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Für gute Analytiker:
Wer sitzt auf dem Stuhl Petri? (16)
Sind auch Sie verdammt?
Inhalt:
Die Drohung mit der „ewigen Hölle“
Wer glaubt noch an die Jungfrauengeburt?
Weshalb Dogmen?
Vernunft – der Kirche unerwünscht
Was man alles glauben m u ß ...
Alles oder nichts
Die „Erfindung“ der Erbsünde und die „Rettung“ durch die Sakramente
Die Ökumene – eine Täuschung
Auch die Lutherkirche droht mit der ewigen Verdammnis.
Wer ist eigentlich nicht verdammt?
Papst oder Christus – wem folgen wir?
Fatale Auswirkungen der Verdammungslehre
Den Verharmlosungen zum Trotz: Die Lehrbücher sind verbindlich!
Erhöhte Selbstmordgefahr unter Kirchenmitgliedern
Auch die „Tradition“ muß geglaubt werden – Widersprüche, im „Geheimnis“
vernebelt
Von Jesus klare Aussagen. Er kannte keine „Geheimnisse“.
Wie Sie sich und Ihre Kinder schützen können.
Politiker, wahrt Neutralität! Entscheidet unabhängig vom Stuhl Petri!
In unseren vergangenen Sendungen „Für gute Analytiker
– Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ hatten wir Gelegenheit, Ihnen eine
Fülle von Tatsachen zu präsentieren, die in unserer Gesellschaft
weitestgehend unbekannt oder in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht
haben Sie sich oft verwundert die Augen gerieben und sich gefragt: „Wie
ist so etwas möglich? Warum weiß man davon nichts?“ Nun wollen wir die
Gelegenheit nutzen, Sie über eine weitere Tatsache zu informieren, von
der die meisten Menschen nichts wissen.
Vielen ist bekannt, daß die verschiedenen religiösen Strömungen für sich
beanspruchen, die Menschen zum ewigen Heil zu führen. Viele wissen auch,
daß z.B. die katholische Kirche unwiderruflich behauptet, Protestanten
oder Lutheraner könnten das ewige Heil nicht erlangen. Aber wissen Sie
auch, daß die meisten Anhänger des Stuhles Petri ihr Seelenheil
ebenfalls bereits verspielt haben, und das nicht etwa nach der Ansicht
der Lutheraner, sondern aufgrund der Vorschriften der katholischen
Kirche? Sie mögen sich wundern – doch die Tatsachen sprechen eine
deutliche Sprache.
Die katholische Kirche, an ihrer Spitze der Stuhl Petri, verspricht, die
Menschen zu Gott und zum ewigen Heil zu führen; dazu muß man sich an die
Dogmen, Riten, Zeremonien, insbesondere an die Lehrsätze der
katholischen Kirche, halten. Viele Leser werden jetzt sagen: „Ja, ich tu
das doch. Ich zahle regelmäßig meine Kirchensteuer, ich gehe regelmäßig
zur Messe, ich bekomme meine Sünden vergeben“; und sie glauben, damit
hätten sie Ihr Seelenheil gesichert. Doch, sie kennen die katholische
Lehre nicht!
Die meisten kennen wahrscheinlich schon deshalb die Lehraussagen nicht,
weil diese in den Predigten der Pfarrer, in Reden, Hirtenbriefen etc. so
gut wie nie erwähnt werden, und weil sie gar nicht wissen, in welchem
Buch sie zu finden sind. Alle Zitate, die wir heute bringen werden,
stammen aus dem Buch von Neuner und Roos „Der Glaube der Kirche in
den Urkunden der Lehrverkündigung“ (Neuner-Roos, „Der Glaube der
Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“, Pustet Verlag).
Das Buch von Neuner-Roos, so ist im Umschlag-Innentext zu lesen,
„enthält die wichtigsten Urkunden über den katholischen Glauben seit den
Zeiten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses bis zu unseren Tagen. ...
Gerade heute ist es Recht und Pflicht des Gläubigen zu wissen, was die
Kirche selbst in den Urkunden der Lehrverkündigung über ihren Glauben
gesagt hat und sagt.“ Und in diesem offiziellen Lehrwerk heißt es
unter Randnummer 85 klipp und klar: „Wer nicht die ganze kirchliche
Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei
ausgeschlossen.“
Die
Drohung mit der „ewigen Hölle“
Dabei klingt das Wort „ausgeschlossen“ eigentlich
relativ harmlos. Man hat den Eindruck, als sei jemand von einem Verein
ausgeschlossen, weil er die Satzung nicht beachtet. In Wirklichkeit
steht dieses Wort „ausgeschlossen“ in den Dogmen der katholischen Kirche
für das griechische und lateinische Wort „anathema sit“; übersetzt heißt
es nichts anderes als: „der sei verflucht“ – gemeint ist der, der nicht
an das vorangehend zitierte Dogma glaubt. Und „der sei verflucht“ heißt
wiederum: auf e w i g verflucht.
Man muß sich das einmal vorstellen! Wer, bis ins Detail, diese vielen,
den meisten Katholiken gar nicht bekannten Dogmen auch nur in Zweifel
zieht oder sie nicht beachtet – unter Umständen, weil er sie vielleicht
gar nicht kennt –, der riskiert, für ewig in der Hölle zu landen. Und
das Wort „ewig“ wird von der katholischen Kirche und ihren Theologen
durchaus wörtlich verstanden. „Nie mehr aufhörendes Leid“ wird
denjenigen angekündigt, die das nicht glauben, was katholische Theologen
irgendwann aufgeschrieben haben und auf einem Konzil von einem Papst zu
einem Dogma bzw. zu einem verbindlichen Glaubenssatz erklären ließen.
Ergänzend sei bemerkt, daß – laut Aussage der katholischen Kirche – Gott
selbst es sein soll, der den betreffenden Menschen auf ewig verdammt.
Wer bereits hier die ersten Zweifel hat, ob Gott tatsächlich Menschen
auf immer und ewig in die Hölle verdammt, sondern daran glaubt, daß ein
vollkommener Gott eines Tages alles und alle in die Vollkommenheit
führt, der unterliegt nach katholischer Lehre bereits einem
folgenschweren Irrtum. Denn bei Neuner-Roos lesen wir unter Randnummer
891 diesen Lehrsatz: „Wer sagt oder glaubt: die Strafe der bösen
Geister und gottlosen Menschen sei nur zeitlich und werde nach
bestimmter Zeit ein Ende nehmen, und dann komme eine völlige
Wiederherstellung (Apokatastasis) der bösen Geister und gottlosen
Menschen, der sei ausgeschlossen.“
Wer glaubt noch an die
Jungfrauengeburt?
Betrachten wir die Sachlage im Hinblick auf die
autoritären Lehrsätze der Kirche einmal praktisch: Wir wissen ja, daß
viele Menschen in unserer aufgeklärten Zeit z.B. die Behauptung der
katholischen Lehre, Jesus sei von Maria auf dem Wege einer
jungfräulichen Geburt zur Welt gebracht worden, nicht mehr glauben. Eine
Umfrage ergab, daß beispielsweise 83 Prozent der Deutschen und 78
Prozent der Österreicher an die Aussage dieses Dogmas – „Jesus
Christus ..., empfangen aus der immerwährenden Jungfrau Maria unter
Mitwirkung des Heiligen Geistes ...“ (Neuner-Roos, „Der Glaube der
Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“, Rand-Nr. 919) – nicht
glauben. Rund 80 Prozent der Bürger glauben also nicht, daß Jesus von
einer Jungfrau geboren wurde.
Wie kann man überhaupt ein solches Dogma verstehen, das doch jeder
biologischen und rationalen Vorstellung zuwiderläuft? Was die vielen
Menschen – von denen ein großer Teil sicherlich Katholiken sind –, die
nicht an dieses Dogma glauben, zu erwarten haben, werden wir später noch
erfahren. Beleuchten wir zuerst einmal, wie ein solches Dogma überhaupt
zustande kommt.
Gerade am Beispiel des Dogmas von der angeblichen Jungfrauengeburt sieht
man, daß Vorstellungen aus dem Heidentum in das katholische Lehrgebäude
eingeflossen sind. Im Heidentum gab es mehrfach den Kult einer großen
Muttergöttin. Dort hieß es dann häufig ebenfalls, die jeweilige Göttin
habe einen Sohn ohne Beteiligung eines Mannes geboren – also eine
Jungfrauengeburt. Dies war bei der ägyptischen Muttergöttin Isis der
Fall, die ihren Sohn Horus als Jungfrau – und, wie Maria, während einer
Reise – geboren haben soll (Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der
Hahn“, S. 366), aber auch Hera, die griechische Göttin, soll Hephästos
als Jungfrau zur Welt gebracht haben; auf dieselbe übersinnliche Weise
sollen, der Legende nach, z.B. Platon, Herakles oder Alexander der Große
gezeugt worden sein. (ebenda, S. 364)
Als sich in den ersten Jahrhunderten nach Jesus von Nazareth die
katholische Kirche etablierte, hat sie – wie an anderer Stelle bereits
ausführlich dargelegt („Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“, Band 1 und Band
2) – etwas ganz anderes aus dem gemacht, was Jesus von Nazareth gebracht
hatte. Um es den heidnisch geprägten Menschen zu erleichtern, die
katholische Lehre anzunehmen, ist sie ihnen entgegengekommen, indem sie
in vielerlei Hinsicht Inhalte, Vorstellungen aus dem Heidentum in ihr
Glaubensgut aufnahm. Die Kirche lehnte sich also an das Heidnische an
und übernahm eine Vielzahl heidnischer Elemente, um die Zahl ihrer
Mitglieder zu erhöhen. Das war der Ausgangspunkt dafür, daß man solche
Dogmen formulierte.
Weshalb Dogmen?
Die Dogmen hatten drei Funktionen: Die erste bestand
darin, daß man durch sie die Widersprüchlichkeiten und
Absonderlichkeiten der Lehre verschleiern konnte, indem man solchen
merkwürdigen Lehrsätzen die Aura des Numinosen, Geheimnisvollen,
unabänderlich Feststehenden verlieh. Ein Bluff sozusagen. Bezüglich der
Jungfrauengeburt z.B. sagt einem der gesunde Menschenverstand: Es ist
völlig unlogisch, daß Gott Seine eigenen Naturgesetze außer Kraft
gesetzt haben sollte. Wird jedoch mit großem Wortgeklingel ein Dogma
aufgestellt, so erhält die Aussage besonderes Gewicht; der einfache
Mensch denkt dann, es müsse wahr sein. Auf den fügsamen Untertanen, der
gewohnt ist, sich vor Autoritäten zu beugen, wirkt so ein Dogma – diese
autoritär formulierte Aussage mit dem definitiven Verdammungsspruch –
wie eine Beschwörungsformel, wie ein Zauberspruch, etwas, das man nicht
so recht versteht und möglicherweise auch gar nicht zu verstehen
braucht.
Dafür gibt es noch genug weitere Beispiele. So ist auch die
Dreifaltigkeit nicht einsehbar: daß Gott in drei Personen auftreten
soll, die aber völlig identisch sein sollen. Und auch dazu gibt es
Parallelen im Heidentum. Da solche Gegebenheiten wie Jungfrauengeburt
und Dreifaltigkeit nicht verstehbar sind, ergibt sich unter anderem
daraus der Effekt, daß sich eine Elite etablieren kann, die angeblich
allein in der Lage ist, diese Lehrsätze zu interpretieren und zu
verstehen: die Priesterkaste.
Ein zweiter, wesentlicher Aspekt: Diese Dogmen dienten – und dienen
letztlich noch heute – unter anderem dazu, Menschen auszugrenzen, die
einen anderen Glauben haben, die man nicht i n der Kirche haben will,
sondern als „Ketzer“ verteufelt und verflucht – eine jahrhundertelang
geübte Praxis der Kirche. Solche unliebsamen Mitmenschen kann man z.B.
auf einfache Weise dadurch ausschließen, daß man ihnen ein Dogma
vorlegt; unterschreiben sie das nicht, so sind sie automatisch
ausgeschlossen.
Und ein dritter Gesichtspunkt: Diese Dogmen hatten die Funktion, die
entstehende Kirche an den Staat anzupassen. Der damalige römische Staat
war sehr stark geprägt von Juristen. Diese bestimmten vielfach auch die
Konzilien, wo sie dann viele dieser Dogmen mitformulierten oder gar
vorformulierten. Wir sehen, daß die Kirche sich – vor allem ab dem 4.
Jahrhundert, ab Kaiser Konstantin – sehr stark an den römischen Staat
anpaßte.
Schon aus dem bisher Dargelegten ist erstens zu schließen, daß das
Credo, das die Katholischen sprechen, die sonntags zum Gottesdienst
erscheinen – übrigens nur mehr ein verschwindend geringer Prozentsatz
aller Kirchenmitglieder – zum Teil heidnisches Gedankengut ist, und
zweitens, daß es nicht etwa von Gottsuchern irgendwann niedergeschrieben
wurde, sondern zu einem erheblichen Teil von römischen Juristen.
So weit einige Fakten zur Entstehung der Dogmen.
Vernunft – der Kirche unerwünscht
Der gute Analytiker, der vermutlich – selbst wenn er
katholisch sein sollte – die Dogmen im Einzelnen genausowenig kennt wie
andere Menschen auch, möchte sicherlich genauer wissen, wovon die Rede
ist. Daher sollen an dieser Stelle einige Dogmen und kirchliche
Lehrsätze im Wortlaut vorgestellt werden:
Als erstes ein Dogma, das beweist, daß die Vernunft im katholischen
Glauben nicht gerade einen hohen Stellenwert hat. Nachzulesen im Buch
von Neuner-Roos unter Randnummer 55. Dort heißt es:
„Wer sagt, in der göttlichen Offenbarung gebe es nicht wahre
Geheimnisse im eigentlichen Sinn, sondern alle Glaubenssätze könnten
durch die richtig gebildete Vernunft von den natürlichen Grundsätzen aus
verstanden und bewiesen werden, der sei ausgeschlossen.“
Es wäre einmal interessant zu wissen, ob die Mitglieder der „päpstlichen
Akademie der Wissenschaften“ dieses Dogma kennen – vermutlich nicht. Im
Grunde müßten alle Wissenschaftler umgehend aus der Kirche austreten –
denn hier wird ihnen ein Gott präsentiert, der mit Seinen eigenen
Naturgesetzen nichts zu tun haben will. Ein Gott, der die Vernunft und
den Verstand des Menschen gering achtet – des Menschen, der doch nach
Seinem Ebenbild geschaffen wurde. Angeblich ein Gott, der vor den
Menschen Geheimnisse hat – als ob Gott das nötig hätte! Und es wird den
Menschen ein Glaube vorgesetzt, der jederzeit gegen die Gesetze der
Logik verstoßen darf. Als ob Gott nicht in der Lage wäre, durch von Ihm
erleuchtete Menschen Seine Gesetze den Menschen so darzulegen, daß jeder
sie verstehen und entsprechend seinem Bewußtsein daraus das entnehmen
kann, was ihm derzeit als geistige Nahrung dienlich ist.
Ähnlich verhält es sich beim Dogma der angeblichen Jungfrauengeburt. Im
Zusammenhang damit heißt es: „Zwar hat Maria durch die Überschattung
des Heiligen Geistes empfangen, doch darf man deswegen nicht glauben,
daß der Heilige Geist der Vater des Sohnes sei ...“ (Randnummer 209)
Man sieht: Von Klarheit keine Spur!
Maria soll ja nicht nur eine Jungfrauengeburt hinter sich gebracht
haben, sondern auch mit ihrem irdischen Leib in die himmlische
Herrlichkeit aufgenommen worden sein. Das entsprechende Dogma ist unter
Randnummer 487 zu lesen:
„... es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, daß die
unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung
ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen
Herrlichkeit aufgenommen worden ist.“ – Doch wie wird wohl Maria in
den himmlischen Gefilden zurechtkommen, wenn sie als einziges weibliches
Wesen einen materiellen Körper besitzt?
Was
man alles glauben m u ß ...
Ein weiteres Dogma bezieht sich auf den Papst und ist
unter Randnummer 434 zu finden: „Wir bestimmen, daß der Heilige
Apostolische Stuhl und der römische Bischof den Vorrang über den ganzen
Erdkreis innehat …“
Das heißt natürlich, der Papst habe das Recht, über den ganzen Erdkreis
zu bestimmen, jene Völker und Menschen eingeschlossen, die nicht
katholisch sind.
So mancher Gläubige hat nicht nur Mühe mit dem Stuhl Petri, mit dem
Papst, sondern auch mit dem Prunk der Kirche, mit ihren Riten und
Zeremonien. Doch der Katholik ist laut Dogma, das die Randnummer 612
trägt, verpflichtet, an folgendes zu glauben:
„Wer sagt, die gottesdienstlichen Handlungen, Gewänder und äußeren
Zeichen, deren sich die katholische Kirche bedient, seien eher ein Weg
zur Gottlosigkeit als ein Mittel zur Frömmigkeit, der sei
ausgeschlossen.“
Das Dogma, welches die Unfehlbarkeit des Papstes befiehlt, ist
nachzulesen unter Randnummer 454:
„... Wenn der römische Bischof in höchster Lehrgewalt (ex cathedra)
spricht, das heißt, wenn er seines Amts als Hirt und Lehrer aller
Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig
entscheidet ... so besitzt er ... jene Unfehlbarkeit, mit der der
göttliche Erlöser seine Kirche ... ausgerüstet haben wollte ... Wenn
sich jemand – was Gott verhüte – herausnehmen wollte, dieser unserer
endgültigen Entscheidung zu widersprechen, so sei er ausgeschlossen.“
Oder die Verehrung der Reliquien: Wie viele der Katholiken glauben
wirklich daran, daß von Reliquien eine magische Kraft ausgehe oder daß
man sie verehren soll – aber in Randnummer 475 lesen wir die
Lehraussage: „Zu verurteilen ist es deshalb, wenn Leute behaupten,
man schulde den Reliquien der Heiligen keine Verehrung, keinen
Ehrenerweis oder es sei unnütz ...“ Diese Leute „hat die Kirche
schon verurteilt und verurteilt sie jetzt aufs neue“.
Liebe Leser, Sie mögen sich jetzt fragen: Habe ich das richtig
verstanden? Wenn ich also nicht z.B. an die „Schabmadonna“ glaube oder
wenn ich nicht an die sogenannten „Freßbildchen“ glaube, von denen schon
die Rede war (Nachzulesen in „Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“, Band 1
und Band 2), wenn ich also nicht an Reliquien und ihre Wirksamkeit
glaube, dann verstoße ich gegen ein Gebot der Kirche, und wenn ich gegen
dieses verstoße, bin ich ausgeschlossen. Sehe ich das richtig? – Seien
Sie versichert: Sie sehen es richtig – im Sinne der katholischen Kirche,
natürlich.
Alles oder nichts
Man könnte weiterfragen: Wie ist es, wenn ich sage: Vier
oder fünf Dogmen kann ich glauben, aber zwei oder drei andere nicht?
Wenn ich also mehr Dogmen für richtig als für falsch halte, müßte es
doch eigentlich gerechterweise trotzdem eine Art ewige Seligkeit für
mich geben, vielleicht etwas abgestuft?
In der katholischen Kirche gilt diesbezüglich jedoch das Prinzip: „Alles
oder nichts“. Man hat nicht die Möglichkeit, sich an das zu halten, was
vielleicht seinem Verstand und seinem Herzen plausibel erscheint,
sondern man muß alles glauben, was irgendwann auf einem Konzil
beschlossen und in das Lehrgebäude der römisch-katholischen Dogmen
aufgenommen wurde. Ganz entsprechend dem bereits zitierten Dogma mit der
Randnummer 85: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt
– die geschriebene wie die ungeschriebene – der sei ausgeschlossen.“
Man muß also wie ein Höriger a l l e s annehmen, was die Kirche
(wohlgemerkt: die Kirche – nicht Gott!) einem vorschreibt, und zwar bis
ins letzte Detail – statt selbst Herz, Verstand und das eigene Gewissen
einzuschalten und sich mit den Lehren von Jesus, dem Christus,
auseinanderzusetzen, um diese nach und nach aus eigener Einsicht und
Liebe zu Gott in die Tat umzusetzen.
Mit Recht wird der eine oder andere Leser nun denken: Gott bestimmt und
zwingt niemanden, etwas ungeprüft zu glauben. Ja, nicht einmal an Sein
Wort muß der Mensch glauben – Gott läßt Seinen Kindern die volle
Freiheit. Und Er läßt einem jeden seinen Weg. Er weiß, daß mancher
Mensch erst einmal Umwege gehen muß, um dann von selbst zu erkennen, wo
die Wahrheit zu finden ist. Dann kann er der Lehre des Christus Gottes
folgen – wiederum, wie immer: sofern er das möchte.
Lieber Leser: Wenn Sie so denken, liegen Sie goldrichtig. Aber nach
katholischer Lehre sind Sie auf ewig verdammt!
Weiter zu den nächsten Dogmen, Glaubenssätzen oder Vorschriften:
Unter der Randnummer 688 heißt es: „Da von Christus der Kirche die
Vollmacht gegeben wurde, Ablässe mitzuteilen“, verurteilt die Kirche
„diejenigen mit Ausschluß, die sie für unnütz erklären oder der Kirche
das Recht absprechen, sie zu verleihen.“
Auch Ablässe sind keineswegs nur etwas Historisches; sie werden auch
heutzutage immer wieder „gewährt“. Die Kirche stellt sich hier – wie
könnte es anders sein – als bevollmächtigt dar, Sünden zu vergeben.
Unter Randnummer 582 ist kirchlicherseits festgelegt: „Wer sagt ...,
man solle ihn [Christus] in der Hostie nicht nach der lobenswerten und
allgemein verbreiteten Sitte und Gewohnheit der heiligen Kirche bei
Prozessionen feierlich umhertragen oder nicht öffentlich dem Volk zur
Anbetung zeigen, der sei ausgeschlossen.“ Das ist bezogen auf die
Fronleichnamsprozession. Es ist vielleicht für den einen oder anderen
katholischen Gläubigen kein Problem, daran zu glauben.
Wie verhält sich jedoch ein naturwissenschaftlich denkender Mensch, der
zur katholischen Kirche gehört, wenn er die Randnummern 353, 354 oder
355 (Dogmen!) von Neuner-Roos liest, in denen behauptet wird, die ersten
Menschen seien Adam und Eva gewesen? Und nicht nur das, sondern: mit dem
Sündenfall des Adams habe dieser die sogenannte Erbsünde auf alle
nachfolgenden Menschen übertragen?
Diese verbindlich zu glaubenden Lehrsätze sind von der Kirche eingeführt
worden, weil man die Reinkarnation im 4. Jahrhundert aus der Lehre
verbannt hat. Wir wissen durch demoskopische Umfragen, daß mindestens
ein Viertel der Menschen im deutschsprachigen Raum an die Reinkarnation
glaubt – auch unter den Katholiken, und bei den Protestanten ist dieser
Prozentsatz mindestens genauso hoch. Lesen wir jetzt die Aussage in
Randnummer 325, dann sehen wir, daß diese Menschen ebenfalls in der
ewigen Hölle landen werden, denn hier heißt es:
„Wer sagt oder daran festhält, die Menschenseelen hätten ein Vorleben
gehabt, d.h. sie seien zuvor Geister und heilige Gewalten gewesen, sie
seien aber der göttlichen Anschauung satt geworden, hätten sich dem
Bösen zugewandt, seien deswegen in der Liebe Gottes erkaltet, hätten so
den Namen ‚Seelen’ (= die Kalten) bekommen und seien zur Strafe dafür in
die Körper gebannt worden, der sei ausgeschlossen.“
Dies ist ein uralter Lehrentscheid, der schon aus dem 6. Jahrhundert
stammt. Mit ihm wurde die Lehre des Origenes verboten, in dessen Lehre
die Reinkarnation enthalten war.
Vor einigen Jahren, als das Thema „Reinkarnation“ durch die Medien ging,
gab es einen Priester aus Rom, der im Fernsehen für die Reinkarnation
plädierte und der damals erklärte, daß ein großer Prozentsatz der
römisch-katholischen Gläubigen an die Reinkarnation glaubt. Diese
Menschen – und auch sich selbst als einen Befürworter dieser „Irrlehre“
– hat er, wie Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nun wissen, mit einem
Handstreich in die ewige Verdammnis geschickt.
Die „Erfindung“ der Erbsünde und die „Rettung“ durch die Sakramente
Die Kirche hat also die Lehre von der Präexistenz der
Seele verdammt und damit die Reinkarnationslehre gestrichen, hat dafür
aber die „Erbsünde“ erfunden, mit der erst einmal jeder Mensch
automatisch behaftet ist. Ein geeignetes Mittel, um Gläubige
einzuschüchtern, sie zu vereinnahmen und entsprechende magische Rituale
zu ihrer Seelenrettung einzusetzen. Das entsprechende Dogma mit der
Randnummer 356 lautet: „Wer leugnet, daß die neugeborenen Kinder
getauft werden müssen, der sei ausgeschlossen.“ Die Begründung
dafür: Bei der sakramentalen Taufe werde ihm die Erbsünde vergeben.
Bei den Protestanten sieht es ähnlich aus, nachzulesen im Augsburger
Bekenntnis im Artikel 9: „Deshalb werden die verworfen, die
lehren, daß die Kindertaufe nicht richtig sei.“
Dasselbe gilt auch für andere Sakramente. Wiederum bei den Katholiken
findet man z.B. unter Randnummer 506: „Wer sagt, die Sakramente des
Neuen Bundes seien nicht alle von Christus Jesus, unserm Herrn,
eingesetzt, oder seien mehr oder weniger als sieben, nämlich: Taufe,
Firmung, Eucharistie, Buße, Letzte Ölung, Weihe und Ehe, oder eines von
diesen sieben sei nicht eigentlich und wirklich Sakrament, der sei
ausgeschlossen.“
Besonders bemerkenswert aber ist, daß auch Priester, die sich in der
Todsünde befinden, in der Lage sind, solche Sakramente auszuteilen. Das
ist in der katholischen Lehre bei Neuner und Roos unter Randnummer 517
dogmatisch festgelegt: „Wer sagt, der Ausspender [Anm.: = der
Priester, der das Sakrament spendet], der sich im Stand der Todsünde
befinde, bringe kein Sakrament zustande oder teile keines mit, obwohl er
alles Wesentliche beobachtet, was zum Zustandebringen und Mitteilen des
Sakramentes gehört, der sei ausgeschlossen.“
Für die Protestanten gilt das Gleiche. Im Augsburger Bekenntnis heißt es
im Artikel 8, daß die Sakramente gleichwohl wirksam sind, auch wenn
„die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind“.
Deshalb werden alle verdammt, die anders lehren. Es ist schon sehr
schwierig, nachzuvollziehen, daß ein Mensch, der selbst verdammt ist,
Sakramente, die andere davor bewahren sollen, verdammt zu sein,
auszuteilen befugt ist.
In der katholischen wie in der evangelischen Kirche gibt es das
Sakrament des Abendmahls, auch Eucharistie genannt. Als Protestant hat
man – wie der Katholik – daran zu glauben, daß in der Hostie der wahre
Leib und das wahre Blut Christi sei. Denn im Artikel 10 des Augsburger
Bekenntnisses heißt: „Vom Abendmahl des Herrn wird so gelehrt, daß
der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des
Brotes und des Weines im Abendmahl gegenwärtig ist und dort ausgeteilt
und empfangen wird. Deshalb wird auch die Gegenlehre verworfen.“
Die Protestanten tragen Christus – bzw. Jesus – zwar nicht leibhaftig in
Prozessionen spazieren, aber dieser Grundglaube, daß der wahre Leib und
das wahre Blut in der Hostie sei, ist auch im lutherischen Glauben
vorgeschrieben.
Die entsprechende katholische Lehraussage ist unter der Randnummr 577 zu
finden: „Wer leugnet, daß im Sakrament der heiligsten Eucharistie
wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der
Seele und mit der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der
ganze Christus enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im
Zeichen, im Bild oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen.“
Dazu paßt noch die Randnummer 580: „Wer sagt, im wunderbaren
Sakrament der Eucharistie sei nach vollzogener Weihe nicht der Leib und
das Blut unseres Herrn Jesus Christus, sondern nur beim Gebrauch, wenn
es genossen wird, nicht aber vorher oder nachher, und in den geweihten
Hostien oder Brotteilchen, die nach der Kommunion aufbewahrt werden oder
übrigbleiben, bleibe nicht der wahre Leib des Herrn zurück, der sei
ausgeschlossen.“
Das will sagen: Einmal geweiht, bleibt – nach katholischer Lehre – in
dieser Hostie immer der Leib und das Blut Christi. Dann kann man auch
verstehen, warum es als eine so große Sünde galt, die einige Kinder
kürzlich begingen, als sie aus Langeweile ca. 100 Hostien aus einem
offenen Tabernakel gegessen haben. Sie waren sich natürlich keiner
Schuld bewußt – nicht mehr, als wenn sie aus der Keksdose der Eltern
etwas entwendet hätten. Doch der Bischof hat es daraufhin für nötig
gehalten, einen Sühnegottesdienst zu feiern, um die Tat der Kinder
„geistlich aufzufangen“.
Angesichts all dieser Abstrusitäten stellt sich immer dringlicher die
Frage: Was hat all das mit der Lehre des Nazareners zu tun? – Die
Antwort lautet: Nichts! All das hat mit der Lehre des großen
Weisheitslehrers Jesus von Nazareth absolut und ganz und gar nichts zu
tun. Alles nichts als Machwerk, das der Stuhl Petri aus anderen Quellen
schöpfte – letztlich aus dem Sumpf der Unterwelt.
Noch einmal sei gesagt: All die Sakramente hat Jesus nicht eingesetzt!
Jesus hat nicht getauft; Jesus hat keine Beichte gehört; Jesus hat keine
Kommunion gespendet; Jesus hat nicht gefirmt; Jesus hat keine Priester
geweiht; Jesus hat keine Krankensalbung ausgeführt; Jesus hat keine Ehen
gesegnet.
Genau auf diese magischen Rituale kommt es der Kirche aber besonders an
– und deshalb nimmt sie hier auch Einfluß auf ganz konkrete
Lebenssituationen, z.B. Randnummer. 585: „Wer leugnet, jeder Christ
beiderlei Geschlechts, der die Jahre der Unterscheidung erreichte, müsse
jedes Jahr wenigstens an Ostern zur Kommunion gehen nach der Vorschrift
der heiligen Mutter, der Kirche, der sei ausgeschlossen.“
Praktisch heißt das: Wer sagt, der Kirchgang zu Ostern mit der Kommunion
sei nicht nötig, der ist verdammt.
Ein Glaubenssatz, der nach dem Willen der Kirche viele Menschen in die
ewige Verdammnis führt, ist die Unauflöslichkeit der Ehe. Unter der
Randnummer 739 findet man folgendes Dogma: „Wer sagt, wegen
Irrglauben, wegen Schwierigkeiten im Zusammenleben oder wegen
böswilliger Abwesenheit vom Gatten könne das eheliche Band gelöst
werden, der sei ausgeschlossen.“ Werden die Ehepartner in 54 Prozent
aller Ehen, die allein in Deutschland im Jahre 2004 geschieden wurden,
dies auch so sehen? Wenn nicht, dann werden sie sich, laut katholischer
Lehre, in der Hölle wiedertreffen.
Die
Ökumene – eine Täuschung
Oder gesetzt den Fall, in einer Ehe ist ein Partner
katholisch und der andere evangelisch, so kann man unter Randnummer 381
nachlesen, daß der, der außerhalb der katholischen Kirche steht – z.B.
ein Protestant –, „dem ewigen Feuer verfällt“. Von daher ist dann
der katholische mit einem ewig Verdammten verheiratet. Und generell sind
ohnehin zwei Drittel der Bevölkerung – eben die Lutheraner und die
Konfessionslosen – nach katholischer Lehre ebenso verdammt.
Viele Protestanten wollen das nicht wahrhaben, denn sie verbünden sich
ja schließlich mit Katholiken in der Ökumene. Aber was ist dies anderes
als Augenwischerei, denn das Dogma – Randnummer 381 – sagt ganz klar:
„Die heilige römische Kirche ... glaubt fest, bekennt und verkündet,
daß »niemand außerhalb der katholischen Kirche weder Heide« noch Jude,
noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter [Anmerkung: Damit
sind auch die Protestanten gemeint] – des ewigen Lebens teilhaftig wird,
vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln
bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche)
[selbstverständlich der katholischen Kirche] anschließt.“
Eine furchtbare Strafe also für Protestanten, für Juden und, wie es hier
heißt, für „Heiden“. Doch unser Studium der Dogmentexte und Lehrsätze
hat ja soeben die Tatsache ans Licht gebracht, daß dieses
Verdammungsurteil ebenso für sehr viele Katholiken gilt, nämlich für
jene unter ihnen, die einzelne Dogmen nicht für wahr halten. – Summa
summarum: Wer bleibt denn da noch übrig, der nicht ewig verdammt wäre?
Auch
die Lutherkirche droht mit
der ewigen Verdammnis.
Wer nun als Protestant denkt, die Katholiken nähmen sich
ja ganz schön etwas heraus, alle zu verwerfen, die nicht das glauben,
was ihnen kirchlicherseits zu glauben geboten ist, der sollte einmal in
seinem evangelischen Großen Katechismus nachsehen. Denn dort kann man im
zweiten Teil im 3. Artikel, Nr. 66, folgendes lesen:
„Denn was außer der Christenheit ist – es seien Heiden, Türken, Juden
oder falsche Christen und Heuchler -, ob sie gleich nur [an] einen
wahrhaftigen Gott glauben und anbeten, so wissen sie doch nicht, was [=
wie] er gegen ihn gesinnt ist, können sich auch keiner Liebe noch
Gut[e]s zu ihm versehen, darum sie in ewigem Zorn und Verdammnis
bleiben.“
Liebe Leser, erlauben Sie uns auf diesen Text des Katechismus hin eine
kleine Zwischenbemerkung: Ist es nicht geradezu ungeheuerlich, welch ein
Bild hier von Gott vermittelt wird? Es wird für möglich gehalten, Er,
der die Liebe und Güte selber ist, solle „gegen“ Sein Kind „gesinnt“
sein! Man traut Ihm zu, Er schlösse Menschen oder Seelen von Seiner
Liebe und Güte aus! Statt dessen ist von „Zorn“ und „ewiger Verdammnis“
die Rede. Ein starkes Stück! Allein diese Passage zeigt deutlich, wie
wenig die scheinchristlichen Kirchen von Gott wissen.
Kehren wir zurück zum Thema: Also, auch die Lutherkirche nimmt sich
heraus, alle in die ewige Verdammnis zu schicken, die nicht
protestantisch sind. – Und das, obwohl sie aufgrund der Auffassung der
katholischen Kirche selber ja auch schon Verdammte sind.
Wer
ist eigentlich nicht verdammt?
Ein fast absurdes Ergebnis. Angesichts dieser Aussagen
ist davon auszugehen, daß es kaum jemanden gibt, der nach kirchlicher
Auffassung nicht in der ewigen Hölle landet, denn es wird kaum einen
Menschen geben, der alles glaubt, was die Kirchen lehren.
Ja nicht einmal die Priester und Pfarrer, die am Sonntag predigen,
glauben all das, was in der kirchlichen Dogmatik enthalten ist. Die
Gläubigen, die ihnen zuhören, glauben erst recht nicht all das. Insofern
müßte man eigentlich sagen: Es predigen Leute im Namen der Kirche, die
nicht an alle Dogmen glauben und deshalb verdammt sind, zu Leuten, die
ebenfalls verdammt sind. Im Grunde genommen führen die Prediger auf der
Kanzel ihre Gläubigen hinters Licht, denn sie gaukeln ihnen vor, sie
wären in der Kirche und würden damit etwas für ihr Heil tun. In
Wirklichkeit sind sie aber längst verflucht, weil sie nicht all das
glauben, was die Kirche lehrt. Und die, die zu ihnen predigen, sind auch
verflucht, weil sie ebenfalls nicht alles glauben können, was in 2000
Jahren an Dogmen verkündet worden ist. – Es ist fast wie in einem
absurden Theater.
Zu dem Ergebnis, daß ein Großteil der Bevölkerung laut Kirchenmeinung
verdammt ist, kommen auch einige Umfragen: Z.B. glauben 79 Prozent der
Menschen nicht daran, daß es eine Hölle gibt. – Also sind sie, so die
Kirche, auf ewig verdammt. 68 Prozent glauben nicht, daß Jesus von den
Toten auferstanden ist, 79 Prozent glauben nicht, daß Er leiblich
auferstanden ist. Also, muß man davon ausgehen, daß die meisten Bürger,
die mit uns hier zusammenleben, nach katholischer Lehrmeinung verdammt
sind. Es bleiben, wie gesagt, vermutlich nicht viele übrig, die demnach
die himmlische Seligkeit erlangen.
Papst oder Christus – wem folgen wir?
Aus diesen Gegebenheiten könnte sich auch der Papstkult
erklären, denn viele Kirchenchristen müssen ja verunsichert sein, wenn
sie sich einmal ernsthaft mit ihrem Glauben auseinandersetzen. So
klammern sie sich lieber an eine Person als Leitfigur und stellen das
Nachdenken mehr oder weniger ein. Überdies heißt ein Dogma: „Dem
römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum
Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir.“
(Neuner-Roos Nr. 430).
Wobei man hier schon einmal die Frage stellen sollte: Was hat eigentlich
Jesus, der Christus, gesagt? Sprach auch Er davon, es sei Pflicht, sich
einem römischen Papst zu unterwerfen, der sich – wie wir alle wissen –
„heiliger Vater“ nennen läßt? Das Gegenteil können wir sogar in der
Bibel der Katholiken und Protestanten nachlesen. Dort heißt es
bekanntlich bei Matth. 23, Vers 8-9: »Ihr aber sollt euch nicht Rabbi
nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister. Ihr alle aber seid
Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur
einer ist euer Vater, der im Himmel.«
Jesus hat auch keine ewige Hölle gelehrt. Doch die katholische Kirche
befindet: „Wer behauptet, die Furcht vor der Hölle, durch die wir im
Schmerz über die Sünden zu Gottes Barmherzigkeit unsere Zuflucht nehmen
oder uns des Sündigens enthalten, sei Sünde oder mache den Sünder noch
schlechter, der sei ausgeschlossen.“ (Randnummer 826)
Das heißt im Klartext: Wenn Menschen Angst vor dieser ewigen Hölle
haben, wenn sie sich darüber Gedanken machen und denken, diese Furcht
wäre schlecht oder wäre eine Sünde oder diese würde sie noch mehr
deprimieren, dann sagt ihnen die Kirche: Nein, diese Furcht ist in
Ordnung, diese Furcht muß man sogar haben. Und wer diese Furcht
nicht gut und förderlich findet, der sei ausgeschlossen, gleich, der sei
verdammt. – Da kommt natürlich der Verdacht auf, daß die Kirche diese
Verdammungslehre als Machtinstrument erfunden hat und auch sehr
nachhaltig als solches benutzt.
Man vergegenwärtige sich, daß sich kirchliche Lehre auf folgende
Gesichtspunkte reduzieren läßt: Ein Mensch lebt 60 bis 70 Jahre. In
dieser Zeit entscheidet sich sein ewiges Schicksal. Wenn er nicht an
jedes Dogma und nicht an jedes Sakrament glaubt, das seine Kirche lehrt,
und in diesem Zweifel stirbt, landet er für ewig in der Hölle. Er hat
keine Chance. Und das in einem kurzen Erdenleben. Eine zweite Chance
bekommt er nicht. Wenn das kein Machtinstrument ist, um die Leute an der
Kandare zu halten!
Welch ein ausgeprägtes und massives Machtstreben dahintersteckt, kann
man auch erkennen, wenn man sich den Wortlaut so manchen Dogmas bzw. so
mancher Lehraussage zu Gemüte führt. Z.B. heißt es unter Randnummer 905:
„Ferner bestimmen Wir: Wie Gott allgemein angeordnet hat, steigen die
Seelen derer, die in einer tatsächlichen schweren Sünde verschieden,
sofort in die Hölle hinab, wo sie von höllischen Qualen gepeinigt
werden.“
Hier wird schon deutlich, wer das Sagen hat, denn die Kirche bestimmt,
was Gott „allgemein angeordnet“ hat. Diese „Anordnung Gottes“ läßt sich
natürlich nirgendwo finden. Die Kirchenoberen nehmen sich einfach das
Recht heraus, Gott vorzuschreiben, was Er zu bestimmen hat.
Fatale Auswirkungen
der Verdammungslehre
Doch bei vielen Gläubigen verfehlt diese Drohung mit der
ewigen Verdammnis ihre Wirkung nicht! Wir berichteten in Kapitel 2 schon
davon, welche verheerenden Auswirkungen auf die seelische Gesundheit
vieler Menschen diese Verdammung des Menschen zur Folge hat. Daß der
enorme Druck, den die Kirche auf ihre Gläubigen ausübt, Folgen hat,
nimmt nicht wunder, wenn man sich einmal klar macht: Menschen müssen
glauben, daß Gott nicht ein Gott der Liebe ist, sondern daß er es unter
Umständen fertigbringen kann, sie auf ewig in die Hölle zu verdammen. –
Kein Vater, keine Mutter würde so etwas übers Herz bringen!
Auch die Lutherkirche hat die ewige Verdammnis festgeschrieben, wie im
Augsburger Bekenntnis, Artikel 17, nachzulesen ist. Deshalb werden die
„verworfen, die lehren, daß die Teufel und die verdammten Menschen
nicht ewige Pein und Qual haben werden.“ (CA XVII)
Obwohl viele Protestanten den genauen Wortlaut ihrer Glaubenssätze oft
nicht kennen, steckt die Angst vor der ewigen Verdammnis, vor der
„ewigen Pein und Qual“ doch fest in den Köpfen bzw. im
Unterbewußtsein – und führt letztlich bei vielen zu ekklesiogenen
Neurosen. Im übrigen: auch bei den kirchlichen Amtsträgern.
Ein ehemaliger protestantischer Pfarrer, heute Urchrist, sagt dazu:
„Es wundert mich nicht, daß unter den vielen kranken Theologen oder
Christen so viele Evangelische sind, denn nach der evangelischen
Glaubenslehre gibt es keinen freien Willen, das heißt: Der Mensch kann
sich noch nicht einmal aus freiem Willen für diese Lehre entscheiden
oder dagegen. Laut evangelisch-lutherischer Lehre streiten Gott und der
Satan um die Seele des Menschen, und es gibt eine Vorhersehung für das
Heil. Folglich wird dann auch ‚vorhergesehen’, wer dieses Heil nicht
erlangt. Das kann bei denen, die das ernsthaft glauben, zu ganz
furchtbaren psychischen Erkrankungen führen; deshalb ist die hohe Zahl
der durch die kirchliche Lehre erkrankten Protestanten für mich kein
Wunder.
Für mich als ehemals Evangelischem ist interessant, daß die evangelische
Kirche noch einige weitere Kriterien für die Verdammnis hat, die ich bei
den Katholiken gar nicht gefunden habe. Z.B. heißt es in den
Bekenntnisschriften, zusammengefaßt in der Augsburger Konfession, wo von
rechtmäßigen Kriegen die Rede ist, wörtlich:
‚Hiermit werden die verdammt, die lehren, daß das oben Angezeigte
unchristlich sei.’ (CA X VI) Wer also sagt, ein ‚gerechter Krieg’ wäre
unchristlich – auch der wird verdammt.“
Den Verharmlosungen zum Trotz:
Die Lehrbücher sind verbindlich!
Der ehemalige Pfarrer fährt fort: „Ich habe in der
Kirche, als ich da noch war, natürlich erlebt, daß das alles verharmlost
wurde, so nach dem Motto: ‚Na, das war damals eine andere Zeit’. – Aber
das stimmt nicht! Diese offiziellen Bekenntnisschriften der
evangelisch-lutherischen Kirche, die gelten nach wie vor! Man kann
sagen, so liberale Pfarrer, die alles etwas lockerer sehen, die kommen
und gehen – doch das ist nicht maßgeblich. Maßgeblich sind die Dogmen
der katholischen Kirche oder die Bekenntnisschriften der evangelischen
Kirche. Und sobald der Zeitgeist wieder etwas strenger wird, dann wird
es auch wieder deutlicher gesagt werden. Deshalb sei noch einmal darauf
hingewiesen: Maßgeblich ist das, was in den genannten Büchern steht,
nicht das, was einige Pfarrer und Priester zu verharmlosen versuchen,
indem sie sagen: ‚Das ist ja alles nicht so schlimm.’ – Es ist leider
tatsächlich so schlimm.“
Genau jene Pfarrer, die etwas liberaler mit manchen Glaubenssätzen
umgehen – und die gibt es auch bei den Katholiken –, sind aber laut
Lehrmeinung der katholischen Kirche ebenfalls verdammt. Es heißt unter
Randnummer 57: „Wer sagt, es sei möglich, daß man den von der Kirche
vorgelegten Glaubenssätzen entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft
gelegentlich einen anderen Sinn beilegen müsse als den, den die Kirche
verstanden hat und versteht, der sei ausgeschlossen.“
Erhöhte
Selbstmordgefahr
unter Kirchenmitgliedern
Die Dogmen wirken offensichtlich im kollektiven
Unterbewußtsein der Menschen noch lange nach, länger als wir glauben.
Wir lasen schon im Kapitel 2 (S. 92 ff) sinngemäß: Auch wenn die
Menschen im Oberbewußtsein gar nicht mehr an Gott glauben – es wirkt
noch.
Das Gleiche stellte ein Forscher, Udo Grashoff, fest. Er wollte die
Ursachen für Selbstmord untersuchen. Denn nicht bzw. lediglich
unzureichend verarbeitete Ängste aufgrund der Drohbotschaft der Kirchen
haben nicht nur neurotische Erkrankungen zur Folge – es geht bis hin zum
Selbstmord.
Grashoff ging der Frage nach, ob in der ehemaligen DDR mehr Menschen
Selbstmord begangen haben als in der ehemaligen Bundesrepublik. Dabei
stieß er auf überraschende Zusammenhänge: In Sachsen und Thüringen gab
es früher lange Zeit erhöhte Selbstmordraten, die sich jedoch im Laufe
der ehemaligen DDR-Zeit verringerten. Und Grashoff zog den Schluß, das
seien Nachwirkungen der Tatsache, daß diese Gegend früher sehr stark
durch die evangelische Kirche geprägt war. – Die Auswirkung dieses
Einflusses schwächte sich erst zögernd ab. In einem Interview im „Focus“
(19/06) sagte Grashoff: „Die Freitodneigung ... ging in der DDR in
dem Maße zurück, wie auch die strenge evangelisch-lutherische Prägung
zerfiel, die gerade in Sachsen und Thüringen tief wurzelte.“
Zu berücksichtigen ist, daß es sich bei dieser Region um die Heimat von
Martin Luther handelt. Der Forscher faßt seine Erkenntnisse
folgendermaßen zusammen: „Konfession ist ein ganz wesentlicher
Faktor, um die Selbstmordhäufigkeit zu erklären.“
Entsprechende Erscheinungen zeigen sich auch auf der katholischen Seite.
Wie in Kapitel 2 bereits dargelegt, fand man in der Universität Würzburg
vor einigen Jahren heraus: Die Region Würzburg ist eine Hochburg der
Selbstmörder. „Stadt und Landkreis weisen die höchste Selbstmordrate
Deutschlands auf“. („Main Post“, 3.7.1999) Auch hier wird diese
Gegebenheit darauf zurückgeführt, daß diese Stadt sehr stark katholisch
geprägt ist. „Wenn in Würzburg einer arbeitslos wird, dann wird
darüber geredet, dann fällt er raus, dann ist das eine Schande.“
Daraus können wir ersehen: Im Unterbewußtsein wirkt das Urteil „der ist
ausgeschlossen“ weiter. Es wird dann übertragen auf den sozialen
Bereich: Wer keine Arbeit hat, ist ausgeschlossen. Den
Ausgrenzungs-Mechanismus, den die Bürger in der Kirche gelernt haben,
wenden die unter dem Einfluß der Kirche Stehenden dann auch auf ihre
Mitmenschen an.
Auch die „Tradition“ muß geglaubt werden –
Widersprüche, im „Geheimnis“ vernebelt
Es ging bislang „nur“ um die Dogmen oder um die
Glaubenssätze. Wir hörten jedoch, daß nach der Randnummer 85 im Buch von
Neuner und Roos „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der
Lehrverkündigung“ darüber hinaus verlangt wird, daß die gesamte
kirchliche Überlieferung angenommen wird, also nicht nur die Dogmen,
nicht nur die Glaubenssätze – sondern auch die „Tradition“. Wer genau
nachliest, wird sogar finden, daß bestimmte Äußerungen und Meinungen von
einzelnen Theologen ebenfalls darunter fallen. Wer also nicht diese
Überlieferung in allen Teilaussagen glaubt, „der sei ausgeschlossen“.
Daraus ergibt sich die Frage: Was wird denn in dieser kirchlichen
Überlieferung alles verlangt? Denn die meisten wissen ja gar nicht, was
kirchliche Überlieferung ist und was sie umfaßt, geschweige denn, ob sie
eventuell dagegen verstoßen.
Im Folgenden nun einige Beispiele, damit Sie, liebe Leserinnen, liebe
Leser, wissen, auf welchem Glatteis Sie sich befinden.
Unter Randnummer 98 findet man beispielsweise das Dogma:
„Wer nicht alle Bücher der Heiligen Schrift mit allen ihren Teilen,
wie sie die Kirchenversammlung von Trient anführte, als heilige
kanonische Schriften anerkennt, oder wer leugnet, daß sie von Gott
eingegeben sind, der sei ausgeschlossen.“ (S. 82)
Das betrifft besonders alle diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben,
wissenschaftlich nachzuforschen, wie die Bibel zustande gekommen ist,
unter Umständen aufgrund von Bedenken, ob alles, was in der Bibel steht,
wirklich in die Bibel so hineingehört, oder ob diese gefälscht wurde.
Sobald einer auch nur einen leisen Zweifel an der Authentizität der
Bibel hegt, ist er, wie soeben zu lesen war, schon ausgeschlossen.
An alle Schriften glauben heißt folglich, daß ich auch alles glauben
muß, was im Laufe von Jahrhunderten in das sogenannte Alte Testament
hineingeschrieben wurde. Lese ich dieses Buch, so stelle ich fest, daß
es vor Blut nur so trieft. Gott hat angeblich zu Mord und Totschlag
sowie zu blutigen Tieropfern aufgerufen. Dieses Alte Testament ist
insofern über weite Strecken eines der grausamsten Bücher der
Weltgeschichte. Und all das soll Gegenstand meines Glaubens sein?
Andererseits soll ich auch an das sogenannte Neue Testament glauben, in
dem Jesus von Nazareth die Nächstenliebe gelehrt hat und vom gütigen
Vater im Himmel spricht. Soll ich nun an den zornigen, mörderischen Gott
des Alten Testaments glauben oder an den gütigen Vater des Neuen
Testaments? Hat Jesus, der Christus, gar unwahr gesprochen?
Für diese Divergenzen hat die Kirche ein probates Mittel gefunden. Die
Absurdität dieser Widersprüche wird kurzerhand zum Glaubenssatz erhoben,
denn unter Randnummer 55 des Buches von Neuner und Roos ist, wie in
anderem Zusammenhang schon angeführt, bestimmt:
„Wer sagt, in der göttlichen Offenbarung gebe es nicht wahre
Geheimnisse im eigentlichen Sinn, sondern alle Glaubenssätze könnten
durch die richtig gebildete Vernunft von den natürlichen Grundsätzen aus
verstanden und bewiesen werden, der sei ausgeschlossen.“ Es ist
etwas verklausuliert dargelegt, heißt aber im Klartext: Dieser
Widerspruch, diese Widersprüchlichkeit, sei ein „Geheimnis“. Und wer
glaubt, mit der Vernunft sei dieser Widerspruch zu entschlüsseln, der
sei ausgeschlossen. Das erinnert an den Satz: „Credo quia absurdum“ –
ich glaube, weil und obwohl das, was ich glauben soll, absurd ist.
Hätte Jesus jemals so etwas gelehrt?
Von
Jesus klare Aussagen.
Er kannte keine „Geheimnisse“.
Was Jesus, der Christus, die Menschen lehrte, das finden
wir auch in der Bibel, und zwar in der Bergpredigt, dort heißt es in
Matthäus 5 z.B.:
„Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.“
„Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.“
„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt
werden.“
Schon damals sprach Jesus:
„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der
Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich
kommen.“ (Mt 5, 20)
Und Jesus lehre uns das Beten, indem Er uns auftrug, nicht wie die
Heuchler in den Synagogen mit vielen Worten zu beten, sondern Jesus
sprach:
„Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch
das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6, 6)
Jesus erklärte uns:
„Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer
himmlischer Vater auch euch vergeben.“ (Mt 6, 14) „Wenn ihr aber
den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen
auch nicht vergeben.“ (Mt 6, 15)
Und Jesus, der Christus, gab uns die Goldene Regel, die in allen
Lebenslagen angewendet werden kann:
„Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin
besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Mt 7, 12) – ein ganz kurzer
und für jedermann zu verstehender Glaubenssatz, der die Welt zum Guten
führen kann. Doch nur, wenn er auch angewendet wird, denn der Nur-Glaube
führt uns Menschen auf keinen Fall zu Gott. Deshalb sprach Jesus von
Nazareth am Ende der Bergpredigt:
„Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger
Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ (Mt 7, 24)
Und dieser Fels, auf den wir bauen sollen, ist natürlich nicht der
Papst, sondern es ist der Christus Gottes, Der inwendig im Menschen
wohnt!
Am Ende der Bergpredigt heißt es: „Als Jesus diese Rede beendet
hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie
wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“
(Mt 7, 28-29)
Wie Sie sich
und Ihre Kinder
schützen können.
Wer möchte, kann diese Aussagen in Matthäus 5 und 6 all
den Dogmen, Glaubenssätzen, Lehranweisungen etc. jeweils
gegenüberstellen, die wir in diesem Kapitel wiedergegeben haben. Prüfen
Sie! Vielleicht kommen Sie zu einem ähnlichen Ergebnis.
Man kann natürlich die Meinung vertreten, diese Glaubenssätze beträfen
eben jene, die daran glauben. Was an all dem, was wir Ihnen unterbreitet
haben, interessant für Sie sein könnte, ist, daß Sie sich über die
konfessionellen Glaubenssätze keine eigenen Vorstellungen machen dürfen,
solange Sie Mitglied der Vatikankirche sind. Es gibt sicher viele
Katholiken, die bestimmte Vorgänge, bestimmte Handlungen auf ihre Weise
interpretieren. Doch es ist dringend anzuraten, diesbezüglich Vorsicht
walten zu lassen. Lesen Sie einmal das Buch von Neuner-Roos durch. Sie
werden feststellen: Sie leben äußerst gefährlich. Wenn Sie von der
herrschenden, dogmatischen Meinung auch nur um ein Quentchen abweichen,
dann sind Sie – so verfügt es die Kirche – ausgeschlossen, das heißt,
für ewig verdammt.
So mancher wird gemerkt haben, daß fast niemand in der Lage sein wird,
all diese Vorgaben so zu erfüllen, wie sie in dem Buch von Neuner-Roos
niedergelegt sind. Warum nicht? Sie widersprechen in vielen Aspekten dem
logisch geprägten – man könnte auch sagen „normalen“ – Menschenverstand,
so daß es äußerst schwierig sein dürfte, dagegen nicht zu
verstoßen.
Daher auch hier wieder die Frage: Was wäre den Leserinnen und Lesern zu
raten? Wie können sie sich schützen vor dieser ihnen angedrohten ewigen
Höllenpein? Wie können sie sich retten?
Ganz einfach: Indem sie diese Institutionen verlassen, die ihnen eine
solche Verdammungslehre aufzwingen wollen, die sie a) selbst nicht
halten und die b) auch kein Mensch in der Lage ist, zu halten. Deshalb
könnte man sich an der Offenbarung des Johannes orientieren, in der zu
lesen ist: „Gehet hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt
ihrer Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen.“ (Off 18, 4)
Ergänzend dazu möchten wir von einem Vorgang berichten, der sich
unlängst ereignete: Ein Mitmensch trat aus der Kirche aus und schrieb in
diesem Zusammenhang an das Bischöfliche Ordinariat einen Brief.
Daraufhin erhielt er eine interessante Antwort von Dr. Hermann Steidel,
dem Kanzler des Bischöflichen Ordinariats Innsbruck. Dieser bischöfliche
Vertreter schrieb: „Eine Beendigung der Zugehörigkeit zur
katholischen Kirche ist nach deren Selbstverständnis nicht möglich und
auch nicht vorgesehen. Was den von Ihnen angesprochenen Kirchenaustritt
betrifft, so ist dieser eine Einrichtung des religiös-neutralen Staates,
durch die dieser seinen Bürgern ermöglicht, sich für den staatlichen
Rechtsbereich den Folgen der Zugehörigkeit zu einer Kirche oder
Religionsgemeinschaft zu entziehen. Dieser staatliche Kirchenaustritt
hat keine Auswirkungen auf die korporative Zugehörigkeit zur
katholischen Kirche. Das heißt: Der Ausgetretene bleibt aus der Sicht
der katholischen Kirche weiterhin Katholik. Die katholische Kirche
wertet diesen Abfall aber als formellen Abfall von der katholischen
Kirche und sanktioniert dieses öffentliche Lossagen von ihr mit
verschiedenen Rechtsbeschränkungen. Unbeschadet dessen bleiben jedoch
die von Ihnen erwähnten Sakramente gültig. Wurden sie einmal gültig
gespendet, so können sie durch keine Macht der Welt ausgelöscht werden.“
(Brief vom 14.9.1998 – liegt der Redaktion vor)
Sollten Sie Kinder haben, überlegen Sie sich also gut, ob Sie diese in
eine solche Institution geben, ob Sie ihnen einen solchen Makel
aufstempeln lassen wollen, von dem diese Institutionen behaupten, daß
man ihn nicht mehr rückgängig machen kann.
Wenn eine Kirche von sich behauptet, diese Macht über die Menschen zu
haben, dann ist es gut, in einem Staat zu leben, in dem die Menschen
Freiheitsrechte garantiert bekommen – auch und gerade gegenüber solchen
religiösen Institutionen, die so schwerwiegend und mit so leidvollen und
schlimmen Folgen auf alle die Menschen einwirken, die sich von ihnen
vereinnahmen lassen.
Politiker, wahrt Neutralität!
Entscheidet unabhängig vom Stuhl Petri!
Betrachten wir in Deutschland die politische Landschaft,
so stellen wir fest, daß in großen Teilen Deutschlands Parteien
regieren, die in ihrem Parteinamen das Wort „christlich“ führen – die
CSU in Bayern und die CDU im Rest Deutschlands.
„Christlich“ ist jedoch etwas anderes als lutherisch oder vatikanisch.
Christlich – das wurde schon mehrfach dargelegt – ist das, was Jesus,
der Christus, die Menschen lehrte. Christlich ist sozial, immer
verbunden mit hohen ethischen und moralischen Werten. So kann man nur
hoffen, daß sich die deutschen Parteien, die sich christlich nennen,
nicht an die Institutionen Lutherisch oder Vatikanisch anlehnen. Denn
lehnen sie sich an die Romkirche und an die Lutherkirche an, dann werden
sie genauso gefährlich wie diese Institutionen. Wir dürfen nicht
vergessen: Adolf Hitler zum Beispiel hat sich auf Luther berufen, und er
selbst war Katholik. Wir wissen, was Hitlers Credo war; wir wissen, was
Luthers Credo ist. Wir wissen, was das Credo der Vatikankirche ist.
Dieses finden wir in dem Buch von Neuner-Roos unter der Randnummer 382,
wo es heißt:
„Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung die Pflicht, aufs
gewissenhafteste das Gut des göttlichen Glaubens unversehrt und
vollkommen zu bewahren und beständig mit größtem Eifer über das Heil der
Seelen zu wachen. Deshalb muß sie mit peinlicher Sorgfalt alles
entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil
irgendwie schaden könnte.“
Wenn Sie einmal in einem der Wörterbücher nachlesen, wie z.B. im Duden,
was „ausmerzen“ bedeutet – es heißt: „radikal entfernen“. Und unter dem
Stichwort „radikal“ findet man unter anderem die Definition: „mit
Rücksichtslosigkeit und Härte vorgehend; bis zum Äußersten gehend; ohne
Rücksichtnahme, rigoros durchgreifend.“
Hoffen wir und beten wir, daß unsere Regierung und unsere
Regierungsparteien mit der Bezeichnung „christlich“ in ihrem Namen zur
Neutralität stehen, die in unserer Verfassung verankert ist – sowohl in
der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, in unserem Grundgesetz,
als auch in der Bayerischen Verfassung.
Wenn unsere politischen Parteien, insbesondere die mit dem C im Namen,
diese Verfassung beachten, dann brauchen sie sich nicht von einer
Vatikan- oder von einer Lutherkirche einschüchtern zu lassen. Dann
brauchen sie keine Angst zu haben vor der Drohung mit der ewigen
Verdammnis oder mit der ewigen Höllenpein. Sie können ihrer Vernunft
folgen, sie können auch ihrer Vorstellung von Ethik und Moral – wie sie
von Jesus, dem Christus, gelehrt wurde - folgen, und sie können sich
frei entscheiden. Dann sind sie unabhängig von dem, der auf dem Stuhl
Petri sitzt.
Sie wissen, liebe Leserinnen, liebe Leser, daß dieser Stuhl mit Jesus,
dem Christus, nichts zu tun hat. Daß viele dies aufgrund der Fakten
erkennen, das war und ist unser Anliegen, damit jeder frei entscheiden
kann, wem er angehören möchte. Jeder mag sich nennen, wie er möchte –
lutherisch oder protestantisch oder vatikanisch oder römisch-katholisch
–, solange er nicht für sich in Anspruch nimmt, seine Lehre, die der
Lehre des Jesus, des Christus, diametral entgegenläuft, habe etwas mit
Jesus, dem Christus, zu tun.
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