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  Schlag die Bibel zu. der Verrat an Jesus, dem Christus, an den Propheten.

Der Prophet: Es gibt noch "Wunder": Ein Fachmann der katholischen und ein Fachmann der lutherischen Theologie haben sich zur Verfügung gestellt, dem Propheten auf Fragen bezüglich kirchlicher Lehrmeinungen Antwort zu geben. Es ist hervorzuheben - und das ist an deren Antworten zu erkennen -, daß beide auf dem Weg der Nachfolge des Jesus, des Christus, sind.
Die egoistischen und nach Macht strebenden Theologen beider Amtskirchen, die das Kirchenvolk noch immer unter ihrer Knute halten, stellten sich im letzten Jahrzehnt keinem Glaubensgespräch, trotz vielfacher Einladungen seitens der Urchristen. Vielleicht ahnten sie, daß dann, wenn sie an einem Glaubensgespräch teilnehmen würden, Jesus, der Christus, der Sieger sein würde. Theologen, die in Amt und Würden stehen und ihr sicheres Gehalt und ihre gesicherte Pension von den Amts-, gleich Staatskirchen beziehen, können nicht zulassen, daß Jesus, der Christus, öffentlich der Sieger ist, denn sie wollen Jesus für ihre Anschauungen und dogmatischen Zwecke gebrauchen.
Ich habe eine Frage an den Fachmann der katholischen Theologie - ich kann dich doch so bezeichnen?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Du kannst mich so ansprechen, denn ich habe vor vielen Jahren das Theologiestudium abgeschlossen und drei Jahrzehnte lang in der Praxis anzuwenden versucht. Daß es nicht mehr als ein Versuch sein konnte, merke ich jetzt, z.B. beim Nachlesen von biblischen Zitaten. Die Worte sind noch die gleichen, aber die Basis, von der aus ich sie nun auf mich wirken lasse, ist neu. Sie ist neu geworden durch den Geist Gottes durch das Prophetische Wort, das ich durch dich vernehmen durfte und das mich hingeführt hat zu Christus.
Der Prophet: Zu allen Zeiten stellten die Priester eine abgesonderte Kaste dar, denen die Kulthandlungen oblagen, die kein Laie übernehmen durfte. Ist es nicht auch heute noch so, daß man den Kirchengläubigen vor Augen führt, daß die Priester oder Pfarrer etwas Besonderes wären, weil sie angeblich die Gesetze Gottes verkünden und halten - die katholischen Theologen auch die kirchlichen Dogmen, die um jeden Preis, bis hin zur Androhung der ewigen Verdammnis, geglaubt werden müssen, einerlei, ob sie wirklich dem Willen Gottes entsprechen oder nicht, denn es genügt, daß sie von einem Papst verkündet oder einem Konzil beschlossen wurden.
Soweit mir bekannt ist, entsprechen die Zeremonien, Riten und Bräuche der sogenannten christlichen Kirchen heute diversen Kulthandlungen des Heidentums. In der heidnischen Zeit gab es den Altar, auf dem die Opferhandlungen vollzogen und Tiere Göttern dargebracht wurden. Das Blut der Tiere wurde ebenfalls auf den Altar gegossen und Weihrauch verbrannt.
Auch heute haben die sogenannten christlichen Kirchen ihre Altäre und ihre Zeremonienmeister, die sich Pfarrer und Priester nennen. Wie lassen sich die heutigen Gepflogenheiten wie Theologiestudium, Priesterweihe, Pfarrerordination, Altäre, Riten, Zeremonien, Dogmen, Weihrauch, Weihwasser, Reliquienverehrung, Glaubensbekundungen ohne die Erfüllung der Gebote Gottes mit der Lehre Jesu vereinbaren? Dasselbe gilt auch für das Spenden von Kerzen, Ablaß, Sündenvergebung durch Pfarrer und Priester, die Hostie beim Abendmahl, die Krankensalbung und auch die Marienverehrung.
Jesus sprach doch von alledem nicht. Er war kein Theologe, sondern ein Mann des Volkes, der sich nicht durch Titel, Mittel und Talar vom Volk abhob. Er lehrte nicht das Errichten von Opferaltären und nichts von dem, was in der katholischen Kirche zelebriert wird. Er lehrte auch nicht, daß Menschen Gott studieren sollen, um dann Pfarrer oder Priester zu sein. Er setzte keine Pfarrer und Priester ein. Jesus, der Christus, lehrte uns die Einheit, indem Er sinngemäß sprach: Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. Diese Aussage spricht für sich selbst: Jesus meinte damit die Gleichheit, nicht das Oben und Unten, eine Rangordnung zwischen "Hochwürden" und Untergebenen. Jesus setzte also keine kirchlichen Obrigkeiten als Mittler ein zwischen Gott und den Menschen.
Die frühere und die heutige Priesterkaste, die sogenannten Mittler zwischen Gott und den Menschen, bedienten sich schon immer der weltlichen Obrigkeit. In vielen Situationen waren sie die Hetzer gegen Andersgläubige und der Staat das ausführende Organ ihrer Hetze.
Soweit mir bekannt ist, waren in früheren Zeiten die "Richter" vielfach die politische Obrigkeit. In der heutigen Zeit sind es die Präsidenten, die Minister, Abgeordneten und dergleichen. Trat in früheren Zeiten die Priesterkaste an die Öffentlichkeit und wollte sie das Volk für ihre Zwecke gebrauchen, dann waren vielfach die Richter anwesend.
Wie ist es in unserer Zeit? Auch heute stehen weltliche und kirchliche Obrigkeiten im Vordergrund, und das Volk steht, wie in Vorzeiten, hintan. Hat Jesus das so gehalten und gelehrt? War Er für Unterschiede im Volk, für das Oben und Unten, oder war Er für Gleichheit und Einheit?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Jesus hat diese Unterschiede gesehen und auch die damaligen Führer des Volkes angesprochen. Dennoch stelle ich fest, in allen Religionen finden wir das gleiche vor: Die Priester bilden eine abgesonderte Kaste, welche den meisten Menschen weismachte und weismacht, daß Gott ein "Geheimnis" sei, etwas Geheimnisvolles, das sich nicht in Seine Karten schauen lasse. So heißt es z.B. im "Katechismus der Katholischen Kirche" zum Thema Krankheit:
[...]
Hier wird für das Geheimnis ein noch geheimnisvolleres Zitat von Paulus genommen. Solche geheimnisvollen Sätze schaffen Distanz und machen bei vielen Kirchengläubigen den Eindruck, daß es wohl so sei. Und sie blicken auf zu jenen, die sich den Anschein geben, als verstünden sie die tieferen Zusammenhänge.
Oder: Wie Gott dem Mose Seinen Namen kundtat, ist im "Katechismus der katholischen Kirche" folgendermaßen erläutert: "Indem er seinen geheimnisvollen Namen JHWH - ‘Ich bin der, der ist’ oder ‘Ich bin der Ich bin’ - offenbart, sagt Gott, wer er ist und mit welchem Namen man ihn anreden soll. Dieser Gottesname ist geheimnisvoll, wie Gott selbst ein Geheimnis ist ..." (Nr. 206)
Oder:
"Obwohl Gott sich offenbart, bleibt er doch ein unaussprechliches Geheimnis: ‘Verstündest du ihn, es wäre nicht Gott’ (Augustinus)." (Nr. 230)
Oder:
"In Maria verwirklicht der Heilige Geist den gnädigen Ratschluß des Vaters. Mit und durch den Heiligen Geist empfängt und gebiert die Jungfrau Maria den Sohn Gottes. Durch die Kraft des Geistes und des Glaubens wird ihre Jungfräulichkeit einzigartig fruchtbar." (Nr. 723)
Oder:
"Um das Geheimnis der Kirche zu ergründen, müssen wir zunächst über ihren Ursprung im Ratschluß der heiligsten Dreifaltigkeit und ihre fortschreitende Verwirklichung in der Geschichte nachsinnen." (Nr. 758)
Diese und viele weitere Stellen wollen dem gläubigen Volk den Eindruck vermitteln, daß es einer Kirche und der Pfarrer bedarf, um Gott verstehen zu können.
Der Prophet: Das heißt also: Gott kann uns nicht alles offenbaren, weil Er selbst Geheimnis ist und somit Seine Geheimnisse hat. Will uns die Kirchenlehre von den Geheimnissen vielleicht indirekt weismachen, daß auch wir Menschen vor Gott einiges geheimhalten können? Manche Kirchenführer scheinen jedenfalls in ihrem Handeln davon auszugehen.
Derjenige, der gern von Geheimnissen spricht, hat meist etwas zu verbergen, das nicht offenbar werden soll, weil es unter Umständen geahndet werden könnte. Daraus läßt sich die Unvollkommenheit des Menschen erkennen, der sich hinter seinen Geheimnissen verbergen möchte, um nicht der Schelte oder gar der Anklage einer Straftat ausgesetzt zu sein.
Die Priesterkaste spricht also Gott das zu, was allzumenschlich ist. Die Theologen und die ihnen ebenbürtigen Intellektuellen und "Privilegierten", die sich vom Volk abheben möchten, sind stolz auf ihre sogenannte Logik. Dem Ewigen sprechen sie jedoch die Logik ab, denn sie lassen die Aussage gelten, die dem sogenannten Kirchenvater Augustin oder auch dem Kirchenlehrer Tertullian zugeschrieben wird: "Credo quia absurdum" - "Ich glaube, weil es absurd ist."
Soweit mir bekannt ist, übergaben im Jahr 542 die Gegner des frühchristlichen geistigen Lehrers Origenes dem päpstlichen Gesandten Pelagius eine Klageschrift an den Kaiser Justinian in Konstantinopel. Damals also begann es schon, daß man den Staat um Hilfe gegen Andersdenkende anrief. Bald darauf, im Jahr 543, ließ Justinian durch den Patriarchen von Konstantinopel eine Synode einberufen und gab der Versammlung neun kaiserliche Bannflüche vor, mit denen Origenes zu verurteilen sei. Zwei davon lauteten:
[...]
Soweit mir bekannt ist, wurde zehn Jahre später - auf dem allgemeinen Konzil von Konstantinopel - der Bannfluch wiederholt und ergänzt. Auf diese Weise beseitigte die Staatskirche zentrale Inhalte der Lehre des Jesus von Nazareth: Die Botschaft von einem liebenden Vater-Gott, der niemanden verflucht, verbannt oder verdammt, sondern alle Seelen und Menschen, die gesamte gefallene Schöpfung, in die ewige Heimat zurückholen wird, mit Hilfe der Erlösertat Jesu, auf dem Weg der Befolgung Seiner Lehren, zu denen die Präexistenz der Seele vor ihrer Einkörperung und die Möglichkeit wiederholter Einverleibungen gehören. Diese Glaubensinhalte wurden in Konstantinopel verflucht.
Damit hatte die Staatskirche eine der schärfsten Waffen in der Hand gegen alle, die ihrer Lehre nicht Folge leisten wollten. Es ist die Bedrohung mit der ewigen Verdammnis, welche die Staatskirche in den folgenden eineinhalb Jahrtausenden nachdrücklich einsetzte. Sie wurde auch zur geistigen Grundlage der Inquisition und der Kreuzzüge, die Millionen von Menschen das Leben kosteten. Durch die Leugnung der Vorexistenz der menschlichen Seele wird diese zu einem Anhängsel des menschlichen Zeugungsaktes, durch den sie angeblich erstmals entstehen soll. Ihr körperliches Schicksal wird aus dem Zusammenhang der Abfolge vieler Existenzen gerissen. Damit zerriß auch der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, von Saat und Ernte. Das im menschlichen Dasein in Erscheinung tretende Leid wird zum unerklärbaren Ärgernis. Gott gerät erneut in den Verdacht, ein willkürlicher Gott zu sein, der nach Belieben straft, besonders jene, die Ihn lieben.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Du sprichst so viele wichtige Sätze aus, daß ich einfach einmal unterbrechen möchte.
Der Satz "Gott gerät in den Verdacht, ein willkürlicher Gott zu sein, der nach Belieben straft, besonders jene, die Ihn lieben", ruft in mir viele Situationen wach, in denen ich von der theologischen Ausbildung her den Verdacht hätte widerlegen sollen, aber es nicht konnte, weil ich mir selbst nicht sicher war. Was soll ein Mensch denken und fühlen, in dessen Leben plötzlich eine unheilbare Krankheit festgestellt wird, obwohl er doch bei allen Nachbarn und Verwandten als ein guter Mensch geschätzt wird? Er muß Gott ungerecht finden, weil er durch die Priester noch nie gehört hat, daß Schicksalsschläge möglicherweise auch die Folgen eigenen Verhaltens in diesem oder in früheren Leben sind, nach dem Gesetz von Saat und Ernte, von dem auch Jesus von Nazareth sprach - was selbstverständlich niemanden dazu berechtigt, auf das Schicksal seines Nächsten mit dem moralischen Zeigefinger zu deuten oder ihm gar die nötige Hilfe zu versagen.
Auch davon, daß man mehrmals auf der Erde sein kann, hat ein solcher Mensch nie gehört und noch weniger, daß unsere Seele eine Vorexistenz hat, das heißt, daß wir im Ursprung vollkommene Wesen sind, die sich durch eigene Entscheidung von ihrem Schöpfer und Vater getrennt haben. Daß wir auf dieser Erde Gelegenheit haben, diese Fehlentscheidung zu erkennen und umzukehren, wird von den Priestern verschwiegen, ja sogar als Irrlehre verurteilt.
Der Prophet: Zu allen Zeiten ging das Prophetische Wort von der Präexistenz (Vorexistenz) der Seele und ihrer mehrmaligen Einverleibung aus, die u.a. im Gesetz von Saat und Ernte begründet ist. Auch Jesus von Nazareth und Seine Jünger setzten dieses Wissen voraus. Der geistige Lehrer der frühen Christenheit, Origenes, sprach ausdrücklich von der Präexistenz der Seele, von den reinen Wesen, die wir einst waren. Die Wiedergeburt war eine logische Voraussetzung seiner Lehre von der Heimführung aller Seelen und Menschen, nach der wir als reine Wesen wieder zu unserem Ursprung zurückkehren werden, dann, wenn wir unseren Fall, gleich Abfall von Gott, mit Hilfe des Göttlichen in uns beheben und diese Sünden nicht mehr tun. Origenes sprach davon, daß jeder Abgefallene seinen Körper ebenso oft wie seinen Wohnsitz beim Abstieg vom Himmel zur Erde wechselt. Die Kirche hat diese Lehre des Origenes von der Präexistenz der Seele als Irrlehre verdammt, um ihre Stellung als "Hirte" ihrer Herde zu halten. Doch die Lehre, die Origenes den Menschen brachte, kam und kommt immer wieder, auch in der heutigen Zeit durch das Prophetische Wort, durch die Offenbarungen des Christus Gottes, weil sie Wahrheit ist.
Mit Hilfe des Staates bewirkte eine Religionsgemeinschaft, die zu Macht und Ansehen gelangt ist, die Durchsetzung der Inhalte ihres religiösen Glaubens, der nach dem Eingeständnis eines ihrer führenden Vertreter "Absurdes" beinhaltet. Der Satan hätte nicht genialer handeln können, um die Menschheit von der Frohbotschaft Jesu wieder abzubringen.
Zur Existenz der Seele stellt sich noch die Frage:
Wenn die Seele erst bei der Zeugung eines Kindes von Gott geschaffen wird, wer hat dann die Seele Gottes geschaffen, der angeblich durch Maria geboren wurde, denn Maria wird ja als die "Gottesgebärerin" und als die "Mutter Gottes" bezeichnet?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Logisch betrachtet müßte es ein Über-Gott sein. Klar ist: Maria ist die Mutter des Jesus von Nazareth, in dem des ewigen Vaters Sohn inkarnierte.
Der Prophet: Eine weitere Frage an den Fachmann der katholischen Theologie:
Die katholische Kirche spricht von drei göttlichen Personen, von der Person "Gott Vater", der Person "Gott Sohn" und von der Person "Heiliger Geist".
Bezüglich der Zeugung Jesu heißt es: Maria wurde vom Heiligen Geist "überschattet". Soll "überschattet" in Wirklichkeit "durchlichtet" bedeuten, denn der Schatten ist weltbezogen, und der Geist ist bekanntlich Licht? Also hat Maria von der Person, dem Heiligen Geist, empfangen. Somit hätte also die Person sie befruchtet. Also bleibt die Frage bestehen: Wer hat die Seele von GOTT geschaffen, denn Maria wird, wie gesagt, als die "Gottesgebärerin" und als die "Mutter Gottes" bezeichnet?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Die Kirche spricht von drei göttlichen Personen, die e i n Gott sind. Nun wird im Zusammenhang mit Maria nur eine der Personen aktiv, zugleich aber nennt Jesus später Gott-Vater Seinen Vater. Ich muß eingestehen, daß es mich irgendwie ratlos und verlegen macht.
Zur anderen Frage - "Maria wurde vom Heiligen Geist überschattet" - kann ich nur feststellen, daß es bei der Ankündigung durch den Engel in den deutschsprachigen Übersetzungen der Bibel durchwegs heißt, die Kraft Gottes werde Maria "überschatten". In den Erklärungen dazu wird auf die Wolke hingewiesen, die 40 Jahre lang über der Stiftshütte lagerte und den Israeliten Zeichen für die Gegenwart Gottes war.
[...]
Die Vorstellung der Kirche geht sicher in Richtung "Befruchtung" oder "Zeugung" durch den Heiligen Geist; sie spricht es jedoch nicht so physisch-materiell aus. Sie sagt: "Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1, 20)
Der Prophet: Jesus war nicht Gott, sondern Gottes Sohn. Er selbst sagte: "Mein Vater ist größer als Ich." Also ist Gott, Gott-Vater, größer als Jesus. Maria wird als "Gottesgebärerin" bezeichnet; dann hätte sich also Gott, gleich Gott-Vater, einverleibt.
Wenn der Heilige Geist eine Person sein soll, warum spricht dann die katholische Kirche von der Ausgießung des Heiligen Geistes, der am Pfingstfest, als sich die Gläubigen, die Apostel und Jünger versammelt hatten, als Feuerzungen auf ihren Häuptern sichtbar wurde? Hat sich hier die Person, der Heilige Geist, gewandelt und verflüssigt - denn es heißt "Ausgießung des Heiligen Geistes" -, oder hat Er sich in eine gasförmige Flamme als Feuerzunge verwandelt? Oder fällt dieses Geschehen unter die Aussage eines Kirchenvaters "credo quia absurdum", das heißt, "ich glaube, weil es absurd ist"?
Normalerweise heißt es, Gott ist unwandelbar. Ist also Gott doch wandelbar? Kann Er im Fall der "Gottesgebärerin" als Seele geschaffen werden, vielleicht von der "Person" Heiliger Geist? Gehört auch diese Darlegung zu den Geheimnissen Gottes oder nur zu den Geheimnissen der katholischen Kirche?
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Die evangelische Kirche ist hier vorsichtiger, und ihre Theologen halten sich meistens an das, was sich in der Bibel finden läßt.
Im evangelischen Erwachsenenkatechismus heißt es: "Evangelische Marienverehrung kann bescheidener sein, weil die Bibel bescheidener ist." (4. Auflage, S.393)
Was aber die wenigsten wissen: Auch nach dem evangelischen Bekenntnis wird Maria ausdrücklich als "Mutter Gottes" benannt. (Konkordienformel, Epitome VIII.7)
Martin Luther schreibt über Maria: Es "will auch mit dem Herzen bedacht sein, was das sei, Gottes Mutter sein." (Auslegung zu Lk 1, 46 ff; 1521; zit. nach Katechismus, S. 393)
Und Luther meint weiter:
"Die großen Dinge sind nicht anders, denn daß sie Gottes Mutter ist worden, in welchem Werk so viele und so große Güter ihr gegeben sind, daß sie niemand begreifen kann. Denn da folget aller Ehre, alle Seligkeit, und daß sie im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person ist über alle, der niemand (darin) gleich ist, daß sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind hat ..."
Der Prophet: Entschuldige, daß ich dich unterbreche. Das ist alles so verworren. Würde sich Gott mit diesem ganzen kirchlichen Gedankengut befassen, würde dann nicht auch Er den Durchblick verlieren?
Die Amtskirchen lehren die Dreifaltigkeit, die aus drei Personen bestehen soll. Dort heißt es, der Heilige Geist hätte Maria befruchtet. Nach Luther ist Gott-Vater der Befruchtende. Nach lutherischer Lehre hat also Maria mit Gott-Vater ein Kind, gleichzeitig wird sie aber wieder als "Mutter Gottes" bezeichnet. Das einzige, was ich aus den Ausführungen Luthers bejahen kann, ist, daß Maria eine einzigartige Frau war und als einzigartige Frau geachtet und geschätzt werden soll, denn ihr reiner Glaube und ihre Hingabe an den Ewigen bewirkte die Geburt des Jesus, in dem der Christus, unser Erlöser, der Sohn des ewigen Vaters, zu uns Menschen kam.
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Maria war im Inneren mit Gott verbunden und, soweit ich weiß, eine stille und bescheidene Frau. Auch in äußerer Not, z.B. kurz vor der Geburt von Jesus, verlor sie nie das Vertrauen in die Führung Gottes. Das kirchliche Dogma von der Jungfrauengeburt machte sie jedoch zum Gespött vieler Menschen. Dabei ist sie Mutter geworden wie jede andere Mutter auch. Doch die Kirchen haben ihr eine Jungfrauengeburt und einiges mehr angedichtet und sie zur Kirchenheiligen gemacht.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Das Schlimme ist ja, daß infolge dieser Konstruktionen bei Maria der Zeugungsakt als etwas Ungöttliches betrachtet wird, das bei Jesus doch nicht sein durfte. Die Folge davon war die Verstärkung der Schuldkomplexe bei allem, was mit Zeugung zusammenhängt, für die gesamte sogenannte Christenheit im Zeitraum von beinahe 2000 Jahren.
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Ich möchte weiter auf die Frage nach der "Wandelbarkeit" bzw. "Unwandelbarkeit" Gottes antworten.
Die evangelischen Aussagen dazu sind nicht immer eindeutig.
Dies hängt mit der Unterscheidung "Altes" und "Neues" Testament zusammen. So heißt es in einem theologischen Lehrbuch:
[...]
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Eine Frage war auch, wie der Heilige Geist eine Person der sogenannten göttlichen Dreieinigkeit sein kann, wie die kirchliche Lehre behauptet.
In der Dogmen-Sammlung der katholischen Kirche wird die Frage der Trinität (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit) unter dem Titel "Gott, der Eine und Dreieine" behandelt:
"Die Wirklichkeit des dreipersönlichen Lebens in Gott ist d a s Geheimnis des Glaubens der Kirche. Gewußt werden kann das Geheimnis dreipersönlichen Lebens des einen Gottes nur aus der Selbstoffenbarung Gottes in Jesu Christus; ... auch so kann es dem menschlichen Verstand nicht innerlich einsichtig werden.
Die Selbstmitteilung Gottes an die Welt als nahegekommenes Geheimnis heißt
in seiner absoluten Ursprünglichkeit Vater;
als selber in der Geschichte handelndes Prinzip Sohn;
als uns geschenktes und angenommenes Prinzip Heiliger Geist."
Wie geheimnisvoll das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ist, zeigt der folgende Abschnitt aus der Dogmensammlung.
"Das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ist das Geheimnis von Unterschieden in Gott, die erst die volle Wirklichkeit der in sich unterschiedslosen Einheit der göttlichen Natur sind: Drei Personen sind diese göttliche Natur: der Vater, der Sohn, der Heilige Geist. Die ganze göttliche Natur mit ihren Eigenschaften ist ihr ungeteilter Besitz. Einziger Grund ihres Unterschieds sind die gegenseitigen Beziehungen, in denen sie aufgrund ihres Ursprungs diese Natur besitzen: der Vater als ursprungsloser Ursprung des Sohnes und des Heiligen Geistes; der Sohn aufgrund ewiger Zeugung durch den Vater Ursprung des Heiligen Geistes; der Heilige Geist aufgrund des Hervorgehens vom Vater und Sohn als aus einem Ursprung." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., S. 160 f)
"Kurz" und zusammengefaßt - ohne die in der Dogmensammlung noch eingefügten Hinweise auf Dokumente, Konzilsbeschlüsse und dergleichen - lautet die Lehre über das Geheimnis vom einen und dreieinen Gott so:
"Es gibt einen persönlichen Gott jenseits der Welt, der alle Vollkommenheit in sich enthält, der allwissend ist.
In Gott sind drei Personen: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, die die eine göttliche Natur besitzen.
In jeder dieser Personen ist die ganze, ungeteilte Gottheit.
Zwischen den drei göttlichen Personen besteht ein wirklicher Unterschied. Grund dieser Unterschiede sind die gegenseitigen Beziehungen der Personen untereinander aufgrund ihres Hervorgehens.
Der Vater hat die göttliche Natur aus sich;
der Sohn geht vom Vater hervor in ewiger Zeugung;
der Heilige Geist geht von Vater und Sohn als einem Ursprung hervor.
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist durchdringen sich gegenseitig in vollkommenstem Ineinandersein und besitzen dieselbe eine Tat nach außen in die Welt."
(Neuner-Roos, a.a.O., S. 161 f )
Der Prophet: Darf ich dich unterbrechen? Die ganze Darlegung der Drei-Einigkeit wirkt derart abstrus, daß demjenigen, der daran glaubt, die Lust vergehen muß, in die göttliche Einheit einzugehen. Ich verstehe unter der Aussage "Der Heilige Geist geht von Vater und Sohn als einem Ursprung hervor" eine geistige Zeugung, denn du sagtest auch, daß der Sohn vom Vater in ewiger Zeugung hervorging. Das verstehe ich noch, weil Gott-Vater das Vater-Mutter-Prinzip verkörpert. Doch zwei "männliche" Personen, Vater und Sohn, zeugen eine weitere Person, den Heiligen Geist - wie ist das zu verstehen?
Lieber Bruder, solche Ungereimtheiten hat kein Prophet gelehrt. Jeder Prophet, vor allem der größte Prophet, Jesus, der Christus, der unser Erlöser wurde, brachte das Gott-Vater-Bild und die Sohn- und Tochterschaft im Vater, gleich Kindschaft, aber keiner sprach von drei Personen, die eine göttliche Natur sein sollen.
Das Leben ist Gott, und Gott ist Geist. Es ist der Odem, der in allem und in allen gegenwärtig ist. Aus dem Strom des Geistes, Gott, manifestierte sich Gott-Vater, das höchste Wesen der Unendlichkeit. Man kann es auch als Person bezeichnen. Der Geist als solcher, der auch in dem höchsten Wesen, Gott-Vater, wirksam ist, ist das Vater-Mutter-Prinzip, aus dem der Sohn, der Mitregent der Himmel, hervorging, Jesus, der Christus, genannt. Aus dem allströmenden, ewigen Heiligen Geist, dem Odem, Gott, der im Vater auch das Prinzip der Mutter verkörpert, gingen alle göttlichen Wesen hervor.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Darum war ich ja vorhin ratlos und verlegen. Du gibst uns diese Worte aus einer inneren Schau heraus. Sie erinnern mich auch an Erkenntnisse, die dem Origenes in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts vertraut waren. So nimmt er, um sich einen Begriff von Gott machen zu können, z.B. die Helligkeit und den Glanz der Sonne zu Hilfe: "Der Glanz der Sonne ist unermeßlich größer und erhabener als das Licht, das du siehst ... Unsere Augen können zunächst die Natur des Lichtes selbst - das heißt die Substanz der Sonne - nicht anschauen; wir können aber ihren Glanz oder die Strahlen betrachten, die etwa durch Fenster oder kleine Lichtöffnungen einfallen, und daraus schließen, wie groß die glühende Masse ist, der das körperliche Licht entströmt. So sind auch die Worte der göttlichen Vorsehung und der kunstvolle Bau dieses Alls gleichsam Strahlen von Gottes Natur im Vergleich zu Seiner Substanz und Natur selbst." (vgl. Origenes, princ. I 1, 5.6)
Über Christus sagt Origenes z.B.:
[...]
Auch Origenes war ein Glied in der Kette, durch das die Botschaft Gottes wahrheitsgetreuer hätte zu uns kommen sollen. Anstelle dessen sind kirchliche Richtlinien konstruiert worden, an denen sich der katholische Theologe zu orientieren hat.
Jesus hat kein Wort über einen "dreifaltigen Gott" gesagt.
Er hat von Seinem Vater gesprochen und von der Einheit mit Ihm.
Er hat gesagt, daß Er uns einen Tröster bzw. Helfer schicken würde (Joh 16, 7).
Die Lehre von der "Dreifaltigkeit" ist erst im 4. Jahrhundert festgelegt worden. Wie kam es dazu?
Je mehr die Botschaft von Jesus im Römerreich Fuß faßte, um so mehr wurde sie mit dem Götterglauben der Römer konfrontiert. Zwar war die Botschaft vom e i n e n Gott klar - aber wer war dann Jesus, der der Sohn Gottes ist? Immer mehr entdeckten römische Neuchristen, die innerlich römisch gesinnt geblieben waren, Parallelen zu ihrem einstigen Glauben, der vor allem in der Verehrung einer Götter-Trias (einer Götter-Dreiheit) zum Ausdruck kam. Für einen Römer war die Dreiheit Jupiter (als Göttervater), Juno (als dessen Gemahlin) und Minerva (als deren Tochter) wichtig; sie galten als die Haupt- und Schutzgottheiten des römischen Staates.
Die römischen Christen begrüßten es, wenn ähnliches wie das, was sie gewohnt waren, im neuen christlichen Glauben zum Vorschein kam; um so weniger hatten sie von ihrem hergebrachten Glauben aufzugeben. Je mehr "Römer" dazukamen, desto weniger hatten die Ur-Christen zu sagen.
Daß sich der Begriff "Trinität" oder "Dreifaltigkeit" in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts durchgesetzt hat, ist nicht zuletzt geschichtlich bedingt und heißt nicht, daß er richtig ist. Im Gegenteil, er ist als Glaubenswahrheit sinnwidrig und unbegreifbar, und er entbehrt wirklich jeder biblischen Grundlage.
Der Prophet: Meines Erachtens begann mit den sogenannten "Geheimnissen Gottes" die Vernebelung der Gläubigen, die dann zum System erhoben wurde. Die Priesterkaste hat sich also über die Menschen erhoben, ebenso über die logische und schlichte Lehre des Jesus von Nazareth und somit über Gott selbst. Jeder von uns bekam in sein irdisches Dasein einen Verstand mit, der dazu gebraucht werden sollte, zu denken und, wenn möglich, logisch zu denken, indem man wägt und nicht alles annimmt, was einem vorgesetzt wird.
Deshalb behaupte ich, daß das Kirchenvolk selbst schuld ist, wenn es ein heidnisches und mittelalterliches Priesterkastensystem befürwortet, das seine Gläubigen mit seinem "credo quia absurdum" unter der Knute hält.
Die Menschheit bedürfte weder der Kulte noch der Bräuche, würde sie Jesus, dem Christus, nachfolgen, denn Er hat weder Kult noch Brauchtum eingeführt. Nach zweitausend Jahren kann man immer noch sagen: Heiden folgen Götterdienern, die heidnische Bräuche als Ritual anwenden, um ihre Nachfolger in Stimmung zu halten.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Kulthandlungen für die Gottheiten setzten sich fort bis in die heutige Zeit. Menschen befürworten Mittler zwischen Gott und sich, in der Ansicht, sie könnten nicht selbst vor Gott hintreten. Also erwartete und erwartet man das von anderen - man übertrug die Kommunika-tion mit Gott an bestimmte Menschen, die daraus eine geistige Machtstellung entwickelten und die sich "weihen" oder "ordinieren" ließen. Daraus entstand in der katholischen Kirche die Trennung in "Kleriker" (Auserwählte) und "Laien" (zum Volk gehörend); also Klerus und Volk. Damit wurden die Priester und Pfarrer natürlich zu etwas ganz Besonderem hochstilisiert. Im Gegensatz zu der Aussage Jesu "Du sollst dich nicht Rabbi nennen lassen: Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder" sind sie plötzlich "Mittler" von Mensch zu Gott.
Mit der Einführung von "Sakramenten" erhielten sie aus theologischer Sicht eine ganz besondere Bedeutung für die Verbindung zu Gott, wiederum im Gegensatz zu der klaren Aussage Jesu "Keiner kommt zum Vater denn durch Mich".
Der Prophet: Von der Priesterkaste kommen immer wieder viele Skandale ans Tageslicht; viele jedoch bleiben Geheimnisse des einzelnen Priesters und Pfarrers. Vielleicht denkt er sich dabei gar nichts, denn er ist ja der irrigen Meinung, daß auch Gott vor den Menschen Geheimnisse habe. Selten denkt ein Mensch darüber nach, selten insbesondere auch der sich "weise" dünkende Theologe, daß sich der Mensch mehr und mehr von Gott abgewendet hat, indem er sein Sündhaftes pflegte und pflegt und dieses ungern preisgibt. Weil der Mensch durch die Sünde eine Kluft schuf zwischen Gott und sich und selten eine Brücke schlägt zu Gott, unserem ewigen Vater - indem er tut, was Jesus, der Christus, wollte, nämlich die Erfüllung der Gebote Gottes und Seiner Bergpredigt -, bleibt ihm zuletzt nichts anderes übrig, als seine eigenen Geheimnisse, seine Nebelschwaden, Gott anzudichten. Der Theologe kann seine Geheimnisse, seine verborgenen Skandale, durch seine Tracht, durch sein Ansehen als Priester oder Pfarrer und durch sein Scheingehabe im Namen Jesu Christi verstecken. Aufgrund dieser Tarnung bleibt das Volk weiter getäuscht, da es nicht geschult ist, hinter die Maske der Theologen zu blicken.
Die amtierenden Theologen, die Priester, verlangen jedoch, daß das gläubige Kirchenvolk ihnen seine Geheimnisse beichtet. Gott kann man weder hinter das Licht führen, noch kann man Ihn studieren. Gott ist das Licht, das wir Menschen nicht hintanstellen können, das aber auch nicht studiert werden kann, sondern im Herzen erlebt werden soll durch die Erfüllung der Gebote Gottes und der Bergpredigt Jesu. Dazu bedarf es nicht des sündigen Ohres des Priesters im Beichtstuhl.
Für mich ist die Theologie eine Verschleierungsstrategie, eine Lehre, um die schlichte Nachfolge des Jesus, also die Lehre Jesu, so zu verbrämen und zu verbiegen und mit gesalbten Worten dementsprechend zu lehren, daß das einfache Volk den Macher nicht erkennt, der sich Theologe nennt und sich vielfach in eine Priesterkaste einreiht.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Leider muß ich zugeben, daß du recht hast, denn viele Menschen haben das Gefühl, daß Gott ohne Priester oder Pfarrer gar nicht spürbar oder gegenwärtig sei. Ich muß einräumen, daß eine solche Iden-tifikation mit der Gegenwart Gottes, die Priester und Pfarrer für sich in Anspruch nehmen, natürlich verheerend ist. Viele Gläubige nehmen unbesehen an, daß die Priester das, was sie lehren, auch glauben und vor allem, daß sie die Gebote Gottes halten. Kommen Skandale an die Öffentlichkeit, dann sind auch die Reaktionen entsprechend.
Beim Kirchenvolk z.B. ist es zunächst die Enttäuschung darüber, daß man solchen Pfarrern und Bischöfen geglaubt hat. Betrifft es sexuelle oder finanzielle Vergehen, so kommt all das hoch, wovon die Pfarrer zwar immer predigen, was sie aber selbst nicht halten. Schließlich beginnen die Menschen an Gott zu zweifeln. Sie glauben nicht mehr an das, wovon der Pfarrer sprach und spricht, was er aber selbst nicht tat und tut. Gott wird über Bord geworfen, weil das Volk oft nur den "Gott der Kirche" kennt.
In unseren Gesprächen zweifelst du die Dogmen, Sakramente und Riten an und stellst ihnen - zu Recht - die Lehre Jesu gegenüber. Auch hier kann ich nur darauf hinweisen, daß das ganze "Brimborium" der katholischen Institution - wie du es nennst - von der Vergötterung der vielen Götter aus der heidnischen Zeit abgeleitet ist. Durch die Erziehung und Beratung seitens der Eltern, Lehrer, Verwandten eines Theologieaspiranten wird kaum etwas in Frage gestellt, was die Priesterkaste praktiziert und lehrt. Z.B. sind die Dogmen ein "Gebäude", in das der angehende Priester bzw. Theologe einfach hineingeführt wird. Die Erziehung und Ausbildung hin zum Berufs-Theologen erfolgt deshalb auch gern abgeschieden von der Außenwelt in Internaten und in Seminaren.
Während meines ganzen Theologiestudiums haben meine Professoren nie erörtert, ob die Dogmen dem Willen Gottes entsprechen oder nicht.
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Über den Willen Gottes haben auch wir im Studium kaum gesprochen. Jeder Professor hat anders gelehrt und je nachdem die Studenten beeinflußt.
Es gab allerdings so etwas wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich die Berufung auf die Bibel und auf die evangelischen Bekenntnisschriften als Auslegung der Bibel gemäß dem evangelischen Bekenntnis.
Bevor ein Pfarrer seinen als "lebenslang" gedachten Amtseid ablegt, gibt er eine Stellungnahme zu "Bibel und Bekenntnis" ab.
Der kleinste gemeinsame Nenner wird dadurch weiter verkleinert, daß diese Grundlagen sehr dehnbar sind und der eine gerade das Gegenteil von dem aus der Bibel herausliest, was ein anderer darin findet. Und eine Aussage wie "Das Bekenntnis zu diesem oder jenem Glaubenssatz ist nicht mehr zeitgemäß" wird vielfach toleriert.
[...]
Wie soll man in einer solchen Umgebung sinnvoll nach dem Willen Gottes fragen und eine Einigung erwarten können? Das Ergebnis wäre eine weitere Steigerung der bekannten Vielfalt und Gegensätzlichkeit von Meinungen.
Der Prophet: Meinung" heißt: Es könnte sein - aber ich weiß es nicht. Und "gegensätzliche Meinungen" heißt für mich: Jeder glaubt das und sagt das, was er meint. Wie du sagst, gilt das auch für die Pfarrer. Wozu brauchen wir dann Priester und Pfarrer? Jeder Mensch kann sich dann seine Meinung über die Bibelauslegung machen, und so, wie er denkt, kann er es für sich auch sehen. Steht nicht irgendwo, daß die Bibel Gottes Offenbarung ist und von ihr kein Wort, gleichsam kein Jota, weggenommen werden darf?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Es steht in der Offenbarung des Johannes: "Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens ..." (Off 22, 19)
In der Bergpredigt finden wir den Satz "... wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen [Jota] vom Gesetz." (Mt 5, 18)
In der Dogmensammlung der katholischen Kirche heißt es unter anderem: "Vielmehr sind alle Bücher, die die Kirche als heilig und kanonisch anerkennt, vollständig mit allen ihren Teilen unter Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt." (Neuner Roos, Der Glaube der Kirche, 12. Aufl., 1986, Nr. 106)
Der Prophet: So mancher Theologe macht also den Gläubigen weis, daß die Bibel wortgetreu genommen werden müsse. Wie verhält es sich dann mit der Vielfalt und den Gegensätzlichkeiten von Meinungen, die Theologen aus der Bibel herauslesen können, so, wie sie wollen? Wozu also Theologen, wenn kein Verlaß auf sie ist? Wozu also beamtete Pfarrer und Priester, wenn jeder doch herauslesen kann, was er will?
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Man könnte auch fragen: Warum gibt es so viele Konfessionen und so viele unterschiedliche kirchliche Richtungen, Gruppen und Kreise?
[...]
Aufs ganze gesehen haben die Theologen weit mehr Verwirrung bzw. Durcheinander angerichtet als aufgeklärt. Um den Weg zu Gott zu finden, braucht es weder Theologen noch Pfarrer noch Priester. Und auch derjenige, der sich die Freiheit nimmt, das zu glauben, was er eben für richtig hält, kann ohne Theologen zurechtkommen. Die Frage "Was will Gott?" wird im Studium ohnehin nur selten gestellt.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Auch ich muß sagen: Studiert wird nicht, um nach dem Willen Gottes zu fragen. Studiert wird in den theologischen Fakultäten, um sich die Bibeltexte anzueignen, zu lernen, geschliffene Reden zu führen, für die auch die Tonlagen eingeübt werden, damit man den Gläubigen die einstudierten Riten, Sakramente und Dogmen entsprechend nahebringen kann.
Der Prophet: Es ist eigentlich eine ganz logische Folge, daß z.B. die Eltern und Verwandten eines Theologieaspiranten sich keine Gedanken machen, woher das ganze Dogmengebäude, die Kulthandlungen und alle anderen zeremoniellen Abläufe kommen. Wer die Worte Jesu "Zuerst lehret, dann taufet" nimmt und dann die bewußte Verdrehung durch die Priesterkaste in "Taufet, und dann lehret" betrachtet, dem wird bewußt, daß Jesus die Freiheit lehrte, die Priesterkaste hingegen die Indoktrination anstrebte und anstrebt durch die Umdrehung der Gesetzmäßigkeit "Lehret, und dann taufet" in "Taufet, und dann lehret".
Durch das Prinzip der Unfreiheit "Taufet, und dann lehret" erfolgte und erfolgt von Kindheit an die Indoktrination in Kirchensysteme hinein, die wohl von Jesus, dem Christus, sprechen, aber selten tun, was Jesus wollte. So kann man sagen: Der Schein heiligt die Mittel. Und das Mittel ist der Zweck: Indoktrination. Selten denken indoktrinierte Eltern darüber nach, ob ihr Sohn, z.B. der Theologieaspirant, nicht von Kräften inspiriert wird, die letztlich gegen die Lehre Jesu sind, obwohl sie des Scheins wegen Jesus, den Christus, in den Mund nehmen - wahrhaft in den Mund, denn oftmals ist das Herz auf der theologischen Ausbildungsstrecke geblieben.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Durch die Indoktrination kamen bei mir - und ich weiß es auch von anderen - erst viel später die Zweifel, irgendwann im Einsatz in der Pfarrei oder in der Mission.
Beim sogenannten "Kirchenvolk" ist die Gesamtheit der Dogmen größtenteils unbekannt. Die kirchlich Gläubigen kennen meist nur einige wenige Glaubenssätze und Glaubensverpflichtungen, wobei viele nicht unterscheiden, was Dogma und was Kirchengebot ist. Dogmen sind Aussagen über einen Inhalt des katholischen Glaubens, die Glaubensverpflichtung sind. Kirchengebote hingegen sind Regeln des Kirchenlebens, z.B. die Pflicht zum sonntäglichen Besuch der Messe.
Der Prophet: Du sprichst von der Glaubenspflicht und von dem Kirchenleben, das u.a. die Pflicht zum sonntäglichen Besuch der Messe vorgibt. Jesus, der Christus, hat nicht von einer Verpflichtung gesprochen und auch nicht von einem Kirchenleben. Ich mache einen Unterschied zwischen Verpflichtung und Pflicht. Die Verpflichtung sagt: Ich "muß" nach bestimmten Regeln leben. Die Pflicht eines Christen - der sich Christ nennt - ist, die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu zu erfüllen. Ein "Muß" ist darin nicht enthalten.
Wer sich jedoch Christ nennt, sollte sich die Frage stellen: Ist es moralisch und charaktervoll, sich Christ zu nennen und dennoch genau das Gegenteil von dem zu tun, was Jesus, der Christus, lehrte? Deshalb rate ich - und es ist ein Rat und keine Verpflichtung - den Theologen und den ihnen Hörigen: Schlagt die Bibel zu! Denn was viele, die sich Christen nennen, von sich geben und tun, entspricht nicht nur nicht der Lehre Jesu, des Christus, sondern es ist genau das Gegenteil. Jesus lehrte auch nicht ein Kirchenleben und die Pflicht, sonntags eine Messe zu besuchen. Gott lehrte den Sabbat, der geheiligt werden soll, so daß der Mensch sich von den alltäglichen Abläufen der Arbeit erholt, um in Harmonie zu gelangen, damit er das Innerste seines Tempels aufsuchen kann, um Gott in sich selbst zu finden, denn Jesus lehrte, daß jeder Mensch der Tempel Gottes ist und der Geist inwendig in jedem Menschen wohnt.
So manche Wahrheit schimmert noch durch die Bibel. Um sie zu finden, bedarf es des Herzensdenkens, das bei vielen Priestern und Pfarrern durch das Theologe-Sein vergraben wurde, da Theologie ein zweckgebundenes Mittel ist, das heißt ein Beruf. Die Kulthandlungen wurden aus der Zeit des Heidentums und somit aus der Vielgötterei übernommen und von der Priesterkaste vielfach den Propheten des Alten Testamentes angedichtet, also in die Bibel hineingedichtet. Im Alten Testament stößt man auf blutrünstige Geschichten. Gott hätte angeblich befohlen, die Nachbarvölker zu überfallen und umzubringen, Rache am Nächsten zu nehmen. Der Gott, von dem wir im Alten Testament lesen, war ein grausamer Gott, der durch die Propheten angeblich sprach, Tieropfer und Blutopfer darzubringen und nicht zuletzt Menschenopfer durch die Befürwortung der Kriege und dergleichen. Jesus lehrte einen anderen Gott, einen Gott der Liebe, einen Vater, der alle Seine Kinder liebt.
Welcher Gott sprach im Alten Testament - aber nicht durch die Propheten; das wurde ihnen nur angedichtet -, und wer sprach im Neuen Testament durch Jesus? Im Alten Testament brachte die Priesterkaste in die uns überlieferten Worte der Propheten ihre eigenen Vorstellungen ein, die noch in der blutrünstigen Vielgötterei verhaftet waren. Unter Berufung auf das Neue Testament betreibt die Priesterkaste von heute weiterhin heidnische Kulthandlungen.
Seit Jesus sind zweitausend Jahre vergangen. Die Lehre Jesu, die den liebenden, ewig gütigen Vater beinhaltet, ist der Theologie zum Opfer gefallen.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Dieses Bild vom liebenden, ewig-gütigen Vater unterschied sich zu Jesu Zeit von anderen Gottesvorstellungen - sowohl im Volk Israel als auch in den Nachbarvölkern mit Vielgötterei. Wie es Jesus sagte und auch lebte, war es klar und eindeutig. Dennoch gelang es der Priesterkaste, das Grausame und Kultische des alttestamentlichen Gottesbildes weiterzutragen und in das Christentum hineinzutragen.
Die heidnischen Kulthandlungen entsprachen dem Glauben an die verschiedenen Götter, gleich Götzen. Der steinerne Altar nimmt auch in den alttestamentlichen Schriften weiten Raum ein; das heißt, nicht nur die Worte und Gebete waren wichtig, sondern dem Materiellen, dem Sinn-Fälligen, dem Opfertier, dem Weihrauch, dem Wasser, dem Öl und den speziellen Kleidern, wurde große Bedeutung beigemessen.
Der Prophet: Was ist heute anders? Die Kulthandlungen sind nur subtiler und aufwendiger. Der Materialismus der Kirchen ist zum Reichtum geworden durch die zahlenden Gläubigen.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Bezüglich der subtiler gewordenen Kulthandlungen möchte ich folgendes sagen: Zur Einhaltung der Dogmen wurden seit Jesus Kulthandlungen neu entwickelt, ähnlich wie im Heidentum, z.B. zur Bestärkung des Dogmas der Dreifaltigkeit das Kreuzzeichen, das dreifache Inzensieren (mit dem Weihrauchfaß schwenken), die Ausschmückung des Kultraumes (Tabernakel, "ewiges Licht", Taube ...) oder all die Zeremonien und Kulthandlungen der Karwoche, auch die vielen Prozessionen und die zahlreichen Zeremonien bei der Sakramentenspendung.
Altäre wurden aus den vorhergehenden Jahrtausenden übernommen; sie waren auch bei den Israeliten in Gebrauch. Abraham kam aus dem Volk in der Gegend von Ur. Zwar hat er den Glauben an die Götter seiner Väter verlassen - da er die Stimme von Gott, dem Einen, in seinem Inneren wahrnahm, Dem er folgte -, doch die äußere Zeremonie des Opfers an seinen Gott behielt er bei. Die Erkenntnis des Einen Gottes war sein erster Schritt weg von der Vielgötterei.
Als Abraham glaubte, daß dieser Gott von ihm fordere, seinen Sohn zu opfern, wurde er vom Engel belehrt, daß es nicht um Menschenopferung, also um Blutopfer ging, sondern um das Aufgeben von Bindungen und Abhängigkeiten. Damit lehrte ihn Gott das Erste Gebot: "Du sollst keine fremden Götter neben Mir haben", wie z.B. Bindungen an und Abhängigkeiten von Menschen. Der Bericht von 1. Mose 22 zeigt das Bewußtsein jener Menschen an, die folgendes aufgeschrieben haben: "Der Engel des Herrn vom Himmel sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen."(V. 12)
Wenn ich an dein Wort von den "Zeremonienmeistern" denke, fällt mir auch der Abendmahlsbericht ein. Wie sich daraus eine Opferhandlung entwickeln konnte, wie sie heute in der katholischen Kirche praktiziert wird, ist ohne heidnische Einschübe kaum zu erklären, wenn man bedenkt, was Jesus von Nazareth sagte und wollte: Beim Abschiedsmahl mit den Seinen sprach Er davon, daß Er Sein Leben hingeben werde und reichte Seinen Aposteln Brot und Wein als Symbol für die Hingabe Seines Leibes und Blutes. Er gebot ihnen zugleich, das Abendmahl auch in Zukunft zu Seinem Gedenken miteinander zu feiern und Brot und Wein als Symbol der inneren Stärkung durch Ihn entgegenzunehmen. Aber Er sagte nicht, daß aus diesem Gedächtnismahl das Ritual eines Sühneopfers werden solle, bei dem Priester mit Hilfe einer magischen Formel Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu verwandeln und auf einem Altar Gott als Versöhnungsopfer darbringen.
Mir ist bewußt geworden: Wenn Jesus heute käme, wäre eine nächste "Tempelreinigung" fällig.
Entsprechendes könnten wir übrigens von allen Sakramenten sagen:
Jesus hat nicht getauft;
Jesus hat keine Beichte gehört;
Jesus hat keine Kommunion gespendet;
Jesus hat nicht gefirmt;
Jesus hat keine Priester geweiht;
Jesus hat keine Ehen gesegnet;
Jesus hat keine Krankensalbung ausgeführt.
All die Zeremonien und Kulte sind Entwicklungen in Anlehnung an die Völker mit Vielgötterei.
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Die katholische Kirche hebt aus vielen kirchlichen Handlungen sieben sogenannte Sakramente, sogenannte "Gnadenmittel", hervor, Taufe, Firmung, Eucharistie, Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe. Die evangelische Kirche hat diese Zahl auf zwei bis drei reduziert, auf die Taufe und das Abendmahl, eventuell noch die Beichte bzw. Buße. Kriterium für ein Sakrament nach katholischer und evangelischer Lehre ist, daß es von Jesus so eingesetzt sein soll. Damit verbunden sei ein äußeres Zeichen.
Fragt man aber bei Jesus von Nazareth nach, dann wird deutlich, daß Er keine solchen Sakramente eingesetzt hat.
Jesus sagte: "Lehret, und dann taufet" (Mt. 28, 19). Doch nicht eine äußere Taufhandlung war Ihm dabei wichtig, sondern die innere Geisttaufe. Menschen, die festen Schrittes und geradlinig den Weg zum Herzen Gottes gehen und die Geisttaufe empfangen haben, werden in die Mitte der geistig Getauften aufgenommen.
In den Kirchen wird weiter behauptet, in der Taufe handle Gott selbst, Er schließe dabei einen Bund mit uns. Damit wird unterstellt, Gott würde bei der Zeremonie im kirchlichen Sinne handeln und auch eine Kirchenmitgliedschaft begründen. Doch Gott wird nur vereinnahmt. Nicht Gott handelt, sondern die Pfarrer und Priester. Nie hat Jesus eine solche Lehre vom Handeln Gottes während eines Sakraments oder einer Zeremonie verkündet.
Die Säuglingstaufe, die von der evangelischen Kirche zur verpflichtenden Form der Taufe gemacht wurde, lehrte Jesus nie, denn jeder Mensch soll frei entscheiden können. Zuerst kommt das Lehren, wie es auch in der Bibel heißt; dann kann sich der Mensch entscheiden: dafür oder dagegen. Entscheidet er sich dafür und lebt er danach, kommt irgendwann die Zeit für die geistige Taufe. So hat es Jesus gewollt.
Doch die evangelischen Kirchen haben es nie so gehalten. 1956 änderten sie darüber hinaus ihre Lutherbibel. Das Wort "lehren" wurde jetzt mit "zu Jüngern machen" übersetzt.
In neueren Lehrbüchern, zum Beispiel für den Konfirmandenunterricht, wird aber im Hinblick auf diese Stelle plötzlich sinngemäß behauptet, schon die Säuglinge sollten "zu Jüngern gemacht werden", indem man sie tauft. Das "Lehren" fiel in diesem Zusammenhang unter den Tisch. So kam es zur Verfälschung des Jesuswortes.
Der Prophet: In der Bibel steht doch sinngemäß geschrieben, man darf kein Jota, kein Wort, verändern. Oder hat Gott für die lutherische Kirche Ausnahmen gemacht? Sollen die Säuglinge durch die Säuglingstaufe zu Jüngern, zu Nachfolgern der lutherischen Kirche gemacht werden? Hat Jesus das so gelehrt?
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: In diesem Fall hat sich durch die veränderte Übersetzung die verfälschte Bedeutung eingeschlichen.
Die Säuglingstaufe bedeutet für den Säugling die Mitgliedschaft in der lutherischen Kirche, was später z.B. die Kirchensteuerpflicht begründet. Wer einen Säugling tauft, handelt gegen den Willen von Jesus, dem Christus.
Dennoch besteht die Kirche darauf. Als ein mir bekannter evangelischer Diakon unter Berufung auf Jesus seinen Sohn nicht als Säugling taufen ließ, um ihm später selbst die Entscheidungsfreiheit zu überlassen, ergriff ein Dekan sogar dienstrechtliche Maßnahmen gegen ihn. Der Diakon mußte seine Arbeitsstelle in der Jugendarbeit verlassen und durfte mit seiner Einstellung zur Säuglingstaufe beruflich nicht mehr in diesem Bereich eingesetzt werden.
So ist die Taufhandlung mit Wasser bei Säuglingen ein kirchliches Sakrament, aber es hat nichts mit Jesus von Nazareth zu tun.
Auch das kirchliche Sakrament des Abendmahls hat Jesus nicht eingesetzt. Als Er beim Mahl mit Seinen Jüngern sagte "Tut dies zu meinem Gedächtnis", da dachte Er nicht an Männer im schwarzen Gewand, die in Kirchengebäuden vor einem Altar stehen, die Menschen nach vorne rufen und ihnen eine Hostie als äußeres Zeichen eines Sakraments reichen.
Woran Jesus dachte, war ein echtes Gemeinschaftsmahl in Seinem Geiste und ohne Priester.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Zu den katholischen Sakramenten gehört das Sakrament der Priesterweihe. Für wie wichtig in den Kirchen der "Zeremonienmeister" gehalten wird, zeigt insbesondere auch das ganze Drumherum und der Aufwand bei einer Primiz (= erster Gottesdienst, den ein neu geweihter "Gottesdiener" feiert). Es wird zu einer großen Festlichkeit mit ausgelassener Stimmung, einer Feier, in der das Volk, die Jugend, die Chöre und Musikanten eingesetzt werden. Während das Letzte Abendmahl unseres Herrn zu den schwersten Stunden Seines Lebens gehört, wird das erste Meßopfer des Primizianten zu einem Volksfest. Erst nach vielen Jahren der Ausübung meines Priesterberufes wurde mir plötzlich bewußt, daß bei der Primiz ein Mensch im Mittelpunkt steht, der mit besonderen Kleidern, Gefäßen und Hilfeangeboten beschenkt wird, damit er ein treuer "Opferpriester" sei.
Der Prophet: Das Opfertier ist der Mensch, der nicht nur Kirchensteuer bezahlt, sondern durch seine Steuern an den Staat zusätzlich die Kirche unterstützt, einerlei, ob er kirchliches Mitglied ist oder nicht. Der Gläubige trägt darüber hinaus zum Reichtum der Institutionen Kirche bei, indem er die Opferstöcke und Klingelbeutel füllt, und des weiteren bei seiner kirchlichen Trauung, bei seiner Beerdigung oder bei der Taufe seiner Kinder und bei vielen weiteren Anlässen zahlt bzw. reichlich spendet.
Der Lohn eines Pfarrers oder Priesters, der in die Kirche eingebunden ist, fließt aus vielen Quellen in die Kirchenkassen - ...
[...]
Es stellt sich die Frage: Welchem Berufstätigen geht es ebensogut wie einem amtierenden Theologen?
Durch den mannigfachen unvorstellbaren und geheimgehaltenen Reichtum der Amtskirchen, die sicherlich nicht mehr durch das Nadelöhr kommen, von dem Jesus sprach - "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt" -, entfaltete sich mehr und mehr der Machtanspruch der Priesterkaste, die vielfach über den Staat ihren Willen ausführen ließ und läßt, seit Konstantin die Romkirche zur Staatskirche machte. Man nennt sie die "christliche" Kirche, aber mit der Lehre des Jesus, des Christus, hat das Ganze kaum mehr etwas zu tun. Jesus lehrte unter anderem: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen." Und gegen Ende der Johannes-Offenbarung heißt es zu Recht in bezug auf die Hure Babylon, das Symbol einer verweltlichten Kirche: "Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."
Bezüglich der evangelischen Kirche sagte am 29.12.1997 der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland der deutschen Presse: "... und wir sind zwar immer noch eine reiche Kirche." Es stellt sich die Frage: Wer hat die evangelische Kirche reich gemacht? Wieder der Kirchensteuerzahler und der Staat durch seine Subventionen. Was würde Jesus dazu sagen?
Ein Fachmann der evangelischen Theologie: Jesus von Nazareth rief: "Weh euch Reichen" (Lk 6, 24), und Er hat Seinen Nachfolgern keine Finanzierung durch eine Kirchensteuer gelehrt. Die Steuer wurde im 19. Jahrhundert eingeführt und verhalf der katholischen und den evangelischen Kirchen in den neunziger Jahren zu jährlichen abzugsfreien Einnahmen von ca. 17 Milliarden DM. Weitere Milliarden erhalten die Kirchen jährlich durch - wie du sagst - die staatlichen Subventionen. Dazu gehören hauptsächlich die über vier Milliarden für den konfessionellen Religionsunterricht beider Kirchen an staatlichen Schulen und die sogenannten "Dotationen". Letztere sind Entschädigungen, die seit 1817 jährlich für Verstaatlichungen größtenteils aus der Zeit unter Napoleon an beide Kirchen gezahlt werden.
Bei dem verstaatlichten Besitz handelte es sich zum Beispiel um Ländereien, die durch kriegerische Auseinandersetzungen in die Hände der Kirchen gekommen waren oder durch Beschlagnahmung des Besitzes ihrer Opfer nach Hexen- und Ketzerverbrennungen. Dennoch werden die katholische und die evangelischen Kirchen für deren teilweisen Verlust seit fast zwei Jahrhunderten Jahr für Jahr entschädigt.
Jesus von Nazareth hat Seine Nachfolger auch nicht gelehrt, daß sie auf diese Weise zu reichen Kirchen werden sollen.
In den Konkordaten oder Staatskirchenverträgen sicherten sich die Kirchen noch weitere staatliche Milliardenleistungen, zum Beispiel die vollständige Finanzierung der mehrjährigen Theologenausbildung an den Universitäten oder kirchlichen Hochschulen oder die Finanzierung von Gefängnis- und Militärseelsorge.
Zu den laufenden Zahlungen an die Amtskirchen wurden in den letzten Jahren auch die neuen, ostdeutschen Bundesländer durch entsprechende Verträge verpflichtet, obwohl dort etwa vier Fünftel der Bewohner keiner Kirche angehören.
So flossen jährlich vielfach neue Gelder zu den bereits bestehenden Vermögensrücklagen hinzu.
Bei der katholischen Kirche geht man von 80 - 100 Milliarden DM Vermögensrücklagen aus, bei den evangelischen Kirchen schätzt man ebenfalls Rücklagen in entsprechender Milliardenhöhe. Dazu kommen die Grundstücks- und Immobilienwerte, die allein im katholischen Bereich bei umgerechnet ca. 400 Milliarden DM liegen. Zwar wenden die Kirchen ein, manche Immobilie sei unverkäuflich, doch mittlerweile wurden schon evangelische Kirchengebäude in Restaurants, Sportzentren oder Museen umgebaut, oder es wurden Wohnungen eingebaut, womit neue Einnahmemöglichkeiten entstanden. Kirchliche Ausstattungs- und Kultgegenstände, in denen viel Gold und Edelsteine verarbeitet sind (Kelche, Tragkreuze etc.) werden nicht einmal zum Vermögen hinzugezählt.
Soweit zur Situation in Deutschland. Auch in Österreich und in der Schweiz erhalten die Kirchen Milliardenunterstützung; in der Schweiz müssen sogar Unternehmen Kirchensteuer zahlen.
Mit Jesus von Nazareth hat das alles nichts zu tun. Nirgends hat Er für sich und für Seine Jünger um staatliche Unterstützung oder Finanzierung gebeten. Sie lebten nach dem Gebot "Bete und arbeite" und nicht nach dem Gebot: "Laß dir auch deine Gebete bezahlen!"
Und in der Bergpredigt warnte Jesus: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden ..." (Mt 6, 19) Die Kirchen aber sammelten Schätze auf Erden.
Jesus sagte: "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege." (Mt 8, 20)
Dies ist auch ein Symbol für Seine Nachfolger. Sie sollten keinen irdischen Ort als ihre Heimat ansehen und sich an diesen binden.
Die Kirchen jedoch haben sich millionen- und milliardenschwer an irdische Orte, vielfach Palais und Paläste, gebunden, und der Staat hat sich sogar verpflichtet, für den Unterhalt von vielen tausend Gebäuden aufzukommen. Zusätzlich zu diesen "Baulast"-Verpflichtungen des Staates zugunsten der Kirchen fließen den kirchlichen Institutionen über die sogenannte "Denkmalpflege" staatliche Mittel in Höhe von jährlich ca. 270 Millionen DM zu.
Weitere Millionensummen addieren sich bei den sogenannten "Reichnissen" (= Abgaben an Getreide, Fischen, Holz und vielem mehr), zu denen sich der Staat in früheren Jahrhunderten verpflichtet hat, um die Pfarrer zu ernähren, und die es in manchen Landesteilen auch heute noch gibt.
Obwohl Personalkosten heute mit Hilfe der Kirchensteuer oder direkter staatlicher Zahlungen finanziert werden, lassen sich die Kirchen auch ihre Reichnisforderungen in Geld umrechnen und von der öffentlichen Hand auf ihre Konten überweisen; es sei denn, die staatlichen Behörden befreien sich davon durch hohe Ablösesummen, etwa das 25fache des jährlichen Betrages.
Was das im einzelnen für die Bürger bedeuten kann, zeigt das Beispiel von Karlstadt, einer Stadt mit 14000 Einwohnern im deutschen Landkreis Main-Spessart: Wie andere Städte und Gemeinden ist auch Karlstadt Jahr für Jahr noch "reichnispflichtig". Für die Stadt hätte eine Ablösung im Jahr 1997 eine Summe von über einer halben Million DM gekostet, welche an die Amtskirchen hätten überwiesen werden müssen - mehr als die Stadt dafür aufbringen konnte. So entschieden die Stadträte, lieber weiterhin jährliche Reichniszahlungen an die Kirchen zu leisten, unter anderem für eine ehemalige katholische Pfarrstelle, die es seit 1984 nicht mehr gibt. Doch die Kirche besteht aufgrund von "Observanz" (= Gewohnheitsrecht) sogar auf dieser Summe.
Lediglich einen 1979 beschlossenen freiwilligen Zuschuß an die beiden Amtskirchen konnten die Stadträte 18 Jahre später per einfacher Abstimmung rückgängig machen.
Anders als Karlstadt kaufte sich der Markt Triefenstein 1996 mit DM 6.250 wenigstens von dem "Weinfixum" frei, der seit Jahrhunderten bestehenden Verpflichtung, auch für die entsprechende Weinmenge kirchlicher Amtsträger aufzukommen.
Was bedeutet es, wenn vor diesem Hintergrund Pfarrer und Priester predigen, man solle sich nicht sorgen, wie es Jesus sagte? Die Hörer der Predigt, die für sich und ihre Familien um die wirtschaftliche Existenz kämpfen, haben nicht diese Sicherheit im Hintergrund wie die kirchlichen Amtsträger.
Viele Arbeitnehmer fürchten auch um ihren Arbeitsplatz. Pfarrer und Priester hingegen sind unkündbar, es sei denn, sie machen sich schwerer Vergehen schuldig. Doch selbst ein wegen Kindsmißbrauchs verurteilter und entlassener evangelischer Pfarrer hat sich kürzlich vor einem Kirchengericht wieder in den Dienst zurückklagen können; lediglich mit Kindern und Jugendlichen darf er nicht mehr arbeiten.
Auch werden die Amtsträger nicht nach Leistung bezahlt, wie dies bei anderen Menschen üblich ist.
Der Prophet: Jesus sagte sinngemäß: ""... ein Arbeiter ist seines Lohnes wert." Meines Erachtens heißt das, für seine Arbeit und wie sie ausgeführt wird, sollte der Mensch entlohnt werden. Bei kirchlich amtierenden Amtsträgern ist das anscheinend anders. Sie sind mehr oder weniger unkontrollierte Festangestellte, einerlei, wieviel Dienste sie leisten.
Als Jesus Seine Apostel und Jünger zu den Menschen sandte, um sie die Wahrheit zu lehren, hat Er sie sicherlich keinem Theologiestudium unterzogen. Jesus lehrte Seine Apostel und Jünger die ewige Wahrheit; einige von ihnen setzten dann das Wort, das Gott ist, im Alltag um und wurden dadurch Menschen der Nächstenliebe, die ihr Herz mit dem Geist der Wahrheit füllten und dadurch zu ihren Mitmenschen mit dem Herzen der Wahrheit sprachen, so daß ihre Worte und Taten von der Wahrheit, von Gott, gefüllt waren. Alle Apostel hatten ihren Beruf und übten ihn auch da und dort aus, um ihren Unterhalt, auch für ihre Familien, zu erwerben.
Hat Jesus Kirchensteuer eingeführt und staatliche Subventionen?
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"Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen."
Hat einer, der Ohren hat, zu hören, der Augen hat, zu schauen, den kirchlichen Amtsschimmel verlassen, hat er also die Kirche aus Stein hinter sich gelassen, ist er aus ihr hinausgegangen, dann zahlt er durch seine Steuern an den Staat trotzdem einen Teil an die Amtskirchen über Staatssubventionen weiter. Legen wir das alles auf die Waage der Gerechtigkeit, die Gott ist, dann wird sich das Zünglein der Waage sicherlich nicht zur Staatskirche und den ihr Hörigen neigen, sondern zu denen, die rechtzeitig erkannt und die Weichen gestellt haben, auch dann, wenn sie aufgrund staatlicher Gesetze einen Teil ihrer Steuern für die kirchlichen Institutionen weiter bezahlen müssen.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Wer heute in unsere Welt hineinschaut, weiß, warum Jesus zu Seiner Zeit gesprochen hat: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden ... Sammelt euch aber Schätze im Himmel ... (Mt 6, 19) Und: "Niemand kann zwei Herren dienen; er wird den einen hassen und den anderen lieben ..." (Mt 6, 24). Daß es heute Christus im Prophetischen Wort mit noch stärkerem Nachdruck sagt, bedeutet, daß seit Seiner Zeit als Jesus die Anweisungen nicht beachtet wurden.
In der Apostelgeschichte ist noch berichtet: "Es gab auch keinen unter ihnen [den neuen Christen], der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte." (Apg 4, 34-35).
Nach wenigen Jahrzehnten waren es aber nicht mehr die Apostel Jesu - die Augenzeugen -, die den Erlös und die Gaben ihrer Mitchristen in Empfang nahmen, sondern "Beamtete", in denen die Judas-Mentalität Platz genommen hatte. Vom 3. Jahrhundert an sind die Episkopoi [Bischöfe] bereits die Empfänger aller kirchlichen Einnahmen und sind damit an einem Machthebel, der mehr und mehr in Konkurrenz mit der weltlichen Macht kam. Bedeutung bekommt daher die Aussage von Bischof Ignatius von Antiochien, der schon im 2. Jahrhundert gesagt hat: "Ohne den Bischof sollt ihr überhaupt nichts tun ... Wer den Bischof ehrt, wird von Gott geehrt. Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel."
Jesus hat Seinen Jüngern die Gemeinschafts-Prinzipien weitergegeben: "Ihr wißt, daß die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen mißbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der erste sein will, soll der Sklave aller sein." (Mk 10, 42-44)
Solche Prinzipien sind sehr schnell in Vergessenheit geraten, weil sie nicht ins Schema einer macht- und geldgierigen Priesterschaft paßten. Was zu Beginn des urchristlichen Lebens eine Selbstverständlichkeit war, nämlich Gleichheit und Gemeinwohl, war nach kurzer Zeit im Sinne Satans Trennung, Für-sich-Haben, Über-andere-Herrschen, Unterjochen, Das-Leben-Mißachten, Totschlag, millionenfaches Morden. Das dadurch besitzerlos gewordene Eigentum fiel beinahe automatisch der kirchlichen Institution zu, die, wie es den Anschein hat, wohl die Bergpredigt in der Bibel stehen ließ, aber nicht ernsthaft daran dachte, sie auch umzusetzen.
Mit der Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert war festgelegt, welchen Kurs die Institution Kirche nehmen würde.
Spätestens von dieser Zeit an hatten und haben nicht mehr die ernsthaften Jesus-Nachfolger etwas zu sagen und zu bedeuten in der Kirche, sondern jene, die ein "sühnendes Blutopfer des Jesus" lehrten und die das Blut der Menschen forderten, die ernst machten mit der Lehre des Jesus.
Es ist eine unübersehbare Blutspur durch alle Jahrhunderte; es ist Blutgeld, das pompöse Paläste und Kirchen möglich machte; es ist ein Blutstrom unvorstellbarer Schuld seitens der kirchlichen Institution. In Hunderten von Büchern ist zusammengetragen, was Menschen in dieser Beziehung erlebt haben und daß sie deshalb Abstand genommen haben von der gotterfüllten Botschaft, die Jesus vor 2000 Jahren an uns Menschen weitergab. Ich will hier nicht mehr detailliert das wiedergeben, was durch Bücher und andere Publikationen offenkundig geworden ist und auch nicht bestritten wird.
Wie ich das jetzt so überdenke, wird mir das Herz schwer, denn all diese Machtkämpfe, Wuchergeschäfte, Unterschlagungen, Mißbräuche von Privilegien, Fälschungen, Erbschleichereien, Brutalitäten beim Zehnten-Eintreiben, Sklaverei, Leibeigenschaft, Ablaßhandel, Ämterverkauf, Inquisition, Kreuzzüge ... sind nur ein paar wenige Stichwörter, hinter denen sich Schuld-"Welten" auftun. Noch trauriger macht mich, daß all das sich entwickeln und geschehen konnte, nachdem Jesus Sein Leben für uns hingegeben hatte. Sein Erlösungsopfer war nicht ein Freipaß für die Verbrechen, die nach Seinem Tod bis auf den heutigen Tag geschehen sind. Alles ist und bleibt Schuld, solange sie nicht aufgearbeitet wird; denn "was der Mensch sät, das wird er ernten". Das Gesetz von Saat und Ernte, von Ursache und Wirkung, läßt oftmals eine lange Zeit, in der der Mensch sich besinnen und umkehren kann. Doch "lange" heißt nicht "ewig".
Alles in allem gesehen, ist das das Scheitern der Einrichtungen einer Gesellschaftsordnung, die der Bezeichnung "christlich" nicht würdig sind.
Der Prophet: Was sich unter dem Namen des Jesus, des Christus, alles tummelt und vollzieht, ist meines Erachtens nichts anderes als die Verhöhnung der Lehre des Jesus, des Christus. Wozu eigentlich die Bibel, wenn der Priester nur die Evangelien vorträgt - ob ein Teil davon wahr oder gefälscht ist, das sei dahingestellt - und vielfach selbst nicht hält, was sie beinhalten? Die Zehn Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu sind so manchen Theologen nur Lehren. Viele leben selbst nicht danach - und die Bergpredigt Jesu ist für sie überhaupt nicht praktikabel.
Was ist die Bergpredigt Jesu wert, und wozu steht sie in der Bibel, wenn sie doch nicht angenommen wird? Wozu hat Jesus sie gelehrt? Was ist die Lehre Jesu wert, wenn nicht danach gelebt wird? Was sind die Propheten des Alten Testaments noch wert, wenn in der Übersetzung der Texte die Hand der Priesterkaste im Spiel war, die einen Teil des Textes zuließ, den anderen strich, den nächsten veränderte und das Ihre hinzudichtete? Das ganze Sammelsurium soll dann Gott durch die Propheten gesprochen haben. Hierbei denke ich auch an die fünf Bücher Mose.
Bei vielem, was dort zu finden ist, handelt es sich nicht um die Gesetze Gottes, sondern um Regeln, die eine grausame Priesterkaste erfand und als Herrschaftsinstrument nutzte. So lesen wir dort z.B.:
"Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft. Da er seinen Vater oder seine Mutter verflucht hat, soll sein Blut auf ihn kommen. (3. Mose 20, 9)
"Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin." (3. Mose 20, 10)
"Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Der Fremde muß ebenso wie der Einheimische getötet werden, wenn er den Gottesnamen schmäht." (3. Mose 24, 16)
"Wenn in deiner Mitte, in einem der Stadtbereiche, die der Herr, dein Gott, dir gibt, ein Mann - oder auch eine Frau - lebt, der tut, was in den Augen des Herrn, deines Gottes, böse ist, und sich über seinen Bund hinwegsetzt, wenn er hingeht, anderen Göttern dient und sich vor ihnen niederwirft - und zwar vor der Sonne, dem Mond oder dem ganzen Himmelsheer, was ich verboten habe -, wenn dir das gemeldet wird, wenn du den Fall anhängig machst, genaue Ermittlungen anstellst und es sich zeigt: Ja, es ist wahr, der Tatbestand steht fest, dieser Greuel ist in Israel geschehen!, dann sollst du diesen Mann oder diese Frau, die den Frevel begangen haben, den Mann oder die Frau, zu einem deiner Stadttore führen und steinigen, und sie sollen sterben." (5. Mose 17, 2-5)
"Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen, und er soll sterben." (5. Mose, 21, 18-21)
"Ein Dieb muß Ersatz leisten. Besitzt er nichts, soll man ihn für den Wert des Gestohlenen verkaufen." (2. Mose 22, 2)
"Wenn ein Mann dabei ertappt wird, wie er bei einer verheirateten Frau liegt, dann sollen beide sterben, der Mann, der bei der Frau gelegen hat, und die Frau." (5, Mose 22, 22)
Jesus sagte doch: "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein ..." Wer hat wahr gesprochen? Jesus oder "Gott" durch Mose? Zwei gegensätzliche Aussagen. Welche stimmt?...
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Martin Luther hat sich an die fünf Bücher Mose, die aufgrund der Fälschungen aus Dichtung und Wahrheit bestehen, angelehnt. Seine Denkwelt war vielfach geprägt durch die Verachtung Andersgläubiger. Er wurde zu einem der schärfsten Verfechter des Antisemitismus und dadurch auch zur Rechtfertigung des nationalsozialistischen Judenhasses, der die von Luther geschmähten Juden in die Todeslager führte.
Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Theologen pochen auf das Wort der Bibel. Enthielte die Bibel die ganze Wahrheit, so müßten sie das, was Gott angeblich durch Mose sprach, auch heute konsequent ausführen. Sie würden dem Volk dann nicht nur mit der ewigen Verdammnis, sondern mit zahlreichen Todesstrafen drohen. Gott ist, und weil Er ist, ist Er unveränderlich. Hätte Gott das alles durch Mose gesprochen, was in den fünf Büchern Mose steht, dann hätte uns Jesus, der Christus, einen anderen Gott gelehrt. Oder ist es ein Gott der Willkür?
Die heutige Priesterkaste entnimmt der Bibel das, was in ihr Konzept paßt. Diesen Extrakt macht sie einem blinden Volk weis, das nicht gelernt hat, zu denken, weil der einzelne kurz nach seiner Geburt schon in die Institutionen Kirche hineingetauft wurde und seine Eltern - die ebenfalls kirchlich Getaufte und Indoktrinierte sind - wiederum das Kind indoktrinieren.
Kirchlich Indoktrinierte lehren und erziehen die ab dem Säuglingsalter in die kirchliche Institution hineingetauften Bürger, so daß man sagen kann: Die Wurzel des Baumes vieler Familien ist der Saft der "Indoktrination". Die Krone des Baumes ist wieder die Indoktrination, und die Früchte des Baumes sind ebenfalls die Indoktrination. Was dabei herauskommt, ist der geistig Tote, der geistig Toten zujubelt. Das haben Mose und Jesus nicht gewollt, aber die Priesterkaste. Da jeder Mensch den freien Willen zur freien Entscheidung hat, greift nicht Gott in dieses Gewirr von Meinungen und Vorstellungen ein, sondern das Schicksal, das in Saat und Ernte wurzelt. Das gilt auch für die Institutionen Kirche, die im Begriff sind, mehr und mehr zu schrumpfen, weil die indoktrinierten Früchte vom Baum der Indoktrination immer weniger gegessen werden.
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Wenn ich das so höre, dann wird mir bewußt, daß wir Menschen uns ständig gegenseitig beeinflussen und andere ins eigene Lager hineinzunehmen versuchen. Die meisten sind so unselbständig, daß sie blind auf den Wegen gehen, auf denen die meisten laufen. Es ist also gar nicht so leicht, sich aus der großen Masse zu lösen, vor allem, weil die vielen es gar nicht mehr merken, daß sie den Stempel der Indoktrination tragen.
Indoktrination ist laut Wörterbuch "massive psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von einzelnen oder ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Meinung oder Einstellung."
Das zu bewerkstelligen ist recht einfach, wenn Menschen auf Mittler oder Vermittler angewiesen sind. Dazu sei folgendes gesagt:
Es ist relativ leicht, Gläubigen vor Augen zu halten, daß man Gott ja nicht sehen und hören könne, und ihnen weiszumachen, Er habe darum Menschen bestimmt, Mittler bzw. Vermittler zu sein. Aber mit der Aussage Jesu, "Du sollst dich nicht Rabbi nennen lassen" (Mt 21, 8), läßt sich das nicht vereinbaren. Daß sich das ganze Mittlertum so hartnäckig halten konnte, hat wohl damit zu tun, daß bis ins 16. Jahrhundert nur wenige die Bibel selber lesen konnten. Die Gläubigen waren auf "Rabbis" (wie immer sie heutzutage heißen) angewiesen. Die Früchte, die dabei herauskamen, lassen erkennen, ob es Doktrin bzw. Dogmenglaube war, was die Gläubigen vermittelt bekamen, oder bewußte Nachfolge des Jesus, der uns die ewigen Gesetzmäßigkeiten lehrte.
Der Prophet: Gab es im israelitischen Volk vor Mose Priester?
Ein Fachmann der katholischen Theologie: Mir ist nicht bekannt, wie es zum ersten Priester kam und in welchem Kulturkreis er sich herausgebildet hat. Wir wissen nur, daß sich schon in den ersten menschlichen Gruppierungen Führer herausgebildet haben, in denen sich ein größeres Kraftpotential zeigte. Woher diese Kraft kam, konnte man erst in den späteren Zeiten feststellen, als B |