Christliche Nachrichtenagentur im Universellen Leben e.V.

 CNA-Meldung vom 06. November 2001:

 

Kommentar:

Ein Krieg in der Sackgasse

 

Was hat der Krieg Amerikas gegen Afghanistan inzwischen eigentlich gebracht? Ein Krieg, mit dem sich der deutsche Bundeskanzler "uneingeschränkt solidarisch" erklärt, immer wieder, fast schon in ritueller Form. In über 1000 Bomberflügen wurden die Ruinen eines der ärmsten Länder der Welt weiter pulverisiert, zwei Lazarettlager zerstört, Dörfer getroffen, Zivilisten getötet, selbstverständlich auch Soldaten, sogar aus den Reihen der eigenen Verbündeten von der so genannten Nord-Allianz. Der amerikanische Verteidigungsminister tritt regelmäßig vor die Presse, um zu verkünden: Alles verläuft nach Plan. Uneingeschränkt solidarisch, alles nach Plan – so hat jeder sein Mantra, mit dem er sein Gewissen und sein Volk zu beruhigen versucht. Doch der Amerikaner muss verwundert einräumen, dass der Widerstand der Taliban stärker als erwartet ist. Ja, noch mehr: Er gab zu, dass man den Erzfeind Osama bin Laden möglicherweise nie finden werde.

 

Wer bisher glaubte, dass die Supermacht, die eine ganze Armada nach Asien schickte, mit höherer Weisheit begabt sei, muss nun feststellen, dass sich ihre Strategie auf dem Niveau politischer Stammtische bewegt: Wenn man angegriffen wird, muss man eben zurückschlagen – irgendwie; auch wenn das zu einer sinnlosen Herumballerei führt; auch wenn das mit Notwehr nur mehr wenig zu tun hat, weil man die Angreifer gar nicht trifft; auch wenn damit die Gefahr neuer Angriffe nicht verringert, sondern noch erhöht wird, weil man neue Angriffe provoziert – aus fremden Regionen oder gar aus dem eigenen Land.

 

Wie lange noch wollen wir uns mit all dem "uneingeschränkt solidarisch" erklären, ohne uneingeschränkt töricht zu handeln? Bündnistreue gegenüber Amerika ist nicht mit beflissenem Strammstehen vor dem großen Bruder zu verwechseln. Sie schließt auch das Recht und die Pflicht ein, ihn darauf hinzuweisen, dass er sich und die Welt in eine gefährliche Sackgasse bombt.

 

Besonnenheit wird gegenwärtig wieder einmal durch das Motto ersetzt: Wir haben angefangen und können jetzt nicht mehr zurück. Dieser Sog ist ein altbekanntes Gesetz jedes Krieges. Es führt in immer weitere Eskalationen. Je mehr Zivilisten getötet werden, um so lauter werden die Freitagsdemonstrationen der islamischen Welt. Setzt man die Bombardements gar während des Ramadan fort, kann das zur Lunte für eine weltweite Explosion werden.

 

Die Strategen von Washington bis Berlin haben sich dramatisch verschätzt. Noch wäre es für eine Umkehr nicht zu spät. Doch das setzt Einsicht und innere Souveränität voraus, die am NATO-Stammtisch nicht zu finden ist. Ganz zu schweigen von der Beachtung der Ethik, die jener gelehrt hat, von dem die vielen, die sich "Christen" nennen, ihren Namen ableiten wollen. Er hat schon vor 2000 Jahren gewarnt: Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um. Das gilt nicht nur für Islamisten, sondern auch für Amerikaner. Offenbar wollen diese nun in Afghanistan testen, ob das Gesetz von Saat und Ernte auch für sie gilt. Wollen sich die Europäer da hineinziehen lassen? Wie wäre es, wenn man die Lehre des Nazareners endlich ernst nähme? Was würde das heißen? Man würde nicht Vergeltung suchen, sondern als erstes darüber nachdenken, was hinter dem Terror der Islamisten steckt. Man kann deren Amokläufe, so wenig sie zu rechtfertigen sind, nicht einfach mit purer Zerstörungslust gleichsetzen. Die Frage: "Warum hasst ihr uns so?", würde weiter führen als Bombardements auf ein ohnehin bereits zerstörtes Land. Politische Gespräche mit Führern der islamistischen Internationale werden den Amerikanern und ihren Verbündeten auf die Dauer nicht erspart bleiben, denn mit Bomben lässt sich diese weltweite Bewegung nicht ruhigstellen. Die Abneigung gegen einen solchen Dialog und die Sorge, durch dessen Aufnahme klein beizugeben, sind ein Zeichen von Schwäche. Sie blockiert von vornherein die Möglichkeit, Wunden zu heilen, die zu dem weltweiten islamistischen Terror führten – von Algier über Luxor, Daressalam und Nairobi bis hin zu New York und Washington. Zu diesen Wunden gehören das Palästinaproblem im Nahen Osten, die Stationierung amerikanischer Truppen in Saudi-Arabien und das menschenverachtende Embargo gegenüber dem Irak, das nicht Saddam Hussein, sondern nur seinem Volk schadet. Wer sich als Christ bezeichnet, kann die Bergpredigt nicht immer dann, wenn es ernst wird, beiseite schieben. Vielleicht kann er seine Feinde nicht sogleich lieben, aber sprechen muss er auf jeden Fall mit ihnen.

 

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