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CNA-Meldung vom 08. Dezember 2001:
Kommentar:Von Klonen und Embryonen
Einige hatten den Mund wieder einmal besonders voll genommen: Im Labor eines amerikanischen Biotechnik-Unternehmens soll es gelungen sein, einen menschlichen Embryo zu klonen. Im Grunde war damit seit langem zu rechnen, jedenfalls seit das Klon-Schaf Dolly existiert. Was tatsächlich passiert war, hielt sich allerdings in Grenzen: Nach vielfältigen Manipulationen teilten sich zwei Zellen je zweimal und starben dann wieder ab. Eine einzige bildete immerhin sechs Tochterzellen, bevor sie ebenfalls starb. Der Vorgang löste einen weltweiten Wirbel aus, obwohl die Fachleute abwinkten und feststellten, dass nichts wesentlich Neues gelungen war. Doch Klappern gehört eben zum Handwerk. Die in Massachusetts erfolgte Behandlung von Zellen mit Elektroschocks und Chemikalien, die Implantierung von Nährzellen in entkernte Eizellen wurde als Durchbruch auf dem Weg zum therapeutischen Klonen verkauft. Ein spezieller Verkaufsschlager der Firma aus Massachusetts ist übrigens ihr moralischer Anspruch: Sie hält sich einen eigenen Moraltheologen, der mit Hilfe einer Kommission die Arbeit der Firma beobachtet und begutachtet. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zieht er eine positive Bilanz: "Dem therapeutischen Klonen verheißt Green, so heißt der theologische Beistand, der Biotechniker aus Amerika, eine große Zukunft. Von einer baldigen Schaffung geklonter Menschen will er indessen abraten. Grund: Die magere Erfolgsrate der Experimente. Bravo! Wenn die geklonten Embryos nicht mehr so schnell sterben wie bisher, dann winkt offenbar auch theologischer Segen.
Bis auf weiteres lösen Meldungen wie die aus Massachusetts in unregelmäßigen Abständen pflichtgemäßes Entsetzen aus bei Politikern, Kirchenvertretern und Wissenschaftlern, jedenfalls nach außen. Sie beschäftigen sich einstweilen mit der Frage, inwieweit die Arbeit mit Stammzellen erlaubt werden soll. Es geht um Forschung und angeblich um medizinische Hilfe. Letzteres ist bereits streitig, da die Ersatzzellen für defekte Herzmuskeln oder Nervensysteme auch aus so genannten adulten Zellen, Zellmaterial von Erwachsenen, gewonnen werden könnte. Die Stammzellen, aus Embryos, gelten freilich als besonders geeignet, multipotent. In England ist ihre Produktion zum Zwecke therapeutischen Klonens ausdrücklich erlaubt. In Deutschland ist dies nach dem Embryonenschutzgesetz ausdrücklich verboten. Deshalb kamen deutsche Wissenschaftler auf die Idee, die Stammzellen einzuführen, aus Ländern, in denen sie legal produziert werden. Vor Monaten war dies ein heiss diskutiertes Thema. Der deutsche Bundeskanzler setzte einen nationalen Ethikrat ein, der die anstehenden Entscheidungen des deutschen Gesetzgebers vorbereiten sollte. In diesem Rat der Ethik-Weisen sitzen Naturwissenschaftler, Juristen, Theologen und Politiker. Nunmehr gab die Kommission ihr Votum ab. Von 25 Mitgliedern votierten 14 für einen Import von Stammzellen. Er soll auf drei Jahre befristet sein, danach soll der Gesetzgeber Stellung zu den Forschungsergebnissen nehmen und erneut entscheiden. Die Zellen dürften nur aus Embryonen gewonnen worden sein, die bei künstlichen Befruchtungen übrig geblieben seien und nicht mehr für die Übertragung in eine Gebärmutter in Frage kämen. Die Minderheit der Kommission machte geltend, dass der Zellenimport mit dem geltenden Embryonenschutzgesetz kollidiere und alternative Stammzellenquellen, die keine Embryonentötung mit sich brächten, von der Wissenschaft noch nicht ausreichend geprüft worden seien.
Anfang nächsten Jahres soll der Deutsche Bundestag entscheiden. Er hatte übrigens eine eigene Kommission eingesetzt, die sich mehrheitlich nicht für, sondern gegen den Stammzellenimport ausgesprochen hatte.
Wie die Entscheidung des deutschen Gesetzgebers schließlich ausfallen wird, kann man sich ausmalen: Man wird den Import unter bestimmten Bedingungen zulassen, deren Nachprüfung kaum gesichert ist. Man wird an die Erfordernisse medizinischer Hilfe appellieren, obwohl die Alternativen noch gar nicht geprüft sind. Und die Wissenschaftler werden wieder von Grundlagenforschung reden, obwohl niemand weiß, was genau sie damit meinen. Sie werden sich auf das Grundrecht der Forschungsfreiheit berufen. Die Würde des Menschen und die Unantastbarkeit des Lebens wird man mit dem Hinweis zurückdrängen, dass es sich bei Stammzellen von Embryonen noch nicht um Leben handle.
Wer mit Embryonen umgeht, hat es nicht bloß mit Molekülen und Zellen zu tun, sondern mit dem göttlichen Lebensstrom, der für den Menschen unverfügbar ist. Er hat es mit einem werdenden Körper einer Seele zu tun, die mit diesem bereits Verbindung aufnimmt, um sich während der Geburt endgültig einzuverleiben. Wer Embryonen wegwirft, schneidet dieser Seele, ähnlich wie bei einer Abtreibung, die in Aussicht genommene Inkarnation ab, verfügt also auch aus diesem Grund über etwas, was nicht zu seiner Verfügung steht. Er hindert eine Seele daran, in einem irdischen Körper ein Stück weiter seelisch zu wachsen und zu reifen, indem sie einen Teil ihrer seelischen Belastung erkennt und mit Gottes Hilfe ablegt. Und er verursacht dadurch Leid, das nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung früher oder später auf ihn zurückfallen wird.
Wer glaubt, dass perfekte Gesundheit, so erstrebenswert sie sein mag, das oberste Ziel des Lebens ist, ignoriert Sinnzusammenhänge, die über das irdische Leben hinausgehen: Er schließt aus, dass eine Seele ein schweres Schicksal bewusst auf sich nimmt viele Eltern behinderter Kinder haben es nicht bereut, eine schwierige Aufgabe angenommen zu haben, und berichten sogar von seelischer Bereicherung ihres Lebens. Und wer glaubt, er habe ein "Recht" auf gesunde Kinder und könne deshalb "Ausschussware" vorher testen und vernichten lassen, ist größenwahnsinnig, denn er setzt sich an die Stelle Gottes. Er leistet damit, bewusst oder unbewusst, einer zukünftigen Menschenzüchtung Vorschub.
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