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Für gute Analytiker:
Wer sitzt auf dem Stuhl Petri? (9)
Das unheilige Leben der „heiligen
Väter“.
Das Ausmaß der Sexualverbrechen durch
Kirchenfunktionäre kommt mehr und mehr
ans Tageslicht
Inhalt:
Der Stuhl Petri in der Geschichte - ein Sündenpfuhl.
Lasterhaftigkeiten, Grausamkeiten aller Art, Gewalt, Raub, Mord
Der Stuhl Petri baute vor. Im Codex Juris Canonici:
„Der Papst kann von niemandem vor Gericht gezogen werden.“
Vieltausendfacher Mißbrauch von Kindern durch
Priester: Sexualverbrechen, Schändung mit schweren, lebenslangen Folgen
für die Opfer
Vatikan fordert zu Vertuschung der Delikte auf.
„Größte Geheimhaltung“ – sonst Exkommunizierung
Bedenklich hoher Anteil an pädophilen und
verbrecherischen Priestern.
Wer sein Kind diesen anvertraut ...
Kinderschänder auch in der Lutherkirche kein
Einzelfall
Traumatisierte und seelisch geschädigte Opfer werden
häufig selber straffällig. Ein Appell an Eltern, ihre Kinder nicht
diesen Gefahren auszusetzen
Sie lesen nun den Inhalt der 9. Folge der Sendereihe: »Für gute
Analytiker – Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?«. Nachdem es das vorige Mal
darum ging, wie es mit der „Heiligkeit“ der sogenannten „Heiligen“
bestellt ist, wenden wir uns nun einer anderen Personengruppe zu, die
sich als „heilig“ bezeichnet; es sind die sogenannten „heiligen Väter“.
Gerade im Jahr 2005 ist ja aufgrund verschiedener großer Medienspektakel
das Wort „Heiliger Vater“ in allen Medien zu hören gewesen. Viele
unserer Zuhörer haben uns gebeten, einmal diese „heiligen Väter“ in der
Vergangenheit und auch bis hinein in die Gegenwart zu beleuchten. Wir
kommen diesem Wunsch gerne nach und befassen uns heute also mit dem
Leben und dem Wirken der sogenannten „heiligen Väter“.
Der Stuhl Petri in der Geschichte –
ein Sündenpfuhl.
Lasterhaftigkeiten, Grausamkeiten aller Art, Gewalt,
Raub, Mord ...
Blicken wir in die Geschichte, so ragt schon im 4. Jahrhundert ein
Vertreter dieser sogenannten „heiligen Väter“ heraus, einer, der nicht
nur Papst war, sondern auch heiliggesprochen wurde, was ja durchaus
nicht bei allen Päpsten der Fall ist, nämlich Damasus I. Näheres über
ihn ist z.B. im zweiten und dritten Band der „Kriminalgeschichte des
Christentums“ von Karlheinz Deschner zu lesen: Damasus regierte 18 Jahre
lang in Rom von 366 bis 384; das war für die damalige Zeit sehr lange.
Schon die Umstände seiner Machtergreifung waren allerdings äußerst
gewaltsamer Natur: Er verfügte über gewisse Geldmittel und mietete sich
eine regelrechte Schlägertruppe aus Fuhrmännern, Zirkusleuten und
Totengräbern und befahl dieser Meute, eine Kirche zu stürmen, die in Rom
an der Stelle der heutigen Basilika Santa Maria Maggiore steht. In
dieser Kirche hatten sich nämlich seine Gegner verschanzt. Es gab einen
Gegenpapst, namens Ursinus. Die Schlägertruppe des Damasus stürmte also
die Kirche, zündete sie an und erschlug über 100 Anhänger der
Gegenseite.
Solche Vorkommnisse ereigneten sich übrigens in der Kirchengeschichte
relativ häufig. Es war keine Seltenheit, daß man
Meinungsverschiedenheiten unter angeblichen Christen auf derartige Weise
austrug.
An den Händen von Papst Damasus klebte somit reichlich Blut, wie auch an
den Händen vieler Päpste nach ihm. Er ließ auch sogenannte Häretiker
gnadenlos verfolgen und spannte hierfür den Staat ein. Damasus war
jedoch noch auf andere Weise bemerkenswert: Er führte ein Luxusleben.
Der römische Geschichtsschreiber Amianus Marcellinus berichtet darüber:
„Er fährt nur noch in Kutschen einher, ist prunkvoll gekleidet und läßt
sich so reichliche Schmäuse herrichten, daß seine Tafel selbst ein
Königsmahl in den Schatten stellt.“
Karlheinz Deschner schreibt in seiner „Kriminalgeschichte des
Christentums“ (Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums“, Band 3, S. 496) unter anderem noch folgendes über ihn: „Durch seine
Vertrautheit mit reichen Christinnen profitierte der »Ohrenkitzler der
Damen«“ – so hat man ihn damals genannt – „derart, daß an ihn 370 ein Kaiserreskript erging, das energisch die Erbschleicherei des Klerus
verbot.“
Damasus war also ein erfolgreicher Erbschleicher. Der Kaiser gab einen
Erlaß heraus, mit dem er verbietet, „Geistlichen und Mönchen, die Häuser
der Witwen und Waisen aufzusuchen, und erklärt sämtliche Schenkungen und
Vermächtnisse von diesen sowie anderen Frauen, die unter religiösem
Vorwand das Opfer erpresserischer Priester werden sollten, für
ungültig“. (Karlheinz Deschner, a.a.O., Bd. 3, S. 505) Allerdings wurde diese Anordnung schon 20 Jahre später
wieder aufgehoben.
Jetzt ist die Frage: Weshalb wurde Damasus heiliggesprochen? – Wohl
nicht wegen dieser Kaskade von Verbrechen, sondern: weil er Hieronymus
beauftragte, die Bibel neu herauszugeben. Wir wissen ja, daß dieser
dabei etliche Veränderungen vornahm, die im Sinne der Kirche waren. Das
ist wohl das Verdienst, das seinem Auftraggeber, Papst Damasus, die
Heiligsprechung eingebracht hat.
Schaut man etwas genauer in die fast 2000jährige Papstgeschichte, so
findet man viele Päpste, die mit Verbrechen aller Art behaftet waren.
Von einem ausschweifenden Leben mit vielen Mätressen, über Inzest und
Simonie bis hin zu Meuchelmord und Totschlag ist so ziemlich alles
anzutreffen.
Fahren wir fort mit Innozenz I.: Von ihm ist überliefert, daß er sich
mit Vorliebe mit jungen Mädchen vergnügt haben soll.
Auch von Sixtus III. ist Ähnliches zu verzeichnen. Unter anderem ließ
er, Berichten zufolge, die reife Nonnenschaft an seiner Manneskraft
teilhaben. Laut Autor Nigel Cawthorne, dessen „Skandalchronik des
Vatikans“ (Nigel Cawthorne, „Das Sexleben der Päpste - Die
Skandalchronik des Vatikans“, 1999, Benedikt Taschen Verlag GmbH, engl.
1996) wir diese Beispiele entnahmen, kam er dafür sogar vor
Gericht. Als der Papst aber das Beispiel von Jesus ins Feld führte, daß,
wer ohne Schuld sei, den ersten Stein werfen soll, fand sich keiner der
anwesenden Prälaten in der Lage, den ersten Stein zu werfen.
Doch das ist wohl noch eine kleinere Sünde, verglichen mit den
Verbrechen von z.B. Papst Johannes XII. Von ihm heißt es: „Er stahl den
Kirchenschatz und flüchtete zu den Feinden Roms.“ Dafür wurde er von der
Synode durch Leo VIII. ersetzt. Er kehrte jedoch wieder zurück, setzte
sich wieder auf den Stuhl Petri und wurde gewalttätig. Cawthorne
berichtet: „Er schnitt dem Kardinaldiakon Nase, Zunge und zwei Finger
ab, häutete Bischof Otger, schnitt Notar Azzo den Kopf ab und
enthauptete 63 Geistliche und Adelige Roms.“
Doch dann kam sein Ende. Wörtlich: „Im Verlauf der Nacht des 14. Mai
964, während er verbotenen und schmutzigen Verkehr mit einer römischen
Matrone hatte, wurde er vom wütenden Ehegatten der Matrone im Akt der
Sünde überrascht und mit einem Hammer erschlagen.“ (Nigel Cawthorne,
a.a.O., S. 80)
Nun geht es um zwei Päpste, die – zufällig – den gleichen Namen tragen
wie der derzeit amtierende Inhaber des Stuhles Petri. Zunächst zu
Benedikt VIII.: Er konnte nur Papst werden, weil er zuvor seinen
Vorgänger ermordete. Der Erzbischof von Narbonne beschuldigte ihn des
Meuchelmords, des Wuchers, des Einsatzes von Gewalt zur Erlangung von
Beichtgeheimnissen, des Lebens im Konkubinat mit zweien seiner Nichten,
sowie Kinder von ihnen zu haben, und der Verwendung von Ablaßgeldern, um
einen Krieg zu finanzieren. Papst Viktor III. erwähnte noch
„Vergewaltigungen, Morde und andere Abscheulichkeiten“, und auch Bischof Beno
klagte ihn vieler Ehebrüche und Morde an. (Nigel Cawthorne, a.a.O., S.
91)
Von Benedikt IX. ist überliefert, daß er mit seinen soeben 12 Jahren
wohl einer der jüngsten Päpste auf dem Stuhl Petri war. Er habe schon
„früh eine Neigung zu allen Arten der Lasterhaftigkeit gezeigt“,
heißt es. „Er war bisexuell veranlagt, hatte Geschlechtsverkehr mit
Tieren und ordnete Morde an. Außerdem beschäftigte er sich mit Hexerei
und Satanismus.“ Ein zeitgenössischer Beobachter schrieb: „Ein
Dämon aus der Hölle hat sich in der Verkleidung eines Priesters auf den
Stuhl Petri gesetzt.“ (Nigel Cawthorne, a.a.O., S. 92)
Benedikt IX. veranstaltete im Lateranpalast homosexuelle Orgien,
verkaufte das Papstamt an seinen Taufpaten, wohnte aber weiterhin im
Lateranpalast und verwandelte diesen in ein Bordell.
Könnte das, was der zeitgenössische Beobachter schon vor 1000 Jahren
über Benedikt IX. sagte, eventuell eine Antwort auf den Titel unserer
Sendereihe „Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?“ sein?: „Ein Dämon aus der
Hölle hat sich in der Verkleidung eines Priesters auf den Stuhl Petri
gesetzt.“
Gehen wir weiter zu Silvester II. Er unterbrach nur für 2 Monate das
Pontifikat von Benedikt IX. Man beschuldigte auch ihn bald, „dem
Satan näher zu stehen als Christus“. Er hinterließ viele Bücher über
Zauberei. (Nigel Cawthorne, a.a.O., S. 93)
Über Anaklet II. heißt es: Er soll blutschänderische Beziehungen zu
seiner Schwester und anderen Verwandten gepflegt haben, sich obendrein
eine Prostituierte als Geliebte gehalten und Nonnen vergewaltigt haben.
(Nigel Cawthorne, a.a.O., S. 105)
Paul II. „sah es gerne, wenn nackte Männer auf die Folter gespannt
und gemartert wurden. Er starb angeblich an einem Herzinfarkt, während
er mit einem seiner Lieblingsknaben Verkehr hatte.“ (Nigel Cawthorne,
a.a.O., S. 171)
Innozenz VIII. durfte man getrost „Vater“ nennen, hatte er doch acht
uneheliche Söhne und ebensoviele uneheliche Töchter. Der einzige
Unterschied zu den meisten anderen Päpsten ist, daß er sich offen dazu
bekannte und sie nicht als Neffen und Nichten ausgab, wie es sonst
üblich war. Von einem seiner Söhne heißt es: „Er streifte nachts durch
die Straßen, brach in Häuser ein und vergewaltigte jede Frau, die ihm
gefiel. Von seinem Vater, dem Papst, sei er dafür nie getadelt worden.“
1489 besuchte Erzbischof Morton die Abtei St. Albans und stellte fest,
daß die Mönche die Nonnen an die Luft gesetzt hatten, um an ihrer Stelle
Prostituierte aufzunehmen. Das Kloster sei ein „Meer von Samen und Blut“
(Nigel Cawthorne, a.a.O., S. 178), berichtete er dem Papst. Doch Innozenz VIII. meinte, es sei reine
Zeitverschwendung, dagegen vorzugehen. Denn selbst in der Kurie würde
man wohl kaum einen Priester ohne Konkubine finden.
Innozenz VIII. erteilte die Druckerlaubnis für das Buch „Der
Hexenhammer“ und verlieh dem Dominikanermönch Heinrich Institoris, der
es verfaßt hatte, die höchste Vollmacht als Inquisitor. Dadurch brachte
er unzähligen Menschen einen schrecklichen Tod.
Gehen wir einige Jahre weiter zu Alexander VI., dem Nachfolger von
Innozenz VIII. Er machte den Stuhl Petri endgültig zum Sündenpfuhl –
wobei man sich hier vielleicht streiten kann, ob er es nicht schon
vorher war. Nicht nur, daß er jede Nacht 25 der schönsten Freudenmädchen
Roms zu sich befahl, er hatte angeblich noch genügend Ausdauer, um seine
Tochter Lucretia zu schwängern und es mit deren Mutter und Großmutter zu
treiben. Viele Giftmorde gehen auf sein Konto. Dem ausschweifenden und
mörderischen Leben seines Sohnes Cesare, den er zum Kardinal gemacht
hatte, bot er keinen Einhalt.
Den Propheten Savonarola aus Florenz ließ er töten, weil dieser seinen
Lebensstil kritisierte.
Der zeitgenössische Historiker, Thomas Tomasi, protokollierte: „Es
wäre nicht möglich, all die Morde, die Vergewaltigungen und die Fälle
von Blutschande aufzuzählen, die jeden Tag am Hof des Papstes begangen
werden. Das Leben eines Menschen ist nicht lang genug, um die Namen
aller ermordeten, vergifteten oder bei lebendigem Leibe in den Tiber
geworfenen Opfer zu merken.“ (Nigel Cawthorne, a.a.O., S. 214)
Gerade war von Rodrigo Borgia die Rede, dem späteren Alexander VI., und
man fragt sich: Wie wird denn ein solcher Mensch Papst? Denn sein
Privatleben war ja vorher schon bekannt. Jedermann wußte doch, wessen
Geistes Kind der Mann war. Das können wir bei Nigel Cawthorne lesen, der
eine „Skandalchronik des Vatikans“ zusammenstellte und darin alle noch
verfügbaren Quellen zitierte. Es wurde bereits geschildert, wie Papst
Damasus an die Macht kam: durch Gewalt. Es gibt aber noch andere
Möglichkeiten, an die Macht zu kommen – so schreibt Nigel Cawthorne:
„Rodrigo Borgia war unter vier Päpsten Vizekanzler und hat in dieser
Position ungeheuren Reichtum angehäuft. Die von ihm gebotenen
Bestechungsgelder waren atemberaubend. Im Jahre 1492, als das Konklave
für die Papstwahl stattfand, verschenkte er reiche Abteien und ganze
Städte, wenn es um die Stimme eines einzelnen Kardinals ging. Manche
Kardinäle wollten Paläste, andere wollten Burgen oder Land oder Geld.“
Im Folgenden die Zusammenstellung einiger Beispiele, die damals
aufgeschrieben wurden: Z. B. verkaufte der Kardinal Orsini seine Stimme
für die Burgen Montecelli und Sariani; Kardinal Ascanio Sforza wollte
vier Maultierladungen Silber und das lukrative Kanzleramt der Kirche, um
seine Zustimmung zu garantieren. Der Kardinal Colonna bekam die reiche
Abtei Sankt Benedikt mitsamt aller dazugehörigen Domänen und
Patronatsrechte für sich und seine Familie auf ewige Zeiten. Der
Kardinal von Sankt Angelo verlangte das Bistum Porto, die dortige Burg
und einen Keller voll Wein. Alle hier Genannten erhielten das
Gewünschte, doch es fehlten noch einige Stimmen. Kardinal Savelli
erhielt die Civita Castellana, also eine ganze Stadt. (nach Nigel
Cawthorne, a.a.O.)
Die ausschlaggebende Stimme gehörte einem venezianischen Mönch. Er
wollte lediglich 5000 Kronen und eine Nacht mit Rodrigos Tochter, der
reizenden 12jährigen Lucrezia. Auch das wurde ihm gewährt. Mit der
Stimme von 22 Kardinälen in der Tasche wurde Rodrigo zum Papst Alexander
VI. erhoben. Gleichzeitig wurde sein lasterhafter 17jähriger Sohn Cesare
zum Erzbischof von Valencia ernannt, der seinerseits wenig später vom
Papst, also von seinem Vater, den Kardinalshut erhielt.
Wenn wir erfahren, was über das Zustandekommen der Papstwahl bekannt ist
und wie die einzelnen Päpste den Stuhl Petri erstiegen – durch Mord,
durch Bestechung, Stimmenkauf und Intrigen –, dann wird eines vollends
fragwürdig: Bis heute beruft sich jeder Papst darauf, er sei lückenlos
durch seine Vorgänger der unmittelbare Nachfolger Petri. Die Vorgänger,
die angeblich diese Kette bis zu Petrus bilden, sind zum Teil auf so
anrüchige Weise zu Päpsten geworden, wie eben geschildert. Kann sich da
eigentlich ein Papst von heute, von gestern oder vorgestern darauf
berufen, es gebe so etwas wie eine legitime Sukzession von Nachfolger zu
Nachfolger, wenn die Zwischenglieder doch durch Mord und Totschlag auf
den Papstthron kamen? Demnach beträfe die Frage, wie die einzelnen
kirchlichen Machthaber den Stuhl Petri erklommen haben, nicht nur die
Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart.
Immerhin wäre also die Berufung auf die Tradition in diesem Punkt doch
auch eine ganz interessante Tatsache, die zeigt, wem sich auch die
heutigen sogenannten „heiligen Väter“ in der Tradition verbunden fühlen
...
Die Frage der apostolischen Sukzession ist ohnehin eine Schimäre, weil
die Bischofslisten des ersten Jahrhunderts ausnahmslos gefälscht sind.
Und selbst wenn – damals schon – ein Bischof in Rom existiert hätte,
wenn dieser Bischof Petrus geheißen hätte, was auch historisch nicht
nachweisbar ist, dann wissen wir aus den vergangenen Sendungen, daß
diese Bischöfe damals noch nicht die Gemeinden leiteten, sondern sie
waren die Verwalter der Kassen und die Aufseher über die Vorräte. Diese
hatten gar keine spirituelle Aufgabe und auch keine spirituelle
Ausstrahlung. Also ist das Ganze von vorne bis hinten erfunden.
Kehren wir zurück zu den „Heiligen Vätern“ und weiteren Einzelheiten aus
ihren „Traditionen“:
Eine bessere Moral als viele seiner Vorgänger hatte auch Paul III. nicht
Auch hier verzweifelte ein zeitgenössischer Kommentator an der Aufgabe,
„die vielen ungeheuren und schrecklichen Elternmorde, Diebstähle,
Hexereien, verräterischen Taten, Tyranneien, Inzeste und beispiellosen
Hurereien dieses Papstes aufzuzählen“. (Nigel Cawthorne, a.a.O.) In der Tat vergiftete dieser
Papst seine Mutter und seine Nichte, um an das gesamte Erbe der Familie
zu gelangen. Er vergiftete noch andere, die nicht sofort seiner Meinung
waren. Zudem ist bekannt, daß er seine Schwester tötete, Blutschande mit
einer seiner eigenen Töchter beging und deren Mann vergiften ließ, um
sich ungenierter vergnügen zu können. Darüber hinaus soll er viele
tausend Huren gehalten haben, die ihm monatlichen Tribut entrichteten.
Und Paul III. ist nicht der einzige Papst, der Bordelle einrichtete und
sich daran bereicherte.
Paul III. verfolgte die Protestanten mit schonungsloser Brutalität. Es
heißt, sein Sohn und sein Enkel hätten bei einem Krieg gegen die
Lutheraner so viel Blut vergossen, daß die Blutströme tief genug waren,
daß Pferde darin hätten schwimmen können. Ein Chronist seiner Zeit
schrieb: „Während diese Metzeleien stattfanden, schwelgte der Papst
mit seiner Tochter Constanza in sinnlichen Freuden.“ (Nigel
Cawthorne, a.a.O., S. 252 )
Man könnte natürlich einwenden, das seien Einzelfälle aus der
Renaissance-Zeit, die ja für solche Dinge berüchtigt war. Doch
betrachten wir nur einmal die beiden größten Päpste der Antike, die
nicht nur heiliggesprochen, sondern auch zu Kirchenlehrern ernannt
wurden, nämlich Leo den Großen und Gregor den Großen (beide mit dem
Beinamen „der Große“!). An ihren Händen klebte ebenfalls sehr viel Blut.
Leo der Große (Amtszeit 440 – 461) ließ, wie in einer vorhergehenden
Sendung bereits erwähnt, mit blutrünstigen Gesetzen die sogenannten
Häretiker verfolgen und befahl den Katholiken, sie sollten die
Nicht-Katholiken meiden „wie todbringendes Gift“. Sie sollten nicht
einmal mit ihnen sprechen, keine Gemeinschaft mit ihnen haben. Er hetzte
also gegen Andersgläubige und ließ sie umbringen.
Gregor „der Große“ (Amtszeit 590 – 604) förderte nicht nur Aberglauben
und Höllenfurcht, rechtfertigte nicht nur die (auch in Kirchenkreisen
übliche) Sklaverei und die Folter gegen Andersgläubige, er umjubelte
auch den Thronräuber Phokas, der den byzantinischen Kaiser Maurikios
mitsamt seiner ganzen Familie ermordet hatte, als „Sendboten des
barmherzigen Gottes“. (Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums“, Bd. 4, S. 196)
Der Stuhl Petri baute vor. Im Codex Juris Canonici:
„Der Papst kann von
niemandem
vor Gericht gezogen werden.“
Angesichts der Fülle unglaublicher und grausamer Verbrechen, die die
Inhaber des Stuhles Petri im Laufe der Geschichte begingen, fragt man
sich, ob denn nie einer von ihnen zur Rechenschaft gezogen wurde. Hier
ist auf das Buch mit dem Titel „Strafsache Vatikan – Jesus klagt an“ zu
verweisen. Dieses Buch, geschrieben von Uli Weyland, beinhaltet die
Anklage gegen 46 der Inhaber des Stuhles Petri und zeigt ihre Verbrechen
auf, die vom Amtsmißbrauch über Erpressung, Fälschung und Justizmord bis
hin zur Unterstützung krimineller Vereinigungen und Kriegsverbrechen
gehen. Die Inhaber des Stuhles Petri schreckten auch nicht vor Verstößen
gegen die Menschenrechte zurück, vor Volksverhetzung und Völkermord. In
diesem Buch klagt Jesus selbst an, was die Inhaber des Stuhles Petri in
Seinem Namen getan haben, was jedoch in krassem Widerspruch zu Seiner
Lehre steht. Ein sehr spannendes Buch für alle, die sich über den
Hintergrund des Stuhles Petri informieren möchten.
Doch die Päpste haben sehr gut vorgebaut, daß ihnen kein Gerichtsprozeß
gemacht werden kann, daß sie für ihre schändlichen Taten nie zur
Verantwortung gezogen werden können. Im Codex Juris Canonici – dem
Gesetzbuch der katholischen Kirche – heißt es unter § 1404: „Der Papst
kann von niemandem vor Gericht gezogen werden.“
Die Sicherheit, nicht vor Gericht gezogen werden zu können, scheint auch
die heutigen Kirchenfürsten zu ermutigen, recht großzügig mit der
Rechtsordnung umzugehen. Dies zeigt ein Erlaß des jetzigen Papstes und
vormaligen Kardinals Josef Ratzinger, der sich auf die Verbrechen der
Priester der Katholischen Kirche bezieht, die an Kindern begangen
wurden. In diesem Erlaß ist festgelegt, daß diese Untaten zunächst
geheim bleiben müssen, bis das mißbrauchte und geschändete Kind
volljährig geworden ist, und auch danach muß noch zehn Jahre gewartet
werden. Es handelt sich um nichts anderes als um die Behinderung der
staatsanwaltschaftlichen Strafverfolgungsmaßnahmen. Das ist im deutschen
Recht, sicher auch in Italien und in anderen europäischen Staaten,
strafbar. Wäre der Papst bei seinem Besuch des Weltjugendtages nicht als
Staatsoberhaupt nach Deutschland gekommen, so hätte der
Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren einleiten müssen, und Papst
Benedikt XVI. hätte riskiert, daß man ihn vielleicht sogar verhaftet.
Wie man hört, ist jetzt in den Vereinigten Staaten ein solches Verfahren
tatsächlich angelaufen:
In einer Schweizer Zeitung, „Blick online“, vom 17. 8. 2005 steht unter
der Überschrift „Papst sucht Schutz bei Bush“ zu lesen: „In Texas läuft
ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Knaben, und auf der
Anklageliste“, es muß eine längere Liste sein – „sticht ein Name heraus,
»Josef Ratzinger«“. Und dann kommt es: „Eigentlich ist klar, Papst
Benedikt XVI. ist nicht nur Oberhaupt der Katholischen Kirche, er gilt
auch als Staatsoberhaupt und genießt somit diplomatische Immunität.
Dennoch gelangten seine Anwälte in einer delikaten Sache an den
US-Präsidenten. Sie haben George W. Bush, selber streng gläubig, um
Immunität für den Pontifex gebeten, denn der heutige Papst wird in einem
Zivilverfahren in Texas angeklagt. Im Prozeß geht es um die sexuelle Mißhandlung von drei Jungen durch einen Priesteranwärter. Die Kläger
werfen Ratzinger vor, als damaliger Leiter der Glaubenskongregation
gemeinsam mit dem Erzbistum Galveston-Houston die Vorfälle in den
Neunzigerjahren vertuscht zu haben. Und der Anwalt eines Opfers“, so
schreibt die Zeitung, „berief sich dabei auf einen Brief Ratzingers aus
dem Jahr 2001, darin heiße es, daß alle schweren Vergehen, wie der
Mißbrauch von Minderjährigen, von Ratzingers Kongregation behandelt
werden sollen.“
Vieltausendfacher Mißbrauch von Kindern
durch Priester: Sexualverbrechen, Schändung mit schweren,
lebenslangen Folgen für die Opfer
Wir haben uns jetzt aus der Vergangenheit in die Gegenwart bewegt. Das
unmoralische Verhalten von Kirchenfunktionären ist also nicht nur ein
historisches Faktum, sondern eine über die Vergangenheit hinaus gültige
Tatsache. Worum es heute geht, ist „Mißbrauch von Kindern“. Das klingt
relativ harmlos. Wenn man es im Klartext ausspricht und nicht in der
Verbrämung durch die Katholische Kirche, so handelt es sich dabei um
Sexualverbrechen von Kirchenfunktionären an Minderjährigen und
Abhängigen oder um Kinderschändung.
Wenden wir uns im Folgenden dieser in der Katholischen Kirche
verbreiteten „Tradition“ zu, um das Ausmaß dieser Verbrechen und kurz
auch die Auswirkung dieser Verbrechen auf die unschuldigen Opfer zu
beleuchten.
Vatikan fordert zu Vertuschung der Delikte auf.
„Größte Geheimhaltung“ – sonst Exkommunizierung
Man weiß, hier geht es nicht um Einzelfälle, sondern es sind Tausende
von Priestern, die sich der sexuellen Kinderschändung schuldig gemacht
haben. In „Spiegel online“ vom 17. 2. 2004 kann man nachlesen, daß ein
offizielles Gutachten im Auftrag der Amerikanischen Bischofskonferenz
ergeben hat, daß sich – allein in den USA – zwischen 1950 und 2002 fast
4500 Priester an Kindern vergingen. In diesem Zeitraum trafen bei den
195 Diözesen 10.667 Klagen ein. Man kann davon ausgehen, daß diese Zahl
viel zu niedrig ist, denn die meisten dieser Mißbrauchsfälle kommen gar
nicht an das Licht der Öffentlichkeit.
Von den Vertuschungsversuchen war ja soeben bereits die Rede. Gerade in
den USA hat sich diesbezüglich ein Kardinal sehr hervorgetan: Bernhard
Law. Er hat jahrelang von den sexuellen Mißbräuchen gewußt, ist aber
nicht gegen die Täter vorgegangen. Z.B. wurden gegen einen Täter seit
den achtziger Jahren Vorwürfe erhoben, doch er wurde immer wieder von
Gemeinde zu Gemeinde versetzt. Auch diese Meldung kann man in „Spiegel
online“ nachlesen.
Und was wurde aus diesem Kardinal, der jene Täter gedeckt hat? Bernhard
Law machte Karriere. Im Mai 2004 wurde er zum Erzpriester der römischen
Basilika Santa Maria Maggiore ernannt und siedelte nach Rom über. Am 11.
April 2005 zelebrierte er im Petersdom eine der Totenmessen für den
verstorbenen Papst. Auch war er einer der 115 Kardinäle, die eine Woche
später die aktuelle Papstwahl bestritten. Und der frischgebackene Papst
Benedikt XVI. stattete diesem Kardinal gleich am 7. Mai einen Besuch in
dessen Basilika ab. – Nun, dieser Kardinal verhält sich so, wie es der
Stuhl Petri eben anordnet. Denn wie schon erwähnt: Wer die Fälle
sexuellen Mißbrauchs an die Öffentlichkeit bringt – so steht es in einem
offiziellen Schreiben des Vatikan –, soll mit Exkommunikation bestraft
werden. Und wir wissen ja, Exkommunikation bedeutet den Ausschluß aus
der Kirche und nach katholischer Lehre die ewige Verdammnis.
Über diese Vertuschungspraxis bezüglich der Mißbrauchsfälle durch
katholische Geistliche schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ am 19.8.2003:
„Katholische Kirche: Priester sollten sexuellen Mißbrauch verheimlichen.
Einem britischen Zeitungsbericht zufolge hat der Vatikan in den 60er
Jahren offiziell angeordnet, sexuellen Mißbrauch durch Priester nicht an
die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Erst vor zwei Jahren hat die
Führung der katholischen Kirche diese Anordnung bestätigt. »Die Bischöfe
in der ganzen Welt seien 1962 in einem streng vertraulichen
Vatikan-Dokument angewiesen worden, solche Vergehen ‚mit größter
Geheimhaltung’ innerkirchlich zu verfolgen«, berichtete die Londoner
Zeitung »The Observer«. Auch die Opfer des Mißbrauchs sollten unter der
Drohung der Exkommunizierung zum Stillschweigen verpflichtet werden. Sie
müßten aber innerkirchlich den Mißbrauch anzeigen. Der Vatikan wollte
dazu bislang nicht Stellung nehmen.“
Einige Zeilen weiter heißt es dann: „»2001 habe der deutsche Kardinal
Ratzinger [Anm.: Mittlerweile ist er Papst Benedikt XVI.] in
einem neuen Rundschreiben betont, daß das Dokument noch gültig sei«,
schreibt der Observer.“
Man bedenke, was hier abläuft: Die Verbrechen sollen verheimlicht werden
gegenüber der Öffentlichkeit, und die Kirche versetzt die schuldig
gewordenen Priester nur einfach in eine andere Pfarrei. Was das für die
Kinder dort bedeutet, ebenso für die Eltern! Genau betrachtet, ist es
eine Ungeheuerlichkeit, daß die Kirche nicht energisch gegen diese
Verbrechen vorgeht.
Im Folgenden eine Aussage des Theologen und Psychotherapeuten Wunibald
Müller, der zum Teil pädophile Priester behandelt. Wunibald Müller wurde
im Jahr 2002 im Mai vom „Spiegel“ interviewt und schiebt den Eltern der
Kinder die Verantwortung zu: „Die Eltern mögen doch sehen, wem man seine
Kinder anvertraut. Ist der Priester ein erwachsener Mensch, oder hat er
ein infantiles Verhalten? Hat er Freunde, oder verbringt er Freizeit und
womöglich sogar Urlaub stets mit Jugendlichen? Da würden bei mir die
Alarmglocken läuten.“
Der Kirchenmann sagt also, die Eltern sollen doch schauen, ob das ein
Priester ist, der in Gefahr steht, möglicherweise Kinder zu mißbrauchen.
Es ist unglaublich! Und deshalb rät der bekannte Kirchenkritiker und
ehemalige Theologieprofessor Dr. Hubertus Mynarek: „Kinder sollten
überhaupt keinen Kontakt zu Priestern haben, denn die Eltern sind damit
überfordert, zu beurteilen, ob der Priester möglicherweise pädophil ist
oder nicht.“
Wie sieht denn die Realität aus? Einem Bericht aus Irland zufolge wurde
ein Jugendlicher im Alter von 16 Jahren von dem katholischen Priester
seines kleinen Dorfes mißbraucht. Der Junge vertraute sich seiner Mutter
an und sagte ihr: „Er ist gar kein Priester; er tut, was ein Mann einem
Mann nicht antun sollte.“ In der Sprache eines Jugendlichen hat er
ausdrücken wollen, was ihm zugefügt wurde. Die Mutter jedoch wurde ganz
rabiat; sie glaubte ihrem Sohn nicht. In der folgenden Nacht versuchte
der Jugendliche, sich umzubringen; nur weil sein Cousin ihn rechtzeitig
fand, überlebte er. Sein Cousin wurde aber gleichfalls von demselben
Pfarrer mißbraucht und hat sich später tatsächlich das Leben genommen.
Dieser Bericht illustriert unter anderem, wie solche Pfarrer vorgehen.
Z.B. hat der betreffene Pfarrer in diesem Fall dem Jungen gesagt, in ihm
sei das Böse, und er, der Pater, könne es aus ihm vertreiben und ihn zu
Gott zurückführen. Dazu müsse der Junge jedoch schweigen. – So ist es
einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ vom 17. 1. 2004 zu entnehmen.
Einem anderen Jungen sagte der Pfarrer: „Es gibt zwei Möglichkeiten.
Entweder ich sage es deinen Eltern, oder du kommst noch einmal zu mir.“
Auf diese raffinierte Weise also gehen Priester vor, um Jugendliche an
sich zu binden und um zu verhindern, daß sie von dem sexuellen Mißbrauch
zu Hause erzählen. Berichten sie zu Hause darüber, so wird ihnen in
vielen Fällen leider nicht geglaubt. Der damals betroffene Junge ist
heute ein erwachsener Mann. Die Vorstellung von einem unanständigen
Priester, sagt er, sei damals so absurd für ihn gewesen wie „zwei Monde
am Himmel oder ein Mensch mit fünf Armen“.
So war das damals. Und heute?
Dazu gibt es Beispiele aus Deutschland, wie das folgende aus dem Bistum
Würzburg. Dort trat der Vater eines mißbrauchten Ministranten vor die
Gemeinde und brachte vor: „Dieser Pfarrer hat mein Kind mißbraucht“, mit
dem Ergebnis, daß daraufhin aus dem Dorf massiver Druck auf seine
Familie ausgeübt wurde. – So sind die Zustände heute.
Und wie geht es den Menschen danach? Das Opfer aus Irland, von dem
berichtet wurde, ist bis heute so gut wie arbeitsunfähig, konnte keinen
Beruf durchhalten und lebt von Sozialhilfe. Viele der Menschen, die von
Priestern mißbraucht wurden, leiden unter Konzentrationsschwächen, unter
Schlafstörungen, unter massiven psychischen Problemen.
Bedenklich hoher Anteil an pädophilen und verbrecherischen Priestern.
Wer sein Kind diesen anvertraut ...
Einem normal denkenden Menschen sagt der neutrale und etwas blasse
Begriff „Mißbrauch“ wenig. Was tatsächlich dadurch angerichtet wird,
welche psychischen Schäden die Opfer für ihr Leben davontragen, wurde
gerade angedeutet. Weitere Zahlen zeigen das Ausmaß dieser Verbrechen.
Fast 11.000 mißbrauchte Opfer allein in den Vereinigten Staaten, fast
4.500 katholische Priester, die als Sexualverbrecher in Erscheinung
getreten sind. Dabei ist zu bedenken: Die Vereinigten Staaten sind ein
überwiegend protestantisches Land. Der Anteil von pädophilen oder
verbrecherischen Priestern an der Bevölkerung ist also extrem hoch.
Der vorhin zitierte Sachverständige, der die pädophilen Priester
psychiatrisch betreut, hat im Prinzip recht: Wer unter diesen Vorzeichen
überhaupt noch ein Kind zu einem Priester schickt, der bringt sein Kind
bewußt in Gefahr. Und man könnte letztlich auch den Vorwurf dieses
Psychotherapeuten aufnehmen, die Eltern seien selbst schuld. Da
inzwischen bekannt ist, welche Gefahr droht, müßte im Grunde genommen
jeder Erwachsene, der sein Kind dieser Kaste von in so hohem Umfang
pädophilen oder verbrecherischen Priestern anvertraut, eigentlich selbst
dafür zur Verantwortung gezogen werden.
Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, das Ganze spiele sich
vorwiegend in den Vereinigten Staaten oder in englischsprachigen Ländern
ab – in Deutschland ist es genauso. Bevor wir zu einigen Fällen in
Deutschland kommen, soll noch daran erinnert werden, wie denn die
Ausbildung in den katholischen Priesterseminaren erfolgt. Jeder hat noch
den Namen „St. Pölten“ im Ohr. Die dortigen Vorgänge werfen ein
bezeichnendes Licht darauf, wie die angehenden Priester auf ihre Aufgabe
vorbereitet werden.
Im Priesterseminar St. Pölten war es offensichtlich so, daß sowohl der
Leiter des Seminars als auch sein Stellvertreter homoerotische
Beziehungen zu den Insassen hatten. Nun ist Homosexualität generell in
der heutigen Zeit nicht strafbar – zu Recht nicht strafbar, denn jeder
entscheidet selbst, was er tut. Doch hier handelte es sich um ein
Verhältnis zu Abhängigen. Ein Seminarteilnehmer, der namentlich nicht
genannt werden will, weil er fürchtet, daß sonst für ihn Konsequenzen
drohen, erklärte dem Fernsehen gegenüber, die Seminarleitung habe die
Gelegenheit genützt – so wörtlich –, „Frischfleisch“ zu bekommen. Das
bedeutet: Menschen, die in ihrem beruflichen Fortkommen von den
Seminarleitenden abhängig waren, von diesen beurteilt werden mußten, die
dort eine Laufbahn durchlaufen, eine Ausbildung machen wollten, wurden
dazu verführt, mit den beiden Leitern in homosexuelle Beziehung
einzutreten und trauten sich nicht, sich dem zu widersetzen.
Als das alles herauskam, wurde das Seminar zwar geschlossen – aber es
wurde auch bekannt, daß der zuständige Bischof Krenn lange vorher davon
gewußt und es offensichtlich verdrängt und vertuscht hatte. Das ganze
Ausmaß dessen, was in diesem Seminar vor sich ging, ersehen wir aus
einer Meldung der Zeitung „Die Welt“ vom Mittwoch, 14. Juli 2004: „Die
Österreichische Justiz leitete Ermittlungen wegen möglicher
Sexualdelikte ein. Inzwischen haben die Behörden mindestens 40.000
weitere Fotos aus dem Besitz der Priesterseminaristen gefunden, auf
denen ebenfalls meist sexuelle Motive zu sehen sind – darunter auch
harte Pornographie, die St. Pöltner Priesterschüler teils mit
Vorgesetzten zeigen, wie das Magazin »Profil« berichtet.“
Zu ergänzen wäre, was in einem Bericht vom Fernsehsender N 24 am 18.
Juni 2005 zu lesen war: „Hinweise auf neuen Pornoskandal in St. Pölten.
Theologiestudenten im Priesterseminar der Österreichischen Diözese St.
Pölten haben ein Jahr nach dem Skandal des Hauses um Kinderpornos wieder
Internetseiten mit pornographischen Inhalten aufgerufen.“ Demnach
scheint die Diözese die bedenklichen, teilweise kriminellen
Ausschweifungen noch lange nicht im Griff zu haben.
Man sieht also: Schon zu Beginn der Laufbahn von katholischen
Funktionären werden diese oftmals in eine bestimmte Richtung gelenkt,
die dem moralischen Anspruch, den die Institution Katholisch in der
Öffentlichkeit erhebt, nämlich Moralapostel der Nationen zu sein,
diametral entgegenläuft. Angesichts der Vielzahl der begangenen
Verbrechen, deren Umfang jetzt allmählich zutage tritt, nimmt es wunder,
wie lange sich ein so falsches Bild vom Priester in der Öffentlichkeit
halten konnte.
Es wäre für viele sehr aufschlußreich, die Nachrichten aufmerksam zu
verfolgen. Auch im katholischen „Radio Vatikan“ (im Internet) lesen Sie
fast täglich Meldungen von Entschädigungszahlungen wegen weiterer
Kinderschänderverbrechen. Man kann das Ausmaß solcher Vorfälle nur
ermessen, wenn man jeden Tag liest und hört, welche neuen
Kinderschänderverbrechen begangen wurden und an die Öffentlichkeit
gelangten oder welche neuen Gerichtsentscheide die Kirche verpflichten,
Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe an die Opfer zu leisten.
Man muß sich außerdem bewußt machen: Das, was wir in der Presse
erfahren, ist nur die Spitze eines Eisberges. Denn bei den meisten
Verbrechensfällen erkauft sich die Kirche mit Millionenzahlungen das
Stillschweigen der Betroffenen. Auch das steht z.B. in der „Süddeutschen
Zeitung“ vom 22. 3. 2002: „Meist kam es nie zum Prozeß. Meist wurde das
Schweigen der belästigten Kinder und ihrer Eltern schlicht erkauft. Von
mindestens 1000 Verfahren“ – hier ist die Rede von den Skandalen in den
USA – „und außergerichtlichen Einigungen seit Mitte der 80er Jahre,
sprechen Kirchenanwälte. Oft wurden die Kläger mit ein paar tausend
Dollar abgefunden, manchmal aber auch mit Millionen. Insgesamt, so
berichtet dieser Tage die »New York Times«, hat die Kirche in den USA
die schier unvorstellbare Summe von 1 Milliarde Dollar an Schadenersatz
und Schweigegeld aufgewandt.“
Wir können nur erahnen, was unter der Spitze des Eisberges liegt, wie
viele Skandale noch unentdeckt blieben. Das geht in die Tausende und
Abertausende.
Und wenn dann doch solche Skandale bekannt werden und die Kirche zahlen
muß, so ist sie sich nicht einmal zu schade, die Versicherung dazu
aufzufordern, ihr diese Schmerzensgeldzahlungen zu erstatten, wie einer
Meldung des Evangelischen Pressedienstes vom 20.8.2004 zu entnehmen war.
Dort hieß es: „Das katholische Bistum Rotterdam hat die Versicherung Aegon verklagt, weil diese sich weigert, Schmerzensgeld für ein Opfer
sexuellen Mißbrauchs durch einen Priester zu erstatten. Auch Schaden
durch sexuellen Mißbrauch sei durch die Haftpflichtversicherung
gedeckt“, behauptete der Sprecher des Bistums, Jan Willem Wits.
Die Versicherung lehnte die Erstattung jedoch ab. „Wir zahlen nicht bei
Verbrechen“, so ein Sprecher der Versicherung.
Man sieht, die Vertreter der Versicherungsgesellschaft, die noch ein
normales Empfinden haben, bezeichnen ein Verbrechen als Verbrechen. Das
zuständige Bistum hingegen geht davon aus, daß es sich bei Verbrechen an
Kindern um ein normales Risiko bei der Ausübung des katholischen
Geschäftes handelt.
Wie gesagt kann der sexuelle Mißbrauch von Kindern durch Kleriker nicht
als ein amerikanisches Problem angesehen werden. Hier einige der Fälle,
die in Deutschland bekannt wurden:
Ein Fall aus dem Jahre 1993: Gegen einen 65jährigen katholischen
Seelsorger aus dem Bistum Augsburg wird ermittelt. Er soll jahrelang ein
ihm anvertrautes 12jähriges Mädchen mißbraucht haben.
Die Staatsanwaltschaft Coburg hat einen Pfarrer angeklagt, der drei
Jungen seiner Gemeinde im Alter zwischen 9 und 11 Jahren dreizehnmal
mißbraucht hat.
Im Bistum Aachen wurde ein 62 Jahre alter Geistlicher dingfest gemacht.
Man fand bei einer Hausdurchsuchung im Pfarrhaus in Krefeld 58.000
Kinderpornobilder und 300 Videocassetten. Den größten Teil der
Hardcore-Produktionen hat der Pfarrer über Jahre hinweg in Eigenarbeit
erstellt, berichtet der „Spiegel“ vom 15. 7. 2002.
Im März 1999 gab es einen Fall in Sigmarszell bei Lindau, das zur
Diözese Augsburg gehört. Dort wurde der 58jährige katholische Pfarrer
vom Dienst suspendiert und statt im Untersuchungsgefängnis in einem
Kloster untergebracht. Er gestand, einen 15jährigen Jungen mehrfach
sexuell mißbraucht zu haben. Ob er noch weitere Kinder mißbrauchte, ist
noch fraglich.
Im April 1999 wurde der ehemalige katholische Pfarrer von Wald im Kreis
Sigmaringen des Erzbistums Freiburg zu dreieinhalb Jahren Gefängnis
verurteilt. Zwischen Februar 1997 und Mitte 1998 hatte er einen anfangs
noch nicht einmal 12jährigen Jungen in 27 Fällen sexuell mißbraucht. Ein
weiterer Junge war 14 Jahre alt, als er zwischen Juli und November 1996
in etwa 30 Fällen von diesem Pfarrer mißbraucht wurde; die 12jährige
Schwester des Jungen hatte der Pfarrer ebenfalls zweimal handgreiflich
mißbraucht.
Kinderschänder auch in der Lutherkirche
kein Einzelfall
Wir sehen also, auch in Deutschland ist das Verbrechen der
Kinderschändung seitens der Priester weit verbreitet. Und wenn einer
jetzt vielleicht glaubt, viele Kinderschänder seien nur deswegen
Kinderschänder, weil sie durch den katholischen Zölibat dazu gemacht
würden – der dabei sicherlich eine Rolle spielt –, so könnte diese
Vermutung dadurch eingeschränkt werden, daß es ebenso Kinderschänder in
der Luther-Kirche gibt. Dazu ein Beispiel:
In Bad Zwischenahn wurde ein evangelischer Vikar nach sexuellem
Mißbrauch suspendiert. Die Evangelische Nachrichtenagentur Idea meldet
am 17. Juli 2005: Der Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche
in Oldenburg hat einen Pfarrvikar vom Dienst suspendiert, der im
Verdacht steht, ein 14jähriges Mädchen sexuell mißbraucht zu haben. Der
verheiratete Pfarrvikar aus Rastede im Ammerland hatte sich wegen
sexuellen Mißbrauchs an einem 14jährigen Mädchen aus Bad Zwischenahn auf
das Drängen der Kindsmutter hin selbst angezeigt.
Daß dies kein Einzelfall aus dem evangelischen Bereich ist, zeigt das
Beispiel eines Pfarrers aus Schkeuditz, der wegen sexuellen Mißbrauchs
von Jugendlichen in 42 Fällen angeklagt ist, wie die „Bild-Zeitung“ am
7.2.2002 berichtete. Er scharte vor allem junge Mädchen der
Kirchengemeinde um sich; er soll okkulte Sitzungen mit
Wünschelrutenzauber und Pendelpraktiken durchgeführt haben, durch die er
die Mädchen gefügig machte. Sein Kollege aus Ostfriesland trieb es mit
seinen Konfirmandinnen. Eine von ihnen forderte er gar auf, wir zitieren
wieder die „Bild-Zeitung“ diesmal vom 13.3.2002: „Laß uns einen Helden
auf dem Altar zeugen.“ Der Pastor kam glimpflich davon, mit einem Jahr
Gefängnis auf Bewährung.
Im „Hamburger Abendblatt“ vom 15. Dezember 2004 lesen wir: „Diakon
mißbraucht sieben Jungen. – Bewährungsstrafe.“ „Wegen sexuellen Mißbrauchs von Schutzbefohlenen in sieben Fällen verurteilte ihn gestern
das Schöffengericht Elmshorn zu einer Haftstrafe von 18 Monaten. Sie
wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil der Angeklagte voll geständig war
und seinen Opfern eine Aussage vor Gericht ersparte. Die Ermittler
machten in der verwahrlosten Wohnung schockierende Funde. Auf Fotos,
aufgenommen von den Jugendlichen, posierte Jens R. mit Sexspielzeugen.
Die Festplatte seines Computers war voll von pornographischen Dateien.“
Es stimmt nachdenklich, zu hören, wie solche Fälle in Deutschland
gehandhabt werden. Man bedenke: Wenn z.B. ein Arbeitsloser aus Not
mehrfach hintereinander etwas stiehlt, dann kann er sicher sein, daß man
ihm im Wiederholungsfall keine Bewährung mehr gibt, sondern ihn deswegen
ins Gefängnis schickt. Die skandalöse Verhaltensweise der Priester
hingegen scheint offensichtlich als eine Art Kavaliersdelikt angesehen
zu werden. Das ist schon an der verharmlosenden Bezeichnung „Mißbrauch“
abzulesen. Deutlich muß gesagt werden: Es handelt sich dabei um
Sexualverbrechen von Kirchenfunktionären an Kindern. Die Täter sind
Kinderschänder, und die Opfer sind Kinder.
Daß es sich wirklich um eine Verharmlosung handelt, zeigt u.a. die
Tatsache, daß die Opfer oft viele, viele Jahre brauchen, um überhaupt
ein erstes Mal über diese Taten zu sprechen. Aus den psychologischen
Gutachten, die sich mit diesen Sexualverbrechen befaßt haben, ist
mehrfach zu ersehen, daß die Opfer oft erst 15, 20 oder 25 Jahre nach
diesen Verbrechen in der Lage waren, ihr Schweigen zu brechen und
darüber zu reden.
Lassen wir das einmal auf uns wirken! Stellen wir uns vor, was für eine
ungeheure seelische Qual die Kinder durchgemacht haben, wenn sie, auch
später als Erwachsene, so lange nicht fähig waren, mit diesen Verbrechen
an die Öffentlichkeit zu gehen.
Um die Opfer kümmert sich die Katholische Kirche nicht – allenfalls
wenn, wie in den Vereinigten Staaten, die Justiz ihnen Druck macht –,
wohl aber um die Täter. Für Priester mit solchen abartigen,
verbrecherischen Neigungen gibt es besondere Erholungszentren, wie z.B.
das Recollectio-Haus in Münster-Schwarzach, in der Nähe von Würzburg,
wie im „Spiegel“ Nr. 18/2002 zu lesen ist.
Traumatisierte und seelisch geschädigte
Opfer
werden häufig selber straffällig.
Ein Appell an Eltern, ihre Kinder nicht diesen Gefahren auszusetzen
Es gibt aber auch den Fall, daß die Opfer selber straffällig werden,
weil sie, schwer traumatisiert und seelisch geschädigt, aus ihrer
hilflosen inneren Situation heraus das, was ihnen passiert ist,
unmittelbar an andere weitergeben. Es gibt z.B. den Fall des
Kindermörders Jürgen Bartsch, der in Nürnberg als der „Mittagsmörder“
bekannt wurde, ein Serienmörder, ein Triebtäter. Es stellte sich heraus
– nachzulesen in dem Buch von Hubertus Mynarek „Eros und Klerus“ auf
Seite 144 –, daß dieser Kindsmörder eine sehr schwere Kindheit hatte:
„Der Knabenmörder Jürgen Bartsch war schlicht und einfach das Ergebnis
der ersten fünf oder sechs Jahre seiner abscheulichen pathologischen,
fast unbeschreiblich unglücklichen Kindheit. Schweren Schaden fügte dem
jugendlichen Bartsch auch ein katholischer Priester zu. Aus Jürgens Revisionsprozeß wurde bekannt, daß der katholische Priester Pater P.
Jürgen als Internatsschüler in M. sadistisch bestraft und sexuell
mißhandelt hatte.“
Der eine oder andere mag sich fragen, warum wir Urchristen nicht, wie in
unseren zurückliegenden Sendungen, einmal die Frage stellen: Was würde
Jesus, der Christus, zu dem Ganzen sagen? Aber nach den Fakten, die wir
hier zusammengetragen haben – und das ist, wie gesagt, nur die Spitze
des Eisbergs –, werden Sie verstehen: Zu all diesen Verbrechen kann
Jesus, der Christus, gar nichts sagen. Sie sind so unter jeder Würde,
daß Jesus, der Christus, wahrscheinlich noch nicht einmal an so etwas
gedacht hat. Wenn Jesus von Nächstenliebe sprach, dann hatte Er ein
anderes Bild als das, was uns die katholischen Priester, was uns
evangelische Pfarrer, was uns die Päpste auf dem Stuhl Petri durch alle
Jahrhunderte hindurch vorgelebt haben.
Das Einzige, was dem guten Analytiker an Hilfreichem zu dieser
Problematik einfällt, ist der Rat, wie er schon in der Bibel steht:
„Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt ihrer Sünden und
nichts empfangt von ihren Plagen“. (Off. 18,4)
In diesem Zusammenhang noch einmal ein Appell an die Eltern: Sie können
ja, wenn Sie das wollen, Mitglied dieser Organisation bleiben, aber
bitte, setzen Sie Ihre Kinder nicht diesen schweren Gefahren aus.
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