Nachrichten- Religionsprivileg, Innere Sicherheit, Terror, Kirchen

 CNA-Meldung vom 21.September.2001:

 

Religionsprivileg:

Staat soll auch bei Kirchen verfassungsfeindliches Verhalten unterbinden...

 

Wie der Presse zu entnehmen war, traf sich der deutsche Bundeskanzler mit Vertretern der beiden großen Kirchen, um ein brisantes Thema zu erörtern: Die Abschaffung des so genannten Religionsprivilegs im deutschen Vereinsrecht. Hiernach können verfassungsfeindliche Vereinigungen nicht verboten werden, wenn es sich um Religionsgemeinschaften handelt. Da sich hinter diesem Privileg auch radikal islamistische Gruppierungen verschanzen können, will man es nunmehr aufheben. Dass der Kanzler in diesem Zusammenhang mit den Kirchen spricht, findet der Pressesprecher der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben, Dr.Christian Sailer, irritierend. Wörtlich sagte er:

 

"Da werden die Böcke zu Gärtnern gemacht. Die geplante Gesetzesänderung betrifft ausschließlich religiöse Minderheiten, nicht jedoch die Kirchen, denn sie unterstehen als Körperschaften Öffentlichen Rechts nicht dem Vereinsrecht. Ja noch mehr: Nach herrschender Rechtsauffassung gilt ihr Status als unantastbar, gleich, wie sie sich verhalten. Auch im Falle von Gesetzes- und Verfassungsverstößen bleiben sie immer Körperschaften Öffentlichen Rechts, die keiner staatlichen Aufsicht unterliegen und nicht aufgelöst werden können. Diese Rechtsposition nutzen die Kirchen inzwischen wieder zum Kampf gegen Andersgläubige. Bei ihren heutigen Kreuzzügen ersetzen sie den Mord an Ketzern durch massiven Rufmord. Ein 15-jähriger Feldzug dieser Art wird in Kürze Gegenstand eines umfassenden Gerichtsverfahrens sein."

 

Christian Sailer stellt die Frage, ob Kanzler Schröder sich wohl bewusst sei, dass seine kirchlichen Gesprächspartner Vertreter von Organisationen sind, die noch heute "Heilige Schriften" für verbindlich erklären, die in vieler Hinsicht ebenso gefährlich sind wie das Gedankengut radikaler Islamisten. "Die wenigsten Menschen wissen", so Sailer, "dass in der Bibel Völkermord, Rassismus, Judenfeindschaft und andere Verbrechen als gottgewollt dargestellt werden - nicht nur in dem blutrünstigen Alten Testament, sondern auch im Neuen Testament, in dem z.B. Petrus über Andersgläubige mit den Worten herzieht: 'Sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von der Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden ... Sie sind schandbare Schmutzflecken ...' (2.Petr.2.12f.)".

 

Der Vertreter des Universellen Lebens weist darauf hin, dass ein privatrechtlicher religiöser Verein mit einer solchen Satzungsgrundlage in Zukunft verboten werden dürfte. Die Kirchen könnten sich dem nur mit dem Hinweis auf ihren öffentlich-rechtlichen Status entziehen, denn sie halten unüberhörbar an ihrem menschenverachtenden Grundsatzprogramm fest. So heiße es etwa im römisch-katholischen Katechismus wörtlich: "Das Alte Testament ist ein unaufhebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der alte Bund ist nie widerrufen worden ... Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes. Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe, wies die Kirche stets entschieden zurück." (Katechismus der Katholischen Kirche. R.Oldenburg-Verlag, 1993, Rdnrn.121 und 123)

 

Zusammenfassend stellt Sailer fest: "Es ist gut, wenn es der Staat nicht zulässt, dass unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit aggressive Intoleranz gepredigt wird. Das muss jedoch auch für die Kirchen gelten, zumal diese bei der Verfolgung Andersgläubiger ihre Macht als öffentlich-rechtliche Körperschaften missbrauchen. Auch dagegen muss der Staat einschreiten können. Die Kirchen dürfen nicht länger über dem Staat und der Verfassung stehen! Neben der Abschaffung des Religionsprivilegs für verfassungsfeindliche "Religionsvereine" sollte man deshalb dem Staat auch gegenüber den Kirchen die Möglichkeit einräumen, verfassungsfeindliche oder menschenrechtswidrige Tendenzen zu unterbinden. Was Kindern und Jugendlichen anhand der Bibel an angeblich gottgewollter Gewaltbereitschaft und Intoleranz im katholischen und evangelischen Religionsunterricht vorgesetzt wird, ist nicht weniger gefährlich als die radikal islamistischen Lehren mancher Koranschulen. Wie groß die Terrorbereitschaft ist, die in kirchlichen Konfessionen entstehen kann, erweist nicht nur die Geschichte, sondern auch die Gegenwart, in der wir beispielsweise in Nordirland real erleben, wie sich katholische und protestantische Terrororganisationen gegenseitig bekämpfen. Und die furchtbaren Gotteskämpfer, die sich durch den Mord an Andersgläubigen den Himmel verdienen wollen, gibt es nicht nur im Islam, sondern auch in der katholischen Kirche: Als im 12. und 13. Jahrhundert die Kreuzritter im Auftrag der Päpste in Palästina einfielen, winkte ihnen für Mord und Totschlag ein vollkommener Ablass ihrer Sündenstrafen. Im Jahre 1099 starben aufgrund dieser Ideologie bei der Eroberung Jerusalems 70.000 Juden und Muslime. Die noch vor Blut triefenden Ritter gingen anschließend 'vor Freude weinend hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren' - so der Bericht eines Augenzeugen."

 

Abschließend distanziert sich Christian Sailer als Sprecher der Urchristen im Universellen Leben von dem Begriff "Religionsgemeinschaft":

 

"Das Wort 'Religionsgemeinschaft' bzw. 'Religionsgesellschaft' ist durch die Kirchen schwer belastet. Sie sind äußere Institutionen der Macht und des Geldes, die durch ihre blutige Geschichte das Wort 'Religion' in Misskredit brachten. Man muss sich schämen, eine 'Religionsgemeinschaft' zu sein, wenn die kirchlichen Institutionen dafür die Moralinstanz sind. Und jetzt sollen sie sich auch noch bei der Verhinderung von Missbräuchen der Religionsfreiheit als Richter aufspielen dürfen, obwohl sie mit dieser Freiheit selbst den größten Missbrauch getrieben haben und immer noch treiben: Auch sie haben ihre geistigen 'Ausbildungslager' für den Kampf gegen Andersgläubige - im katholischen und evangelischen Religionsunterricht, in dem vielfach religiöse Intoleranz gelehrt und weltanschauliche Feindbilder produziert werden. An keiner Institution klebt so viel Blut wie an der katholischen und protestantischen Religion. Priesterreligionen erwiesen sich meist als Unterdrückungsreligionen. Die von Priestern geführten Weltreligionen haben vielfach Krieg, Unterdrückung und Tod gebracht. Jesus sagte nicht umsonst: Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder (Matth.23,8) Je mehr es in dieser Welt drunter und drüber geht, um so weniger wird es auf Konfessionen und Religionsgemeinschaften ankommen; die Menschen, die Halt suchen, wollen Beweise, ob Christus lebt, durch die christliche Tat, durch Werke der Nächstenliebe. Der Glaube allein und seine verbale Bekundung genügen dafür nicht.

 

Universelles Leben, der Name der Gemeinschaft, für die ich spreche, ist Leben im Geiste Gottes. Die Urchristen im Universellen Leben verstehen sich nicht als Konfession oder Religionsgemeinschaft, sondern als die Gemeinschaft des Nazareners. Diese ist bereit, kraft ihres Glaubens an die 10 Gebote und die Bergpredigt unsere Regierung aus der Sicht des Jesus, des Christus, im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen, weil dieser nicht der christlichen Lehre entspricht. Andere Religionen, gleich, wie sie sich bezeichnen, wollen wir nicht abqualifizieren. Es ist ihr Glaube, den man nicht beweisen kann; aber wer sich auf den Namen CHRISTUS beruft, darf sich nicht gegen das Friedensgebot des Jesus von Nazareth richten."

 

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