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Juni 1996 |
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Das
Fundamentale in unserer Zeit zum
Nachdenken und zur Selbsterkenntnis
Der Prophet gibt allen Menschen nach den Gesetzen Gottes Denkanstöße und Antworten zu den Verwicklungen und Mißständen in dieser Welt. Er spricht aber auch über seine Aufgabe und somit auch über sich selbst.
In dieser Ausgabe stellt ein Christusfreund Gabriele, der Prophetin Gottes im Universellen Leben, einige Fragen, die er mit der Schilderung seiner anfänglichen Skepsis einleitet:
Der Christusfreund:
Als ich den Propheten - sprich: die Prophetin Gottes der heutigen Zeit - kennenlernte, war sie für mich die größte Herausforderung, denn ich war katholisch und östlich geprägt. Um das Prophetische, die Stimme des Herzens, wußte ich wohl, doch einem Propheten gegenüberzustehen, einer Klarheit und Souveränität, die mir bislang - auch im Osten - noch nicht begegnet war, machte mich befangen. Vorbehalte und Skepsis standen gegen den Menschen auf, dessen Blick den meinen nicht kreuzte, sondern der mir klar ins Auge sah. Im Angesicht seiner Klarheit, Souveränität, Weisheit und Güte erfaßte ich im Augenblick: ich stand vor einem alttestamentlichen Propheten, der mir fast ungeheuerlich erschien.
Der Forscherdrang in mir erwachte, und mein ganzes Anliegen war, das Prophetische zu erforschen, um hinter das mir noch Unfaßbare zu schauen. Dabei stieß ich auf das Buch »Prophetische Denker« des Züricher evangelischen Kirchenhistorikers Professor Walter Nigg (2. Auflage, Zürich, 1968).
Wißbegierig las ich über das Phänomen »Prophetie - Priester«. Seite 124/125: »Nun sind aber nicht alle Priester echte Priester. Es gibt unter ihnen auch Naturen, die von einem dämonischen Verlangen nach Macht und Herrschaft verzehrt werden; Priester, die in heilloser Verblendung ihr Amt dem Anspruch Gottes gleichsetzen und nicht den geringsten Widerspruch dulden, weil sie darin eine Schmähung ihrer Autorität sehen. Der von sich selbst eingenommene Priester wittert im Propheten einen Rivalen und Gegenspieler, der seine angemaßte Einstellung entlarvt. Der machtsüchtige Priester ist keineswegs ein Ausnahmefall, und je höher man an der hierarchischen Leiter empor schaut, um so mehr erblickt man ihn. Wie es auch immer um den Priester bestellt sein mag, er ist für alle Fälle ein Vertreter des Bestehenden.«
Seite 125: »Der Prophet aber vertritt ein vom Priester grundsätzlich verschiedenes Anliegen. Als Seher hat er das auszusprechen, was Gott in der heutigen Stunde den Menschen sagt, und nicht das, was einmal in früheren Jahrhunderten von ihnen verlangt wurde ...
Dem Propheten ist die Aufgabe gegeben, Gottes Willen zu verkünden, der dem Gebot der Stunde entspricht ...
Man braucht die Verschiedenheit beider Funktionen nur notdürftig zu skizzieren, um alsobald zu begreifen, daß das priesterliche und das prophetische Prinzip, nicht nebeneinander schiedlich-friedlich Platz haben ...
Mit innerer Konsequenz führt der Gegensatz zu erbitterten Kämpfen zwischen ihnen, wie sie sich zu allen Zeiten zwischen Priester und Prophet ereignet haben.«
Auf Seite 126 las ich: »Die alttestamentlichen Propheten erheben des öfteren gegen die Priester die Anklage, mit ihrem Kult das Volk in die Irre geführt zu haben. «
Der Christusfreund fuhr fort:
Ich war immer der Ansicht, der Priester würde vom Propheten lernen wollen, denn der wahre Prophet vermittelt den Willen Gottes für die heute lebenden Menschen, letzten Endes auch für den Priester, der in sein Amt von Menschen berufen und nicht, wie der Prophet, von Gott erwählt wurde. Mein Leben war schon immer religiös geprägt, deshalb hatte ich des öfteren mit Priestern, aber auch mit östlichen geistigen Lehrern gesprochen. Beide, Priester und Meister, erhoben den Anspruch, von Gott geführt oder gar - gemäß der östlichen Lehre - ein inkarnierter Aspekt Gottes zu sein. Zunächst schenkte ich dem Glauben, doch als ich das Leben so manchen Priesters studierte und auch das Leben östlicher Meistern, kam ich zu der Überzeugung, sie konnten keine Gottberufenen oder ein inkarnierter Aspekt Gottes sein, denn ihr Verhalten und ihre Bräuche wurden mir immer mehr suspekt. Aufgrund meiner katholischen Erziehung kam ich immer wieder mit Kulten, Bräuchen und Dogmen in Berührung, wie sie mir von Kindheit an vertraut waren, wie sie mir aber auch in der östlichen Tradition begegneten.
Mein Anliegen war, Gott näherzukommen. Als ich die Mitte meines Lebens erreicht hatte, fühlte ich, daß mich die Bräuche, die Kulte und die Riten nicht zu Gott führten. Ich suchte weiter und stieß auf den Propheten - sprich: die Prophetin -, welcher den gleichen alttestamentlichen Charakter hat wie die Propheten des Alten Bundes. Die Stimme des Herzens, der Prophetische Geist in der heutigen Zeit, spricht ebenfalls gegen Bräuche, Kulte, Riten, Zeremonien und kirchliche Titulierungen, mit denen sich »Exzellenzen« und »Eminenzen« über das Volk stellen. Jetzt verstand ich, was Walter Nigg weiter schrieb - Seite 126: »Die Kampffront zwischen Prophet und Priester reicht bis in die christliche Zeitrechnung hinein, wo sich die Kirchenmänner gegen die Propheten gestellt und in deren Auffassung vom Kultus eine Tempelschändung gesehen haben. Der Priester ist der Feind des Propheten; sie miteinander versöhnen zu wollen ist ein unmögliches Ansinnen.«
Mein ganzes Anliegen war, mit der in der Jetztzeit lebenden und doch alttestamentlichen Prophetin zu sprechen. Ich hatte die Gelegenheit und fand in Gabriele, der Prophetin Gottes, einen Menschen, der keinen Absolutheitsanspruch geltend macht, sondern durch den die Stimme des Herzens spricht, der Prophetische Geist, Der Absolute, das absolute, unumstößliche Gesetz. Ihre freundlich, fest, doch ohne Nachdruck gesprochenen Antworten und Bemerkungen anzunehmen oder nicht, blieb ganz mir überlassen. Eine Prophetin ist scheinbar einfühlsamer als ein prophetischer Mann, denn sie gab mir auf alle Fragen Antwort, ohne Zögern, doch klar und unmißverständlich.
Heute bin ich Urchrist und stelle an Gabriele, die Prophetin Gottes, folgende Frage: Warum können auch in der heutigen Zeit Priester und kirchliche Amtsträger dem Propheten nicht die Hand reichen? Was liegt zwischen beiden?
Antwort des Propheten:
Gott ist der Geist der Liebe, der Weisheit und der Größe, Gott ist allgegenwärtiges Sein. Der Geist, Gott, ist im Größten und im Kleinsten und ist immer das Ganze, das Gesetz, unteilbar.
Schon allein diese Aussage weicht von der Lehre des Priesters ab. Sowohl katholische als auch evangelische Theologen, sogar Wissenschaftler sind vielfach der Ansicht, daß Tiere, Pflanzen und Steine unbeseelt wären. Gott spricht jedoch durch den Propheten: Der Geist, Gott, ist im Größten und im Kleinsten, immer das Ganze, das Gesetz, das Leben, unteilbar.
Wir Menschen nennen Gott »unseren ewigen Vater«, dessen Kinder alle Menschen und Wesen sind. Gott ist die Liebe, die alle und alles ausnahmslos liebt und auch uns Menschen Seine Kinder, Seine Söhne und Töchter, im Herzen trägt. Wie geht das Menschenkind - der Sohn oder die Tochter - auf seinen leiblichen Vater zu? Ist das Verhältnis zwischen dem leiblichen Vater und dem Sohn bzw. der Tochter gut, dann ist es ein herzliches und ungezwungenes Aufeinanderzugehen, ohne irgendwelches traditionelles Gehabe. Es wäre absurd, wenn Gott, den wir unseren ewigen Vater nennen, von uns, Seinen Kindern, verlangen würde, bevor wir zu Ihm kommen dürfen, Ihm Brandopfer und Kulte darzubringen, anstatt uns vertrauensvoll mit liebendem Herzen Ihm zuzuwenden. Die Auswüchse wie Brandopfer und Kulte, die dem Geist Gottes schon im Alten Testament ein Greuel waren, sind nichts anderes als übernommene heidnische Gebräuche. Menschen opferten ihren Göttern nicht nur Tiere, sondern vielfach auch ihre Mitmenschen, in dem Glauben, dadurch ihre Götter besänftigen und milde stimmen zu können.
In den Religionen heute gibt es zwar keine Brandopfer mehr, doch um so mehr Kulte, die uns alles andere bringen als die bewußte Verbindung zwischen Gott und Seinen Kindern. Jesus lehrte immer wieder den nahen Gott, den Vater, der im Herzen Seines Kindes aufzusuchen und zu finden ist. Doch auch die Gottespropheten vor Jesus wußten dies und versuchten, es dem Volk nahezubringen. Der Vielgötterglaube beinhaltete die Distanz zu jenen Götzen, die Furcht vor ihrer Unberechenbarkeit und ihrem Zorn. Nicht umsonst wetterten alttestamentliche Propheten gegen Opferaltäre und Opfer, gegen jegliches Schaugepränge, gegen Priester und Priestergewänder, gegen alles, was das sündhafte Auge mit Wohlgefallen betrachtet und Menschen in den Glauben versetzt, daß Priester, Bräuche, Kulte, Opfer und vieles mehr Gott wohlgesonnen stimmen könnten.
Das Alte Testament ist durchzogen von heidnischem Brauchtum. Auch die »ewige Verdammnis« ist eine Fehlinterpretation in der Bibel, auch noch im Neuen Testament, welche auf den Aberglauben der strafenden Götter zurückgeht. Wer hatte und wer hat Interesse daran, Aspekte des Heidentums im Alten Testament wie auch im Neuen Testament aufleben zu lassen? Doch nur die Amtsträger ihrer Religion, um dadurch die Menschen von ihrer scheinbaren religiösen Kompetenz abhängig zu machen und sie abhängig zu halten.
Gott ist der Vater aller Kinder. Das schönste Opfer, das wir, Seine Kinder, Ihm darbringen können, ist, wenn wir unseren Haß, unsere Selbstsucht, unsere Eigenliebe, unseren Größenwahn, unsere Titel und übertriebenen Mittel opfern und uns mit allen Menschen als Brüder und Schwestern im geistigen Sinne solidarisch sehen. Hätte sich das alttestamentliche Weltbild mit dem strafenden Gott und der »ewigen Verdammnis« durch die Verwirklichung der Lehre Jesu, des Christus, geändert, dann gäbe es in der heutigen Zeit kein alttestamentliches Sprachrohr Gottes, durch das Gott wieder spricht und die gleichen Anforderungen an die Menschen stellt wie durch die Propheten des Alten Testamentes. Das Neue Testament sollte durch Jesus, den Christus, in die Welt kommen, denn Er lehrte uns die Realität, den Vater der Liebe. Er gebot uns die Feindesliebe und die Bruderschaft gleich Geschwisterschaft in Seinem Geiste, dem Geist der Liebe. Jesus pries Seinen und unseren ewigen Vater und enthüllte, daß alle Menschen Kinder des einen ewigen himmlischen Vaters sind.
Jesus lehrte uns die Versöhnung mit unseren Mitmenschen, die Gleichheit, Einheit und Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit. Er lehrte uns Menschen in der Bergpredigt die Gesetzmäßigkeiten der Himmel für diese Erde, die inhaltlich das Leben in und mit Christus sind. Was geschah jedoch in kurzer Zeit nach Jesus? Aspekte heidnischer Bräuche, Kulte, Riten, Zeremonien und Opferaltäre kamen wieder zum Vorschein. Zu diesen Abläufen bedurfte es, wie im Heidentum, der Priester und Pfarrer und zusätzlich noch der kirchlichen Exzellenzen, Eminenzen bis hin zum »Heiligen Vater auf Erden«.
Was war eigentlich Jesus? Ein Zimmermann, ein Handwerker, der als größter Prophet aller Zeiten, der bezüglich Priester und Brauchtum die gleichen alttestamentlichen Weisungen gab wie die Propheten des Alten Bundes. Er klagte die Pharisäer und Schriftgelehrten an. Er ging gegen die Feilscher im Tempel vor. Warum? Weil Er das Scheinheilige erkannte, das nicht dem Heiligen dient. Was lehrte uns Jesus? »Folget Mir, dem Jesus, nach«, was besagt: Haltet die Gebote und erfüllt die Gesetzmäßigkeiten der Zehn Gebote und der Bergpredigt. Von kirchlichen Hochwürden wie Priestern, Pfarrern, Bischöfen, Kardinälen mit den Titeln Exzellenzen, Eminenzen und einem »Heiligen Vater auf Erden« sprach Er nicht.
Wer oder was prägte bald nach Jesu Hinscheiden das urchristliche Weltbild, in dessen Mitte der Prophetische Geist wirkte? Der intellektuelle Saulus, der sicher irgendwann zum Paulus wurde. Obwohl er für das Prophetische im Urchristentum sprach, unterwanderte er es mit folgender Aussage: »Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.« Meinte er damit die weltliche Obrigkeit oder die kirchliche Obrigkeit oder beide? Auf alle Fälle trat der Bläh-Geist, das Ego einzelner, in das urchristliche Christus-Gottes-Bild, verdrängte den Prophetischen Geist und setzte kirchliche Obrigkeiten ein.
Weiter sprach Paulus bezüglich der Obrigkeiten: »Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu.« Hierzu eine Frage: Hat Paulus dies nur für die damalige Zeit gesprochen, oder gilt es für alle Zeiten? Hat es nur Paulus gesprochen, dann hat diese Aussage keine Bedeutung, weder für die damalige Zeit noch für die heutige. Hat es jedoch Gott durch Paulus gesprochen, dann hat es Gültigkeit für die damalige Zeit und für alle Zeiten, so lange, wie es Menschen auf Erden gibt. Oder sind die überlieferten Paulus-Briefe gar nicht die Briefe des Paulus, sondern anderweitig erdacht?
Betrachtete man das Ganze als Gottes Aussage durch Paulus, so müßten alle Untertanen den Obrigkeiten Gehorsam leisten, ob es sich um eine gewissenhafte Obrigkeit oder eine mörderische Obrigkeit handelt. Kann das Gottes Gesetz sein?
Der Christusfreund:
Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. Einige Obrigkeiten waren z.B. der Papst Innozenz III., der die Inquisition einführte, der im Laufe von etwa 600 Jahren Hunderttausende von »Ketzern« und »Hexen« zum Opfer fielen, oder auch jene Päpste, die verantwortlich sind für das Töten von Millionen Indianern, oder auch Martin Luther, der seine Zeitgenossen aufforderte: Tötet die Bauern! Zündet die Häuser der Juden an! Denken wir auch an weltliche Obrigkeiten wie Stalin, Hitler und, und, und ... Möge der Leser sich seine Meinung bilden!
Der Prophet:
Was hat sich gegenüber den Gepflogenheiten in der Zeit des Alten Testamentes geändert? Daß auf den Opferaltären keine Rinder mehr geopfert werden, keine Schafe und Lämmer. Diese werden heute mehr denn je gezüchtet, geschlachtet und verzehrt. Das ist das kannibalische Opfermahl, das sich Kannibalen selbst darbringen.
Der Prophetische Geist, die Stimme des Herzens, ist derselbe gestern, heute und morgen. Er spricht gegen scheinheilige Priester, gleich, welche Titel sie sich geben und welche Mittel sie in ihre Taschen bringen. Auch wenn sich kirchlich institutionelle Obrigkeiten den Staat zu Dienste machen, um sich so in das Staatsgefüge einzureihen, spielt das für den Prophetischen Geist keine Rolle. Er spricht gegen alles, was sich über die Kindschaft Gottes stellt.
Das heutige kirchliche Weltbild ist durchdrungen von Priestern, Pfarrern, Bischöfen, Kardinälen, also Hochwürden, Exzellenzen, Eminenzen bis hin zum »Heiligen Vater auf Erden«. Welcher Ehr-und-Lob-Preis bleibt da noch übrig, um Gott, unserem ewigen Vater, die Ehre zu geben, wo doch alle Ehre den Titeln der kirchlichen »Würdenträger« gebührt? Der kirchlich Titulierte hat in der Regel die Mittel und die Macht, und diese vergrößern um so mehr die Kompetenz und das Machtgefüge, je höher der »Würdenträger« auf der hierarchischen Leiter emporklettert. Was kümmern ihn die Worte Jesu: »Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.«
Solange der Priester Priester bleibt, wird er sich mit dem Propheten anlegen, weil die Stimme des Herzens das Gesetz der Liebe Gottes ist, in dem es keine Priester, keine Pfarrer, keine Exzellenzen, keine Eminenzen und keinen »Heiligen Vater auf Erden« gibt. Die Stimme des Herzens spricht für den Bruder und die Schwester im kirchlichen Titelträger, doch sie spricht nein zu seinem Titel im Namen Gottes, denn der Titel fordert immer Mittel, Schätze, welche Motten und Rost fressen und welche zum Himmel schreien, besonders angesichts der Not, des Hungers und der Entbehrung vieler auf dieser Erde.
Seit Paulus sind kirchliche Obrigkeiten Nachfolger des Paulus, aber nicht die Nachfolger des Nazareners, denn sie tun nicht, was Jesus wollte.
Frage des Christusfreundes:
Im Buch von Walter Nigg, »Prophetische Denker«, steht u.a. auf Seite 126: »Der Umgang zwischen Gottheit und Menschheit ist für ihn - also für den Propheten - nicht vom Ritus, sondern vom Wort getragen.« Was will uns das sagen?
Der Prophet antwortet:
Gott ist das Wort, und das Wort ist bei Gott, und Gott ist das Wort. Das Wort Gottes ist die Warhheit, und die Wahrheit kennt keinen Unterschied zwischen arm und reich. Das Wort Gottes ist die Sprache der Liebe, der Versöhnung, des Friedens, der Einheit, der Gottes- und Nächstenliebe. Wer das Wort Gottes hat, der hat die Stimme des Herzens und will nichts anderes mehr sein als ein dienender Mensch, der Gott die Ehre gibt und sich nicht selbst ehrwürdig nennen läßt.
Vor den Augen Gottes ist kein Mensch würdig. Würde trägt der im Herzen, der sich als Bruder und Schwester erweist, der ohne größere Mittel lebt, der in seinem Leben die Mitte Dem einräumt, Dem alle Ehre gebührt. Das Wort Gottes ist die Stimme des Herzens. Wer sein Herz für Gott öffnet, der wird alle in ihm selbst erkannten Niedrigkeiten, die sich vielfach im Fluß seiner Gefühle, Empfindungen und Gedanken abspielen, mit der Hilfe des Christus Gottes überwinden, so daß er der Stimme des Herzens näherkommt und somit sein Wort zur Wahrheit wird. Dann ist Gott das Wort in ihm, im Menschen, und die Seele des Menschen ist in Gott und ist wieder das Wort Gottes, denn beide, Gott und Seele, sind eins geworden. Dazu sind keine Riten, keine Titel und Mittel, keine Zeremonien und Dogmen erforderlich, sondern einzig, den Willen Gottes zu erfüllen. Wer sein Ego opfert, der gewinnt in seiner Seele das Ich Bin, das das Wort und die Wahrheit ist, die Stimme des Herzens.
Frage des Christusfreundes:
Ist auch »Prophet« ein Titel, der mit Mitteln verbunden ist?
Antwort des Propheten:
Würde sich die Posaune, das Sprachrohr Gottes, mit dem Wort »Prophet« titulieren, dann wäre mit Recht gesagt: Dieser Mensch hat einen Titel. Doch er wäre dann kein Gottesprophet. Der Gottesprophet schmückt sich nicht mit der Bezeichnung »Prophet«, dazu ist diese Aufgabe viel zu schwer. Eine Posaune, ein Sprachrohr Gottes würde sich eine Herausstellung des Menschen nicht anmaßen. Würde ich von einem meiner Nächsten als Prophetin angesprochen, dann würde ich entweder sagen »ich bin deine Schwester« oder »ich bin nur ein dienendes Sprachrohr des Ewigen«. Ich selbst nenne mich nicht Prophetin. Gott nennt mich, Seine Posaune, so. Die Last und das Leid, das ein von Gott berufener Prophet zu tragen hat, ist viel zu schwer, um sich damit zu schmücken.
Zu den »Mitteln« ist zu sagen: Ich lebe so wie viele meiner Brüder und Schwestern auch. Was ich zum Leben brauche, das habe ich, jedoch nicht darüber hinaus. Paläste, wie sie »Hochwürdige« bewohnen, kenne ich nur von außen. Mein Heim besteht aus zwei Zimmern, die mir genügen. Was braucht der Mensch mehr? Haben doch die Vögel unter dem Himmel ihre Nester und freuen sich daran. Was besaß der Sohn Gottes, während Er als Jesus auf der Erde wandelte? Nicht immer ein Kissen unter seinem Haupt. Wer es anders will, der hat schon seinen Lohn und kann von Gott keinen mehr empfangen, auch nicht die Stimme des Herzens, denn auch das ist ein Geschenk. Weil die »Ehrwürdigen« und »Hochwürdigen« die Stimme des Herzens nicht vernehmen, schmücken sie sich mit Würden und wollen, daß andere sie als Würdige sehen. Wer das so hält, ist geblendet von Ehrgeiz und Wahn.
Der Christusfreund:
Nun verstehe ich die Worte von Walter Nigg zu Priestern und Propheten immer besser, Seite 128: »Die Geschichte der Propheten wimmelt von Verkennungen und Verfolgungen. Beinahe alle Seher wurden verlacht und verhöhnt. Die Frage des ersten christlichen Märtyrers Stephanus: 'Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolget?' gilt für jede Zeit, auch für die heutige. Der Prophetenmord ist die Sünde aller Jahrhunderte. Darin liegt der Grund, weshalb man vor allem Trauer empfinden muß über die Geschichte der Christenheit. Es wäre uneinsichtig, sich allzu heftig über die Prophetenmörder zu entrüsten. Tummelt man sich am Ende nicht selbst unter denen, die die Propheten töten?«
An dir, Gabriele, hat zwar der Prophetenmord nicht stattgefunden, aber dein Name wurde hingemetzelt, gleich hingemordet durch gezielten kirchlichen institutionellen Rufmord, unter Anleitung kirchlicher »Würdenträger«.
Walter Nigg schreibt weiter auf Seite 128: »Allezeit richtet sich an den Menschen die neutestamentliche Frage, die sein Innerstes trifft und die ihn zugleich zum Höchsten hinaufreißt: 'Glaubst du den Propheten?'« - und ich, der Christusfreund, möchte hinzufügen: Oder den kirchlichen Würdenträgern?
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