Pfingstfest, als sich die Gläubigen, die Apostel und Jünger versammelt hatten, als Feuerzungen auf ihren Häuptern sichtbar wurde? Hat sich hier die Person, der Heilige Geist, gewandelt und verflüssigt - denn es heißt "Ausgießung des Heiligen Geistes" -, oder hat Er sich in eine gasförmige Flamme als Feuerzunge verwandelt? Oder fällt dieses Geschehen unter die Aussage eines Kirchenvaters "credo quia absurdum", das heißt, "ich glaube, weil es absurd ist"?

Normalerweise heißt es, Gott ist unwandelbar. Ist also Gott doch wandelbar? Kann Er im Fall der "Gottesgebärerin" als Seele geschaffen werden, vielleicht von der "Person" Heiliger Geist? Gehört auch diese Darlegung zu den Geheimnissen Gottes oder nur zu den Geheimnissen der katholischen Kirche?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Die evangelische Kirche ist hier vorsichtiger, und ihre Theologen halten sich meistens an das, was sich in der Bibel finden läßt.

Im evangelischen Erwachsenenkatechismus heißt es: "Evangelische Marienverehrung kann bescheidener sein, weil die Bibel bescheidener ist." (4. Auflage, S.393)

Was aber die wenigsten wissen: Auch nach dem evangelischen Bekenntnis wird Maria ausdrücklich als "Mutter Gottes" benannt. (Konkordienformel, Epitome VIII.7)

Martin Luther schreibt über Maria: Es "will auch mit dem Herzen bedacht sein, was das sei, Gottes Mutter sein." (Auslegung zu Lk 1, 46 ff; 1521; zit. nach Katechismus, S. 393)

Und Luther meint weiter:

"Die großen Dinge sind nicht anders, denn daß sie Gottes Mutter ist worden, in welchem Werk so viele und so große Güter ihr gegeben sind, daß sie niemand begreifen kann. Denn da folget aller Ehre, alle Seligkeit, und daß sie im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person ist über alle, der niemand (darin) gleich ist, daß sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind hat ..."

 

Der Prophet:

Entschuldige, daß ich dich unterbreche. Das ist alles so verworren. Würde sich Gott mit diesem ganzen kirchlichen Gedankengut befassen, würde dann nicht auch Er den Durchblick verlieren?

Die Amtskirchen lehren die Dreifaltigkeit, die aus drei Personen bestehen soll. Dort heißt es, der Heilige Geist hätte Maria befruchtet. Nach Luther ist Gott-Vater der Befruchtende. Nach lutherischer Lehre hat also Maria mit Gott-Vater ein Kind, gleichzeitig wird sie aber wieder als "Mutter Gottes" bezeichnet. Das einzige, was ich aus den Ausführungen Luthers bejahen kann, ist, daß Maria eine einzigartige Frau war und als einzigartige Frau geachtet und geschätzt werden soll, denn ihr reiner Glaube und ihre Hingabe an den Ewigen bewirkte die Geburt des Jesus, in dem der Christus, unser Erlöser, der Sohn des ewigen Vaters, zu uns Menschen kam.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Maria war im Inneren mit Gott verbunden und, soweit ich weiß, eine stille und bescheidene Frau. Auch in äußerer Not, z.B. kurz vor der Geburt von Jesus, verlor sie nie das Vertrauen in die Führung Gottes. Das kirchliche Dogma von der Jungfrauengeburt machte sie jedoch zum Gespött vieler Menschen. Dabei ist sie Mutter geworden wie jede andere Mutter auch. Doch die Kirchen haben ihr eine Jungfrauengeburt und einiges mehr angedichtet und sie zur Kirchenheiligen gemacht.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Das Schlimme ist ja, daß infolge dieser Konstruktionen bei Maria der Zeugungsakt als etwas Ungöttliches betrachtet wird, das bei Jesus doch nicht sein durfte. Die Folge davon war die Verstärkung der Schuldkomplexe bei allem, was mit Zeugung zusammenhängt, für die gesamte sogenannte Christenheit im Zeitraum von beinahe 2000 Jahren.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Ich möchte weiter auf die Frage nach der "Wandelbarkeit" bzw. "Unwandelbarkeit" Gottes antworten.

Die evangelischen Aussagen dazu sind nicht immer eindeutig.

Dies hängt mit der Unterscheidung "Altes" und "Neues" Testament zusammen. So heißt es in einem theologischen Lehrbuch:

"Im Alten Testament will sich Gott auf keine Erscheinungsform festlegen, im Neuen Testament legt er sich auf die Erscheinungsform Jesus von Nazareth ein für allemal fest, im Alten Testament wird er als der wesenhaft Freie, im Neuen Testament als der, der frei genug ist, sich in Jesus Christus zu binden, verstanden. Im Alten Testament gilt er als der wesenhaft heilige Gott, während er im Neuen Testament wesentlich als der liebende Gott begriffen wird. Hier ist er vor allem der ganz Andere, dort ganz der Unsere, hier der, der ‘nicht ein Mensch ist’, dort der, der ein Mensch wird. Hier ist er in erster Linie der Herr, dort in erster Linie der Vater, hier liegt der Akzent auf seiner Transzendenz, dort auf seiner Immanenz, sosehr beides nicht auf beide Testamente auseinander zu dividieren ist. Denn auch das Alte Testament kennt seine Immanenz, wie umgekehrt im Neuen Testament Transzendenzaussagen zu finden sind und es vom dem Paradox durchdrungen ist, daß gerade der heilige Gott in Christus der gnädige Gott wurde, daß gerade der ganze andere Gott in Christus ganz der Unsere wurde, daß gerade der Gott, der nicht ein Mensch ist, sondern Gott Mensch wurde, daß gerade der Adonai [Anm: Hebräisch für "Herr"] in seinem Sohn unser Abba wurde ..." usw. (Pöhlmann, Abriß der Dogmatik, 3. Auflage, S. 99)

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Eine Frage war auch, wie der Heilige Geist eine Person der sogenannten göttlichen Dreieinigkeit sein kann, wie die kirchliche Lehre behauptet.

In der Dogmen-Sammlung der katholischen Kirche wird die Frage der Trinität (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit) unter dem Titel "Gott, der Eine und Dreieine" behandelt:

"Die Wirklichkeit des dreipersönlichen Lebens in Gott ist d a s Geheimnis des Glaubens der Kirche. Gewußt werden kann das Geheimnis dreipersönlichen Lebens des einen Gottes nur aus der Selbstoffenbarung Gottes in Jesu Christus; ... auch so kann es dem menschlichen Verstand nicht innerlich einsichtig werden.

Die Selbstmitteilung Gottes an die Welt als nahegekommenes Geheimnis heißt

in seiner absoluten Ursprünglichkeit Vater;

als selber in der Geschichte handelndes Prinzip Sohn;

als uns geschenktes und angenommenes Prinzip Heiliger Geist."

Wie geheimnisvoll das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ist, zeigt der folgende Abschnitt aus der Dogmensammlung.

"Das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ist das Geheimnis von Unterschieden in Gott, die erst die volle Wirklichkeit der in sich unterschiedslosen Einheit der göttlichen Natur sind: Drei Personen sind diese göttliche Natur: der Vater, der Sohn, der Heilige Geist. Die ganze göttliche Natur mit ihren Eigenschaften ist ihr ungeteilter Besitz. Einziger Grund ihres Unterschieds sind die gegenseitigen Beziehungen, in denen sie aufgrund ihres Ursprungs diese Natur besitzen: der Vater als ursprungsloser Ursprung des Sohnes und des Heiligen Geistes; der Sohn aufgrund ewiger Zeugung durch den Vater Ursprung des Heiligen Geistes; der Heilige Geist aufgrund des Hervorgehens vom Vater und Sohn als aus einem Ursprung." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., S. 160 f)

 

"Kurz" und zusammengefaßt - ohne die in der Dogmensammlung noch eingefügten Hinweise auf Dokumente, Konzilsbeschlüsse und dergleichen - lautet die Lehre über das Geheimnis vom einen und dreieinen Gott so:

"Es gibt einen persönlichen Gott jenseits der Welt, der alle Vollkommenheit in sich enthält, der allwissend ist.

In Gott sind drei Personen: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, die die eine göttliche Natur besitzen.

In jeder dieser Personen ist die ganze, ungeteilte Gottheit.

Zwischen den drei göttlichen Personen besteht ein wirklicher Unterschied. Grund dieser Unterschiede sind die gegenseitigen Beziehungen der Personen untereinander aufgrund ihres Hervorgehens.

Der Vater hat die göttliche Natur aus sich;

der Sohn geht vom Vater hervor in ewiger Zeugung;

der Heilige Geist geht von Vater und Sohn als einem Ursprung hervor.

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist durchdringen sich gegenseitig in vollkommenstem Ineinandersein und besitzen dieselbe eine Tat nach außen in die Welt."

(Neuner-Roos, a.a.O., S. 161 f )

 

Der Prophet:

Darf ich dich unterbrechen? Die ganze Darlegung der Drei-Einigkeit wirkt derart abstrus, daß demjenigen, der daran glaubt, die Lust vergehen muß, in die göttliche Einheit einzugehen. Ich verstehe unter der Aussage "Der Heilige Geist geht von Vater und Sohn als einem Ursprung hervor" eine geistige Zeugung, denn du sagtest auch, daß der Sohn vom Vater in ewiger Zeugung hervorging. Das verstehe ich noch, weil Gott-Vater das Vater-Mutter-Prinzip verkörpert. Doch zwei "männliche" Personen, Vater und Sohn, zeugen eine weitere Person, den Heiligen Geist - wie ist das zu verstehen?

Lieber Bruder, solche Ungereimtheiten hat kein Prophet gelehrt. Jeder Prophet, vor allem der größte Prophet, Jesus, der Christus, der unser Erlöser wurde, brachte das Gott-Vater-Bild und die Sohn- und Tochterschaft im Vater, gleich Kindschaft, aber keiner sprach von drei Personen, die eine göttliche Natur sein sollen.

Das Leben ist Gott, und Gott ist Geist. Es ist der Odem, der in allem und in allen gegenwärtig ist. Aus dem Strom des Geistes, Gott, manifestierte sich Gott-Vater, das höchste Wesen der Unendlichkeit. Man kann es auch als Person bezeichnen. Der Geist als solcher, der auch in dem höchsten Wesen, Gott-Vater, wirksam ist, ist das Vater-Mutter-Prinzip, aus dem der Sohn, der Mitregent der Himmel, hervorging, Jesus, der Christus, genannt. Aus dem allströmenden, ewigen Heiligen Geist, dem Odem, Gott, der im Vater auch das Prinzip der Mutter verkörpert, gingen alle göttlichen Wesen hervor.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Darum war ich ja vorhin ratlos und verlegen. Du gibst uns diese Worte aus einer inneren Schau heraus. Sie erinnern mich auch an Erkenntnisse, die dem Origenes in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts vertraut waren. So nimmt er, um sich einen Begriff von Gott machen zu können, z.B. die Helligkeit und den Glanz der Sonne zu Hilfe: "Der Glanz der Sonne ist unermeßlich größer und erhabener als das Licht, das du siehst ... Unsere Augen können zunächst die Natur des Lichtes selbst - das heißt die Substanz der Sonne - nicht anschauen; wir können aber ihren Glanz oder die Strahlen betrachten, die etwa durch Fenster oder kleine Lichtöffnungen einfallen, und daraus schließen, wie groß die glühende Masse ist, der das körperliche Licht entströmt. So sind auch die Worte der göttlichen Vorsehung und der kunstvolle Bau dieses Alls gleichsam Strahlen von Gottes Natur im Vergleich zu Seiner Substanz und Natur selbst." (vgl. Origenes, princ. I 1, 5.6)

Über Christus sagt Origenes z.B.:

"Christus ist das vollkommene Ebenbild Gottes ... Er ist die Weisheit Gottes, die Ausstrahlung Seiner Vollkommenheit und Herrlichkeit, ‘geschaffen’ als Anfang der Werke Gottes - wenn nämlich alles, was der Vater tut, auch der Sohn gleichermaßen tut, dann wird dadurch, daß der Sohn alles so tut wie der Vater, das Bild des Vaters im Sohne nachgeformt, der ja aus Ihm geboren ist." (vgl. Origenes, princ. I 1, 2.6)

Auch Origenes war ein Glied in der Kette, durch das die Botschaft Gottes wahrheitsgetreuer hätte zu uns kommen sollen. Anstelle dessen sind kirchliche Richtlinien konstruiert worden, an denen sich der katholische Theologe zu orientieren hat.

Jesus hat kein Wort über einen "dreifaltigen Gott" gesagt.

Er hat von Seinem Vater gesprochen und von der Einheit mit Ihm.

Er hat gesagt, daß Er uns einen Tröster bzw. Helfer schicken würde (Joh 16, 7).

 

Die Lehre von der "Dreifaltigkeit" ist erst im 4. Jahrhundert festgelegt worden. Wie kam es dazu?

Je mehr die Botschaft von Jesus im Römerreich Fuß faßte, um so mehr wurde sie mit dem Götterglauben der Römer konfrontiert. Zwar war die Botschaft vom e i n e n Gott klar - aber wer war dann Jesus, der der Sohn Gottes ist? Immer mehr entdeckten römische Neuchristen, die innerlich römisch gesinnt geblieben waren, Parallelen zu ihrem einstigen Glauben, der vor allem in der Verehrung einer Götter-Trias (einer Götter-Dreiheit) zum Ausdruck kam. Für einen Römer war die Dreiheit Jupiter (als Göttervater), Juno (als dessen Gemahlin) und Minerva (als deren Tochter) wichtig; sie galten als die Haupt- und Schutzgottheiten des römischen Staates.

Die römischen Christen begrüßten es, wenn ähnliches wie das, was sie gewohnt waren, im neuen christlichen Glauben zum Vorschein kam; um so weniger hatten sie von ihrem hergebrachten Glauben aufzugeben. Je mehr "Römer" dazukamen, desto weniger hatten die Ur-Christen zu sagen.

Daß sich der Begriff "Trinität" oder "Dreifaltigkeit" in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts durchgesetzt hat, ist nicht zuletzt geschichtlich bedingt und heißt nicht, daß er richtig ist. Im Gegenteil, er ist als Glaubenswahrheit sinnwidrig und unbegreifbar, und er entbehrt wirklich jeder biblischen Grundlage.

 

Der Prophet:

Meines Erachtens begann mit den sogenannten "Geheimnissen Gottes" die Vernebelung der Gläubigen, die dann zum System erhoben wurde. Die Priesterkaste hat sich also über die Menschen erhoben, ebenso über die logische und schlichte Lehre des Jesus von Nazareth und somit über Gott selbst. Jeder von uns bekam in sein irdisches Dasein einen Verstand mit, der dazu gebraucht werden sollte, zu denken und, wenn möglich, logisch zu denken, indem man wägt und nicht alles annimmt, was einem vorgesetzt wird.

Deshalb behaupte ich, daß das Kirchenvolk selbst schuld ist, wenn es ein heidnisches und mittelalterliches Priesterkastensystem befürwortet, das seine Gläubigen mit seinem "credo quia absurdum" unter der Knute hält.

Die Menschheit bedürfte weder der Kulte noch der Bräuche, würde sie Jesus, dem Christus, nachfolgen, denn Er hat weder Kult noch Brauchtum eingeführt. Nach zweitausend Jahren kann man immer noch sagen: Heiden folgen Götterdienern, die heidnische Bräuche als Ritual anwenden, um ihre Nachfolger in Stimmung zu halten.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Kulthandlungen für die Gottheiten setzten sich fort bis in die heutige Zeit. Menschen befürworten Mittler zwischen Gott und sich, in der Ansicht, sie könnten nicht selbst vor Gott hintreten. Also erwartete und erwartet man das von anderen - man übertrug die Kommunika-tion mit Gott an bestimmte Menschen, die daraus eine geistige Machtstellung entwickelten und die sich "weihen" oder "ordinieren" ließen. Daraus entstand in der katholischen Kirche die Trennung in "Kleriker" (Auserwählte) und "Laien" (zum Volk gehörend); also Klerus und Volk. Damit wurden die Priester und Pfarrer natürlich zu etwas ganz Besonderem hochstilisiert. Im Gegensatz zu der Aussage Jesu "Du sollst dich nicht Rabbi nennen lassen: Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder" sind sie plötzlich "Mittler" von Mensch zu Gott.

Mit der Einführung von "Sakramenten" erhielten sie aus theologischer Sicht eine ganz besondere Bedeutung für die Verbindung zu Gott, wiederum im Gegensatz zu der klaren Aussage Jesu "Keiner kommt zum Vater denn durch Mich".

 

Der Prophet:

Von der Priesterkaste kommen immer wieder viele Skandale ans Tageslicht; viele jedoch bleiben Geheimnisse des einzelnen Priesters und Pfarrers. Vielleicht denkt er sich dabei gar nichts, denn er ist ja der irrigen Meinung, daß auch Gott vor den Menschen Geheimnisse habe. Selten denkt ein Mensch darüber nach, selten insbesondere auch der sich "weise" dünkende Theologe, daß sich der Mensch mehr und mehr von Gott abgewendet hat, indem er sein Sündhaftes pflegte und pflegt und dieses ungern preisgibt. Weil der Mensch durch die Sünde eine Kluft schuf zwischen Gott und sich und selten eine Brücke schlägt zu Gott, unserem ewigen Vater - indem er tut, was Jesus, der Christus, wollte, nämlich die Erfüllung der Gebote Gottes und Seiner Bergpredigt -, bleibt ihm zuletzt nichts anderes übrig, als seine eigenen Geheimnisse, seine Nebelschwaden, Gott anzudichten. Der Theologe kann seine Geheimnisse, seine verborgenen Skandale, durch seine Tracht, durch sein Ansehen als Priester oder Pfarrer und durch sein Scheingehabe im Namen Jesu Christi verstecken. Aufgrund dieser Tarnung bleibt das Volk weiter getäuscht, da es nicht geschult ist, hinter die Maske der Theologen zu blicken.

Die amtierenden Theologen, die Priester, verlangen jedoch, daß das gläubige Kirchenvolk ihnen seine Geheimnisse beichtet. Gott kann man weder hinter das Licht führen, noch kann man Ihn studieren. Gott ist das Licht, das wir Menschen nicht hintanstellen können, das aber auch nicht studiert werden kann, sondern im Herzen erlebt werden soll durch die Erfüllung der Gebote Gottes und der Bergpredigt Jesu. Dazu bedarf es nicht des sündigen Ohres des Priesters im Beichtstuhl.

Für mich ist die Theologie eine Verschleierungsstrategie, eine Lehre, um die schlichte Nachfolge des Jesus, also die Lehre Jesu, so zu verbrämen und zu verbiegen und mit gesalbten Worten dementsprechend zu lehren, daß das einfache Volk den Macher nicht erkennt, der sich Theologe nennt und sich vielfach in eine Priesterkaste einreiht.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Leider muß ich zugeben, daß du recht hast, denn viele Menschen haben das Gefühl, daß Gott ohne Priester oder Pfarrer gar nicht spürbar oder gegenwärtig sei. Ich muß einräumen, daß eine solche Iden-tifikation mit der Gegenwart Gottes, die Priester und Pfarrer für sich in Anspruch nehmen, natürlich verheerend ist. Viele Gläubige nehmen unbesehen an, daß die Priester das, was sie lehren, auch glauben und vor allem, daß sie die Gebote Gottes halten. Kommen Skandale an die Öffentlichkeit, dann sind auch die Reaktionen entsprechend.

Beim Kirchenvolk z.B. ist es zunächst die Enttäuschung darüber, daß man solchen Pfarrern und Bischöfen geglaubt hat. Betrifft es sexuelle oder finanzielle Vergehen, so kommt all das hoch, wovon die Pfarrer zwar immer predigen, was sie aber selbst nicht halten. Schließlich beginnen die Menschen an Gott zu zweifeln. Sie glauben nicht mehr an das, wovon der Pfarrer sprach und spricht, was er aber selbst nicht tat und tut. Gott wird über Bord geworfen, weil das Volk oft nur den "Gott der Kirche" kennt.

In unseren Gesprächen zweifelst du die Dogmen, Sakramente und Riten an und stellst ihnen - zu Recht - die Lehre Jesu gegenüber. Auch hier kann ich nur darauf hinweisen, daß das ganze "Brimborium" der katholischen Institution - wie du es nennst - von der Vergötterung der vielen Götter aus der heidnischen Zeit abgeleitet ist. Durch die Erziehung und Beratung seitens der Eltern, Lehrer, Verwandten eines Theologieaspiranten wird kaum etwas in Frage gestellt, was die Priesterkaste praktiziert und lehrt. Z.B. sind die Dogmen ein "Gebäude", in das der angehende Priester bzw. Theologe einfach hineingeführt wird. Die Erziehung und Ausbildung hin zum Berufs-Theologen erfolgt deshalb auch gern abgeschieden von der Außenwelt in Internaten und in Seminaren.

Während meines ganzen Theologiestudiums haben meine Professoren nie erörtert, ob die Dogmen dem Willen Gottes entsprechen oder nicht.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Über den Willen Gottes haben auch wir im Studium kaum gesprochen. Jeder Professor hat anders gelehrt und je nachdem die Studenten beeinflußt.

Es gab allerdings so etwas wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich die Berufung auf die Bibel und auf die evangelischen Bekenntnisschriften als Auslegung der Bibel gemäß dem evangelischen Bekenntnis.

Bevor ein Pfarrer seinen als "lebenslang" gedachten Amtseid ablegt, gibt er eine Stellungnahme zu "Bibel und Bekenntnis" ab.

Der kleinste gemeinsame Nenner wird dadurch weiter verkleinert, daß diese Grundlagen sehr dehnbar sind und der eine gerade das Gegenteil von dem aus der Bibel herausliest, was ein anderer darin findet. Und eine Aussage wie "Das Bekenntnis zu diesem oder jenem Glaubenssatz ist nicht mehr zeitgemäß" wird vielfach toleriert.

So reduziert sich der kleinste gemeinsame Nenner oft auf eine positive Grundhaltung diesem Bekenntnis gegenüber, und jeder hat eine gewisse Freiheit, in diesem Rahmen zu glauben und zu lehren, was er für richtig hält. Diese "Freiheit" gilt in der evangelischen Kirche als besonderes "Gütezeichen".

Wie soll man in einer solchen Umgebung sinnvoll nach dem Willen Gottes fragen und eine Einigung erwarten können? Das Ergebnis wäre eine weitere Steigerung der bekannten Vielfalt und Gegensätzlichkeit von Meinungen.

 

Der Prophet:

"Meinung" heißt: Es könnte sein - aber ich weiß es nicht. Und "gegensätzliche Meinungen" heißt für mich: Jeder glaubt das und sagt das, was er meint. Wie du sagst, gilt das auch für die Pfarrer. Wozu brauchen wir dann Priester und Pfarrer? Jeder Mensch kann sich dann seine Meinung über die Bibelauslegung machen, und so, wie er denkt, kann er es für sich auch sehen. Steht nicht irgendwo, daß die Bibel Gottes Offenbarung ist und von ihr kein Wort, gleichsam kein Jota, weggenommen werden darf?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Es steht in der Offenbarung des Johannes: "Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens ..." (Off 22, 19)

In der Bergpredigt finden wir den Satz "... wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen [Jota] vom Gesetz." (Mt 5, 18)

In der Dogmensammlung der katholischen Kirche heißt es unter anderem: "Vielmehr sind alle Bücher, die die Kirche als heilig und kanonisch anerkennt, vollständig mit allen ihren Teilen unter Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt." (Neuner Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., 1986, Nr. 106)

 

Der Prophet:

So mancher Theologe macht also den Gläubigen weis, daß die Bibel wortgetreu genommen werden müsse. Wie verhält es sich dann mit der Vielfalt und den Gegensätzlichkeiten von Meinungen, die Theologen aus der Bibel herauslesen können, so, wie sie wollen? Wozu also Theologen, wenn kein Verlaß auf sie ist? Wozu also beamtete Pfarrer und Priester, wenn jeder doch herauslesen kann, was er will?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Man könnte auch fragen: Warum gibt es so viele Konfessionen und so viele unterschiedliche kirchliche Richtungen, Gruppen und Kreise? Weil jeder - wie du sagst - aus der Bibel und aus den kirchlichen Lehren das herausliest, was er möchte - oder das, von dem er glaubt, Gott habe es hineingelegt. Ein Theologe kann die jeweilige Position dann mit Hilfe seines Fachwissens irgendwie "begründen". Manches geschichtliche oder sprachwissenschaftliche Gedankengut ist zwar kaum umstritten. Darüber hinaus kommt es aber oft darauf an, welcher "theologischen Richtung" der Theologe sich zugehörig fühlt. Manche Kirchenmitglieder suchen nur Theologen bestimmter Richtungen auf oder wünschen sich einen Pfarrer mit einer bestimmten Prägung - nämlich der, die man selbst für richtig hält. Ändert jemand seine Überzeugungen, weil ihn z.B. ein Theologe einer anderen Richtung überzeugte, löst das oft große Unruhe in seinem bisherigen Umfeld aus.

Aufs ganze gesehen haben die Theologen weit mehr Verwirrung bzw. Durcheinander angerichtet als aufgeklärt. Um den Weg zu Gott zu finden, braucht es weder Theologen noch Pfarrer noch Priester. Und auch derjenige, der sich die Freiheit nimmt, das zu glauben, was er eben für richtig hält, kann ohne Theologen zurechtkommen. Die Frage "Was will Gott?" wird im Studium ohnehin nur selten gestellt.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Auch ich muß sagen: Studiert wird nicht, um nach dem Willen Gottes zu fragen. Studiert wird in den theologischen Fakultäten, um sich die Bibeltexte anzueignen, zu lernen, geschliffene Reden zu führen, für die auch die Tonlagen eingeübt werden, damit man den Gläubigen die einstudierten Riten, Sakramente und Dogmen entsprechend nahebringen kann.

 

Der Prophet:

Es ist eigentlich eine ganz logische Folge, daß z.B. die Eltern und Verwandten eines Theologieaspiranten sich keine Gedanken machen, woher das ganze Dogmengebäude, die Kulthandlungen und alle anderen zeremoniellen Abläufe kommen. Wer die Worte Jesu "Zuerst lehret, dann taufet" nimmt und dann die bewußte Verdrehung durch die Priesterkaste in "Taufet, und dann lehret" betrachtet, dem wird bewußt, daß Jesus die Freiheit lehrte, die Priesterkaste hingegen die Indoktrination anstrebte und anstrebt durch die Umdrehung der Gesetzmäßigkeit "Lehret, und dann taufet" in "Taufet, und dann lehret".

Durch das Prinzip der Unfreiheit "Taufet, und dann lehret" erfolgte und erfolgt von Kindheit an die Indoktrination in Kirchensysteme hinein, die wohl von Jesus, dem Christus, sprechen, aber selten tun, was Jesus wollte. So kann man sagen: Der Schein heiligt die Mittel. Und das Mittel ist der Zweck: Indoktrination. Selten denken indoktrinierte Eltern darüber nach, ob ihr Sohn, z.B. der Theologieaspirant, nicht von Kräften inspiriert wird, die letztlich gegen die Lehre Jesu sind, obwohl sie des Scheins wegen Jesus, den Christus, in den Mund nehmen - wahrhaft in den Mund, denn oftmals ist das Herz auf der theologischen Ausbildungsstrecke geblieben.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Durch die Indoktrination kamen bei mir - und ich weiß es auch von anderen - erst viel später die Zweifel, irgendwann im Einsatz in der Pfarrei oder in der Mission.

Beim sogenannten "Kirchenvolk" ist die Gesamtheit der Dogmen größtenteils unbekannt. Die kirchlich Gläubigen kennen meist nur einige wenige Glaubenssätze und Glaubensverpflichtungen, wobei viele nicht unterscheiden, was Dogma und was Kirchengebot ist. Dogmen sind Aussagen über einen Inhalt des katholischen Glaubens, die Glaubensverpflichtung sind. Kirchengebote hingegen sind Regeln des Kirchenlebens, z.B. die Pflicht zum sonntäglichen Besuch der Messe.

 

Der Prophet:

Du sprichst von der Glaubenspflicht und von dem Kirchenleben, das u.a. die Pflicht zum sonntäglichen Besuch der Messe vorgibt. Jesus, der Christus, hat nicht von einer Verpflichtung gesprochen und auch nicht von einem Kirchenleben. Ich mache einen Unterschied zwischen Verpflichtung und Pflicht. Die Verpflichtung sagt: Ich "muß" nach bestimmten Regeln leben. Die Pflicht eines Christen - der sich Christ nennt - ist, die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu zu erfüllen. Ein "Muß" ist darin nicht enthalten.

Wer sich jedoch Christ nennt, sollte sich die Frage stellen: Ist es moralisch und charaktervoll, sich Christ zu nennen und dennoch genau das Gegenteil von dem zu tun, was Jesus, der Christus, lehrte? Deshalb rate ich - und es ist ein Rat und keine Verpflichtung - den Theologen und den ihnen Hörigen: Schlagt die Bibel zu! Denn was viele, die sich Christen nennen, von sich geben und tun, entspricht nicht nur nicht der Lehre Jesu, des Christus, sondern es ist genau das Gegenteil. Jesus lehrte auch nicht ein Kirchenleben und die Pflicht, sonntags eine Messe zu besuchen. Gott lehrte den Sabbat, der geheiligt werden soll, so daß der Mensch sich von den alltäglichen Abläufen der Arbeit erholt, um in Harmonie zu gelangen, damit er das Innerste seines Tempels aufsuchen kann, um Gott in sich selbst zu finden, denn Jesus lehrte, daß jeder Mensch der Tempel Gottes ist und der Geist inwendig in jedem Menschen wohnt.

 

So manche Wahrheit schimmert noch durch die Bibel. Um sie zu finden, bedarf es des Herzensdenkens, das bei vielen Priestern und Pfarrern durch das Theologe-Sein vergraben wurde, da Theologie ein zweckgebundenes Mittel ist, das heißt ein Beruf. Die Kulthandlungen wurden aus der Zeit des Heidentums und somit aus der Vielgötterei übernommen und von der Priesterkaste vielfach den Propheten des Alten Testamentes angedichtet, also in die Bibel hineingedichtet. Im Alten Testament stößt man auf blutrünstige Geschichten. Gott hätte angeblich befohlen, die Nachbarvölker zu überfallen und umzubringen, Rache am Nächsten zu nehmen. Der Gott, von dem wir im Alten Testament lesen, war ein grausamer Gott, der durch die Propheten angeblich sprach, Tieropfer und Blutopfer darzubringen und nicht zuletzt Menschenopfer durch die Befürwortung der Kriege und dergleichen. Jesus lehrte einen anderen Gott, einen Gott der Liebe, einen Vater, der alle Seine Kinder liebt.

Welcher Gott sprach im Alten Testament - aber nicht durch die Propheten; das wurde ihnen nur angedichtet -, und wer sprach im Neuen Testament durch Jesus? Im Alten Testament brachte die Priesterkaste in die uns überlieferten Worte der Propheten ihre eigenen Vorstellungen ein, die noch in der blutrünstigen Vielgötterei verhaftet waren. Unter Berufung auf das Neue Testament betreibt die Priesterkaste von heute weiterhin heidnische Kulthandlungen.

Seit Jesus sind zweitausend Jahre vergangen. Die Lehre Jesu, die den liebenden, ewig gütigen Vater beinhaltet, ist der Theologie zum Opfer gefallen.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Dieses Bild vom liebenden, ewig-gütigen Vater unterschied sich zu Jesu Zeit von anderen Gottesvorstellungen - sowohl im Volk Israel als auch in den Nachbarvölkern mit Vielgötterei. Wie es Jesus sagte und auch lebte, war es klar und eindeutig. Dennoch gelang es der Priesterkaste, das Grausame und Kultische des alttestamentlichen Gottesbildes weiterzutragen und in das Christentum hineinzutragen.

Die heidnischen Kulthandlungen entsprachen dem Glauben an die verschiedenen Götter, gleich Götzen. Der steinerne Altar nimmt auch in den alttestamentlichen Schriften weiten Raum ein; das heißt, nicht nur die Worte und Gebete waren wichtig, sondern dem Materiellen, dem Sinn-Fälligen, dem Opfertier, dem Weihrauch, dem Wasser, dem Öl und den speziellen Kleidern, wurde große Bedeutung beigemessen.

 

Der Prophet:

Was ist heute anders? Die Kulthandlungen sind nur subtiler und aufwendiger. Der Materialismus der Kirchen ist zum Reichtum geworden durch die zahlenden Gläubigen.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Bezüglich der subtiler gewordenen Kulthandlungen möchte ich folgendes sagen: Zur Einhaltung der Dogmen wurden seit Jesus Kulthandlungen neu entwickelt, ähnlich wie im Heidentum, z.B. zur Bestärkung des Dogmas der Dreifaltigkeit das Kreuzzeichen, das dreifache Inzensieren (mit dem Weihrauchfaß schwenken), die Ausschmückung des Kultraumes (Tabernakel, "ewiges Licht", Taube ...) oder all die Zeremonien und Kulthandlungen der Karwoche, auch die vielen Prozessionen und die zahlreichen Zeremonien bei der Sakramentenspendung.

Altäre wurden aus den vorhergehenden Jahrtausenden übernommen; sie waren auch bei den Israeliten in Gebrauch. Abraham kam aus dem Volk in der Gegend von Ur. Zwar hat er den Glauben an die Götter seiner Väter verlassen - da er die Stimme von Gott, dem Einen, in seinem Inneren wahrnahm, Dem er folgte -, doch die äußere Zeremonie des Opfers an seinen Gott behielt er bei. Die Erkenntnis des Einen Gottes war sein erster Schritt weg von der Vielgötterei.

Als Abraham glaubte, daß dieser Gott von ihm fordere, seinen Sohn zu opfern, wurde er vom Engel belehrt, daß es nicht um Menschenopferung, also um Blutopfer ging, sondern um das Aufgeben von Bindungen und Abhängigkeiten. Damit lehrte ihn Gott das Erste Gebot: "Du sollst keine fremden Götter neben Mir haben", wie z.B. Bindungen an und Abhängigkeiten von Menschen. Der Bericht von 1. Mose 22 zeigt das Bewußtsein jener Menschen an, die folgendes aufgeschrieben haben: "Der Engel des Herrn vom Himmel sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen."(V. 12)

 

Wenn ich an dein Wort von den "Zeremonienmeistern" denke, fällt mir auch der Abendmahlsbericht ein. Wie sich daraus eine Opferhandlung entwickeln konnte, wie sie heute in der katholischen Kirche praktiziert wird, ist ohne heidnische Einschübe kaum zu erklären, wenn man bedenkt, was Jesus von Nazareth sagte und wollte: Beim Abschiedsmahl mit den Seinen sprach Er davon, daß Er Sein Leben hingeben werde und reichte Seinen Aposteln Brot und Wein als Symbol für die Hingabe Seines Leibes und Blutes. Er gebot ihnen zugleich, das Abendmahl auch in Zukunft zu Seinem Gedenken miteinander zu feiern und Brot und Wein als Symbol der inneren Stärkung durch Ihn entgegenzunehmen. Aber Er sagte nicht, daß aus diesem Gedächtnismahl das Ritual eines Sühneopfers werden solle, bei dem Priester mit Hilfe einer magischen Formel Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu verwandeln und auf einem Altar Gott als Versöhnungsopfer darbringen.

Mir ist bewußt geworden: Wenn Jesus heute käme, wäre eine nächste "Tempelreinigung" fällig.

Entsprechendes könnten wir übrigens von allen Sakramenten sagen:

Jesus hat nicht getauft;

Jesus hat keine Beichte gehört;

Jesus hat keine Kommunion gespendet;

Jesus hat nicht gefirmt;

Jesus hat keine Priester geweiht;

Jesus hat keine Ehen gesegnet;

Jesus hat keine Krankensalbung ausgeführt.

All die Zeremonien und Kulte sind Entwicklungen in Anlehnung an die Völker mit Vielgötterei.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Die katholische Kirche hebt aus vielen kirchlichen Handlungen sieben sogenannte Sakramente, sogenannte "Gnadenmittel", hervor, Taufe, Firmung, Eucharistie, Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe. Die evangelische Kirche hat diese Zahl auf zwei bis drei reduziert, auf die Taufe und das Abendmahl, eventuell noch die Beichte bzw. Buße. Kriterium für ein Sakrament nach katholischer und evangelischer Lehre ist, daß es von Jesus so eingesetzt sein soll. Damit verbunden sei ein äußeres Zeichen.

Fragt man aber bei Jesus von Nazareth nach, dann wird deutlich, daß Er keine solchen Sakramente eingesetzt hat.

Jesus sagte: "Lehret, und dann taufet" (Mt. 28, 19). Doch nicht eine äußere Taufhandlung war Ihm dabei wichtig, sondern die innere Geisttaufe. Menschen, die festen Schrittes und geradlinig den Weg zum Herzen Gottes gehen und die Geisttaufe empfangen haben, werden in die Mitte der geistig Getauften aufgenommen.

In den Kirchen wird weiter behauptet, in der Taufe handle Gott selbst, Er schließe dabei einen Bund mit uns. Damit wird unterstellt, Gott würde bei der Zeremonie im kirchlichen Sinne handeln und auch eine Kirchenmitgliedschaft begründen. Doch Gott wird nur vereinnahmt. Nicht Gott handelt, sondern die Pfarrer und Priester. Nie hat Jesus eine solche Lehre vom Handeln Gottes während eines Sakraments oder einer Zeremonie verkündet.

 

Die Säuglingstaufe, die von der evangelischen Kirche zur verpflichtenden Form der Taufe gemacht wurde, lehrte Jesus nie, denn jeder Mensch soll frei entscheiden können. Zuerst kommt das Lehren, wie es auch in der Bibel heißt; dann kann sich der Mensch entscheiden: dafür oder dagegen. Entscheidet er sich dafür und lebt er danach, kommt irgendwann die Zeit für die geistige Taufe. So hat es Jesus gewollt.

Doch die evangelischen Kirchen haben es nie so gehalten. 1956 änderten sie darüber hinaus ihre Lutherbibel. Das Wort "lehren" wurde jetzt mit "zu Jüngern machen" übersetzt.

In neueren Lehrbüchern, zum Beispiel für den Konfirmandenunterricht, wird aber im Hinblick auf diese Stelle plötzlich sinngemäß behauptet, schon die Säuglinge sollten "zu Jüngern gemacht werden", indem man sie tauft. Das "Lehren" fiel in diesem Zusammenhang unter den Tisch. So kam es zur Verfälschung des Jesuswortes.

 

Der Prophet:

In der Bibel steht doch sinngemäß geschrieben, man darf kein Jota, kein Wort, verändern. Oder hat Gott für die lutherische Kirche Ausnahmen gemacht? Sollen die Säuglinge durch die Säuglingstaufe zu Jüngern, zu Nachfolgern der lutherischen Kirche gemacht werden? Hat Jesus das so gelehrt?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

In diesem Fall hat sich durch die veränderte Übersetzung die verfälschte Bedeutung eingeschlichen.

Die Säuglingstaufe bedeutet für den Säugling die Mitgliedschaft in der lutherischen Kirche, was später z.B. die Kirchensteuerpflicht begründet. Wer einen Säugling tauft, handelt gegen den Willen von Jesus, dem Christus.

Dennoch besteht die Kirche darauf. Als ein mir bekannter evangelischer Diakon unter Berufung auf Jesus seinen Sohn nicht als Säugling taufen ließ, um ihm später selbst die Entscheidungsfreiheit zu überlassen, ergriff ein Dekan sogar dienstrechtliche Maßnahmen gegen ihn. Der Diakon mußte seine Arbeitsstelle in der Jugendarbeit verlassen und durfte mit seiner Einstellung zur Säuglingstaufe beruflich nicht mehr in diesem Bereich eingesetzt werden.

So ist die Taufhandlung mit Wasser bei Säuglingen ein kirchliches Sakrament, aber es hat nichts mit Jesus von Nazareth zu tun.

Auch das kirchliche Sakrament des Abendmahls hat Jesus nicht eingesetzt. Als Er beim Mahl mit Seinen Jüngern sagte "Tut dies zu meinem Gedächtnis", da dachte Er nicht an Männer im schwarzen Gewand, die in Kirchengebäuden vor einem Altar stehen, die Menschen nach vorne rufen und ihnen eine Hostie als äußeres Zeichen eines Sakraments reichen.

Woran Jesus dachte, war ein echtes Gemeinschaftsmahl in Seinem Geiste und ohne Priester.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Zu den katholischen Sakramenten gehört das Sakrament der Priesterweihe. Für wie wichtig in den Kirchen der "Zeremonienmeister" gehalten wird, zeigt insbesondere auch das ganze Drumherum und der Aufwand bei einer Primiz (= erster Gottesdienst, den ein neu geweihter "Gottesdiener" feiert). Es wird zu einer großen Festlichkeit mit ausgelassener Stimmung, einer Feier, in der das Volk, die Jugend, die Chöre und Musikanten eingesetzt werden. Während das Letzte Abendmahl unseres Herrn zu den schwersten Stunden Seines Lebens gehört, wird das erste Meßopfer des Primizianten zu einem Volksfest. Erst nach vielen Jahren der Ausübung meines Priesterberufes wurde mir plötzlich bewußt, daß bei der Primiz ein Mensch im Mittelpunkt steht, der mit besonderen Kleidern, Gefäßen und Hilfeangeboten beschenkt wird, damit er ein treuer "Opferpriester" sei.

 

Der Prophet:

Das Opfertier ist der Mensch, der nicht nur Kirchensteuer bezahlt, sondern durch seine Steuern an den Staat zusätzlich die Kirche unterstützt, einerlei, ob er kirchliches Mitglied ist oder nicht. Der Gläubige trägt darüber hinaus zum Reichtum der Institutionen Kirche bei, indem er die Opferstöcke und Klingelbeutel füllt, und des weiteren bei seiner kirchlichen Trauung, bei seiner Beerdigung oder bei der Taufe seiner Kinder und bei vielen weiteren Anlässen zahlt bzw. reichlich spendet.

Der Lohn eines Pfarrers oder Priesters, der in die Kirche eingebunden ist, fließt aus vielen Quellen in die Kirchenkassen - durch die Staatssubventionen, die das Volk bezahlt, gleich, ob gläubig oder nicht gläubig, durch Kirchensteuer, welche der Gläubige bezahlt, durch Kirchgeld, durch Spendenaufrufe, durch Erbschaften, über die Opferstöcke und über den Klingelbeutel, die wieder vom Volk gefüllt wurden und werden, auf daß die Kirche an Reichtum zunahm und somit reich ist.

Es stellt sich die Frage: Welchem Berufstätigen geht es ebensogut wie einem amtierenden Theologen?

Durch den mannigfachen unvorstellbaren und geheimgehaltenen Reichtum der Amtskirchen, die sicherlich nicht mehr durch das Nadelöhr kommen, von dem Jesus sprach - "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt" -, entfaltete sich mehr und mehr der Machtanspruch der Priesterkaste, die vielfach über den Staat ihren Willen ausführen ließ und läßt, seit Konstantin die Romkirche zur Staatskirche machte. Man nennt sie die "christliche" Kirche, aber mit der Lehre des Jesus, des Christus, hat das Ganze kaum mehr etwas zu tun. Jesus lehrte unter anderem: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen." Und gegen Ende der Johannes-Offenbarung heißt es zu Recht in bezug auf die Hure Babylon, das Symbol einer verweltlichten Kirche: "Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

Bezüglich der evangelischen Kirche sagte am 29.12.1997 der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland der deutschen Presse: "... und wir sind zwar immer noch eine reiche Kirche." Es stellt sich die Frage: Wer hat die evangelische Kirche reich gemacht? Wieder der Kirchensteuerzahler und der Staat durch seine Subventionen. Was würde Jesus dazu sagen?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Jesus von Nazareth rief: "Weh euch Reichen" (Lk 6, 24), und Er hat Seinen Nachfolgern keine Finanzierung durch eine Kirchensteuer gelehrt. Die Steuer wurde im 19. Jahrhundert eingeführt und verhalf der katholischen und den evangelischen Kirchen in den neunziger Jahren zu jährlichen abzugsfreien Einnahmen von ca. 17 Milliarden DM. Weitere Milliarden erhalten die Kirchen jährlich durch - wie du sagst - die staatlichen Subventionen. Dazu gehören hauptsächlich die über vier Milliarden für den konfessionellen Religionsunterricht beider Kirchen an staatlichen Schulen und die sogenannten "Dotationen". Letztere sind Entschädigungen, die seit 1817 jährlich für Verstaatlichungen größtenteils aus der Zeit unter Napoleon an beide Kirchen gezahlt werden.

Bei dem verstaatlichten Besitz handelte es sich zum Beispiel um Ländereien, die durch kriegerische Auseinandersetzungen in die Hände der Kirchen gekommen waren oder durch Beschlagnahmung des Besitzes ihrer Opfer nach Hexen- und Ketzerverbrennungen. Dennoch werden die katholische und die evangelischen Kirchen für deren teilweisen Verlust seit fast zwei Jahrhunderten Jahr für Jahr entschädigt.

Jesus von Nazareth hat Seine Nachfolger auch nicht gelehrt, daß sie auf diese Weise zu reichen Kirchen werden sollen.

In den Konkordaten oder Staatskirchenverträgen sicherten sich die Kirchen noch weitere staatliche Milliardenleistungen, zum Beispiel die vollständige Finanzierung der mehrjährigen Theologenausbildung an den Universitäten oder kirchlichen Hochschulen oder die Finanzierung von Gefängnis- und Militärseelsorge.

Zu den laufenden Zahlungen an die Amtskirchen wurden in den letzten Jahren auch die neuen, ostdeutschen Bundesländer durch entsprechende Verträge verpflichtet, obwohl dort etwa vier Fünftel der Bewohner keiner Kirche angehören.

So flossen jährlich vielfach neue Gelder zu den bereits bestehenden Vermögensrücklagen hinzu.

Bei der katholischen Kirche geht man von 80 - 100 Milliarden DM Vermögensrücklagen aus, bei den evangelischen Kirchen schätzt man ebenfalls Rücklagen in entsprechender Milliardenhöhe. Dazu kommen die Grundstücks- und Immobilienwerte, die allein im katholischen Bereich bei umgerechnet ca. 400 Milliarden DM liegen. Zwar wenden die Kirchen ein, manche Immobilie sei unverkäuflich, doch mittlerweile wurden schon evangelische Kirchengebäude in Restaurants, Sportzentren oder Museen umgebaut, oder es wurden Wohnungen eingebaut, womit neue Einnahmemöglichkeiten entstanden. Kirchliche Ausstattungs- und Kultgegenstände, in denen viel Gold und Edelsteine verarbeitet sind (Kelche, Tragkreuze etc.) werden nicht einmal zum Vermögen hinzugezählt.

Soweit zur Situation in Deutschland. Auch in Österreich und in der Schweiz erhalten die Kirchen Milliardenunterstützung; in der Schweiz müssen sogar Unternehmen Kirchensteuer zahlen.

Mit Jesus von Nazareth hat das alles nichts zu tun. Nirgends hat Er für sich und für Seine Jünger um staatliche Unterstützung oder Finanzierung gebeten. Sie lebten nach dem Gebot "Bete und arbeite" und nicht nach dem Gebot: "Laß dir auch deine Gebete bezahlen!"

Und in der Bergpredigt warnte Jesus: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden ..." (Mt 6, 19) Die Kirchen aber sammelten Schätze auf Erden.

Jesus sagte: "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege." (Mt 8, 20)

Dies ist auch ein Symbol für Seine Nachfolger. Sie sollten keinen irdischen Ort als ihre Heimat ansehen und sich an diesen binden.

Die Kirchen jedoch haben sich millionen- und milliardenschwer an irdische Orte, vielfach Palais und Paläste, gebunden, und der Staat hat sich sogar verpflichtet, für den Unterhalt von vielen tausend Gebäuden aufzukommen. Zusätzlich zu diesen "Baulast"-Verpflichtungen des Staates zugunsten der Kirchen fließen den kirchlichen Institutionen über die sogenannte "Denkmalpflege" staatliche Mittel in Höhe von jährlich ca. 270 Millionen DM zu.

Weitere Millionensummen addieren sich bei den sogenannten "Reichnissen" (= Abgaben an Getreide, Fischen, Holz und vielem mehr), zu denen sich der Staat in früheren Jahrhunderten verpflichtet hat, um die Pfarrer zu ernähren, und die es in manchen Landesteilen auch heute noch gibt.

Obwohl Personalkosten heute mit Hilfe der Kirchensteuer oder direkter staatlicher Zahlungen finanziert werden, lassen sich die Kirchen auch ihre Reichnisforderungen in Geld umrechnen und von der öffentlichen Hand auf ihre Konten überweisen; es sei denn, die staatlichen Behörden befreien sich davon durch hohe Ablösesummen, etwa das 25fache des jährlichen Betrages.

Was das im einzelnen für die Bürger bedeuten kann, zeigt das Beispiel von Karlstadt, einer Stadt mit 14000 Einwohnern im deutschen Landkreis Main-Spessart: Wie andere Städte und Gemeinden ist auch Karlstadt Jahr für Jahr noch "reichnispflichtig". Für die Stadt hätte eine Ablösung im Jahr 1997 eine Summe von über einer halben Million DM gekostet, welche an die Amtskirchen hätten überwiesen werden müssen - mehr als die Stadt dafür aufbringen konnte. So entschieden die Stadträte, lieber weiterhin jährliche Reichniszahlungen an die Kirchen zu leisten, unter anderem für eine ehemalige katholische Pfarrstelle, die es seit 1984 nicht mehr gibt. Doch die Kirche besteht aufgrund von "Observanz" (= Gewohnheitsrecht) sogar auf dieser Summe.

Lediglich einen 1979 beschlossenen freiwilligen Zuschuß an die beiden Amtskirchen konnten die Stadträte 18 Jahre später per einfacher Abstimmung rückgängig machen.

Anders als Karlstadt kaufte sich der Markt Triefenstein 1996 mit DM 6.250 wenigstens von dem "Weinfixum" frei, der seit Jahrhunderten bestehenden Verpflichtung, auch für die entsprechende Weinmenge kirchlicher Amtsträger aufzukommen.

Was bedeutet es, wenn vor diesem Hintergrund Pfarrer und Priester predigen, man solle sich nicht sorgen, wie es Jesus sagte? Die Hörer der Predigt, die für sich und ihre Familien um die wirtschaftliche Existenz kämpfen, haben nicht diese Sicherheit im Hintergrund wie die kirchlichen Amtsträger.

Viele Arbeitnehmer fürchten auch um ihren Arbeitsplatz. Pfarrer und Priester hingegen sind unkündbar, es sei denn, sie machen sich schwerer Vergehen schuldig. Doch selbst ein wegen Kindsmißbrauchs verurteilter und entlassener evangelischer Pfarrer hat sich kürzlich vor einem Kirchengericht wieder in den Dienst zurückklagen können; lediglich mit Kindern und Jugendlichen darf er nicht mehr arbeiten.

Auch werden die Amtsträger nicht nach Leistung bezahlt, wie dies bei anderen Menschen üblich ist.

 

Der Prophet:

Jesus sagte sinngemäß: ""... ein Arbeiter ist seines Lohnes wert." Meines Erachtens heißt das, für seine Arbeit und wie sie ausgeführt wird, sollte der Mensch entlohnt werden. Bei kirchlich amtierenden Amtsträgern ist das anscheinend anders. Sie sind mehr oder weniger unkontrollierte Festangestellte, einerlei, wieviel Dienste sie leisten.

Als Jesus Seine Apostel und Jünger zu den Menschen sandte, um sie die Wahrheit zu lehren, hat Er sie sicherlich keinem Theologiestudium unterzogen. Jesus lehrte Seine Apostel und Jünger die ewige Wahrheit; einige von ihnen setzten dann das Wort, das Gott ist, im Alltag um und wurden dadurch Menschen der Nächstenliebe, die ihr Herz mit dem Geist der Wahrheit füllten und dadurch zu ihren Mitmenschen mit dem Herzen der Wahrheit sprachen, so daß ihre Worte und Taten von der Wahrheit, von Gott, gefüllt waren. Alle Apostel hatten ihren Beruf und übten ihn auch da und dort aus, um ihren Unterhalt, auch für ihre Familien, zu erwerben.

Hat Jesus Kirchensteuer eingeführt und staatliche Subventionen? Hat Er die Ungleichheit gepredigt, die sich u.a. darin zeigt, daß Konzerne, Betriebe und deren Angestellte, jeder Handwerksmeister, auch der Arzt, der Landwirt, letztlich alle Berufszweige, von ihren Kunden bzw. Patienten abhängig und auf die Abnehmer ihrer Leistungen angewiesen sind, die kirchlichen Amtsträger hingegen unkündbar ihre fest installierten Gehälter und ihre sicheren Pensionen haben? Jeder Berufstätige, also jeder Dienstleistende, muß von seinem Verdienst leben und Haus und Hof bestellen. Pfarrer und Priester hingegen bekommen weitgehend kostenlos Haus und Pfründe. Bischöfe und Kardinäle residieren in riesigen Palais, und das alles im Namen des Jesus, des Christus. Wer Ohren hat, zu hören, der höre; wer Augen hat, zu schauen, der schaue; und wer ein Gewissen hat, der mache sich das zu eigen, was gegen Ende der Johannes-Offenbarung in bezug auf die Hure Babylon steht: "Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

Hat einer, der Ohren hat, zu hören, der Augen hat, zu schauen, den kirchlichen Amtsschimmel verlassen, hat er also die Kirche aus Stein hinter sich gelassen, ist er aus ihr hinausgegangen, dann zahlt er durch seine Steuern an den Staat trotzdem einen Teil an die Amtskirchen über Staatssubventionen weiter. Legen wir das alles auf die Waage der Gerechtigkeit, die Gott ist, dann wird sich das Zünglein der Waage sicherlich nicht zur Staatskirche und den ihr Hörigen neigen, sondern zu denen, die rechtzeitig erkannt und die Weichen gestellt haben, auch dann, wenn sie aufgrund staatlicher Gesetze einen Teil ihrer Steuern für die kirchlichen Institutionen weiter bezahlen müssen.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Wer heute in unsere Welt hineinschaut, weiß, warum Jesus zu Seiner Zeit gesprochen hat: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden ... Sammelt euch aber Schätze im Himmel ... (Mt 6, 19) Und: "Niemand kann zwei Herren dienen; er wird den einen hassen und den anderen lieben ..." (Mt 6, 24). Daß es heute Christus im Prophetischen Wort mit noch stärkerem Nachdruck sagt, bedeutet, daß seit Seiner Zeit als Jesus die Anweisungen nicht beachtet wurden.

In der Apostelgeschichte ist noch berichtet: "Es gab auch keinen unter ihnen [den neuen Christen], der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte." (Apg 4, 34-35).

Nach wenigen Jahrzehnten waren es aber nicht mehr die Apostel Jesu - die Augenzeugen -, die den Erlös und die Gaben ihrer Mitchristen in Empfang nahmen, sondern "Beamtete", in denen die Judas-Mentalität Platz genommen hatte. Vom 3. Jahrhundert an sind die Episkopoi [Bischöfe] bereits die Empfänger aller kirchlichen Einnahmen und sind damit an einem Machthebel, der mehr und mehr in Konkurrenz mit der weltlichen Macht kam. Bedeutung bekommt daher die Aussage von Bischof Ignatius von Antiochien, der schon im 2. Jahrhundert gesagt hat: "Ohne den Bischof sollt ihr überhaupt nichts tun ... Wer den Bischof ehrt, wird von Gott geehrt. Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel."

 

Jesus hat Seinen Jüngern die Gemeinschafts-Prinzipien weitergegeben: "Ihr wißt, daß die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen mißbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der erste sein will, soll der Sklave aller sein." (Mk 10, 42-44)

Solche Prinzipien sind sehr schnell in Vergessenheit geraten, weil sie nicht ins Schema einer macht- und geldgierigen Priesterschaft paßten. Was zu Beginn des urchristlichen Lebens eine Selbstverständlichkeit war, nämlich Gleichheit und Gemeinwohl, war nach kurzer Zeit im Sinne Satans Trennung, Für-sich-Haben, Über-andere-Herrschen, Unterjochen, Das-Leben-Mißachten, Totschlag, millionenfaches Morden. Das dadurch besitzerlos gewordene Eigentum fiel beinahe automatisch der kirchlichen Institution zu, die, wie es den Anschein hat, wohl die Bergpredigt in der Bibel stehen ließ, aber nicht ernsthaft daran dachte, sie auch umzusetzen.

Mit der Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert war festgelegt, welchen Kurs die Institution Kirche nehmen würde.

Spätestens von dieser Zeit an hatten und haben nicht mehr die ernsthaften Jesus-Nachfolger etwas zu sagen und zu bedeuten in der Kirche, sondern jene, die ein "sühnendes Blutopfer des Jesus" lehrten und die das Blut der Menschen forderten, die ernst machten mit der Lehre des Jesus.

Es ist eine unübersehbare Blutspur durch alle Jahrhunderte; es ist Blutgeld, das pompöse Paläste und Kirchen möglich machte; es ist ein Blutstrom unvorstellbarer Schuld seitens der kirchlichen Institution. In Hunderten von Büchern ist zusammengetragen, was Menschen in dieser Beziehung erlebt haben und daß sie deshalb Abstand genommen haben von der gotterfüllten Botschaft, die Jesus vor 2000 Jahren an uns Menschen weitergab. Ich will hier nicht mehr detailliert das wiedergeben, was durch Bücher und andere Publikationen offenkundig geworden ist und auch nicht bestritten wird.

Wie ich das jetzt so überdenke, wird mir das Herz schwer, denn all diese Machtkämpfe, Wuchergeschäfte, Unterschlagungen, Mißbräuche von Privilegien, Fälschungen, Erbschleichereien, Brutalitäten beim Zehnten-Eintreiben, Sklaverei, Leibeigenschaft, Ablaßhandel, Ämterverkauf, Inquisition, Kreuzzüge ... sind nur ein paar wenige Stichwörter, hinter denen sich Schuld-"Welten" auftun. Noch trauriger macht mich, daß all das sich entwickeln und geschehen konnte, nachdem Jesus Sein Leben für uns hingegeben hatte. Sein Erlösungsopfer war nicht ein Freipaß für die Verbrechen, die nach Seinem Tod bis auf den heutigen Tag geschehen sind. Alles ist und bleibt Schuld, solange sie nicht aufgearbeitet wird; denn "was der Mensch sät, das wird er ernten". Das Gesetz von Saat und Ernte, von Ursache und Wirkung, läßt oftmals eine lange Zeit, in der der Mensch sich besinnen und umkehren kann. Doch "lange" heißt nicht "ewig".

Alles in allem gesehen, ist das das Scheitern der Einrichtungen einer Gesellschaftsordnung, die der Bezeichnung "christlich" nicht würdig sind.

 

Der Prophet:

Was sich unter dem Namen des Jesus, des Christus, alles tummelt und vollzieht, ist meines Erachtens nichts anderes als die Verhöhnung der Lehre des Jesus, des Christus. Wozu eigentlich die Bibel, wenn der Priester nur die Evangelien vorträgt - ob ein Teil davon wahr oder gefälscht ist, das sei dahingestellt - und vielfach selbst nicht hält, was sie beinhalten? Die Zehn Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu sind so manchen Theologen nur Lehren. Viele leben selbst nicht danach - und die Bergpredigt Jesu ist für sie überhaupt nicht praktikabel.

 

Was ist die Bergpredigt Jesu wert, und wozu steht sie in der Bibel, wenn sie doch nicht angenommen wird? Wozu hat Jesus sie gelehrt? Was ist die Lehre Jesu wert, wenn nicht danach gelebt wird? Was sind die Propheten des Alten Testaments noch wert, wenn in der Übersetzung der Texte die Hand der Priesterkaste im Spiel war, die einen Teil des Textes zuließ, den anderen strich, den nächsten veränderte und das Ihre hinzudichtete? Das ganze Sammelsurium soll dann Gott durch die Propheten gesprochen haben. Hierbei denke ich auch an die fünf Bücher Mose.

Bei vielem, was dort zu finden ist, handelt es sich nicht um die Gesetze Gottes, sondern um Regeln, die eine grausame Priesterkaste erfand und als Herrschaftsinstrument nutzte. So lesen wir dort z.B.:

"Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft. Da er seinen Vater oder seine Mutter verflucht hat, soll sein Blut auf ihn kommen. (3. Mose 20, 9)

"Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin." (3. Mose 20, 10)

"Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Der Fremde muß ebenso wie der Einheimische getötet werden, wenn er den Gottesnamen schmäht." (3. Mose 24, 16)

"Wenn in deiner Mitte, in einem der Stadtbereiche, die der Herr, dein Gott, dir gibt, ein Mann - oder auch eine Frau - lebt, der tut, was in den Augen des Herrn, deines Gottes, böse ist, und sich über seinen Bund hinwegsetzt, wenn er hingeht, anderen Göttern dient und sich vor ihnen niederwirft - und zwar vor der Sonne, dem Mond oder dem ganzen Himmelsheer, was ich verboten habe -, wenn dir das gemeldet wird, wenn du den Fall anhängig machst, genaue Ermittlungen anstellst und es sich zeigt: Ja, es ist wahr, der Tatbestand steht fest, dieser Greuel ist in Israel geschehen!, dann sollst du diesen Mann oder diese Frau, die den Frevel begangen haben, den Mann oder die Frau, zu einem deiner Stadttore führen und steinigen, und sie sollen sterben." (5. Mose 17, 2-5)

"Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen, und er soll sterben." (5. Mose, 21, 18-21)

"Ein Dieb muß Ersatz leisten. Besitzt er nichts, soll man ihn für den Wert des Gestohlenen verkaufen."
(2. Mose 22, 2)

"Wenn ein Mann dabei ertappt wird, wie er bei einer verheirateten Frau liegt, dann sollen beide sterben, der Mann, der bei der Frau gelegen hat, und die Frau." (5, Mose 22, 22)

Jesus sagte doch: "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein ..." Wer hat wahr gesprochen? Jesus oder "Gott" durch Mose? Zwei gegensätzliche Aussagen. Welche stimmt?

Die heutige Priesterschaft hat sich aus dem Sammelsurium, das die damalige Priesterkaste in die Bücher Mose hineingedichtet hat, nur das herausgepickt, was sie der derzeitigen Generation gerade noch vorsetzen kann. Dazu gehören auch die entsprechenden Kulthandlungen aus dem Heidentum, die das Gemüt stimulieren, um die Gläubigen an die kirchlichen Institutionen zu binden.

Martin Luther hat sich an die fünf Bücher Mose, die aufgrund der Fälschungen aus Dichtung und Wahrheit bestehen, angelehnt. Seine Denkwelt war vielfach geprägt durch die Verachtung Andersgläubiger. Er wurde zu einem der schärfsten Verfechter des Antisemitismus und dadurch auch zur Rechtfertigung des nationalsozialistischen Judenhasses, der die von Luther geschmähten Juden in die Todeslager führte.

 

Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Theologen pochen auf das Wort der Bibel. Enthielte die Bibel die ganze Wahrheit, so müßten sie das, was Gott angeblich durch Mose sprach, auch heute konsequent ausführen. Sie würden dem Volk dann nicht nur mit der ewigen Verdammnis, sondern mit zahlreichen Todesstrafen drohen. Gott ist, und weil Er ist, ist Er unveränderlich. Hätte Gott das alles durch Mose gesprochen, was in den fünf Büchern Mose steht, dann hätte uns Jesus, der Christus, einen anderen Gott gelehrt. Oder ist es ein Gott der Willkür?

Die heutige Priesterkaste entnimmt der Bibel das, was in ihr Konzept paßt. Diesen Extrakt macht sie einem blinden Volk weis, das nicht gelernt hat, zu denken, weil der einzelne kurz nach seiner Geburt schon in die Institutionen Kirche hineingetauft wurde und seine Eltern - die ebenfalls kirchlich Getaufte und Indoktrinierte sind - wiederum das Kind indoktrinieren.

 

Kirchlich Indoktrinierte lehren und erziehen die ab dem Säuglingsalter in die kirchliche Institution hineingetauften Bürger, so daß man sagen kann: Die Wurzel des Baumes vieler Familien ist der Saft der "Indoktrination". Die Krone des Baumes ist wieder die Indoktrination, und die Früchte des Baumes sind ebenfalls die Indoktrination. Was dabei herauskommt, ist der geistig Tote, der geistig Toten zujubelt. Das haben Mose und Jesus nicht gewollt, aber die Priesterkaste. Da jeder Mensch den freien Willen zur freien Entscheidung hat, greift nicht Gott in dieses Gewirr von Meinungen und Vorstellungen ein, sondern das Schicksal, das in Saat und Ernte wurzelt. Das gilt auch für die Institutionen Kirche, die im Begriff sind, mehr und mehr zu schrumpfen, weil die indoktrinierten Früchte vom Baum der Indoktrination immer weniger gegessen werden.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Wenn ich das so höre, dann wird mir bewußt, daß wir Menschen uns ständig gegenseitig beeinflussen und andere ins eigene Lager hineinzunehmen versuchen. Die meisten sind so unselbständig, daß sie blind auf den Wegen gehen, auf denen die meisten laufen. Es ist also gar nicht so leicht, sich aus der großen Masse zu lösen, vor allem, weil die vielen es gar nicht mehr merken, daß sie den Stempel der Indoktrination tragen.

Indoktrination ist laut Wörterbuch "massive psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von einzelnen oder ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Meinung oder Einstellung."

Das zu bewerkstelligen ist recht einfach, wenn Menschen auf Mittler oder Vermittler angewiesen sind. Dazu sei folgendes gesagt:

Es ist relativ leicht, Gläubigen vor Augen zu halten, daß man Gott ja nicht sehen und hören könne, und ihnen weiszumachen, Er habe darum Menschen bestimmt, Mittler bzw. Vermittler zu sein. Aber mit der Aussage Jesu, "Du sollst dich nicht Rabbi nennen lassen" (Mt 21, 8), läßt sich das nicht vereinbaren. Daß sich das ganze Mittlertum so hartnäckig halten konnte, hat wohl damit zu tun, daß bis ins 16. Jahrhundert nur wenige die Bibel selber lesen konnten. Die Gläubigen waren auf "Rabbis" (wie immer sie heutzutage heißen) angewiesen. Die Früchte, die dabei herauskamen, lassen erkennen, ob es Doktrin bzw. Dogmenglaube war, was die Gläubigen vermittelt bekamen, oder bewußte Nachfolge des Jesus, der uns die ewigen Gesetzmäßigkeiten lehrte.

 

Der Prophet:

Gab es im israelitischen Volk vor Mose Priester?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Mir ist nicht bekannt, wie es zum ersten Priester kam und in welchem Kulturkreis er sich herausgebildet hat. Wir wissen nur, daß sich schon in den ersten menschlichen Gruppierungen Führer herausgebildet haben, in denen sich ein größeres Kraftpotential zeigte. Woher diese Kraft kam, konnte man erst in den späteren Zeiten feststellen, als Bindungen an bestimmte Wesen oder Kräfte offenbar wurden, z.B. bei Sehern, Wahrsagern, Zauberern. Mit solchen außerordentlichen Kräften begabt, sah man sie auch mehr und mehr dazu befähigt, kultische und rituelle Handlungen durchzuführen, was sich in der kulturellen Entwicklung einzelner Völker immer mehr auf bestimmte Personen konzentrierte: die Priester.

 

Blicken wir noch einmal zurück in die Zeit vor Mose:

Bis zu Mose hören wir im israelitischen Volk nichts von Priestern, außer daß Abraham auf seiner Wanderung ins Land Kanaan einem Priesterkönig Melchisedek (Gen 14, 18) begegnet ist.

Doch weist manches darauf hin, daß sich in der Zeit des Mose eine Priesterkaste zu entwickeln begann, die auf Aaron, den leiblichen Bruder des Mose, zurückging. Es ist jedoch zu bezweifeln, daß das Priesterwesen sich damals schon in dem Maße ausprägte, wie es im Dritten Buch Mose überliefert ist, denn der ganze Opferkult hat sich nach und nach bis ins 6. Jahrhundert vor Christus entwickelt und ist dann - um der "Tradition" des Priesterwesens das überzeugende Fundament zu verleihen - sozusagen rück-projiziert worden in die Zeit des Mose, der dann als der Gesetzgeber für das Tun der Priesterkaste hingestellt wird.

Im Bibellexikon heißt es über Aaron: "Er ist der Begründer des israelitischen Priestertums." Das ist mir selber nicht bewußt gewesen. Doch es wäre denkbar. Anstatt wie sein Bruder Mose selbst die Gotteserfahrung, das Innere Wort, zu erlangen, um ein starker Kämpfer im israelitischen Volk für Jahwe sein zu können, ließ Aaron sich vom Volk zum Priester erheben, ähnlich den Götzenpriestern. Dieses sein Priestertum wurde dann auf seine Söhne vererbt, und so ging es weiter. Durch die ganze Königszeit hindurch war es immer so. Das Priestertum wurde vererbt und immer wieder vererbt, und was in diesem Priestertum geheim weiter geboten wurde, der ganze Kult, wie die Gegenstände sein mußten, wie die Handlungen zu geschehen hatten, wie das Volk zu den Priestern kommen mußte - all das wurde mündlich weitergegeben und nur teilweise aufgeschrieben. Das Volk wurde nicht aufgeklärt, sondern einfach mitgezogen; es wurde ihm schlichtweg aufoktroyiert. Daraus entwickelten sich dann die verschiedenen Traditionen.

 

In den Berichten der Bibel spricht Gott (Jahwe) immer zu einzelnen, wie z.B. zu Noah, zu Abraham, zu Isaak, zu Jakob ... Diese informieren dann auch die ihnen Nahestehenden. In diesen Berichten zeigt sich eine Struktur, in der nur einzelne wissen, was zu tun ist; die anderen folgen diesen "Mittlern". Aber, wie gesagt, so lauten die Berichte, wie wir sie heute lesen können, deren Wahrheitsgehalt, wie dargelegt, zweifelhaft ist.

Bis in die heutige Zeit gibt die Priesterschaft vom Altar her die Illusion von Sicherheit und daß sie Gott nahestehen würde, daß sie mit Ihm Gemeinschaft hätte und daß sie Ihn erreichen würde. Weil die Menschheit ihren Mittlern glaubte und glaubt und sich auf diese verließ, suchte die Masse nicht mehr den unmittelbaren Zugang zu Gott und die Geborgenheit in Gott. Die geistige Armut nutzte und nutzt die Priesterkaste aus. Auf diese Weise erfolgte schon von Aarons Zeit her der Einfluß auf das Volk, die Indoktrination, daß es ohne Priester keine Verbindung mit Gott gäbe. Die blindgläubige Masse wird immer für den Priester oder Pfarrer eintreten, z.B. wenn jemand kommt, der gegen diese Kaste Einwände erhebt.

Ich fächere den großen Bogen auf von Abraham bis heute (4000 Jahre): Abraham machte die Ein-Gott-Erfahrung. Er hörte auf die Stimme des einen Gottes und folgte ihr. Als diese Stimme, Gott, ihn führte, folgten ihm einige Menschen. Um diese kleine Gemeinschaft herum bestanden andere Völker, die an Götter glaubten und die Priester hatten, die eine Verbindung zu diesen Göttern vorgaben. Auch dort gaukelte die Priesterkaste den Menschen vor, daß diese nur durch sie die große Chance hätten, bei den Göttern zu erreichen, was die Menschen wollen.

Immer dann, wenn Gott einen Propheten zu den Menschen sandte, war dieser für die Priesterschaft und die ihr Hörigen ein Fremder. Schon vor Jesus machte die Priesterkaste ihren Hörigen weis, daß Gott bereits alles gesprochen hätte, was zu sagen war. Daher galt als unwahr, was andere bringen wollten, z.B. die von Gott gesandten Propheten; man führte an, daß das von diesen Offenbarte nicht mit den Aufzeichnungen der Vorzeit übereinstimmen würde - letztlich mit dem, was die Priesterkaste festgelegt hatte. Die Schriften der Vorzeiten, auch das, was sie z.B. Mose zugeschrieben, also angedichtet hatten, stimmten auch mit der Lehre Jesu nicht überein, was die Pharisäer dem Nazarener prompt entgegenhielten.

Im Neuen Testament gibt es etliche Stellen, die berichten, daß die Schriftgelehrten zu Jesus kamen und zu Ihm sagten: "Du handelst nicht so, wie unsere Väter es gesagt haben!" Das Wort Gottes stimmt eben mit den Aufzeichnungen der Priesterkaste nicht überein. Jedem, der ein Altes Testament aufschlägt, sollte bewußt sein, daß aus den früheren Überlieferungen nur wenig schriftlich festgehalten wurde. Die Traditionen über Jahrhunderte wurden meistens so, wie es der einzelne im Gedächtnis hatte, weitergegeben und so manches für alle Zeiten ganz nach dem Bewußtsein des Berichtenden festgelegt und als Gottes Wort ausgegeben. Daran hielt und hält sich eine Kaste, die ihre Interpretationen als das Wort Gottes ausgab. Mit dem Argument, der Prophet spräche nicht Gottes Wort, dieses laute anders, hatten die Priester leichtes Spiel, jeden Boten und Wortträger Gottes auszuschalten, und Vorwand genug, sogar das Volk dafür einzusetzen, daß es gegen die Propheten vorging und vorgeht. So haben es alle Propheten erlebt, bis hin zu Jesus, dem Christus, und bis in die heutige Zeit.

Die Propheten selber, das möchte ich noch anfügen, hatten eine Gotteserfahrung, die sie mit ihren Worten dem Volk weitergaben. Jeder Gottesprophet war von innen her, vom göttlichen Sein her, gedrängt, zu reden und das auszusprechen, was Gott ihm eingab. Die Priester hingegen hatten keine Gotteserfahrung, sondern sie verwalteten ein Gesetz und dazu noch die mehr als 600 Gebote und Verbote, die sie hinzugefügt hatten. Dazu sprach Jesus "Ihr habt den Leuten ein schweres Bündel von Gesetzen und Geboten aufgebunden, und selbst tragt ihr es nicht". (Mt 23, 4)

Der eine mächtige Strom der Gotteserfahrung, der, so weit wir zurückdenken können, von Abraham bis Jesus und von Jesus bis heute fließt, ist nicht der Geist der Priesterkaste. Ihr Fluß, ihre Herkunft und Tradition beziehen sich immer noch auf die Vielgötterei, auf die Altardienste und auf die Kulte des Heidentums. Dieser Fluß der Kaste machte es unmöglich, daß das Volk den Messias, den Jesus, den Christus, erkennen konnte.

 

Der Prophet:

Es war und ist eine Vermessenheit der Priester, in das von Gott inspirierte Wort ihre Gedanken, ihre Welt der Dichtung, einfließen zu lassen. Mose war ein Mann, der über 40 Jahre mit Gott, dem Ewigen, Zwiesprache hielt und Sein Wort zu verwirklichen trachtete. Wenn auch die Israeliten, die er auf Gottes Weisung hin aus Ägypten herausführte, immer wieder in die Vielgötterei verfielen und sich einen Priester wählten, so blieb Mose doch bei dem Wort Gottes, das ihm sicher ähnlich gegeben wurde, wie es uns Jesus, der Christus, übermittelt hat, obwohl auch hinsichtlich des Neuen Testamentes die Priesterkaste ihre Hand wieder im Spiel hatte und hat. So kann man doch sagen: Es ist e i n Gott, der unteilbare Gott.

Die Priesterkaste hat also die lebendige Quelle wie ein totes Dokument auseinandergenommen und eine Art wissenschaftlicher Autopsie vorgenommen. Gerade durch all das, was Mose zugeschrieben wurde, zeichnete die Priesterkaste das Bild eines schreckenerregenden Gottes, der an allem und an allen Rache nimmt, der z.B. bestimmt haben soll, welche Tiere ihm geopfert werden sollen und wie das Blut der Opfertiere verwendet werden sollte. Dieser Gott, der vielfach dem Mose angedichtet wurde, kann als Gott der Unterwelt bezeichnet werden und derer, die diesem dienen.

Gott ist kein Geist, vor dem man sich zu fürchten braucht; Er ist keine böse Kraft, die es durch die Ausübung von Opfern, Weihrauch, Magie und dergleichen zu besänftigen, gar zu überlisten gelte. Gott ist die große Liebe, die auch in Steinen, Pflanzen und in Tieren lebt.

Das Reich der Tiere z.B. ist dem Dienst und der Liebe der Menschen anvertraut. Doch was haben die Menschen aus der Tierwelt gemacht? Es ist kein Wunder, daß das Tier geschändet, geprügelt, hingemetzelt und letztlich geschlachtet und verzehrt wird - tut dies doch bis heute die Kaste der Priester, die die feinsten Braten verzehren, insbesondere zu den Festtagen wie Weihnachten und Ostern. Denken wir daran: Jesus, der Christus, wurde durch Rom gekreuzigt, und die Kirchenmetropole Rom und deren Diener feiern diese Tage, indem sie Truthähne, Gänse, Schweine, Rinder und viele weitere Gottesgeschöpfe gesotten und gebraten verzehren.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Blicken wir in die Zeit nach Jesus bis heute: Die heutige Priesterschaft hat das Bild der Priesterkaste aus den Vorzeiten übernommen und nicht das Gottesbild, das Jesus lehrte. Jesus lehrte den liebenden Vater - die Priesterkaste lehrte und lehrt den zürnenden, strafenden und kriegerischen Gott. Das ging und geht bis hin zum Jahr 2000. Der heutige Prophet, der eine Prophetin ist, erlebt nichts anderes als das, was die Propheten vor Jesus erfahren, erleben und erdulden mußten. Vor allem Jesus, der Christus, der größte Prophet aller Zeiten, der unser Erlöser wurde, hatte das Niedrigste, was einem Menschen angetan werden konnte, erfahren, erdulden und erleiden müssen, bis hin zum Kreuzestod, der noch heute von Rom ausgeht - dadurch, daß man den Gekreuzigten am Kruzifix festhält, obwohl Er auferstanden ist, und dadurch, daß man Sein Wort verdreht.

 

Der Prophet:

Kann in der Bibel Wahrheit von Dichtung noch unterschieden werden? Liest man in den Büchern Mose und vergleicht die angeblichen Worte Gottes durch Mose mit den Worten Jesu, so muß man an einem dieser beiden Wortträger zweifeln - entweder an Mose oder an Jesus, denn sie lehrten zwei verschiedene Gott-Arten: Mose den zürnenden, kriegerischen Rachegott, den Gott der Willkür, Jesus den Gott der Liebe, den Vater, der alle Seine Kinder liebt, der uns Menschen durch Jesus, Seinen Sohn, die Feindesliebe und die Barmherzigkeit offenbarte.

Glauben wir Jesus, so stellt sich die Frage: Ist bei Mose die Priesterkaste mit ihrer Dichtung zu weit gegangen? Leben die Priester oder Pfarrer heute nach dem Wort der Bibel, und wenn ja, nach welchem? Nach den Büchern Mose oder nach dem Wort Jesu? Wenn nach Jesus, dann müßte das Alte Testament aufgehoben werden; wenn nach Mose, dann das Neue. Beide sind nicht miteinander vereinbar.

Viele Jahre beobachtete ich das Wirken der Priester und Pfarrer. Dabei bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß viele weder nach den Büchern Mose noch nach dem Wort Jesu leben. Sie sprechen wohl von dem Evangelium, von Mose und den Propheten. Doch es stellt sich die Frage: Welches Wort ist für die Priesterkaste die Wahrheit? Bis zum heutigen Tag weiß man nicht genau, wonach Pfarrer und Priester leben. Wenn man die Oberflächlichkeit vieler Theologen betrachtet, deren Denken, Lehren und Leben, dann gewinnt man den Eindruck, daß sie sich mehr nach dem richten, was in die fünf Bücher Mose hineingedichtet wurde.

Heute gehen die Priester gegen Andersdenkende nicht mehr so unmittelbar vor, wie es in den Büchern Mose steht, sondern indirekt, also verschleiert. In der intriganten Hetze und in der Aufwiegelung gegen Andersdenkende bricht aus, was dann durch Journalisten in die Öffentlichkeit getragen wird.

Nach der Lehre Jesu denken und leben die meisten der Theologen und der ihnen Hörigen nicht. Viele reden nur von der Lehre Jesu; geht es um Seine Bergpredigt, dann wird deren Verbindlichkeit verneint. Man kann also sagen: Seit Tausenden von Jahren währt die Intrigenwirtschaft der Priesterkaste - und das im Namen Gottes. Deshalb wäre es gut, die Bibel zuzuschlagen, denn seit Jahrtausenden erfolgte und erfolgt ein unvorstellbarer Verrat an Gott und Seinem Sohn, dem Jesus, dem Christus, dem größten Propheten, unserem Erlöser, und an allen gottgesandten Propheten.

In all dem, was wir hier besprochen haben, kommt mir die Bezeichnung "Richter" in den Sinn. Kann man von den Aufgaben der heutigen Richter auf die der altisraelitischen Richter schließen? Was genau war ihre Aufgabe?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Der Begriff "Richter" für "die Zeit der Richter" (ca. 1200 - 1050 vor Christus) ist etwas irreführend, denn ihr damaliger Einsatz entspricht nicht der Aufgabenstellung der heutigen Richter. Der damalige Richter stand nicht nur im Dienst der Rechtsprechung im alltäglichen menschlichen Leben. Er wurde einbezogen in die große Pespektive Gottes, nämlich Seine rettende Ordnung sowohl im Volk Israel als auch in den eroberten Stammesgebieten herzustellen, das heißt, Gottes Recht zur Geltung zu verhelfen. Mit dieser Vorgabe machten die damaligen Richter ernst, so daß dieses rettende Handeln gegenüber Benachteiligten, Armen, Unterdrückten als das Retten Gottes betrachtet wurde. Es berührt eigenartig, daß Gott nicht die Priester als Kämpfer für Seine Sache aufrief, sondern die sogenannten Richter.

Samuel gilt als letzter "Richter" Israels. Er hatte auch priesterliche Aufgaben, wenn wir dem Bericht der Priesterkaste glauben dürfen, die ihm freilich auch manche Gewalttat anhängte. Durch Samuel bereitete Gott etwas Neues vor. Wie es der Satan will, verlangten gleichzeitig die Ältesten Israels nach einem sichtbaren König, wo doch bis jetzt - wie Samuel ihnen entgegenhielt - Jahwe (Gott) der beste König war. Damit begann Samuel zu wirken als Sprachrohr Gottes, als einer der Propheten, die von jetzt an ständig mit dem Volk Israel sind.

Mir fällt auf, daß nach dem Ur-Propheten Mose Samuel der erste ist, der alles mit Gott bespricht, bevor er dem Volk Antwort gibt. Der Priesterkaste fehlte und fehlt diese Vertrautheit, die unmittelbare Verbindung mit Gott. Ihr Dienst war zu allen Zeiten ein äußerlicher, sogenannter amtlicher Dienst. Darin sehe ich Gemeinsamkeiten der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeiten, der des Staates und der Priesterkaste.

In den zurückliegenden Jahrtausenden erkennt man immer wieder ein Seilziehen zwischen den beiden "Gewalten", der staatlichen und der religiösen. Eine kurzfristige Übereinstimmung besteht dann, wenn sie sich, z.B. durch einen Propheten, "bedroht" fühlen. Das Sich-bedroht-Fühlen ist die Folge des Nichterfüllens des Willens Gottes. Das Volk, dem der Zugang zu Gott im Inneren des Menschen immer mehr verstellt war, wählte menschliche Könige und Priester, die stellvertretend den Kontakt mit Gott halten sollten. So geriet es immer tiefer in die Abhängigkeit.

 

Der Prophet:

Zur Zeit Mose, sicherlich auch zur Zeit Jesu, nahmen die Priester ihren Wohnsitz in der unmittelbaren Nähe ihres Kultortes - heute würde man sagen: in der Nähe ihrer Kirche. Damals hatten sie Diener, es waren Sklaven oder sogenannte Leviten. Wie ist es heute? Auch heute haben sie Diener aus dem Volk. Ich denke hierbei auch an den Meßdiener oder an den Mesnerdienst. Sind nicht beide von den damaligen Leviten abgeleitet?

Wie hielt es Jesus? Hat Jesus dies überhaupt gelehrt? Hatte Jesus Sklaven, Diener, Leviten, Mesner und Meßdiener? Oder hatte Er die Apostel und die Jüngerschar, eine Gemeinschaft, in der einer dem anderen half, wobei Jesus den Aposteln und Jüngern mehr diente als diese Jesus. Wie sehen es heute die befragten Fachleute der katholischen und evangelischen Theologie?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Jesus brauchte keine Leviten, die Ihm assistierten, und Er setzte auch keine Mesner und Meßdiener ein. Denn Jesus war kein Zeremonienmeister. Was Er selbst tun konnte, erledigte Er selbst. Wo Er Hilfe brauchte, zum Beispiel bei der Speisung vieler tausend Menschen, bat Er um Hilfe. Immer wieder hat Er anderen geholfen, sei es mit einem Rat aus geistiger Sicht, sei es mit Seinem Fachwissen als Zimmermann beim Hausbau. Wie sehr Er sich als Dienender verstand, zeigte Er auch, als Er einmal sogar Seinen Jüngern die Füße wusch und sagte: "Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe." (Joh. 13,15)

Die Kirche aber hat dieses Tun wieder zu einer öffentlichkeitswirksamen Zeremonie verdreht und läßt zum Beispiel den Papst - in der Liturgie zur Erinnerung an das Abendmahl Jesu mit den Jüngern - anderen die Füße waschen. Danach läßt sich der Papst aber wieder von den Menschen hofieren wie zuvor.

In der neu entstehenden evangelischen Kirche kam im 16. Jahrhundert das Wort vom "Priestertum aller Gläubigen" auf, was einen Durchbruch hätte einleiten können. Doch man legte das Wort nur symbolisch aus und hielt sich doch wieder am Priester fest, den man jetzt "Pfarrer" oder "Pastor" nannte, und man verfolgte und ermordete vielfach diejenigen, die ohne Priester und Pfarrer den Weg zu Gott gehen wollten.

So gibt es in der evangelischen Kirche bis heute neben dem Pfarrer den Mesner, den Pfarrhelfer des Militärgeistlichen, den Abendmahlshelfer, den Lektor, den Prädikanten, die "Läutbuben", die Kollekteneinsammler, die Kreuzträger usw. und zahlreiche Menschen, die dem Pfarrer in dem zu Diensten sind, wonach er ruft.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Zunächst ein paar Worte zum Wohnsitz der Priester zur Zeit Mose: Solange die Israeliten auf der Wanderschaft waren, nahmen sie das "Bundeszelt", das Zelt der Begegnung mit Gott, die Wohnung Gottes, mit. Später wurde es durch den "Tempel" ersetzt.

Im Unterschied zu den Völkern mit Vielgötterei war es den Israeliten nicht erlaubt, Bilder, Statuen und dergleichen aufzustellen (Erstes Gebot). Doch in den ersten Israeliten war immer noch der Gedanke an die Vielgötterei. Deshalb konnten sie von Kultzeremonien bei Festen nicht ohne weiteres Abstand nehmen. In der vierzigjährigen Wanderschaft durch die Wüste bildete sich so bei den Israeliten der Wunsch nach einer Priesterschaft - nach jemandem, der den Göttern opferte, um diese für die eigenen Wünsche verfügbar zu machen. Bei der Eroberung des Landes machten die Israeliten Konzessionen an dessen Bevölkerung. Diese durfte z.B. ihre Altäre behalten. Doch sie liebäugelten auch selbst mit den Altardiensten. Statt voll dem Absoluten Geltung zu verschaffen, gingen die Israeliten Kompromisse ein. Diese ihre Schwäche wurde ihnen zum Verhängnis. Die Altäre der Kanaaniter, das Symbol der Vielgötterei, die ihnen noch im Blut lag, ließ das Götzentum in den Herzen der Israeliten wieder aufflammen - mit der Folge, daß der Eine Gott nun nicht mehr zu Seinem Volk sprechen konnte.

Das Leben in Ägypten zuvor hatte sie auch in dieser Beziehung beeinflußt; in ihrem Bewußtsein stand immer noch die Anbetung der vielen Götter. Als sie dann ihren Tempel besaßen, gingen sie zu Priestern, die für ihre Anliegen zur Verfügung standen. Dabei verloren sie immer mehr den unmittelbaren Zugang zu Gott, ihrem Vater.

Mose war ein Mann des Leides und Schmerzes, denn er wollte dem israelitischen Volk, das er von Ägypten herausführte, den Einen Gott nahebringen, der auch zu dem einzelnen spricht, wenn dieser des Ewigen Gebote hält.

Mose erkannte sicher den freien Willen der Menschen. Er versuchte alles, um dem israelitischen Volk den Einen Gott nahezubringen, Ihn gleichsam in die Herzen der Menschen einzupflanzen. Wer den Einen Gott jedoch nicht anbeten möchte, indem er Seinen Willen tut, der suchte und sucht sich heute noch Kultgötter. Ähnlich war es auch mit den Israeliten, die auf dem Weg durch die Wüste ihren ersten Priester (Aaron aus dem Stamme Levi) dazu drängten, einen sichtbaren Gott zu machen, woraus der Tanz um das Goldene Kalb wurde. Da Aaron sein Amt an seine Nachkommen weitergab, hatten diese allein die Vollmacht, den Dienst in der Stiftshütte (später im Tempel) zu vollbringen.

Die anderen Leviten (Angehörige des Stammes Levi) wurden als Gehilfen der Priester eingesetzt und hatten untergeordnete Aufgaben. Insofern ist deine Frage berechtigt, ob Meßdiener und Mesner mit den Tätigkeiten der ehemaligen Leviten vergleichbar sind. Als David den Tempeldienst reorganisierte, bekamen die Leviten einige neue Aufgaben: das Türhüten, das Musizieren und Singen, Reinigungsaufgaben, Vorbereitung von Opfern, Verwaltung der Tempelschätze usw. Nach dem Exil (um 550 vor Christus) oblag ihnen auch die Aufgabe, das Volk im Gesetz des Mose zu unterweisen.

 

Der Prophet:

Du sprichst etwas ganz locker aus, nämlich, daß das Volk im Gesetz des Mose unterwiesen wurde. War es das Gesetz Mose, oder waren es die hineingedichteten Gesetze der damaligen Priesterkaste?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Vergleicht man das, was angeblich Gott durch Mose sprach, mit den Worten Gottes durch Jesus, dann muß man an der Authentizität der überlieferten Worte durch Mose zweifeln. Leider ist es nach Tausenden von Jahren immer noch die Anlehnung an die damaligen Kultzeremonien, denn die heutigen Diakone, Zeremoniare, Meßdiener und Mesner übernehmen nun einen Teil dieser Aufgabe. Man kennt auch den Begriff "Altardienst".

Übrigens fällt mir gerade ein: Je "höher" der Zelebrierende auf der hierarchischen Leiter steht, um so "höher" stehen auch seine Diener bei den Zeremonien. Z.B. dienen dem Papst bei den Zeremonien Kardinäle; den Kardinälen dienen Bischöfe; den Bischöfen dienen Pfarrer und Kapläne, und bei "gewöhnlichen" Anlässen wie einer normalen sonntäglichen Messe dürfen auch die Meßdiener dienen.

 

Der Prophet:

Darf ich dich unterbrechen? Hier erhebt sich die Frage: Woher kommt die kirchliche Hierarchie? Dieses Oben-Unten? Diese Unterschiede? Schon Mose wurde angedichtet, daß er eingeteilt habe in: Hohepriester - reguläre Priester - Leviten.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Wenn einer, der König werden will, beschreibt, was der König zu tun haben wird, dann ist es seine Vorstellung. Genau gleich ist es, wenn die Priester des Volkes Israel in den Jahren 1250 - 500 v.Chr. in Anlehnung an die Priester der sie umgebenden heidnischen Völker einen Priesterdienst entwickelt haben, dessen Organisation sie dann Mose in den Mund legten.

Obwohl dann auch Jesus kein Wort zur Begründung einer Hierarchie gesagt hat, wurde ein System aufgebaut, das dem Geist der Welt entspricht. Von den Titeln und Würden, die der Mensch für so wichtig hält, hat Jesus nichts gesagt.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Die Hierarchie der lutherischen Kirche ist zwar nicht so ausgeprägt wie die der katholischen; es gibt viel mehr demokratische Entscheidungen. Doch eine Wandlung zur Gleichheit hat auch hier nicht stattgefunden. So gibt es, wie in der katholischen Kirche, unterschiedliche "Dienstgrade".

Die evangelische Kirche kennt an der Spitze der Kirchenleitung z.B. den Kirchenpräsidenten oder den Landesbischof. Das Bischofsamt wurde übrigens erst im 20. Jahrhundert eingeführt, in manchen evangelischen Kirchen parallel zum Führerprinzip unter Adolf Hitler, in Bayern z.B. im Mai 1933.

Der Bischof leitet die Kirche zusammen mit den Oberkirchenräten. Der Titel "Kirchenrat" wird daneben als Ehrentitel verliehen. Wietere Dienstgrade sind Dekan, Pfarrer und der in der Ausbildung stehende Vikar. In manchen Kirchen kennt man in hoher Leitungsfunktion noch den Präses anstelle des Bischofs, den Landessuperintendenten anstelle des Oberkirchenrats und den Superintendenten oder Propst anstelle des Dekans.

Zwar gelten alle auf diese Weise im Amt stehenden Theologen nach wie vor auch als "Pfarrer" im Sinne des Pfarrerdienstrechts, doch bedeutet der höhere Dienstgrad z.B. auch das höhere Gehalt.

 

Der Prophet:

Das alles bezahlen die Kirchenmitglieder und jeder einzelne Bürger durch die Steuern, ob Kirchenmitglied oder nicht.

 

Ein Fachmann
für katholische Theologie:

Vor allem die höchsten Gehälter der Amtsträger werden in Deutschland oft direkt vom Staat gezahlt. So finanziert beispielsweise der Freistaat Bayern aufgrund von Art. 10 des "Konkordats zwischen Seiner Heiligkeit Papst Pius XI. und dem Staate Bayern" vom 29.3.1924 der katholischen Kirche bis heute die in Bayern ansässigen Erzbischöfe, Bischöfe, Dompröpste und Domdekane, Kanoniker, Dom- bzw. Generalvikare, die bischöflichen Sekretäre und die Direktoren der Priester- und Knabenseminare der Kirche. Alle diese Kirchenvertreter werden wie hohe und höchste Staatsbeamte besoldet.

 

Ein Fachmann
für evangelische Theologie:

Die Steuerzahler bringen also erhebliche finanzielle "Opfer", um vielen kirchlichen Amtsträgern staatlich finanzierte fünfstellige Monatseinkommen zu ermöglichen. Die Bezüge der Bischöfe liegen z.B. zwischen DM 13.000,- und DM 20.000,- monatlich, dazu kommen zahlreiche Vergünstigungen. Einige Führungskräfte bei den kirchlichen Hilfswerken im sozialen Bereich verdienen sogar noch mehr. Gleichzeitig sind Kinder und ehrenamtliche Helfer auf den Straßen mit Sammelbüchsen, manchmal auch "Opferbüchsen" genannt, unterwegs.

 

Bei dem Wort Opfer fällt mir auch die kirchliche Lehre ein. "Christus hat sich für dich geopfert", heißt es in manchen Predigten - "was tust du für Christus?" Im Hintergrund steht meistens der kirchliche Glaube, wonach sich Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zum Sühnopfer gemacht habe, um Gott mit uns zu versöhnen. Allein der Glaube an diese so bezeichnete Heilstat würde nach evangelischer Auffassung zur Vergebung der Sünden und damit letztlich zum ewigen Heil führen. Sowohl im katholischen als auch im evangelischen Glauben wird diese Sühnopferlehre als die frohe Botschaft des Evangeliums ausgegeben.

Die heidnischen Opfervorstellungen wurden auf diese Weise aber nicht überwunden, sondern unterschwellig verfestigt und bestärkt. Denn Gott bedurfte laut kirchlicher Lehre eben eines "Christus", der wie ein "Priester" ein Sühnopfer darbringen mußte, weil anders die Versöhnung zwischen Gott und Mensch nicht möglich gewesen wäre. So habe sich Gott in Christus - so der Glaube der Kirchen - auf Golgatha selbst zum Menschenopfer gemacht, um die menschliche Schuld ein für allemal zu sühnen. Dies soll dem Menschen die Rettung bringen, wenn er gemäß der katholischen bzw. evangelischen Lehre glaubt bzw. lebt.

In Wirklichkeit hat man damit grausame Gottesvorstellungen aus dem Heidentum verfestigt und die hiernach zu erwartenden grausamen Folgen für die Menschen dabei nur etwas verlagert. Die Verlagerung der Folgen besteht darin, daß ewige Verdammnis auf diejenigen wartet, welche dieses angebliche "Opfergeschenk" zurückweisen oder nicht annehmen, auch wenn sie sonst ihren Nächsten lieben.

Ob diesem Gott letztlich zu trauen ist? Die evangelische Lehre spricht an anderer Stelle vom "Geheimnis" eines "abwesenden" Gottes, und beide Kirchen lehren, daß in der ewigen Verdammnis keine Reue und auch kein Opfer mehr hilft.

 

Auch wenn vor allem viele Evangelische sich die "Freiheit" herausnehmen, ihre eigene Lehre kaum mehr ernst zu nehmen und über vieles hinwegzugehen oder manches als nicht mehr "zeitgemäß" zu erachten - wie reagieren sie im tiefen Leid oder in Situationen, in denen sie kaum einen Ausweg sehen?

Besteht nicht die Gefahr, daß Gott angeklagt wird als grausam, weil er alles zulasse, was einem geschieht?

So sprach erst vor kurzem ein des Totschlags an seiner Frau an-geklagter evangelischer Pfarrer vom "grausamen" Gott.

Und was die Opfervorstellungen betrifft: Wenn diese nicht durch das Hineinwachsen in die allgegenwärtige Liebe Gottes überwunden werden - können sie dann nicht auch in der Kirche wieder aktiv werden?

 

Der Prophet:

Jesus hat nicht solches gelehrt oder selber getan. In keinem Bericht können wir erfahren, daß Jesus ein Opfer im herkömmlichen Sinn dargebracht oder andere damit beauftragt habe. Sein eigenes Leben hat Er für uns, Seine sündigen Geschwister, dargebracht, aber nicht als Sühneopfer, um einen zürnenden Gott milde zu stimmen. Mose und alle anderen Propheten haben sich mit dem Wort Gottes der Priesterkaste und den ihnen Hörigen ausgesetzt, um Jahwe, den einzigen Gott, den Menschen nahezubringen. Sie litten unsagbar unter der dumpfen Masse und der Anklage durch die Priesterschaft. So mancher mußte sein Einstehen für den Einen Gott mit dem Leben bezahlen.

Was den Propheten des Alten Testamentes zugedichtet wurde, kann man leicht erkennen, wenn man die Bergpredigt Jesu, aber auch die Zehn Gebote Gottes durch Mose den Bibeltexten gegenüberstellt,
die angeblich Gott durch die Propheten gesprochen haben soll.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Wenn ich an die Kultopfer denke, kann gesagt werden, daß kein einziges der zahllosen Opfer, die in der Zeit des Alten Testamentes von Priestern dargebracht wurden, diese oder ihre Auftraggeber sündelos gemacht haben. Wenn sie z.B. glaubten, am Versöhnungsfest die gesamten Sünden des israelitischen Volkes auf einen "Sündenbock" abwälzen zu können, so haben die damaligen Menschen die wahre Botschaft Gottes mißverstanden: Etliche Propheten haben das Volk immer wieder auf derartige Irrtümer hingewiesen.

Jesus hat - dies ist z.B. in der Bergpredigt und in den Abschiedsreden zu erkennen - das Opfer des eigenen Egos gefordert, damit der Mensch die echte Brüderlichkeit erlangt, in der einer dem anderen dient. Er hat nie davon gesprochen, daß der Mensch seine Fehler auf einen anderen abschieben kann, auch nicht auf ein Tier. Auch hat Er nie gelehrt, daß die Menschen ihre Sünden auf Ihn, den Christus, abschieben sollen. Sein Tod hat uns nicht automatisch von allen Sünden befreit, so daß wir nichts mehr tun müßten, um uns zu läutern.

Jesus wollte auch keine Tempel aus Stein: Die alten Israeliten kannten nur einen Tempel in Jerusalem. Jesus hatte kein äußeres Zentrum, von wo aus Er zu den Menschen sprach. Er lehrte wohl im Tempel und in einzelnen Synagogen. Die meiste Zeit jedoch lehrte Er die Menschen in der Natur.

Nach der Kreuzigung des Jesus, des Christus, versteckten sich Seine Jünger in einem Haus, später in mehreren Häusern. Einige dieser Verstecke wurden zu Versammlungsorten der ersten Christen. An diesen geheimen Orten berichteten Apostel und Jünger von Jesus. Durch die Verfolgung seitens der Schriftgelehrten und Pharisäer - allen voran Saulus - wurden die erste Christen weit verstreut von Ägypten bis Klein-Asien, Griechenland, Rom; überall begannen zunächst die jüdischen Christen, unter sich in Häusern kleine Gruppen zu bilden. Unter diesen waren auch Leviten, die sich natürlich recht schnell an ihre "ehemaligen Aufgaben" erinnerten.

Ohne sich Rechenschaft zu geben, ob dies Jesus so lehrte und ob Er dies wollte, flossen kultische Elemente des überkommenen Tempeldienstes in die junge Gemeinde ein, vor allem dort, wo keine Augenzeugen des Jesus wirkten. Die Gemeinden, die sich im Namen Jesu zusammenfanden, waren zusammengesetzt aus jüdischen Christen, die zunächst auch noch in den Tempel gingen oder die Synagoge besuchten. Wer die Berichte der Apostelgeschichte mit offenem Bewußtsein auf sich wirken läßt, dem wird deutlich: Erst während der Verfolgung durch die Priesterkaste mit Hilfe der staatlichen Gewalt klärten sich die Fronten zwischen den Juden und den Judenchristen. Was sich in der Folgezeit entwickelte, war leider so, daß man sagen kann: Je mehr Abstand von der Zeit des Jesus von Nazareth - um so weniger, wie Jesus es wollte.

Jesus hat keine Unterschiede gemacht bei der Auswahl Seiner Apostel und Jünger; Er berief jene, die Ihm nachfolgen wollten. Nicht Stand oder Ausbildung waren maßgebend. Wie Er selbst kein Aufhebens von sich machte oder sich in einem Amt fühlte, so führte Er auch Seine Jünger dazu, einfach einander zu dienen. Jesus selbst war nicht Priester und auch keiner Seiner Apostel. Wir können sogar gut fühlen, wie klar und deutlich Er sich vor den Hohepriestern Annas und Kaiphas ausdrückte: Er schwieg. (Mt 26, 63 / Mk 14, 61) Als sie Ihn weiter fragten und Jesus schließlich mit einem Propheten-Wort (Dan 7, 13) antwortete - "Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten Gottes sitzen sehen ..." - da wurde es Ihm als Gotteslästerung ausgelegt, für die Er sterben müsse.

Jesus war d e r Prophet, Er war das Wort des ewigen Vaters. Aber Er wurde nicht erkannt von jenen, die das Volk hätten vorbereiten sollen für Sein Kommen. Solche Priester brauchte es nicht mehr in der neuen Gemeinschaft, die durch das Beispiel des Jesus am Entstehen war. Die Apostel taten die ersten Schritte im weiteren Aufbau; sie sprachen von Diensten: Prophetie, Lehre, Diakonie, Heilung, Unterscheidung der Geister und andere mehr. In diesen Diensten unterschieden sie sich nicht von den übrigen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, sondern sie waren Führer in der Weise der alltestamentlichen Propheten, also vom Geist Gottes erfüllten Männern und Frauen. Durch sie kam "der Geist der Wahrheit" (Joh 16, 12), den Jesus Seinen Aposteln für die kommende Zeit verheißen hatte.

Die Zusammenkünfte im Sinne von Jesus galten Seinem Andenken und der Gewißheit, daß Er jeden einzelnen Gläubigen führte und teilnehmen ließ an dem Licht, in das Er ihnen vorausgegangen war. Auf diesem total neuen Weg bedurfte es keiner Priester, da jeder selber entscheiden mußte, ob und wie er Jesus nachfolgen wollte oder nicht.

Dieser Weg war klar. Es war nicht der Weg der Priester und Schriftgelehrten. Doch deren Geist und Mentalität war weiterhin in vielen Menschen wirksam. So ganz allmählich wurden die jungen Christengemeinden durchwachsen von Elementen, die das Äußere, die Organisation, für wichtig hielten. Die Geistträger - Apostel, Propheten und Lehrer - wurden mehr und mehr ausgeschaltet, so daß das junge Christentum geistig verarmte und viele kaum mehr merkten, wie sie unter die Fittiche der mächtiger werdenden Bischöfe gerieten.

Deren "Schutz" glaubten sie um so mehr zu brauchen, als parallel zur genannten Entwicklung auch die Römer aktiv wurden, weil sie merkten, daß diese Christen nicht mehr den Göttern des römischen Staates dienten und sich ebenso weigerten, den Kaiser zu verehren. Was lag näher, als eben diese Christen verantwortlich zu machen für Epidemien, Hungersnöte, Überschwemmungen, Fehlschläge, weil sie "den Zorn der Götter hervorgerufen" haben. Besonders scharfe und grausame Verfolgungen befahlen Kaiser Nero (64 n.Chr), Mark Aurel (180 n. Chr), Decius (um 250 n. Chr), Valerian (um 260 n. Chr), Diokletian (303 n. Chr).

Die Folgen dieser äußeren Bedrängnis wurden noch überboten von den Folgen der inneren Uneinigkeit der jüdischen und griechischen Neuchristen. Während das israelitische Volk durch die Propheten auf den Messias hingeführt wurde, waren die Griechen durch ihre Philosophen, vor allem durch Sokrates und Platon, sensibilisiert, um Jesus von Nazareth als den Christus Gottes und den Logos der Welt, das inkarnierte Wort Gottes, zu verstehen, wie es im Johannes-Evangelium anklingt.

Eigenartigerweise hatte das israelitische Volk nicht so leichten Zugang zu einem Sohn Gottes. Es blieb weiter abhängig von der Meinung seiner Priester, die für es die Garanten der mosaischen Tradition waren.

Mit dieser Tradition ging auch der Tempel-Opferkult einher, wie ihn die Priester während vieler Jahrhunderte nach Mose entwickelt hatten. In diesem sahen die Römer eine Verwandtschaft, ja sogar eine Annäherungsmöglichkeit. Die griechischen Neuchristen hingegen hielten sich nicht an die jüdischen "Reinheits"-Vorschriften, so daß sich eine Spaltung entwickelte, die in den folgenden Jahrhunderten verhängnisvoll wurde.

Auf der einen Seite trugen Paulus mit seinen Lehrstunden und Briefen und Johannes mit seinem Evangelium die Botschaft von Jesus vor allem zu den Griechen; auf der anderen Seite blieben die jüdischen Christen mehr unter sich und verloren recht schnell ihre Führer, nämlich die Apostel als Augenzeugen des Wirkens Jesu, und zwar durch die Verfolgung von seiten der Priester und Schriftgelehrten. Die Botschaft Jesu floß nun sozusagen in zwei verschiedenen Strömen in die folgenden Jahrhunderte.

An dieser Stelle beschäftigt uns vor allem der Weg der jüdischen Christen, die mehr und mehr in die römische Welt absorbiert wurden, obwohl sie nicht den gleichen Glauben hatten wie die Römer. Der Opfergedanke und mehr und mehr der Opferkult war der eine Ansatzpunkt; und der andere waren die Streitigkeiten über Gott und Seinen Sohn und den Heiligen Geist. Mit einer solchen Dreiheit konnte der Römer etwas anfangen. Aktuell wurde es mit Kaiser Konstantin, der in den Christen eine Möglichkeit sah, sein Regime im Römerreich zu festigen. So erhob er im Jahre 313 n.Chr das Christentum zur Staatsreligion seines Imperiums. Doch es waren nicht mehr die Urchristen, die den Ton angaben, sondern veräußerlichte Scheinchristen. Es entstand eine konstantinische Staatskirche, an deren Spitze der Kaiser und von ihm berufene Bischöfe standen, die auf Geld, Macht und Aussehen aus waren. Es war eine Staatsreligion geworden, die gemeinsam mit dem Staat die Völker in neue Konflikte, neue Kriege und neues Unrecht stürzte.

Das von Konstantin zur Staatskirche erhobene Christentum war bereits seit dem Ende der kurzen Apostelzeit auf gefährliche Weise von Institutionalisierung und Machtdenken infiziert und wandte sich immer mehr von der lebenspendenden Quelle des lebendigen Christus Gottes ab.

 

Als die Apostel nicht mehr am Leben waren, gewann in der sogenannten "Kirche Christi" ganz allmählich theologisches Denken die Oberhand, das entweder noch im jüdischen Priesterdenken wurzelte, zunehmend aber aus dem römisch-heidnischen Bereich stammte. Es entwickelte sich der Stand der Theologen, die meist auch ein Bischofs- oder Priesteramt ausübten. Ein wichtiger Faktor, der später die verhängnisvollsten Folgen haben sollte, ist schließlich, daß Theologen, die aus dem römisch-heidnischen Bereich zum christlichen Glauben wechselten, von antisemitischen Tendenzen berührt waren, die damals im römischen Reich grassierten. Statt sich von ihnen zu befreien, was die logische Folge ihrer Bekehrung zu Jesus hätte sein müssen, bemühten sie sich, diese Tendenzen zu rechtfertigen und sie durch ihre Interpretation der Evangelien zur Entfaltung zu bringen.

Im Laufe von Jahrhunderten haben die Patristik (die Lehre der Kirchenväter), die Dogmatik, die Konzilsbeschlüsse und die Politik der Kirche das Bibelwort und die Botschaft des wahren Evangeliums endgültig erstickt. An die Stelle der schlichten Lehre des Jesus von Nazareth traten kirchliche Dokumente. So, wie grundlegende Dogmen heidnisches Gedankengut wiederspiegeln, so auch viele Sakramente. Der Begriff "Sakrament" ist nicht biblischer Herkunft; es ist eine dem christlichen Glauben anerzogene "Wahrheit" der Priesterkaste.

 

Der Prophet:

Wir erkennen also: Die meisten Abläufe in der Rom-Kirche sind vom Heidenkult abgeleitet und haben mit Jesus, dem Christus, nichts gemeinsam. Was hat die Bibel dann noch für eine Bedeutung? Welche Bedeutung haben die unmittelbaren Lehren des Jesus, des Christus, und Seine Bergpredigt? Gehen wir zurück zu Mose und allen Propheten des Alten Testamentes: Kann man noch erkennen, was Wahrheit und was Dichtung ist? Was hat Gott durch die Propheten tatsächlich gesprochen? Und was wurde von der Priesterkaste hinzugedichtet? Mit Recht kann man sagen: Schlagt die Bibel zu, denn die Botschaft des Jesus, des Christus und der Propheten wurde verraten.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Wie die urchristliche Lehre, die Lehre des Jesus, des Christus, verbogen wurde und was Jesus, Mose und allen anderen Propheten angedichtet wurde, zeigt schon die Dreifaltigkeitsformel, die von Konstantin und den ihm ergebenen Bischöfen im Jahr 325 n.Chr. durchgesetzt wurde.

Der nächste Verrat an Jesus, dem Christus, entstand etwas später: Es waren und sind die Bildnisse, die Reliquien, das Kruzifix, der Toten- und Todeskult und auch die Marienverehrung. Schon in Alexandria tritt zum ersten Mal in einem aus der Feder des Bischofs Petrus stammenden Schriftstück die irrige Bezeichnung "Mutter Gottes" auf.

Diese Beispiele beweisen, daß seit dem Ende der Zeit der Apostel unzählige Interpretationen, also Abweichungen vom Wort Gottes erfolgten, wie es durch Mose, durch alle weiteren Propheten und vor allem durch Jesus, den Christus, gegeben wurde. Das "Christenvolk" und sein Glaube wurden seither einer skrupellosen Interessenpolitik ausgeliefert.

 

Seit das Christentum Staatsreligion wurde, verwaist das unmittelbare Wort Gottes. Seither herrscht geistige Sklaverei durch Kirchenabhängigkeit; bis heute werden im Namen des Christus Kriege geführt; Verdertbtheit, Falschheit, Betrug und Wucher nehmen auch bei denen immer mehr zu, die sich "Christen" nennen, Aberglaube und nicht zuletzt Magie sind Ausläufer des Kirchenchristentums und seiner heidnischen Bestandteile. Die sogenannte "christliche" Staatsreligion und die ihr Hörigen denken, leben und handeln, als wäre Christus nie auf Erden gewesen.

Seit der Degradierung der Inneren Religion, der Freiheit im Glauben und Leben des Christus Gottes, vermehrte die Staatsreligion unablässig ihre Autorität und ihren Reichtum, bis sie sich sogar stolz über Könige und Kaiser erhob und auch heute noch den Staat nicht selten zu ihrem Büttel zu machen versucht.

 

Der Prophet:

Einer sogenannten christlichen Gesellschaft, die bis zum heutigen Tag den Namen des Jesus, des Christus, und die Propheten nur für ihre Zwecke gebraucht, die Kriege befürwortet, die, im Gegensatz zu den Worten Jesu, daß Gott in keiner Kirche aus Stein wohnt, weiterhin Dome, Kathedralen, also Kirchen aus Stein, errichtet, die weiterhin geistige Sklaverei beibehält, in der Form der Hörigkeit, der Abhängigkeit des Gläubigen, der Wassertaufe des Säuglings, die heute noch Religionskriege duldet, müßte die Bezeichnung "christlich" abgesprochen werden.

Seit dem Ende des ersten Urchristentums, durch die Erhebung des Christentums zur Staatsreligion, hat die Priesterkaste wahrhaft gewütet, als hätte es Jesus, den Christus, nie gegeben.

Wie lange noch läßt sich das Kirchenvolk im Namen des Jesus, des Christus, blenden? Wie lange noch können die Amtsträger, heute Kardinäle, Bischöfe, Priester und Pfarrer genannt, im Namen des Jesus, des Christus, auftreten? Meines Erachtens nur so lange, wie das Kirchenvolk lethargisch bleibt. Mir ist bekannt, daß so mancher junge Mensch, ein Aspirant der Theologie, der von innen her ein wahres Bild Inneren Lebens hatte, ein Christusbild in der Nachfolge des Nazareners, durch das Theologiestudium total verbogen wurde. Ein gläubiger junger Mensch mit hohen christlichen Idealen wurde zu einem theologischen Machwerk, das nur noch denkt, was ihm Theologieprofessoren eingehämmert haben.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Der heutige Priester oder Pfarrer muß ein Theologiestudium absolvieren, um Pfarrer oder Priester zu werden. Er schafft sich also einen Brotberuf und kann somit nicht sagen, er sei von Gott berufen. Ehrlicherweise muß ich leider einräumen, daß die Propheten von Gott berufen sind, daß sie eine innere Verbindung zu Gott und Gotteserfahrung haben, nicht aber der Theologe, der sich durch das Theologiestudium eine "Position" erwirbt, um beim Volk über Gott zu reden.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Ich habe mich für das Theologiestudium entschieden, weil ich mich als Jugendlicher für Jesus und Seine Botschaft begeistern ließ. Bei Gesprächen über die Berufswahl wurde ich gefragt, ob unter dieser Voraussetzung nicht das Studium der Theologie und der Beruf des Pfarrers das Richtige für mich sei.

Ich hatte Zweifel daran, doch viele meiner damaligen Gesprächspartner, darunter auch amtierende Pfarrer, sahen es anders. Demnach wäre der Pfarrerberuf eine besondere Berufung für Menschen, die Jesus mit ganzem Herzen und in ihrem ganzen Leben nachfolgen wollen.

Während des Studiums kamen die anfänglichen Bedenken immer wieder. Denn nirgends hat Jesus davon gesprochen, daß Seine Nachfolger Theologie studieren und Pfarrer oder Priester werden sollen. Jesus verdiente Seinen Lebensunterhalt als Zimmermann, und auch von Seinen Jüngern arbeitete keiner als Theologe oder Priester.

Doch ich gewöhnte mich an den Anspruch der kirchlichen Institutionen und ihrer Pfarrer und Priester, Gemeinschaft der Nachfolger Jesu zu sein, und ich entschied, an dieser Gemeinschaft, so weit es mir möglich wäre, einiges zu verbessern. So mündete der Schwung aus der jugendlichen Nachfolge Jesu in das Bemühen, an der Kirche etwas verbessern zu wollen.

Doch nach einiger Zeit war meine anfängliche Kraft und Begeisterung weitgehend dahin, und in der Kirche war das meiste beim alten geblieben.

Vieles Gewohnte stellte ich nun kaum mehr in Frage, und ich wurde selbst zu einem, der als Pfarrer schon Kinder an kirchliche Handlungen gewöhnte. Auch reihte ich mich als Pfarrer und Religionslehrer in das ordentliche Lehrpersonal staatlicher Schulen ein und stand in meiner Funktion als "Experte" bei Glaubensfragen zur Verfügung. Doch war ich wirklich dafür geeignet, meinem Nächsten bei Fragen zum christlichen Glauben weiterzuhelfen? Zwar hatte ich viel theologisches Wissen, doch dieses Fachwissen war keine Gotteserfahrung.

Dennoch zog ich wie selbstverständlich irgendwann ein schwarzes Gewand an, teilte Hostien aus, reichte einen goldenen Becher mit Wein und verknüpfte mit diesen Handlungen die Gegenwart von Christus unter uns Menschen. Dies war jetzt mein Beruf, und dazu schien ich ja offenbar "berufen". Über diesen jahrhundertelang "bewährten" kirchlichen Handlungen kam ich aber nicht zur Ruhe. Denn ich spürte, daß sie nichts mit Jesus von Nazareth zu tun hatten.

 

Der Prophet:

Ein Theologe dient also von Berufs wegen und sollte von denen entlohnt werden, an welchen er seine Dienste erbringt. Leider ist es aber anders. Ein amtierender Theologe, ein Pfarrer oder Priester, ist nicht darauf angewiesen, für den einzelnen Dienst, den er erbringt, entlohnt zu werden. Er bekommt ein beamtenähnliches Gehalt aus der Kirchenkasse, in welche unter anderem auch die Staatssubventionen hineinfließen.

Der Prophet hingegen dient seinem Nächsten um Gottes Lohn, weil er berufen ist. Gleichzeitig übt er eine Tätigkeit aus, durch die er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Sagte nicht Jesus sinngemäß, daß diejenigen, die sich für Gottes Wort von Menschen entlohnen lassen, schon ihren Lohn haben: "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" und "Habt acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel".

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Pfarrer und Priester wird man durch das Theologiestudium, um nach dessen Abschluß Aufgaben übernehmen zu können wie Predigt, Seelsorge, Kulthandlungen, Leitungsaufgaben in Vereinen usw. Weil der Pfarrer nun mal die ganze Zeit Pfarrer ist, wird er auch dafür entlohnt, ob er viel, wenig oder kaum Dienste leistet. Man muß sagen, es ist wie bei einem angestellten Juristen oder Lehrer; es ist ein Beruf, um damit Geld zu verdienen.

Was die Motivation angeht, warum ein Mensch sich zum Theologiestudium hingezogen fühlt, so ist dies wohl so verschieden, wie es verschiedene Menschen gibt. Wenn das Gehalt die Motivation für einen Theologen ist, dann wird auch der Mammon der Gott sein, der sein Unterbewußtsein nährt und sich in seiner Arbeit bemerkbar macht in Herrschertum, Macht, Pomp, Einfluß usw.

Bei dem von Theologen, Pfarrern und Priestern verbildeten Kirchenvolk gelten Mystiker oder gar prophetische Menschen ebenso wenig wie Jesus, der Christus, bei dem von den Pharisäern und Schriftgelehrten der damaligen Zeit verbildeten Volk.

Ich persönlich prüfte mit 20 Jahren meine "Berufung" im Sinne von: Macht es mir Freude, mit dem, was Jesus uns gesagt hat, in die Dritte Welt zu gehen und den benachteiligten Menschen zu helfen? - Mir wurde immer klarer, daß ich mich von innen heraus für eine Missionsgemeinschaft entscheiden mußte; ich wußte, daß ich in dem Fall keinen Lohn in Eigenverwaltung haben würde, auch daß ich jahrzehntelang in der Ferne leben würde, weg von meinen Bekannten und Verwandten. Daraus entwickelte sich mein Schritt: Herr, ich folge Deinem Ruf.

Erst heute, viele Jahre später, erkenne ich an Dir, Gabriele, was es wirklich heißt, dem Ruf zu folgen, den der Herr zu wachen Seelen spricht. Dein Leben zeigt mir die Kompromißlosigkeit der echten Nachfolge, die bereit ist, alles aufzugeben, was uns an diese Welt fesselt und von Gott trennt - nicht nur im Äußeren, sondern auch in unseren Gefühlen, Empfindungen, Wünschen und vor allem in der Einstellung zu unserem Nächsten.

Der Prophet wird von Gott auf eine außerordentliche Weise angesprochen, weil er auch eine außerordentliche Aufgabe zu erfüllen hat, an die er immer wieder von Gott erinnert wird. Das kenne ich auch von alttestamentlichen Propheten, aber konkret wird es für mich erst jetzt, wo ich dir als lebender Prophetin begegnet bin. Mir half also dein Vorbild, deine Vertrautheit mit Gott, vom üblichen Theologe-Sein Abstand zu nehmen.

 

Der Prophet:

Zu allen Zeiten stellte sich der Prophet jeglichem Autoritären entgegen, und zwar mit der entsprechenden Heftigkeit. Hier müßte man doch sagen, daß Gott, der Ewige, keinen berufsmäßigen Theologen eingesetzt hat und einsetzt, um Sein Wort dem Volk zu vermitteln.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Es ist ein Merkmal des Propheten, daß er gegen das Autoritäre, das Bestimmende, vorgeht, gegen das Muß, das den Menschen nicht die Freiheit läßt, die Gott sie im "du sollst" lehrt. Der Prophet weiß, wem die Autorität gebührt: Gott allein. Der Prophet unterscheidet - da er gegen jedes Hierarchische ist - zwischen dem Autoritären und der Autorität. Es ist das Erste Gebot - "Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben" -, für das die Propheten mit allem Nachdruck zu allen Zeiten einstanden.

Jesus, der Christus Gottes, hat keine berufsmäßigen "Theologen" eingesetzt, um Sein Wort den Menschen zu vermitteln. Abraham, Mose, Elia, Elischa, Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia usw. kamen mehr oder weniger aus dem Volk. Im Gegensatz zum Propheten weiß der Theologe nicht, wem die Autorität gebührt, denn allzu oft hat er – genau wie damals die Schriftgelehrten, die Jesus von Nazareth verfolgten und kreuzigen ließen – sich selbst die Autorität zugesprochen und sich somit gegen Gott, die einzig wahre Autorität, gestellt. Dabei bedienen sich die Theologen, wenn es ihnen paßt, der weltlichen "Autorität", die letztlich die autoritäre Gesellschaft ist.

Aus der Geschichte sind mir ein paar Menschen bekannt, die ein theologisches Studium hinter sich hatten und dann mit voller Kraft, mit Herz und Liebe alles für unseren Herrn Jesus, den Christus, getan haben; es kommen mir Männer in den Sinn wie Arius, Montanus, Origenes und viele, die von der Kirche als Häretiker abgestempelt wurden, so auch Savonarola u.a.

 

Der Prophet:

Im Namen der heiligen Gerechtigkeit Gottes waren die Propheten, die Männer und Frauen, gegen die Priesterkaste, gegen die Tempel aus Stein und gegen die Traditionen. Für viele Propheten war das Sich-Aufbäumen gegen die Templer und die Traditionen das Ende ihres Prophetseins, denn so mancher kam vor den Henker, der dann im Auftrag der Staatsgewalt ausführte, was die Priesterkaste wollte. Wie ist es heute?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Es war lange Zeit so, wie es Jesus zu den Pharisäern und Schriftgelehrten gesagt hat: "Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur anderen ..." (Mt. 23, 24). Heute dürfen die Schriftgelehrten zwar niemanden mehr physisch töten - sie versuchen, Andersgläubige deshalb per Rufmord mundtot zu machen. Das Zitat bleibt dennoch von Bedeutung: Abgesehen von der Frage, wer in diesen Text die "Schriftgelehrten" eingefügt hat, wird jedenfalls klar, daß Jesus als der auferstandene Christus weiterwirken wird, und zwar durch Propheten. Der Gottesgeist hat keine andere Wahl, als durch Seine Instrumente jene anzusprechen und zu entlarven, die das Volk vom wahren Hirten wegführen. Nur auf diese Weise können sich die einzelnen Schafe von den vermeintlichen Hirten lossagen. Würden sich die Priester selbst als "Opferlamm" zur Verfügung stellen, dann würden sie unter Umständen merken, wie verwerflich ihr Tun ist, wenn sie täglich millionenfach über das "Opferlamm Jesus" verfügen, gewissermaßen die schwerste Stunde unseres Erlösers zur täglichen Zeremonie machen und sozusagen verewigen.

 

Der Prophet:

Wer hat das Altaropfer in den sogenannten christlichen Amtskirchen eingeführt? Sicherlich nicht Jesus, der Christus, denn Sein Opfer war und ist die Kraft der Himmel, das erlösende Licht, das der Seele den Weg zur ewigen Wahrheit weist. Geopfert, gleich hingeschlachtet, wurde Jesus, weil sich die Priesterkaste von Ihm entlarvt sah und Ihn beseitigen wollte. Das törichte Volk half ihr dabei. Zuerst rief es "Hosianna!", dann, als die Priesterkaste hetzte, "Kreuzigt Ihn!".

 

In der heutigen Zeit ist es etwas subtiler. Menschen, die in die unmittelbare Nachfolge des Jesus, des Christus, treten und aufgrund ihrer eigenen geistigen Erfahrung und Verwirklichung den Weg zum Herzen Gottes lehren, werden von Angehörigen der heutigen Priesterkaste durch Verleumdung und Diskriminierung dem Volk geopfert, auf daß dieses es ihnen gleich tut.

Es wäre lobenswert und sicherlich vorbildlich, wenn die Kaste der Priester - gleich, ob sie sich Pfarrer, Priester, Bischöfe oder Kardinäle nennen - ihren Habitus, das heißt ihre sogenannten Würden opfern würde, um das zu tun, was Jesus wollte. Dann wären sie eventuell Nachfolger des Jesus, des Christus; und sicherlich wäre dadurch so mancher bereit, die heidnischen Kulte zu lassen, auf daß die einfache Lehre des Jesus, des Christus, wieder zum Vorschein käme.

Gott sprach und spricht durch Propheten in der Muttersprache des prophetischen Menschen. Häufig entspricht das Wort Gottes durch Seine Propheten nicht der Bibel. Warum, das wurde schon ausführlich erklärt; die Priesterkaste hat sich das Wort Gottes angeeignet, es vielfach verdreht und zu ihrem Nutzen aufbereitet. So kann man sagen: Die Bibel entspricht manchem Schlachtfeld zur Zeit der Kreuzzüge, in der Menschen im Namen des Kreuzes hingemetzelt wurden, wenn sie sich der Zwangschristianisierung widersetzten. Bei vielen Hingeschlachteten schimmerte im Wort und in der Tat das Leben der Wahrheit hindurch, denn so mancher ließ sich hinschlachten der Wahrhaftigkeit wegen. Auch das Wort Gottes durch die Propheten und durch den größten Propheten, Jesus, den Christus, unseren Erlöser, wurde, symbolisch gesprochen, hingeschlachtet, die Wahrheit verdreht; und doch schimmert da und dort das Licht, die Wahrheit, noch hindurch.

Die Kaste der Priester und Pfarrer hat hierfür keine Unterscheidungsgabe, da sie mehr ihre kirchlichen Glaubenssätze vertritt. Der Beweis liegt auf der Hand, denn das, was in der Bibel offensichtlich dasteht, die Bergpredigt Jesu, wird als Utopie abgetan.

Wenn ich mir vergegenwärtige, wie leichtfertig die Theologen mit den klaren Anweisungen Jesu in der Bergpredigt umgehen, muß ich auf die Frage zurückkommen, wie sich das mit der Aussage der Theologen vereinbart, daß das Wort Gottes wörtlich zu nehmen ist und kein Jota hinzugefügt oder weggenommen werden darf. Wie ist es dann möglich, daß es so viele verschiedene Auslegungen der Evangelien gibt?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Das kirchliche Lehramt möchte natürlich eine einheitliche Auslegung haben. Deshalb wird das Lehramt zunächst nur durch den Papst ausgeübt und in zweiter Linie durch die Kardinäle und Bischöfe gemeinschaftlich in Konzilsbeschlüssen. Was dann durch die einzelnen Bischöfe, Priester und Theologen, die an sich an das Lehramt gebunden sind, weitergegeben wird, sind oft ihre eigenen unterschiedlichen Auslegungen.

Das kirchliche Lehramt hält daran fest, maßgeblich für die Erklärung der Bibel zu sein. Wichtig für die kirchliche Erklärung der Bibel ist auch die Überlieferung, das heißt, was die Kirchenväter des 2. bis 5. Jahrhunderts als Erklärung weitergegeben haben.

Diese Schriften sind aber genauso gefälscht, das heißt, von der Kirche für ihre Zwecke formuliert worden, so daß es sehr schwer ist, den ganzen Wirrwarr zu durchschauen. Noch dazu ist die von Hieronymus zusammengestellte Bibel ("Vulgata") die maßgebende Schriftausgabe. Hieronymus hat bekanntlich selbst erhebliche Zweifel an der Authentizität seiner Übersetzung bzw. der ihr zugrunde liegenden Texte geäußert. Und auch diese Übersetzung wurde dann wiederum dutzende Male übersetzt. Doch die katholische Institution hält daran fest: "Die Kirche ist die Erklärerin der Heiligen Schrift." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., Nr. 93) Was die kirchlichen Amtsträger damit tun, hängt stark mit ihrer jeweiligen Motivation zusammen.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Wenn Theologen behaupten, die Bibel müsse wörtlich genommen werden, dann schließt sich die Frage an: Was ist denn mit "wörtlich" jeweils genau gemeint? Eine weitere Frage wäre: Gilt das "Wörtlich" ohne Ausnahme?

So gibt es Bibellehrer, die behaupten, gemäß einer "wörtlichen" Auslegung hätte Gott die Erde in sieben Tagen geschaffen. Ein anderer gesteht sich aber bereits zu, die sieben Tage als sieben Zeitepochen zu interpretieren. Das Wort "Tag" sei hier also symbolisch zu verstehen, andere Worte, zum Beispiel die Zahl "sieben" wiederum wörtlich. Ein dritter nimmt die Bibel ebenfalls "wörtlich"; weder fügt er ein Jota hinzu, noch nimmt er etwas weg. Doch er hält die Geschichte insgesamt für einen Schöpfungsmythos, eine Art Sage, die aus sich heraus nie den Anspruch erhebt, exakte Beschreibung von Geschichte zu sein. Ob also sieben Tage, sieben Epochen oder weder das eine noch das andere, spiele keine entscheidende Rolle. Es gehe z.B. nur um das Bekenntnis, daß Gott der Schöpfer sei.

Ein weiteres Problem beim "Wörtlich" ist das des Textes.

Hunderte von Theologen waren in den vergangenen Jahrhunderten damit beschäftigt, sich auf einen einheitlichen Wortlaut der biblischen "Urtexte" zu einigen. Denn es gibt Tausende von Wortvarianten. Im Lauf der Jahrhunderte hat man sich mehrheitlich auf einen sogenannten "Urtext" geeinigt, was allerdings nichts darüber aussagt, ob und wie die Worte bereits in den Jahrhunderten vor der Abfassung dieses Textes verfälscht wurden oder nicht. Bei der Frage "Was ging voraus?" herrscht wieder große Uneinigkeit. So stammt der "Urtext" mit den Worten von Jesus überwiegend aus dem 4. Jahrhundert, also aus einer Zeit lange nach dem irdischen Leben des Jesus von Nazareth.

Einer der bekanntesten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Herbert Braun, geht z.B. davon aus, daß nur ca. 20% der Jesusworte echt sind, also wirklich von Jesus von Nazareth stammen. Andere Theologen rechnen allerdings mit einem weit höheren Prozentsatz. Die grundsätzliche Frage lautet hier: Hat es Jesus wirklich so gesagt, oder wurde es - bewußt oder irrtümlich - nach 70, 100 oder mehr Jahren anders wiedergegeben. Weitere Theologen lassen sich überhaupt nicht auf solche Überlegungen ein und belassen es bei der Feststellung, daß nur Jesusworte aus der Erinnerung oder dem Bewußtsein anderer, eventuell aus späteren Generationen, erhalten sind. Dennoch gelte die Bibel in der überlieferten Form als Gottes Wort bzw. als Glaubensgrundlage, weil es kein sichereres und zuverlässigeres Zeugnis gebe.

Legt man also diese Texte zugrunde, ist das nächste Problem bei dem "Wörtlich" das der Übersetzungen. Wie problematisch und manipulativ diese zum Teil sind, mag ein Beispiel aus der Übersetzung Luthers verdeutlichen: Aus der Bibelstelle "Wer das Schwert nimmt, der w i r d durch das Schwert umkommen" machte er in der Übersetzung den Satz: "... der s o l l durch das Schwert umkommen." Und aus dieser Übersetzung leitete er dann die Aufforderung an die Obrigkeit ab, die Todesstrafe zu praktizieren.

Oft konnten sich die Theologen nicht auf einheitliche Übersetzungen einigen. Haben sie sich dennoch geeinigt, stellt sich unter Umständen als nächstes die Frage, ob denn der Wortlaut des "Urtextes" überhaupt mit dem übereinstimmt, was der Betreffende in seiner Muttersprache gesagt hat. So sind die Worte von Jesus in Griechisch überliefert. Jesus hat aber überhaupt nicht Griechisch gesprochen, sondern Aramäisch, eine Sprache aus einem anderen Kulturkreis. Bedeuten die Worte in der Muttersprache eines Sprechenden vielleicht etwas anderes als in dem sogenannten Urtext, der nur in einer Übersetzung wiedergegeben ist?

 

Schließlich bleibt auch für den, der die Bibel "wörtlich" nehmen will, die Frage: Wie ist es denn gemeint? Legt nicht vielleicht jemand, der das Wort heute liest, etwas anderes hinein als der, der es damals schrieb? Und eine weitere Frage ist: Stimmt das Geschriebene überhaupt mit dem überein, was an anderer Stelle geschrieben steht?

So bleiben selbst für den, der die Bibel "wörtlich" nehmen will, viele Spielräume für Auslegungen.

 

Tatsächlich ist es aber eher eine Minderheit von Theologen, die lehrt, die Bibel müsse "wörtlich" genommen werden. Die meisten Theologen haben sich längst viel größere Auslegungsspielräume geschaffen und ihre Anschauungen in diese "Räume" hineingelegt. Dabei wird so argumentiert:

Wenn z.B. die evangelische Kirche lehrt, die Bibel sei Gottes Wort, dann weist sie auf das sogenannte "Gesamtzeugnis der Schrift" hin. Es wird gelehrt, daß sich die Stellen demnach gegenseitig auslegen. Das wesentliche Kriterium sei, die einzelnen Bibelstellen von ihrer Mitte, von Christus her, zu beurteilen, nach dem, "was Christus treibet", wie Luther sagte.

Doch Luther sagte "Christus" und meinte hier in Wirklichkeit "Paulus". Denn "was Christus" angeblich "treibet", steht nach Luther vor allem im Römerbrief des Paulus, in dem es heißt, die Menschen "werden ohne Verdienst gerecht aus seiner [Gottes] Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist." (3, 24)

Christus selbst erklärte aber, daß es auf das Tun ankommt, nicht auf den Glauben an die Gnade allein. "Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute", heißt es bei Jesus.

Oder: "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel." (Mt 7,21)

Und vieles in dieser Richtung mehr.

Diese Stellen können in der evangelischen Kirche gemäß ihrer Lehre umgedeutet werden, daß "den Willen des Vaters tun" vor allem bedeute, auf die rechte Weise zu glauben. Oder daß das Tun sinngemäß schon wichtig und nötig sei, aber eben nicht heilsnotwendig.

Jemand könnte fragen, wo der Unterschied zwischen "nötig" und "nicht notwendig" sei. An dieser Stelle setzt unter Umständen weitere "Feinarbeit" von Theologen ein.

In dem von mir bereits genannten Lehrbuch kommt der Autor, ein bekannter lutherischer Theologieprofessor, nach ausführlicher Erörterung des Bibelthemas zu folgender zusammenfassender Beurteilung:

"Trotz ihrer Pluriformität hat die Bibel in ihrem Grundkerygma (= ihrem Grundglaubenssatz) von der Heilstat Gottes in Christus eine sie einigende Sachmitte ... Von diesem ihren Kanon im Kanon her gesehen [hat die] Bibel eine gestufte, keine flächenhafte Autorität. Die Bibel ist demnach nicht nur norma normans (= normierende Norm) gegenüber der norma normata (= von der Schrift her normierte Norm) der [evangelischen] Bekenntnisse, sondern auch innerhalb der Bibel verhält sich einerseits das NT zum AT und andererseits das neutestamentliche Grundkerygma von der Heilstat Gottes in Christus zum NT wie die norma normans zur norma normata. Eine Bibelkritik ist letztlich nur möglich als Selbstkritik der Bibel von diesem ihrem Kanon im Kanon her. Kriterien der Kanonizität (= der Richtschnur entsprechend) sind Christozentrik (= auf Christus im Zentrum ausgerichtet), die Apostolizität (= von den Aposteln geschrieben oder verbürgt) und die Autopistie." (= Ein theologisches "Zirkelurteil", wonach die Erkenntnis, daß die Bibel Gottes Wort sei, selbst ein Geschenk eben dieses Wortes Gottes sei) (Pöhlmann, Abriß der Dogmatik, S. 75)

 

Der Prophet:

Dankbar und in großer Ehrfurcht vor dem großen, mächtigen, all-einen schlichten Gott und Christus, unserem Erlöser, neige ich mich im Bewußtsein: Bei Dir, o geliebter, ewiger Einer, bin ich aufgehoben, bin ich geborgen und zu Hause. In Dir sind alle Menschen, alle Seelen, alle Wesen, alles Sein geborgen, weil Deine Liebe das Wort der Liebe ist, das in jedem von uns pulsiert - klar, einfach und schlicht, mit wenigen Worten, die lauten: Mein Kind, Ich liebe dich.

Du, o großer Gott, bist kein Floskelmacher, kein Verdreher der Wahrheit, sondern der große, allmächtige, ewige Gott, der mit einfachen und schlichten Worten durch Seine Propheten sprach und spricht, vor allem durch Seinen Sohn, Jesus, den Christus, sprach, auf daß das Volk Ihn zu verstehen vermochte und vermag.

Großer, gütiger all-einer Gott: Mögen noch viele Menschen Dich durch Christus in ihrem Herzen finden, auf daß endlich dieses salbungsreiche Intrigenspiel in Deinem Namen zu Ende geht.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Da kann man wirklich nur noch beten und den Herrn um Vergebung bitten.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Jesus hat in ganz einfachen Gleichnissen und Bildern von Tieren, von Bäumen, vom Salz und dem Sauerteig, vom Senfkorn, von der Aussaat und der Ernte gesprochen. Jedes Kind konnte Ihn verstehen und im Herzen finden. Später haben aber "Gelehrte" Seine Botschaft an sich gezogen und zur katholischen, orthodoxen und evangelischen Theologie umgeformt.

Ich kenne nicht ein einziges religiöses Thema, welches in der Theologie nicht zu unzähligen Problematisierungen, Verfeinerungen und Verschachtelungen führte, zu immer neuem "Wenn und Aber" und zu endlosem "Sowohl als Auch" .

Im Gespräch mit Nichttheologen weisen Theologen oft darauf hin, daß das Thema "differenzierter" zu betrachten sei, daß man es nicht vereinfachen dürfe und auch dies und jenes noch berücksichtigen müsse.

Ich habe es so erlebt: Je mehr ich im Studium in diese Welt einstieg, um das Studium letztlich erfolgreich abschließen zu können, desto mehr verlor ich den Grund unter den Füßen.

Auch wer für diese Sichtweise kein Verständnis hat, sollte sich bewußt sein, daß es der Staat ist, der diese Studien und Karrieren mit Milliarden an Steuergeldern finanziert und dem Theologen auf diese Weise ein sicheres Auftreten ermöglicht. Was würde geschehen, wenn der Staat dieses Geld für andere Zwecke ausgeben würde? Mancher würde den Weg der Theologie schneller verlassen, müßte er sein Studium und seine Forschungen selbst bezahlen oder zusätzlich für seinen Lebensunterhalt arbeiten.

 

Der Prophet:

An den Fachmann der lutherischen Theologie habe ich folgende weitere Frage:

Hätte Jesus alle Sünden der Menschen auf sich genommen, dann müßte es doch in dieser Welt friedlicher sein, weil dann die Menschen Licht aus Gottes Licht wären, also frei von Sünden. Nach dieser Aussage der Kirche, Jesus hätte alle Sünden auf sich genommen, wäre dann doch auch die Beichte überflüssig. Warum vergeben Priester und Pfarrer Sünden, wenn es doch im Glauben der Amtskirchen heißt, daß Jesus alle Sünden auf Sich genommen habe? Ich weiß sehr wohl, daß die Theologen mit ihren Wortkünsten vieles so hindrehen, daß der, der nicht überlegt, sondern nur hinnimmt, glaubt, darin keine Widersprüche zu finden. Die Verdrehung des Wortes Gottes begann schon bei Mose und erstreckt sich auf alle Propheten. Durch alle Zeiten gab es die Hochblüte der Priesterkaste in der Verdrehung des göttlichen Wortes. Das gilt bis zur heutigen Zeit.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Was du sagst, ist logisch: Wenn Jesus alle Sünden auf sich genommen hätte, dann müßten die Menschen ja frei davon sein und bräuchten keine Beichte mehr. Die kirchlichen Theologen argumentieren jedoch wie folgt:

Jesus habe nach dem kirchlichen Glauben zwar alle Sünden auf sich genommen, doch wie käme dieses sogenannte Gnadengeschenk zur Wirkung? Die Antwort der Kirchen: Indem die Menschen beichten bzw. Buße tun und durch Pfarrer und Priester von den Sünden losgesprochen werden.

Nach kirchlicher Lehre ist der Glaube, daß Jesus alle Sünden auf sich genommen hat, somit die Voraussetzung für das Handeln der Amtsträger. In beiden Kirchen bedarf es zur Sündenvergebung also des Amtsträgers, welcher sogar vorgibt, aufgrund der Erlösertat Christi den Glaubenden im Namen Gottes die Vergebung zusprechen zu können.

Nach katholischer Lehre "soll" sogar "mit einer gerechten Strafe
belegt werden",
wenn ein anderer als der Priester eine Sakramentenspendung vortäuscht. (CIC, Can. 1379)

Auch in der evangelischen Kirche spricht der Pfarrer die Vergebungsworte. Dort wird es aber geduldet, wenn im privaten Rahmen auch ein anderer als der Pfarrer dies tut.

Doch weder Pfarrer noch Nichtpfarrer können von Sünden lossprechen. So etwas hat Jesus nicht gelehrt.

 

In der katholischen Kirche gibt es die Formulierung "Dieser selbe Gott vergebe durch mich Sünder", gemeint ist der Priester.

Die Worte sind "demütig" formuliert, doch was steckt dahinter?

In der evangelischen Kirche wird meistens die sogenannte "Gemeinsame Beichte" praktiziert. Dabei geschieht folgendes:

Zunächst betet der Pfarrer laut einige vorbereitende Gebetsworte, die in die Frage an die Anwesenden mündet: "Vor dem heiligen Gott frage ich einen jeden von euch: Bekennst du, daß du schuldig geworden bist, und bereust du deine Schuld? Begehrst du die Vergebung deiner Schuld im Namen Jesu Christi? Glaubst du auch, daß die Vergebung, die ich dir zuspreche, Gottes Vergebung ist, so antworte: Ja."

Die Teilnehmer antworten laut mit "Ja", woraufhin der Pfarrer fortsetzt: "Wie ihr glaubt, so geschehe euch. In Kraft des Befehls, den der Herr seiner Kirche gegeben hat, spreche ich euch frei, ledig und los: euch ist eure Schuld vergeben. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Die Teilnehmer antworteten "Amen", der Pfarrer wiederum: "Gehet hin in Frieden!"

Mit dem angeblichen "Befehl" des "Herrn" ist die Bibelstelle gemeint, wonach Jesus Petrus als "Felsen" bezeichnet und ihm verheißt: "Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein." (Mt. 16, 18 f)

Was Er dem Petrus hier unter vier Augen erklärte, sagte Er bei anderer Gelegenheit zu allen: "Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein." (Mt. 18, 18)

 

Der Prophet:

Was Jesus von Nazareth damit meinte, ergibt sich aus der Christusoffenbarung »Das ist Mein Wort - Alpha und Omega - Das Evangelium Jesu«. Dort heißt es: "Keine Bindung - sei es an Menschen oder Dinge - hat im Himmel Platz. Das irdische Wort ‘Bindung’ besagt: Der Mensch bindet sich an das, was ihm in der Welt lieb und wert ist, an das, was er über Gottes Gaben stellt. Bindung ist der Gegensatz von Freiheit, von Erlöstsein. Wer sich von Irdischem löst, indem er es nicht als sein Eigentum und seinen Besitz betrachtet, der wird als Geistwesen in die Himmel eingehen und in der Fülle aus Gott leben."

Wie kommt die Katholische Kirche dazu, die Worte Jesu, die an das Gesetz von Saat und Ernte erinnern, als eine Vollmacht für ihre Amtsträger auszugeben? Von Pfarrern oder Priestern oder einer Institution, die als Mittler zwischen Gott und den Menschen auftreten, sprach Jesus nicht.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Das ist eine berechtigte Frage. In den Kirchen heißt es zwar, Christus, und nicht der Pfarrer oder Priester sei der "Mittler". Doch wie soll damit vereinbar sein, daß kirchliche Amtspersonen bestimmte Amtshandlungen, z.B. das Taufen und das Sprechen von Vergebungsworten, als Handlungen Gottes ausgeben?

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Im katholischen Katechismus heißt es dazu:

"Christus selbst ist im kirchlichen Dienst des geweihten Priesters in seiner Kirche zugegen ... Die Kirche bringt dies zum Ausdruck, indem sie sagt, daß der Priester kraft des Weihesakramentes 'in der Person Christi des Hauptes'" handelt. (Nr. 1548)

Oder: "Das Amtspriestertum kann die Kirche deshalb repräsentieren, weil es Christus repräsentiert." (Nr. 1553)

Der Bischofsweihe wird darüber hinaus die "Fülle des Weihesakramentes" zuerkannt, weswegen jeder Bischof auch als "Stellvertreter Christi" (Nr. 1560) bezeichnet wird.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Auch im evangelischen Katechismus heißt es:

"Indem der Amtsträger Wort und Sakrament verwaltet, handelt Christus durch ihn. Die Apologie, eine lutherische Bekenntnisschrift von 1531, sagt, daß die Pfarrer ‘die Person Christi um der Berufung der Kirche willen, nicht ihre eigenen Personen vergegenwärtigen, wie Christus bezeugt: ‘Wer euch hört, hört mich.‘. Wenn sie das Wort Christi, wenn sie die Sakramente darreichen, reichen sie sie dar in Stellvertretung Christi.‘" (Ev. Erwachsenenkatechismus, Hannover 1975, 4. Auflage, S.1164)

Auch bei der Zitierung dieses Bibelwortes wird die Lehre des Jesus von Nazareth verfälscht, denn Jesus sprach nie von Pfarrern und Priestern, sondern meinte alle Seine Nachfolger.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Um nicht das tun zu müssen, was der Herr in wenigen, ganz einfachen Sätzen gesagt hat, hat sich ein Heer von Theologen über viele Jahrhunderte hinweg zusammengetan, um ein Sakrament zu konstruieren, das von immer mehr Menschen nicht mehr ernst genommen wird. Wer sich einigermaßen ernsthaft mit dem Standpunkt der katholischen Kirche befassen will, muß sich durch viele Seiten mit kirchlichen Dokumenten und durch noch mehr Bücher hindurchbeißen, wenn er die Kommentare dazu auch noch verstehen möchte.

Im Hauptgebet der Christus-Nachfolger - dem Gebet, das der Herr selber uns gelehrt hat - beten wir die Worte "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" (Mt 6, 12); und in der Bergpredigt zeigt uns Jesus folgenden einfachen Weg: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe." (Mt 5, 23-24). "Schließe ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm auf dem Weg zum Gericht bist." (Mt 5, 23-25)

Es sind ganz einfache Anweisungen, die jeder versteht. Jesus erklärt weiter: "Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben." (Mt 6, 14-15)

Diese Worte sagen nichts von einem richterlichen Freispruch durch einen dazu bevollmächtigten Priester, der eine "Lossprechung" ausspricht. Wenn die Kirche sagt, die Wirkung des Bußsakramentes sei die Versöhnung mit Gott, das heißt die Nachlassung der Sünden und ewigen Sündenstrafen, dann hängt es sozusagen von Gott ab, ob ich noch Sünder bleibe. Wozu dann die Anweisung Jesu in der Bergpredigt "wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben" (Mt. 6, 15)? Es liegt also an uns.

Und wenn die Kirche sagt, die Wirkung des Bußsakramentes sei auch die Wiederversöhnung des Sünders mit der Kirche, dann ist es wohl nur, weil der Sünder mit seinem Bekenntnis vor einem dazu bevollmächtigten Priester das Kirchengebot erfüllt hat.

Die irrige Argumentation beginnt wohl dort, wo geglaubt wird, der Mißbrauch des Gnadengeschenkes Gottes habe keine Folgen. Gott selbst ist es, der die Verirrten zurückholt; Jesus selbst ist gekommen, um die Verlorenen zurückzuholen; Er ist es doch, der die neunundneunzig Schafe auf den Bergen stehenläßt und hingeht und das verirrte sucht (Mt 18, 12). Er freut sich über das Wiederfinden. Das verlorene Schaf hat die ganze Liebe des Hirten spüren dürfen; hat spüren dürfen, daß es dem Rachen des Widersachers entrissen wurde. Wie ist es, wenn das Schaf aus dem Ganzen nichts gelernt hat - vergleichbar dem Menschen, der nach der Beichte drauflos sündigt -, sich wieder in die Gefahr begibt und sich keine Gedanken mehr macht, ob Gott es wieder aus dem Rachen des Widersachers holt? Mehr und mehr wird Gott die Verantwortung zugeschoben, ob Er uns aus dem Wirrsal dieser Welt herausholt. Wird uns in anderen Situationen nicht so geholfen, wie wir es uns vorstellen, wird Gott in unserer Vorstellung oft zu einem Gott, der sich nicht um uns kümmert.

 

Der Prophet:

Wozu bedarf es überhaupt der Pfarrer zur Seelsorge, wenn nach der Lehrmeinung der Kirchen erst bei der Zeugung eine Seele entsteht, und wenn nach der Lehrmeinung Luthers für diese schon alles vorherbestimmt ist, - die ewige Verdammnis oder das Leben im Himmel? Nach Luthers Meinung besitzt der Mensch keinen freien Willen, sondern ist gewissermaßen eine Marionette Gottes - auch in seinem Haß und Neid, in Grausamkeiten und Totschlag.

Wozu soll sich dann noch ein Seelsorger um die Seele sorgen; angeblich ist doch schon alles vorherbestimmt? Wozu dann auch noch die Beichte der Gläubigen zur Vergebung der Sünden, wenn doch von Gott schon alles vorherbestimmt sei? Hier kann doch auch die Beichte der Sünden nichts mehr lösen, wenn der einen Seele der Himmel und der anderen die ewige Verdammnis vorherbestimmt ist, wie Martin Luther und auch Calvin lehren. Ist Gott ein Gott der Willkür? Oder galt die Prädestination der Seele nur bis Jesus, denn die Kirche lehrt, Jesus hätte alle Sünden der Menschen auf sich genommen? Hierin liegt doch ein gravierender Widerspruch.

Wäre die Vorherbestimmung der Seele, wie sie Luther und die Reformierten lehren, von Gott, wozu dann die Taufe des Kindes, damit dieses gerettet werde, wenn die Seele ihre Bestimmung schon in sich trägt? Die Kirche lehrt, wenn das Kind getauft sei und stirbt, dann wäre die Seele gerettet. In diesem Fall hätte also der Pfarrer bzw. Priester mehr Macht als Gott, der eine Seele z.B. nicht für das ewige Heil geschaffen habe. Kann der kirchliche Amtsträger die Seele von der Schippe holen, wenn sie nicht durch Gott die Bestimmung zum ewigen Heil in sich trägt?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Die entstehende lutherische Kirche hat ja bereits im 16. Jahrhundert die radikalen Lehren der Reformatoren Luther und Calvin abgemildert, wonach Gott die eine Gruppe von Menschen zum ewigen Heil vorherbestimmt, die andere Gruppe zur ewigen Verdammnis. So sei das Heil allen Menschen angeboten. Gott b e s t i m m e nicht v o r - a u s, wer zum ewigen Heil eingeht, sondern s e h e kraft seiner Allmacht nur noch v o r a u s , wer verdammt wird, so wie er alles voraussehe, was geschieht. Soweit die bis heute gültige Lehre der lutherischen Bekenntnisschriften im Unterschied zu Luther selbst.

 

Der Prophet:

Was müßte von Luther noch alles abgeschwächt und revidiert werden? Was würde dann von der Lehre Luthers noch übrigbleiben? Vielleicht nicht einmal mehr die evangelischen Theologen.

Was geschieht mit den vielen Seelen und Menschen, die bis zur Abschwächung der Prädestination geglaubt haben? Vielleicht wurde so mancher ein Krimineller, weil er dachte: "Es ist doch schon alles zu spät, weil ich schon ewig verdammt bin." Vielleicht hat so mancher Kriege angezettelt, in dem Bewußtsein, es sei alles zu spät - er sei für alle Ewigkeit schon verdammt.

Wer trägt die Schuld für solche Taten, Gott oder Luther? Was soll die Menschheit von einem solchen Religionsstifter halten, dessen grundlegende Lehraussage zur Prädestination von seinen Nachfolgern schon nach wenigen Jahren revidiert werden mußte, weil sie falsch war? Jedem Denkenden stellt sich hier die Frage: Was ist noch alles falsch an der Lehre Luthers?

 

Die nächste Frage wäre: Wofür zahle ich Kirchensteuer - für eine Kirche, deren Lehre sich ständig verändert und deren Gründer den Menschen ein grausames Gottesbild lehrte? Die Lehre Luthers kam bestimmt nicht von Gott, denn sie steht im krassen Widerspruch zur Lehre des Jesus, des Christus.

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Das ganze Thema zählt in den Kirchen überwiegend zum Komplex "Geheimnis Gottes", denn: Das Heilsangebot Gottes gelte zwar allen; da der Mensch aber nicht wisse, wer erwählt sei, das allen geltende Heilsangebot auch anzunehmen und wer nicht, brauche ihn das auch nicht weiter zu beschäftigen.

Im lutherischen Bekenntnis heißt es, "hiervon sollen wir nicht urteilen nach unserer Vernunft", auch sollen wir uns "nicht unterstehen, den heimlichen, verborgenen Abgrund göttlicher Vorsehung zu forschen, sondern auf den geoffenbarten Willen Gottes achtgeben." (Konkordienformel, SD XI). So mag jemand vielmehr daran glauben und sich daran festhalten, daß er selbst zu den Erwählten gehöre. In diesem Zusammenhang könne er sich auch an seiner Säuglingstaufe festhalten, so wie es Luther tat, der sich in seelischer Not manchmal zugerufen hatte: "Ich bin getauft!"

 

Der Prophet:

Jetzt wird das Ganze immer nebulöser und "... quia absurdum". Man soll nun einfach glauben und hoffen und nicht darüber nachdenken, ob man für den Himmel erwählt sei oder nicht. Aber dafür Kirchensteuer bezahlen. Die Amtsträger machen es sich leicht, denn wenn sie mit ihrem "credo quia absurdum" nicht mehr weiterkommen, dann reihen sie alles unter das "Geheimnis Gottes" ein und machen den Gläubigen weis, Gott wäre in Seiner Schaffung und in Seinem Wirken undurchschaubar.

Der Mensch kann Gott nie ganz begreifen. Aber eines hat uns Jesus gelehrt: Gott, unser Vater, liebt uns und läßt in Christus neunundneunzig Schafe auf dem Berge stehen, um dem einen verlorenen nachzugehen. - Das ist Tatsache, und das ist logisch und nicht nur zu glauben "quia absurdum".

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Weil in den kirchlichen Lehren vieles unlogisch ist, wird auch in neueren Erklärungen vom "Geheimnis" gesprochen. In der Leuenberger Konkordie, einer 1973 in Leuenberg in der Schweiz erzielten Einigungsformel zwischen den evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Kirchen (die sich auf die Schweizer "Reformatoren" Zwingli und Calvin beziehen) wird ein ewiger "Ratschluß Gottes zur definitiven Verwerfung gewisser Personen oder eines Volkes" abgelehnt, und es heißt: "Im Evangelium wird die bedingungslose Annahme des sündigen Menschen durch Gott verheißen. Wer darauf vertraut, darf des Heils gewiß sein und Gottes Erwählung preisen. Über die Erwählung kann deshalb nur im Blick auf die Berufung zum Heil in Christus gesprochen werden. Der Glaube macht zwar die Erfahrung, daß die Heilsbotschaft nicht von allen angenommen wird, er achtet jedoch das Geheimnis von Gottes Wirken ..."

Also: Erwählung nur noch "im Blick auf die Berufung zum Heil"! Die logische Frage wäre: Was aber ist mit denen, die nicht erwählt sind? Die nach den evangelischen Lehren folgende Verdammnis für diejenigen, welche nicht erwählt sind, die Heilsbotschaft anzunehmen, wird in dieser Einigungsformel aber nicht mehr angesprochen, nur noch das "Geheimnis Gottes".

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

In der katholischen Lehre wird betont, daß kein Mensch zu Lebzeiten unfehlbare Gewißheit haben könne, weder im Hinblick auf das ewige Heil noch im Hinblick auf die ewige Verdammnis, es sei denn durch "besondere Offenbarung" (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., 1986, Nr. 809).

Sowohl die evangelische als auch die katholische Lehre haben dieses Thema weiter ausgeklügelt, in letzter Zeit aber eher aufgeweicht als ihm Nachdruck verliehen. So heißt es im Katholischen Katechismus: "Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen." (Nr. 1037) In einem aus den 30er Jahren stammenden Lehrbuch heißt es hingegen: "Es gibt in Gott eine ewige Reprobation (= Vorherbestimmung zur ewigen Verdammnis) bestimmter Menschen. Dieser Satz ergibt sich aus der tatsächlichen Verdammung vieler Engel und Menschen. Denn diese muß wegen der Unwandelbarkeit des göttlichen Erkennens und Wollens auf einem ewigen Ratschluß Gottes beruhen. Vg. can.3 der Synode von Valence, S. 241." (Diekamp, Katholische Dogmatik, 1. Band, 6. Aufl., 1930, S. 249) Dies erfolge aber nur "post und propter praevisa peccata" - "nach und wegen der vorhergesehenen Sünden", also eher im Sinne einer Vorausschau und nicht im Sinne einer Vorausbestimmung. Dem entspricht der heutige Katechismus.

Die Unterscheidungen sind hauchdünn. Doch sprechen die älteren Dokumente nicht eine deutlichere Sprache, welcher Geist dieser kirchlichen Lehre zugrunde liegt? Mitunter heißt es, Prädestination gäbe es nur als Vorherbestimmung zum ewigen Heil. Was ist aber mit denen, die nicht zu diesen Privilegierten gehören?

Wenn es eine Vorherbestimmung zum Heil nur für eine Gruppe der Menschheit gibt, ist es dann nicht Wortklauberei, ob Gott bei der Nichtvorherbestimmung der anderen Gruppe dies "aktiv" tut oder nur "passiv" zuläßt oder hinnimmt, wie es heißt? Wird hier nicht die ganze Anmaßung des menschlichen Denkens offenbar, das versucht, Gott den eigenen theologischen Vorstellungen einzuverleiben?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Die meisten Kirchenmitglieder, ob katholisch oder evangelisch, überlassen solche Themen lieber den Theologen und kümmern sich nicht um eine Lehre von der Vorherbestimmung. Da Gott ohnehin jenseits der menschlichen Zeit sei, mag jemand sagen: Es ist leichter, es beim "Geheimnis Gottes" zu belassen.

Auch als ich noch "evangelisch" war, zerbrach ich mir darüber nicht weiter den Kopf und beschäftigte mich nicht viel mit dem Thema.

Allerdings möchte ich noch die Lehre Luthers aus einer seiner bekanntesten Schriften, "Vom geknechteten Willen", anführen.

Die Schrift "Vom geknechteten Willen" zählt bis heute in der evangelischen Kirche zu den Hauptschriften der Reformation und erklärt einen bis heute gültigen Kernsatz der evangelischen Lehre, daß sich niemand aus freiem Willen für den rechten Glauben entscheiden könne, was ja mit der Frage der Erwählung bzw. Vorherbestimmtheit eng zusammenhängt.

Entweder bewirke, so Luther, Gott in uns den rechten Glauben zum Heil, oder Satan bewirke in uns das Böse.

Einer der bekanntesten lutherischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Hans Joachim Iwand, sagte dazu: "Wer diese Schrift nicht aus der Hand legt mit der Erkenntnis, daß die evangelische Theologie mit dieser Lehre vom unfreien Willen steht und fällt, der hat sie umsonst gelesen." (Münchner Ausgabe der Lutherschriften, S. 253)

In dieser Schrift lehrt Luther:

"Damit also dem Glauben Raum gegeben wird, ist es notwendig, daß alles ,was geglaubt wird, verborgen ist. Es kann aber nicht tiefer verborgen sein als unter dem Gegensatz zum gegenständlichen Objekt, zur Empfindung und Erfahrung. Wenn Gott lebendig macht, tut er es also, indem er tötet; wenn er rechtfertigt, tut er es also, indem er schuldig macht; wenn er in den Himmel führt, tut er es, indem er in die Hölle führt, wie die Schrift sagt: ‘Der Herr tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus‘, 1. Sam 2. Davon ausführlicher zu reden ist hier nicht Platz; wer unsere Schriften gelesen hat, dem ist dies ganz vetraut. So verbirgt Gott seine ewige Güte und Barmherzigkeit unter ewigem Zorn, die Gerechtigkeit unter Ungerechtigkeit. Das ist der höchste Grad des Glaubens, zu glauben, jener [Gott] sei gütig, der so wenige rettet und so viele verdammt; zu glauben, daß er gerecht ist, der uns durch seinen Willen unabänderlicherweise verdammenswert macht, so daß er, Erasmus [von Rotterdam] zufolge, an den Qualen der Unglücklichen Gefallen zu haben und eher hassens- als liebenswert zu sein scheint. Wenn ich also auf irgendeine Weise begreifen könnte, wie denn dieser Gott barmherzig und gerecht ist, der solchen Zorn und solche Ungerechtigkeit zeigt, wäre der Glaube nicht nötig. Da es nun nicht begriffen werden kann, wird Raum gegeben zur Einübung des Glaubens, indem derartiges gepredigt und öffentlich verbreitet wird; und zwar nun so, daß, indem Gott tötet, der Glaube an das Leben im Tod eingeübt wird."

(Martin Luther, Vom geknechteten Willen, 1525, in: Weimarer Ausgabe der Lutherschriften, Band 18, S.632f.)

 

Der Prophet:

Wie einfach und schlicht ist doch die Lehre des Jesus, des Christus, und der Propheten! Was der Intellekt aus Gott macht, ist vielleicht höchste intellektuelle Akrobatik, hat aber mit der Intelligenz, Gott, nichts gemeinsam. Nicht umsonst steht gegen Schluß der Offenbarung des Johannes:"Gehet hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Das evangelische Lehrbuch von Hans Georg Pöhlmann (Abriß der Dogmatik, 3. Aufl., 1980) greift die Gedanken Luthers auf und setzt die intellektuelle Akrobatik fort. Gleich an mehreren Stellen wird erklärt, daß sich Gott "sub specie contraria" (= unter dem Schein des Gegenteils) in der Welt verbirgt. (z.B. S. 128)

"Als einer, der victima (= Opfer) bleibt, auch als victor ( = Sieger), identifiziert er [Gott] sich mit dieser - oft so peinlich sichtbaren - Kirche, ist er sich nicht zu gut, sich mit ihr solidarisch zu erklären trotz ihrer Sünder, Heuchler und Frömmler ... Als Ort, wo er [Gott] sub specie contraria (= unter dem Anschein des Gegenteils) erscheint." (a.a.O., S. 292)

Auf diese Weise gibt sich die evangelische Kirche "demütig" und macht mit ihrer Selbstkritik "Sympathiewerbung".

 

Der Prophet:

Von dem ganzen Nonsens hat Jesus nicht gesprochen. Was du hier berichtest, ist vielleicht lutherisch, aber nicht christlich, weil Jesus uns das nicht gelehrt hat. Für diesen Nonsens zahlen so viele Menschen Kirchensteuer!

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Und die Opfer mancher sogenannter kirchlicher "Sünder, Heuchler und Frömmler" zahlten oft mit ihrem Leben. Luther forderte Todesurteile gegenüber Prostituierten, Kaufleuten mit überhöhten Preisen, Predigern ohne amtskirchlichen Auftrag oder einfach Andersgläubigen, die sich zum Beispiel gegen die Säuglingstaufe aussprachen. Auch zur Verfolgung der Juden und zur Verbrennung ihrer Synagogen rief er auf. Den Soldatenberuf rechtfertigte Luther zum Beispiel mit den Worten: "Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht." (Zur Frage, ob man als Soldat in einem Gott wohlgefälligen Stand lebt, 1526; WA 19, 623 ff.)

Und seine Aufforderung, die im "Bauernkrieg" um ihre Rechte kämpfenden Bauern (ca. 70 000 Tote) umzubringen, schob Luther auf Gott: "... der hat mir befohlen, solches zu reden." (WA, Tischreden 3,75).

 

Der Prophet:

Jesus aber lehrte uns: "Liebet eure Feinde; tuet Gutes denen, die euch hassen." Jeder Leser kann sich nun selbst entscheiden: Jesus oder Luther?

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Jesus brachte uns die unendliche Liebe Gottes nahe.

Demgegenüber geht Luther davon aus, daß Gott sich die freie Verfügung über den Menschen vorbehalten hat, die über alles hinausgeht und alles einschließt - auch Haß, Tötung und Verdammung. In ihrer Kirchenverfassung bekennt sich die lutherische Kirche zwar zum "Dienst am Evangelium von Jesus Christus" (Artikel 1). Gemäß den evangelischen Lehren im Sinne des oben zitierten Lehrbuchs scheint dies aber auch "sub specie contraria", unter dem Schein des Gegenteils, möglich zu sein.

 

Der Prophet:

Nach lutherischer Lehre wäre Gott Licht und Schatten. Auf den einen Menschen läßt Er Sein Licht scheinen, auf den anderen Seinen Schatten fallen. So hätte auch Gott das Böse in sich, den Schatten. Jesus sprach: Gott ist Licht. Von einem Schatten sprach Er nicht. Die Bibel besteht also aus Dichtung und Wahrheit, aus Licht und Schatten. Gott, das Licht, ist die Wahrheit, der Schatten ist die Dichtung, das, was die Priesterkaste dem Einen Ewigen und den Propheten angedichtet hat.

Der Höhepunkt der Lehre Jesu ist Seine Bergpredigt, in der Er die Gebote Gottes, gegeben durch Mose, vertiefte. Von den kirchlichen Amtsträgern wird die Bergpredigt Jesu für Utopie gehalten, die praktisch nicht zu verwirklichen ist. Wer das "... quia absurdum", das die Theologen in die Welt gesetzt haben, näher betrachtet, der erkennt: Ihr "quia absurdum" hat mit der schlichten, klaren und detaillierten Lehre des Jesus, des Christus, nichts gemeinsam. Noch schenken nicht wenige denen Glauben, die einen Glauben lehren, den sie selbst für "absurd" halten und die deshalb die Ausrede gebrauchen, Gott hätte Geheimnisse. Wenn sie für ihre "quia absurdum" einstehen müssen, dann kann der Mensch zu seiner Rettung nur noch auf Jesus, den Christus, bauen, der ihn sicher errettet. Doch wer heute aufwacht und die Zwiespältigkeit erkennt, der soll handeln - so, wie es gegen Ende der Johannes-Offenbarung steht.

 

Die Bergpredigt ist Wahrheit, denn sie ist von Jesus, dem Christus. Würde sie von den einzelnen Schritt für Schritt gelebt, dann könnte sich eine bessere Welt entwickeln. Dazu bedarf es nicht der Theologen, sondern der Nachfolge des Jesus, des Christus. Schon 2000 Jahre lang steht am Ende der Bergpredigt geschrieben: "Wer diese Meine Rede hört und sie tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute." Die Priesterkaste sagt, die Bergpredigt Jesu sei in eine andere Welt projiziert, sie sei jetzt nicht lebbar.

 

Zweitausend Jahre sind vergangen. Die Kaste der Priester hat nicht getan, was Jesus wollte und hat auch ihre Hörigen nicht unterwiesen, das zu tun, also so zu leben, wie es Jesus, der Christus, der Menschheit nahegebracht hatte in dem Bewußtsein Seiner Lehre: Folget Mir nach. In den 2000 Jahren konnte die Bergpredigt keine bessere Welt bringen, weil die amtierenden Theologen, die "Hirten" ihrer Schafe, sich zweitausend Jahre nicht geändert haben und so auch nicht ihr gläubiges Volk. Die Theologen sind Amtsträger heidnischer Kulte geblieben, aber nicht die Träger, die Verwirklicher der Lehre des Jesus, des Christus.

Die sogenannten Hirten ihrer Herde weiden sich selbst. Ihre Herde ist zerstreut, weil die Theologen ihr intellektuelles und heidnisches Mischgut als Futtermittel ausstreuen. Würde diese Priesterkaste weitere zweitausend Jahre bestehen und ihre Herde weiterhin ihr Mischgut glauben, dann gäbe es in den nächsten zweitausend Jahren auch keine bessere Welt und somit auch nicht die lebbare Lehre des Jesus von Nazareth.

Die kirchlichen Amtsträger haben auf Sand gebaut und nicht auf den Felsen, Christus. Die katholische Kirche baute auf den Felsen Rom, der das Kommen des Herrn sicher nicht überdauern wird. Die lutherische Kirche baut auf den grausamen Martin Luther. Daher gilt der Rat: Schlagt die Bibel zu, denn viele Priester und Pfarrer leben weder nach dem Alten Testament noch nach dem, was Jesus lehrte.

Allein schon das, was hier die beiden Theologen von den Lehren ihrer Kirche berichten, veranlaßt mich, immer wieder zu wiederholen: "Gehet hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen." (Off 18, 4)

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Da die kirchlichen Amtsträger in solcher Distanz zu Christus sind - was den meisten von ihnen gar nicht bewußt ist und was sie auch nicht zugeben würden, wenn es ihnen gesagt würde -, merken sie auch nicht mehr, wie konkret Christus in unser Leben hineinspricht. Der theologische Speicher in ihren Gehirnen kann vielfach nichts mehr aufnehmen, außer er wird radikal entleert.

Das ganze Theologiestudium ist eine Speicherung von Traditionen und kultischen Handlungen. Dabei wird der einfache Zimmermann Jesus, der einverleibte Sohn Gottes, vergessen, dessen hohe Lehre - so sie gelebt würde - der Welt ein anderes Kleid gäbe.

Durch die Verblendung seitens der Theologie kann der Blinde die Augen nicht öffnen für die prophetische Botschaft, von der Jesus sprach: "Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht." (Joh 14, 16) oder: "Der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in Meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Joh 14, 26) Es hat auch bei mir eine geraume Zeit gedauert, bis Christus eine Bresche in mich schlagen konnte, durch die ich aus der theologischen Schiene heraus-
katapultiert wurde. Auch ich war lange Zeit im kirchlichen Netz gefangen, ohne zu wissen, daß ich nicht in der Freiheit des Christus lebte. Nun fühle ich mich außerhalb der theologischen Gefangenschaft und erlebe die Hilfe des Christus Gottes.

Für Millionen und Abermillionen ist die Bibel weltweit in über tausend Sprachen verteilt; auch die Bergpredigt ist dadurch sehr vielen Menschen bekannt. Die Wahrheit, die in der Bibel da und dort noch hindurchschimmert, kann kaum mehr erkannt werden, weil die Gehirnspeicher der Kirchengläubigen mit kultischem Brauchtum gefüllt sind, aber auch mit der Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit. Viele lassen sich einfach treiben und geben sich gleichgültig den Ausführungen des Pfarrers und des Priesters hin. Wenige machen sich Gedanken, ob das, was die Theologie von sich gibt, der wahren christlichen Lehre entspricht.

Die Bibel hat das Gotteswort eingeschlossen und auf eine falsche Weise fixiert; sie kann auf diese Weise nicht mehr das Buch des Lebendigen - GOTT - sein.

 

Der Prophet:

Die Erfüllung der Lehre Jesu hätte eine wahrhaft christliche Zivilisation geprägt. Wer will heute von einer christlichen Zivilisation sprechen? Man kann in den Amtskirchen, die immer noch den Staat unter ihren Fittichen haben, eher von den Zeitaltern des Mittelalters und des Heidentums reden.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Ob das, was heute ist, "Zivilisation" genannt werden kann, hängt mit den Ansprüchen der Menschen zusammen, die den Begriff "Zivilisation" definieren. Wenn ich an die Brutalität unter den Menschen, die Grausamkeiten des Menschen gegenüber den Tieren und den Vandalismus gegenüber der gesamten Schöpfung denke, dann ist es für mich keine Zivilisation - erst recht keine christliche.

 

Der Prophet:

Für mich gleicht die Institution katholisch einem Kultschiff auf hoher See, das ständig nach Festland sucht und nach Menschen, die sich einschiffen lassen, aber beides nicht mehr findet. Sie sucht nach Festland - und sei es nur eine Fata Morgana -, damit sich die an Bord befindlichen Indoktrinierten wenigstens ein Tau vorstellen können, das sie eventuell noch an ein Schein-Land ziehen könnte. Die Mutter Jesu, welche die "Mutter Kirche" schon zur "Gottesgebärerin" hochstilisiert hat, soll nach "Focus" Nr. 52/97 auch noch Göttin werden, "Göttin Maria". Nach dem schriftlich bekundeten Willen von 42 Kardinälen, 500 Bischöfen und fast 5 Millionen Katholiken in 157 Ländern soll dieses Dogma in der katholischen Kirche eingeführt werden. Nach "Focus" würde aus der Dreifaltigkeit, der Trinität von Gott-Vater, Sohn und Heiligem Geist eine Vierfaltigkeit mit Maria, der Mutter des Gottessohnes, werden. Maria würde von der Mittlerin zur eigenständigen Gottheit aufsteigen, sprich befördert. Die ältesten Ursprünge der weiblichen Gottheit (Mutter Erde) zögen - so nach "Focus" - über die Hintertür der Marienfrömmigkeit in den christlichen Himmel ein.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Ein richtiger "Spätzünder" nach 2000 Jahren. Lange genug hat man die Frauen in der katholischen Kirche mit dem Wort des Paulus in engen Schranken gehalten: "Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. Wenn sie etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden." (1 Kor 14, 34-35). Nachdem diese Worte nun für mehr als 1500 Jahre in der Bibel zu lesen waren, besinnt man sich jetzt mehr auf das, was Jesus für die Frauen getan hat, um dann zugleich zu überziehen, damit es in die Vielfalt der heidnischen Götterhimmel paßt. Die Worte Jesu bieten jedenfalls keine Grundlage, um aus Seiner menschlichen Mutter einen "Titel" wie "Göttin" zu entwickeln.

 

Der Prophet:

Es ist interessant, wie unter Umständen Dogmen entstehen können - oder vielleicht sogar entstanden sind? Kardinäle, Bischöfe und Kirchenmitglieder denken sich ein neues Dogma aus, reichen es beim Papst ein und erwarten, daß dieser es absegnet und in den sogenannten "christlichen" Himmel projiziert.

Es ist gewiß, daß dieser sogenannte "christliche" Himmel die Fata Morgana des Vatikans ist, aber niemals der Aufbau und die Struktur des himmlischen Reiches. Es ist gewiß, daß sich der Ewige von dem Kultschiff mit allem, was es an Bord trägt, wie Dogmen, Zeremonien, Heilige, Sakramente, Hörige, nicht beeinflussen läßt.

Gott läßt Sich auch nicht von der sogenannten Dreifaltigkeitsformel der kirchlichen Institutionen beeinflussen. Nach katholischer Lehre gäbe es im Himmel eine Männerwirtschaft, ähnlich wie im männlich-hierarchischen "Himmel" der katholischen Kirche. Nach katholischer Ansicht besteht die Trinität aus drei Personen, "Gott-Vater", "Gott Sohn" und dem "Heiligen Geist". Nun soll noch eine Frau hinzukommen, die "Göttin Maria", woraus sich dann die Vierfaltigkeit ergäbe. Es wären dann drei Männer und eine Frau.

Sollte die "Göttin Maria" zum Dogma erhoben werden, dann müßte das Erste Gebot "ICH BIN der Herr, dein Gott, der Ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" geändert werden. Das fällt den Kardinälen und Bischöfen sicherlich nicht schwer, hat doch die Kirche jahrhundertelange Übung in der Änderung der heiligen Texte. Z.B. wurde vor nicht allzu langer Zeit das Fünfte Gebot "Du sollst nicht töten" in "Du sollst nicht morden" geändert. Auch das "Gegrüßet seist du, Maria" müßte geändert werden und sicherlich noch einiges mehr.

Es ist abzuwarten, wie sich das Oberhaupt der katholischen Kirche entscheiden wird. Sollte jedoch das von Menschen gewollte Dogma "Göttin Maria" in den katholisch "christlichen Himmel" projiziert werden, dann müßte auch das Vaterunser geändert werden. Entweder es heißt dann "Vater unser, Göttin Maria, Ihr seid im Himmel, geheiligt ist Euer Name, Euer Reich komme" usw. Oder man betet, wenn das Schnipselwerk des neuen Dogmas seinen Höhepunkt erreicht: "Vater unser, der du bist in Rom, geheiligt ist dein Name, dein Reich komme, wie auf Erden, so auch im Himmel" usw.

 

Das ewige Sein, das Reich Gottes, besteht aus dem Ursprung, dem Geist, GOTT, der heilig ist. Die Institution katholisch bezeichnet den ewigen Geist als Person. Der Heilige Geist, Gott, ist jedoch das ewig strömende Sein, der Odem, das Leben. Gott-Vater ist manifestierter, also formgewordener Geist. Gott-Vater ist also ein göttliches Wesen; mit menschlichen Worten ausgedrückt, könnte man Ihn als "Person" bezeichnen, da Er Sich aus dem ewig strömenden Leben, dem Geist, manifestiert hat. Der Sohn Gottes ist ebenfalls ein manifestiertes Wesen, der Mitregent der Himmel, wiederum mit menschlichen Worten ausgedrückt, eine "Person". Vor Gottes Thron sind die sieben Cherubim und die sieben Seraphim und die zwölf und vierundzwanzig Ältesten.

Das ganze himmlische Reich besteht aus gebenden und empfangenden Prinzipien, aus Wesen, gleich "Personen" - wir Menschen würden sagen -, die männlich und weiblich sind. Da sowohl "männliche" als auch "weibliche" Prinzipien nicht geschlechtlich sind, werden sie Duale genannt, das gebende und das empfangende Prinzip. Alle reinen Wesen sind das manifestierte ewige Gesetz, Gott, das der Geist, das Leben, ist und das jedes reine Wesen verkörpert. Die göttlichen Wesen, als Ganzes gesehen, bilden eine Großfamilie, die die sieben Grundhimmel des ewigen Seins bewohnen. Jedes göttliche Wesen hat entsprechend seiner Mentalität einige geistige Aufgaben, die es in der absoluten Kommunikation mit allen göttlichen Wesen verrichtet.

Maria, die Mutter Jesu, ist im ewigen Sein der Seraph der Barmherzigkeit vor Gottes Thron und somit eingebunden in das göttliche ewig strömende Gesetz der Liebe, Güte, Sanftmut, der Ordnung, des Willens, der Weisheit und des Ernstes. Mit wenigen Worten gesprochen, ist das das Reich Gottes. Alles andere ist Humbug.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, um nicht zu sagen eine Blasphemie, die himmlische Ordnung durch das menschliche Gehirn mit einem solchen Unfug beschmutzen zu wollen.

Die katholische Kirche entlarvt sich immer mehr - noch um ein weiteres dann, wenn sie aus Maria, der Mutter Jesu, eine "Göttin" machen würde; so wie sich auch die evangelische Kirche mit ihrem Martin Luther mehr und mehr entlarvt.

Der Stamm der katholischen Kirche ist Rom. Durch den Statthalter Roms wurde Jesus gekreuzigt und auch Petrus, welcher der Fels der römischen Kirche sein soll. Dieser wurde mit dem Haupt nach unten an das Kreuz gehängt. Von Rom soll jetzt die "Göttin Maria" ausgehen, was sicherlich in der Geschichte der Rom-Kirche einmalig wäre, denn damit würde sie sich gänzlich entlarven und zeigen, wer sie wirklich ist.

Der Fall entstand durch ein weibliches Wesen der Himmel, das an der Seite Gott-Vaters war, das wie Gott sein und sein persönliches Reich schaffen und ausbauen wollte. Geistig eingeweihte Menschen nennen dieses Wesen, das den Fall und Abfall von Gott herbeiführte, Satana, die sich später den männlichen Namen Luzifer gab. Geistig eingeweihte Menschen wissen auch, daß dieser weibliche Engel, Satana genannt, vor dem Kreuz Christi kapituliert hat und nun auf dem Heimweg zum ewigen Vater ist. Dieser weibliche Engel stand dem Dämonenstaat vor, der in einem Bereich der Reinigungsebenen seinen Sitz hat und der nun seit zweitausend Jahren ohne die ursprüngliche Anführerin, ohne "Göttin" ist. Will er jetzt die hohe Frau, Maria, die den Mitregenten der Himmel gebar, verunglimpfen und sie Gott-Vater oder der "Person" Heiliger Geist als Ehefrau zusprechen?

Soll zum zweitausendsten Jahrestag der großen und mächtigen Eingeburt des Sohnes Gottes in das Zeitliche nun Maria, der Seraph der Barmherzigkeit, der als Mensch eine einmalige Tat im Glauben, Vertrauen, in der Hingabe an Gott erbrachte durch die Geburt des Jesus, des Christus, im Stall zu Bethlehem, nun zur "Göttin" gekürt werden, und von wem? Wer Ohren hat, der höre; wer Augen hat, zu sehen, der sehe; und wessen Herz für Gott, unseren Vater, und für Christus, unseren Erlöser, schlägt, der mache wahr, was in der Johannes-Offenbarung steht: "Gehet hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."

 

Ein Fachmann
der evangelischen Theologie:

Wer einen Ausweg sucht und glaubt, er könne sich der lutherischen Kirche zuwenden, der lese die Bücher über Luther, die von der lutherischen Kirche ihren Gläubigen verschwiegen werden, die Fakten aufzählen, wie Luther im Namen des Geistes Gottes gewütet hat, z.B. das Buch von Hans-Jürgen Böhm, "Die Lehre M. Luthers - ein Mythos zerbricht" (kostenlos zu beziehen beim Verfasser: Badstr. 28a, D-91287 Plech).

 

Der Prophet:

Luther, Calvin und andere der damaligen Zeit waren keine Reformatoren des inneren Christentums, sondern Gestalter ihrer Vorstellungen. Die Reformatoren der Inneren Religion, die der Wahrheit und des Lebens, sind die Menschen, die das unverfälschte und unmittelbare Wort Gottes in die Welt trugen und tragen, das sie selbst erlebt und erfahren haben und erfahren durch das Wort der Wahrheit, das ewig spricht. Es waren und sind die Propheten des Alten Testamentes, es war der größte Prophet Jesus, der unser Erlöser ist, es sind die Propheten und Prophetinnen des Neuen Testamentes und die Männer und Frauen, die ihre Seele und ihren Körper läuterten, auf daß sie das Heil empfangen konnten und können, das Wort der Wahrheit.

Bis zur heutigen Zeit blickt das Volk auf die äußeren Reformatoren, z.B. auf Luther und Calvin. Doch was haben diese äußeren Erneuerer gebracht? Würde sich das Volk von innen her reformieren, indem es die Lehre des Jesus, des Christus, tut, dann gäbe es keine kirchlichen Amtsträger mehr, sondern Brüder, die dem Volk gleichgestellt sind, so, wie Gott die Propheten in das Volk stellt und sie dem Volk gleichstellt. Gott erhob auch Seinen Sohn nicht über das Volk. Er stellte Ihn dem Volk gleich. Jesus war kein Schriftgelehrter, sondern Zimmermann. Wer Ohren hat, zu hören, der höre.

Das Volk war und ist auch heute noch geblendet. Es hängt sich an geistig blinde Blindenführer, die es immer wieder in die Grube führten und die es auch in unserer Zeit in die Grube führen werden, nämlich wiederum in die Abhängigkeit, Armut und Sklaverei.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Der wahre Prophet trägt das Gesetz - Gott - in einem solchen Maß in sich, daß er menschliches Tun nicht befürworten kann. Wenn also "Reformatoren" unter den Menschen erschienen sind, kann man sie an den Zehn Geboten und der Bergpredigt messen; dann weiß man, mit wem man es zu tun hat.

Echte Reformatoren wären die gewesen, welche die Menschen aus der "Hörigkeit", der Abhängigkeit von Priestern und Pfarrern herausgeführt hätten. Daß äußere Reformatoren sich durchsetzen konnten, hat wohl mit dem Anlehnungsbedürfnis der Menschen zu tun, die ihr wahres Wesen nicht kennen und daher auch nicht danach leben. Weil der Mensch also den Halt nicht in sich selbst findet, begibt er sich in Abhängigkeit von Menschen. Daher erkennt er auch nicht, wohin Menschen ihn führen. Erst wenn das Netz um ihn enger wird, bemerkt er die Bindung und die Abhängigkeit. Dann kommen Gedanken an Freiheit und die Bemühung, die Fesseln zu sprengen. Dann werden die Worte der Propheten Wirklichkeit.

 

Viele der Propheten, allen voran Jesus, weisen in diese Richtung.

In der Synagoge von Nazareth zitiert Jesus die Worte des Jesaja :

"Der Geist des Herrn ruht auf mir;

denn der Herr hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt, damit ich den Armen

eine gute Nachricht bringe;

damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde

und den Blinden das Augenlicht;

damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze

und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe."

 

Und dann fügt Er machtvoll hinzu: "... Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." (Lk 4, 18-21)

 

Unüberhörbar warnten viele Propheten das Volk vor den Priestern und Herrschenden:

"Die Häupter dieser Stadt sprechen Recht und nehmen dafür Geschenke an, ihre Priester lehren gegen Bezahlung." (Mi 3, 11)

"Die Wächter des Volkes sind blind, sie merken allesamt nichts. Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen. Träumend liegen sie da und haben gern ihre Ruhe. Aber gierig sind diese Hunde, sie sind unersättlich. So sind die Hirten: Sie verstehen nicht aufzumerken. Jeder geht seinen eigenen Weg und ist ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht; ..." (Jes 56, 10-11)

"Der Herr geht ins Gericht mit den Ältesten und den Fürsten seines Volkes: Ihr, ihr habt den Weinberg geplündert; eure Häuser sind voll von dem, was ihr den Armen geraubt habt." (Jes 3, 14)

"Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn. Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn. Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verlorengehen - Spruch des Herrn." (Jer 23, 1-4)

Die Kirche legt diese Prophetenworte vorschnell zu ihren Gunsten aus. Sie sei im Auftrag Gottes "der neue Hirte", der die Schafe für Christus sammelt. Doch die Früchte ihrer 1700-jährigen Geschichte zeigen, daß sie die Schafe vom wahren Hirten - Christus - weggeführt hat. Ein großer Teil der Menschheit sitzt im Schiff des Unterganges und Verderbens.

 

Der Prophet:

Es wäre lehrreich, über den Status der Hörigen nachzudenken, um sich klarzumachen, wie weit die Hörigkeit eine Verhöhnung des wahren Evangeliums darstellt.

 

Ein Fachmann
der katholischen Theologie:

Diese Abhängigkeit und Hörigkeit, darzustellen, ist wohl die härteste Aufgabe für einen Propheten. Wenn keiner der Hörigen weiß und merkt, daß er hörig ist - wie soll er dann beginnen?

"Hörig" - abhängig, unselbständig, unfrei, stumpf und dumpf -, das ist alles andere als göttlich. Solange die Priester und Pfarrer am Theologe-Sein festhalten, bewegen sie sich vom Göttlichen weg. Wie halten es dann die Menschen, die ihnen folgen? Sie tun es ihnen gleich. Also werden Blinde von Blinden geführt.

Wir sollten uns gegenseitig helfen, um am Beispiel des Jesus von Nazareth die Stärke zu finden. Dann würde es keiner Theologie und keiner Theologen bedürfen.

 

 


 

Anhang - Teil 1

Einige Fakten zum Reichtum der Kirchen
in Deutschland und darüber hinaus

 

 

1. Das Vermögen

Die katholische Kirche verfügt nach Schätzungen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel (6.3.95) über ein Vermögen an Grundbesitz und Immobilien von rund 400 Milliarden Mark. Hinzu kommen rund 80-100 Milliarden Kapital- und Anlagevermögen, also Aktien, Wertpapiere usw. (Focus, 30.12.96).

Über das Grundbesitz- und Immobilienvermögen der evangelischen Kirche liegt uns keine Gesamt-Schätzung vor. Das Anlage- und Kapitalvermögen dürfte sich aber in ähnlichen Größenordnungen wie das katholische bewegen, denn die evangelische Kirche verfügt pro Jahr über fast ebenso viel "Einnahmen aus Vermögen" (also allein an Zinsen aufgrund dieses Vermögens) wie die katholische: 2,3 Milliarden Mark (evangelisch) gegenüber 2,8 Milliarden Mark (katholisch) (Der Spiegel, 6.3.95).

Zahlen aus einzelnen Bistümern und Landeskirchen bestätigen diese Größenordnung: Die finanziellen Rücklagen der Diözese Rottenburg werden auf 1 Milliarde geschätzt, die der Erzdiözese Köln belaufen sich auf schätzungsweise 1,5 Milliarden. Die evangelische Landeskirche Rheinland verfügt über 1,1 Milliarden Rücklagen (Publik-Forum, 17.1.95).

Größter nichtstaatlicher Grundbesitzer in Deutschland ist die katholische Kirche, zweitgrößter die evangelische Kirche. Gemeinsam verfügen sie über Flächen von der Größe des Saarlands, Bremen, Hamburgs und Berlins zusammengenommen.

Insgesamt ist anzumerken, daß die Besitz- und Vermögensverhältnisse beider Großkirchen äußerst undurchsichtig sind. Vieles verbirgt sich in Klöstern und Stiftungen, die jeweils eigene Wirtschaftsträger sind. Allein das Anlage- und Grundvermögen der katholischen Ca-ritas wird auf 65 Milliarden geschätzt (Süddeutsche Zeitung, 24.12.94).

Trotz ihres immensen Vermögens zahlen beide Kirchen weder Schenkungssteuer noch Erbschaftssteuer, weder Vermögenssteuer noch Körperschaftssteuer.

Auch im Bereich der Massen-medien konzentrieren beide Kirchen erhebliche finanzielle und politische Macht. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus (1/98) besitzen die Kirchen zusammen 3 Nachrichtenagenturen, 55 Zeitungen, 279 Zeitschriften, 48 Hörfunkredaktionen, 2 Radiosender und 17 TV-Produktionsfirmen. Sie geben für diesen Bereich jährlich 300 Millionen Mark aus.

 

2. Die laufenden Einnahmen

Beide Kirchen erhalten jährlich zusammen etwa 17 Milliarden Kirchensteuern pro Jahr, die vom Staat eingezogen werden. Davon geben die Kirchen nur etwa 5-8 Prozent für öffentlich-soziale Zwecke aus.

Darüber hinaus erhalten sie in etwa noch einmal den gleichen Betrag an staatlichen Subventionen aus den allgemeinen Steuermitteln (siehe Kasten). Der Staat finanziert den kirchlichen Religionsunterricht an staatlichen Schulen, die Ausbildung katholischer und evangelischer Theologen und die Militärseelsorge (allein für letzteres 54 Millionen Mark im Jahr).

 

Ca. 17 Milliarden DM jährlich -
staatliche Subventionen für die Amtskirchen

- Kirchlicher Religionsunterricht an öffentlichen Schulen 4,1 Mrd. DM
- Priester- und Theologenausbildung, kirchliche Fachhochschulen 1,1 Mrd. DM
- Staatszuschüsse aufgrund von Verträgen (z.B. Dotationen) 1,4 Mrd. DM
- Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen 130 Mio. DM
- Öffentlicher Rundfunk für rein kirchliche Sendungen 300 Mio DM
- Steuereinbußen wegen unbeschränkter Abzugsfähigkeit der
        Kirchensteuer
4,2 Mrd. DM
- Denkmalschutz 270 Mio DM
- Subventionen der Kommunen (geschätzt) 5,5 Mrd. DM
Insgesamt : 17 Mrd. DM

 

Der Staat, in diesem Falle die Bundesländer, finanzieren auch die Gehälter fast aller Bischöfe und Landesbischöfe und darüber hinaus weiterer Kleriker und Oberkirchenräte. Ein Bischof verdient zwischen 13 000 und 20 000 Mark im Monat, bei freier Dienstwohnung, Dienstwagen, Chauffeur und zahlreichen weiteren Vergünstigungen. Allein der Freistaat Bayern zahlt jedes Jahr nur für die katholische Kirche die Gehälter von sieben Erzbischöfen und Bischöfen, zwölf Weihbischöfen, 14 Dignitäten, 60 Kanonikern, 49 Dom- und Generalvikaren, von allen bischöflichen Sekretären und von den Direktoren und Er-ziehern der bischöflichen Priester- und Knabenseminare - zusammen rund 100 Millionen Mark (Die Woche, 25.8.95). Entsprechende Zahlungen erhält auch die lutherische Kirche.

Von jedem deutschen Bundesland erhalten beide Kirchen jährliche Zahlungen in Millionenhöhe für die zweihundert Jahre (!) zurückliegenden Enteignungen kirchlichen Grundbesitzes. Die Fortdauer dieser Zahlungen wurde im Konkordat mit Hitler 1933 vereinbart und seither nicht korrigiert. Wie dieser Reichtum zustande kam, fragte dabei niemand (siehe unten, 5.)

Jeder Pfarrer verdient im Monat im Durchschnitt 8 000 Mark monatlich (vgl. Gerhard Rampp: Kirche und Geld - die untrennbaren siamesischen Zwillinge, in: Die Drahtzieher Gottes). Auch er hat freie Dienstwohnung.

 

3. Die Situation in Österreich und in der Schweiz

In den meisten Kantonen der Schweiz (bis auf Genf und Neuenburg) sind Kirche und Staat nicht getrennt. In Zürich beispielsweise zahlt der Kanton sämtliche Gehälter der reformierten Pfarrer (rund 30 Millionen Franken jährlich) und zieht für die Kirchen die Steuern ein. Sogar Wirtschaftsunternehmen müssen Kirchensteuern bezahlen.

In Österreich gibt der Staat die Daten der Bürger an die Kirche weiter, damit diese ihre den Steuern vergleichbaren Kirchenbeiträge eintreiben kann, 4,5 Milliarden Schilling für die katholische Kirche. Der österreichische Staat zahlt außerdem allein für die Lehrkräfte an katholischen Privatschulen ca. 3,5 Milliarden Schilling pro Jahr.

Auch die österreichische Kirche ist steinreich. Allein die Diözese Graz-Seckau ist nach Aussage der Zeitung Der neue Grazer ein "superreicher Großkonzern" mit Jahresumsätzen von schätzungsweise knapp 2,5 Milliarden Schilling. Diese Diözese besitzt einen eigenen Pressekonzern ("Styria") im Wert von ca. 5 Mrd. Sch., ca. 60 000 Hektar land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz. Die kircheneigene Waldfläche wird für ganz Österreich auf 100 000 Hektar geschätzt (Profil, 27.2.95). Die älteste Wiener Privatbank Schelhammer & Schattera (Bilanzsumme 1994: 4,4 Mrd Schilling) befindet sich fast vollständig in kirchlichem Besitz.

 

4. Der Reichtum des Vatikan

Der Vatikan erhielt 1929 aufgrund eines Konkordats mit Mussolini vom italienischen Staat 91,7 Millionen Dollar als Entschädigung für die Auflösung des Kirchenstaats 1870. (Den Besitz des Kirchenstaates hatten sich die Päpste im frühen Mittelalter aufgrund einer gigantischen Urkundenfälschung erschlichen.) Diese 91,7 Millionen Dollar haben sich seither durch Zins und Zinseszins um ein Vielfaches vermehrt.

1952 schätzte das Magazin Oggi die Rücklagen des Kirchenstaats auf einen Wert von 11,5 Milliarden Dollar - damals der zweitgrößte Staatsschatz der Welt nach dem der USA. Ein großer Teil davon bestehe, so Oggi damals, aus Goldbarren, die in den USA gelagert wurden.

In den achtziger Jahren machte der Vatikan Schlagzeilen, weil er mit seiner hauseigenen Bank "Istituto delle Opere di Religione" (Institut für religiöse Werke) offensichtlich in internationale Geldwaschgeschäfte verwickelt war und über gute Beziehungen zur Mafia verfügte.

Der Vatikan verfügt in Italien laut Karlheinz Deschner ("Abermals krähte der Hahn, 1979") über eine halbe Million Hektar Land, "und zwar in den fruchtbarsten Gebieten. ... Selbst in England beträgt der katholische klerikale Landbesitz fast 100 000 ha, ... in Frankreich eine halbe Million, in den Vereinigten Staaten etwas über 1 100 000 ha."

Der Vatikan verfügt, ebenfalls nach Deschner, über Aktienbesitz "in französischen Erdölgesellschaften, argentinischen Gas- und Kraftwerken, bolivianischen Zinngruben, brasilianischen Gummifabriken, nordamerikanischen Stahlunternehmen ..."

In Italien soll der Vatikan an zahlreichen italienischen Elektrizitäts- und Telefongesellschaften beteiligt und Eigentümer von zwei Eisenbahnlinien und sieben Banken sein. Die Fluggesellschaft Alitalia und die Autofirma Fiat seien "zu einem beachtlichen Teil" in klerikaler Hand.

In den USA hat der Vatikan "starken Einfluß" auf vier große Stahlkonzerne, auf General Motors und zahlreiche andere Firmen. Und ihm "gehört mit 51% Kapitalbeteiligung faktisch die größte Privatbank der Welt, die Bank of America". (Karlheinz Deschner, Opus Diaboli, 1990)

In Deutschland steckt Kapital des Vatikans und der katholischen Hierarchie in folgenden Unternehmen: BASF, BMW, DEAG, Bayer, Linde, Siemens, Mannesmann und zahlreiche andere.

 

5. Wie entstand der kirchliche Reichtum?

Im dritten Jahrhundert begannen die Bischöfe, die in der Kirche das Ruder an sich gerissen hatten, die Einkünfte der Kirche höchst eigenartig zu verteilen: Ein Viertel behielten sie selbst, ein Viertel bekam der Klerus, ein Viertel diente der Instandhaltung der kirchlichen Gebäude - und ein Viertel erhielten die Armen. Viele Bischöfe und Priester trieben darüber hinaus schwungvolle Zins- und Wuchergeschäfte oder unterschlugen Gelder. Der Patriarch von Alexandria in Ägypten trieb mit einer eigenen Flotte Handel.

Konstantin befreite die Kirche von den meisten Abgaben. Kirchlicher Mob (angeführt von mehreren "Heiligen", zum Beispiel St. Martin) zerstörte und plünderte in den darauffolgenden Jahrhunderten heidnische Tempel und nicht-katholische Kirchen und übernahm deren Vermögen und Grundbesitz.

Zahlreiche Kleriker hielten sich auch Sklaven - dies blieb das ganze Mittelalter über so.

Kirchen und Klöster erhielten den Kirchenzehnt, der bei Bedarf auch mit Waffengewalt eingetrieben wurde. Durch den Zehnt, durch Schenkungen und rege Geldverleihgeschäfte erwarben die Klöster unendliche Reichtümer. Viele Mönche fälschten auch Besitzurkunden, um den Klosterbesitz zu vermehren. Erbschleicherei wurde durch die Kirche gezielt gefördert. Papst Alexander III. verfügte z.B. 1170, daß kein Testament gültig sein solle, das nicht in Gegenwart eines Priesters gemacht worden war. Vererbung an die eigenen Kinder wurde von der Kirche schon in der Antike als moralisch verwerflich bezeichnet.

Die besten Einnahmemöglichkeiten hatten natürlich die Päpste: Sie verkauften kirchliche Ämter gegen Gebühren an Meistbietende, erließen Kreuzzugssteuern, verkauften Ablässe, und in der Renaissance gab es sogar ein päpstlich betriebenes Bordell. Auch Bischöfe und Priester ließen sich bei jeder Gelegenheit für irgendwelche liturgischen Handlungen bezahlen. Im Mexiko des 19. Jahrhunderts mußten sich ganze Familien verschulden, um eine Beerdigung bezahlen zu können.

Das gesamte Eigentum von "überführten" Ketzern und Hexen wurde beschlagnahmt und zwischen Kirche und Staat aufgeteilt. Die Familie landete in der Regel mittellos auf der Straße, da es aufgrund des Terrors kaum jemand wagte, ihr zu helfen. Auch die Nachkommen eines nachträglich "überführten" Ketzers konnten auf diese Weise an den Bettelstab gebracht werden. Reiche spanische Juden oder Nachkommen von Juden (auch diese wurden verfolgt - übrigens eine katholische Vorwegnahme des nazistischen Rassenwahns) konnten sich gegen hohe Geldbeträge freikaufen - meist jedoch nur für einige Zeit. Das Vermögen der Gehetzten war regelrecht der "Treibstoff" für immer neue Verfolgungen.

Vieles von dem Gold, das den amerikanischen Indianern von den spanischen Eroberern auf grausame Weise geraubt wurde, landete in goldüberhäuften spanischen Kirchen.

Die evangelische Kirche verstand es von Anfang an, sich zu einer Staatskirche zu machen und staatliche Gelder für ihre Zwecke abzuzweigen. Heute steht die lutherische Kirche in Deutschland der katholischen an Reichtum und Macht kaum nach.

 

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